Eine Gerichtsreise nach Tusculum

  • Der Marsch verlief fast so als würde man mit seinem Liebchen einen Spaziergang über Wiesen und Felder machen, was natürlich keinen Grund für Beschwerden gab.

    Munter plaudernd zogen die zwei Contubernien auf der Landstraße entlang.

    Avisnus selbst hatte sich den Gesprächen noch nicht angeschlossen denn es beschäftigten ihn existenzielle Dinge. Wie zum Beispiel und das war der eigentliche Grund seiner Sprachlosigkeit, was er nach der Zeit im Exercitus machen sollte/ würde/ könnte.

    Er hoffte auf eine gute Abfindung, sei es jetzt rein monetär oder im Sinne eines Grundstücks.


    Kurz unterbrach er die Marterei seiner grauen Zellen und hörte dabei wie sich Crispus mit Maro über den Grund des Auftrags unterhielten.

    Interessiert lauschte er weiter und versuchte, so gut es ging, mehr zu hören.

  • Beim Tribun und den Honorationen fühlte sich Maro einigermaßen fehl am Platz vor, versuchte nach außen jedoch eine angenehme, lockere Ausstrahlung zu projezieren. Er kannte den Anblick von Soldaten, die unter höheren Zivilisten unwohl und steif gaben und keine gute Gesellschaft waren. Also serzte er ein verbindlich-aufgeraeumte Miene auf und lockerte die Haltung etwas während über die genaue Besetzung verhandelt wurde

    Lucius sah zu Maro hinüber, der den Mund hielt - er war scheinbar auch nicht unbedingt der gesprächigste Typ, was der Petronier aber sympathisch fand. Leider hatte sein harsches Auftreten aber auch die Stimmung bei den Gastgebern etwas verdorben...


    Eine Zeitlang bedienten sich also alle schweigsam am aufgetragenen Gang - scheinbar war sogar der Aedil eingeschnappt. Eigentlich hätte der Tribun nichts dagegen gehabt, das Essen auf diese Weise zu beenden, denn diese geschwätzigen Zivilisten waren im Prinzip verschwendete Zeit. Schließlich kam ihm aber doch noch ein sinnvolles Unterhaltungsthema:

    "Was für Fälle erwarten uns denn morgen?"

    Thalna kaute ausführlich seinen Bissen herunter, ehe er antwortete:

    "Es sind im Wesentlichen kleinere Eigentumsdelikte - Diebstahl, zwei Betrugsfälle vom Markt, Unterschlagung durch einen Buchhalter. Dazu zwei größere Schlägereien mit Körperverletzung. Ein Fall ist ein bisschen... delikat: Ein junger Bursche, der Sohn eines reichen Eques aus der Stadt, erkennt das Testament seines Vaters nicht an und hat sich die Arca geholt, die seinem Onkel hätte zufallen sollen. Der Bursche ist unbelehrbar und sein Onkel hat ihn nun wegen Diebstahl verklagt."

    Ein Rotzlöffel, soso...

    "Ist das nicht hier vor Ort zu regeln?"

    "Die Gültigkeit des Testaments wurde schon durch den Stadtrat und den Praetor in Rom bestätigt. Trotzdem hat er seinen Onkel besucht und die Geldkiste mitgenommen."

    Der Tribun zeigte ein säuerliches Lächeln - das war nun wirklich Zeitverschwendung, wegen solcher Kindereien drei Tage von seiner Arbeit wegzukommen!

    "Na dann werden wir ihm schon beibringen, das Recht zu respektieren, was meinst du, Octavius?"

    erklärte er und nahm sich noch ein Stückchen Fleisch.

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  • Von Diebstahl und Betrug hatte Maro einige Ahnung. Testamente waren eine andere Sache. Doch so wie er das verstanden hatte, war die Lage einigermaßen klar und es ging nur noch darum, einige Dingen wieder... grade zu rücken.


    "Unsere Kernkompetenz, Tribun. Das Erbe seines eigenen Vaters zu klauen, ist keine lässliche Jugendsünde."


