Beiträge von Manius Tiberius Durus

    Die Bedenken seiner Kollegen waren durchaus berechtigt, doch konnte er natürlich auch heute, an diesem Tag, an dem er so gut gelaunt war, die Worte des Avarus einfach stehen lassen. Und seine Erfahrung als Pontifex war in diesem Fall besonders nützlich:


    "Natürlich kann ein Verein gerade Luxus-Artikel benötigen - denken wir nur an Kultvereine, die Weihrauch für ihre Opfer benötigen oder ihre Priester in kostbare Seide kleiden wollen - für römische Kulte mag das unnötig sein, aber die Kulte im Osten haben durchaus derartige Wünsche.


    Warum allerdings Nahrungsmittel völlig unbeachtet bleiben sollten, ist mir ebenfalls schleierhaft, denn sie bieten genau die gleichen Möglichkeiten wie anderweitige Güter. Möglicherweise wäre es sinnvoller, Käufe und Verkäufe über einem bestimmten Betrag an die Steuerverwaltung zu melden - sagen wir über 1000 Sesterzen. Dann können die kleinen Dinge des Alltags unbürokratisch ge- und verkauft werden, dennoch kann ein Verein dem Staat nicht durch Immobilien- oder Geldtransaktionen große Steuersummen entziehen. Zusätzlich könnten natürlich dennoch stichprobenartige Kontrollen stattfinden."


    Es war wirklich gar nicht so einfach, eine unkomplizierte und zugleich bürokratisch sinnvolle Lösung zu finden. Vielleicht sollte man auch ganz auf regelmäßige Berichte verzichten und gänzlich auf unangekündigte Kontrollen bauen? Durus wusste ja noch nicht, dass Verkehrsunternehmen in zweitausend Jahren nahezu komplett auf der Angst vor Kontrollen basierten und sehr erfolgreich waren!

    Exsultet iam angelica turba caelorum
    exsultent divina mysteria
    et pro tanti regis victoria
    tuba insonet salutaris


    Gaudeat et tellus tantis irradiata fulgoribus
    et, aeterni regis splendore illustrata
    totius orbis se sentiat amisisse caliginem.


    Laetetur et mater Ecclesia
    tanti luminis adornata fulgoribus:
    et magnis populorum vocibus haec aula resultet.[...]


    Haec sunt enim festa paschalia,
    in quibus vere ille Agnus occiditur,
    cuius sanguine postes fidelium consecrantur.


    Gekommen ist das hochheilige Osterfest, aus diesem Grunde melde ich Marcus Petronius Crispus und mich bis Montag oder Dienstag vorsorglich ab. Feiert schön oder genießt die freien Tage (je nachdem)!


    In diesem Sinne: Frohe Ostern!

    Tiberius Durus hatte heute ebenfalls wichtige Aufgaben für die Hochzeit zu erledigen, daher war er diese noch einmal kurz durchgegangen, ehe er selbst im Atrium erschien, um die Gäste zu begrüßen. Auch er hatte sich für heute eine neue Garnitur zugelegt, nämlich eine rote Seidentunica, dazu eine passende, weinrote Toga. Seine Armgelenke wurden von Armreifen geschmückt, an seiner Rechten hing der Siegelring der Tiberier. So aufgemacht trat er an den ersten bedeutenden Gast, seinen Patron und vor kurzem zurückgekehrten Proconsul Vinicius Hungaricus mit Gattin heran.


    "Sei mir gegrüßt, Vinicius! Meine Verehrung, Licinia. Ich bin untröstlich, dass ich es noch nicht einrichten konnte, Euch zu treffen, seitdem Ihr aus Hispania zurück seid. Ich hoffe, Ihr seid wohlbehalten zurückgekehrt?"


    Da wurde auch schon das Kommen des Bräutigams verkündet. Wieder einmal trat das Problem großer Feiern auf, dass zu viele wichtige Leute in einer zu kurzen Zeit erschienen, sodass man nicht angemessen mit jedem sprechen konnte.

    Natürlich musste Avarus wieder beleidigend werden, bevor er Einwände äußerte. Aber heute war Durus gut gelaunt, daher überging er die Äußerung großzügig und hörte dann Macer zu, auf dessen Wort er ohnehin mehr gab als auf das seines Erzfeindes.


