Officium Magistratus - Arbeitszimmer des Magistraten

  • ~~ OFFICIVM II ~~


    QUAESTOR OSTIENSIS
    MARCVS IVLIVS DIVES




    Besucher ohne schriftlichen Termin mögen sich im Officium IV bei dem Scriba Ostiensis Ostianus [NSC] melden.


    Kaum war die Tafel am Eingang zu seinem neuen Officium angebracht, machte Dives sich auch schon freudig ans Werk und richtete sich zunächst einmal etwas ein. Viel war nicht mehr zu tun, da die wichtigsten Dinge, wie tabulae, papyri und Schreibzeug, en masse vorhanden waren. Genau genommen beschränkte es sich sogar lediglich darauf, dass Dives zunächst etwas probesaß an seinem neuen Schreibtisch, bevor er sich aufmachte das restliche Zimmer zu erkunden.


    Einstmals war dieses Officium dem ersten Magistratus der Civitas vorbehalten, denn es war das größte der magistratischen Officia. Da mit der Lex Municipalis Ostiensis die Aufgabenbereiche jedoch genauer umschrieben waren, hatte nun der Quaestor Ostiensis ein Vorrecht auf dieses Officium. Einerseits waren die Tätigkeitsgebiete der Aediles Ostiensis derartig konzipiert, dass sie eh einen Großteil ihrer Zeit in den Straßen der Civitas verbrachten. Auf der anderen Seite war mit der hohen Verantwortung des Quaestors auch eine größere Würde verbunden, welche sich in einigen Städten und Gemeinden sogar dadurch abzeichnete, dass erst ein gewesener Aedil überhaupt zum Quaestor kandidieren durfte.


    Nach kurzem Suchen fand Dives dann auch den letzten Jahresabschlussbericht seines Amtsvorgängers. Schon auf den ersten Blick konnte er feststellen, dass zunächst einiges an Arbeit hier auf ihn zukommen würde. Es musste schließlich alles genaustens kontrolliert werden, nicht dass Dives wohlmöglich noch eine falsche Kasse übernahm und dann am Ende für eventuelle Fehler anderer gerade stehen musste. Drum ließ er sich auch gleich noch die entsprechenden früheren Berichte aus dem Archiv herbeischaffen und stürzte sich in die Arbeit...

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    CIVIS
    DECURIO - OSTIA
    INSTITOR - MARCUS IULIUS LICINUS
    IUS LIBERORUM
    VICARIUS DOMINI FACTIONIS - FACTIO VENETA

    Klient - Marcus Vinicius Hungaricus

  • Einige Tage nach seinem Einzug in das neue Officium - die Arbeit mit den Kassenberichten seiner Amtsvorgänger hatte gerade erst so richtig begonnen - zitierte Dives einen seiner Scribae in sein Officium. Da er nur zwei zugeteilte Schreiber hatte, von denen einer noch auf seiner Reise nach Misenum war, traf die Wahl unweigerlich den Freigelassenen Ostianus. Mit tabula und Griffel erschien jener auch prompt und war bereit, die Anweisungen des Vorgesetzten entgegenzunehmen. Dives brauchte unbedingt eine Pause, wengleich er Zahlen und Statistiken liebte. Doch diese zahlreichen Berichte, Abrechnungen, diversen Finanzierungspläne, Gehaltslisten und und und... und nicht zuletzt der zählend zu überprüfende Kassenbestand! Da wäre das Diktat eines Briefes genau die richtige Ablenkung...


    "Salve Ostianus! Setz dich.", begrüßte Dives - selbst stehend - seinen Untergebenen, der sich höflich nickend auch sogleich auf dem Stuhl vor Dives' Schreibtisch niederließ, immernoch bereit, Aufträge, Briefe oder sonstige Korrespondenzen sofort mitzumeißeln.


    "Ad Quintus Germanicus Sedulus in die Casa Germanica in Roma, Italia.", diktierte Dives und machte dann eine kurze Pause, in der er Ostianus mit prüfendem Blick betrachtete. Jener erwiederte mit einem Blick, der ausdrückte, dass er bisher alles verstanden und mitgeschrieben hatte und nun auf die weiteren Worte Dives' wartete. Durch seine langjährigen Dienste als Scriba Ostiensis hatte er sich mit der Zeit eine unglaubliche Schreibgeschwindigkeit angewöhnt, sodass er selbst Diktate von 'Schnellsprechern' ohne große Mühe aufnehmen konnte.


    "Salve Sedule, ...", begann Dives, wurde jedoch sogleich vom Scriba selbst unterbrochen. Jener, dem das Schreiben so wenig ausmachte, hatte folglich noch freie Kapazitäten zum Mitdenken. Und als guter Scriba machte man seinen Vorgesetzten darauf aufmerksam, wenn dieser einen offenbaren Fehler im Begriff war zu gehen.


    "Verzeih, aber ist Germanicus Sedulus nicht ein ehrwürdiger Senator?", warf Ostianus also ein. "Wir sind gute Freunde.", entgegnete Dives in einer überraschten Stimmlage, als wenn der Scriba das doch eigentlich gewusst haben müsste. Er überlegte kurz und entschied sich dann um:


    "Salve Senatore Sedule, ...", diktierte Dives also neu. Ja, diese Anrede mit Anapher hatte etwas. Einerseits drückte sie mit dem Titel 'Senator' Förmlichkeit und damit die Ehrerbietung von Dives aus, während sie andererseits mit dem einfachen Cognomen eine gewisse freundschaftliche Vertrautheit zeigte. So könnte man es wohl lassen.


    "Ich möchte dir auf diesem Weg nochmals für deine Hilfe danken. Das Arbeitszeugnis hat mir wirklich sehr geholfen und ich freue mich, dir mitteilen zu können, dass meine Kandidatur zum Quaestor Ostiensis Erfolg hatte, wenngleich der Duumvir nicht allzu erfreut zu sein schien, was meine Mitgliedschaft in der Factio anbelangt. Allgemein hat man hier in Ostia scheinbar deutlich weniger mit dem Wagenrennsport zu tun, als in Roma. So gibt es hier auch nicht einen einzigen Circus in der Civitas - wirklich sehr bedauerlich! Absatz. Daher möchte ich dir auch in deinen Funktionen als Vicarius Principis Venetae und Curator operum publicorum Romae schreiben. In diesen Ämtern hast du sicherlich viele Kenntnisse über Circi, deren Bau und Konstruktion. Es wäre schön, wenn du mich ein wenig an diesem Wissen teilhaben lassen könntest. Insbesondere gilt mein Interesse den Geldern, die der Neubau eines Circus verschingen würde. Natürlich ist mir bewusst, dass die Kosten auch immer vom speziellen Projekt abhängen. Absatz. Deshalb möchte ich dich fragen, ob du deinen Besuch in Ostia nicht vielleicht noch mit einer kleinen Begehung eines mir gut geeignet erscheinenden Grundstücks verbinden möchtest. Es befindet sich nicht weit ab auf der Insula Sacra an der Straße nach Porticus. Der Aedilis Ostiensis operum publicorum, Quintus Titinius Catienus [NSC], würde uns ebenfalls begleiten. Ich bitte dich, mir mitzuteilen, ob du dich dazu bereit erklären würdest und wann du die Zeit erübrigen kannst, um Ostia zu besuchen. Absatz. Ich sende dir die besten Grüße und freue mich bereits darauf, dich wiederzusehen. Mögen die Götter dich und die Deinen schützen. Vale bene."


