Beiträge von Manius Tiberius Durus

    Durus berührte seinen Kratzer mit einem Finger und zuckte zurück. Die Stelle brannte bei jeder Berührung. Vielleicht war es wirklich besser, ihn mit etwas Wein auszuspühlen, damit die Wunde sich rasch verschloss und nicht Wundfieber hervorrief.


    Etwas besorgt erwiderte er daher nur


    "Ich würde gern noch weiterplaudern, doch ich fürchte, du hast Recht - ich sollte erst einmal den Kratzer ansehen lassen."


    Damit winkte er seine Sänfte herbei. Die Männer, Sklaven und Klienten waren bisher danebengestanden und hatten sich gewundert, dass ihr sonst so launischer Herr und Meister so ungezwungen freundlich mit einer jungen Dame gesprochen hatte und der ein oder andere hatte seinen Freunden schon zugezwinkert und verschwörerisch gegrinst.


    Durus schien das alles jedoch nicht zu bemerken, sondern kletterte in seine Sänfte und blickte zu Calena zurück.


    "Nun, ich denke, man sieht sich wieder einmal! Vale bene!"


    Viele Grüße an ihren Cousin unterließ sie lieber - eigentlich mochte er den Praefectus Praetorio nicht besonders. Er wandte sich dafür allerdings an seine Sklaven


    "Los, los, auf nach Hause!"


    Damit setzte sich der Zug wieder in Bewegung und brachte den Patrizier, der sich in den letzten Minuten fast ein wenig an seine Jugend zurückerinnert hatte und so ungezwungen mit einer Frau gesprochen hatte, wie schon lange nicht mehr, in sein Heim - die Villa Tiberia!


    Sim-Off:

    Danke für das schöne Gespräch :)

    Durus hörte schweigend zu. Quintus war also wohl für sie zuständig - das war gut, denn junge Damen brauchten jemanden, der auf sie achtete. Und Quintus würde in jedem Fall dafür sorgen, dass sie ehrenhaft handelte und nicht am Ende mit irgendeinem Sklaven oder Plebejer durchbrannte (obwohl er nicht glaubte, dass Albina so etwas tun würde - er hatte sie als sehr vernünftig in Erinnerung).


    Auch als Arvinia Mania vorstellte, konnte er kein Gesicht mit ihr verbinden. Vermutlich war es schon länger her, dass sie Quintus begleitet hatte. Auch Durus konnte sich noch an seine Amme erinnern - ganz so warmherzig war sie allerdings nicht gewesen, wenn er sich erinnerte. Nicht zu oft hatte er auch Ärger bekommen...


    Er nahm ebenfalls einen Schluck aus seinem Becher und überlegte. Etwas zu beachten? Hier im Hause gab es eigentlich nichts - Rom selbst war natürlich eine Großstadt und deshalb gefährlich, aber wenn man mit ortskundigen Sklaven - ah, genau!


    "Nunja, Rom ist eine gefährliche Stadt, daher möchte ich dich bitten, nur in Begleitung von Sklaven das Haus zu verlassen. Es gibt viele Banden, die geradezu darauf aus sind, junge Damen zu entführen und Lösegeld zu erpressen."


    Dann kam ihm etwas, das man wohl jedem jungen Tiberier sagen musste.


    "Außerdem ist es wichtig, sich stets bewusst zu sein, dass man hier zu jeder Zeit ein Vertreter des Hauses Tiberia ist. Ich erwarte also von dir, dass du dich stets ehrenhaft und standesgemäß verhälst und nicht für Gerede sorgst. Bei solchen Dingen ist Rom äußerst hellhörig."


    Ob er hinzufügen sollte, dass er sowieso nicht davon ausging, dass sie das tat? Aber andererseits kannte er sie nicht. Also ließ er den Satz lieber weg, dann war die Wirkung möglicherweise etwas deutlicher.