    Er wusste nicht aus dem Kopf was für Strafen in so einem bestimmten Fall in Rede standen, aber es würde sicher sehr unangenehm werden. Zumal der Tribun nicht in nachsichtiger Stimmung sein würde. Trotzdem war er gespannt das der Bursch vorbringen würde. Oder sein Anwalt. Wenn diese Leute reich waren, würde er vielleicht direkt seinen Advokaten mit schleppen. Dann konnte diese ganze Angelegeneheit wahrscheinlich sehr schnell sehr anstrengend werden.

  • Der Petronier nickte. Lucius hatte als Jugendlicher wegen viel kleineren Sachen mehr als nur eine Tracht Prügel bekommen! Für so einen Diebstahl hätte der Alte ihn wahrscheinlich bei lebendigem Leibe gehäutet - da war eine Geldstrafe, wie das Gesetz sie vorsah, ja eine Kleinigkeit! Oder sollte er eine Freiheitsstrafe erlassen?

    "Was Centurio Octavius schon sagt: Wir sollten dem Burschen eine Lektion erteilen!"
    Der Aedil legte die Stirn in Falten.
    "Aber du solltest beachten: Die Coruncanii haben gute Kontakte nach Rom! Die werden sich eine allzu hohe Strafe nicht bieten lassen!"
    Lucius rollte mit den Augen - er hatte diesen Namen noch nie gehört und wenn der junge Bursche - der offensichtlich dieser Familie entstammte - einflussreiche Freunde hatte, dann hatte der Onkel sie sicherlich auch, was logischerweise den Einfluss der Kontrahenten wechselseitig relativierte. Schließlich meinte er

    "Wir werden sehen..."


    Als nächstes begann der Iuventier über ein neues Bauprojekt in Tusculum zu berichten. Das Thema klang zuerst langweilig, aber als der Aedil auf die genauen baulichen Herausforderungen der geplanten Basilica einging, wurde es doch so technisch, dass das Interesse des Tribuns geweckt war. Seitdem er die Pyramiden in Aegyptus gesehen hatte, faszinierte ihn die Baukunst in gewisser Weise, denn sie war logisch und gehorchte Naturgesetzen und nicht irgendwelchen Haarspaltereien von Philosophen oder Politikern. Warum etwa ein Bogen nur eine bestimmte Spannweite überspannen konnte, ab wann man in einer Halle Säulen zum Abstützen der Decke anbringen musste und so weiter - das war so mathematisch, dass es Lucius faszinierte!

    "Octavius, hast du eigentlich auch schon an Bauprojekten gearbeitet?"
    unterbrach er das Gespräch zwischendurch gut gelaunt, als er bemerkte, dass Maro bisher kaum etwas gesagt hatte. Die Militäreinheiten in den Provinzen waren ja ständig an irgendwelchen Baustellen eingesetzt - hier in Rom war das angesichts des Heeres von Staatssklaven etwas anders, aber hin und wieder kam es doch sogar bei den Stadteinheiten vor...

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  • "Oh ja Tribun." Maro fiel da natürlich zuerst die station in der subura ein. Dass selbige wenig später angezündet worden war, musste man vor den Provinzhonorationen nicht durchblicken lassen. Deren Meinung von den Zuständen in der Stadt war ohnehin wahrscheinlich schon gering genug. "Der Neubau einer Station in der Subura. Ein mehrstöckiges Gebäude speziell zur Verteidigung und Bewachung der Umgebung konstruiert. Nichts was an eine Basilika heran reichen würde natürlich. aber ich bin ja auch kein Architekt." Er lächelte verbindlich. "Sollten die guten Leute von Tusculum jedoch ihre Basilika einmal zur Verteidigung ausbauen wollen, kann man mich in der Castra Praetoria erreichen."

    Ein kleiner Scherz am Rande.

  • Das Durchwuscheln seiner Haare, soweit das bei der Länge möglich war, quittierte Scato mit einem frechen Blick. Er hätte sich nun pro forma beschweren können, hatte aber dazu keine Lust, sondern schmunzelte. Er hatte es schon immer albern gefunden, wenn Leute zickten, weil jemand freundlich zu ihnen war. Solche Menschen gingen auch zum Lachen in den Keller. Die Frage nach dem Quell der Kekse beantwortete Lurco allerdings nicht, sodass Scato weiter forschen würde. Konnte ja nicht so schwer sein, das herauszufinden.