    Während Dives diese Worte sprach, schritt er im Officium umher. Ostianus hingegen saß beinahe regungslos auf seinen vier Buchstaben. Nur seine Hände schrieben hochfrequentig das mit, was sein Vorgesetzter diktierte.
    Nach dem 'Vale bene' war Dives wieder an seinem Platz angelangt und blickte seinen Scriba auffordernd an. Als dieser nicht darauf reagierte, fügte er noch ein verstärkendes Nicken hinzu und dann eine Handbewegung in Richtung Ausgang. Nun auch für den noch etwas fremden Ostianus klar verständlich, entfernte er sich aus dem Officium, um das entsprechende Schreiben auf einem papyrus umzusetzen. Dives hingegen widmete sich jetzt wieder seinen Zahlen... oder besser: den Zahlen der Civitas...

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  • Nach diesem Gespräch mit den beiden amtierenden Duumviri, bei dem auch der Scriba Ostianus anwesend war, nahm Dives letzteren auch gleich noch ein bisschen weiter in Anspruch. Er ließ ihn gleich mit in sein Officium kommen, sodass man sich umgehend daran machen könnte, die entsprechenden Briefe an die beiden gewesenen Duumviri zu verfassen. Vielleicht sollte man auch besser von einem Versuch desgleich sprechen, bei dem, was sich nach gemeinsamer Ankunft im Officium von Dives abspielte:


    "Also gut... die beiden Briefe an die beiden Decuriones...", kündigte Dives kurz an, sodass Ostianus wissen würde, was jetzt folgte und dass er mitschreiben würde. Sogleich zog jener dann auch eine leere tabula hervor und nahm einen passenden Griffel in die Hand. Das Diktat konnte beginnen.


    "Ad Faustus Octavius Macer in die ...? Wo wohnt dieser Octavius überhaupt?", fragte Dives in einem freundlich-auffordernden Ton. Wofür hatte man schließlich einen städtischen Scriba zur Seite gestellt, wenn nicht dazu, dass er die eigenen Wissenslücken ein bisschen füllte? Und vor allem Ostianus, als langjähriger Mitarbeiter der Curia, sollte hier doch schon ein gewisses Maß an Informationen parat haben, zumal man bei dem Termin bei den Duumviri ja über besagte Leute gesprochen hatte. Doch mehr als ein Schulterzucken à la 'Wer von uns beiden war denn zuletzt in Roma?' kam nicht.


    "Und wo wohnt dieser Quintilius?!", klang die Frage an Ostianus nun bereits wesentlich genervter. Vielleicht lag die Zeit des Duumvirats von Macer ja einfach zu weit zurück und Ostianus war damals noch nicht in den Diensten dieser Civitas. Das wäre zwar noch längst kein Argument dafür, dass er solcherlei Informationen nicht im Kopf hatte, doch ... Nein, Dives fiel beim besten Willen keine plausible Entschuldigung ein. Als dann auch wieder nur dieses kleine Fragezeichen schulterzuckend vor sich sah, war DAS dann auch egal!


    "Verdammt, wofür wirst du eigentlich bezahlt?! Wenn ich dich bei einem Gespräch mit den Duumviri dazu bitte und bereits vorher bekannt ist, dass es um die Decuriones Octavius Macer und Quintilius Sermo geht, dann verlange ich, bei den Göttern, dass du auch sonst über diese beiden informiert bist!", donnerte Dives' Faust auf seinen Schreibtisch, sodass einige am Rande dessen liegende tabulae dem Weg auf dem Boden fanden. Man konnte nicht unbedingt sagen, dass Dives sonderlich laut geworden war, doch seine Stimme hatte im Laufe seiner Worte eine Intensität bekommen, die durchaus dazu in der Lage war, einen freigelassenen städtischen Schreiber ein wenig das Fürchten zu lehren. Ja, Dives war noch ein junger, vergleichsweise unerfahrener Mann - in vielleicht mehr Gebieten, als manch Weggenosse glaubte -, doch auf der Nase herumtanzen ließ er sich deshalb noch lange nicht!


    "Los, scher dich an die Arbeit!", forderte Dives in wieder etwas herunter gekommenem Tonfall Ostianus auf. Geschwinden Fußes begab sich jener dann auch schleunigst in die Spur, um die gewünschten Informationen aus dem Archiv zusammenzutragen. Jede Civitas ließ die eigenen Decuriones schließlich kaum aus den Augen, da jeder einzelne der Civitas durchaus auch aus der Ferne noch sehr von Nutzen sein konnte. So würden sich die entsprechend aktuellen Adressen der beiden gewesenen Duumviri mit Sicherheit auch im Archiv auftreiben lassen - wenn es gut geführt war, dann sogar noch Feierabend!


    Und so machte sich Dives daran, die heruntergefallenen tabulae wieder in entsprechende Stapel auf dem Schreibtisch zu ordnen, während er auf seinen Scriba und dessen Informationsausbeute wartete... und wartete... und wartete... und schließlich mies gelaunt nach Hause ging. Würde er morgen früh nicht einen 1-A-Bericht auf dem Tisch haben mit allen nur denkbaren Angaben, dann gäbe es aber unter Garantie ein Donnerwetter - unabhängig davon, ob es wirklich blitzen und donnern würde...

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  • Wenn es etwas gab, dass Dives nicht ausstehen konnte, dann waren es Situationen wie diese, in denen er sich in seinem Tatendrang durch andere Leute ausgebremst sah. Und so ging er am nächsten Morgen auch nur geringfügig besser gelaunt zur Curia Ostiensis, wo ihn - nach einer Nachaktion, von der er nichts ahnte - zu seinem Ärger gleich die nächste Unannehmlichkeit erwartete: Weder der sonst so erfahrene und stets pünktliche Ostianus, noch Asinius Celer, der am Vortag aus Misenum zurückgekehrt war, waren an ihren Plätzen, an denen Dives sie eigentlich erwartet hätte. Zumindest Celer hatte er an diesem Morgen nicht in der Villa Rustica seines Cousins angetroffen, sodass er davon ausgegangen war, ihn im Officium Scribarum vorzufinden. Lief denn jetzt gänzlich alles aus dem Ruder?


    Dives wandte sich ab vom Büro der städtischen Schreiber, ging ein paar Schritte und stand auch schon vor seinem eigenen Officium, welches er sodann betrat. Vielleicht erwartete man ihn ja auch hier - und hoffentlich mit den gewünschten Informationen! Aber nein, auch hier eine herbe Enttäuschung: Kein Celer, kein Ostianus, nur das Officium, wie er es gestern verlassen hatte. Erst als er an seinem Schreibtisch angekommen war, fand er die beiden tabulae mit allen Informationen, die die Civitas über sie nur hätte haben können. Dives' Geischt erhellte sich leicht... wenn jetzt nur noch seine Schreiber wieder irgendwo auftauchen würden...


    Doch erst nach einer knappen hora war es dann endlich soweit. Dives hatte indes zu einer anderen Angelegenheit eine Auflistung erstellt, sie in einer Tabelle ausgewertet und die anschließend entstandene Statistik etwas geschönt, wie es sich gehörte. Da stürmte plötzlich Ostianus völlig unangekündigt und ohne jede Vorwarung in den Raum, dass Dives fast das Herz stehen blieb. Er sah völlig verschlafen aus, hatte krauses Haar und seine Wangen leuchteten in einer rote Farbe, die deutlich zeigte, dass er heute noch nicht sehr lange auf den Beinen war. Mit tabula und Griffel kam er vor Dives' Schreibtisch zum Stehen, schaute ihn mit schuldbewusster Miene an und strich sich die Haare ersteinmal wieder etwas glatt. In seinen Augenwinkel bemerkte Dives dann eine weitere Person, die allerdings in der offenen Porta stehen geblieben war. Sein Blick wanderte hinüber und er staunte nicht schlecht: Dort stand doch nun plötzlich auch Celer und er sah ähnlich verschlafen aus, hatte eine vergleichbare Frisur und ebenfalls leuchtende Wangen, wie Ostianus...