    Durus bemerkte, dass der Pontifex Maximus erneut schien, als wäre er geistig gar nicht anwesend. Zwar war er jünger als Iulianus, doch irgendwie hatte er das Gefühl, dass er dennoch seniler als sein Vorgänger war. Wieder einmal fragte der Tiberier sich, ob Valerian die beste Wahl für einen Nachfolger des Iulianus gewesen war - Quintus hätte vielleicht doch lieber die Legionen übernehmen sollen und...aber das waren hochverräterische Gedanken! Also beschloss er, sich lieber wieder der Sitzung zuzuwenden.


    "Pontifex Maximus? In welchem Zustand ist der Fiscus? Könnte er eine solche finanzielle Bürde übernehmen?"


    fragte er endlich direkt. Sonst ging das hier ja niemals vorwärts!

    Durus teilte die Meinung des Mädchens. Er hatte wohl noch nie in seinem Leben über das Baden in Seen gesprochen (außer vielleicht in seiner Kindheit mit seiner Mutter, aber daran erinnerte er sich nicht mehr). Dann überlegte er - natürlich badete er niemals in Seen, wenn er in Rom war. Höchstens auf Ausritten, die er allerdings wiederum nur in seinen Ferien machte.


    "Nunja, wenn man so eine passionierte Schwimmerin trifft...In Rom war ich noch nie in einem See. Aber es gibt sicherlich den einen oder anderen Teich vor den Toren."


    erklärte er dann. Dann schmeckte er wieder sein Blut und schluckte es hinunter. Sein Kratzer begann inzwischen ein wenig zu brennen. Vielleicht sollte er doch langsam aufbrechen?

    In Wahrheit war Durus ziemlich konservativ und hielt es in keiner Weise für angemessen, wenn Frauen als Goldschmiede arbeiteten, doch er hatte nicht vor, dies zu zeigen, sodass seine lächelnde Maske nicht einmal zuckte. Nur zu oft hatte er sein Mienenspiel eingeübt, um zu jeder Zeit den passenden Gesichtsausdruck zum Vortrag von Reden aufsetzen zu können (einer seiner Rhetorik-Lehrer war sogar früher Pantomime gewesen!).


    Offensichtlich mochte sie ihn, was Durus ein wenig überraschte, denn normalerweise war er nicht der große Schwarm junger Frauen. Vielleicht gerade deswegen versuchte er, das Spiel ein wenig weiterzuspielen.


    "In einem See? Das tue ich gelegentlich, wenn ich auf meinem Landgut in Baiae bin. Dort kann man direkt in den Quellen baden!"


    Die Quellen von Baiae waren berühmt, denn man sprach ihnen heilende Wirkung zu.

    Durus hatte es von einem Männer erfahren, die einen Botengang für ihn erledigt hatten. Es wunderte ihn eigentlich, dass Arvinia sich darüber wunderte - immerhin gehörten sie zu einer Familie (obwohl Durus seinen Cousin noch nie besucht hatte - ein Umstand, den er möglicherweise ändern sollte!).


    Wer nun allerdings Mania war, wusste er nicht. Sein Interesse lag üblicherweise wenig auf dem Personal seiner Verwandten, daher konnte er auch mit dem Namen der Amme nichts anfangen.


    "Wer ist Mania?"


    fragte er daher, nachdem er erfahren hatte, dass Albinas Vater verstorben war. Das war allerdings eine Neuigkeit, die sein Augenmerk auf sich zog.


    "Nein - und, hat er im Testament einen Tutor für sie bestimmt? Oder ist sie nun ihre eigene Herrin?"


    fragte er als Jurist, obwohl dies wohl wenig Anteilnahme ausdrückte und etwas trocken klang - doch Durus hatte den alten Albinus kaum gekannt und schon Ewigkeiten nicht gesehen - da war seine Trauer eher begrenzt.

    Durus blickte neben sich und stellte überrascht fest, dass Aurelius Corvinus neben ihm saß. Das überraschte ihn ein wenig, denn normalerweise war der Senat nach den verschiedenen Senatoren-Rängen geordnet und ganz vorn saßen nur die Consularen und Praetorier. Doch andererseits saß Durus dieses Mal wirklich nicht ganz so weit vorn...nunja, der junge Mann würde das sicher rasch lernen. Doch Durus fand, dass dies nicht seine Aufgabe war, daher antwortete er einfach.


