Beiträge von Aurelia Prisca

    Zitat

    Original von Faustus Decimus Serapio
    ... Mit sorgfältig beherrschter Miene wandte ich mich sodann an die Harpyie an Manius' Seite. "Werte Aurelia, was sagt man denn unter der Matronenschaft Roms derzeit über die Christianersekte?"[/FONT]


    Aufmerksam lauschte Prisca den Worten und Ausführungen, ohne zunächst selbst das Wort zu ergreifen. Das wurde sehr wahrscheinlich auch nicht von ihr erwartet, zumal es sicher nicht üblich war, dass eine Frau bei derlei Themen mit am Tische saß (oder gar noch mit redete). Allein Ihr geliebter Gemahl schien sehr viel von ihr und ihrer Meinung zu halten, sonst hätte er sie sicher nicht zu dieser illustren Runde mit genommen.


    Eine illustre Runde, fürwahr … , ließ Prisca, in ihren Gedanken versunken, den Blick über die Anwesenden schweifen. Allesamt saßen und lagen da ehrbare Bürger, Adelige und Senatoren mit am Tisch, Männer ,denen ihr Gemahl offensichtlich voll und ganz vertraute. Ach ja und ganz besonders dieser Eine, dessen Namen Prisca in der Vergangenheit unzählige Male verflucht hatte. Und das aus gutem Grund und die Erinnerungen daran blieben bis heute in ihrem Gedächtnis haften.


    Der Feind von einst lag also mit am Tisch und er entpuppte sich einmal mehr als wahrer Freund … nicht meiner, aber als der meines Mannes. In der Tat verbindet die Beiden wohl weit mehr als nur eine gute Freundschaft und zudem hat dieser Decimus eine nicht zu unterschätzende Position inne, die in dieser Sache sehr wertvoll sein kann, stellte Prisca ohne jegliche äußere- noch innere Emotion fest, während sie die Blicke deutete, die Gracchus und der Decimus mit einander tauschten.


    Seltsam, aber Prisca verspürte in der Sekunde weder Hass noch das Verlangen, dem Decimer die Augen auszukratzen. Vielmehr wurde ihr bewusst, wie wichtig es war die eigenen Gefühle ganz hinten anzustellen. Meinem Gemahl zu liebe, den ich aufrichtig liebe und schätze. Dazu ist diese Sache zu wichtig! Eine seltene Entscheidung der Vernunft die Prisca traf, als sie die Frage des Decimers aufgriff und ihm dabei ohne jeglichen Hass in ihren Augen zur Antwort gab:


    "Nun, werter Decimus, in der Tat sind viele von uns besorgt oder zumindest verwirrt, was diese Ungläubigen angeht. Das mag daran liegen, dass diese Christen so anders als andere Sekten und Glaubensanhänger auftreten in dem, was sie tun und welche Lehren sie verbreiten. Eigentlich hätten sie erkennen müssen, dass sie einem Irrglauben gefolgt sind, nachdem dieser sogenannte Heiland, dieser Scharlatan, am Kreuz sein jämmerliches Leben ausgehaucht hatte … "


    Mit jedem Wort das Prisca mit bestimmter Stimme laut aussprach, lodernde mehr der Hass in ihren Augen auf. Doch dieser galt weder dem Decimer noch sonst einem in der Runde sondern allein dieser Christenbrut, die es gemeinsam zu vernichten galt. Jawohl vernichten und bekämpfen muss man sie … so wie mein Mann es will!!!:


    "Aber nein, diese Ungläubigen behaupten weiterhin, dass "ihr Gott" der einzige Wahre sei und sie wagen es unsere Götter und unseren Kaiser abzulehnen. Wer, so frage ich Euch alle, darf sich das erlauben gegenüber ROM … wer außer dieser Brut?"


    Unüberhörbar redete sich Prisca in Rage, doch nun kam sie bereits zum Schluss, der Denkanstoß, Bitte und Aufforderung sein sollte:


    "Im Namen der Kinder und Frauen von Rom … bedenkt jene passende Worte Ovid´s und handelt danach, solange es nicht zu spät ist: „Principiis obsta. Sero medicina parata, cum mala per longas convaluere moras* ...“


    Mit diesem Plädoyer lehnte sich Prisca wieder in ihrem Sessel zurück und atmete erst einmal durch. Vielleicht hatte sie nicht jeden überzeugen können, doch selbst war sie völlig überzeugt, dass jegliche Nachsicht und Gnade gegenüber diesen Christen Rom zum Schaden gereichen würde - früher oder später ...


    *) "Wehre den Anfängen! Zu spät wird die Medizin bereitet, wenn die Übel durch langes Zögern erstarkt sind" (Ovid, Remedia amoris)

    Obgleich Prisca von Domitilla´s Ankunft gewusst hatte, war es in der Tat auch für sie eine Überraschung - eine überaus angenehme wohlgemerkt - die Flavia ganz spontan hier zu treffen. Zumal jeder weiß wie schwer es sein kann, sich mit jemandem geplant zu verabreden, angesichts die vielen Termine die jeder hat und all der Dinge, die ständig dazwischen kommen können. Umso mehr freute es Prisca, dass sie anscheinend eine freie Minute und ein ruhiges Plätzchen gefunden hatten um miteinander zu plaudern.