    Dives schaute erneut zu Ostianus, dann zu Celer und zurück zu Ostianus. Er brauchte einen Augenblick, um sich darüber klar zu werden, was er glaubte zu sehen. Die offensichtliche Spannung, die sich in jenem Moment auszubreiten begann und sich im ganzen Raum verteilte, wurde auch nicht gelöst, als Dives leicht kopfschüttelnd ein teil amüsiert, teils bedrohlich wirkender Ansatz eines Lachens entwich. Gerade als Ostianus zur Aufklärung über die Harmlosigkeit der Situation seine Stimme erheben wollte, entspannten sich Dives' Gesichtszüge wieder und er kam ihm zuvor: "Raus.", deutete er mit seiner linken Hand und völlig emotionslos auf die Tür. Sogleich entfernt sich dann auch Celer und schloss dabei die Porta von außen. Dives würde sich mit seinem Freund wohl einmal gesondert unterhalten müssen - später natürlich. Jetzt gab es Wichtigeres: Er wandte sich mit leeren Blick zu stianus und kam diesem neuerlich in dessen Absicht, etwas zu sagen, zuvor:


    "Ad Faustus Octavius Macer in der Casa Octavia in Roma, Italia.", begann Dives zu diktieren. Ungewöhnlich blieb er dabei sitzen und starrte beinahe geistesabwesend mal hier hin, mal dort hin. Dieser Tag war jetzt schon ein wenig viel für seinen Geschmack: Erst Frust und Ärger, dann ein Beinahe-Herzinfarkt und nun auch das noch. Das Schlimmste jedoch war, dass sein guter Freund Celer, der Dives in den meisten intellektuellen Fragen klar unterlegen schien, hier offenbar ein Feld gefunden hatte, auf welchem er augenscheinlich mehr Erfahrung vorweisen konnte. Unweigerlich rief dies auch Dives' nahezu vaterlose Kindheit und Jugend in Dives' Gedächtnis, die letztendlich ihren traurigen Höhepunkt hatte in Centhos Mitteilung, dass jener bereits verstorben sei. Was die meisten römischen Adulescentes von ihren Vätern lernten und gelernt hatten, hatte Dives kein griechischer, kein ägyptischer, kein persischer Gelehrter vermittelt...


    "Salve Senatore Octavi. Es ist eine meiner Pflichten als Quaestor Ostiensis, die Aufsicht über die Stadtkasse der Civitas Ostia zu führen und sämtliche Einnahmen und Ausgaben der Civitas genaustens zu kontrollieren und zu überwachen. Im Rahmen dieser Tätigkeit stieß ich auf eine kleine Unregelmäßigkeit im Jahr deines zweiten Duumvirats. Absatz. Allerdings wird es dich sicherlich freuen zu hören, dass der Differenzbetrag, der durch eine bis heute nicht von dir in Anspruch genommene Gehaltsauszahlung im Zeitraum ANTE DIEM X KAL IUL DCCCLIX A.U.C. (22.6.2009/106 n.Chr.) bis einschließlich ANTE DIEM IV KAL IUL DCCCLIX A.U.C. (28.6.2009/106 n.Chr.) entstanden ist, sich in Summe auf 250 Sesterzen zu deinen Gunsten beläuft. Absatz. Aus diesem Anlass bitte ich dich darum, dir einen kurzen Moment Zeit zu nehmen und mir mitzuteilen, ob du gewillt bist, eine entsprechende Nachzahlung des Gehalts für den besagten Zeitraum anzunehmen und mir möglichst bald, spätestens aber bis zu den ID NOV DCCCLXI A.U.C. (13.11.2011/108 n.Chr.), eine entsprechende Nachricht an die Curia Ostiensis zukommen zu lassen. Denn sollte ich bis dato keine Mitteilung von dir erhalten haben, muss ich annehmen, dass die nicht beanspruchte Auszahlung des Gehalts beabsichtigt war und schreibe sie den Spenden an die Civitas zu. Absatz. Mögen die Götter dich und die Deinen schützen. Vale bene."


    Dives machte eine kurze Pause.


    "Das Gleiche - natürlich mit veränderter Anschrift, Anrede und dem entsprechend anderen Zeitraum - dann nochmal an den Eques, Quintilius Sermo. Danke.", schob Dives nach und machte wegscheuchende Handbewegungen. Ostianus war froh, endlich wieder aus der Höhle des Löwen entlassen zu sein. Schleunigst verließ er daraufhin das Officium, sodass Dives allein darin zurückblieb. Gedankenversunken stand letzterer erst einige Augenblicke später auf, drehte sich zum Fenster und öffnete es. Die frische Brise tat gut und würde seinen Kopf hoffentlich wieder etwas freier machen...

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  • Und wenig später, nachdem diese Nachricht bei der Curia abgegeben worden war, kam Ostianus auch schon mit ihr ins Officium des Quaestors und legte sie auf dessen Schreibtisch. Dives und Asinius Celer hatten heute ausnahmsweise früher Schluss gemacht, weil ein Bote der Villa Rustica Iuliana Ostiensis mit der Botschaft gekomme war, das Dives' eigentlich krank in Roma verweilender Cousin Centho wohl eingetroffen sei. So würde er die Nachricht wohl erst am nächsten Morgen bekommen und der Besuch dennoch etwas überraschend sein. Fortuna trieb sich eben scheinbar auch äußerst gern als Schicksalsgöttin herum. Es schien sie wohl zu amüsieren...



    An Quaestor Ostia Marcus Iulius Dives



    Salve Marcus Iulius Dives,


    ich will es kurz machen. Sollte sich mein Sklave Teutus nicht herumgedrückt haben, oder ihm etwas zugestoßen sein, werde ich mit meinem Onkel einen Tag nach Ankunft dieses Schreibens in Ostia eintreffen.
    Ich freue mich schon auf den Besuch in den Thermen Ostias.


    Bis bald,


    Sedulus



    Als Dives am nächsten Morgen die Nachricht vorfand, hatte er gerade noch Zeit, seinem Kollegen Quintus Titinius Catienus, dem Aedilis operum publicorum, Bescheid zu geben. Jener sollte schließlich ebenfalls bei der ersten Baugrundbegehung anwesend sein. Zu dritt, denn Dives wollte auch seinen Schreiber Asinius Celer dabei haben, machte man sich auf ins Atrium Municipalis, wo man den senatorischen Besuch erwarten würde.

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  • So ruhig und unscheinbar, wie seine Amtszeit als Quaestor Ostiensis hier begonnen hatte, war sie schon lange nicht mehr. Auf Dives warteten fast täglich Korrespondenzen mit Freunden in Roma, Händlern der Civitas und Beamten von Nachbarstädten. Dazu kam die angestoßene Initiative für eine Liegegebühr für in ostiensischen Häfen liegende Schiffe, wofür ebenfalls viel nachgedacht und ein wenig zu papyrus gebracht werden musste. Weiterhin auch noch das angestoßene Projekt eines kleinen ostiensischen Circus, in dessen Rahmen Dives vor kurzem die beiden Senatoren Germanicus Avarus und Germanicus Sedulus zu Gast hatte. Und natürlich deutlich angenehmer, doch mitunter nicht minder anstrengend, der gemeinsame Thermenaufenthalt von Sedulus und Dives, sowie der Überraschungsbesuch seines noch etwas von seiner Krankheit gezeichneten Cousins Centho.