    Natürlich hatte er auch darüber nachgedacht, wie man unterscheiden konnte, wer eines Vermögens bedurfte und wer nicht. Factiones waren natürlich dabei, doch eigentlich konnte man mit einem allgemeinen Gesetz gar nicht festlegen, wer Geld brauchte und wer nicht, denn von allem gab es Ausnahmen, daher war seine Idee mit dem A Rationibus gekommen.


    "Natürlich könnte man auch unangekündigte Kontrollen durch die jeweils zuständige Steuerverwaltung bestimmen. Allerdings bin ich der Meinung, dass die Steuerzentrale oder der zuständige Procurator zumindest einen Überblick benötigt, welche Vereine mit Kasse existieren."


    Leider schien es das bestgehütetste Geheimnis des Imperiums zu sein, wie genau die Steuerschätzung festgelegt wurde und wie viel der einzelne zu zahlen hatte.


    "Eine Einteilung halte ich für schwierig, daher würde ich vorschlagen, dass eine Vereinsbesitz von der Steuerverwaltung zu genehmigen ist, beziehungsweise diese zu entscheiden hat, ob dies notwendig ist, denn im Rahmen eines allgemeinen Gesetzes ist es schwierig, genaue Grenzen zu ziehen."

    "Danke, danke, Albina. Ehrlichgesagt war es Corvinus' Idee."


    erklärte Durus und lehnte sich lächelnd zurück. Irgendwie freute er sich bereits darauf, eine geregelte Ehe zu haben - es war wahrlich höchste Zeit dafür, wenn er noch vernünftige Nachkommen zeugen wollte, die er auch aufwachsen sah.


    "Kann ich dir irgendwie bei den Vorbereitungen helfen?"

    Sim-Off:

    Ich mach jetzt einfach mal weiter, auch wenn Corvi noch fehlt.


    Auch Durus war ein wenig aufgeregt, als er die Gruppe erblickte, die sich durch den Hof bewegte. Zwar war es ihm im Grunde egal, wer seine Frau wurde, da er im Grunde nur Loyalität verlangte - für alles andere gab es Sklavinnen - doch natürlich wollte auch er wissen, mit wem er seine nächste Zukunft verbringen würde. So reckte er ein wenig den Hals, um das Mädchen zu sehen, das hinter Corvinus herlief. Doch leider sah er nur braunes Haar, das von einem Schmuckstück gehalten wurde.


    Erst als Corvinus und die anderen näher kamen und Durus zur Begrüßung schritt, konnte er sie in Augenschein nehmen. Sie war schlank und ein Stück kleiner als Durus und als er sie so maß, dachte er einen Augenblick daran, dass er möglicherweise seine Sklavin gar nicht mehr brauchte... In jedem Fall war sie äußerst vorzeigbar und würde die Blicke von Gästen möglicherweise ein wenig von seinem kleinen Wohlstandsbäuchlein ablenken (obwohl er es in den letzten Monaten sogar ein wenig bekämpft hatte). Wenn sie noch einigermaßen gebildet war, würde er sehr gut mit ihr zurecht kommen, da war er sich sicher!


    Nach dieser kleinen Musterung, die tatsächlich einen kurzen Zeitraum benötigte, erinnerte er sich wieder seiner Pflichten als Gastgeber und trat an den aurelischen Senator heran.


    "Salve, Corvinus! Ich freue mich, dass Du kommen konntest!"


    Dann ging er zu Orestes weiter, den er ja bereits kannte, wenn auch nicht sonderlich gut. Dass er ein ähnliches Kleidungsstück wie er selbst trug, war zwar nicht ideal, aber irgendwie bestätigte es den Tiberier auch darin, dass er einen guten Geschmack hatte, den auch noch junge Leute teilten :]


    "Sei auch Du gegrüßt, Aurelius Orestes."


    Zuletzt trat er an Laevina heran und musterte nun auch ihr Gesicht genauer. Es war äußerst harmonisch und auch die Augen gefielen ihm sehr. Sein Mund regte sich zu einem freundlichen Lächeln, als er sagte


    "Und Du musst Aurelia Laevina sein! Sei willkommen in meinem Haus!"


