Ich besah mir die Köstlichkeiten auf dem Tisch, deutete jedoch zuerst auf einen Krug mit frischer Milch, damit man mir einschenkte. Der Geruch frisch gebackenen Brotes schwebte in der Luft und vermengte sich mit dem würzigen Duft von Käse und Honig. Priscas Frohmut schien teilweise verflogen zu sein, als ich sie das nächste Mal über den verhältnismäßig kleinen runden Tisch hinweg ansah. Und prompt folgte auch eine Frage, welche wohl die Ursache hierfür sein musste.
"Wie es mir geht?" echote ich legte den Kopf schief. Sollte ich verharmlosen oder ihr mein Leid klagen? "Ah, weißt du... Ich schlafe schlecht in letzter Zeit..." antwortete ich ausweichend, sah den Käse an und zuckte mit den Schultern. "Die vergangenen Wochen waren nicht unbedingt...leicht." Ich hob nun den Blick wieder und sah zu meiner Nichte, meiner kleinen Nichte, die so erwachsen wirkte. Eine jähe Welle der Zuneigung schwappte über mich. Ohne Zweifel hatte sie die familieninternen und öffentlichen Dinge mitbekommen, Helenas Selbstmordversuch, den Tod der ersten Vestalin, meine Ernennung zum septemvir. Mir fiel erneut auf, wie lange wir nicht mehr miteinander gesprochen hatten, und ich bedauerte diesen Umstand zutiefst. "Du wirst selbst ja einiges mitbekommen haben... Wovon du vielleicht noch nichts weißt, ist meine Trennung von Deandra. Aber", fuhr ich sogleich fort und hob die Hand, "diese Entscheidung war gut, wenn auch nicht einfach. Die Claudia mag deswegen nicht unbedingt mehr zu unseren Freunden zählen, aber das kann ich mit mir vereinbaren. Dann Helena..." Mir fiel auch die Sache mit Aquilius wieder ein, doch im Hinblick auf Priscas künftige Verbindung zu jenem bewahrte ich besser Stillschweigen über den Vormittag, der aus den Fugen geraten war. Ich winkte ab. "Das war eben etwas viel", und das war es noch, schloss ich und ging kurz darauf sogleich zum Angriff über. "Aber erzähle mir doch, wie es dir so ergangen ist? Unser letztes, richtiges Gespräch liegt ja Wochen zurück." ich griff nach einem Stück Brot und ließ mir von einem Sklaven ein Stück Käse abschneiden, während ich mich mit verschmitztem Blick erkundigte: "Und wie ist das nun mit dir und Caius?"