Curare curam urbis | Aedil Flavius bei Praefectus Claudius

  • Manius Minor hatte lange seinen alten Mentor und ehemaligen Magistraten Claudius Menecrates nicht mehr persönlich gesprochen, was angesichts seines nunmehrigen Amtes umso deplorabler war, als sich damit letztlich die neuerliche Option zur engen Kooperation ergab, welche bereits während seiner Quaestur, die er sub Consule Claudio hatte absolviert, so reiche Früchte hatte getragen. Wenige seiner bisherigen ädilizischen Obliegenheiten hatten somit dem Flavius mehr Freude bereitet als das heutige Treffen, welches die Officia beider Amtsträger zur achten Stunde des heutigen Tages hatten vereinbart. Den Etiketten entsprechend erschien der Aedil zusammen mit einer Entourage an Apparitoren, die indessen im Foyer des Verwaltungsgebäudes warteten, während der Flavius selbst, aus Respekt angetan mit den Insignien seines Amtes, lediglich begleitet von seinem Tiro fori, seinem Accensus und seinem Leibsklaven Patrokolos in das Officium des Praefectus Urbi vordrang, um seinen geschätzten Freund heute ein wenig mehr auf Augenhöhe als in ihrer letzten amtlichen Relation zu sprechen.


    "Claudius, ich grüße dich herzlich! Es freut mich außerordentlich, dass wir nun aufs Neue Seit' an Seit' stehen!"
    , salutierte er den greisen Menecrates mit einem strahlenden Lächeln, als er das Officium betrat.

    "Es ist viel zu lange her, seit wir uns sprachen! Ich glaube gar, dass ich noch gar nicht Gelegenheit hatte, dir von meinen Plänen für diese Amtszeit zu berichten und nun ist sie bereits weit fortgeschritten!"

    Zu seinem Gastmahl nach der Wahl war Menecrates damals nicht erschienen und seit seinem Amtsantritt hatte er diverse Arbeitsessen anzuberaumen gehabt, die deplorablerweise jedoch den Claudius nicht hatten inkludiert und da dieser auch die Abordnung von Milites der Cohortes Urbanae hatte delegieren lassen, waren sie tatsächlich seither sich lediglich im Senat begegnet, wo sich kein Gespräch hatte ergeben.

    Sim-Off:

    Ich verzichte einmal auf die Formalia, da man nie weiß, wie viel Amtszeit mir noch gegeben ist ;-)

  • Menecrates' Gesicht zeigte ein Lächeln, als er einige Schritte auf Flavius zukam. Dieses Entgegenkommen ließ er sich nicht nehmen. Ihn verband eine ganz besondere Beziehung mit dem jungen Mann, die in keinster Weise mit einer anderen vergleichbar war. "Ich grüße dich ebenfalls, Flavius, und die Freude ist ganz auf meiner Seite!"

    Während seine Hand Richtung Tisch und Sitzgelegenheiten wies, sprach er weiter. "Das ist richtig. Die Gelegenheiten zum Austausch ergeben sich nicht oft, weil unsere Ämter nicht in gleichem Maße eng verstrickt sind wie damals. Hinzu kommt", er nahm Platz und wartete, bis Flavius saß, bevor er fortfuhr, "mein Plan, vor allem in die Zukunft zu sehen, ging wenig auf bisher. Ich habe erhebliche Altlasten aufzuarbeiten, was mich Zeit kostet. Zeit, die für andere wichtige Dinge fehlt."

    Für Flavius' Begleiter standen ausreichend Sitzmöglichkeiten zur Verfügung. Der Praefectus ging davon aus, dass sich die Herren selbstständig setzten, ebenso sein Cornicularius. Er orderte die Erfrischung. Eine Schale mit fingerfreundlichen Früchten und Keksen stand ebenfalls bereit.

    "Das übliche Quellwasser", erklärte er schmunzelnd. Wer ihn kannte, wusste dass er keinen Wein mehr trank. Der Miles wartete mit dem Krug in der Hand, wer sich von den Herren an frischem Quellwasser versuchen würde.


    Indessen sprach Menecrates weiter. "Bevor wir dienstlich beginnen, möchte ich etwas Privates erwähnen. Sicherlich hatte es sich herumgetragen, dass ich lange und auch recht schwer erkrank war. Irgendwann klangen die Krankheitszeichen ab, aber die mentale Niedergeschlagenheit blieb, sodass ich mein Amt nicht fortführen konnte. Der Tag, an dem wir uns auf Serapios Hochzeit flüchtig über eine Neuauflage unserer Zusammenarbeit unterhalten haben und das Bedauern äußerten, dass eben jene Zusammenarbeit wegen meiner Amtsniederlegung unmöglich war, brachte bei mir die Wende. So gesehen bin ich dir zu besonderem Dank verpflichtet. Decimus Serapio war es dann, der den zweiten Anstoß gab und du siehst, was Worte und Gesten bewirken können - im positiven wie zuweilen auch im negativen Sinne." Er hob seinen Becher und sofern jemand der Anwesenden auf Achtsamkeit anstoßen wollen würde, hätte er dazu Gelegenheit. "Mögen die schlechten Tage hinter uns liegen und wir in positivem Sinne einen achtsamen Umgang miteinander pflegen."

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  • Mit freundlichem Gesicht vernahm der Flavius zunächst den Gemeinplatz hinsichtlich der Lasten des Amtes und schenkte dem Verweis auf das Quellwasser gar ein mildes Lächeln, da er doch beinahe wieder hatte vergessen, dass während seiner Quaestur er beinahe sich bereits daran hatte gewöhnt, dass sein damaliger Consul konträr zu nahezu jedem römischen Haushalt, sich des Weines enthielt und gar seinen Gästen bloßes Wasser offerierte, doch nahm er ob jener vergangenen Tage ebenfalls einen Becher.


    Als er sodann sich jedoch platziert hatte, erfolgte eine überaus unerwartete Explikation der amtlichen Absenz des Claudius, mit welcher er mitnichten gerechnet hätte, denn obschon natürlich kein Consular Roms unbemerkt sich aus der Öffentlichkeit zu retirieren vermochte und die Gerüchte über die Hintergründe derartiger Züge sogleich sprudelten (weshalb auch mancher selbstredend von seiner eigenen Schwäche für Opium hatte erfahren), so war es doch überaus ungewöhnlich, dass ein derart potenter Protagonist eingestand, der Melancholie in einem derartigen Umfange verfallen gewesen zu sein. Mitleidsvoll wurde die Miene Minors somit bei der Erwähnung jener tristen Situiertheit, um dann umso mehr sich zu erhellen, als Menecrates auf die wohltuende Wirkung seiner eigenen Bemerkungen zu sprechen kam, welche in einen Trinkspruch mündeten:

    "Auf die Achtsamkeit!"

    , konfirmierte der Aedil somit und nahm ebenfalls einen Schluck aus seinem Becher, der in seiner liquiden Geschmacklosigkeit um jene Tageszeit in der Tat ein wenig ungewohnt erschien.

    "Ich hoffe, dass deine Krankheit und deine mentale Indisposition dir nun, da die Arbeit in ihrer Gänze über dich hereinbricht, nicht aufs Neue lauern! Du solltest Acht geben, dass nichts sich einschleicht, was neues Ungemach evoziert!"

    Jener Rat aus dem Munde eines Jüngeren mochte als eine Plattitüde erscheinen, doch wusste der Flavius, welcher selbst mehr als einen mentalen Rückschlag hatte erlebt, wovon er sprach.

