Hektor kam mit Ikarus ein wenig später ihr hinterher. Tilla sah nicht auf, um die Köpfe der Erwachsenen im Wasser nicht zu verlieren. Endlich sprach Hektor mit ihr und daher sah sie auch zu ihm auf. Ja.. ein Hai... Tilla nahm die Muschel wieder zwischen die Finger und bewegte die Hand einem Hai gleich über sowie unter fiktivem Wasser. Einfach um es ihm noch einmal zu verdeutlichen. Mit einem stummen Nicken nahm sie die Leine von Ikarus zu sich, verfolgte Hektor, wie er tiefer ins Wasser ging. Hektor hatte es wohl jetzt auch gesehen! Sie selbst traute sich in diesen Momenten noch nicht hinein ins kalte Naß. Dazu war die Sorge um Prisca zu groß. Tillas Nacken kribbelte immer noch. Tilla wandte sich ab, erfasste Lunas Mähne und zog sich mit Schwung und nassen Füßen auf den Rücken der Stute hinauf.
Danach warf sie die Muschel in Hektors Richtung, wo dieser am Rücken getroffen wurde. Ich kann das nicht untätig mitansehen. gestikulierte sie kopfschüttelnd, liess Ikarus Leine ins Wasser fallen und stiess ihre Fersen in Lunas Flanken. Luna trabte los und verfiel schließlich in einen Galopp. Der Leibwächer der Flavier der Tilla zurückgewiesen hatte, stellte sich ihr in den Weg. Tilla hielt unverdrossen auf ihn zu, sodass der Mann sich mit einem Spung in Sicherheit bringen musste. Tilla hörte seine wütenden Rufe nicht, der Wind war laut. Ihr erster Galopp am Strand!! Tief duckte Tilla sich hinter der Mähne Lunas und hielt sich daran fest. Sie musste die Stute ins Wasser hineintreiben. Den Hai von den badenden Erwachsenen ablenken! Der flavische Wächter hingegen rief zwei seiner berittenen Kollegen hinzu, winkte ihnen Tilla nachzusetzen. Die Männer verloren Zeit, da sie die Pferde noch holen mussten.
Fluchend lief der umgerittene Wächer persönlich los. Tilla erreichte die Stelle, wo Prisca hineingelaufen war, trieb die Stute wie vorgehabt ins Wasser. Hielt Ausschau nach der schwarzen glänzenden Flosse.Du bekommst sie nicht!! Beide nicht!! dachte Tilla immer wieder. Ihre Füße trieben Luna an in Bewegung zu bleiben, den Hai zu sich zu locken. Leise keuchend wischte Tilla die Haare aus dem Gesicht, bemühte sich um einen Überblick. Die flavischen Sklaven kamen zu Fuß und Pferd immer näher.. viel Zeit blieb ihr nicht mehr, um ihren Beitrag zu liefern. Um mitzuhelfen, dass die Erwachsenen es heil aus dem Wasser herausschafften.
Wo bist du? Du kriegst sie nicht! Komm her... Da waren die Köpfe der beiden zu sehen. Tilla lenkte die aufschnaubende Luna ein bisschen in ihre Richtung, um dann wieder von ihnen wegzustreben. Die schwarze Flosse tauchte keine sieben Meter neben Prisca und Aquilius auf, wandte sich mit einem heftigen Flossenschlag ab. Komm her... forderte Tilla den cetus gedanklich auf. Verbissen versuchte sie Luna zu einer Umdrehung zu forcieren. Nur... die Stute hatte den sandigen Untergrund unter den Hufen wegen einer unerwarteten Kuhle im Sand verloren. Das kalte Wasser schwappte über Tillas Knie. Das kristallblaue Amulett des Mädchens funkelte immer wieder in der Sonne auf. Nimm mein Opfer. Woher kam der Gedanke? Er war einfach da. Hatten Aquilius und Prisca inzwischen den Strand erreicht? Du kriegst niemanden!