    Er trat einen Schritt zurück und schob Arvinia ein wenig vor, um sie vorzustellen. Dann besann er sich jedoch: Corvinus und Orestes kannten sie doch eigentlich bereits und Laevina war ja angeblich bei den Mädchen gewesen, die Arvinia in die Stadt entführt hatten, als das Gespräch mit den Corvinus stattgefunden hatte! So beschränkte er sich auf ein


    "Tiberia Arvinia kennt Ihr ja alle bereits, nehme ich an!"

    Wieder einmal hatte Tiberius Durus nachgedacht und das Gesetz studiert, insbesondere nachdem er seinen Platz an der Spitze der Factio Veneta abgegeben hatte. Vor geraumer Zeit bereits hatte der göttliche Iulianus ein Gesetz erlassen, das gänzlich jeglicher praktischer Nützlichkeit widersagte und dem Tiberier von Anfang an ein Dorn im Auge gewesen war.


    Aus diesem Grund ließ er sich vom Consul mit seiner Angelegenheit auf die Tagesordnung setzen und erhob sich, als er aufgerufen wurde. Leise räusperte er sich, dann setzte er an.


    "Patres conscripti,


    mein Anliegen am heutigen Tage ist eines, das mir bereits seit längerer Zeit am Herzen liegt, denn es geht um die Änderung eines Gesetzes, das der alltäglichen Praxis nicht ferner sein könnte. Ich spreche von der Lex Communitatis, die sich mit den Rahmenbedingungen für Collegia, Societates und sonstiger Gemeinschaften beschäftigt. Obwohl es mir weitestgehend angemessen erscheint, muss ich heute doch am letzten Paragraphen, versehen mit der Nummer Vier, Kritik üben. Sein Inhalt lautet:


    (1) Es ist dem Verein nicht gestattet, Eigentum in jeglicher Form zu besitzen.
    (2) Ein Verein darf kein Geld erwirtschaften durch Verkäufe etc. und keine Spenden annehmen.
    (3) Ein Verein darf kein Gewerbe führen.


    Manch einer von Euch, der etwa in einer der Factiones tätig ist, wird stutzen, denn seit jeher ist es dort üblich, eine gemeinsame Kasse zu führen, um die Ausgaben für den Rennstall zu bestreiten. Nach jenem Gesetz sind derartige Kassen jedoch illegal.


    Nicht nur aus diesem Grund, sondern auch, weil bei zahlreichen anderen Gemeinschaften ähnliche Probleme auftreten und es unnötig umständlich ist, dass etwa Kultvereinigungen abwechselnd für Kosten aufkommen müssen, anstatt jeweils den gleichen Betrag in eine Gemeinschaftskasse zu legen, möchte ich für eine Änderung jenes Paragraphen plädieren.


    Da ich weiß, dass der Grund für dieses Gesetz Fälle von Steuerhinterziehung waren, bei denen feige Männer die Großzügigkeit unseres Staates, der Vereine von sämtlichen Steuern ausgenommen hatte, ausnutzten, indem sie ihr Privatvermögen in den Vereinskassen versteckten, möchte ich einen Kompromiss vorschlagen:


    Warum sollten Vereine nicht die Möglichkeit besitzen, eine gemeinsame Kasse zu führen, von der jedoch regelmäßig ebenso Steuern fällig werden, wie sie es bei Privatpersonen der Fall ist?
    Um jegliche Steuerhinterziehung zu verhindern, könnten Vereine mit einer Kasse außerdem dazu verpflichtet werden, dem A Rationibus regelmäßig Bericht zu erstatten, was sich im Besitz des Vereins befindet mitsamt eine Erklärung dafür, sodass zusätzlich von Fall zu Fall eine Obergrenze für den Besitz festgelegt werden könnte. Damit könnte dem Rechnung getragen werden, dass eine Factio ein größeres Vermögen benötigt als etwa der Kultverein einer regionalen Gottheit, die nur einen Altar betreiben, auf dem sie regelmäßig kleine Opfer darbringen.