    "Wenn du kochst, wird es auf jeden Fall besser, als wenn Quietus das macht und wieder jedes Möhrenscheibchen korrekt von den Rationen abzieht und auf hundert Jahre im Voraus berechnet, wie lange wir von der Restmöhre überleben können, wenn jeder reihum einmal dran lutscht. Ich geh baden."


    Wenn er wiederkam, würde das Essen hoffentlich fertig sein. Tarpa, der gerade vom Baden wiederkam, konnte Lurco beim Kochen helfen und würde das sicher auch tun.

  • "Oh ja Tribun." Maro fiel da natürlich zuerst die station in der subura ein. Dass selbige wenig später angezündet worden war, musste man vor den Provinzhonorationen nicht durchblicken lassen. Deren Meinung von den Zuständen in der Stadt war ohnehin wahrscheinlich schon gering genug. "Der Neubau einer Station in der Subura. Ein mehrstöckiges Gebäude speziell zur Verteidigung und Bewachung der Umgebung konstruiert. Nichts was an eine Basilika heran reichen würde natürlich. aber ich bin ja auch kein Architekt." Er lächelte verbindlich. "Sollten die guten Leute von Tusculum jedoch ihre Basilika einmal zur Verteidigung ausbauen wollen, kann man mich in der Castra Praetoria erreichen."

    Ein kleiner Scherz am Rande.

    "Wenn man mich fragt, ist dieses Projekt zum Scheitern verurteilt - die Subura mit Gewalt zu befrieden führt nur dazu, dass das Gesindel dort in andere Stadtviertel ausweicht und dort unbescholtene Bürger belästigt... ganz abgesehen von den Kosten, diese Bastion ständig zu verteidigen..."
    erwähnte der Tribun auf Maros Bemerkung hin, wobei er den Scherz umging, der die beiden anderen Teilnehmer am Mahl immerhin zu einem amüsierten Lächeln inspirierte.

    "Aber wenn die Station Octavius ein bisschen Bau-Erfahrung verschafft hat, ist das ja auch schonmal was..."

    "Mich hatten die Nachrichten ebenfalls überrascht... und sie wurde ja auch schon mehrere Male niedergebrannt, wenn ich recht gehört habe..."
    Thalna schien lebhaft über die Geschehnisse in Rom informiert zu sein - andererseits liebten ja alle Römer Klatsch und die Berichte aus der Hauptstadt interessierten natürlich auch die Lokalfürsten wie diesen Aedil...


    Das Essen zog sich noch eine Weile - früher wäre der Petronier Gefahr gelaufen, sich bei solchen Gelegenheiten zu betrinken, weil er so viel Wein bekam, wie er wollte, und dafür nicht bezahlen musste. Da er aber schon rasch merkte, dass das fette Essen seinem schwachen Magen zusetzten, blieb er bei stark verdünntem, bleigesüßten Wein und stellte das Essen ziemlich schnell komplett ein. Als sich Manius Cordius relativ früh verabschiedete (ihm stieß es wahrscheinlich sauer auf, dass er trotz des Abends nicht als Iudex in Betracht gezogen wurde), erklärte auch Lucius, dass er - und natürlich auch Octavius Maro - sich ebenfalls zurückziehen würden und sie gingen auf ihre Zimmer...

    Sim-Off:

    Schreiten wir mal voran - die Truppe kann ja mit Zitat-Funktion parallel ihren Abend im Sportheim weitersimmen ;)

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  • Der Gerichtstag


    In Tusculum wurde traditionell auf dem Forum Recht gesprochen. Und da die Tradition jedem Römer - und Italiker - heilig war, war diese auch dann einzuhalten, wenn es kühl und windig war. Lucius fühlte sich an diesem Morgen sowieso elend - das Essen vom Vorabend war doch etwas zu fett gewesen und dazu stand der Sirius in einem ungünstigen Aszendenten für seine Verdauung. Aber dass er nun auch noch in der Kälte auf einem Tribunal sitzen musste, dazu noch angetan mit einer unpraktischen Toga, die zwar jede Menge Stoff verbrauchte, dabei aber einen ganzen Teil des Körpers trotzdem der Kälte aussetzte, verdarb ihm die Stimmung absolut. Zwar hatte er drei Schichten Tunica (ganz oben natürlich die mit den schmalen Purpurstreifen des Ritterstands) druntergezogen, dazu Reithosen, die man unter der Toga wenigstens nicht sah, aber trotzdem fand er es kühl, als er auf der Richterbank Platz nahm. Neben ihm saß Titus Iuventius Thalna, auf der Linken Octavius Maro als seine beiden assistierenden Iudices.