    Mit einem erfreuten Lächeln nahm Prisca die Gelegenheit also gerne wahr, indem sie neben Domitilla auf der Bank Platz nahm und mit einem bewundernden Blick die Schönheit der Flavia würdigte. Sechs Jahre ist es her, seit der Wahlsiegfeier! Prisca war schockiert wie schnell doch sechs (reale) Jahre vorbei gingen und gleichzeitig war sie erstaunt wie wenig man davon sah. Zumindest nicht bei Domitilla und da diese in etwa gleichen Alters war, gab dies Anlass zur Hoffnung, dass der Zahn der Zeit auch Prisca´s Äußeres (noch) weitgehend verschont hatte.


    "Du siehst hervorragend aus, Domitilla. Als hätten die Götter die Zeit an Dir vorbei ziehen lassen.", ließ Prisca auch sogleich ein ehrlich gemeintes Kompliment fallen, um anschließend die Frage nach ihrem- und dem Wohlbefinden ihrer beiden Kinder zu beantworten:


    "Fast hatte ich die Hoffnung schon aufgegeben, dass ich in dieser Welt noch ein Kind zur Welt bringen werde. Und nun sind es gleich zwei gesunde Kinder! Ja, es geht ihren gut und auch mir, den Göttern sei Dank! … Wobei ich nie gedacht hätte wie anstrengend und manchmal auch eintönig es sein kann, sich Tag für Tag um ihr Wohlbefinden und um den ganzen Haushalt zu kümmern."


    Ein wenig spielte Prisca es hinter ihrem Lächeln herunter, dass die Sorge um ihre Kinder und die Eintönigkeit des Matronen-Daseins sie immer öfter schier zur Verzweiflung brachten. Es wäre auch nicht angebracht gewesen sich vor der Flavia auszuweinen, zumal diese wohl kaum dafür Verständnis haben würde. Oder vielleicht doch? Flüchtig ließ Prisca den Blick über die schöne Natur ringsherum gleiten, ehe sie wieder in Domitilla´s Augen sah. Ein wenig kam es ihr vor als blickte sie dabei in einen Spiegel, allerdings weniger auf das Äußere bezogen sondern eher auf die Tatsache, dass die Flavia bislang ebenfalls kinderlos geblieben war. Nun kannte Prisca natürlich nicht die Umstände noch hatte sie in all der Zeit viel von dem Leben der Flavia mitbekommen. Nur, dass Domitilla mit einem Tiberer verheiratet war und diese Ehe wohl unter keinem so guten Stern stehen musste. Gut möglich, dass sie bald mehr darüber erfahren würde, sofern Domitilla darüber sprechen wollte.


    "Wenn du möchtest, können wir Quintus und Prisca später besuchen sobald sie ausgeschlafen haben?" Aber hoffentlich schlafen die Zwei noch sehr lange, damit ich mich mal ein bisschen in Ruhe unterhalten und etwas ablenken kann. Apropos Ablenkung:"Wir können auch gerne mal etwas zusammen unternehmen, falls Du Lust und Zeit haben solltest? Hattest Du denn überhaupt schon die Gelegenheit Dich in Rom ein wenig umzusehen?"


    Der Wunsch nach Zerstreuung ließ Prisca diesen Vorschlag machen, gleichwohl sie die Pläne der Flavia nicht kannte und ohne aufdringlich wirken zu wollen. Aber ein Besuch der Thermen oder des Theaters, in guter Gesellschaft, wäre mal wieder eine willkommene Abwechslung …

    Welch eine unglückliche Fügung des Schicksals ... oder war es allfällig der gewollte Wille der Götter , dass ausgerechnet der Ableger ihres Gatten, der unliebsame Stiefsohn, es zurück nach Rom geschafft hatte? Prisca war über die Nachricht der Ankunft des Erstgeborenen nur wenig erfreut, hatte sie doch darauf gehofft, dass irgend ein dummer Zufall das Leben des erstgeborenen Flaviers ebenso in Schall und Rauch auflösen würde, wie einst die herab stürzenden Teile eines Hauses, in der suburbia, das Leben ihres ersten Gatten (Flavius Piso) beendet hatte.


    Naja, man kann eben nicht alles haben ... , sagte sich Prisca in angesichts der Realität vor, während sie widerwillig ihre Schritte in Richtung des atriums lenkte, um dort den Ankömmlingen die gebührende Begrüßung zu Teil werden zu lassen (so wie es sich für die amtierende Matrone des Hauses eben gehörte):


    "Senator Flavius et Cornelia, welch eine Freude euch Beide gesund und munter zurück in den Hallen unsrerer Familien begrüßen zu dürfen! ... Ich hoffe hattet eine gute Reise und befindet euch wohl?!


    Mit diesen salbungsvoll klingenden Worten gesellte sich Prisca an die Seite ihres Gatten und hieß die Ankömmlinge willkommen. Allein der Cornelia wünschte Prisca im selben Atemzug nicht den gleichen qualvollen Tode, wie sie dem - augenscheinlich blässlich wirkendem - Erstgeborenen wünschte. Dessen malades Äußeres war (im übrigen) hoffentlich ein positives Anzeichen dafür, dass Hades bereits im Begriff war ihm die Hände zum Gruße dar zu bieten.


    Sieh dich nur an! Selbst das Elysium ist kein passender Ort für solch einen kränklichen Schlappschwanz wie Dich, der seinem Vater nur Schande bereiten wird ... Möge Hades Dich besser heute als morgen in die dunkelste Ecke seines Reiches verbannen!, letztere gedachte Worte verpackte Prisca gekonnt in ein flüchtiges Funkeln ihrer Augen, gepaart mit eben diesem gedachten Fluch, mit dem sie allein den Stiefsohn bedachte, wohlwissend, dass dieser wohl kaum wärmere Gedanken für seine Stiefmutter übrig haben würde.