    Und als würde das nicht alles schon reichen - wobei Dives natürlich froh war, dass er so viele Aufgaben hatte und nicht nur ein Sesselpupser einer verschlafenen Kleinstadt war -, erzählte Centho Dives bei besagtem unerwarteten Aufenthalt in Ostia von seinem spontanen Vorstoß beim Augustus. Nicht, dass Dives dies nicht zu würdigen gewusst hätte - es schmeichelte ihm ungemein, dass sein Cousin sich ungefragt so sehr für ihn einsetzte (!) -, doch brachte es Dives andererseits natürlich in eine etwas unglückliche Lage. Während andere (zu denen ja auch seine Verwandten Proximus und Saturninus gehörten) erst den Schritt vom städtischen Magistratus zum decurionischen Duumvir einer italischen Stadt machten und gemacht hatten, um danach in Roma mittels entsprechender Verbindungen zu einer Erhebung in den Ordo Senatorius zu gelangen, hatte man hier um die Erhebung eines gerade amtierenden Quaestors gebeten. - Und für jeden Dritten musste es wohl schon so aussehen, als wenn dies auf Initiative von Dives geschehen wäre. Das wiederum würde bedeuten, dass man zwangsläufig denken müsste, dass Dives in seiner jetzigen Position unzufrieden wäre und ihm seine Karriere nicht schnell genug voran ginge. Dass ein offensichtlich karrieregeiler junger Möchtegern-Politiker hingegen oftmals gerade das Gegenteil von dem erreicht, was er anstrebt, lehrt die Erfahrung.


    Und am gestrigen Tage dann das: Eine Eilbotschaft aus Roma. Absender: Dives' Cousin Centho. Inhalt: Eine Quasi-Vorladung beim Praefectus Urbi, jenem als skrupellos und machtbesessen geltenden Mann, über dessen Schreibtisch wohl einerseits das Schreiben Centhos gegangen war, der andererseits aber auch als ein gewisser Freund der Gens Iulia galt. Worum es wohl genau ging? Mit dem Stadtpatronat über Osia oder Dives' Quaestur hier hatte es auf jeden Fall wohl kaum etwas zu tun, denn andernfalls hätte sich der Praefectus nicht bei Centho, sondern hier in Ostia gemeldet - ob nun bei der Curia oder der Villa Rustica Iuliana Ostiensis. Zudem hätte er wohl auch das Gespräch mit einem Duumvir oder vielleicht auch noch Dives als Quaestor gesucht, aber zusammen mit Centho? Nein, das Einzige, was Dives, seinen Cousin Centho und den Praefectus Urbi einigermaßen sinnvoll miteinander verband, war jenes Schreiben an den Augustus.


    Ob man Proximus auch geladen hatte? Das war eine interessante Frage, der leider dem Eilbrief aus Roma keine Antwort zu entlocken war. Gesetzt dem Fall, dass dies wirklich nur eine Vorladung von Centho und Dives war, so wäre wohl klar, dass nur eine ordentlich Schelte kommen könnte - mit einem unbekannten Strafmaß. Obwohl... Morgenempfang? Hatte sein Cousin nicht davon auch etwas geschrieben? Das würde dann heißen, dass sie den Praefectus Urbi schon beinahe privat treffen würden... zur Salutatio, was die Vermutung nahe legen würde, dass jener es vielleicht bei einer Rüge beließ - eben weil Salinator ja ganz iulierfreundlich war (zumindest in der Vergangenheit). Andererseits gäbe es natürlich auch die Möglichkeit, dass es deshalb nicht in seinem Officium stattfand, damit er zu noch drakonischeren Mitteln greifen könnte, als sie sich Dives gerade vorstellen konnte.
    Und wenn Proximus auch anwesend wäre? Genaugenommen wäre es wohl beinahe schon wieder irrelevant, denn verwarnen oder drakonisch bestrafen könnte der Praefectus Urbi so oder so. Ja, vielleicht könnte er sogar an Dives ein Exempel statuieren, um sich Proximus und Centho noch loyaler und untergebener zu machen. Dives hatte das Gefühl, dass sich ihm der Magen umdrehte bei all diesen grausamen Vorstellungen...


    Jetzt saß er hier in seinem Officium - wie lange es wohl noch seines wäre (?) - und brütete über den vielen Fragen. Was sollte er nur tun? Was könnte er überhaupt tun? Dem Gespräch einfach fernbleiben und behaupten, dass jenes Schreiben aus Roma ihn nie erreicht hätte? Das wäre wohl keine sehr gute Idee, da Dives damit vielleicht die einzige Chance verspielte, dass Salinator es bei einer kleinen Rüge beließ. Eine spontane Krankheit? Nein, die entfiel wohl aus ähnlichem Grund. Und wenn er einfach in ein Schiff stiege und auf nimmer Wiedersehen (oder zumindest für die nächsten Jahre, vielleicht auch Jahrzehnte) Italia verließ? Vielleicht Richtung Asia? Lesbos war ihm während seiner Kindheit eine gute Heimat gewesen und auch noch in seiner Jugend schätzte er es immer sehr, wenn er wieder von seinen Studien zurück war und einige Tage in Mytilene verbringen konnte. Doch dieser Weg hieß aufgeben: Liebgewonnene Freunde, wie Aculeo und Sedulus, seine ins Herz geschlossenen Verwandten, allen voran seinen Cousin Centho, dessen Kinder und seine Cousine Corona, aber auch die zahlreichen entfernteren Verwandten. Dann waren da natürlich noch die Factio Veneta und die Societas Claudiana et Iuliana, denen sich Dives nicht nur verbunden, sondern auch verpflichtet fühlte. Und nicht zuletzt würde er auch seinen Traum aufgeben müssen - den Traum, jemals als Senator von Roma dem ehrwürdigsten aller ihm bekannten Gremien anzugehören! All diese Opfer um vielleicht - denn auch das war ja noch lange nicht garantiert - mit dem Leben davon zu kommen? NEIN, das konnte Dives nicht und das wollte er nicht. Eine alternative Lösung musste her. Die gab es schließlich immer, man musste nur genau genug hinschauen...


    Wieder überlegte Dives, den Kopf in seine Hände legend. Und eine eventuelle gute Absicht des Vesculariers? Was, wenn sich diese ganzen Szenarien als völlig absurd herausstellten und der Praefectus Urbi positive Optionen offen hielt? Das konnte sich Dives nicht so recht vorstellen, bei allem, was er über ihn gehört hatte. Der Mann verfolgte doch immer irgendein Interesse. Weshalb also sollte er... Dives hatte es noch immer nicht geschafft, sich einen einflussreichen Patron zuzulegen! Oh, dass ihm dies gerade jetzt auf die Füße fiel! So kurzfristig und dabei noch einen guten Eindruck hinterlassen, sodass man ihn dann auch tatsächlich annahm? Das war wohl eine unlösbare Aufgabe, doch vielleicht mit etwas Glück... Dives müsste natürlich seine ganzen Überzeugungs- und Überredungskünste zum Einsatz bringen und dann auch noch ein wenig schauspielerisches Talent beweisen, dann könnte ihm dies vielleicht noch erspart bleiben. Denn wenn Dives etwas wusste, dann, dass der Senat und Salinator sich spinnefeind waren. Das konnte man schließlich kaum überhören, wenn man durch die Straßen und Gassen Romas lief und in abgeschwächter Form sogar noch in Ostia! Wenn Dives folglich Senator werden wollte, dann wäre ein Patronat von Salinator derzeit ein gänzlich falsches Signal.


    Wo das Schwert bereits so nah über Dives' Haupt zu hängen schien, wo wahrscheinlich kein Mensch auf Erden - abgesehen vielleicht vom Princeps persönlich - ihm helfen könnte, da war eindeutig ein göttlicher Beistand von Nöten! Und welcher Gott würde sich wohl besser eignen als jener, der Geschenke und Nachrichten überbringt, Verirrten den Weg weist, dem List und Tücke nicht fremd sind und der als Gott des Zufalls für das glückliche Finden sorgt? Dives sprang auf von seiner Sitzgelegenheit. Wie gut, dass Ostia einen intakten Tempel des Mercurius hatte! Dass er sich wohl mit einem kleinen Opfer für den Moment begnügen müsste, würde der Gott hoffentlich nicht allzu schwer nehmen, aber wirklich viel Zeit zum Aussuchen passender Opfertiere oder ähnlichem blieb Dives nun einfach mal nicht. Er stürzte aus seinem Officium...

