• Die Ruine der ersten Station lag monatelang unberührt. Gräser fassten auf ihr Fuß, Spinnentiere webte Netze und in Mauerspalten nistete während des Sommers eine kleine Spatzenkolonie. Gegen Ende des Jahres lagen die Nester unberührt. Menecrates' prüfendem Blick entgingen sie trotzdem nicht. Er liebte Vögel. Auf dem claudischen Anwesen hingen diverse Vogelhäuser, die der Praefectus speziell nach seinen Vorstellungen anfertigen ließ. Ganzjährig fütterte er die gefiederten Sänger und verbot den Köchen, sie als Speise auf den Teller zu bringen. Sein Herz schlug kräftig für die Schwachen und Schutzlosen. Vögel zählte er dazu.

    Zum Besichtigungstermin begleiteten den Praefectus Urbi Handwerker und Handlanger, sowie zwei Architekten und eine Urbanerstreife. Sein Cornicularius stand unweit von ihm. Menecrates wandte sich an den Verantwortlichen der Arbeitertruppe. Sein Arm wies in Richtung der Mauerspalten. "Bevor ihr die unbrauchbaren Steine abtragt und den Schutt abfahrt, nehmt ihr diese Nistplätze aus den Spalten. Ich möchte sie unversehrt in die Castra geliefert bekommen."

    Obwohl er wusste, dass Singvögel Jahr für Jahr neue Nester bauten, wollte er mit dieser Aktion verdeutlichen, dass er auf Achtsamkeit Wert legte, zumal diese abgebrannte Station einer besonderen Fürsorge und erneuten Weihung bedurfte. Die Zukunft der Statio I Urbana sollte sowohl für die hier stationierten Soldaten als auch für die gefiederten Bewohner sicherer als die Vergangenheit sein. Dafür würde Menecrates sorgen.

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  • Scato konnte das nur gutheißen. Von allen Tieren schlug sein Herz am meisten für die Gefiederten. Diese Vorliebe zog sich als eine harmlose Absonderlichkeit durch seine Familie. Ob Scato es geerbt hatte oder dies ein Resultat seiner Prägung war, vermochte er nicht zu sagen, es war wohl auch kaum wichtig. Die Casa Leonis war aufgrund der Futterstelle und der Vogeltränke voller Nester und deren zwitschernder Bewohner, vom herumschreitenden Pfau abgesehen, und Scato würde alles daran setzen, dass Lurco kein Katzenviech anschleppte, wenn er halb im Scherz vom Löwen sprach, den er sich wünschte. Dort hörte der Spaß auf. Abgesehen davon, dass Scato Katzen schlichtweg nicht mochte, waren die Vögel zuerst dagewesen.


    Einer der Arbeiter zeigte Scato eine winzige Verletzung am Zeigefinger. Scato hob zweifelnd eine Braue, wickelte dann aber doch einen kleinen Verband drum, nachdem er die Wunde mit etwas hochprozentigem Alkohol gereinigt hatte. Glücklich zog der Arbeiter wieder von dannen, auf seinen weiß eingehüllten Finger schauend. Prompt hielten ihm drei Leute gleichzeitig irgendwelche Finger mit winzigen Kratzern hin.


    "Also echt!"

  • Da standen sie wieder vor der Ruine in der Subura die so viele Kollegen das Leben gekostet hatte. Wie tote Finger ragten die Trümmer der schwarzen, verbrannten Holzbalken in die Höhe. Schwarz wie der Tod und der Abgrund der hier über die Kameraden hereingebrochen war. Das dieser Anschlag möglich gewesen war, eine Bankrotterklärung ihrer Einheit. Der Feind hatte im Herzen der Cohortes Urbanae getobt. In einem Nest ihrer Einheit, in eine Statio.


    Verantwortlich dafür die Krähen. Ebenfalls Vögel. Leichenvögel. Aßfresser die sich auf jedem Schlachtfeld an den Toten gütlich taten und ihnen zuerst die Augen aus den Schädeln rissen.


    Die blutigen Winde der Vergeltung hatten durch Mars Segen geweht. Lurco beobachtete stumm das Geschehen und warf sich kurz mit Pullus einen Blick zu. Wer wusste was die Zukunft für die Cohortes Urbanae, die Statio und sie alle noch bringen würde.

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  • Während der Vorarbeiter die Hilfskräfte für die einzelnen Arbeiten einteilte und wenig später die Aufräumarbeiten begannen, begab sich der Praefectus Urbi zu seinen Soldaten.

