Taberna "Aus der Hand von Schesmu"

  • "Iunius Verax reicht völlig, mein Vater muss nicht erwähnt werden. Das Vermieten der taberna hängt sicherlich davon ab, wie viele Personen deine Herrin hier bewirten lassen möchte. Wir können das sicherlich einmal durchrechnen, wenn es soweit ist."


    Die junge Dienerin nestelte in ihrem Beutel und zog Münzen hervor, reichte mir dann eine wohl vertraute Drachme. Auch der Umrechnungskurs entsprach allen gewohnten Dingen, daher gebe ich ihr einen Sesterz wieder.

    "Meine Schwester", sage ich und zeige auf sie, "heißt Iunia Proxima."

  • Proxima hatte mich auf einen Gast aufmerksam gemacht, der scheinbar das Gespräch mit mir suchte. Ich hatte keine Ahnung, worum es ging, begab mich aber zu ihm.


    "Salve, du bist Sisenna Seius Stilo? Meine Schwester sagte, du möchtest mich sprechen?"

  • Stilo kaute in Ruhe herunter, bevor er antwortete. "Salve, ja, der bin ich. Den Namen Iunius habe ich in Caesarea noch nicht gehört, nehme also an, dass ihr zugezogen seid. Sagt dir der Name Titus Iunius Priscus aus Italia etwas?"

  • Der Mann, der vor mir sitzt, kommt mir in keiner Weise bekannt vor. Er scheint etwas soldatisches an sich zu haben, ich kenne den Ausdruck in den Augen noch von Vater. Seine Frage überrascht mich ein wenig und ich muss nachdenken.


    "Wir sind tatsächlich erst vor einigen Tagen hierher gezogen und hatten das Glück dieses gemütlich keine Haus zu finden. Aber nein, der Name sagt mir gar nichts. Sollte er denn?"

  • Endlich konnte ich das Brot aus dem Ofen holen und geselle mich auch zu meinem Bruder, der gerade mit Stilo sprach. Ich bin gerade noch dazu gekommen, als er meinte, dass ihm der Name nichts sagte. ich hatte die ganze Zeit überlegt und war der Meinung, dass der Mann mit uns irgendwie verwandt war.


    "Ich glaube, Titus Iunius Priscus war ein Großonkel oder entfernter Vetter unseres Vaters oder etwas in der Art. Ich habe den Namen auf jeden Fall schon einmal gehört. Bist du auch mit dem Mann verwandt, Seius Stilo?"


    Irgendein Interesse musste der Mann ja haben, dass er so etwas wissen wollte.

  • Re: Und noch eine Kundin....


    3547-pasted-from-clipboard-png"Der Sesterz ist Trinkgeld für deine Freundlichkeit.", wehrte Hadirat ab:

    "Es ist so, dass wir erst kürzlich aus dem Osten nach Caesarea gezogen sind, und uns faszinieren alle römischen Gebräuche. Bestimmt wäre meine Herrin ganz entzückt darüber, mit deiner Schwester Iunia Proxima eine echte Römerin kennen zu lernen. Daher bin ich so neugierig. Der Name meiner Herrin ist Nannaia Surena, und wir wohnen nicht weit von hier im Hause des Mondes."

    Sie schaute sich um, als zwei ihrer Mädchen mit Körben in die Taberna kamen und die ganzen Speisen verpackten.

    Hadirat lächelte: "Noch einmal Danke für alles und schönen Tag."


    Ihr Blick fiel auf Seius Stilo, während sie mit den Sklavinnen nach draußen ging. Da war noch ein Römer, nahm sie an. Wenn Nannaia Surena welche kennen lernen wollte, würde sie in Caesarea mehr als fündig werden.

  • Den abgelehnten Sesterz stecke ich wieder ein und betrachte die junge Frau, wie sie die Speisen in Körbe legt, die gerade von anderen Mädchen - diese gehörten offensichtlich zu ihr - hereingetragen wurden.