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    Original von Faustus Aurelius Tigellinus
    "Dies zu Erledigen ist auch eher Männersache. Ich könnte Dir da gerne behilflich sein."
    ...
    "Wofür dann, liebe Nichte? Für die Verschläge zur Besetzung der Hofämter?"


    Nachdem Prisca mit ihrem Latein fast am Ende war, warum sollte also nicht ihr Onkel sein Glück bei dieser renitenten Sklavin versuchen? Mehr als scheitern könnte auch er nicht. Prisca brauchte nicht lange zu überlegen, um zustimmend zu nicken:


    "Sehr gerne, Faustus. Tu, was immer Du für nötig und richtig hältst, um diese parthische Wildkatze zu zähmen. ...Wobei ..."


    Wobei zähmen nicht heißen sollte, dass am Ende nur ein Häuflein Elend zurück bleiben sollte, zumal Prisca ja gerne Azita´s spezielle Fähigkeiten für sich nutzen wollte. Deshalb beugte Prisca sich etwas zu Tigellinus, um ihre Wunschvorstellungen etwas genauer zu erläutern:


    "Ich würde allerdings ungern ihren Willen komplett brechen. Diese Partherin verfügt über einige interessante Fähigkeiten und Kenntnisse. Sie ist eine wahre Kämpferin und verfügt über eine fundierte Kenntnis der Kräuter, wenn du verstehst was ich meine."


    Die Betonung der Kräuter bezog Prisca weniger auf heilende- denn auf gegenteilig wirkende Mittelchen ohne zu wissen ob ihr Onkel ihren Gedankengängen folgen konnte. Vielleicht musste sie bezüglich ihrer Pläne etwas konkreter werden, genauso wie ihr Onkel seine Andeutungen von vorhin weiter ausführen müsste. Apropos Hofämter! Genau das richtige Stichwort um meine Neugier zu stillen, was er damit gemeint hatte! Entsprechend verschmitzt grinsend lehnte sich Prisca zurück, eine Traube verspeisend und Tigellinus dabei neugierig anblickend:


    "Ich dachte für die Besetzung der Hofämter hätte ich bereits den besten Spion an meiner Seite, ... Dich! ..Oder hatte ich Deine Andeutung vorhin falsch verstanden als du mich beiläufig gefragt hattest, ob ich schon einmal die Idee hatte, selbst am Hofe ...?"


    Ja, was genau? Mein Onkel hatte ja nicht weiter gesprochen. Hatte er gemeint: ... zu dienen, oder bestimmte Aufgaben zu übernehmen? Vielleciht würde Tigellinus es ihr ja jetzt verraten.

    Es ärgerte Prisca jedes Mal, wenn sie unnötige Gedanken an dieses parthische Miststück verschwenden musste. Andererseits kannte sie mittlerweile einige von Azita´s speziellen "Qualitäten", sodass sie sich bislang nicht dazu durchringen konnte die Sklavin wieder zu verkaufen. Zumal sie ernsthaft darüber nachdachte die Sklavin für ganz bestimmte Dienste "abzurichten". Dienste, die nichts mit Haare kämmen und Trauben reichen zu tun hatten sondern Dienste, mit denen Prisca eher konspirative Ziele verfolgte.


    Dumm nur, dass Azita - nach wie vor - störrisch, überheblich und unberechenbar war, sodass Prisca ihr keine derartigen Aufgaben übertragen mochte. Vielleicht könnte mein Onkel mir dabei helfen, denn wie es scheint gehorcht seine Sklavin ihm auf´s Wort obgleich sie etwas vorlaut und eigenwillig zu sein scheint, wie Prisca mit einem flüchtigen Blick auf die Zwergin feststellte als diese sich - auf sein Schnipsen hin - prompt vor ihm auf die Knie fallen ließ. Da kam das Angebot und die Bemerkung ihres Onkels wie gerufen!


    "Ja, ein engere Führung! Wie recht du damit hast, Faustus! ... Nur das ist leicht gesagt. Meine parthische Sklavin Azita bringt mich manchmal zur Weißglut mit ihrer Art und sie scheint mich nicht ganz ernst zu nehmen."


    Prisca hatte zwischenzeitlich in einem Korbsessel Platz genommen, der direkt neben der Kline stand auf der ihr Onkel lag. Gleich daneben kniete nun die Zwergin und beeindruckte mit ihrem Gehorsam.


    "Deine Sklavin scheint wirklich gut erzogen und folgsam zu sein. Ich wünschte Du könntest dafür sorgen, dass meine Sklavin ebenso gehorsam ist und sie sich nicht ständig davon schleicht, so wie eben", äußerte Prisca schließlich eine Bitte, die ihr ganz spontan in den Sinn gekommen war. Lustigerweise war es ausgerechnet die harmlose Frage nach der Zubereitung des Huhns und den Spionen gewesen, die gelichzeitig ein hintergründiges Lächeln auf ihre Lippen zauberte als sie noch grinsend hinzu fügte:


    "Dafür brauche ich nun wirklich keine Spione, lieber Faustus, .... dafür nicht!"