    Die beiden Contubernia Begleitung hatten die Aufgabe, das Tribunal - die Tribüne für die Richter - abzuschirmen, die Angeklagten heranzuführen und einzuschüchtern. Lucius hatte es seinem Klienten und Centurio überlassen, den Männern Anweisungen zu geben und die Aufgaben aufzuteilen - er selbst hatte sich am frühen Morgen lieber noch einmal die Gerichtsakten durchgesehen...

    Sim-Off:

    Maro, du könntest noch kurz aussimmen, wie du die Jungs an der Palaestra abholst und Tagesbefehle gibst. Ich sehe spontan folgende Jobs:

    • Ausrufen der Angeklagten/Zeugen (damit sie vor den Richter treten)
    • Bewachung und Abführen der Täter
    • evtl. Reichen von Beweisen/Schriftstücken
    • ggf. Zurückhalten des "Mobs" im Fall von Ausschreitungen
    • Eindruck-Schinden vor dem Tribunal

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  • Den Centurio hatte das Abendessen nicht umhauen können. Aber er hatte auch nicht eine Krankheit wie der Tribun sie durch gemacht hatte hinter sich. Ohne Umschweife begab er sich also zu den Mannschaften um sie auf Trab zu bringen.


    "So, alle Mann aufstehen, wir sind hier nicht im Urlaub. Ich hoffe für euch, ihr habts gestern nicht zu wild getrieben - genaueres interessiert mich nicht - denn es geht jetzt los. Folgende Befehle: Scato, du schwätzt doch so gern. Wir brauchen einen, die äh, Zeugen und Prozessparteien aufruft und uns die Zettel mit den Informationen reicht. Das machst du.

    Lurco, du wirst mit der dir eigenen Rigorosiät dafür Sorge trage, dass während dieser Angelegenheit hier die Sicherheit erhalten bleibt und sich der Volkshaufen zusammen reißt. Aber treib es nicht zu weit. Avianus, du bist dafür zuständig, dass die Zeugen und Angeklagten koordienert zum Gericht und wieder weg geführt werden. Die sind heute garantiert mit den Gedanken woanders, sie könnten sich also verirren.

    Ich will einen schönen sauberen Gerichtstag. Verrrrstanden?!"

  • Lurco grinste seinen Centurio gut gelaunt an. Das war doch eine Aufgabe nach ihrem Geschmack. Mal sehen was verhandelt wurde und ob einer so dreist wie dämlich war, die Verhandlung zu stören. Lurcos Blick wanderte kurz verschwörerisch zu Scato und Avianus, ehe er Maro wieder anschaute.


    "Verstanden Centurio, ich sorge für Ruhe und Ordnung", antwortete er gehorsam und setzte eine ernste Miene auf.

  • Ein wenig wie Urlaub fühlte sich die Reise schon an. Der Winter hatte sich in die Berge zurückgezogen und in den Tälern erblühten die ersten bunten Frühlingsboten. Die Truppe war in bester, aber nicht unbedingt fleißigster Stimmung. Die Hälfte der Männer hatte in Liegestühlen gesessen und sich, eingehüllt in Wolldecken, mit geschlossenen Augen die Morgensonne ins Gesicht scheinen lassen, bis Tarpa ihren Offizier-naht-Warn-Pfiff ausgestoßen hatte. Rasch hatte man die Liegestühle zusammengeklappt und an die Hauswand gelehnt und war ins Innere gestürzt, um die Decken auf die Betten zu werfen und Geschäftigkeit zu heucheln. Ramnus schaute in sein Vorratsnetz, Tarpa klimperte im Geschirrregal herum, Quietus wischte den sauberen Tisch ab, Stilo trug den Wassereimer von einer Zimmerecke in die andere und Asper polierte seine ohnehin schon auf Hochglanz gebrachte Rüstung. Als Maro eintrat, beendeten sie die fingierten Tätigkeiten und nahmen Haltung an.


