Am Rande des Forum Romanum, am Vorabend der Wahlen... Lebhaft klangen Schellen, Zimbeln und und Tamburin über den Platz, lockten die Menschen zu einer großen, nur provisorisch zusammengezimmerten Bühne. Dort tanzte Scintilla im Fackelschein, umwirbelt von ihrem rotschimmernden Haar, schwebend und geschmeidig als wäre sie selbst eine lodernde Flamme. Nahtlos folgte der Auftritt eines sehnigen junger Mann, der, das Gesicht vor Konzentration maskenhaft starr, mit nicht weniger als sieben brennenden Fackeln in hohem Bogen jonglierte. Sie zogen glühendrote Bögen vor dem dämmrigen Himmel.
Der Applaus der Menge, die sich bei diesem Schauspiel zusammengefunden hatte, war noch nicht verklungen, da begann sich vor ihren Augen schon ein kleines Theaterstück zu entfalten. Die Schauspieler hatten es an jenem Tag schon an verschiedenen belebten Orten in der Stadt aufgeführt, dies hier war nun der krönende Abschluß.
"Hochverehrtes Publikum!" luden die Mimen, die Stimmen im Chor vereint, ein: "Seht die Geschichte des Adlers von Septimanca!"
Der Schatten des gerade erst zuende gegangenen Bürgerkrieges lag über dem Beginn des Stückes. Zwei arme Römerinnen wärmten sich an einem Feuer.
[Blockierte Grafik: http://img708.imageshack.us/img708/2818/rkqe.jpg] | Scintilla als "erste Römerin"
"Große Not haben wir alle ausgestanden. Nun hat es ein Ende mit den Unruhen. Doch das Reich ist zerissen. Zuviel Böses ist geschehen, zu viel Blut ist geflossen. Nachbarn, die einst gutes Einvernehmen hielten sind sich fremd geworden. Die einst Freunde waren, stehen sich in unversöhnlicher Feindschaft gegenüber."
[Blockierte Grafik: http://img707.imageshack.us/img707/8789/rsdp.jpg] | Fortunata als "zweite Römerin"
"Meinen Sohn habe ich verloren. Er zog mit den Adlern und kehrt nie wieder heim. - Hunger haben wir gelitten. Ein Riss geht durch das Reich. Entzweit stehen wir. Vergangen ist der Glanz, verloren die Einigkeit. Was bleibt für uns einfache Leute vom Kampf der Mächtigen? Nur der Tod und die Tränen."
Die dunkellockige Trauernde griff zur Kithara, und stimmte mit rauchigem Alt ein Lied von Schmerz und Verlust an. Sie traf einen Nerv im Publikum, und auch hier wurde das ein oder andrere Auge feucht. Klagend fiel Scintilla in den Refrain ein:
"Concordia weint. Zu tief sind unsere Wunden. Die Eintracht ist verloren. Wie soll er jemals auferstehen, der Glanz unseres geliebten Roms?"
Da trat aus dem Schatten ein bärtiger Mann zu den beiden.
[Blockierte Grafik: http://img707.imageshack.us/img707/374/3f4j.jpg%20] | Ursinius als "der Veteran"
"Ihr guten Frauen, wie jammert mich eure Verzweiflung. An einen Tag gemahnt sie mich, der weit zurückliegt, und an dem die Welt mir ähnlich bitter dünkte, das Schicksal unverrückbar schwarz, und alle Hoffnung schien verloren..."
"Wer bist du?" fragten die Frauen den Fremden, ihr Haupt züchtig mit der Palla bedeckend, und:
"Was für ein Tag mag das gewesen sein?"
"Ein alter Soldat bin ich. Und lange ist es her. In der neunten Legion diente ich damals, der hispanischen... Das war, als sich die wilden Stämme der Iberer erhoben. Nach Römerblut und Gold gierend, strömten sie wie eine Sturmflut herab von ihren Bergen... standhaft stemmten wir Krieger der Legionen und der Ala uns gegen die barbarische Bedrohung, doch allzugroß war ihre Überzahl und unmäßig ihre Wildheit... bei Septimanca war es, da kam es zur alles entscheidenden Schlacht... "
Dumpfe Kriegstrommeln. Während der Veteran erzählte, wandelte sich das Bühnenbild, er und seine Zuhörerinnen wanderten an den Rand, während in der Mitte der Bühne eine Handvoll schneidige Legionäre mit einem goldenen Legionsadler aufmarschierte und seine Geschichte lebendig wurde: Die Schlacht um Septimanca.
Mit gutturalem Kriegsgeheul stürzten sich wilde Iberer auf die tapferen Soldaten. Es waren durch Kothurne sehr große, und durch Felle sehr breitschultrige Gestalten, die mit ihrer primitiven Kriegsbemalung und ihren überdimensionierten Bühnen-Falcatas wohl eher dem Bild entsprachen, welches sich Gaius Normalrömer von einem Barbaren machte als der realen Erscheinung iberischer Stammeskrieger.
Auf der Bühne folgten nun gut choreographierte rasante Kämpfe, bei denen die tapferen Römer einen Iberer nach dem anderen besiegten... doch diese wurden (weil die erschlagenen Wilden dezent von der Bühne robten und gleich darauf wiederkamen) einfach nicht weniger.