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    Original von Manius Flavius Gracchus
    ... Ohnehin lag neben ihm auf der Kline seine Gemahlin Prisca. Dass sie an dieser Cena teilnahm, dies mochte im Hause der Flavier ein wenig unkonventionell anmuten, doch Gracchus ästimierte ihren Rat und ihre Einschätzungen überaus - insbesondere auch in gesellschaftspolitischen Angelegenheiten, pflegte sie doch ein weitreichendes Netzwerk und war über Ehefrauen, Töchter, Cousinen, Nichten oder sonstige Anverwandte bestens darüber informiert, was Roms mächtige - und weniger mächtige - Männer bewegte und in deren Kreisen vor sich ging - weit mehr als der Flavier selbst es je gewesen war oder sein würde. Welchen Einfluss sie zudem über dieses Netzwerk auf die Geschicke Roms nahm, darüber mochte Gracchus - wie der Rest der Welt - nur spekulieren. ...
    "Und meine Gemahlin Aurelia Prisca wird mit ihrem weitrei'henden Kenntnisstand über die Gesellschaft Roms uns behilflich sein können, etwa dabei jene Senatoren ausfindig zu machen, deren Unterstützung wir uns gewiss sein können, deren Unterstützung wir ein wenig nachhelfen oder gegen deren Sympathie für das Christianer-Pack wir uns wappnen müssen." ... [/simoff]


    Der Wunsch ihres werten Gemahls - an dieser konspirativ anmutenden cena zu partizipieren - war für Prisca eine willkommene Abwechslung vom Alltagsleben einer "Matrone", so verantwortungsvoll und komplex die Führung des flavischen Haushalts auch sein mochte. . Das lebende Mobiliar kontrollieren, ... mich um die Kinder kümmern, ... den ganzen Haushalt "schmeißen" Das alles verschlang ziemlich viel Zeit und diese Zeit fehlte mitunter, um sich anderen wichtigen Dingen zu widmen. Dem Besuch der Thermen zum Beispiel, oder die Teilnahme an der einen oder anderen Damenrunde. Gerade diese Besuche waren aber wichtig, um über das Geschehen in Rom auf dem Laufenden zu bleiben.


    So gesehen war es Prisca fast ein wenig unangenehm, dass ihr Ehemann - ausgerechnet in dieser illustren Runde - ihre "Qualitäten" derart hoch lobte. Zumal das Thema sehr ernst und wichtig war, galt es doch eine Lösung zu finden, um dieses ungläubige Christenpack endlich und für immer auszurotten.


    In Bezug auf die Christen teilte Prisca wirklich voll und ganz die Ansichten ihres Gemahls, dem sie sich nun mit einem Lächeln zuwandte, ihre Hand dabei nach der seinen ausstreckend um sie kurz zu drücken, zum Zeichen ihrer tiefen Verbundenheit:


    "Deine Worte ehren mich zutiefst, Liebster. Sei versichert, dass ich stets an Deiner Seite sein werde und ich alles in meiner Macht stehende tun werde, um Dich zu unterstützen. Das schwöre ich auf Jupiters Stein"


    Diesen Schwur gab Prisca nicht leichtfertig aber gerne und so, dass jeder Anwesende sehen und hören konnte wie sehr sie ihren Mann liebte und schätzte. Mehr sagte sie vorerst nicht, sondern lehnte sich erst einmal entspannt zurück um den Ausführungen der Männer weiter aufmerksam zu lauschen. Gleichzeitig grübelte Prisca insgeheim darüber nach, wie sie am besten die versprochene Unterstützung leisten könnte.: Man müsste dieses Pack doch irgendwie infiltrieren können. ... Nur wie? ...

    Ihr Onkel war augenscheinlich ein lustiger Zeitgenosse. Prisca schmunzelte zunächst amüsiert über die Bemerkung zu "alt und jung", blickte dann aber etwas verwundert drein angesichts der Bedeutung von "nett". Aha, nett ist also sozusagen gleich Sch***?:


    "Dieses "nette" Sprichwort aus unserer Heimat Syria kannte ich ja gar nicht." Seltsam, … ER hat mich doch gefragt, ob mein Mann nett sei ... na egal.


    kommentierte Prisca das Gesagte beiläufig, ohne deswegen beleidigt oder gar eingeschnappt zu sein. Vielmehr dachte sie über die Worte und Optionen nach, die ihr Onkel nacheinander in den Raum warf.


    "Das wären in der Tat einige interessante Überlegungen, die wir gerne vertiefen können. Am besten bei der cena. Deine Nase täuscht Dich im übrigen nicht. Gebratenes Huhn und noch viele andere Köstlichkeiten warten auf Dich um deine Ankunft zu feiern. … Die Sklaven bereiten gerade das triclinium vor. Ich schlage vor, du legst Dich solange hier im tablinum auf eine Kline und entspannst Dich ein wenig. Die Reise war sicher sehr anstrengend?"


    … und mit einem flüchtigen missbilligendem Blick auf die kleine Sklavin (die meinte sie hätte Hunger) schlug Prisca weiter vor:


    "Deine Sklavin kann ja bei der Zubereitung und dem Auftischen der Speisen helfen, sofern Du damit einverstanden bist? Dabei fällt bestimmt genügend für dieses kleine Ding ab damit sie uns hier nicht auf der Stelle "verhungert". … Azita kann ihr ja zeigen, wo die Küche ist. … Azita, wo bist!? … Oh, wie es scheint hat sich meine Leibsklavin bereits auf den Weg gemacht." Dieses parthische Miststück! Ständig verschwindet sie, ohne mich um Erlaubnis zu fragen. Glaubt anscheinend wirklich sie sei eine Prinzessin. Pah! Diese Allüren werde ich ihr schon noch austreiben. Gekonnt verbarg Prisca den Unmut über die Abstinenz ihrer Leibsklavin hinter einem strahlenden Lächeln, welches sie nun ihrem Onkel schenkte.


    Lediglich das Wort "verhungern" betonte Prisca schnippisch mit Blick auf die Zwergin, denn die Bedürfnisse der Sklaven standen in der Prioritätenliste selbstredend ganz am Ende der Nahrungskette. Allerdings stand es ihr nicht zu die Sklavin ihres Onkels zu maßregeln, wohingegen sich ihre Leibsklavin warm anziehen durfte ... aber das werde ich später vertiefen.