    "Das ist sehr großzügig, dankesehr. Meine Schwester ist sicherlich auch an neuen Bekanntschaften interessiert, komm daher gerne wieder. Und beste Grüße aus der besten aegyptischen taberna diesseits des Meeres an deine Herrin!"

  • Stilo wartete in Ruhe, bis die Mädchen die Taberna verlassen hatten. Sklavinnen einer Nannaia Surena, aha. Nie im Ort gehört, schien auch neu hier zu sein. Surena. Als jemand, dessen Familie seit Generationen in Cappadocia lebte, war Stilo der Nachname allerdings geläufig. Das konnte doch fast nicht sein, vielleicht verhielt es sich ähnlich wie mit den römischen Libertini, welche mit der Freilassung die Namen ihrer Herren annahmen? Doch nun galt es erstmal, sich um die eigene Sippschaft zu kümmern.


    "Titus Iunius Priscus war mein Schwager, der Mann meiner älteren Schwester. Selbst wenn es keine Blutsbande sind, die uns verbinden, so steht die Tür der Casa Seia für Verwandte jederzeit offen. Gästezimmer gibt es mehr als genug. Ich werde den Sklaven Bescheid geben, damit sie euch bei Bedarf einlassen. Braucht ihr Hilfe - meldet euch bei mir. Ich selbst bleibe nicht in Caesarea, ich reise Weiter nach Satala zur Legio XV Apollinaris. Was hat euch überhaupt hierher verschlagen? Cappa ist ja nun nicht gerade dafür bekannt, junge Römer zu locken. Die meisten empfinden eine Versetzung hierher als Strafe."

  • Verwandte? Hier? Ich hatte davon nichts gewusst und würde später Proxima befragen müssen, die scheinbar mehr darüber wusste. Woher auch immer...


    "Wir danken dir für dein Angebot, aber wir werden unser Leben wohl hier erst einmal neu gestalten." Unsere Bleibe hier war zwar noch nichts Besonderes, aber wir hatte genug Arbeit reingesteckt, um zumindest eine Zeit lang hierzubleiben. "Wir haben uns Caesarea selbst ausgesucht ohne überhaupt etwas darüber zu wissen. Wir kommen aus Alexandria, mussten aber von dort weg. Aus verschiedenen Gründen. Den Zuschlag bekam diese Stadt letztlich, weil es hier kein Meer gibt. Bist du mal tagelang auf dem Meer unterwegs gewesen? Ich kann es nicht empfehlen..."

  • Stilo hatte keine andere Antwort erwartet. Wer seine Familie hinter sich ließ, genoss für gewöhnlich die Luft der Freiheit, anstatt sich bei der erstbesten Verwandtschaft einzuquartieren, die ihm über den Weg lief und ihre Gastfreundschaft aufs Auge drücken wollte. Insbesondere, wenn verschiedene Gründe als Ursache des Verschwindens angegeben wurden.


    Stilo vermutete eher nicht, dass die beiden etwas ausgefressen hatten, vielmehr nahm er die hoffnungslos chaotischen Zustände in der Gens Iunia als Ursache an, in der sich jeder mit jedem verzankte, Leute aus ungeklärten Ursachen verstarben oder sich in die Fremde absetzten, ohne einen Abschiedsgruß zu hinterlassen. Wer war er, einem Iunier seinen Individualismus nehmen zu wollen? Sie wussten nun, an wen sie sich vor Ort wenden konnten, wenn sie mal übers Ziel hinausschossen und ein Mehr an wohlgemeinten Angeboten oder Ratschlägen würden sie nur davonjagen.


    "Ich bin über das Meer gekommen", beantwortete er die Frage. "Ich bin eine hoffnungslose Landratte, aber an Bord hat mir gefallen, wie alles harmoniert, wie eine gefühlte handvoll Menschen ein so riesiges Gefährt sicher durch Wind und Wetter navigieren kann. Die einen kümmern sich um die Segel, die anderen ums Steuer, immer ist irgendwer am werkeln und jeder hat seinen festen, unersetzlichen Platz. Das Leben in so einer Gemeinschaft stelle ich mir durchaus nicht schlecht vor. Mit einem Kriegsschiff würde ich gern mal mitfahren, auch wenn ich der Legio den Vorzug gebe, einfach um zu sehen, wie dort alles funktioniert.


