[Casa Mamilla] Was später geschah

  • "Der Aedituus Cominius teilt uns Liktoren nur zum Dienst ein, also wer wann welche Vestalin begleitet.", präzisierte Lucceius: "Ausgesucht wurden wir vom Sacerdos virginum Vestalium, Musonius Lateranus, der das nach bestem Wissen und Gewissen tut: Ältere Männer werden bevorzugt und auch römische Bürger, da Liberti oft nicht so...hmm, ihnen oft der Sinn für den mos maiorum fehlt.

    Ich würde mal behaupten, dass diejenigen, die sich freiwillig melden, viel von Althergebrachtem halten. Von Pietas. Vom Dienen an etwas, das größer ist als das eigene kleine Ich.

    Es ist eine ganz eigene Welt, so alt, dass man oft gar nicht mehr richtig versteht, weshalb etwas getan werden muss. Aber seit Jahrhunderten bleibt das gleich. So reisen die Virgines Vestales täglich bis zur Quelle der Egeria, um Wasser zu holen, welches für die Reinigung des Tempels notwendig ist, obgleich das Atrium doch schon lange an die Wasserversorgung angeschlossen ist. Das Feuer darf nur auf althergebrachte Weise entzündet werden und so weiter. Für diese Ordnung muss man Sinn haben. Sie ist älter als unsere Gesetze, die vom Senat oder vom Kaiser gemacht werden. Schon vor der Gründung der Urbs war sie da. Schon die Mutter von Romulus und Remus war eine Vestalin. Ich habe mich auch freiwillig zum Dienst im Atrium Vestae gemeldet, übrigens."


    Lucceius wiegte den Kopf hin- und her:

    "Das ist es, was die Tat so schrecklich macht. Sie attackiert die göttliche Ordnung. Die kleine Virgo Valeria hat nur versucht, das entstandene Ungleichgewicht wieder ins Lot zu bringen.

    Ein Leben für ein Leben. Einen Tod für einen Tod.

    Ich weiß nicht, was du deinem Vorgesetzten erzählen möchtest, Cornicularius. Aber lass Schwester Valeria raus bei der Sache. Ich war es, die die Mörderin gerichtet hat. Nichts würde etwas daran ändern, dass die Mörderin der Maxima Decima Messalina tot ist. Ich übernehme die volle Verantwortung für alles, was geschehen ist."


  • Octavius hoffte, dass er alles bedacht und genügend hinterfragt hatte. „So ich glaube das war vorerst alles. Ich denke, du weißt, ich bin nicht der der Recht spricht. Bevor ich es vergesse, bestraft die Sklaven nicht, sie führten nur Anweisungen aus.

    Es bleibt noch eins für mich zu tun, Virgo Valeria einen Besuch abstatten. Ist es möglich mir Schreibutensilien und Papyrus vorher zu besorgen? Ich danke für die bereitwillige Unterstützung. Mögen die Götter über dich Lucceius Aterianus und alle hier wachen.“

  • Der Liktor Lucceius Aterianus räusperte sich, dann sagte er: "Auch wenn du nicht Recht sprichst, Cornicularius Octavius, so ist es doch möglich, dass du auf gewisse Weise über uns richtest. Denn auf Grund deines Berichtes werden die Verantwortlichen entscheiden. Anderseits: Die Unsterblichen können auf sich selbst aufpassen, nicht wahr?

    Es war nicht meine Absicht, die Sklaven bestrafen zu lassen, im Gegenteil: Stummheit und für ewig zu schweigen ist zuweilen der beste Schutz, den man haben kann. Doch die Priesterinnen haben nichts dergleichen befohlen.

    Aber ich sehe, dass dir ihr Schicksal am Herzen liegt.", Lucceius lächelte nun:

    "Du bist ein guter Mann, Octavius. Möge Vesta dich leiten und beschützen.

    Wegen der Schreibutensilien schicke ich dir die Aeditua Herminia, sie kennt sich hier in der Casa Mamilla am besten aus. Vale bene Cornicularius Octavius."

    Er grüßte, dann ging er.


    Kurze Zeit später kam Herminia Tarpa, ging zielstrebig auf eine Truhe zu, die hinter dem Schreibtisch des Officiums stand und holte einen Schwung Tabulae, Papyri und Schreibwerkzeuge heraus, die sie auf dem Tisch ausbreitete.

    Aufmerksam schaute sie den Urbaner an:

    "Liktor Lucceius sagte, du möchtest mit der Virgo Valeria sprechen? Du weißt, dass sie hier gepflegt wird, nicht wahr? Sie kann dich jedoch verstehen und sie wird dir schriftlich antworten."


    Das die vestalische Jungfrau Maximilla nicht erlaubte, die Fensterläden zu öffnen, dass sie im Halbdunkel lag und den ganzen Tag an die Wand starrte, das würde der Cornicularius ja selbst sehen.*



    Sim-Off:

    * Da sich Valeria Maximilla im Exil befindet, wird Herminia Tarpa die ID mitschreiben. Das ist mit dem Spieler abgesprochen.

  • "Ja, Trotzdem möchte ich mich von ihrem Zustand selber überzeugen. Bitte führe mich zu ihr. Papyri und Schreibwerkzeuge nehmen wir mit."