    "Milites, dieses Mal wird bei unserer Statio einiges anders laufen", begann er die Ansprache ohne formellen Anstrich, denn er suchte den Austausch und plante keinen Appell. "Wir werden Möglichkeiten finden, die sowohl den Bau als auch - und vor allem - die Soldaten schützen. Niemand muss sich Sorgen um die Rechtfertigung seines Handelns machen, auch wenn wir Waffen tragen und sakrale Grenzen überschreiten. Den gesellschaftlichen und politischen Rückhalt verschaffen euch unser Imperator und der Senat. Die moralische Unterstützung habe ich in Zusammenarbeit mit dem Pontifex pro Magistro und dem ehemaligen Magistrat Flavius Minor erarbeitet. Es wird für alle hier stationierten Soldaten eine jährliche Entsühnung geben. Demzufolge plane ich hier ein speziell auf diese Station zugeschnittenes Fahnenheiligtum, in dem Schwüre geleistet und Entsühnungen vorgenommen werden."


    Er lief einige Schritte, um die Nähe zu weiteren der anwesenden Soldaten herzustellen. Jeder sollte sich angesprochen fühlen.

    "Wir rekrutieren aktuell neue Soldaten und in absehbarer Zeit erfahrt ihr, welche zweite Centuria mit euch hier fest stationiert wird. Dieser Tag wird eine Art Gründungzeitpunkt darstellen, zu dem euch ein Stationszeichen überreicht wird - ein Feldzeichen in abgewandelter Form, zwar kleiner, auch neuartig, aber in gleichem Maße der Selbstidentifikation und dem Bewusstsein der Zugehörigkeit zu diesem Truppenkörper dienend."


    Wieder wechselte er den Standort.

    "Am Entwurf dieses neuartigen Stationszeichens könnt ihr mitwirken. Es findet zur Eröffnung der Statio Einzug ins Fahengheiligtum, wie auch die Statuen der Genii, der Schutzgeister für dieses Gebäude, und ein Bildnis unseres Kaisers als Mittler zwischen den Göttern und den Menschen."


    Er legte eine Pause ein, denn nunmehr ging es um die ankündigte Mitwirkungsmöglichkeit.

    "Unser Stationszeichen muss zu uns passen, braucht sich aber nicht an anderen Zeichen orientieren. Ich denke, ein Adler schließt sich von selbst aus, wir sind keine ganze Legion. Eine Schwurhand besitzt nahezu jede Centuria und wäre nicht individuell. Vom Prinzip her spricht trotzdem nichts dagegen. Wir werden Vorschläge sammeln, sie können jetzt oder in den nächsten Tagen bei Cornicularius Octavius Frugi eingereicht werden, und ein Gremium wird die Wahl treffen.

    Ich bringe ebenfalls einen Vorschlag ein." Er lächelte, weil er die Situation einzigartig fand.

    "Mein Vorschlag für das Stationszeichen ist ein Turmfalke. Früher lebte der Turmfalke in alten Baumhöhlen, heute ist er uns ins städtische Gebiet gefolgt. Es wäre eine Parallele zum Feldzeichen, das Einzug in einen Teiltruppenkörper einer Stadteinheit hält."

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  • Scato, der im ersten Moment etwas Brachiales mit gekreuzten Waffen vor Augen gehabt hatte, fegte seine Idee beiseite. Als Vogelliebhaber fand er den Vorschlag des Praefectus Urbi hervorragend.


    "Pro Turmfalke", verkündete er. "Schöner Vogel, vortreffliche Symbolkraft."


    Er blickte hinüber zu Lurco, der neben Pullus stehend düster vor sich hinstarrte. Die Gründe kannte Scato, sein Freund trauerte noch immer um die Toten, die manch anderer längst vergessen hatte. Er stellte sich auf die andere Seite neben ihn, um wortlos Beistand zu leisten, anwesend zu sein, wo Worte fehlten.

  • Lurco beobachtete das Geschehen und wartete auf weitere Instruktionen. Er musste auch noch einiges einreichen. Ihr Job war hart und gefährlich. Das verdeutlichte die Ruine vor der sie standen. Ein Massengrab, da nützte auch kein Medicus mehr etwas. Selbst für eine Autopsie war es zu spät. Familie hatte er keine, sollte ihm etwas zustoßen, war der Staat Rom wohl der Letzte der sein Vermögen benötigte.


    Lurco schmunzelte Scato dankbar zu, der sich auf die andere Seite neben ihn stellte. Weder Scato, noch Pullus hatten die Toten vergessen.

    Das hatten sie nicht, das würden sie nicht.

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  • Als sich Optio Scato als einer der Ersten zu Wort meldete, wandte Menecrates den Kopf und hörte zu. Natürlich freute es ihn, dass sein Vorschlag Zuspruch erhielt, was er mit einem Lächeln zeigte, gleichzeitig erwartete er Gegenvorschläge, von denen einige sicherlich zu weiteren Überlegungen inspirierten. Sein Blick wanderte zum Schreiber, der mittels Nicken angewiesen wurde, jede Wortmeldung festzuhalten.