  • Es freute Menecrates, dass sich der junge Flavius am Trinkspruch beteiligte, was inhaltlich sicherlich keine Hürde darstellte, aber aufgrund des gereichten Quellwassers nicht selbstverständlich war. Gleichzeitig kannte Menecrates seinen Gesprächspartner nicht anders als ausgesprochen höflich im Auftreten, sodass er sich im Nachhinein doch keine Zurückhaltung hätte vorstellen können, ob die Erfrischung nun mundete oder nicht. Der Claudier schätzte Quellwasser, denn es schlug nicht auf den Magen, stieg nicht in den Kopf und verdarb auch nicht den Atem. Er wusste, er stand in der Stadt weitgehend allein mit dieser Haltung.

    Den angefügten Rat hieß Menecrates richtig, wenngleich er kaum wusste, wie er umzusetzen wäre. Das Ungemach traf ihn von außen und wenn es in der Tat schleichend käme, wie von Flavius formuliert, konnte es erst spät bemerkt werden.

    "Im Militär stehen Wachen an den Toren und prüfen jeden und alles, was Eintritt verlangt. Vielleicht sollte ich meine Wachen verstärken." Er schmunzelte. Im Grunde war er guter Dinge, denn obwohl die Arbeit um ein Vielfaches reichlicher ausfiel als zuvor gedacht und es auch bereits unschöne Überraschungen gab, wurde er bislang persönlich nicht behelligt. Da lag der Schlüssel, damit Kräfte nicht verschlissen.


    "Spiele auszurichten, gehören ja zum Arbeitsvolumen eines Aedil. In dieser Hinsicht hast du dir auch das größt mögliche Maß auferlegt. Ich kann mich kaum erinnern, je solche voluminösen Spiele erlebt zu haben." Als Schmeichelei dienten die Worte nicht, ihnen lag purer Ernst zugrunde. Demzufolge zeigte Menecrates' Gesicht auch die nötige Ernsthaftigkeit. "Die Spiele kann ich bestens bewerten, deine anderen Arbeitsschwerpunkte nicht. Gab es Probleme? Häuften sich Vorkommnisse? Siehst du Bereiche, in denen wir handeln müssen?"

    Er stellte den Becher ab und musste sich keine Sorgen machen, dass roter Wein den Bart einfärbte. Diesen Vorteil besaß das Quellwasser außerdem und selbst der winzigste Verbleib von Tröpfchen führte nicht zu dauerhaft unangenehmen Gerüchen, die Speise- und Trinkreste ansonsten gern in Bärten produzieren, wenn sie am Haar verdarben, weil man sie nicht rechtzeitig auswaschen konnte. Die neuzeitliche Bartmode brachte einiges mehr an Aufwand bei der Pflege mit sich.

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  • Der Flavius lächelte geschmeichelt, als Menecrates seine Spiele in höchsten Tönen lobte, was angesichts des exorbitanten Aufwandes, welchen dieser während seines Consulates in jenem Metier hatte an den Tag gelegt, geradehin ironisch wirkte.

    "Nun, ich durchaus - ich durfte sogar selbst an deren Organisation partizipieren!"

    , erwiderte er daher mit schelmenhalftem Unterton, da der Alte wohl sich zusammenreimen konnte, worauf er anspielte.


    Damit kamen sie direkt zum "Geschäftlichen" jener Unterredung, was durchaus dem Naturell des Claudius entsprach, wie Minor sich trefflich erinnerte. Seine lakonische Art, welche kaum bereit war sich mit Höflichkeiten und Tratsch aufzuhalten, hatte ihn einst bisweilen ein wenig irritiert, sich in amtlichen Fragen jedoch als wohltuend effizient erwiesen, selbst wenn dies wohl einer der Gründe war, warum nicht sämtliche Senatoren den greisen Claudius im Übermaße schätzten und wohl auch verhindert hatten, dass er damals eine Auszeichnung für sein arbeitsame Magistratur hatte erhalten.

    "Nun, du verfügst zweifelsohne über einen sehr viel besseren Überblick als ich, was die Cura urbis betrifft."

    , erwiderte er auf die nächste Frage, um sodann selbstredend doch stärker ins Detail zu gehen, da auch Floskeln und inhaltsarme Beiträge seinem Gegenüber lästig waren.

    "Ich höre die Klagen der Marktleute, lasse Kontrollen durchführen und nehme sie bisweilen auch persönlich vor, um zu demonstrieren, dass ich die Gewerbe im Auge habe und geneigt bin, meine Obliegenheiten gewissenhaft auszuführen. In dieser Hinsicht bin ich auch konzeptionell an der Arbeit: Gemeinsam mit Valerius Flaccus, einem überaus rechtskundigen Klienten meines Vaters, gedenke ich ein Edictum zu erarbeiten, das in seiner Struktur wieder zu perpetuieren wäre, da sich doch in der Praxis zeigt, dass die Lex Mercatus trotz der Erweiterungen durch Aurelius Lupus kaum hinreicht, um die allfälligen Dispute zwischen den Kaufleuten zu regulieren. Ich hoffe, dass mir dies noch während meiner Amtszeit gelingt!"
    Er nahm neuerlich einen Schluck des kühlen Nasses und blickte sodann erwartungsvoll zu dem Präfekten:

    "Indessen bin ich eigentlich gekommen, um dieselben Fragen dir zu stellen, respektive dir meine Unterstützung in Fragen der Cura urbis zu offerieren, so ich dir an irgendeiner Stelle von Nutzen sein könnte."
    Offiziell zählten noch immer sämtliche Bereiche der Cura urbis zu den Amtsbereichen des Aedilis, doch waren sie faktisch von den kaiserlichen Curatoren unter der Aufsicht des Praefectus Urbi aufgeteilt, sodass Manius Minor und seinen Amtskollegen praktisch lediglich einige missliebige Felder wie die Abhaltung von Spielen, die Kontrolle von Maßen und Gewichten sowie von Lupanaren und Garküchen verblieb. Dennoch bestand selbstredend die Option, auf Wunsch der kaiserlichen Amtsträger hier oder da unterstützend tätig zu werden, respektive auf Wunsch bestimmte Domänen komplett zu übernehmen.

    "Ich hatte erwogen, eine Inspektion einiger Tempel vorzunehmen, um die dortigen Baulichkeiten zu kontrollieren. Mir scheint, dass an mancher Stelle einige Gelder wären zu investieren, um die Substanz zu erhalten."
    Diesbezüglich hatte Manius Minor selbstredend mit Manius Maior eine exklusive Informationsquelle, die er in dieser Frage hatte konsultiert.

  • Menecrates verstand den Wink und nickte. Er gestattete sich einen flüchtigen Rückblick auf die eigenen Spiele, die nicht in seine Bewertung einflossen, was er erklärend nachreichte. "Die eigenen Spiele verfolge ich nicht nur als Zuschauer, sondern mit dem besonders kritischen Auge des Organisators. Da geht das Vergnügen zum Teil verloren. Dort, wo ich ausschließlich Zuschauer bin, lassen sich Vergleiche besser ziehen." Möglicherweise ließ sich Menecrates auch nicht leicht beeindrucken oder nur von Speziellem. Sein Urteil war subjektiv, keine Frage.

    In welchem Maße Menecrates als Person speziell wirkte, war ihm wenig bewusst. Könnte er Minors Gedanken lesen, hätte er viel Spaß und Grund zum Lachen. Er lachte gern, aber viel zu selten.