"Schon blutete ich, wie auch meine Kameraden aus vielen Wunden." berichtete zugleich der Veteran vom Rande des Geschehens. "Der Tag schritt voran. Die Sonne brannte unbarmherzig auf uns herab. Hoch wirbelte der Staub. Unser Gaumen war ausgedörrt, unser Schwertarm war müde geworden. Und obgleich wir schon so viele erschlagen hatten - die Flut der Barbaren brauste weiter heran wie eine Naturgewalt."
Der erste Legionär starb dramatisch, niedergestochen von einem riesigen Ibererhäuptling mit zottigem schwarzem Fellumhang. Darauf reckte der Barbar die (durch Wollfäden "blutige") Falcata und brüllte:
"Holt euch den Adler!!"
Die Barbaren gewannen nun die Überhand, bedrängten den Aquilifer.
"Schon glaubte ich uns alle verloren," fuhr der Veteran fort, "schon schien die Vernichtung zum Greifen nah..."
Weitere Legionäre starben. Der Barbarenhäuptling streckte die Hand schon nach dem Adler aus... - der senkte sich, verschwand im Schatten.
"...da trat unser Praefectus Castrorum selbst dem schlimmsten Wüten des Feindes in den Weg! Der Name dieses Tapferen war: Marcus Decimus Livianus!"
[Blockierte Grafik: http://img33.imageshack.us/img33/1266/h7ol.jpg%20] | Lariscolus als "Marcus Decimus Livianus."
Auftritt des Decimers. Furchtlos verwehrte er den Barbaren den Weg. Der charismatische Krieger trug Harnisch und Helm eines Feldherren, sein roter Mantel wogte malerisch und seine Stimme erhob sich volltönenend und feurig über das Kampfgetümmel, und gab den Soldaten neuen Mut.
"Kämpft Männer, kämpft! Geschlossen die Reihen!
Einig und stark! Unverdrossen vorwärts! In den Staub mit der frechen Barbarenbrut!
Wir kämpfen für Rom, und für Rom werden wir siegen!"
Was dann folgte, war ein packender Zweikampf zwischen dem Decimer und dem grimmen Ibererhäuptling. Metall klirrte, die Schilde "zerbarsten", zuletzt rang der Römer den Wilden zu Boden und erschlug ihn. Nun wendete sich das Blatt, die Legionäre standen wieder Seite an Seite, machten den verbliebenen Iberern den Garaus. In den Händen des Decimus Livianus stieg der Legionsadler wieder auf, und erstrahlte, von einer Laterne aus dem Hintergrund hell angeleuchtet, in schier überirdischem goldenem Glanz.
"Da sah ich den Adler sich erneut erheben!" berichtete der Veteran andächtig, und die Schlachtszene mit den siegreichen Legionären, dem heroischen Decimer und dem geretteten Adler "fror ein", blieb ein unbewegliches lebenden Bild, während er weiter erzählte.
"Und so besiegten wir an jenem Tag das Heer aufständischen Iberer. Der Praefectus Castrorum Marcus Decimus Livianus erhielt die Corona obsidionalis für seine Taten in dieser Schlacht. Und hat sich dann später, wie ihr wisst, noch mannigfaltig um das Reich verdient gemacht.
Doch mir kleinem Soldaten, mir wird der Tag von Septimanca auf ewig im Gedächtnis bleiben. Denn ich weiß seit jenem Tag: auch in der dunkelsten Stunde kann ein entschlossener Römer - einer der das Herz auf dem rechten Fleck hat und den Mut hat vorzutreten und entschlossen für Rom zu kämpfen – alles zum Guten wenden! Denn dies hat mir damals Marcus Decimus Livianus gezeigt."
Die beiden Römerinnen hatten ihm gebannt gelauscht. Nun atmeten sie auf, schienen wie erwacht aus einem bangen Traum.
"Der Praefectus Castrorum von damals – ist das nicht der Mann, der sich morgen der Wahl zum Konsul stellt?" fragte die eine hoffnungsvoll.
"Ja das ist er. Neue Eintracht wird er schaffen. Frieden wird er uns bringen nach der schweren Zeit, Wohlstand und Stabilität!"
"So wie er euch damals neuen Mut schenkte, so ist auch mein Herz nun erfüllt von neuer Zuversicht!" sprach die zweite Römerin. "Marcus Decimus Livianus ist der Mann, der uns als Konsul in eine neue und bessere Zukunft führen soll!"
"Und wie der Phönix aus der Asche..." schloß der Veteran – hier wurde der stolze Legionsadler nochmal golden strahlend ganz besonders in Szene gesetzt – "wird Rom in neuem Glanz erstrahlen!"
"Marcus Decimus Livianus soll unser neuer Konsul sein!" sprachen die drei Akteure nun im Chor, sich erhebend und frohgemut einer besseren Zukunft ins Auge blickend.
"Für Frieden!"
"Für Wohlstand!!"
"Für Stabilität!!!"
Und wieder im Chor:
"Für eine goldene Zukunft!"