    Sollte das Gesetz jedoch weiter bestehen bleiben, würden unsere Factiones mit ihrer langen Tradition, ebenso zahlreiche andere Gemeinschaften in konsequenter Ausführung des Gesetzes ihre finanzielle Basis verlieren und damit letztendlich eingehen oder zu privaten Veranstaltungen verkommen. Dies sollte verhindert werden, darum bitte ich um Eure Meinung zu dieser Angelegenheit."

    "Sie wird aller Voraussicht nach meine Gattin werden."


    erwiderte Durus. Schon seltsam, dass er es ausgerechnet auf diese Art und Weise verkündete. Wieder einmal eines dieser verflixten Kommunikationsprobleme!


    "Aber ich hoffe, Corvinus bringt sie ohnehin mit - andererseits wäre es doch ein schönes Zeichen, wenn wir sie zu unseren Familienfeiern persönlich laden."


    Immerhin, jetzt hatte er dies bereits verkündet. Und an der Hochzeit ließ sich ja möglicherweise sogar ein weiterer Hochzeitstermin vereinbahren...

    "Nunja, du könntest ab und an auf der Baustelle vorbeisehen. Und die Inneneinrichtung bräuchten wir noch. Du könntest Stoffe für Vorhänge kaufen - ich habe in diesen Dingen kein übermäßig gutes Auge."


    meinte er, denn an Geld fehlte es dem Tiberier natürlich nicht. Er hätte es sich wohl auch leisten können, ein komplett neues Haus auf den Esquilin zu stellen (wenn es noch freie Grundstücke gäbe), doch ästhetische Fragen lagen ihm wirklich nicht besonders.


    Als dann die wichtigsten Akteure aufgezählt wurden, überlegte Durus, wen man vergessen haben konnte...Aelius Quarto und Vinicius Hungaricus waren sicher von Macer geladen worden, die Flavier? Gracchus war ja inzwischen aufgrund eines seltsamen Krankheitsfalles verschwunden, die übrigen standen den Tiberiern eigentlich nicht besonders nahe (schade eigentlich), dann die Aurelier - oh, die konnten leicht übersehen werden!


    "Habt ihr Aurelius Corvinus, Aurelia Laevina und Aurelius Orestes geladen? Letztere beiden werden bald zur Familia gehören, Aurelius Corvinus wird ein wichtiger politischer Verbündeter."

    "Wir können es versuchen. Zumindest das Atrium - aber da muss ich noch einmal mit dem Architectus reden."


    erwiderte Durus und lehnte sich zurück. Wenn man ihn etwas früher informiert hätte, hätte er das ganze möglicherweise auch frühzeitiger vorantreiben können. Nun war es jedoch denkbar knapp - naja, vielleicht konnte ein wenig mehr Geld das ganze noch retten, gewissermaßen als Hochzeitsgeschenk.


    "Habt ihr schon vereinbahrt, wie hoch die Dos ist? Und sind sonst auch alle Dinge geklärt?"


    fragte er dann weiter. Um eine Ehe herum gab es ja viele Formalien, darauf musste stets geachtet werden!

    Quintus - also tatsächlich! Aber dieser hatte ihm wirklich schon lange nicht mehr geschrieben. Irgendwie waren sie sich vielleicht nie so richtig warm geworden - jeder kam gut ohne den anderen aus! Das galt es allerdings zu ändern, Durus hatte bereits einen Brief geschrieben, doch bisher wartete er noch auf die Antwort. Vielleicht hatte der Legat es aber auch einfach vergessen...nunja, jetzt wusste er es ja.


    "Oh, verstehe. Aber Furianus hatte mir geschrieben, dass er seinerseits vorhabe, die Verbindung zu lösen. Nun ist Quintus ihm also zuvor gekommen - hoffentlich hat das Furianus nicht vor den Kopf gestoßen."


    Für Durus war Furianus ein politischer Freund, doch ob Quintus ähnlich rücksichtsvoll mit dem Flavier umging, wusste er nicht. Purgitius Macer war zumindest ebenfalls keine schlechte Wahl, auch wenn er noch kein Praetorier war. Immerhin war er ein Kriegsheld und besonderer Freund des Kaiserhauses!