    Anders als gewissenhaft hatte Menecrates den jungen Flavius nie erlebt, daher hegte er bei dessen Selbsteinschätzung keinerlei Zweifel. Als die Rede auf eine Überarbeitung der Lex Mercatus kam, horchte er auf. Blitzartig stellte er Verknüpfungen her und war im Bilde. Er verbot sich jedoch die Gedanken weiter zu verfolgen, weil sie privater Natur waren.

    "Das ist interessant zu wissen", verkündete er, wobei er die Worte gemächlich setzte, so als ob er nebenbei nachdachte. Es blieb offen, ob der Kommentar der Überarbeitung galt oder vielmehr der beteiligten Person. Deutlich aufgeräumter fuhr er fort.

    "Ich kenne zwar den Stand der Bearbeitung nicht, kann mir aber kaum vorstellen, dass nicht wenigstens eine derart entwickelte Arbeitsvorlage in den Senat kommt, über die sich diskutieren ließe." Inhaltliche Nachfragen zu stellen, unterließ er. Er verabscheute Neugier und anders würde er solcherlei Nachfragen selbst nicht werten, daher wechselte er zum nächsten Thema und kam auf das Angebot zu sprechen.


    "Mein Tag hält scheinbar weniger Stunden bereit als für mein Amt notwendig wäre. Ich bin daher noch nicht dazu gekommen, mich mit dem Curator Viarum an einen Tisch zu setzen. Für ein anstehendes größeres Bauprojekt wäre es zwingend nötig, den Zustand der Via Salaria zu begutachten und - sofern nötig - rechtzeitig Reparaturarbeiten in Auftrag zu geben. Ich wollte mich eigentlich selbst noch davon überzeugen oder überzeugen lassen, dass die nördliche Zufahrtstraße in absehbarer Zeit frei von Baustellenbehinderungen ist. Wenn du mir diese Angelegenheit abnehmen könntest, wäre mir sehr geholfen."


    Die Instandhaltung von Tempeln galt in Menecrates' Augen als ein nie endendes Projekt. Irgendein Tempel schwächelte immer. "Es hat sich bislang noch nichts getan am Tempel der Flavii und Claudii", erwiderte er nachdenklich. Jeden anderen Aedil hätte Menecrates zumindest mit dem Einholen von Erkundungen beauftragen können, aber er scheute in diesem Fall davor zurück, weil böse Zungen Eigennutz sehen konnten. Ein Magistrat arbeitete für Rom und nicht für seine eigene Familie. Trotzdem konnten sie hier die Gelegenheit nutzen, um das Thema der geplanten Tempelweihung anzureißen.

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  • "Diese Erfahrung kann ich vortrefflich teilen!"

    , erwiderte der Flavius auf die Bemerkung Menecrates' hinsichtlich der Spiele und lächelte aufs Neue.

    "Ich hatte die einzelnen Tage der Megalesia ein wenig aufgeteilt und obschon ich letztlich überall die Verantwortung trug, so war das große Rennen, welches ich im operativen Ablauf an meinen Tiro fori Seius Ravilla hatte delegiert, zweifelsohne das erquicklichste Ereignis in jener Reihe der Ergötzlichkeiten."


    Hinsichtlich der Lex Mercatus blieb ihm ebenso ein entwaffnend offener Kommentar, da er doch die Bedächtigkeit des Claudius weniger als der erwähnten Personen (der gegenüber auch Minor selbst gewisse Befindlichkeiten hegte) als der Komplexität der Aufgabe zumünzte:

    "Ich selbst bin, offen gesprochen, ebenfalls zweifelsohne kein großer Rechtsgelehrter. Doch bin ich glücklich, dass in unserer Familia vortreffliche Juristen zu finden sind, welche hier Entwürfe erarbeiten, die ich verhoffentlich ebenfalls hinreichend verstehen kann, um sie dem Senat zu unterbreiten."

    Einem Konkurrenten gegenüber wäre jenes Eingeständnis von Inkapazität womöglich schädlich gewesen, doch da Minor einerseits dafür hielt, dass Menecrates selbst ebenfalls eher Praktiker als Theoretiker der Rechte war, andererseits auch nicht fürchtete, mehr als Nachsicht für jene Schwäche zu erfahren, ließ er sich zu jenen Worten hinreißen.


    Dass dann sogar ein konkreter Auftrag sich auf seine Nachfragen ergab, erfreute ihn ebenso, selbst wenn die bisherig in persona vollzogenen Inspektionen nicht eben das Erquicklichste repräsentierten, was er in seiner bisherigen Karriere hatte auf sich genommen. Zudem war, wie der Flavius, der ja auf dem Quirinal in immediater Nachbarschaft residierte, die Via Salaria eine der Landstraßen vor den Toren Roms, welche prinzipiell nicht im engsten Sinne zum Amtsbereich des Aedils zählte, dennoch wollte er seinem alten Mentor die Assistenz nicht verwehren:

    "Gern bin ich bereit, die Inspektion der Straße persönlich vorzunehmen."
    Selbstredend wusste er wenig über die Architektur, welcher er trotz der künstlerischen Aspekte ob ihrer Unbestechlichkeit hinsichtlich statischer Rahmungen als weniger erquicklich als die biegsame und harmonischer gestaltbaren sprachlichen Künste erschien, sodass er wie wohl jeder Delegat, den der Claudius konnte entsenden, similäre Expertise würde einbringen können. Doch war bisweilen die Präsenz eines ranghohen Magistraten auch ein Zeichen für die Bedeutsamkeit einer derartigen Kontrolle, die sämtliche Beteiligten zu größerer Beflissenheit und Eile anspornte.


    Der Tempel der Flavii und Claudii war indessen ein Sujet, welchem er nicht allein aus amtlichen, sondern ebenso aus familiären Gründen war verpflichtet, sodass rasch er zustimmte:

    "Ich werde diese Frage mit meinem Vater erörtern und mir selbst ein Bild machen. Es ist nicht allein ob unserer Maiores, sondern auch für das Salus publica Romana höchst relevant, den Unsterblichen ihre Wohnungen wieder zu restituieren!"

  • Das Thema der Spiele empfand Menecrates als ausreichend erörtert, ebenso das der Lex Mercatus, wäre da nicht eine Anmerkung gewesen, die ihn an den am Anfang seiner Laufbahn stehenden Minor erinnerte, der zuweilen Selbstzweifel zeigte. Er lächelte wohlwollend.

    "Bescheidenheit ist eine Tugend und sie beeindruckt mich sehr viel mehr als Großspurigkeit." Die Fältchen um seine Augen traten deutlicher hervor je mehr sich Warmherzigkeit in seinen Blick mischte. "Dabei kann ich mich nicht erinnern, je eine ungenügende Auskunft von dir als damaligem Quaestor Consulum erhalten zu haben. Im Gegenteil: Du verfügst über ein umfangreiches und tiefgreifendes Wissen, sodass ich ganz sicher bin, dass du jeden schwulstigen Prahler in einen Beutel stecken und den Gesetzesentwurf auch vortrefflich vorstellen wirst. Notfalls hast du Unterstützer an deiner Seite." Menecrates ging der Annahme, dass Gracchus Maior immer zu Hilfe eilen würde und gleiches konnte er von sich behaupten.