    Scato legte eine Wachstafel, die er gerade erst zur Hand genommen hatte, um konzentriert darauf zu starren, auf dem Tisch ab und stand auf. Namen in der Gegend rumplärren zu dürfen war nach seinem Geschmack, zudem war er so mitten im Geschehen. "Verstanden, Centurio", bestätigte er. "Woher bekomme ich die Informationen, wen ich wann aufzurufen habe? Eine Liste wäre gut."

  • Der Centurio kratzte sich am Kopf.

    "Immer langsam mit den alten Leuten Scato. Die Liste ist hier."

    sprachs und reichte dem Miles eine Tafel mit den Namen in der Reihenfolge, wie sie gehörte.

    "Noch Fragen? Nein? Gut dann los."

    Mit diesen Worten marschierte er hinaus und nickte dem Tribun zu zum Zeichen dass es losgehen konnte.

  • Der Gerichtstag


    In Tusculum wurde traditionell auf dem Forum Recht gesprochen. Und da die Tradition jedem Römer - und Italiker - heilig war, war diese auch dann einzuhalten, wenn es kühl und windig war. Lucius fühlte sich an diesem Morgen sowieso elend - das Essen vom Vorabend war doch etwas zu fett gewesen und dazu stand der Sirius in einem ungünstigen Aszendenten für seine Verdauung. Aber dass er nun auch noch in der Kälte auf einem Tribunal sitzen musste, dazu noch angetan mit einer unpraktischen Toga, die zwar jede Menge Stoff verbrauchte, dabei aber einen ganzen Teil des Körpers trotzdem der Kälte aussetzte, verdarb ihm die Stimmung absolut. Zwar hatte er drei Schichten Tunica (ganz oben natürlich die mit den schmalen Purpurstreifen des Ritterstands) druntergezogen, dazu Reithosen, die man unter der Toga wenigstens nicht sah, aber trotzdem fand er es kühl, als er auf der Richterbank Platz nahm. Neben ihm saß Titus Iuventius Thalna, auf der Linken Octavius Maro als seine beiden assistierenden Iudices.

    Der Gerichtstag begann - wie man das so machte - mit irgendwelchen Kulthandlungen (Auspizien oder Opfer - Lucius hielt sich im Hintergrund und ließ den Aedil machen). Anschließend hatte der "Herold" (Scato) seinen Auftritt. Er hatte zu verkünden, dass der Tribun Lucius Petronius Crispus im Namen des Praefectus Urbi die kaiserliche Cognitio extraordinaria in Form eines Iudicium extraordinarium wahrnahm und entsprechend dem Gericht vorsaß. Normalerweise hätte der Tribun dann noch ein paar kurze Worte verlieren können. Aber er war kein Freund großer Reden und hatte signalisiert, dass man sofort verkünden sollte, wer die weiteren Iudices waren und dass die Vertreter des ersten Fall - Caius Rabirius Fronto gegen Titus Quinctius Pansa - nun vortreten sollten. Dann hatte natürlich zuerst der Kläger, dann der Beklagte das Wort. Anschließend Beweisaufnahme, dann Abschlussplädoyers (wieder Kläger, dann Beklagter) und schließlich würde sich das Gericht zur Urteilsfindung zurückziehen.


    Lucius nahm solange Platz - das war das Gute als Richter: Man durfte die ganze Verhandlung über sitzen, während die anderen stehend reden und verhandeln mussten. Auf seinem Stuhl im Zentrum des Tribunals fühlte er sich tatsächlich recht mächtig und es gefiel ihm, dass er auf seinem Platz lümmeln konnte, während die Kläger, Zeugen und Angeklagten am Boden standen und darum bangten, Strafgelder oder Schlimmeres aufgebrummt zu bekommen.

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  • Scato trat einen Schritt nach vorn und blickte gewichtig in die Runde, die Tabula erhoben. Jeder sah, dass er gedachte, die Stimme zu erheben, was Asper einen gequälten Gesichtsausdruck abverlangte. Scatos Stimme war sehr laut und sehr unangenehm und er gebrauchte sie äußerst gern.


    "Der Tribunis Cohortis Urbanae Lucius Petronius Crispus", krähte er so laut, dass es auch der letzte Anwesende in der hintersten Ecke hören würde, "nimmt zum heutigen Tag im Namen des Praefectus Urbi die kaiserliche Cognitio extraordinaria in Form eines Iudicium extraordinarium wahr!"