    Ein Hauch von Überraschung zauberte sich sogleich auf Prisca´s Antlitz, als der Onkel sich nicht nur als weitgereister Scherzbold, sondern mehr noch als "alter" Freund des Kaisers entpuppte.


    "Du und der Kaiser? … Dann kennt ihr Euch wohl schon sehr lange. Aus eurer Jungend gar? Womit ich natürlich in keinster Weise ausdrücken will, dass du alt wärst, mein lieber … Faustus" Prisca war ehrlich beeindruckt. Viele, die bereits etliche Jahre in Rom lebten, konnten nicht von sich behaupten so eng mit dem Kaiser zu sein, wie es augenscheinlich ihr verschwägerter Onkel war.


    Auf das Gebrabbel der Zwergin achtete Prisca indes nicht weiter. Lediglich ein flüchtiges Schmunzeln umspielte ihre Lippen, angesichts der scherzhaft gemeinten Bemerkung ihres Onkels über die unnütz erscheinende Aufgabe jener winzigen Person, der er so hilfsbereit die Hand reichte.


    "Mein Mann … ja, er ist sehr nett …" und mächtig?"Ja, er ist Pontifex, das Oberhaupot der gens Flavia und er verfügt über sehr viel Erfahrung und Einfluss in der Politik, so wie die Flavier im allgemeinen", gab Prisca zunächst selbstbewusst zurück, ehe sie gar leicht erröten musste angesichts der etwas mehrdeutig auslegbaren nächsten Frage: Ausdauernd? Wie meint er denn das jetzt?"Ehm, nun ja …er …wir …haben zwei Kinderl, sie heißen Prisca et Quintus … ", letztendlich überwog aber der Stolz auf ihre beiden Kinder der spontanen Unsicherheit, sodass Prisca sogleich wieder gefasst wirkte: "Berühmt und reich? ..Nun, ich denke beides trifft auf die gens Flavia zu, womit der Bund für uns Aurelier wohl nur Vorteile bietet, nicht wahr?."


    Mit diesen Worten setzte sich Prisca wieder in Bewegung, um weiter in das tablinum zu schreiten. Dort könnten sie wohl am besten über alles Weitere plaudern denn für die cena war es noch ein wenig zu früh.


    "Was gedenkst Du denn als nächstes zu tun, Faustus? … Ich hoffe Du wirst ein wenig Zeit für mich erübrigen können, um mich und meine Kinder in der villa Flavia zu besuchen? … Ich würde mich sehr freuen", lud Prisca ihren Onkel bereitwillig auf einen Besuch in der villa Flavia ein, wohin ihn - früher oder später - ohnehin sein Weg führen würde.

    Endlich, … endlich schlafen die Beiden!, seufzte Prisca erleichtert und erschöpft auf, nachdem ihre beiden Kinder endlich eingeschlafen waren. So süß wie die Zwei auch waren, so anstrengend konnten sie sein und das obwohl die Sklavinnen die meiste Arbeit mit ihnen hatten. Wobei Prisca die Dienerinnen selbstverständlich mit Argusaugen überwachte und … wehe! … wenn Klein Prisca oder Klein Qiuntus auch nur einen Unmuts-Muckser kund taten. Jede noch so kleine Verfehlung wurde hart bestraft und so herrschte unter der Dienerschaft regelmäßig Panikstimmung, wenn die Herrin des Hauses wieder mal nach einer neuen Kinderbetreuerin schrie. Erst vor ein paar Tagen hatte so ein dummes Ding das Badewasser zu kalt temperiert, worauf Klein Quintus prompt zu weinen begann als er in das Becken gesetzt wurde. Was daraufhin im balneum genau geschah soll an dieser Stelle nicht weiter ausgeführt werden. Nur soviel sei erwähnt, dass es der "verursachenden" Sklavin langsam wieder besser ging, nachdem sie fast ertrunken wäre.


    Prisca´s Laune hatte sich seit diesem Vorfall hingegen nicht mehr gebessert. Zumindest nicht merklich oder gar dauerhaft, wobei "die Launen" der Aurelia üblicher Weise ziemlich schwankten. Mal himmelhoch jauchzend und dann wieder tief betrübt und das von einer Sekunde auf die andere. Das kannte man von der Aurelia ja. Allerdings wurde unter den Sklaven getuschelt, dass es zunehmend "schlimmer" mit ihr wurde seit ihre Kinder auf der Welt waren.


    In der Tat beschäftigte Prisca dieses an sich belanglose Ereignis noch immer, da die Angst um ihre Kinder allgegenwärtig war. Fast schon eine Manie, doch niemals hätte Prisca zugegeben, dass sie da ein wenig über reagiert hatte. Ich? …. Niemals! … Wer so was behauptet, den lasse ich auf der Stelle kreuzigen. Jawohl … Wozu bin ich denn noch auf der Welt, wenn nicht für meine Kinder? ..:Meine Kinder! Und ich? … Wo ist nur mein ganzes Leben hin? …


    Gedankenverloren und mit finsterer Miene schlenderte Prisca durch den Garten, für dessen Schönheit sie heute kein Auge hatte. So sehr war sie mit sich beschäftigt und jener berüchtigten Frage nach dem "Sinn", dass sie Domitilla beinahe übersehen hätte, von deren Ankunft sie natürlich längst in Kenntnis gesetzt worden war. Erst auf der Höhe der Bank schreckte Prisca aus ihren Gedanken auf. Ihr Blick fiel auf Domitilla und sofort wich die finstere Miene einem freundlich offenen Lächeln, mit dem sie zur Begrüßung ansetzte und ihre Unachtsamkeit entschudligte:


    "Oh ... Salve Domitilla. Verzeih bitte, ich war gerade ganz in Gedanken ... Wie schön Dich zu sehen. Wie geht es Dir und wie war deine Reise? ... Du meine Güte, wie lange ist es eigentlich her seit wir uns das letze Mal geehen haben?"