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  • Nun war es also soweit: Die Änderung der Hafenverordnung war durch die Curia und der Monat zu Ende gegangen. Mit den Kalenden des November stand heute das erste Mal die Eintreibung der Gebühren. Wie versprochen, hatte Dives es übernommen, die Hafenverwaltung dahingehend einzuarbeiten. Man hatte gemeinsam geschaut und nachgeforscht, welche Schiffseigner der "Hafenblockierer" überhaupt noch lebten. Sehr viele waren das nämlich nicht. In diesen Fällen würde es nämlich durchaus ausreichend sein, eine entsprechende Nachricht zu senden. In allen anderen Fällen müsste zunächst herausgefunden werden, wem das Schiff überhaupt gehörte, bevor man von der entsprechenden Person Einnahmen verlangen könnte. Das war wohl die Hauptarbeit - und fiel in voller Höhe Dives zu.


    Das Ausrechnen der zu zahlenden Gebühren gestaltete sich äußerst einfach. Denn erst mit Eintritt der neuen Hafenverordnung trat diese ja in Kraft, sodass alle Schiffe gleichermaßen von da an die 10 kostenfreien Liegetage genossen, bevor für die restlichen Tage des Monats die Abgaben anfielen. ANTE DIEM V ID OCT DCCCLXI A.U.C. (11.10.2011/108 n.Chr.) war also der erste kostenfreie Liegetag, sodass ab einschließlich ANTE DIEM XII KAL NOV DCCCLXI A.U.C. (21.10.2011/108 n.Chr.) Gebühren fällig wurden. Das Ganze bis zum Ende des Monats waren also 11 Tage, multipliziert mit 20 Sesterzen pro Tag, ergaben folglich 220 Sesterzen - für jedes Schiff, dass seither den Hafen nicht verlassen hatte. Dives machte eine Liste, sortiert nach Gens der Eigentümer...


    ~~ NOTATIO DIVITIS ~~


    POTVS OSTIENSIS
    NAVES




    Sim-Off:

    = Anlegeplatz des Schiffs (bzw. Link zum Thread)


    Stand: 01.11.2011



    Für den Flavier reichte also ein Brief. Die Aurelier mussten persönlich aufgesucht werden. Den Decimern musste ebenfalls ein Besuch abgestattet werden, wenngleich einer der Schiffseigner noch am Leben war. Dafür müsste man dann für den nicht unbedingt noch einen Brief schreiben. Da Dives bei seiner Verwandtschaft eh vorbeischauen würde, war die Sache des iulischen Schiffes ebenfalls kein Problem. Dann müsste auch die Gens Ocavia persönlich besucht werden, da sich bei einem allgemeinen Schreiben an die Gens wohl kaum jemand angesprochen fühlen würde und folglich die Zahlung ausbleiben würde. Weiterhin müsste Dives dann noch den Magister der Socii Mercatorum Aurei anschreiben. Neben einigen weiteren bliebe dann noch ein peregrines Schiff, bezüglich dessen Dives noch vor Abreise nach Roma in der tylusischen Vertretung in Ostia vorbeischauen würde.


    Mit diesen Informationen machte sich Dives also auf nach Roma...


    Sim-Off:

    Edit: Korrektur eines Irrtums bzgl der SMA.

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    2 Mal editiert, zuletzt von Marcus Iulius Dives ()



  • Ad
    M' Iulius Dives
    Quaestor
    Ostia - Provincia Italia



    Salve,


    überrascht und überrumpelt fühle ich mich nach dem Schreiben, das die Stadt Ostia an mich sendete ohne die Grundlage, nämlich die Gebührsatzung je ausgereicht zu haben. Daraus kann es nur eine Konsequenz geben. Wenn die Stadt Ostia mit der Erhebung von zusätzlichen Hafengebühren auf imense Steuereinnahmen verzichten kann, dann soll es so sein. Die S.M.A. zieht aus dem Händlerviertel Ostias weg.
    Weiterhin ist der Verbund unter dem Dach der Socii Mercatorum Aurei eine gemeinnützige Organisation. Sie handelt nicht selbst und sie verfügt auch nicht über Geld. Ihre Aufgaben sind rein kooperativ zum Wohle des Handels.


    Ich verbleibe,



    Misenum, ANTE DIEM VIII ID NOV DCCCLXI A.U.C.


  • Es begann als ein Tag, wie jeder andere. Dives kam in sein Officium und hatte alle Hände voll zu tun - erst recht jetzt, nachdem er vor einigen Tagen von seiner zweiten Roma-Reise zurückgekehrt war. Dort hatte er einige Gespräche geführt über dieses und jenes Schiff. Entsprechende Ergebnisse wollten nun in den Akten der Hafenverwaltug festgehalten werden, weshalb sich nicht wenige tabulae und papyri auf Dives' Schreibtisch tummelten. Für Außenstehende mochte es wie ein einziges Chaos wirken, doch der Iulier hatte durchaus seine Ordnung. Umso weniger Verständnis konnte er für den plötzlich ohne zu klopfen oder sich sonst irgendwie bemerkbar machenden Boten aufbringen, der schnurstracks in das Officium stürmte und ein Schreiben vor Dives' Nase platzierte. Ohne ein Wort zu verlieren und eh Dives hätte irgendetwas sagen können, hatte der Mann das Officium auch schon wieder verlassen. Unglaublich! Wofür hatte die Curia denn ihren Briefkasten, wo jeder andere Bürger die Post auch abgab? Für diese Störung und das entstandene Durcheinander auf seinem Schreibtisch erwartete der Iulier jetzt aber wenigstens eine einigermaßen wichtige Botschaft... er las.


    8o 8o 8o


    Einigermaßen wichtig war diese Nachricht wohl, aber sie trug keinesfalls dazu bei, dass sich Dives' Laune besserte. Eher das Gegenteil war der Fall. Auf Verwunderung und Sprachlosigkeit folgte blankes Unverständnis und Wut, wobei letzte auch teilweise in dem Auftritt des Boten begründet lag. Das Schreiben hätte Dives in diesem Moment aus dem Affekt heraus als schlicht aberwitzig bezeichnet. Schon dass der Magister, also der nach geltendem römischen Recht Vorsitzende der Vereinigung, der den Verein vor dem Gesetze zu vertreten hatte, scheinbar kaum mit dem Kapitän der 'Mercurius' in Verbindung stand oder zumindest von diesem nicht über die in den ostiensischen Häfen ausgehängten Kopien der neuen Hafenverordnung informiert worden war, war wohl kaum dem Quaestor oder der Hafenverwaltung anzulasten. Bei 200 Schiffen Fassungsvermögen der Häfen wäre der vom Magister geforderte Aufwandt schlicht unverhältnismäßig, eben zumal man auch von der Informationslinie Kapitän-Schiffseigner ausgehen konnte. Wenn die SMA sich nun aus Ostia zurückziehen wollte und damit also eine der wichtigsten (wenn nicht sogar die wichtigsten) Hafenstadt zumindest des westlichen Mittelmeeres verlassen wollte, dann war das nicht zu ändern. Andere Vereinigungen und Organisationen würden sicherlich mit Freunde diese Lücke füllen, denn der Standort Ostia war selbst mit Liegegebühr durchaus Profit versprechend, zumal die kostenfreie Liegezeit ganze 10 Tage betrug!