    ~~~~~~~~~~~~~~~~

    Virgo Valeria


    Frugi folgte Herminia in den abgedunkelten Raum: „Salve Virgo Valeria“ grüßte der Octavier kurz, ehe er ging und die Fensterläden aufstieß.
    „Entschuldige bitte ich möchte dich im Tageslicht sehen. Mir wurde über dein Verstummen
    berichtet. Antworte mir bitte auf meine Fragen. Wenn nicht sprachlich, dann mit deiner Gestik.
    Hast du dir selber befohlen zu schweigen? Also ein selbst auferlegtes Schweigegelöbnis? Überkam es dich einfach so. Ereilte dich dieses Schicksal über Nacht? Denkst du es ist eine Strafe? Hast du Schmerzen? Bist du zufrieden mit deinem Zustand? Betest du um Hilfe
    zu den Göttern?“


    Der Cornicularius beobachte sie aufmerksam bei der Beantwortung seiner Fragen.
    „Bitte beschreibe mir schriftlich wie und wann du in diesen Zustand gerietest. Das kommt dann zu den Akten und wird, wenn gewünscht, dem Imperator vorgelegt.“
    Er nickte Herminia zu, damit diese die Schreibutensilien bereit stelle.



  • Herminia Tarpa war ganz und gar erschrocken über des Cornicularius forschem Auftreten. Er fragte nicht einmal, ob er die Fensterläden öffnen dürfe. Und er sagte der Virgo Vestalis auch nicht noch einmal, wer er war – Valeria Maximilla kannte ihn bereits von der Befragung aus dem Atrium Vestae, aber es war durchaus nicht gewiss, ob eine junge Frau, die sich den größten Teil des Tages wie eine Statue aus Marmor verhielt, ihn wieder erkennen würde. Und wenn – warum war er noch einmal hergekommen?


    Die Aeditua eilte zu der Priesterschülerin, kniete sich zu ihr und brachte sie mit einer sanften Bewegung dazu, sich wenigstens von der Wand weg und zu dem Besucher umzudrehen.

    Das ist der Cornicularius Octavius.“, sprach sie dabei, trat dann zurück und hielt sich bereit.


    Die Virgo Vestalis legte zunächst eine Hand vor Augen, was aber nicht Scham geschuldet war, sondern dem plötzlich über sie hereinbrechenden Tageslicht.

    Dann senkte sie die Hand und sah in Richtung der Eintretenden.

    Ihre Augen waren groß und dunkel und schienen ihre Umgebung nicht wahrzunehmen. Eine braune kurze Haarsträhne hatte sich unter dem Schleier gelöst und fiel ihr über die Stirn.

    Immer noch wirbelten Gedankenfetzen um sie herum wie Mosaiksteine aus einem zersprengten Mosaik, und sie versuchte sie, zu erfassen. Sehr oft erschien etwas, was ihr bekannt vorkam, manchmal war sie sich jedoch nicht sicher, ob das erfasste Mosaiksteinchen überhaupt zu ihren eigenen Gedanken gehörte.


    Jetzt streckte Virgo Valeria die andere Hand aus nach dem Schreibmaterial. Papyrus wies sie zurück, ihn zu beschreiben, war allzu schwierig, wenn man in einem Bett lag. Sie griff nach den Wachstafeln.

    Aber da sie sie vor Zeugen beschrieb, konnte man eine dauerhafte Abschrift davon anfertigen, falls das benötigt wurde.


    Cornicularius Octavius hatte Valeria Maximilla viele Fragen gestellt und bekam auf jede von ihnen eine kurze Antwort aufgeschrieben. Das dauerte lange, denn Maximilla hatte Schreiben erst spät gelernt und ihr fiel es schwer, obwohl sie sich auf das Allernötigste beschränkte. An ihrer Akribie war allerdings zu merken, dass ihr kein Wort des Octaviers entgangen war. Irgendwo in der Starre und Dunkelheit war die Virgo Valeria präsent und äußerst lebendig:



    Non ɘst

    Non ɘst

    Ita ɘst

    Ita

    Ita ɘst

    Non ɘst

    Ita

    Ita



    Auf die zweite Wachstafel kritzelte sie:


    Nach der Audienz bɘim Caesar Augustus am PRIDIE ID SEP DCCCLXXI A.U.C.(12.9.2021/118 n.Chr.) Ich wollte Kersas zu mir rufɘn. Es war mir nicht möglich.



    „Die Virgo Valeria besitzt einen zahmen Kater aus Aegyptus, den sie Kersas nennt.“, erklärte Herimina Tarpa:

    „Er ist jetzt hier in der Casa Mamilla.“

    Beinahe hätte sie gefragt, ob sie ihn auch zur Befragung herholen sollte, doch solch spitze Bemerkung verkniff sie sich. Der Caesar Augustus selbst hatte angeordnet, dass alle Angehörigen des Atrium Vestae den Cohortes Urbanae behilflich sein sollten, wo sie nur konnten, daran hielt sie sich. Auch Valeria Maximilla kannte diesen kaiserlichen Befehl.


    Derweilen schrieb die junge Vestalin noch etwas auf eine dritte Wachstafel und gab sie der Aeditua. Herminia Tarpa las, verstand den Text aber nicht und reichte das Geschriebene mit einem Achselzucken Cornicularius Octavius.

    Auf der dritten Tafel der Virgo Vestalis Valeria, die nach eigener Aussage von der Göttin bestraft wurde, war zu lesen:



    Sie werden die Tore der Aedes schließen.

    Sie werden die Quellen zuschütten.

    Sie werden das Feuer löschen.

    Bitte haltet sie auf.

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