    Wie sind die momentanen Zustände in Alexandria? Man hört ja so einiges, aber ich bevorzuge Informationen aus erster Hand und frischer könnten sie wohl nicht sein."

  • "Ich war leider zu oft damit beschäftigt, mich selbst über die Bordwand zu legen, als dass ich das Handwerk der Seeleute hätte begutachten können. Aber auch die Legio reizt mich nicht. Ich habe gesehen, was sie aus meinem Vater gemacht hat. Das reicht für wenigstens zwei Leben", sage ich vielleicht eine Spur zu hart. Letztlich solle doch ein jeder das mache, wozu ihn das Schicksal auserkoren hat glücklich damit zu sein.


    "Alexandria ist chaotisch wie eh und je. Juden und Christen versuchen immer wieder aufzubegehren, werden aber niedergeschlagen. Es würde mich nicht wundern, wenn es alsbald einen großen Aufstand geben würde.* Ansonsten geht alles seinen gewohnten, aber undurchsichtigen Gang. Jeder hält sich selbst für ein Geschenk der Götter an die Stadt, vom alten Bettler bis zum Stadtschreiber und mehr. Es funktioniert aber."


    Sim-Off:

    * 115-117 n. Chr. gab es den Diasporaaufstand, nachdem sich die Stadt nicht mehr erholte und der den Weg zum Bar-Kochba-Aufstand zwei Jahrzehnte später ebnete.

  • Ich vermisste Alexandria eigentlich nicht mehr, bis auf die Hand voll Menschen, die mir dort nahe standen und ohnehin tot waren.


    "Ich teile Seius Stilos Ansicht was das Meer angeht. Ich fand die Schifffahrt sehr interessant und habe der Besatzung gerne bei der Arbeit zugesehen. Aber im Gegensatz zu meinem Bruder kann ich Wellengang genießen." Den kleinen Seitenhieb konnte ich mir kaum verkneifen.


    "Danke auf jeden Fall für das nette Angebot mit der Casa Seia. Ich glaube Cappadocia passt ganz gut zu uns. Das Land ist alt und weit und es gibt viel Platz darin. Ist es weit bis Satala?"


    Es war gut zu wissen, das Hilfe da war, sollte man sie brauchen. Aber ich sah auch in Verax' Gesicht, dass er nicht beabsichtigte das außer im Ernstfall in Anspruch zu nehmen. Ich empfand das ähnlich. Ich brauchte niemanden, der mich an der Hand nahm. Wir würden das schon allein auf die Reihe kriegen.

  • Über das stoische Gesicht von Stilo zog ein Hauch von Belustigung hinweg, als Iunius Verax vom undurchsichtigen, aber gewohnten Gang sprach.


    "Dann hoffe ich, dass dich diese Undurchsichtigkeit in Alexandria nicht gestört hat. Die Ränkespielchen der Tempelfürsten stellen alles in den Schatten, was ich an Undurchsichtigkeiten je erleben durfte. Diese Leute verkaufen ihre eigenen Götter, wenn es ihnen nützt."


    Vielleicht gab es Ausnahmen ... den edelmütigen Tempelfürsten, dem es um das Wohl seines Volkes und um das Andenken seiner Gottheit ging, doch Stilo vermutete, dass alle Tempelfürsten mit tugendhaften Ambitionen längst von den anderen ausgemerzt worden waren. Auch der Onkel seines Halbbruders Ravilla war auf höchst undurchsichtige Weise ums Leben gekommen. Ravilla konnte, wenn er ein Gläslein Weißwein zu viel getrunken hatte, eine lange Liste verdächtiger Namen samt passender Motive präsentieren, deren Zusammenhänge jeder, der nicht mindestens ein halber Cappadox war, sofort wieder vergaß.