    "Nunja, vielleicht sollten wir ein wenig an der Kommunikation innerhalb der Familie arbeiten. Aber wie dem auch sei - ich weiß nicht, ob das Atrium bis Aprilis fertig wird. Wir müssten dann vielleicht den Garten herrichten, wenn das Wetter es zulässt."


    Der April war eigentlich ein wettermäßig sicherer Monat, doch andererseits konnte es im Frühling durchaus noch regnen...

    Dass Albina vor seiner Tür stand, verwunderte Durus erneut. Er hatte lange nicht mehr mit ihr gesprochen, was vermutlich auch der Grund war, warum er noch nichts von der Hochzeit wusste, obschon man ihm berichtet hatte, dass das Mädchen sich gelegentlich mit Purgitius getroffen hatte. Als sie dann allerdings bereits die Hochzeitseinladung vorlegte, musste Durus doch staunen. Hochzeit? Er hatte noch nicht einmal von Sponsalia gehört! Und dazu auch noch vor den Iden des Aprilis! Das war mehr als eine Überraschung!


    "Albina...du...heiratest? Purgitius Macer? Davon habe ich ja noch gar nichts gehört! Und das hier!"


    Tausend Gedanken schwirrten durch den Kopf des Tiberiers. Das Haus musste vorbereitet werden, er musste sich eine neue Toga anschaffen, die Gästeliste musste kontrolliert werden (schließlich wollte man ja niemanden dadurch beleidigen, dass er nicht eingeladen war)...und natürlich erfahren werden, wer all das nun wieder eingefädelt hatte! Sicherlich Quintus - der kannte Macer ja von der Armee!


    "Hat Quintus das alles angebahnt oder...wie?"


    Irgendwie konnte er sich nicht vorstellen, dass Macer und Albina sich einfach so angefreundet hatten, doch andererseits war es durchaus möglich - aber unwahrscheinlich.


    Die Bitte hatte er über all diesen Neuigkeiten ganz vergessen.

    Unterdessen hatte Durus keine Ahnung, dass ihn überhaupt eine Einladung erwartete. Stattdessen saß er über dem Gutachten eines Auguren zu irgendeinem Blitzeinschlag an irgendeinem unbedeutenden Ort im Süden Italias. Dieser war so übereifrig gewesen, an das Collegium zu schreiben und Durus als Quasi-Vorsitzender durfte dies natürlich zuerst bearbeiten.


    So war er eigentlich sehr glücklich, dass es klopfte, denn dies bedeutete Abwechslung. Er blickte auf und rief


    "Ja?"

    Durus hätte beinahe etwas äußerst übles und geradezu vulgäres über die Kompetenz von Avarus von sich gegeben, doch mühevoll hielt er sich zurück. Stattdessen zwang er sich, die Anweisungen seines Medicus Personalis zu befolgen, wenn ein Wutausbruch drohte: Durchatmen, ruhig werden! Doch es dauerte eine ganze Weile, ehe dies gelang.


    "Ich weiß nicht, was du unter einer Republik oder dem Kaiser verstehst, aber für mich ist eine Staatsform, die keine Republik ist, eine Monarchie und sein Vorsteher ist ein Rex. Und wenn du dies unserem verehrten Imperator Caesar Augustus unterstellen willst, dann möchte ich nicht wissen, was passiert.


    Er überragt uns alle an Auctoritas, doch die Behauptung, die gesamte Res Publica sei völlig überflüssig, stellt meiner Meinung nach die basierende Ordnung schwer infrage.


    Wenn du dieses Gremium für überflüssig erachtest, dann möchte ich dir nahe legen, darauf zu verzichten, hier deine Zeit zu verschwenden, anstatt es wie den Staat, den es repräsentiert, ständig zu beleidigen. Ich hingegen habe keinen Grund, einem alten System nachzutrauern - es existiert noch, wenn auch in anderem Gewand!"


    Natürlich wusste Durus, dass die Zeit vor dem göttlichen Augustus eine andere gewesen war und möglicherweise hätte er es sogar bevorzugt, in dieser zu leben, doch er wusste genauso gut wie alle anderen hier, dass diese Form der Republik endgültig untergegangen war, da sie mit dem gewaltigen Staat überfordert gewesen war. Nichtsdestotrotz war er der Meinung, dass die Republik weiterlebte - wenn auch mit einem Imperator Caesar Augustus an der Spitze.