    "Durch wen? Den Proconsul?"


    Er hielt es für relativ ungewöhnlich, dass ein einfacher Quaestor größer ausgezeichnet wurde, aber vielleicht deutete es ja tatsächlich auf größeres Engagement hin! Und wenn Furianus ihn auszeichnete, vielleicht umso mehr! Die Möglichkeit, dies als Vorwand zu betrachten, ihn nicht weiter zu belohnen, zog er gar nicht in Betracht.

    Durus bemerkte durchaus, dass Calena ein wenig peinlich berührt war, als er antwortete. Das hatte er nicht beabsichtigt, dennoch tat er einfach so, als würde er es nicht bemerken und hörte aufmerksam zu.


    Dass es ihr gleich eine Ehre war, den Ring zurückzugeben, ließ ihn ein wenig schmunzeln - er hätte es eher als Freundlichkeit betrachtet, dennoch genoss er das Kompliment, das damit verbunden war. Irgendwie mochte er das Mädchen, das einen eher rustikalen Charme versprühte und natürlich wirkte als die hochmütigen Damen aus der noblen Gesellschaft.


    Und dann fragte sie weiter. Offensichtlich wollte sie doch mit ihm flirten - vielleicht hatte sie aber auch nur aus irgendeinem Grund Interesse daran, was ein so wichtiger Mann wie er tat, wenn er gerade nicht die offensichtlichsten Aufgaben erfüllte.


    "Nun, in meinem Otium leite ich ehrenamtlich die Factio Veneta, widme mich also dem Rennsport, bade und lese gern - zur Zeit wieder einmal Tullius Cicero."


    Das Buch De re publica hatte er schon mehrmals gelesen, dennoch faszinierte es ihn immer wieder, wie ein Mann vor über Hundert Jahren das Bild von einem perfekten Staatsmann entwarf, das auch Durus sehr gut gefiel (auch wenn er ihm nicht hundertprozentig entsprach).


    "Und was machst du so?"


    fragte er dann, wobei er als kleiner Scherz ihre eigenen Worte benutzte. Zum einen, weil er es komisch fand, zum anderen, weil es bei einer Frau meistens nicht so war, dass sie spezielle Positionen bekleidete (es sei denn, sie war Priesterin oder Verwalterin). Um ihr zu zeigen, dass er sie nicht verhöhnen wollte, lächelte er freundlich.


    Sim-Off:

    edit: Wort verbessert

    Durus saß auf seiner Bank und hörte dem Consul zu. Wie jedes Jahr wurde nun die Frage erörtert, ob sich irgendein Magistrat besonders ausgezeichnet hatte. Dazu hatte der Tiberier allerdings kaum etwas zu sagen, denn er hatte ihre Arbeit im letzten Jahr kaum beachtet - hatte er doch genügend mit seinen Gütern zu tun gehabt!


    Allerdings war es wohl auch die beste Möglichkeit, herausragende Leistungen zu erkennen: Indem man von ihnen erfuhr, ohne sich damit beschäftigt zu haben! Folglich erklärte er seinem Nachbarn


    "Mir kamen die Magistrate dieses Jahr durchaus farblos vor."


    So etwas sagte man natürlich nicht im Plenum, aber vielleicht konnte sein Nachbar ihm ja etwas dazu sagen.

    Durus nahm aufgrund der Reaktionen des Mädchens an, dass sie wohl eher vom Lande kam, denn soweit er wusste, war die städtische Jugend mit derartigen Flirtereien sehr viel schneller bei der Hand und man musste Frauen schon mehr bieten. Aber dies ließ er natürlich nicht durchblicken, sondern lächelte weiter.


    Auch er verstand, dass ein junges Mädchen nicht sonderlich begeistert davon war, dass sie ständig von einem Heer von Sklaven begleitet wurde - er selbst wünschte sich manchmal, einfach ganz allein und incognito durch die Straßen Roms zu wandeln - doch Adel verpflichtete und so etwas konnte er sich unmöglich leisten!