    Stilos Schmunzeln wurde deutlicher bei der Anmerkung von Iunia Proxima zum Thema Wellengang.


    "Wir haben hier auch Kamele als Reittiere. Die sollte dein Bruder dann meiden. 400 Meilen werden es sein von hier bis nach Satala. Ich veranschlage um diese Jahreszeit zehn Tage Reisezeit, besitze allerdings ein trainiertes Pferd und führe noch ein genauso gutes Ersatzpferd zum Wechseln und einen Esel für das Gepäck mit mir. Mit einem durchschnittlichen Reittier würde ich ein paar Tage draufrechnen, wenn es nicht zuschanden geritten werden soll."

  • Mein Gesicht verfinsterte sich bei der Erwähnung der Tempelfürsten. Ich mochte keine Intrigen und hatte auch wenig Sinn für schöne Wort und blumiges Blabla. Aber Korruption und Intrigen gab es wohl überall auf der Welt - selbst an einem Ort wie diesen. Oft wünschte ich mir die Welt wäre einfach und alle Menschen würden einfach sagen, was sie denken. Das Leben war schon schwer genug ohne irgendwelche Fürsten und Kaiser, die einen wie einen Spielball durch die Welt warfen. Ich wischte diese Gedanken weg - es brachte ja eh nichts sich über den Lauf der Dinge den Kopf zu zerbrechen.


    Kamele? Ich hatte sie auf dem Weg hierher gesehen und einen Bogen um sie geschlagen. Die meisten von ihnen sahen sehr übellaunig drein und sie schwankten wie Betrunkene beim Gehen. "400 Meilen sind eine lange Strecke. Bisher ist mir das Land hier streckenweise sehr leer erschienen. Gibt es denn viele Dörfer auf dem Weg oder musst du bei so einem langen Weg viel im Freien übernachten?" Wie Satala wohl aussah und das Lager? Vielleicht würde ich ja viel Geld in den nächsten Jahren verdienen und dann könnte ich Verax zu neuen Abenteuern überreden.

  • Ein ordentlicher Mensch bringt Pfand- Amphoren zurück


    Eine halbe Sesterze bekommt ihr wieder, wenn der Krug seinen Weg wieder zu uns finden sollte."



    Es war einige Tage nachdem Hadirat all diese aegyptischen Speisen in das Haus des Mondes gebracht und dessen Bewohner sie mit Freude verzehrt hatten, als eine junge Frau mit einer leeren Amphore in der Hand ihren Weg in die Taberna fand.


    Sie war wesentlich einfacher gekleidet als Hadirat, so dass man sie für eine weitere Dienerin halten konnte. Sie trug aber nach parthischer Mode einen Stirnreif und einen langen Rückenschleier.


    Das war Nannaia Surena, die sehr neugierig auf die angekündigte Römerin war, höchstpersönlich.

    Sie hatte sich einen Spaß daraus gemacht, Elahbels wachsamen Augen zu entkommen.


    Nannaia war noch nie in ihrem Leben an einem Ort wie in einer gewöhnlichen Taberna gewesen. Normalerweise hätte sie, hätte sie die Neigung dazu verspürt, das Lokal räumen lassen und sich mit ihrem Gefolge dort eingefunden.


    Wenn du in Roma bist, sollst du dich wie eine Römerin benehmen, hieß das Sprichwort. Zwar war das hier Caesarea und nicht die Urbs Aeterna, aber trotzdem hatte sich Nannaia vorgenommen, in das hiesige Leben einzutauchen.


    Sie ließ sich nichts anmerken, sondern neigte etwas den Kopf und sagte:

    "Salve, ich habe eine leere Amphore aus eurem Haus bei mir und möchte sie zurück geben."

    Nannaia sprach mehrere Sprachen, darunter auch Latein, dieses aber etwas steif und wie aus dem Lehrbuch, was in ihrem Fall auch so war.