    "Eure Vorschläge sind nicht limitiert. Ihr könnte mehrere einreichen und, wie gesagt, auch noch in den nächsten Tagen." Menecrates drehte sich zu den Arbeitern, die inzwischen - in Gruppen eingeteilt - verschiedenen Aufgaben nachgingen. Während eine Gruppe die mitgeführten Karren ablud, griffen andere nach Schaufeln, und Hacke. Ein Trupp, bestehend aus fünf Männern, angelte nach den Leitern. Je zwei fassten zu und trugen sie zur Mauer, in deren Spalten die Nester steckten. Es bedurfte Umsicht, tragfähige Mauerabschnitte zu finden, die sowohl das Gewicht der Leiter als auch des Mannes tagen konnten. Kaum ein Stein hielt auf dem anderen. Fast bereute es Menecrates, einen solch gefahrenträchtigen Auftrag erteilt zu haben, aber als sämtliche Nester wohlbehalten in einem Korb lagen, der eigentlich für Schutt Verwendung finden sollte, breitete sich Zufriedenheit und Zuversicht in ihm aus. Er stand ein zweites Mal an diesem Bauplatz, um ganz von vorn ein wichtiges Vorhaben umzusetzen. - doppelte Arbeit, doppelte Kosten, erhebliche Verluste. Beirren ließ er sich jedoch nicht. An dieser Stelle in Rom war eine Statio geplant, hier würde eines Tages auch eine stehen. Komme, was da wolle.


    Wieder drehte er sich zu den Soldaten um.

    "Die Streife geht jetzt den zugewiesenen Bereich ab. Auf dem Rückweg kommt ihr wieder hier vorbei, kontrolliert den Fortschritt der Aufräumarbeiten und kehrt anschließend in die Castra zurück."

    Beim Praefectus Urbi verblieb eine kleine Anzahl persönlicher Offiziere und Sekretäre. Er trat wenig später in Begleitung der beiden Architekten den Rückweg in die Castra Praetoria an. Es galt, weitere Absprachen zu treffen.

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  • Mit dem Befehl hatte der Praefectus sie entlassen und Lurco warf einen letzten Blick auf die Ruine. Lange würde die Statio nicht mehr in diesem Zustand sein. Purgitius hoffte, dass dies auch so bleiben würde. Möglicherweise war es ein gutes Zeichen wenn der Falke Einzug hielt, dass hielt anderes Federvieh wie Krähen fern. Und waren nicht Raubvögel ein Zeichen des Gottes Mars?


    "Aufbruch", sagte Lurco leise, knuffte Scato dankbar und trat mit den Kameraden die Streife an.

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  • Pinus hatte die Nase voll, wischte sich mit seinen Dreck verschmierten Fingern, den Schweiß von der Stirn. Den ganzen Tag die blöde Schufterei, zuerst der Reinfall mit den Vogelnestern. Er hatte immer angenommen der Alte wäre so ein harter Knochen und nun das. ‚Rettet die Nester‘ Was wollte er damit? Im nächsten Frühjahr einen Verkaufsstand für die Vögel aufmachen. Diese kleinen Krachmacher sah er lieber in seinem Magen.

    Aber dann ging es richtig los. Mauern abtragen, Schutt räumen und ständig die Belästigungen mit blödem Gerede. Wenn schon diese Arbeit, dann ohne ihn. Da war man wenigstens unter sich. Übelgelaunt blickte er hinter der Streife her. Die hatten es gut, gerne wäre er dabei gewesen. Wütend hieb er mit seinem Hammer auf eine besonders hartnäckige Stelle ein. Gleich hieß es wieder Schuttkörbe schleppen. War er dafür zur CU gegangen?

  • In Absprache mit dem Curator Viarum hatte Menecrates eine unmittelbare Verwendung für den abgetragenen Steinschutt gefunden. Zwar haftete den Steinfragmenten Ruß an, aber als Unterschicht einer Straße störte das weder deren Funktion noch die Optik.

    Der instruierte Vorarbeiter brüllte über den Bauplatz: "Der Steinschutt kommt drei Straßenzüge weiter AUF den Lehm, klar? Nicht als Erstes ins Fundament und erst recht nicht auf den Kies. Seht also genau hin, wo ihr abkippt! Die Reihenfolge lautet: Lehm, Steine, Kies, Sand. Wir liefern nur die Steine. Jeder passt auf Jeden auf. Wer Mist baut, bekommt Lohnabzug."


    Nicht alle Mauern waren vom Einsturz gefährdet. Jede einzelne wurde geprüft und mit einer Kennzeichnung versehen - entweder Abriss oder Erhalt. Beim Abriss kamen - wie in einem Steinbruch - Hacke und Hammer zum Einsatz, während die noch brauchbaren Mauern Reihe für Reihe eine versetzte Seitenkante angelegt bekamen, um später eine sichere Verzahnung mit dem Ersatzmauerwerk zu gewährleisten. Mörtel würde die Haftung herstellen.

    Dieser Tage nieselte es zuweilen, weswegen sich der Staub beim Abbruch in Grenzen hielt. Gänzlich ließ er sich freilich nicht vermeiden, sodass jedem Arbeiter beim Niesen oder Schnauben Dreck aus den Nasenlöchern flog, den sie zuvor beständig eingeatmet hatten.

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