    Interessant wurde dann durchaus noch der Teil, dass die SMA als gemeinnützige Organisation nicht selbst handle und über kein Geld verfüge. Das mochte durchaus alles stimmen, machte aber im Sinne der Hafenverordnung keinerlei Unterschied. Es war völlig irrelevant, ob der Schiffseigner eine gemeinnützige Organisation wäre, solange nicht der Princeps selbst dahinter stünde! Ob die SMA nun mit dem Schiff selbst Handel betrieb oder nicht machte auch nicht den Unterschied, denn Fakt blieb, dass das Schiff im letzten Monat 11 Tage kostenpflichtig in Ostia anlag. Und letztlich könnte man auch mit der nicht vorhandenen Vereinskasse keinen Punkt landen. Die SMA hatte zumindest ein Vereinsvermögen, nämlich die 'Mercurius' und war folglich in jedem Fall zahlungsfähig. Zwar ging Dives keinesfalls davon aus, dass man dieses Schiff veräußern würde, sondern rechnete eher damit, dass der Magister als Vereinsvorsitzender diese Summe begleichen würde, doch im Zweifelsfall lag es nicht am Iulier eine entsprechende Entscheidung zu fällen. Er sah weder sich noch die Hafenverwaltung von Ostia in irgendeiner Weise in der Schuld stehend, sodass er sich missgelaunt einen Schreiber in sein Officium bestellte und diesem ein Antwortschreiben zu zitieren begann...

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  • Ocella erreichte am Morgen das Officium des Aedilis Mercatuus. Heute stand die Einarbeitung und Aufgabenverteilung an. Bald würde er auch offiziell zum Scriba von Ostia ernannt worden sein, sodass er die erste Hürde seines neuen Lebenswegs geschafft hatte. Es erwarteten ihn viele neue Aufgaben und Herausforderungen und er war sich sicher, dass er alles zur vollsten Zufriedenheit seiner Vorgesetzten erfüllen würde... Ja gut, wenn nicht alles, so doch den weitaus größten Teil. Schließlich musste er sich auch erstmal einarbeiten, aber es galt für ihn möglichst bald alle Anfängerfehler auszumerzen, um einen guten Eindruck zu machen und sich für seine weiteren Karierreschritte zu qualifizieren. Jetzt galt es aber erstmal in der Curia zu arbeiten.


    So ließ er sich beim Aedilis Mercatuus anmelden und wartete nun, dass er vorgelassen werden würde.

  • Es dauerte einen kurzen Moment bis der Vorzimmerbeamte des amtierenden Aedilis Mercatuus auf den Helvetius reagierte. Er schien sicherlich gestresst und hatte mehr als nur ein paar Tabulae auf seinem kleinen Schreibtischchen liegen. Wo genau er dort überhaupt noch wirklich Platz zum Arbeiten hätte, wusste wohl nur er selbst. Dann begann erst einmal die Suche nach der Terminliste des Aedils, was ebenfalls wieder einige Zeit in Anspruch nahm. Erst nach etwa anderthalb Stapeln verschiedenster Tafeln wurde der Mann fündig... und winkte den Helvetier anschließend schnell zu seinem Vorgesetzten durch, um sich selbst wieder mit seinen gefühlt tausenden von Aufgaben zu befassen.


    In dem Officium selbst, in welchem seit Beginn dieser Amtsperiode kein Quaestor, sondern die beiden Aedile ihren Amtssitz hatten, war das Bild ein gänzlich anderes. Die beiden Schreibtische der gewählten Magistrate waren groß und weitesgehend leer, der Aedilis operum publicorum hatte einen Außentermin und sein für die Märkte zuständiger Kollege saß mit einem Becher Wein in der Hand entspannt auf seinem Amtssessel und las scheinbar ein wenig amüsiert einen Brief.



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  • Es sprach nicht für die gute Organisation des Officiums, dass sich hier alle möglichen Akten auf den Tischen der Vorzimmerbeamten stapelten. Ihm schwante dabei bereits Übles, nämlich dass sein Tisch bald auch so aussehen könnte. Als er dann endlich zum Aedilis durchgeschickt wurde, bestätigten sich diese Befürchtungen. Die Tische waren leer, was eine ebenso logische, wie beängstigende Schlussfolgerung nach sich zog...


    Der Aedil bemerkte ihn nicht, da er in einen Brief vertieft war, dessen Inhalt wohl, aufgrund des amüsierten Gesichtsausdrucks des Aedils wenn überhaupt nur wenig mit amtlichen Aufgaben zu tun hatte. Nachdem er nun glaubte, lang genug gewartet zu haben, da er nun nicht nur vom Vorzimmerbeamten, als auch vom Aedil stehen gelassen wurde, brachte er den Satz heraus, auf den er sich in den letzten Stunden vorbereitet hatte: Aedilis Herennius*! Der neue Scriba der Stadt Ostia, Titus Helvetius Ocella, meldet sich zum Dienstantritt. Nun erwartete er eine von drei Reaktionsmöglichkeiten, geordnet nach der für ihn realistischen Wahrscheinlichkeit: 1. Der Aedil würde ihn zum Dienstantritt erstmal kräftig zur Sau machen, um zu zeigen, wer der Chef hier im Officium ist. 2. Der Aedil würde ihn weiter stehen lassen, seinen Brief zu Ende lesen und dann langsam mit der Einweisung beginnen. 3. Der Aedil würde sich seiner Amtspflichten bewusst werden und mit der Einweisung beginnen.


    Sim-Off:

    *Trotz Recherche in den entsprechenden Treads habe ich bisher keinen Namen gefunden. Falls etwas anderes gewünscht ist, wird der Name natürlich editert.

  • Sim-Off:

    Damit heißt der zuvor namenlose Aedil nun Herennius! ;)


    Der Aedilis Mercatuus ließ sich nicht im Geringsten von dem Mann stören, der da das Officium betrat. Er wusste, dass er keinen geschäftlichen Termin erwartete, denn sein Vorzimmerbeamter pflegte derartige Besuche stets noch einmal anzukündigen, bevor sie zum Herennier hereingebeten wurden. So bemühte er sich nicht einmal wenigstens den Schein irgendeiner Geschäftigkeit zu wahren, sondern verharrte mit seinem Blick auf dem Papyrus, bis er tatsächlich angesprochen wurde. Ein kurzes Lächeln huschte über sein Gesicht, während er dann den Brief auf seinen Schreibtisch sinken lies. Mit festem Blick sah er dem Helvetier anschließend in die Augen:
    "Was hälst du von einer Verlobung mit der Tochter eines vermögenden Händlers aus Pontia? Sie ist..." Er nahm erneut den Brief zur Hand. "... ein junges römisches Mädchen, das einer roten Rose gleich die ungeteilte Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen vermag, und ihrer alten Heimat überdrüssig geworden nun jemanden sucht, der sie pflückt und ihr ein neues zu Hause gibt.", zitierte der Aedil das Schreiben und legte es abermals aus der Hand. Erwartungsvoll blickte er den Helvetius an.


    "Im Klartext ist sie also vermutlich eine Venus mit einem ungebührlichen Liebhaber und ihr Vater will viel Geld dafür bezahlen, dass sie eine standesgemäße Ehe führt - fern ihrer Heimat, auf dass sie nicht einmal in die Versuchung kommen soll ihrer Familie Schande zu bereiten.", fasste Herennius seine Vermutung ob der Hintergründe zusammen. Aber war das etwas, das ihn von der Einwilligung in eine Verlobung mit möglichst baldiger Hochzeit abhalten sollte? Die Vorstellung davon, dass er, Herennius, zu dem Zeitpunkt dann vielleicht schon Duumvir von Ostia, die junge Venus hier in Empfang nehmen würde und sie in Ostia, dem Hafen Romas, auch ihren Ehehafen finden würde, fand er irgendwie... beinahe etwas poetisch. Nun, was sagte 'der Neue' dazu?


