Mord und mehr - Ermittlungen in Rom

  • Mord und mehr - Ermittlungen in Rom


    Lurco hatte sich gemeinsam mit Scato auf den Weg gemacht. Er hatte viel vor, denn er hatte viel zu tun. Zuerst musste immer noch die Herkunft und die Bedeutung der Puppe geklärt werden, die dem Mordopfer im Rachen gesteckt hatte. Sein Arrest hatte ihn in der Ermittlung zurückgeworfen, beziehungsweise der Arrest hatte seine Ermittlung ausgebremst. Die letzte Zeit war verworren gewesen, Höhen und Tiefen hatten sich schneller abgewechselt, als es ihm lieb war oder er mit den eigenen Gefühlen nachkam. Aber in seinem Beruf spielten Gefühle keine Rolle, man hatte sie aber niemand interessierte sich dafür. Für sie hatte man sich bis dato ebenso wenig interessiert, aber das hatte sich gewandelt.


    Höhen und Tiefen, Berge und Täler, Ebbe und Flut, das Schicksal hatte sein eigenes Tempo und Mars ganz gewiss ebenso. Beide waren ihm hold gewesen und hatten ihm eine zweite Chance geschenkt. Lurco wollte sie nutzen und einen guten Schritt in den Ermittlungen weiterkommen.


    Zudem musste er noch mit zwei Gens in Bezug auf Cerretanus und Eireann sprechen - den Furia und den Iiulia.




    (Von hier kommend:

    RE: Aquam foras, vinum intro!)

  • "Was hast du überhaupt als Erstes vor?", erkundigte Scato sich, der mit der prall gefüllten Capsa neben Lurco hermarschierte. "Du bist der Ermittler, ich bin nur der Heiler."


    Warum er anwesend sein sollte bei einem Ermittlungsauftrag, war ihm schleierhaft, aber vielleicht wollte Lurco ihn einfach zur moralischen Unterstützung dabei haben. Dann fungierte Scato als so was wie ein Seelenheiler und seine Anwesenheit war völlig legitim.

  • "Wir suchen die Kreuzwegbruderschaft auf und fragen was es mit der Puppe auf sich hat. Du weißt doch, die wir im Rachen der Leiche gefunden haben. Ja ich bin der Ermittler und Du bist der Heiler. Das wir es einmal so weit bringen, hätten wir am Anfang auch nicht vermutet oder? Es sah alles sehr düster aus, aber jetzt sehe ich eine strahlende Zukunft für uns Scato. Eines Tages werden wir unser Haus über den Wasserfällen haben oder sogar in Griechenland oder Cappadocia? Wer weiß, ich bin bester Dinge Dank unseres Tribuns und Praefectus. Der Mord muss aufgeklärt werden und einiges mehr. Einiges mehr... darüber darf ich nicht mit Dir sprechen, mit niemandem. Ich habe sozusagen einen Maulkorb verpasst bekommen. Wobei Du das genauso gut weißt wie ich. Aber Befehl ist Befehl.


    Ich bin froh, dass ich Dich an meiner Seite habe. Weißt Du, bevor ich Dich kennenlernte war mein Leben irgendwie wie eine kleine verschlossene Box. Alles was wichtig war, war fest darin eingeschlossen. Aber es konnte auch nichts raus. Ich erinnere mich oft daran, wie ich Dich zum ersten Mal sah. An die Meilensteine unserer... Freundschaft. Tiberios, einst da und heute fort. Genau wie Maro und einige andere. Bei einigen bin ich ganz froh darüber, das gebe ich zu, bei anderen frage ich mich was aus ihnen geworden ist.


    Nur eines sollte nicht geschehen, dass Du gehst. Nun ich habe leicht reden, beinahe hätte ich Dich verlassen, durch meine Blödheit. Ich hoffe Du verzeihst mir das. Aber ich konnte das nicht mehr mit mir rumschleppen und ich wollte reinen Tisch machen Scato. Sobald ich dazu komme, werde ich die Sache festhalten. Was mein ist soll auch Dein sein, auch wenn es mich irgendwann nicht mehr gibt", sagte Lurco und tippte auf die Anhänger um Scatos Hals. Ein lautloses "ich liebe Dich".