    Gefühlt eine Ewigkeit! War es nicht auf der Wahlsiegfeier des Caius Flavius Scato?". Schon wieder eine Erinnerung an längst vergangene Tage, doch im Augenblick betrübte diese nicht Prisca´s Gemüt, da die Anwesenheit Domitilla´s für angenehme Abwechslung sorgte.

    Zitat

    Original von Faustus Aurelius Tigellinus
    "Warum ich hier bin? Das ist einfach, alter Freund ..." ...
    "bat mich, ihm bei ein paar Dingen zu helfen. Als ich so alt war wie Du ..."
    ...
    "... folgte man einem olchen Ruf natürlich gern. Und gern werde ich auch erzählen. Falls es denn wirklich interessiert und nicht nur dem Pflichbewusstsein geschuldet ist, alten Onkeln zu lauschen egal was sie sagen. Wie ist die Lage in der Familie?"


    Zitat

    Original von Cressida
    ... Und so kam es wie es kommen musste und Cressida stieß gegen ihren Dominus. Diese Berührung beförderte die Sklavin augenblicklich auf ihr Hinterteil. Als ihr Blick kurzzeitig mit einem funkeln ihren Dominus traf. Nur einen Wimpernschlag lang. So dass er das funkeln ihres Blickes unmöglich bemerkt haben konnte. ...


    Seit Prisca bei den Flaviern wohnte fühlte es sich jedes Mal etwas seltsam an das Haus der eigenen Familie zu betreten. Wie eine kleine Zeitreise, zurück in die eigene Vergangenheit die voller Erinnerungen war. Schöne- und weniger schöne Erinnerungen, die jedoch als Teil von Prisca für immer in ihren Gedanken verankert waren.


    "Ein alter Freund also? ... Wie ist sein Name? Vielleicht Kenne ich ihn ja zufällig.", hakte Prisca kurz und beiläufig nach, um gegebenenfalls in weiteren Erinnerungen schwelgen zu können.


    "Die Lage der Familie ist im übrigen sehr gut. Allerdings muss ich gestehen, dass ich leider nicht mehr ganz so oft hier bin, seit ich mit Flavius Gracchus verheiratet bin. ... Wusstet Du überhaupt von meiner Heirat?"


    Währenddessen betrat Prisca gemächlichen Schrittes die villa Aurelia, wohl in dem Bewusstsein (aber nicht darauf spekulierend), dass die Augen ihres nachfolgenden Onkels womöglich auf ihrer sanft wiegenden Rückansicht ruhten. War dies gar der Auslöser? Eine Art Kettenreaktion die dazu führte, dass Prisca - voller Ehrfurcht für die heiligen Hallen - unbewusst den Schritt verlangsamte, sodass der Onkel (dessen Augen vermutlich ganz woanders waren) schon etwas abrupter abbremsen musste, worauf schließlich dieses ungeschickte Ding anscheinend zu spät reagierte und folglich auf ihrem winzigen Hintern landete.


    Auf das platschende Geräusch hin wandte sich Prisca um, eine Augenbraue fragend erhoben und zurrest auf die am Boden sitzende Zwergin und anschließend auf ihren Onkeln blickend, ohne jedoch die Missgeschicklichkeit zu kommentieren.

    Allem Anschein hatte ihr Onkel seine Nichte nicht erkannt, oder zumindest hatte er nicht damit gerechnet sie ausgerechnet in einer flavischen Sänfte anzutreffen. Woher sollte er auch von den ehelichen Bänden zu den Flaviern wissen, wenn nicht von der übrigen schwindeligen Verwandtschaft aus Syria. Zu eben jener bestand im übrigen mehr schlechter als rechter Kontakt. Schade eigentlich, schließlich lagen dort die Wurzeln der gens Aurelia - genauer gesagt in Antiochia am Orontes. Na vielleicht hat mein Onkel ja ein paar Neuigkeiten aus der Heimat, sofern er zufällig in der Gegend war. … Oh …anscheinend möchte er nicht, dass ich ihn so nenne., schmunzelte Prisca gedanklich, während ihr Onk …pardon … während ihr ehrwürdiger Verwand … nein, halt so darf ich ihn ja auch nicht anreden …ja wie nun? … während:


    "Faustus? … sie mit Küsschen begrüßte: "So darf ich dich aber hoffentlich anreden? Oder wie hättest du es denn gerne, mein Lieber?, fragte Prisca mit einem kecken und gleichzeitig neckenden Tonfall, der keineswegs eingeschnappt sondern vielmehr scherzend und sehr vertraut klang und das, obwohl sie einander gefühlt seit einer Ewigkeit nicht mehr gesehen hatten. So viele Jahre, in denen so vieles passiert war - gutes wie schlechtes - und noch viel schlimmer … wir sind alle so viel älter … Eine grausame Erkenntnis, doch erträglicher zu ertragen angesichts der Tatsache, dass ihr Onkel noch ein paar Jahre mehr auf dem Buckel hatte.