    Sim-Off:

    Edit: Farbe hinzugefügt


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    Einmal editiert, zuletzt von Marcus Iulius Dives ()

  • Alle Versuche, seine Gesichtzüge unter Kontrolle zu halten, scheiterten kläglich. Sie entgleisten ihm für den Aedil deutlich sichtbar. Dazu gesellte sich ein leichtes Kopfschütteln des Helvetiers. Auf alles hätte er eine Antwort gewusst: Wie viele Händler befinden sich derzeit in Ostia? Welche Waren haben bieten sie zum Verkauf? Wie ist das Wetter draußen? Auf alle fachlichen Fragen hatte er sich sicherheitshalber mit einem Besuch auf dem Markt vorbereitet. Aber eine Frage zu einer möglichen Verlobung war dann doch zu viel. Er war froh ein deutlich unhöfliches, vollkommen ahnungsloses und in die Länge gezogenes Ähhhhhh noch unterdrücken zu können und brachte ziemlich verwirrt nur ein Verzeihung...?! heraus.

  • Ja, richtig. So ein Scriba hatte natürlich keine Ahnung von solchen wichtigen Geschäften!
    "Also, Helvetius...", begann der Aedil sodann, "... bist du nun also tatsächlich mein neuer Scriba geworden. Herzlichen Glückwunsch!", gratulierte Herennius als nächstes, wobei niemand so genau sagen könnte, ob sein Lächeln dabei nicht vielleicht auch eine gewisse Ironie übermitteln sollte.
    "Um gleich vorab ein paar Regeln klarzustellen: Du bist MIR unterstellt und machst deshalb auch nur das, was ICH dir sage. Zweite Regel: Ich dulde keinen Widerspruch. - Es sei denn, mir wurden irgendwelche wichtigen Informationen zur Einschätzung einer Situation vorenthalten. Das zieht die dritte Regel nach sich: Ich will stets über alles, was du und deine mir unterstellten Kollegen tun, genaustens informiert sein, damit vorhergenannter Fall nicht eintritt.", legte er dann erst einmal los. Kurz dachte er nach und blickte sich kurz um.


    "Du siehst meinen ordentlich aufgeräumten Schreibtisch?! Genau das soll er auch bleiben. Viertens also: Mein Schreibtisch ist keine Ablage für irgendwelche belanglosen Dinge. Jeder von euch hat einen eigenen Arbeitsplatz im Officium Scribarum. Da ist genug Platz dafür. Fünftens: Über alles, was mit besonders wichtigen Persönlichkeiten der Civitas oder von außerhalb zu tun hat, will ich grundsätzlich zunächst informiert werden, bevor irgendetwas unternommen wird. Manche Probleme lassen sich schließlich auch ganz einfach in einem persönlichen Gespräch aus dem Weg räumen...", denn wozu war er Aedil über die Märkte geworden, wenn nicht, um bei Verstößen hier und dort auch mal ein bisschen abkassieren zu können?!
    "Und siebtens und letztens: Stör mich ja nicht mit irgendwelchen Nichtigkeiten, wenn ich gerade mit wichtiger Post, wie sowas hier...", wedelte er mit dem Brief kurz herum, "... beschäftigt bin. Was ich an dich delegiert habe, kannst du auch selbstständig entscheiden." So, auf sieben Hügeln wurde Roma erbaut - auf diesen verzählterweise sieben Regeln beruhte nun die Zusammenarbeit mit dem Helvetier. Zufrieden mit dem Gesagten ließ er seine Regeln wirken und überlegte unterdessen.


    "Dann zu deinen konkreten Aufgaben. Kümmer dich darum, dass du einen Schreibpult im Officium der Schreiber bekommst. Weiterhin brauche ich jemanden, der den ganzen Kram übernimmt, der in der Zusammenarbeit mit diesem Germanicus, diesem neuen Procurator Annonae, anfällt. Der scheint ganz dicke zu sein mit dem Duumvir Iulius, das heißt: besondere Obacht! Pass auf, dass der nichts macht, was ich nicht auch machen würde." Wer wüsste schon, ob die Freundschaft zwischen denen vielleicht gar so groß war, dass die jetzt zusammen am Stuhl des Herenniers zu sägen wagen würden? Das könnte er natürlich nicht zulassen!
    "Du müsstest dich also in nächster Zeit bei dem Germanicus melden und ihm mitteilen, dass er DICH in derlei Angelegenheiten aufzusuchen hat. Und wenn ich sage 'in nächster Zeit', dann meine ich 'am besten schon gestern'.", stellte er klar. Fehlte ihm ja noch, dass sich der Procurator am Ende wohlmöglich noch hier in sein Officium verlaufen würde! Am besten ja vielleicht noch, wenn er gerade mit dem Händler aus Pontia die Mitgift aushandelte... das heißt, sollte er tatsächlich den Entschluss fassen dessen Tochter zu ehelichen.


    "Noch irgendwelche Fragen? - Ansonsten wars das fürs Erste. Gegebenenfalls wirst du weitere Anweisungen auf deinem Schreibpult finden.", erklärte der Aedilis Mercatuus abschließend und begann sich gedanklich bereits fast wieder nach Pontia zu begeben.
    "Ach, und sprich mit dem Duumvir Iulius über dein Gehalt. Der hat dich schließlich auch eingestellt und kommt sich ja immer soo wichtig vor.", fiel ihm noch ein, wo er gerade wieder so über Geld nachdachte. Sollte der Schwuchtel-Duumvir doch jetzt in seiner Wichtigkeit auch das regeln!



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  • Er nahm den Redeschwall des Aedils aufmerksam zu Kenntnis. Allerdings wurde Ocella nun auch klar, dass er wohl einen jener Amtsträger als Vorgesetzten bekommen hatte, die eher damit beschäftigt sind, den nächsten Karriereschritt zu nehmen, als ihre derzeitigen Aufgaben wahrzunehmen. Er verzichtete auch darauf, sich die Regeln des Herenniers zu notieren. Schließlich ließen sie sich leicht zusammenfassen: Stör mich ja nicht oder nur, wenn dir etwas zu Ohren kommt, was mir einen Informationsvorsprung verschafft, mir Kontakte ermöglicht oder was mir Mittel gegen meine Rivalen entstehen lässt. Dieser Mann würde wohl ebenso unwissend aus diesem Amt ausscheiden, wie er hineingekommen war und zu einem pedarius im Stadtrat werden, der seine Fahne nach der Stimme derjenigen richtet, die ihm den einträglichsten Posten mit der meisten Macht verschaffen konnten...


    Jedenfalls wurde der Helvetier aufmerksamer als es um seine Aufgaben gibt. Er würde also mit dem Procurator Anonnae zu tun haben und wäre damit auch für die Getreideversorgung zuständig. Er würde zeitnah den neugewählten Procurator aufsuchen, um sich als Kontaktperson vorzustellen. Vermutlich wäre dieser nicht sonderlich angetan, dass er mit einem einfachen Scriba zusammenarbeiten müsste, aber die Anweisung des Herenniers war klar. Ebenso müsste er mit dem Duumvir zusammentreffen, um über sein Gehalt zu sprechen. Also schon zwei Termine am ersten Arbeitstag. Ob das positiv oder negativ für ihn war, wollte er erst am Ende des Tages entscheiden.


    Als der Herennier seinen Wortschwall beendete, nickte Ocella schnell und sagte nur Jawohl, Aedilis Herennius. Er hatte bereits genug Aufgaben am ersten Tag bekomme, die es abzuarbeiten galt. Da wollte er nicht auch noch eine Diskussion mit dem Aedil führen, in der Ocella ohnehin unterliegen würde. Denn im Zweifel holte der Herennier einfach den Vorgesetztenhammer raus und warf ihn achtkantig aus der Curia. Und das musste ja auch nicht sein. Als sich der Herennier daraufhin wieder in seinen Brief vertiefte verließ Ocella das Officium und machte sich auf zum Officium der Scribarum.