    Die Frage, die Calena dann allerdings stellte, überraschte ihn ziemlich. Was er so machte? Für Durus war solch eine Frage für einen einfachen Plebejer angemessen, doch ihm konnte man doch bereits ansehen, dass er ein Mitglied des Senats war (und sogar ein Praetorier, was ihn in die obere Hälfte der Senatorenschaft brachte). Wenn überhaupt hätte er solch eine Frage in die Worte 'Welches Amt bekleidest du aktuell?' gekleidet. Doch letztendlich entschloss er sich, das ganze mit Humor zu nehmen und antwortete


    "Ich stehe vor dir. Aber wenn du wissen willst, welche Position ich aktuell bekleide, muss ich sagen, dass ich Pontifex und Senator bin. Außerdem muss ich mich natürlich um meine Güter kümmern."


    Er hielt es nicht für nötig, näher zu erklären, was denn ein Pontifex war - schließlich kannte jedes Kind in Rom dieses Amt, das zu den höchsten Würden innerhalb des Cultus Deorum und damit des Staates zählte.

    Caecilius Crassus war Durus natürlich ein Begriff - er war einer der mächtigsten und zugleich gefährlichsten Männer, denn seine Praetorianer unterstanden keinerlei Kontrolle und gehorchten ihm aufs Wort. Auch die Tiberier hatten schon häufig Probleme mit ihnen gehabt. Also war es möglicherweise sogar günstig, sich ihr Gesicht zu merken - sie konnte möglicherweise Einfluss auf ihn haben.


    Daher beließ er seine Lächel-Fassade und erwiderte


    "Das hoffe ich ebenfalls. Aber wenn ich wieder solch eine charmante Dame mit einem guten Blick zur Hand habe, brauche ich mir ja im Falle eines Falles auch keine Gedanken zu machen."


    Eigentlich war Durus nicht der Typ, der mit jungen Damen flirtete - dazu hatten die meisten zu wenig Einfluss auf sich oder andere. Aber hin und wieder konnte er die Fähigkeiten seiner Jugend doch reaktivieren...


    "Ich denke, dein Großcousin wird dir eine ganze Armee Sklaven zur Verfügung stellen, die die Stadt wie ihre Westentasche kennen."


    bemerkte er dann zu Rom. Tatsächlich konnte man sich die wichtigen Passagen sehr schnell einprägen, während die Wohnviertel selbst für eingesessene Römer kaum vollständig zu merken waren. In der Subura hätte wohl auch Durus nie auf das Forum Romanum finden können!

    Quintus ging es also gut - nunja, seine Verlobte lebte ja seines Wissens nach bei ihm und würde ihm sicher den Haushalt im Praetorium besorgen. Die Bemerkung über den neuen Offizier der Praetorianer war für Durus im Augenblick zwar von keinem großen Nutzen, dennoch beschloss er, sich den Namen zu merken.


    Aufstrebende Ritter waren stets bemerkenswert, denn sie konnten ebensoviel Einfluss beim Kaiser besitzen, wie es ein Senator tat (manche sogar noch wesentlich mehr, etwa die Herren am kaiserlichen Hof).


    "Ah, interessant. Hast du auch Quintus' Verlobte kennen gelernt? Hat er etwas von den Heiratsplänen erzählt?"


    Er wollte doch lieber ein wenig mehr über die Verwandten erfahren - Frauen hatten in diesen Dingen meist sowieso ein besseres Händchen, Informationen zu erhalten und zu bewahren.

    "Und wie geht es Quintus?"


    fragte Durus, nachdem Arvinia offensichtlich nicht so recht wusste, was sie sagen sollte. Zwar war der Pontifex sicher, dass sein Vetter bei der Legion glücklich war wie ein Schwein im Schlamm, dennoch fragte er sich, ob es Neuigkeiten gab - man wusste ja nie!

    Ein beruhigendes Gefühl breitete sich in Durus aus, als er die Schwere des Ringes in seiner Hand fühlte. Rasch steckte er ihn sich wieder an die rechte Hand und wandte sich dann wieder Calena zu.


