Die amtierenden Consulen. Amtsverlängerung. Ich biss die Zähne zusammen, um den unflätigen Fluch, der mir da auf der Zunge lag, am Entweichen zu hindern. Auch das noch.
Mit angespannter Miene hörte ich die Instruktionen, nickte, bestätigte:
"Ja. Verstanden. Ich sorge dafür. - Ausserdem werde ich sofort Speculatores in die militärisch relevanten Provinzen schicken. Damit wir rechtzeitig erfahren, wenn der nächste Usurpator in Cornelius Fußstapfen treten will." Ob wir es dann verhindern können würden, das stand auf einem anderne Blatt, dachte ich resigniert. "Und wenn du wichtige Depeschen hast, stehen natürlich die Equites singulares zur Verfügung."
"Was deine Hoffnung auf die Consulen angeht. Ich will dir eine Geschichte erzählen, Vater. Eine wahre Geschichte. Von einem Tisch." fuhr ich fort, humorlos lächelnd. "Nein, ich bin nicht verrückt geworden, bitte schenke mir einfach nur dein Ohr, sie ist auch ganz kurz: Es war einmal..." begann ich, im Tonfall eines Märchenerzählers, "...ein junger Gardepräfekt, der, als er seine erste Besoldung erhielt, so überwältigt war von so unverschämt viel Geld, dass er beschloss, davon etwas ganz besonderes zu erwerben. So ging er zu einem Meistertischler, und ließ sich von dessen Meisterhand den wunderbarsten Schreibtisch den man sich nur vorstellen kann, anfertigen, ein exquisites Kunstwerk, ganz und gar aus nachtschwarzem Ebenholz aus dem fernen Meroe, von schlichter Schönheit und vollendeter Eleganz.
Der stand fortan in seiner Amtsstube, und der Gardepräfekt arbeitete auf seiner blankpolierten Tischplatte, und freute sich an ihrem seidigen Glanz. Doch dann kam der Krieg, die Truppen des Kaisermörders erwiesen sich als unbesiegbar, der Gardepräfekt geriet in Gefangenschaft, und die Castra unter das Kommando eines senatorischen Tribunen, der sich, zielsicher wie eine Hyäne den größeren Raubtieren, dem Siegeszug des Kaisermörders angeschlossen hatte. Dieser hyänenhafte Tribun nun, nistete sich in der Amtsstube des Gardepräfekten ein, und herrschte von dort aus willkürlich, Bestechungsgelder einstreichend, und seine Macht über die, die in seiner Gewalt waren, sadistisch auskostend.
Was aber geschah mit dem Tisch, dem besagten? - Der Tribun zückte seinen Pugio, und zerstach die polierte Ebenholzfläche. Ungelenk ritzte, schabte und kratzte er grobe Buchstaben in diesen Tisch, wie ein Schuljunge, bis er schließlich, in seiner barbarischen krakeligen Handschrift, folgende Worte in das Prunkstück römischen Kunsthandwerkes hineingeschnitten hatte: Vala war hier."
Ich machte eine Pause nach meiner kleinen Parabel, holte Atem. "Und mit genau dem gleichen zerstörerischen Geltungsdrang wird der Duccier auch weiterhin 'seinen Namen überall rein zu schneiden versuchen'. Durch Mauschelei und Machenschaften hat er sich das Konsulat ergaunert. Er ist der schlechteste Konsul den Rom jetzt haben kann, er wird selbst den Thron an sich zu reissen zu versuchen, oder ihn an den Meistbietenden verschachern.
Dieser Mann hat nicht das geringste Verständnis dafür was Rom ausmacht und was es heißt Rom zu dienen, es geht ihm einzig und allein um seinen persönlichen Machtzuwachs, sein persönliches sich Aufblähen. Als ich in seiner Hand war, als er mich für todgeweiht hielt, da hat er kein Blatt mehr vor den Mund genommen, und herzhaft gespottet über Ehre, Loyalität, sich damit gebrüstet, dass ihm Palmas Verbrechen, dass ihm die unzähligen Kriegsopfer vollkommen gleichgültig sind, solange er nur weiter aufsteigt dadurch. Dieser Mann hat mich gefoltert, er hat Seiana eingekerkert, sie erpresst und die Kinder deines Bruders Magnus unserer Familie entrissen, er hat dich auf das allerprimitivste beleidigt, er hat unsere Familie angegriffen, er ist ein Feind unserer Familie!!
Und ich versuche ja zu verstehen, dass du ihn im Augenblick unterstützt, in gutem Glauben, um der Stabilität willen, doch ich sage dir, du täuschst dich - er ist einfach nur ein machtgeiles Schwein, vollkommen skrupellos, ohne einen Funken Ehre, und sobald es ihm auch nur den allergeringsten Nutzen bringt, wird er dir ohne mit der Wimper zu zucken den Dolch in den Rücken stoßen."