  • Scatos chronisch angespannte Gesichtsmuskulatur wurde weich. Sein Lächeln war die Antwort auf die lautlosen Worte. Lurco gehörte zu den ganz wenigen Menschen, die gelegentlich Scatos warmherzige Seite sehen und spüren durften.


    "Dein Leben war eine verschlossene Box - meins ein heilloses Durcheinander von Gedanken. Terpander hat mir geholfen, doch er ist nur ein Sklave. Seit wir beide uns kennen und unserer Freundschaft eine Chance gegeben haben, ist mein Leben im Fluss. Es gibt nichts zu verzeihen, was dienstlich ist. Behalte für dich, was du für dich behalten musst.


    Nur bitte höre auch auf, ständig von deinem Tod zu sprechen! Ich will das gar nicht hören und nicht daran erinnert werden, dass wir beide irgendwann nur noch Skelette sind und all unsere Taten, Gedanken, Wünsche und Hoffnungen mit uns zusammen verfaulen. Wie soll man sein bisschen Lebenszeit genießen, wenn man ständig an das Ende denkt? Das tue ich auch so schon viel zu oft: An meine Eltern, meinen verschollenen Bruder ... an die Patienten, die ich nicht hatte retten können und den namenlosen Mann, den ich mit dem Gladius getötet habe. So was vergesse ich nicht mal einfach, es ist harte Arbeit, das so weit beiseitezuschieben, dass es einem temporären Vergessen nahekommt. Aber du denkst vermutlich anders über den Tod, als ich es kann. Über viele Dinge wahrscheinlich."


    Scato war gerade noch fröhlich gewesen und nun innerlich am Boden. Er verfluchte seine Stimmungsschwankungen, doch er war machtlos dagegen.

  • Lurco zog Scato in eine Seitengasse, sie war klein stinkig und stickig, aber das war für den Moment völlig gleichgültig. Das was er zu sagen hatte, war zu wichtig um auf solche Äußerlichkeiten Rücksicht zu nehmen. Purgitius fasste Scato fest bei den Oberarmen und schaute ihm ernst ins Gesicht.


    "Wir denken absolut gleich, nur geben wir den Gedanken anders Form und sprechen es anders aus. Du hast Recht, ich höre auf damit. Sprechen wir lieber über unser Leben und unsere Liebe. Das was wir uns wünschen und planen. Was wir für einander empfinden, dass wir uns manchmal sorgen und worüber wir uns freuen. Also was ich zu dem Thema noch sagen möchte...", erklärte Lurco liebevoll und ließ den Satz so stehen. Er beendete seine Erklärung damit, dass er Scato in seine Arme zog und ihn mit aller Liebe küsste die er für seinen Mann empfand.


    "Das wollte ich Dir sagen", schmunzelte Lurco und gab Scato widerwillig wieder frei.

  • "Lass uns weiterziehen Scato, zuerst zur Kreuzwegbruderschaft. Ich muss so viel wie möglich über die Puppe erfahren, die im Rachen des Toten gesteckt hat. Ich hoffe sie können etwas dazu sagen. Ich hoffe das wir den Fall aufklären können.


    Die Eckdaten rund um den Fall sind mir bekannt, Du hast die Infos rund darum, wie der Tote zu Tode kam. Vielleicht fällt Dir etwas bei einigen Aussagen auf. Zudem bin ich einfachh froh, dass wir wieder gemeinsam unterwegs sind. Komm auf gehts", bat Lurco und gab den Weg vor.

  • Nachdenklich aß Lurco seine Bratwurst, als er mitten beim Kauen inne hielt.


    "Scato mir ist gerade etwas wichtiges eingefallen. Angeblich gab es Krähen bis in den hohen Bereich. Ein Ritter wäre ein hohes Amt. Ein Amt, dass einer Krähe von nutzen gewesen wäre. Was wäre, wenn unser Püppchenmordopfer zu den Krähen gehörte und als Konkurrenz zum Schweigen gebracht wurde? Bis dato gehen wir davon aus, dass Liber ausschließlich ein Opfer war. Bis dato weisen die Ermittlungen genau darauf hin. Wir haben auch bis dato nur in diese Richtung ermittelt, da wir zuerst herausfinden mussten, wer unser Mordopfer gewesen ist.