  • Ich hatte nur am Rande mitbekommen, wie Verax sich um Hadirat gekümmert hatte und ihr Brote mit Suppe und Krüge von henqet mitgegeben hatte. Ich war allerdings erstaunt, dass die Amphoren so schnell zurück gebracht worden. Und diese Frau sah auch nicht so reich gekleidet aus...aber gut, das war mir ja egal. Ich gab nichts auf Pomp und teure Kleider. Meine Aufmachung war auch nur sehr einfach, da ich ein naturfarbenes Leinenkleid im ägyptischen Stil mit einem gewebten Gürtel trug und hochgesteckte Haare.


    "Salve, vielen Dank fürs Zurückbringen. Ich hole dir gleich das Pfandgeld."

    Ich nahm die Amphore freundlich lächelnd zurück und ging dann zu unserem Geldkistchen um das versprochene Pfandgeld zu holen und überreichte es der Frau, die ich für eine Dienerin hielt.

    "Ich hoffe, deiner Herrin haben die Speisen und Getränke geschmeckt? Bald werden wir auch das Angebot erweitern, sobald wir entsprechende Rohstoffe auftreiben können."

  • "Dörfer in dem dir bekannte Sinne gibt es wenige da draußen. Ein paar liegen an den Handelsstraßen. Die Bevölkerung ballt sich jedoch vor allem um die Heiligtümer der Fürsten. Dafür gibt es einige Stellen in der Wildnis, an denen man mit recht hoher Wahrscheinlichkeit auf Nomaden treffen kann, auf Reisende oder auf Pilger und Einsiedler. Prädestiniert dafür sind Höhlen mit sauberem Wasser in der Nähe und genügend Vegetation für die Tiere. Wenn man Pech hat, ist sie schon von einer Räuberbande besetzt. Ich für meinen Teil bevorzuge trotzdem die Übernachtung in der Natur gegenüber der Möglichkeit, in einem fremden Haushalt einzukehren. Gewerbliche Übernachtungsmöglichkeiten sind außerhalb der Städte praktisch nicht vorhanden."

  •   

    Ich lauschte der Erzählung über das Reisen durch Cappadocia mit leuchtenden Augen. Nomaden, Räuber, Pilger...all dies klang spannend. Vielleicht sollte ich selbst Nomadin werden und einfach dem Wind folgen? Ich konnte mich mit meinem Messer verteidigen und tun und lassen, was ich wollte.


    "Ich beneide dich ein wenig, Seius Stilo. Ich glaube, Verax und ich müssen auch irgendwann Satala besuchen. Gibt es dort noch mehr als nur das Lager der Legion?"

  • Re: Ein ordentlicher Mensch bringt Pfand- Amphoren zurück


    Ich hatte nur am Rande mitbekommen, wie Verax sich um Hadirat gekümmert hatte und ihr Brote mit Suppe und Krüge von henqet mitgegeben hatte. Ich war allerdings erstaunt, dass die Amphoren so schnell zurück gebracht worden. Und diese Frau sah auch nicht so reich gekleidet aus...aber gut, das war mir ja egal. Ich gab nichts auf Pomp und teure Kleider. Meine Aufmachung war auch nur sehr einfach, da ich ein naturfarbenes Leinenkleid im ägyptischen Stil mit einem gewebten Gürtel trug und hochgesteckte Haare.


    "Salve, vielen Dank fürs Zurückbringen. Ich hole dir gleich das Pfandgeld."

    Ich nahm die Amphore freundlich lächelnd zurück und ging dann zu unserem Geldkistchen um das versprochene Pfandgeld zu holen und überreichte es der Frau, die ich für eine Dienerin hielt.

    "Ich hoffe, deiner Herrin haben die Speisen und Getränke geschmeckt? Bald werden wir auch das Angebot erweitern, sobald wir entsprechende Rohstoffe auftreiben können."

    Nannaia schaute auf den halben Sesterzen in ihrer Hand, tatsächlich hatte sie in ihrem Leben wenig mit Bargeld zu tun gehabt und fragte sich, was eine wirkliche Dienerin damit tun würde. Hineinbeißen? Oder tat man das nur mit Gold? Sie wusste es nicht genau.