    Das klang sehr hochtrabend, hieß jedoch nichts anderes, dass es sich heute um ein zivilprozessuales Gerichtsverfahren handelte, bei dem der Tribun im Namen des Praefectus Urbi dem Ganzen vorsaß. Scato las im Folgenden die Namen der weiteren Richter vor.


    "Die Vertreter des ersten Falls - Caius Rabirius Fronto gegen Titus Quinctius Pansa - mögen nun vortreten", schloss er.


    Er senkte die Tabula, schaute wichtig und trat einen Schritt zurück. Asper seufzte erleichtert.

  • Während Scato krähend mit einer Stimme wie ein Reibeisen verkündete, welchen Posten ihr Tribun heute vor Gericht bekleiden würde, behielt Lurco die Menge im Auge. Er würde nicht den geringsten Ärger dulden. Maro hatte ihm befohlen für die Sicherheit zu sorgen und das würde er auch tun. Er tauschte kurz einen Blick mit Pullus, der ebenfalls wachsam alles im Auge behielt. Schon krächzte Scato erneut los und rief den ersten Vertreter auf einen Titus Quinctius Pansa. Lurco schaute sich nach dem Mann um und hoffte er würde dem Aufruf folgen. Nicht das Scato erneut die Stimme derart erheben musste. Asper sah selbst auf diese Entfernung leidend aus. Die Verhandlung hatte kaum begonnen und schon begann der Spaß.

  • Auch der Tribun fragte sich, ob Maro ausgerechnet den Mann mit der nervigsten Stimme zum Herold bestimmt hatte - aber zum Glück hatte er nicht allzuviel zu sagen, denn es kamen direkt ein dicklicher Alter mit einem jungen Burschen, der offensichtlich der Advocatus war, und ein hagerer Alter mit seinem Rechtsverdreher vor das Tribunal. Der junge Anwalt von Rabirius Fronto begann und berichtete in einer sehr ausladenden Anklage-Rede von der Unterschlagung, die sein Mandant Quinctius Pansa zu Last legte, zu berichten. Dafür zitierte er ausführlich die entsprechenden Paragraphen und benannte jeden Zeugen und jedes Beweisstück einzeln. Im Prinzip hätte Lucius sich die Beweisaufnahme damit sparen können, aber der einschläfernde Stil des Advokaten führte dazu, dass er kaum folgen konnte. Quinctius Pansas Anwalt war rhetorisch etwas besser, dafür war die Situation hoffnungslos - im Prinzip war der Fall klar. Trotzdem mussten nun die von Frontos Anwalt benannten Beweise einzeln vorgelegt und gewürdigt werden. Danach erfolgten die Abschlussplädoyers, die dem Tribun als eine Kopie der Eingangs-Statements erschienen.


    Die Richter erhoben sich also und traten hinter das Tribunal, abgeschirmt von den Urbanern. Lucius machte es kurz:

    "Quinctius Pansa ist schuldig. 300 Sesterzen plus Erstattung der unterschlagenen Gelder. Einwände?"

    Er sah fragend zu dem Centurio. Wenn er seinem Patron zustimmte, brauchte er gar nicht erst auf die Meinung des Aedils hören...

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  • Der Centurio nickte dem Tribun zustimmend zu. 300 Sesterze klang absolut vernünftig und würde niemandem ddie Existenz zerbrechen. "300 Sesterzen plus Erstattung der unterschlagenen Gelder erscheint mir angemessen zu sein."

    Er störte sich nicht an Scatos Stimme. Einerseits war er daran gewöhnt. Andererseits war sie gut hörbar überall und erfüllt somit ihren Zweck. Wenn er einen Sänger mit einer wohlklingenden Stimme gesucht hätte, hätte er... nein es gab in der Centurie keinen, der eine herausragende Stimme hatte. Zum Sänger taugten die alle nicht. Aber vielleicht, so dachte Maro, war er auch einfach nur ein Kunstbanause.

  • Scato schaute in die Runde, während er das Ende der Verhandlung abwartete. Die Menge war ruhig geblieben, letztlich hatte es auch keinen Skandal gegeben und das Urteil schien ihm milde. Zu sagen hatte er jetzt scheinbar nichts mehr, was ihn nicht davon abhielt, mit seiner Tabula in der Hand wichtig dreinzublicken.

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