Gut, ich gebe dir recht, daß die Dokumentationen zT sehr "amerikanisiert" sind, also Hollywood-lastig sind. Ich nehme mal an, das meinst du auch in etwa. Ich weiß nicht, ob du den HistoryChannel kennst, bzw da schonmal reingeschaut hast. Da laufen fast ausschließlich solche Formate - auch Knopp-Dokumentationen - aber vorallem eben viele amerikanische produzierte Dokumentationen. Die sind in dem, was du beschrieben hast, sogar noch ein Stück extremer als die Knopp-Dokumentationen. Aber was solls ? Das ganze ist eben Unterhaltung ? Und die meisten Menschen wollen sich eben unterhalten lassen, wenn sie vor dem Fernseher sitzen, erst recht, wenn die Doku dann auch noch so spät um kurz vor oder nach Mitternacht kommt. Für eine detailversessene Sendung, die womöglich auch noch verschiedene Historiker zu Wort kommen ließe, um - wie es ja oft üblich ist - verschiedene Interpretationen der Geschichte darzustellen, wäre ich zu so einem Zeitpunkt weniger empfänglich, bzw einfach aus dem Grund, weil ich mich draufeinstellen müßte.
Das ist auch so ein genereller Punkt, der mich an Filmkritik abstrakt gesehen oft stört. Viele Kritiker meinen oft, in ihrer Kritik vorschreiben zu müssen, was der Regisseur wie und warum anders machen müßte, anstatt sich einfach mal zu hinterfragen, was wollte der Regisseur eigentlich überhaupt und wie hat er dies umgesetzt. So etwas ist meiner Meinung auch ein bedeutender Schritt hinsichtlich Medienkompetenz.
Und diese Kritik trifft natürlich idR bei Filmen auf, die auf realen Begebenheiten basieren - also vorallem (historische) Dokumentationen, aber auch Spielfilm wie bspw der BaaderMeinhoffKomplex (die Kritiker dort haben sich ja geradezu zerrissen, sich damit zu brüsten, die Rolle des Regisseurs hinunterzuspielen). Beim fiktiven Film kommt dies natürlich nicht vor, weil er ein reines Kunstprodukt ist und es hier tatsächlich auf den reinen Geschmack angeht.
Bei realen Storys gibt es eben eine Realität, die jeder nachrecherchieren kann und daher hat jeder einen anderen Blickwinkel auf die Realität, weshalb die Kritik an der "künstlerischen Freiheit" des Regisseurs umso größer ist.