    Flugs waren sie vom Dienstlichen in eine private Unterhaltung gerutscht, was sich möglicherweise zwischen ihnen nie ganz vermeiden lassen würde, aber definitiv nicht beabsichtigt war. Einmal dabei, ging es auch schon weiter, denn der Part der Straßeninspektion galt ebenfalls als abgearbeitet. Wie erwartet, beschäftigte sie die beiderseitige Tempelschändung.

    "Die Wichtigkeit der beiden Tempel geht über die unserer Familien hinaus, ohne Frage", bestätigte Menecrates. "Der Verdruss der Götter spielte schon vor Jahren eine Rolle und mir scheint, es wurde trotz aller Bemühungen nicht deutlich besser." Er dachte an sein Consulat und den Opfermarathon zurück. Was hatte er letztlich gebracht? Er atmete einmal durch und sprach weiter.

    "Wo wir einmal bei dem Thema sind, die Statio I Urbana wurde zerstört und ehe ich sie wieder aufbauen lasse, möchte ich eine erneute Weihe. Die letzte Bauplatzweihung hat offensichtlich nicht gereicht. Daher ist aktuell eine Prozession samt Weihe im Gespräch. Eigentlich wollte mein Tiro Annaeus diesbezüglich mit deinem Vater sprechen, aber Krankheiten fragen nicht nach der Zweckmäßigkeit ihres Eintreffens, wie ich aus eigener Erfahrung weiß. Wäre es möglich, dass du bei passender Gelegenheit deinen Vater auch in dieser Hinsicht ansprechen könntest? Wenn eine Prozession unter seiner Obhut stattfinden könnte, wäre das von immenser Wirkung."

    Er fühlte sich verpflichtet, eine Erklärung abzugeben. "Bei meinem Amtsantritt hatte ich das Augenmerk vor allem auf die Cura Urbis richten wollen, doch mittlerweile beschäftige ich mich fast ausschließlich mit der gleichen Problematik wie damals beim Consulat: Der Subura und ihren Abgründen. Ich fürchte, ich komme auch nicht so schnell zu anderem, bis ich dort nicht eine Art Grundordnung manifestiert habe."

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  • Auch jene Freundlichkeiten erfreuten den jüngeren Flavius und evozierten ein genierliches Lächeln auf den feisten Lippen, zumal er doch selten in seinem bisherigen Leben Lorbeeren für seine Fachexpertise hatte erhalten. Der letzte Satz hingegen mochte dem (selbst-)kritischen Hörer als Relativierung der Lobpreisungen erscheinen, was indessen seinem Selbstbild auch weitaus besser entsprach als eine allzu hohe Meinung seiner selbst.


    Damit wendete sich das Gespräch Sujets zu, die Manius Maior zweifelsohne weitaus kompetenter hätte erörtern können, doch da Minor seinen Vater kannte und von ihm en passant nicht wenig über den Cultus Deorum und seine Vorgehensweise hatte erfahren, vermochte er einzuschätzen, dass die Wünsche des Claudius durchaus nicht auf taube Ohren würden stoßen.

    "Nun, mir ist nicht im Detail bekannt, wo die Statio stand, respektive stehen soll, doch gerade innerhalb des Pomerium sollte peinlich beachtet werden, die Götter nicht durch die Errichtung eines Lagers für Soldaten zu erzürnen."
    Dass der Praefectus Urbi indessen mit der Statio in der Subura die allgemeine Herakles-Aufgabe fokussierte, jenem Quartier der Elenden Ordnung aufzuoktroyieren, stieß bei dem Aedil auf eine Mischung aus Respekt und Ratlosigkeit, da ihm doch die Phantasie fehlte, wie jenes Konglomerat aus Ausländern, Halsabschneidern und lichtscheuem Gesinde nachhaltig der ordnenden Hand des römischen Staates zu unterwerfen wäre.

    "Nun, ich meide zwar wo ich kann den Aufenthalt dort wie alle Täler Roms, doch möchte ich dafürhalten, dass jene Aufgabe dich recht lange okkupieren könnte, da es mir doch als eine Sisyphos-Arbeit erscheint, einen Sack voll an Bienen zu dressieren. Mehr Präsenz des Staates mag ein guter erster Schritt sein, doch Ordnung in das Chaos zu transferieren, bedarf zweifelsohne weitaus mehr als einer Schar von Milites."
    Zu dieser Einsicht zumindest war der Flavius während seines Tribunates in Germania Superior gelangt, wo er (amüsanterweise am Ende des Imperiums, wo eine similäre Situation auch im Herzen der Urbs vorlag) zu dem Schlusse war gelangt, dass das Imperium sich glücklich schätzen konnte, wenn seine zahllosen Untertanen in allen Provinzen zumindest leidlich ihre Steuern abtraten und im Übrigen nach ihren eigenen Gesetzen lebten, da doch auch die Präsenz der Legionen an den Grenzen nicht hinreichte, die Bevölkerung an jenen Orten alleinig den römischen Gesetzen zu verschreiben.

    "Ich weiß nicht, ob ich dir bei dieser Initiative von Nutzen sein kann, doch wenn du eine Idee verfolgen willst, stehe ich dir gern zur Seite."

    Ein gewisses Unwohlsein verband sich mit jener freimütigen Offerte, da Minor nicht alleinig aus Furcht vor Übergriffen die Gefilde der Plebs mied, sondern in demselben Maße, weil er die Gesellschaft unkultivierter Primitiver nicht sonderlich schätzte, sodass bereits dieses Amt, bei dem bisweilen nicht allein gelehrte Advokaten, sondern auch simple Krämer vor seinem Richterstuhl erschienen, ihm als gewisse Last bedeutete, selbst wenn er nicht in jene niederen Sphären abtauchte, in der er ausnahmslos furchterregende Ausländer, fanatische Kultisten und gewissenlose Banditen wähnte, die sonst aus freien Stücken nie vor den Gerichten des Staates erschienen.

  • Gedankenanstöße gleich welcher Art begrüßte Menecrates. Sie sicherten ab, dass ihm kein notwendiger Gesichtspunkt durch die Maschen fiel, denn der eigene Blickwinkel konnte niemals allumfänglich sein. Flavius' Hinweis, die Götter nicht durch die Errichtung einer militärischen Einrichtung im Pomerium zu erzürnen - der ein wenig die Anmutung einer Belehrung besaß - half ihm durchaus. Er betrachtete erstmalig die Zerstörung der Statio unter dem Gesichtspunkt eines möglichen Göttereinflusses.

    "Die niedergebrannte Statio stand im Pomerium, wenn auch in Randnähe", erklärte er zunächst. "Sie wird auch an genau derselben Stelle wiederaufgebaut." Daran ließ er keinen Zweifel, aber er beantwortete sich wie Minor erstmalig die Frage, inwieweit die Götter Einfluss genommen haben könnten.

    "Die Bauplatzweihe verlief damals reibungslos. Nichts deutete auf eine Missbilligung des Bauvorhabens seitens der Götter hin. Gleichzeitig ist die Zerstörung ausnahmslos dem Tun einer kriminellen Bande zuzuschreiben, die sicherlich nicht von Götterhand geleitet wurde. Das haben die Ermittlungen zweifelsfreie ergeben." Zufrieden darüber, diesen neuen Gesichtspunkt betrachtet zu haben, fuhr er fort.

