[Befragung] Der Tote von der Via Appia

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    Python wurde vom Stadttor in die Castra Praetoria geleitet. Da er blind war, durfte er sich am Arm des Capsarius einhaken, der ihn vorsichtig führte. Er geleitete ihn in den Befragungsraum, wo es trotz der sommerlichen Hitze angenehm kühl war. Man bot ihm auch etwas Wasser an und hieß ihn dann zu warten, bis jemand für ihn Zeit hätte. Nach einer geraumen Zeit fand sich Ferox ein. Er war bereits darüber informiert worden, dass der Mann, den er befragen sollte, blind und schwerhörig war. So sprach er besonders langsam, laut und deutlich.


    "Salve, ich bin Miles Nero Germanicus Ferox. Zunächst benötige ich deinen Namen, Stand und Beruf. Dann bitte ich dich, mir zu schildern, was sich heute zugetragen hat."


    Sein Griffel schwebte abwartend über der Tabula, um alles aufzuzeichnen.

  • Uns so erzählte Python seine Geschichte, kurz und schmucklos, wie sie war: "Ich heiße Python und bin Libertinus, ein ehemaliger Gladiator. Ich arbeite im Lupanar Ganymed. Kyriakos hatte mich von der Gladiatorenschule freigekauft, weil er einen Wachmann brauchte. Ich war nicht so teuer, ich bin nicht mehr der Jüngste und für mich war die Zeit in der Arena vorbei, weshalb ich zum Verkauf stand. Was sich heute zugetragen hat ..."


    Er zuckte betrübt mit den Schultern. "Kyriakos ist geschäftlich unterwegs gewesen, als uns jemand mit lautem Klopfen aus dem Schlaf gerissen hat.* Wir schlafen tagsüber, weil wir nachts arbeiten. Doch da wurde nicht nur geklopft, sondern auch gedroht, die Tür aufzubrechen. Pollux hat also geöffnet, ich war dabei, um aufzupassen. Vor der Tür standen irgendwelche Männer von der Münzprägeanstalt." Er dachte scharf nach, bis ihm die Namen wieder einfielen. "Das waren der Prüfer Gideon und Salvatius, der seinen Sicherheitstrupp befehligte. Sie kamen wohl im Auftrag eines Vigintivirs Secundus."


    Er machte eine Pause, versuchte, sich an den Wortlaut zu erinnern. Es waren keine schönen Ereignisse gewesen. "Wir sollten alles über unsere Kunden und etwaige Falschmünzen aussagen, ansonsten würden wir uns als Rudersklaven in Ketten wiederfinden. Kyriakos würde im Verdacht der Falschmünzerei stehen. Andernfalls wollten sie die Namen aus uns herausquetschen. Pollux hat erklärt, dass Kyriakos keine Listen mit Kundendaten führt, dass es außerdem sowohl uns als auch den Kunden schaden würde, wenn wir irgendwelche Namen nennen würden. Sie haben alles durchsucht und keine Münzpresse und keinen Schmelzofen gefunden ... weil ja auch nichts davon da ist! Sie brachen den Schrank auf, wo sie unter anderem eine Schatulle mit Geld fanden. Als sie dann androhten, Kyriakos zu foltern, hat Pollux ihnen sehr viele Namen genannt."


    Und jetzt begann der knifflige Teil.


    "Pollux schickte Evenor samt dem Kästchen nach draußen unter dem Vorwand, etwas zu Essen zu kaufen. Natürlich sollte er es in Wahrheit in Sicherheit bringen. Ich sollte ihn begleiten. Allerdings schickte Gideon uns einen der Wachleute mit. Angeblich sollte er uns zu einem Händler bringen, der uns einen guten Preis machte, aber wahrscheinlich sollte er ein Auge auf uns haben. Wir gingen in Richtung Via Appia**, wo wir ein Geheimversteck haben. Dorthin verschwand Evenor mit dem Kästchen. Daraufhin drohte der Wachmann mit dem Knüppel. Ich hielt den Knüppel fest, bevor er damit Schaden anrichten konnte, aber er ließ ihn los und rannte Evenor hinterher. Dann hörte ich einen Knall. Ich bin Gladiator, ich kenne das Geräusch von brechenden Knochen. Ich ging schauen und da fand ich den Wachmann tot. In einen Schacht hineingestürzt. Ich habe versucht, ihm zu helfen, aber da war nichts zu machen, darum habe ich ihn zu euch getragen."