    "Ach, … wenn es um Geschichten von früher geht, so bin ich sehr leidensfähig, selbst du sie stets mit eben jener Phrase beginnst, mein lieber Onk … Verzeihung. … Ich freue mich ebenfalls, Dich nach so langer Zeit endlich wieder zu sehen."


    Mit einem strahlenden Lächeln stand Prisca ihrem Onkel gegenüber und blickte erwartungsvoll zu ihm auf.


    "Was führt Dich nach Rom? … Und warum hat es so lange gedauert, bis Du uns endlich besuchst? … Du musst mir unbedingt von deinen Reisen berichten und wo Du überall warst. …. Aber lass uns doch hinein gehen"


    Mit einer einladenden Geste wies Prisca auf die porta und gleichzeitig hing sie regelrecht an seinen Lippen. Es dürstete sie wirklich danach zu erfahren, welche Abenteuer ihr Onkel aus der weiten Welt zu berichten wusste. Insbesondere deshalb, weil ihr eigenes Leben auf eine relativ überschaubare und gleichsam eintönige Welt zusammen geschrumpft war, seit sie als Matrone und Mutter von zwei Kindern ihr Dasein in Rom frönte. Ein Dasein, das ziemlich depressive Auswirkungen hatte angesichts der Tatsache, dass die eigene Existenz sich unausweichlich dem Ende zu neigte.

    [Blockierte Grafik: http://www.niome.de/netstuff/IR/nsc/Acanthus.pngAcanthus


    Wie unzählige Male zuvor öffnete auch dieses Mal wieder Acanthus die porta. Missmutig drein blickend wie immer, aber angesichts der Kenntnis der Identität, sowohl des Anklopfenden als auch der seiner Herrin, eben nicht seinen Standardsatz ("Wer bist du, was willst du") aufsagend, sondern stattdessen:


    "Salve! ... Und willkommen Daheim. ... Das Zimmer deiner domina steht wie immer bereit. Sofern deine Herrin einen Wunsch hat, lass es einfach den maior domus wissen."


    Mit einer knappen Verbeugung gab Acanthus auch sogleich den Weg in das Innere der villa Flavia frei. Sowohl der Hausherr als auch seine Angetraute waren sicher nicht weit, sofern der Flavia der Sinn nach einer sofortigen Unterredung stünde. Ansonsten bot die villa Flavia selbstredend jede auch nur erdenkliche Form des weltlichen Zeitvertreibs, egal wonach einem der Sinn auch stehen mochte ...

    Zitat

    Original von Faustus Aurelius Tigellinus


    "Entschuldigt den Stau hier, werte Flavia. Darf ich euch die Zeit vertreiben während die beiden die Türe einschlagen und den Ianitor fressen?"


    Dem Treiben an der porta schenkte Prisca keinerlei Beachtung. Vielmehr lag sie gedankenverloren in ihrer Sänfte, versunken in Erinnerungen und bemüht, sich die Erzählungen ihrer Mutter ins Gedächtnis zu rufen. Denn außer dem Namen ihres Onkels sowie dem Wissen um die verwandtschaftlichen Beziehungen hatte Prisca so gut wie keine Erinnerungen mehr an Faustus Aurelius Tingellinus. Dumpf nur hatte sie das Bild jenes verschwägerten Onkels vor sich, der viel herum gereist sein musste und entsprechend viel zu erzählen hatte. MIt ein Grund, weshalb sich Prisca sehr auf das Wiedersehen freute denn sie liebte es Geschichten aus aller Welt zu hören.


    Vorerst hörte sie aber nur eine Stimme, die direkt neben ihrere Sänfte ertönte. Mit einer Handbewegung streifte Prisca den Vorhang zur Seite und ihr Blick fiel jenen Fremden, der zweifelsohne ihr Onkel sein musste. Wer sonst sollte es sein. So ein Zufall, dass wir gleichzeitig hier ankommen Sofort umspielte ein Lächeln ihre Lippen während ihre Augen noch musternd auf ihrem vermeintlichen Onkel weilten.


    "Natürlich darfst Du mir die Zeit vertreiben. Ich bitte sogar darum, ... schließlich erhoffe ich mir viele spannende Geschichten von Dir, Onkel Faustus. .... Du bist doch Faustus Aurelius Tingellinus? Oder wurde ich gar falsch darüber informiert, dass mein ehrwürdiger Onkel heute ankommen sollte?"


    Nur um sicher zu gehen, stellte Prisca diese Frage, wobei sie eigentlich keine Zweifel hatte. Wer würde es schon wagen unter dem aurelischen Wappen zu reisen, wenn nicht die liebe Verwandtschaft ... und so langsam kamen ihr die Gesichtszüge wieder vertraut vor ... Du meine Güte. WIe schnell die Zeit doch vergeht ...

    War es Zufall oder Fügung, dass ausgerechnet zur selben Zeit eine weitere Sänfte vor den Mauern der villa Aurelia "einschwebte". Eine Sänfte mit den Insignien der ehrwürdigen gens Flavia, in die Prisca vor langer Zeit eingeheiratet worden war und demzufolge sie nicht mehr in der villa Aurelia zu wohnen pflegte.


    Nichtsdestotrotz war die Ankunft des verschwägerten Verwandten den eifrigen Sklaven nicht verborgen geblieben, weshalb die Kunde schnell die Runde zwischen den beiden patrizischen Häusern machte und somit schließlich auch die Ohren von Prisca erreichte, die sich selbstverständlich sofort auf den Weg machte, um den lieben Onkel höchstpersönlich zu begrüßen.