    Wir haben das Opfer, wir haben den Tatort und ungefähr die Tatzeit. Aber das Motiv für den Mord an Liber, dass haben wir nicht. Wir wissen, dass eine fremde Bruderschaft involviert ist, oder dass man uns dies glauben lassen möchte. Aber dabei dürfen wir nicht vergessen auch Liber zu beleuchten. Wer war der Mann wirklich? Hatte er Feinde? Welche Art von Feinden und weshalb musste er so Öffentlichkeitswirksam zum Schweigen gebracht werden? Jemand hat ein Exempel an ihm statuiert. Die Frage ist wieso?


    Weshalb bringt man jemanden zum Schweigen? Dafür gibt es sehr viele Motive.

    Weshalb bringt man jemanden Öffentlichkeitswirksam zum Schweigen? Um anderen mitzuteilen, was mit ihnen geschieht, sollten sie der gleichen Verfehlung unterliegen, wie das Opfer.


    Also was war die Verfehlung von Liber? Das werden wir herausfinden Scato und dann wird sich langsam aber sicher das Bild vom Mord zusammenfügen. Ich habe da so einen Verdacht", erklärte Purgitius und aß seine Bratwurst auf.

  • Lurco musste unbedingt zu den örtlichen Magistraten, also jenen Personen die für die Erfassung der Einwohner zuständig waren, die im Ordo Decurionum waren. Eine Arbeit die vermutlich sehr viel Freude bereitete, denn sie durften den ganzen Tag Berichte schreiben. Jedenfalls ging Lurco davon aus. Jene Männer würden ihm sagen können, wo Pontius Liber wohnhaft war. Zudem musste er ihnen mitteilen, dass dieser verstorben war. Das jedoch hatte Zeit bis nach seiner Ermittlung. Vorrangig war, den Wohnort des Mordopfers in Erfahrung zu bringen.

  • Soweit Lurco wusste, war das Ordo Decurionum ein Teil der Stadtelite einer römischen Civitas. Dieser bildete den Rat, der den Senat als Vorbild hatte. Jedenfalls war er wohl ganz ähnlich aufgebaut, so genau wusste es Lurco dann doch nicht. Jährlich wählten die Decuriones drei Aedile, die verschiedene Aufgaben in der Verwaltung zu bearbeiten hatten. Eine davon war die lokale Infrastruktur, also sicher auch das Meldewesen, wer in Rom wo lebte. Oder zumindest wer in Rom lebte.


    Nun die Frage war, welcher Aedil hatte genau diese Aufgabe? Und worin war das Mordopfer verstrickt? Der Bruder der Kreuzwegbruderschaft hatte einiges zu berichten gehabt. Bandenkrieg, Machenschaften, Verwicklungen und wer wusste schon in was Pontius Liber verwickelt gewesen war? Möglicherweise spazierte er genau zu jenem Mann, der irgendwie in der Sache mit drin hing.


    Er konnte es nicht ändern, im Grunde war dieser Fall nichts als eine einzige Suche - eine Bratwurstjagd, auf ein Hinweis folgte der nächste. Dieser brachte keine Aufklärung, er brachte nur weitere Fragen mit sich.


    Leiche.

    Pontius Liber.

    Kreuzwegbruderschaft.

    Bandenkrieg.

    Ordo Decurionum.

    Aedil.

    Und dann sah man weiter.

  • Lurco zückte seine Tabula um seine Gedanken festzuhalten.


    Leiche.

    Pontius Liber.

    Kreuzwegbruderschaft.

    Bandenkrieg.

    Ordo Decurionum.

    Aedil.

    Und dann sah man weiter.


    Nun eigentlich sah man nicht weiter, denn bei dem Bandenkrieg gab es eine unbekannte Gruppe und in der Subura ließ sich nicht ermitteln. Weder offen noch verdeckt. Offen sprach dort niemand mit den Urbanern und verdeckt zu ermitteln war eine Sache, die Monate wenn nicht sogar Jahre dauerte. In Anbetracht des gerade tobenden Bandenkrieges waren die beteiligten Parteien mehr als misstrauisch was neue Mitglieder anging. Beide Unterfangen waren somit erfolglos.