  • Ferox starrte ausdruckslos auf seine Tabula, während er sich Notizen machte. Als klar wurde, dass der Vigintivir Aemilius samt seiner Münzmeisterei involviert war, legte er die Stirn in Falten, unterbrach den Mann jedoch nicht. Wie es aussah, zog die Angelegenheit größere Kreise. Nachdem Python geendet hatte, lehnte Ferox sich zurück. Sein Gegenüber wirkte glaubwürdig verstört. Bei den Cohortes Urbanae war das Lupanar Ganymed eine bekannte Adresse und Ferox hatte schon das eine oder andere Mal dienstlich mit diesen Lupos zu tun gehabt. Einige von ihnen waren für die Cohortes Urbanae kein unbeschriebenes Blatt, doch Python und Evenor galten bislang als unauffällig. Wie sollte man nun verfahren?


    "Bitte warte einen Moment."


    Ferox musste seinen Vorgesetzten befragen. Nach geraumer Zeit kam er wieder. Man hielt es für unnötig, den so gut wie blinden Python festzusetzen. In die Entscheidung spielte hinein, dass Ferox ihm die Schilderung des Unfalls glaubte, aber auch, dass Python ohnehin nicht fliehen konnte. Sofern sich eine Anklage ergab, konnte man seiner ohne Probleme habhaft werden. Der momentan von Christen überfüllte Carcer musste nicht unnötig belastet werden.


    Ferox nahm wieder Platz. "Im Moment habe ich keine weiteren Fragen. Aber ich möchte mir den Unfallort gern einmal ansehen. Fühlst du dich imstande, mich jetzt dorthin zu führen?"

  • Python nickte stumm. Die Ereignisse der letzten Stunden hatten in ihm den Glauben ausgelöscht, dass es jemand Offiziellem tatsächlich um Gerechtigkeit gehen könnte. Er nahm an, man würde den Unfallort kurzerhand zu einem Tatort erklären und ihn zu einem Mörder machen. Erst nach einer Weile fügte er hinzu: "Ja, ich fühle mich imstande, dich dorthin zu führen." Ohne auf eine weitere Aufforderung zu warten, erhob er sich, um es hinter sich zu bringen. Der Urbaner hatte ja gesagt, dass er jetzt sofort dorthin geführt werden wollte.

  • Ferox stand auf. Er gab seinem Kameraden ein Zeichen, Python schon einmal zum Tor zu geleiten. Da der Mann aufgrund seiner Blindheit zu Fuß etwas langsam war, war es besser, wenn er schon vorging. Ferox suchte derweil seinen Vorgesetzten, Optio Appius Furius Cerretanus. Es mochte sein, dass dieser sich persönlich vom Ort des Geschehens überzeugen wollte.

  • Rein zufällig fand auch der Germanicer den Furier und zerrte diesen, quasi, zum Ort des Geschehens.

    Doch bevor sie losging, fünf weitere Miles wurden hinzugezogen da man ja nie wissen konnte welche Art von Asseln sich im Intergrund umtrieben, wollte der Furier doch etwas genauer bescheid wissen.

    " Also Miles Germanicus. Ein Blinder und ein Strassenjunge" dessen Namen der Furier anscheinend verdrängt hatte:" Haben dich angesprochen und eine recht absurde Geschichte aufgedeckt. Entspricht das so halbwegs dem wie ich es verstanden habe?"

  • "Korrigiere, der Blinde kam allein mit dem Toten. Python heißt der Bursche, und ist bei uns bereits bekannt. Er wurde beim Brand des Lupanars Ganymed aus den Flammen gezogen, darum sieht er jetzt so aus, wie er aussieht. Der Wahrheitsgehalt seiner Aussage ist momentan noch nicht zu beurteilen."


    Er lächelte. "Aber das lässt sich ändern. Wollen wir uns den Unfallort beziehungsweise Tatort einfach mal anschauen?"

  • " Phyton...." zwischenzeitlich der Furier. " Und schon jemanden erwürgt?" Kurz hob sich die Oberlippe im Mundwinkel. Auch der Name des genannten Lupanars löste keine erfreuten Emotionen in ihm aus.

    " Nun ich bezweifle dass ein Handlanger des Besitzers unbedingt glaubwürdig ist aber voreilig urteilen ist nicht unsere Arbeit. Dann werden wir sehen wie ernst es dieser.. Diese Person es mit der Wahrheit nimmt "

    Kurz deutete er mit einer Kopfbewegung in die Richtung die zum Mausoleum führte. " Geh voran und zeig uns den Weg" meinte ernun etwas neutraler zu Phyton.

    .......

  • Python


    "Nein, ich habe noch niemanden erwürgt", murrte Python und seine narbige Stirn runzelte sich besorgt. Er wusste nicht einzordnen, wie ernst es dem Optio mit diesem Scherz war.


    Da der Blinde vorangehen sollte, kamen sie nur sehr langsam voran. Insbesondere für den Weg aus der Castra hinaus musste er die beiden Soldaten immer wieder um Hilfe bitten, in welche Richtung er sich nun wenden sollte. Doch seine Füße waren ja nicht lahm und so gingen sie, einen Schritt nach dem anderen, in Richtung der Via Appia ...

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