    Und so kam es, dass die flavische Sänfte kurze Zeit später (und wenige Meter) neben der aurelischen Sänfte abgestellt wurde und eine Sklavin vorgeschickt wurde, um an der porta anzuklopfen. Vielleicht war der Gast aus fernen Landen ja bereits innerhalb der heimischen Mauern, vielleicht auch nicht. Wie auch immer, ... alles war Zufall oder Fügung ...

    Zitat

    Original von Manius Flavius Gracchus
    "Doch sage mir, teuerste Gemahlin, nach was steht dir der Sinn zurück in Rom?"


    Tage, Wochen, gar Monate mochten vergangen sein, seit ihr liebster Gemahl diese Frage gestellt hatte: … Wonach steht mir der Sinn? … und noch immer hallte diese durch Prisca´s Kopf, brannte sich regelrecht in ihren Geist und bestimmte seitdem fast jede Minute ihres Seins. Wonach stand ihr der Sinn? Hatte sie nicht längst alles gesehen, ausprobiert und erreicht? Selbst ihr sehnlichster Wunsch war letztendlich in Erfüllung gegangen und lag nun in Form von zwei gesunden Kindern vor ihr: Gesund und wohlgenährt, friedlich schlummernd und unlängst der Brust entwöhnt, wodurch gefühlt für Prisca die letzte - ihr obliegende - Aufgabe erfüllt war und sich damit die "Sinnfrage" stellte: Wonach steht mir der Sinn? … "


    Die Antwort war einfach und gleichsam sinnlos, da das Streben nach einem erfüllten Leben stets nur Ernüchterung bringen konnte angesichts der Unfähigkeit jemals mit dem bereits Erreichten zufrieden zu sein.


    Längst reichte der Anblick ihrer beiden geliebten Kinder nicht mehr aus, um in Prisca jenes Glücksgefühl der absoluten Zufriedenheit hervorzurufen. Das konnte doch längst nicht ALLES sein, worauf sie ihr ganzes Leben lang gehofft hatte - oder doch? Noch war ihr Leben doch längst nicht zu Ende, zumindest so lange nicht, wie die Dicke ihrer Schminke nicht sämtlichen Tränen trotzen würde, die Prisca still und heimlich vergoss. Noch war die Zeit nicht gekommen um mit dem Erreichten zufrieden zu sein und demzufolge galt es weiter nach dem zu suchen, wonach der Sinn ihr stand …

    Mit einem wohlig klingenden Seufzer nahm Prisca den Kuss und die Willkommensgrüße ihres Mannes entgegen. Willkommen zuhause …, ja so fühlte es sich an. Ein sehr schönes Gefühl auch zu wissen, dass sie und die Kinder ihrem Mann sehr viel bedeuteten und diese Freude strahlte förmlich in Prisca´s Augen, mit denen sie ihren Gatten verliebt ansah. Gracchus hatte sich sehr verändert und spontan musste sie daran denken, wie kühl unnahbar und steif der Flavier beim ersten Treffen auf sie gewirkt hatte. Wann war das doch gleich? War das nicht, als mich mein Onkel mit Caius verheiraten wollte? Gefühlt lag dieser Tag eine Ewigkeit zurück und damals hätte Prisca wohl nicht im Traum daran gedacht, dass sie eines Tages einmal an Gracchus´ Seite sein würde.


    Sein Heiratsantrag war jedenfalls völlig überraschend für Prisca gekommen, doch heute freute sie sich umso mehr darüber. Mochte er zu dem Zeitpunkt noch aus anderen Überlegungen heraus die Ehe mit gesucht haben, so glaubte Prisca doch zu spüren, dass der unerwartete Kindersegen ihn sehr glücklich machte. So glücklich wie mich … Und dieses Glück würde hoffentlich noch lange dauern, auf das sie noch viele Tage wie diesen erleben durften … wenn Gracchus heim kam und wieder einmal von den drögen Senatssitzungen erzählte, so wie gerade.


    Du meine Güte. Bei solchen Themen würde ich glatt einschlafen, dachte Prisca amüsiert während sie den Worten ihres Gatten lauschte und gleichzeitig war sie aber froh, dass es "nur" solche langweiligen Alltagsthemen waren und keine Hiobsbotschaften über Kriege oder Krankheiten.


    "Oh, du Armer. Das hört sich wirklich nach einer sehr, seeeehr drögen Sitzung an.", stellte Prisca mit ehrlich bedauernder Miene fest. Sollte sie sich und ihrem Mann tatsächlich den Fortschrittsbericht der Abwasserkanäle antun, oder ihm lieber erzählen wie langweilig die Fahrt hierher gewesen ist? Monotones Geschaukel im Reisewagen, belgeitet vom steten Geklapper der Pferdehufe. … Wenn einem davon nicht irgendwann schlecht wurde, dann schläferte es einen in jedem Fall nach kurzer Zeit ein.


    Die Entscheidung nahm ihr zum Glück Quintus ab, der in diesem Augenblick zu blinzeln begann und einige Unmutslaute von sich gab: "Hmm, ich schätze mal Quintus will keine der beiden Geschichten hören", zwinkerte Prisca kichernd ihrem Mann zu und sogleich nahm sie Quintus in den Arm, um ihn kurz sanft zu wiegen, ehe sie ihn mit folgenden Worten ihrem Mann hin hielt: "Hier … Dein Sohn möchte seinem Vater gerne guten Tag sagen …" Und wie auf ein Stichwort hin, gluckste Quintus fröhlich los und fuchtelte dabei mit den Ärmchen wild in der Luft herum … Klein Prisca hingegen rührte sich (noch) nicht, sondern schnarchte - nach wie vor - leise und friedlich vor sich hin.