    "Wir müssen der Tatsache ins Auge sehen, dass wir in der Subura die Kontrolle an Banden und Kriminelle abgegeben haben. Als Quittung dafür gab es den Sklavenaufstand, die Zerstörung der Station, bei der viele meiner Männer gefallen sind, und dabei wird es nicht bleiben. Diese Entwicklung muss gestoppt werden und dafür braucht es Soldaten vor Ort. Wenn sich der Staat nicht weiterhin von Banden und Aufständischen die Geschicke diktieren lassen möchte, müssen Soldaten ins Pomerium hinein und Präsenz zeigen, oder", er breitete die Hände aus, "wir müssen alternativ alle Fremdländer, Armen und Gesetzesbrecher aus dem Pomerium hinausschaffen." Die Unmöglichkeit dessen, leuchtete ein, auch wenn dieser Gedanke etwas Verlockendes besaß.

    "Nichts zu tun, ist jedenfalls auch nicht länger möglich." Ob Minor das ebenfalls so sah, blieb abzuwarten. Menecrates meinte, eine gegenteilige Meinung herausgehört zu haben. Wüsste der Claudier von dem Vergleich zu Germanien, würde er widersprechen. Alleine die Ausgangslage fand er gänzlich konträr. Während in Germania die Römer einzogen, um Ordnung zu schaffen, zogen in Rom Fremdländer ein, um die bestehende Ordnung zu stören - ob nun frei zugewandert oder versklavt und anschließend freigelassen. Nicht zu vergessen natürlich die ganzen Armen und Gescheiterten im Viertel. Letztendlich spielte die Zusammensetzung der Suburabevölkerung keine Rolle. Sie durfte nicht auf Roms Nase herumtanzen, denn tat sie es unmittelbar vor des Kaisers Augen, wieso sollten dann andere Provinzen den Respekt vor Rom wahren?


    Sie kamen zum nächsten Thema, das im Grunde nichts mit Flavius' Amt zu tun hatte. Einzig der kurze Draht zu Flavius Maior verlockte Menecrates, der sich im Zeitnotstand befand. "Es geht weniger um die Initiative an sich", erklärte er auf das Angebot hin, Minor könne ihm zur Seite stehen. "Die Idee besitzt aktuell nichts mehr als einen Namen. Sie muss noch mit Inhalt gefüllt werden. Hierbei wäre Hilfe sehr erwünscht, da mein Tiro Fori Annaeus Vindex krankheitsbedingt ausgefallen ist. Die Planung und die Absprache mit dem Pontifex wollte er übernehmen." Er blickte den jungen Flavius nachdenklich an und gestand sich ein, dass er zu ihm einen weitaus besseren Draht besaß als zu dessen Vater. Gleichzeitig hatte er auch noch keinerlei Überlegungen angestellt, ob ein anderer Tempeldiener für Vindex einspringen könnte. Ratlosigkeit machte sich breit, denn bei aller erfreulichen Hilfsbereitschaft wollte Menecrates nicht riskieren, dass Minors Amtsbeleidung darunter litt.

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  • "Nun, nicht selten verwirren die Götter die Sinne einzelner Menschen und gebrauchen sie als ihr Werkzeug."

    , gab Manius Minor zu bedenken, da ihm doch eine Kausalität zwischen der Störung der göttlichen Rechte und dem Scheitern der Errichtung jenes Statio innerhalb des Pomerium nicht gänzlich abwegig erschien, da er doch bestens darum wusste, welchen Mummenschanz die öffentlichen Opfer bisweilen repräsentierten, deren Nichtannahme manch ein Haruspex oder Pontifex nicht zu publizieren wagte, um die Unruhe im Volke nicht zu schüren oder gar den Zorn des Princeps auf sich zu ziehen.

    "Womöglich hatte der zuständige Pontifex sich geirrt. Die Leberschau ist eine höchst diffizile Angelegenheiten und die Fingerzeige der Götter bisweilen dezent."

    Auch dies wusste der Flavius von seinem Vater.

    "Indessen wären es nicht die ersten Bewaffneten innerhalb der heiligen Grenzen Roms. Möglicherweise wäre das Geloben einer gesonderten, beispielsweise alljährlichen Entsühnung der dortig Stationierten eine Möglichkeit, die Gnade der Götter zu erlangen. In jedem Falle würde ich - nach Möglichkeit nicht coram publico - neuerlich den Willen der Götter erfragen. Hierfür könnte die Einholung von Auspicia ein geeigneter Weg sein."

    Die Wege der Götterbefragung waren vielfältig und reichten von den heute recht modischen divinatorischen Methoden wie der Leberschau bis zu jenen uralten, ehrwürdigen Praktiken wie den Auspizien, die den Legenden zufolge bereits Servius Tullius bei der Begrenzung des Pomerium hatte eingeholt, sodass sie nun auch dem Flavius als analoge Vorgehensweise adäquat erschienen. Bis heute galten sie als Privileg der oberen Magistrate Roms und auch wenn sie ein wenig aus der Mode waren gekommen, so oblagen sie noch heute similär den Consuln, Praetoren sowie in beschränkter Form auch den curulischen Aedilen und Quaestoren für ihre Amtsbereiche.

    Einen Augenschlag sann er nach, ob die Tragweite jener Frage nicht eher die höchsten Magistrate betraf, um dann jedoch einen naheliegenderen und damit praktischeren Weg zu offerieren, da jenes Sujet doch seine Amtsobliegenheiten recht immediat betraf:

    "Ich könnte dies übernehmen, so du es wünscht. Vielleicht ließe sich hier eine Lösung finden, die ein wenig praktikabler wäre als die Relegatio ad insulam für jeden innerhalb Roms, der in Verdacht steht ein Halsabschneider zu sein."

    Ein amüsiertes Lächeln geleitete jenen letzten Satz, da er dafürhielt, dass die von Claudius benannte Alternative auch von ihm als Scherz war gemeint gewesen.

    "Wie ich schon sagte, kann ich auch wegen der Weihe meinen Vater konsultieren."

    Dass militärische Einrichtungen formell geweiht wurden, war Minor nicht geläufig (derartiges hatte er auch niemals erlebt), doch erschien es ihm gerade ob der Pomerium-Frage nicht unklug, zumal ja auch jedes Castellum ein eigenes Sacellum besaß, das den Genien der Einheit geweiht war.

  • Er wiegte den Kopf, weil es sich nicht um die mögliche Verwirrung einzelner Menschen handelte, sondern um eine ganze Bande. Natürlich besaß die Bande einen Kopf und vielen Menschen ist blindes Folgen zu eigen - analog einer Schafherde. Menecrates störte sich aber vor allem an einer anderen scheinbaren Plausibilität.

    "Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass römische Götter auf der Seite von Fremdländern und Kriminellen stehen, die Roms Ordnung und Friede stören; solche, die Tempel schänden und Römer töten. Bei solchen Göttern müsste ich die eigene Gefolgschaft überprüfen." Er schüttelte den Kopf. "Das kann nicht sein. Das darf nicht sein!"

    Menecrates stutzte, als der junge Flavius Fehler bei einer Leberschau nicht ausschloss. Um für sich selbst eine falsche Vorgehensweise auszuschließen, ging Menecrates auf das Thema Bauplatzweihe ein.

    "Wenn ich mich recht erinnere, wurde kein blutiges Opfer erbracht. Ich wollte die auf dem Bauplatz lebenden Genii Loki besänftigen und um Vergebung bitten, weil wir ihre Ruhe stören und auf ihrem Grund eine Station für die Sicherheit Roms bauen. Den Geister der hier ehemals Lebenden und auch den Götter, die uns betrachteten, wurden ausschließlich Früchte des Bodens gereicht. Die Rauchsäule stieg vor den Augen vieler Anwesender auf und wurde entsprechend bewertet. Sie strebte weitgehend ungestört gen Himmel. Das konnte auch der Laie kaum falsch deuten. Dein Vater nahm übrigens auch an der Weihe teil."