    "Ich...bin hingefallen."


    erklärte er dann, wobei er sich fragte, ob das Mädchen seinen Unfall nicht gesehen hatte. Naja, sie musste ja nicht die Einzelheiten seiner Ungeschicklichkeit erfahren.


    Das dargebotene Taschentuch nahm er dankbar an und hielt es sich auf den Kratzer, doch als sie auf den Medicus zu sprechen kam, winkte er ab.


    "Danke. Das ist doch nur ein kleiner Kratzer!"


    Er hatte zu Hause auch einen kundigen Sklaven, der sich die Wunde ansehen würde und schon übermorgen würde man wohl kaum etwas davon sehen (es sei denn, er bekam einen blauen Flecken).


    Die Bitte war nun wiederum schwierig. Zwar wusste er, dass der Praefectus Praetorio die Casa Caecilia bewohnte, allerdings war er von diesem noch nie eingeladen worden oder hatte einen Grund gehabt, ihn zu treffen. Also blickte er sich nach seinem Nomenclator um, der für solche Dinge zuständig war.
    Als er ihn fand, fragte er ihn.


    "Wo befindet sich die Casa Caecilia?"


    Der Nomenclator antwortete und Durus wiederholte, wo die Casa Caecilia lag und wie sie am besten dorthin gelangte. Dann meinte er


    "Da Du neu in der Stadt bist, wirst Du mich möglicherweise nicht kennen: Ich bin Manius Tiberius Durus. Und mit wem habe ich das Vergnügen?"

    Voller Scham stellte Durus fest, dass er die Finderin ebenso grob beiseite geschoben hatte, wie er es mit seinen Sklaven und Klienten getan hatte. Das war sonst nicht seine Art, aber wenn er so etwas wichtiges verloren hatte, konnte er schon die Haltung verlieren. Zusätzlich brannte der Kratzer in seinem Gesicht und am liebsten hätte er den blutig schmeckenden Speichel in seinem Mund ausgespuckt (was man aber natürlich nicht tat).


    Er lächelte das Mädchen an, während er den Straßenstaub von seiner Toga abklopfte. Dann sagte er


    "Ich danke Dir. Verzeihung, ich war etwas aufgebracht."


    Er streckte die Hand aus, um den Ring zu nehmen. Dann kam ihm noch etwas, was er sagen musste.


    "Kann ich Dir für Deine Hilfe irgendetwas Gutes tun?"


    Durus dachte da an einen kleinen Finderlohn, wollte es aber offen halten.

    Voller Verärgerung stellte Durus fest, dass nicht nur seine Leute, sondern auch schon Schaulustige erschienen. Manch einer war offensichtlich schon dabei, den Ring zu suchen - wohl um ihn zu stehlen oder eine Belohnung zu erhalten. An einem solch schlechten Tag hielt es Durus für unwahrscheinlich, dass jemand ihm den Ring einfach so zurückgab.
    Mit einer Hand hielt er sich den schmerzenden Wangenknochen, mit der anderen schubste er seinen Sekretär zurück, der ihm aufhelfen wollte. Langsam rappelte er sich auf und blickte um sich.


    "Wo ist mein Ring? Findet ihn!"


    Wenn sein Ring weg war, würde er einen neuen anfertigen lassen müssen und schnellstens bei seinen Geschäftspartnern verbreiten müssen, dass er seinen alten verloren hatte. Das würde viel Geld kosten und es war unsicher, ob er alle erreichte. Daher kümmerte er sich nicht um sich, sondern um den Ring.


    Unglücklicherweise war es ihm kaum möglich, selbst zu suchen, denn eine Unzahl von Füßen stand um ihn herum, sodass er den nächstbesten Klienten etwas beiseiteschob.


    "Steht nicht herum, sondern sucht meinen Ring!"


    fuhr er ihn an, als er plötzlich ein dünnes Stimmchen hörte. Eine junge Frau sagte etwas von einem Ring. War er gefunden? Etwas grob schubste er die Männer, die in Richtung der Stimme gestanden hatten, beiseite und fragte


    "Hat jemand meinen Ring?"


    Er schob eine junge Frau beiseite, die irgendetwas in der Hand hielt und wohl Caecilia Calena war, während er sich immernoch suchend nach dem Finder des Rings umblickte.