    Tatsächlich war sie aber vollkommen entzückt davon, für eine Dienerin gehalten zu werden. Nicht weil sie Iunia Proxima in Verlegenheit oder täuschen bringen wollte, sondern weil ihr gerade solch ein Leben interessant und frei erschien. Dennoch sagte sie nun, wer sie war:

    "Ich danke dir, Iunia Proxima. Das bist du doch, oder? Dein Bruder hat meiner Dienerin deinen Namen verraten.

    Und ich bin die Herrin von Hadirat, die neulich eingekauft hat. Ich heiße Nannaia", sie lächelte verschwörerisch:

    "Ich bin meinen Wächtern heute einmal ausgerissen. Ich weiß nicht, ob du das kennst: Aber auch ein goldener Käfig bleibt doch ein Käfig. "

    Sie seufzte:

    "Das Essen war hervorragend, besonders das Bier, henqet. Es erinnerte mich an meinen Besuch in Babylon, dort brauen sie es ähnlich. Und die Idee, Suppe in ausgehöhltes Brot zu füllen, das war irgendwie ...ländlich wie in einer Schäferdichtung. Ich dachte bei mir, Leute, die so gut kochen, möchte ich kennen lernen."


    Sie warf einen Blick zur Tür:
    "Bestimmt suchen sie schon nach mir. Langweilig. Weißt du was, lass uns einen Krug Henqet und zwei Becher an einen Tisch bringen und ein Weilchen plaudern. Du sprichst mit deinen Gästen, auch fremden Männern, einfach so?"


    Nannaia Surena kam überhaupt nicht auf den Gedanken, dass sie die junge Iunia von ihrem Tagewerk abhalten würde. So sehr sie das freie Leben der Römerin bewunderte, hatte sie keine Ahnung davon, wie es war, sich dessen Unterhalt verdienen zu müssen.

  • Es war gerade ohnehin wenig los und noch sehr ruhig, daher hatte ich alle Zeit der Welt. Die Suppe war gekocht und das Brot gebacken und sowohl Demetrios als auch Verax waren anwesend. Mein Gesicht war nicht schockiert von der Enthüllung, dass es sich trotz der einfachen Kleidung der Frau hierbei um die Herrin handelte, die hier incognito ohne Wächter und Aufpasser hierher gekommen war. Ich ging auch so gut wie überall alleine hin und fürchtete mich nicht - im Gegenteil - dumme junge Männer sollten sich eher vor mir fürchten. Die Ausführungen der jungen Frau waren allerdings so bezaubernd, dass ich mir ein Schmunzeln hier und da nun wirklich nicht verkneifen konnte. Ein wenig weltfremd klang das schon alles, als ob Suppe im Brot so etwas rustikales wäre.


    "Ich bin in der Tat Iunia Proxima, Nannaia. Es freut mich, deine Bekanntschaft zu machen. Wir können uns gerne setzen und noch einen Krug henqet teilen, wenn du das möchtest. Ich hole uns schnell einen Krug."


    Trotz der Enthüllung Nannaias, dass sie die Herrin von Hadirat war, änderte das nichts an der Art wie ich die Frau behandelte. Ich wusste nichts über die Familie oder den Status dieser Frau und selbst wenn, dann würde es meine Meinung nicht ändern. Ich war zu allen freundlich, ob nun arm oder reich. Ich gab nichts auf edle Geburt oder vornehme Familien. Schließlich kann man sich ja seine Abstammung bei der Geburt nicht aussuchen und ein bisschen Freundlichkeit kostet nichts.


    Nach kurzer Zeit kam ich mit einem Krug und zwei Bechern zurück und bot Nannaia einen Sitzplatz an und schenkte ihr ein. "Warum sollte ich nicht mit Männern sprechen? Die meisten unserer Kunden hier sind Männer...das würde die Arbeit sehr kompliziert machen. Du warst bereits in Babylon?" Wie immer war ich neugierig bei fernen Städten und Ländern. Davon konnte ich meist nicht genug bekommen.

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