    Er harrte mit Spannung der Antwort, weil er seinem Gesprächspartner Kompetenz über das normale Maß hinaus zutraute. Auch der nachfolgende Gedanke, bei dem Flavius eine jährliche Entsühnung vorschlug, begeisterte Menecrates. Der Präfekt strebte einen Gleichklang zwischen seiner Überzeugung als Amtsinhaber und einem bedeutenden Teil seiner selbst an. Das eine forderte militärische Präsenz in der Subura, das andere erwies den römischen Göttern auf ganz privater Ebene Wertschätzung. Seine Augen leuchteten, weil der Vorschlag genial und zudem einfach umsetzbar war.

    "Hervorragend, Flavius Gracchus Minor. Hervorragend!" Trotz der Begeisterung stutzte er. Die Hemmschwelle, die ihn oft dazu zwang, auf das Penibelste Höflichkeitsregeln einzuhalten, kam ihm in diesem Moment wie gestelzter Ballast vor. "Ähm, ich möchte dir gern anbieten, in privaten Gesprächen mich zukünftig Menecrates zu nennen. Ich denke, das wird unserem Verhältnis zueinander besser gerecht, denn auch heute sind wir recht schnell vom Förmlichen abgerückt und in das miteinander vertraute Fahrwasser geraten." Er als der Ältere brachte den Vorschlag, so hatte er es gelernt.


    Menecrates genierte sich nicht, auf das Urteil des Jüngeren zurückzugreifen. "Denkst du, eine Entsühnungsformel müsste von Priestern entwickelt sein, um bestmögliche Wirkung zu erzielen?"

    Ein weiterer, sehr hilfreicher Vorschlag folgte. Menecrates nahm auch diesen ohne zu zögern an. "Ich probiere sehr gern mit deiner Unterstützung zunächst das Einholen von Auspicia, bevor ich Suburabewohner ins Umland umsiedeln lasse." Er schmunzelte und wirkte zufrieden. Bisher gab es keinen Grund bei diesem Thema zu lachen, eher standen ihm die Haare zu Berge, aber das Witzeln tat gut und solange es in diesen Räumlichkeiten blieb und nicht in die Subura schwappte, sollte es ungefährlich sein.

    Während er noch schmunzelte, wurde ihm bewusst, dass mittlerweile doch recht viele kultische Maßnahmen im Raum standen.

    "Ich bin gerade nicht sicher, ob ich nicht doch übertreibe: Prozession, Auspicia, Entsühungsformel …" Er runzelte die Stirn.

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  • "Nun, die Fingerzeige der Götter sind diffizil, doch bisweilen auch überaus vehement: Nicht selten ist doch ein Prodigium mit erheblichem Schaden verbunden!"

    Dies musste keineswegs implizieren, dass die Motive und Intentionen der Missetäter sich mit jenen der Götter deckten, wobei Manius Minor ohnehin zweifelte, ob es nicht müßig war, über selbige zu spekulieren. Erweckte der Glaube des Claudius bisweilen einen oft eher rustikal-simplen Charakter, so hatte der jüngere Flavius bereits höchst deutlich erlebt, welche Schläge die Götter jenen versetzten, welche die Pax deorum störten: seiner Schwester hatten sie den Lebensfaden durchtrennt, hatten ihn zur Geisel des Morpheus werden lassen und in unsäglichen Schmerz gestürzt.


    Jene theologischen Erörterungen verließen sie aber rasch wieder, um aufs Neue ihr Band enger zu schnüren, was Minor selbstredend mit Freuden registrierte:

    "Höchst gern, Menecrates! So nenne auch mich fortan Gracchus!"

    Obschon der jüngere Flavius diesen Cognomen mit dem älteren teilte, so erschien es ihm doch unadäquat, sich schlicht als 'Minor' zu titulieren, da dieser Zusatz einerseits zahllosen Nachgeborenen zueigen war, andererseits ihn an den Kosenamen seines Vaters 'Minimus' erinnerte, was bereits als Jüngling ihm als despektierlich war erschienen, sodass seither lediglich dann er ihn verwandte, wenn er zur Differenzierung von seinem Vater erforderlich erschien.


    Sogleich wandten sie sich jedoch wieder den manifesten kultischen Fragen zu, wegen derer Menecrates um Rat fragte:

    "Mir erscheint es zunächst erforderlich, jene Experten zu konsultieren, die über Maß und Art der Akte am trefflichsten bescheiden können, sofern das grundständige Placet der Unsterblichen via Auspicia eingeholt ist. In diesem Falle erscheinen mir dabei die Pontifices die korrekte Adresse, da dein Ansinnen mit dem Pomerium doch eine uralte Institution betrifft, zu der weniger die Sibyllinischen Bücher Auskunft werden können."

    Neben dem Vollzug einzelner Opfer war ja eben jene Gutachtertätigkeit ein Kern der Arbeit sämtlicher Priestercollegia, die je nach Gestalt für verschiedene Fragen seitens des Senates oder einzelner Magistraten wurden herangezogen.

    "Ich würde dir hiesig empfehlen, eine formelle Anfrage mit sämtlichen Daten zur geplanten Station, ihrem Standort sowie einem detaillierten Bericht über das Schicksal des ersten Anlaufes zu verfassen, sodass das Collegium sämtliche Daten beisammen hat und darauf einen Bescheid kann erteilen."

    Sim-Off:

    Meinem geschätzten Vater gebricht es meines Wissens augenblicklich ein wenig der Zeit für das IR, sodass eine unausgesimmte, schlicht per Brief zu beantwortende Anfrage womöglich die schnellsten Resultate wird liefern ;-)

  • Das Leuchten aus Menecrates' Augen verblasste in dem Maße, wie die Hoffnung schwand, es könne eine unkomplizierte Abwicklung geben. Fast schien es, als würde Flavius beim Vorschlag zum Einholen von Auspizien zurückrudern. Möglicherweise verknüpfte der Claudier aber auch falsch, daher fragte er nach.

    "Worauf bezieht sich die von dir im Vorfeld empfohlene Ratsuche bei den Pontifices? Auf die Idee einer Prozession, auf die Entwicklung einer Entsühnungsformel, auf die grundsätzliche Frage, ob weiteres Militär Einzug in das Pomerium halten darf, oder", er schüttelte kurz als Zeichen von Ratlosigkeit den Kopf, "auf das Einholen von Auspizien?" Menecrates hielt sich für intelligent, aber die ungebräuchliche Redeweise, die bereits dem älteren Gracchus anhaftete, erschwerte ihm das Verständnis. Selbst wenn die Aussage schriftlich vor ihm liegen würde, hätte er sie mehrmals lesen und am Ende feststellen müssen, dass er sie nur teilweise begriff.

    Abgesehen davon, konnte Menecrates zum jetzigen Zeitpunkt nicht alle erforderlichen Daten liefern, weil zwar die Statio I Urbana klar umrissen, die Kombistation hingegen noch nicht einmal genehmigt war. Hier biss sich die Katze in den Schwanz. Auf der anderen Seite wäre eine Klärung für die Statio I bereits ein wichtiger Teilschritt. Dagegen sprach, dass die Prozession ursprünglich und einzig für die neue Kombistation vorgesehen war.


