Der nächste Besucher, der sich ankündigte, war ein leicht beleibter Mann mittleren Alters. In seiner Hand trug er einen kleinen Beutel, der bei jedem Schritt leicht klapperte - zweifelsohne war er nicht leer!
"Salve, Bürger."
begrüßte Durus den Bittsteller, der mit einem breiten Lächeln erwiderte
Salve, Augur. Ich bin Lucius Poetelius Flamma."
Durus nickte leicht - den Namen würde er vergessen haben, ehe Lucius die Hütte wieder verließ.
"Und für was brauchst du die Zustimmung des Iuppiter Optimus Maximus?"
Möglicherweise zufällig klapperte Flamma mit seinem Beutelchen, dann erklärte er
"Es geht um meinen Sohn. Ich möchte ihn mit Mucia Curva, der Tochter meines alten Freundes Mucius Curvus vermählen."
Dass dieser Freund ein Geschäftspartner und seine liebreizende Tochter das Alter von sieben Jahren hatte, erwähnte er nicht. Ebenso verschwieg er lieber, dass sein Sohn gerade erst zehn geworden war. Aber das interessierte Durus auch nicht - Iuppiter würde schon wissen, was er wissen wollte...
"Nungut, dann möchtest du also die Zustimmung Iuppiters für die Sponsalia von Mucia Curva und - wie hieß dein Sohn noch gleich?"
"Poetelius Flamma Minor."
"Bene."
Durus erhob sich. Für ein derartig großes Dankgeschenk würde er gerne ein wenig Show bieten und nicht einfach auf eine Eingebung des großen Herren des Olymps warten.
Er sah zur Seite, wo bereits ein Viator stand. Er gab das vereinbarte Zeichen und hielt bedeckte sein Haupt mit dem Saum der safrangelben Toga.
"Favete linguis!"
rief er, woraufhin alle in erwartungsvolles Schweigen verfielen. Mit ernstem Gesicht hob der Tiberier den Lituus und blickte nach links aus einem kleinen Fensterchen, wo man bereits ein Gackern hören konnte. Kurz darauf hörte man leichtes Picken und ein Huhn tauchte auf. Eine Weile betrachtete Durus das pickende Vieh, dann sah er auf.
"Nuntatio!"
erklärte er laut und senkte den Lituus wieder. Damit war es geschehen. Ein Viator erschien und nahm Durus den Toga-Saum vom Kopf und ordnete die Stoffbahnen wieder, danach kehrte Durus zu seinem Sitz zurück.
"Der große Iuppiter Optimus Maximus, Herr des Olymps, gibt seine Zustimmung zu den Sponsalia von Lucius Poetelius Flamma Minor und Mucia Curva. Du kannst beide ruhigen Gewissens verloben."
Durus lächelte und auch Flamma begann zu lächeln.
"Ich danke dir, Augur. Lass mich Dir dies als Zeichen meiner Dankbarkeit für den erwiesenen Dienst schenken!"
Er hielt den Beutel mit Münzen hin, den Durus nahm und beiseite legte.
"Das wäre doch nicht nötig gewesen. Aber ich danke Dir, Bürger!"
"Der Dank ist ganz auf meiner Seite, Augur! Vale bene!"
verabschiedete sich Flamma und machte sich mit zufriedenem Lächeln auf den Heimweg, während man draußen das Gackern des Huhnes hören konnte, das wieder eingefangen wurde um bei Bedarf erneut zu erscheinen.
Durus hingegen reichte den Geldbeutel an einen Sklaven weiter, der die Geschenke des Tages bis zum Abend aufbewahren und dann für ihn nach Hause tragen würde.