    Und Pontius Liber?


    Seine Spur führte hachdünn zu dem Collegium Maniae. Aber die Möglichkeiten waren viele. Entweder hatten sie ihm den Mund gestopft, jemand wollte es nach den Collegium Maniae aussehen lassen oder es war ein ganz anderes Püppchen. Hinzu kam, dass dieser Mann angeblich aufzuspüren war im Dunstkreis der Ritter und Senatoren. Hierbei handelte es sich allerdings lediglich um eine Vermutung. Alle im Imperium existierenden Ritter und Senatoren zu befragen war schlichtweg unmöglich.


    Zudem aufgrund welchen Tatverdachts sollte er mit ihnen sprechen oder sie sogar verhören? War Pontius Liber bekannt und hatte möglicherweise mit einigen dieser hohen Herren Dreck am stecken, dann würde niemand nur ein Wort darüber verlieren. Der Mantel des Schweigens wurde darüber ausgebreitet. Niemand kannte Pontius Liber, niemand hatte jemals mit ihm zu tun gehabt, niemand konnte auch nur ein Wort über ihn verlieren.


    Die Ermittlungen steckten in einer Sackgasse und alle bisherigen Hinweise führten nicht zur Aufklärung des Falles. Folglich blieb nur eines, den Fall als ungeklärt abzuschließen. Purgitius nahm seinen Griffel zu Hand und schrieb den dazugehörigen Bericht.




    Bericht - Fallakte Mordfall - Leichenfund am Tigillum Sororium

    Mordfall Eques Pontius Liber

    Status ungeklärt


    Stand: ANTE DIEM XII KAL MAR DCCCLXXII A.U.C. (18.2.2022/119 n.Chr.)



    Subura herrscht zur Zeit eine Auseinandersetzung zwischen sicher zwei unterschiedlichen Gruppen:

    1. Gruppe Umgebung Collegium Maniae (Kreuzwegbruderschaft Zuordnung)

    2. Gruppe unbekannt.


    Mordopfer Pontius Liber:

    - Weitere Infos über den Toten Pontius Liber vermutlich erhältlich in den Kreisen der Ritter und Senatoren.

    - Pontius Liber hatte mit dem Collegium Maniae zu tun.

    - Puppe im Rachen des Mordopfers passt als Hinweis zu dem Collegium Maniae.



    Ermittlungsergebnis:


    Zweite unbekannte Gruppe:

    Zur zweiten Gruppe konnten bis zum heutigen Tag keine Hinweise gefunden und ermittelt werden.

    Offene Ermittlungen in der Subura verlaufen fruchtlos.

    Verdeckte Ermittlungen haben keine Aussicht auf Erfolg aufgrund des herrschenden Bandenkrieges und der damit verbundenen, erhöhten Wachsamkeit.


    Mordopfer Pontius Liber:

    Eine Befragung sämtlicher Ritter und Senatoren ist unmöglich, zumal es sich hierbei lediglich um eine Vermutung handelt.

    Mögliche Zeugen oder Kontaktpersonen wurden weder bestätigt, noch namentlich benannt.


    Ermittlungsansätze und Hinweise die zur weiteren Bearbeitung des Falles notwendig sind, sind zur Zeit nicht gegeben. Alle bis dato ermittelte Hinweise und Spuren führen ins Leere und haben zu keiner Aufklärung beigetragen. Die nötigen aufzubringenden Ermittlungen und Mittel, stehen in keinem Verhältnis zur Aussicht auf Erfolg.

    Täterhinweise konnten im v.g. Fall nicht ermittelt werden.

    Der Fall ist somit ungeklärt geschlossen.


    ANTE DIEM XII KAL MAR DCCCLXXII A.U.C. (18.2.2022/119 n.Chr.)

    Cornicularius Manius Purgitius Lurco

    Cohortes Urbanae

    Zwölfte Kohorte

    dritte Zenturie

    siebtes Contubernium





    Als Lurco mit seinem Bericht fertig war, machte er sich auf zurück zur Castra und der Baracke VII.




    Hier geht es weiter:

    RE: [Baracke VII]

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