    Besonders ernüchterte ihn aber die Erkenntnis, dass nicht er die Stadt verwaltete, sondern in den entscheidenden Dingen nur eine Marionette von Priestern war. Er solle Daten einreichen und die Priesterschaft erteilt dann den Bescheid, an den er sich halten müsste, wollte er nicht als Ungläubiger abgestempelt werden. Momente vorher hatte Gracchus Minor erst eingeräumt, dass die Deutung des Götterurteils nicht nur schwierig, sondern auch dem Irrtum unterliegen konnte. Was aber, wenn ein Priester mutwillig Gottvater spielte und das deutete, was er deuten wollte? Allein der Gedanke ließ die gesunde Gesichtsfarbe des Praefectus' weichen. Gerade im Falle des Pomeriums und der Frage, ob bewaffnete Männer einziehen durften, lag eine neutrale Bewertung seitens der Priesterschaft kaum im Bereich des Denkbaren. Menecrates würde daher sehr viel lieber eine Götterantwort erhalten wollen, die jeder Anwesende deuten konnte, wie es zum Beispiel eine aufsteigende Rauchsäule ermöglichte. Einem Priesterurteil ausgeliefert zu sein, zeigte ihm die unermessliche Macht dieser Collegia. Sie erschien ihm in diesem Moment sogar größer als die des Kaisers.

    Menecrates schluckte und wirkte in sich gekehrt. Ein Sturm fegte durch sein Preafectusbild, der vieles auf den Kopf stellte und weniges an Ort und Stelle ließ.


    "Ja, dann sag ich schon einmal Danke für deine Hinweise", erwiderte er schleppend. Man hätte auch Nachdenklichkeit hineininterpretieren können. Der Absturz von Begeisterung zu Ernüchterung kam abrupt. Das Thema dominierte die Gedanken und ließ kein weiteres zu. Menecrates fragte sich, wie es seine Vorgänger gehandhabt hatten, denn dass sie irgendwann alle an diesem Punkt standen, setzte er voraus. Hatten sie sich von Priestern durch das Amt dirigieren lassen? Hatten sie an ihnen vorbeiagiert? Waren sie derart angepasst, dass sie keinerlei Konfliktpotential auf den Tisch warfen? Das Thema würde ihn weiterhin beschäftigen, so viel stand fest.

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  • Augenscheinlich hatte Manius Minor, der gleichsam mit der Muttermilch (oder eher dessen paternalen Pendant) die komplexen Relationen und Zuständigkeiten innerhalb des Cultus Deorum hatte aufgesogen, den Claudius mehr disturbiert, als ihm Clarität zu verschaffen. Ein wenig amüsiert ob des Umstandes, dass der Jüngere dem Älteren hier voraus war (was indessen keine Schande repräsentierte, da dieser Tage ja viele Ämter des Cursus Honorum ebenfalls eher administrativer als gestaltender Natur waren, sodass lediglich höchst selten es gefordert schien, über formelle Auspicia hinaus den Rat der Götter zu holen, während Manius Maior dies ja als sein täglich Brot behandelte), lächelte der Flavius freundlich und versuchte nochmals sich in einem unumwundenen Ratschlag:

    "Das Einholen von Auspicia steht, wie du weißt, jedem Magistraten offen, was ich bereits vor einem Votum des Pontifices auf mich nehmen würde. Fällt dies positiv aus, so wäre im nächsten Schritt zu fragen, welche Restriktionen sich additiv ergeben, eben ob eine Prozession, ein besonderes Opfer, eine regelmäßige Entsühnung oder dergleichen vonnöten ist, um die Götter nicht doch noch zu provozieren."

    Der Aedil legte die Stirne in Falten.

    "Indessen fehlt mir die Kenntnis, ob weitere Maßnahmen für einen derartigen Eingriff in das Pomerium vonnöten sind, insonderheit womöglich durch das Einholen des Plazet des Princeps als Censor oder des Senates. Sofern dies nicht bereits bei deinem ersten Anlauf geschah, selbstredend."

    In der Praxis widersprachen weder Pontifices, noch Senat jemals dem erklärten Willen des Kaisers, weshalb dieser final Dreh- und Angelpunkt jeder Initiative war, die größere Eingriffe in das Gefüge der Res Publica wie der Urbs selbst bedeutete. Mochte Menecrates bereits bangen, so war Manius Minor recht zuversichtlich, dass seine Ideen Gehör würden finden, sofern die Unsterblichen tatsächlich dem nichts entgegensetzten.

  • Die Momente, in denen Menecrates vor Augen geführt wurde, wie gutgläubig, naiv oder schlicht dämlich er doch war, schätzte er nicht. In jedem lernte er zwar dazu, allerdings verhalf es ihm nicht generell zu einer realistischeren Einschätzung seiner Mitmenschen. Sachlagen zu bewerten oder Zusammenhänge zu erfassen konnte er hingegen gut. Sein analytischer Verstand versagte einzig bei Menschen, weil ihr Reden und Tun häufig genug im Gegensatz zueinander stand. Besonders kompliziert wurde es, wenn das Reden auch noch vom Denken differierte. Priester hatte er bis heute nicht hinterfragt. Ein Armutszeugnis für jemand, der sich Stadtpräfekt nannte. Die Betroffenheit über die eigene Einfältigkeit wich aus diesem Grund nicht, obwohl Flavius freundlich lächelte. Da er den jungen Magistraten aber seit Jahren untadelig erlebte und zudem das Gespräch zu einem Ergebnis kommen musste, riss sich Menecrates zusammen.


    Dankbar für die nunmehr verständliche Erläuterung nickte er. "Gut, gehen wir schrittweise vor und somit die Auspizien an. Welche Form wirst du vornehmen? Eventuell die ex tripudiis, weil es sich um ein militärisches Vorhaben handelt?" Alles, was militärische Belange streifte, kannte er. Es gab aber außer den Hühnern und dem Vogelflug noch mehr, wie er einmal vom Augur Iulius Centho erklärt bekam. Während seiner Amtszeiten im Cursus Honorum wurde derlei Bitten nicht an ihn herangetragen. Er hatte sich also nie in das Thema knien müssen. Seine Spezialstrecken lagen wo anders.

    "Alles, was du schon jetzt sicher benennen kannst, nehme ich gern zur Kenntnis, aber es reicht natürlich auch, wenn du mir in einem Schreiben Ort und Methode mitteilst. Ich gehe davon aus, dass - wenn wir den Verletzten die Teilnahme versagen - Militärangehörige zugegen sein dürfen." Ein fragender Blick bat um Aufklärung. Innerhalb vom Pomerium, am liebsten auf dem Capitol, könnte eine besondere Aussagekraft ergeben, aber Fachkundige wusste diesbezüglich mehr als er.


    "Im Hinblick auf den Wiederaufbau der Statio I lehne ich mich einmal so weit aus dem Fenster, dass ich behaupte, eine erneute Bewilligung des Princeps würde nicht vonnöten sein. Selbstverständlich erfolgte der Bau mit dessen Wissen und letztendlich auch Zustimmung, auch wenn es DCCCLXVIII A.U.C. (2018/115 n.Chr.) extrem schwer war, von irgendjemand eine Meinungsäußerung zu erhalten. Der Senat verwies an den Kaiser - man wolle nicht entscheiden, ohne dessen Meinung zu kennen. Der Kaiser wollte hingegen den Senat nicht übergehen. Es war anstrengend."