    Tatsächlich sah Durus ein wenig verwirrt zu Fabius Antistes. Er kannte ihn kaum, doch war ihm bisher nichts zu Ohren gekommen, was ihn nicht zum Vorbild der Priester gemacht hätte - abgesehen von den üblichen Gerüchten, die wohl um jede hochgestellte Person gerankt wurden. Ob dies eine Drohung wegen eines dunklen Geheimnis sein sollte? Aber vielleicht war es auch nur Corvinus' Ärger über die ablehnende Haltung der Pontifices.


    "Ich gehe davon aus, dass das Aerarium Saturni kaum über genügend Einnahmen verfügt, um das auf Dauer zu bezahlen. Wäre es überhaupt möglich, den Fiscus dafür zur Kasse zu bitten?"


    Er blickte zum Pontifex Maximus, der in Personalunion der mit Abstand reichste Bürger Roms war, wobei er einen Teil seines Geldes als zweiten Staatsschatz verwaltete. Dennoch war es wohl von ihm abhängig und ohne seine Zusage war es völlig überflüssig, darüber zu diskutieren.

    | Stesichoros


    Stesichoros öffnete natürlich und war überrascht, einen jungen Burschen zu erblicken, der sich als Sendbote des Purgitius Macer vorstellte. Er erinnerte sich an die Anweisung, auf Antworten verschiedener Herren zu warten, die der Dominus zu einem Gastmahl einladen wollte.


    "Ich werde es dem Herrn ausrichten."


    antwortete er dem Briten daher, nachdem dieser seine Nachricht losgeworden war. Dann schlug er die Tür wieder zu und wandte sich seinen Gedanken über das Aufsuchen einer Wunderheilerin wegen seines Schnupfens zu.





    IANITOR – GENS TIBERIA

    Tiberius Durus war ebenfalls in der Stadt unterwegs, die er wohl mindestens genauso liebte, wie es Caecilia Calena tat (was er natürlich nicht wusste). Er war in einer offenen Sänfte unterwegs, die von Sklaven getragen wurde. Vor seinem Gefährt gingen Sklaven, dahinter folgte ihm ein kleiner Trupp Klienten in der Toga. Diese Männer würden für ihre Dienste am nächsten Tag ein besonders großes Körbchen Essen erhalten.


    Da Durus heute sehr lange im Bad gewesen war, hatte er sich für den Weg ein paar Dinge von seinem Sekretär geben lassen, der neben Durus herlief und die Tabulae, die Durus abgearbeitet hatte, entgegen nahm. Auf der anderen Seite hingegen kamen Menschen, die nach Rom kamen, darunter auch eine Caecilierin (wie Durus ebenfalls nicht wusste).


    Durus nahm gerade seinen Siegelring vom Finger, um ihn in das Wachs seiner Tabula zu drücken, als einer der Sklaven, die die Sänfte trugen, angestoßen wurde. Just in diesem Augenblick hielt Durus seinen Ring nicht ordentlich fest und er fiel ihm aus der Hand. Refflexartig versuchte der Tiberier, ihn noch zu fassen (Wenn er in fremde Hände fiel, würde dies unabschätzbaren Schaden anrichten können!). Doch der Ring fiel viel zu schnell und als Durus sich aus der Sänfte beugte, um ihn zu fangen, wurden seine Sklaven von der plötzlichen Gewichtsverlagerung überrascht und Durus rauschte aus der Sänfte auf den gepflasterten Boden.


    Hart schlug er auf dem Boden auf und obwohl er sich mit den Händen abfangen konnte, rutschte er mit dem Gesicht über den Stein und holte sich einen Kratzer. Als er sich aufrappelte, hielt er sich sein Gesicht. Wo war sein Ring? Seine Sklaven und Klienten hatten sich auch schon um ihn geschart und redeten auf ihn ein.


    "Mein Ring!"


    rief Durus nur und schmeckte mit seiner Zunge, dass er sich wohl ein wenig auf die Zunge gebissen hatte. Hatte Fortuna ihn heute vergessen?