    Einfältigkeit? Durus wollte sofort aufspringen und dem Germanicer ins Wort fallen, doch dieser sprach einfach weiter und so blieb es dem Tiberier nur, böse Blicke in Richtung des Redners zu werfen und abzuwarten, welche weiteren Frechheiten dieser Mann ihm andichtete. Dass er nichts von persönlicher Fähigkeit, von einer Aristokratie als Herrschaft der Besten hielt, das zeigte er ja am besten, doch dass er dies einfach so freiheraus im Senat äußerte, das war schon eine Beleidigung des ganzen Plenums! Und dann auch noch die Kritik an kleinen Kriegen - das brauchte ausgerechnet dieser Narr zu sagen!


    "Was fällt dir ein, Germanicus? Für wen hältst du mich, dass du mich als einfältig titulierst? Willst du entscheiden, wessen Wort Bedeutung besitzt und welches nicht? Du, der du den göttlichen Romulus als Banditenführer betitelt hast und nun auch noch voller Freude behauptest, die Republik sei untergegangen? Dies ist in meinen Augen Hochverrat im Sinne des Paragraphen 64, eins, da du offensichtlich der Meinung bist, dass eine Königsherrschaft die bessere Wahl wäre!"


    Durus war so verärgert, dass er auf die übrigen Punkte gar nicht eingehen konnte. Sein Kopf war rot vor Zorn - wie konnten die anderen zu so etwas nur schweigen?

    Niemand schien heute besonders daran gelegen zu sein, vernünftig zu argumentieren, denn schon begann Menecrates Grundstücke als einen Wert wie Gold oder sonstige Waren darzustellen, die man unbegrenzt herstellen konnte und Avarus verlor wieder einmal die Kontrolle über seine Raffgier, um sogleich von seinem...Verwandten abgelöst zu werden, der einfach so ein Gesetz in den Raum stellte, das völlig aus dem Zusammenhang gerissen war. Einzig Purgitius Macer schien noch einen kühlen Kopf zu behalten. Höchste Zeit für Durus als die Personifikation der Ratio, dem Purgitier beizuspringen!


    Der Tiberier erhob sich und erhob abwehrend die Hände.


    "Land ist nun einmal kein Gut, das sich beliebig vermehren lässt - schon gar nicht in Italia, wo es bereits vor Saecula verteilt wurde! Darüber zu diskutieren, lohnt sich nicht. Auch bin ich der Meinung, dass jeder Verpachter die Pachtverträge von Landgut selbst aushandeln kann - das ist nicht Aufgabe des Staates.


    Kehren wir stattdessen zum eigentlichen Problem zurück: Ich sehe keinen Grund, die Zugangsbestimmungen zum Senat zu verändern, denn sie sind nur eine Formalie, um sicherzustellen, dass hier Männer sitzen, die sich einen standesgemäßen Lebenswandel leisten können. Wer sich diesen nicht leisten kann, den sollte die Lectio Senatus ohnehin treffen.


    Vielleicht sollte man lieber diskutieren, was einen Senatoren ausmacht, welche moralischen Ansprüche an ihn vorliegen, anstatt über Geld zu reden."


    Wie hieß doch ein schönes Sprichwort: 'Über Geld redet man nicht - man hat es!'

    Durus wartete einen Augenblick ab, ob sich tatsächlich niemand zu Wort meldete, doch dies war nicht der Fall. Also war es wohl beschlossene Sache.


    "Dann freue ich mich, Dich als meinen Vorgänger auch zu meinem Nachfolger zu ernennen!"


    Er lächelte und noch einmal brandete Applaus auf. Noch einmal traf es den Tiberier: Seine Zeit war wohl wesentlich glanzloser gewesen als die letzte des Aeliers. Doch dafür war es nun vorbei und er konnte sich auf seine weiteren Aufgaben konzentrieren.


    Er trat ein wenig näher an den Consul heran, nachdem er ihn zum Platz des Princeps geleitet hatte.


    "Möchtest Du die Sitzung gleich weiterführen oder soll ich sie noch beenden?"