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  • Obschon beide Patrizier, so entstammten Manius Minor und der greise Menecrates doch divergenten Welten, insonderheit was die Religio Romana betraf. Da der Flavius indessen nicht recht kapabel war, diese Divergenz zu reflektieren, ging er über die ein wenig bedächtige Miene des Alten hinweg und wandte sogleich sich den praktischen Fragen zu:

    "Nun, ich würde ebenfalls einen Auguren konsultieren, da dies zweifelsohne kein alltäglicher Fall ist. Indessen erscheint es mir nicht abwegig, hiesig von einem militärischen Casus auszugehen, in jedem Falle jedoch das Auguraculum auf dem Capitolium als Ort zu wählen."

    Als Menecrates noch die Partizipation seiner Männer zur Sprache brachte, lächelte der Aedil neuerlich.

    "Selbstredend bist du mit deinen Männern höchst willkommen, obschon ich empfehlen würde, für diesen Termin nicht offen bewaffnet zu erscheinen, da doch das Auguraculum eben innerhalb des Pomerium liegt."
    Zweifelsohne würde die Einladung zügig ergehen, sodass in jener Frage baldig bereits Clarität würde eintreten.


    Dass auch der Claudius hinsichtlich der bisweilen zäh mahlenden Mühlen des Senates ein wenig fatiguiert sich präsentierte, rang dem jüngeren Senator ebenfalls ein leicht amüsiertes Lächeln ab.

    "Nun, dann ersparen wir wohl am besten wirklich all jenen Gremien eine neuerliche Debatte. Und das Votum der Pontifices wird ohnehin die Meinung des Senates wie des Princeps vorwegnehmen, möchte ich meinen."
    Immerhin waren die meisten Collegae des obersten Collegium selbst Senatoren und auch der Kaiser hatte seine Repräsentanten darin.

  • Menecrates nickte zustimmend. Als das Capitol als Ort fiel, glaubte er, mit seiner Annahme richtig zu liegen und erwartete nunmehr Hühner. Er mochte dieses Federvieh. Warum, konnte er nicht einmal sagen. Sie besaßen kluge Augen, zumindest wirkten sie geistreich, obwohl in dem kleinen Kopf kaum ein großer Geist wohnen konnte. Ihr Gackern beruhigte ihn auf seltsame Weise.

    "Die Waffen werden nicht offen zur Schau gestellt werden, das versteht sich von selbst. Gleichzeitig handelt es sich bei der Deutung ja um eine militärische Fragestellung, weswegen ich nicht das Ablegen der Waffen am Rande der Szenerie für notwendig erachte. Wenn es in unserem Anliegen um militärische Präsenz im Herzen Roms geht, sollten diejenigen, die uns Antworten geben, spüren, wie sich das anfühlt. Wir wollen niemand blenden, wir wollen die Karten offen auf den Tisch legen und darauf eine klare Antwort erhalten."

    Bis hierhin hörte sich alles sinnvoll, folgerichtig und späterhin akzeptabel an. Als jedoch erneut der Verweis auf das Votum der Pontifices erfolgte, zog Menecrates eine säuerliche Miene. Wieder kam bei ihm den Eindruck auf, dass die Priesterschaft steuerte und sowohl Kaiser als auch Senat und nicht zuletzt er, Menecrates, danach hüpften. Das Missfallen über die Allmachtsstellung der Pontifices auf der einen Seite, die Ablehnung gegenüber einer neuen Senatsdebatte auf der anderen, ließ nur einen Schluss zu: Abwarten und Quellwasser trinken.


    "Von meiner Seite haben wir es." Fragend blickte er zu Gracchus. "Gibt es etwas, was ich für dich tun kann?"

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  • Ob es geeignet sein mochte, mit verdeckten Waffen auf das Capitolium zu marschieren, vermochte Manius Minor nicht recht zu ponderieren, doch da Menecrates immerhin Praefectus Urbi war und somit hinreichend Erfahrung mochte besitzen, enthielt er sich eines Kommentars.


    Auf die finale Frage hingegen lächelte der junge Flavius ein wenig genant.

    "Ich denke, die Liste meiner Obliegenheiten ist hinreichend gefüllt. Indessen habe ich nichts, was ich dir im Gegenzug anlasten könnte, werter Menecrates!"
    In der Tat hatte der Claudius ihm manchen Auftrag erteilt, doch da dem Aedil daran gelegen war, sein Amt ordentlich auszufüllen, scheute er sich nicht, seine Liste entsprechend abzuarbeiten, was indessen durchaus Zeit würde beanspruchen.

    "Insofern möchte ich dir nicht noch mehr Zeit stehlen und hoffe, dass wir bei der nächsten Gelegenheit uns in einem weniger förmlichen Rahmen treffen, womöglich zu einem Gastmahl oder dergleichen!"
    Menecrates war kein Freund von großen Einladungen, aber da Minor dafürhielt, dass der Greis ihn schätzte, verhoffte er in der Tat, dass dieser einmal wieder seiner Einladung würde folgen.

  • Erst die Anmerkung machte Menecrates bewusst, dass er dem jungen Flavius einiges aufgebürdet hatte, obwohl - wie anfangs erwähnt - die Amtszeit bereits fortgeschritten war. "Ich hoffe, die Reichhaltigkeit meiner Ansinnen wird mir im Höchstfall als Verwegenheit, nicht aber als Dreistigkeit ausgelegt." Er blickte besorgt und fügte daher an: "Sollte nicht alles zu bewältigen sein, dann genügt ein Hinweis. Die Hauptsache ist, ich bin unterrichtet. Nachteilig würde sich das nicht auf meine Bewertung deiner Amtszeit auswirken. Wir alle verfügen über begrenzte Kapazität und ich weiß aus Erfahrung, dass die Amtspflichten auch ohne Zusatzaufgaben reichlich bemessen sind."

    Dass er im Gegenzug keinerlei Wünsche offeriert bekam, verwunderte ihn, aber es bekümmerte ihn nicht. Er hätte sich gern revanchiert, auch wenn sein Terminplan wenig Spielraum zuließ.


    "Ja, ein Gastmahl...", wiederholte Menecrates gedankenvoll, weil er sich - abgesehen von Hochzeiten - nicht erinnern konnte, wann und wo sein letztes stattfand. "Wenn mich mein Gedächtnis nicht im Stich lässt, habe ich seit der ersten Amtsübernahme weder ein Gastmahl ausgerichtet noch eines besucht. Ich fürchte, ich bin da gänzlich aus der Übung." Er lachte. Vermutlich gab es nichts, was er weniger vermisste als Gastmähler und Feierlichkeiten. Je größer die Teilnehmerzahl umso abschreckender wirkten sie auf ihn. Wahrscheinlich lag es daran, weil er nicht mehr aß als er zum Leben brauchte, nichts außer Quellwasser trank und sich für ungeeignet hielt, oberflächliche Gespräche zu führen. Beim passenden Gesprächspartner konnte ein Gedankenaustausch hingegen sehr anregend sein. Zweiergespräche mochte er am liebsten.

    "Vielleicht ergibt es sich einmal in kleiner Runde." Ein freundliches Lächeln begleitete den Satz und läutete die Verabschiedung ein.


    Menecrates erhob sich, um den Aedil zur Tür zu geleiten. "Dein Besuch und dein Angebot zur Übernahme von Aufgaben haben mich sehr gefreut, Gracchus. Ich neige dazu, mir viel zu merken. So auch dieses." Es klang wie ein Versprechen.

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