  • Zwei Tage waren nun seit dem Vorfall in einer Taberna vergangen und Ocella hatte dafür gesorgt, dass er so gut als möglich darüber informiert wurde. Immer wieder zeigte sich, dass Gerüchte herumgingen und diejenigen, die dabeiwaren, bereits mehrfach befragt worden waren. Mindestens der zweite Duumvir Cassius hatte wohl bereits Nachforschungen anstellen lassen, und nun kam auch die hinzu, dass der für die Sicherheit innerhalb der Stadt zuständige Aedil Informationen zusammensammeln ließ. Die ganze Curia war wohl unter verschiedenen Deckmänteln damit beschäftigt, zu erfahren, was genau passiert war.


    Nach Ocellas Informationen war folgendes passiert:
    Duumvir Iulius hatte aus unbekannten Gründen die Taberna aufgesucht und wollte sich grade an einen Tisch setzen, als er von mehreren Männern - die genaue Zahl konnte bislang nicht ermittelt werden - attackiert wurde. Mit Schlägen und Tritten brachten einige der Männer den Iulier zu Boden, während weitere Männer die Rausschmeißer der Taberna davon abhielten einzugreifen. Offenbar dauerte der ganze Vorgang nur wenige Minuten und schon war die Angreifergruppe verschwunden. Der Duumvir war schließlich von einem unbekannten jungen Mann mithilfe eines der Rausschmeißer zurück zur Villa Iuliana gebracht worden.


    Ocella zerbrach sich den Kopf darüber, wie die ganze Geschichte entstanden war und vor allem, wie er den Eindruck im Keim ersticken konnte, dass Ostia in Zeiten des Bürgerkriegs unsicher war. Er würde noch mit Vaticanus darüber sprechen, bevor er den Cassier aufsuchen würde.

  • Wie angekündigt kam einige Zeit später ein Scriba des iulischen Duumvirs vorbei und hatte mehrere Kopien mit im Gepäck. Unter den Schreiben befanden sich unter anderem die Marktordnungen von Antium, Ardea und - ganz oben auf - lag eine Abschrift der Marktordnung Misenums:



    Titel: Marktordnung des Munipium Misenum
    Kategorie: Verordnungen
    Erstellt am: ANTE DIEM XI KAL MAR DCCCLVI A.U.C.
    Veröffentlicht am: ANTE DIEM XI KAL MAR DCCCLVI A.U.C.
    Autor: Manius Tiberius Durus, Scriba



    I. Zum Führen eines Standes auf dem Forum von Misenum ist jeder römische Bürger oder Peregrinus berechtigt.
    II. Jeder, der einen solchen Stand öffnen will, benötigt die Genehmigung des Magistratus Miseni.
    III. Die Stadtverwaltung behält sich vor, jeden Stand ohne Angabe eines Grundes zu schließen.
    IV. Den Anordnungen der Vertreter der Stadtverwaltung ist unbedingt zu gehorchen.
    V. Die Marktzeit erstreckt sich von der zweiten bis zur siebten Stunde.
    VI. Der Abstand zwischen den Ständen muss mindestens zwei Passus betragen.
    VII. Durchgänge zu Haustüren und Gassen sind freizuhalten.
    VIII. Jeder Marktstand hat zwei Eimer Wasser zum Brandschutz bereitzuhalten.
    IX. In Streitfällen über die Standplatzvergabe entscheidet die Stadtverwaltung.
    X. Die Bewegung von Karren und Kutschen ist während der Marktzeiten auf dem Forum verboten.
    XI. Das Angebot von Waren erfolgt nach der Lex Mercatus.
    Die Entscheidung über die Qualität der Waren unterliegt der Stadtverwaltung.
    XII. Der Verkauf von mangelhafter Ware ist verboten. Verstöße dagegen werden mit einem Platzverweis und einem Entzug des Standrechts bestraft.
    XIII. Der Handel mit Waffen ist nur mit einer besonderen Lizenz des Magistratus Miseni erlaubt.
    XIV. Der Handel mit Raubgut ist strengstens verboten.
    XV. Glücksspiele sind auf dem Forum Miseni verboten.
    XVI. Werbung jeglicher Art ist nur innerhalb der gekennzeichneten Flächen erlaubt. Auch hier behält sich die Stadtverwaltung vor, Werbungen abzunehmen.
    XVII. Der Standplatz ist sauber zu hinterlassen.


    gez. Die Stadtverwaltung

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  • Ocella nahm sofort, nachdem der Scriba weitergezogen war, die Tabula zur Hand, las sie sich durch und machte sich jeweils an den Rand kurze Notizen. Es wäre nun zu schauen, welche Regelungen er übernehmen, welche er streichen und welche er hinzufügen würde. Wenn schon DIE Händlerstadt Italias eine Marktordnung bekommen sollte, müsste diese auch durchdacht und die vielen verschiedenen Probleme und Fragen der Händler miteinbezogen werden. In jedem Fall nähme die Erarbeitung einen Großteil der Amtszeit in Anspruch, da einiges zu organisieren war: Beratung mit den Händlern, Beratung mit Rechtsgelehrten, Werbung bei den Decurionen etc.


    Vermutlich würde er mindestens einen Scriba brauchen, der ihm dabei zuarbeiten würde.

  • Ein sichtlich geknickter Ostianus betrat das Officium der Aedile. Gewisse Ereignisse in einer städtischen Taverne hatten ihn doch mehr mitgenommen, als er zunächst gedacht hätte. Man könnte vielleicht sagen, dass er sich einfach auch an den Iulier gewöhnt hatte.
    "Salvete. Der Duumvir Cassius schickt mich dies zu überbringen.", erklärte er monoton und trist. Wer und ob überhaupt jemand anwesend war, darauf achtete der Scriba nicht im Geringsten. Notfalls sprach er eben zu sich selbst. Dann legte er auf dem Arbeitsplatz des Helvetius etwas ab, das jenem bekannt vorkommen dürfte:



    Dazu gab es auch noch eine Tafel mit einer schriftlichen Mitteilung des cassischen Duumvirs:


    Ad manus Aedilis Mercatuum T. Helvetii Ocellae



    Salve,


    Nach dem Anschlag auf den Duumvir Iulius, von dem du sicherlich bereits gehört haben wirst, werde ich mich in nächster Zeit vorwiegend mit den Gründen für diese Tat befassen und nicht nur zu meinem, sondern zu unser aller Schutz vorerst keine Sitzung des Ordo Decurionum einberufen. Mein Vater wird mir in dieser Zeit inoffiziell, doch in Absprache mit Asinius Celer und hoffentlich auch mit deiner Zustimmung und der deines Collega, als Praefectus an Iulius' Stelle zur Seite stehen, solange letzterer als Duumvir ausfällt.


    Darüber hinaus bitte ich dich und deinen Collega darum euch nicht am Anheizen irgendwelcher Gerüchte um die Hintergründe der Tat zu beteiligen. Gerade in der aktuellen politischen Situation braucht die Civitas Ruhe, Ordnung und Sicherheit und darf nicht durch das Gerede von vermeintlich agressiven Händlern oder gar einem politisch motivierten Anschlag durch einen Gegner Iulius' verunsichert werden.


    Anbei befindet sich das von dir erstellte Plakat zum Barbierverkauf. Ich bitte dich aus erwähnten Gründen darum, dass du als Aedilis Mercatuum dich dieser Sache annimmst und dementsprechend sowohl die Fragen und Angebote in dein Officium kommen lässt, als auch für die Aushänge in Ostia und vielleicht auch Roma sorgst.


    I' Cassius Hemina min.


    Anschließend wartete der Scriba einen Augenblick, ob er angesporochen werden würde, bevor er sich - falls dies nicht der Fall wäre - wieder aus dem Officium an seinen eigenen Arbeitsplatz begeben würde.

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