Beiträge von Gaius Pompeius Imperiosus

    Ich nahm Platz, wenn gleich es mir suspekt vorkam auf dieser Seite des Tisches zu sitzen. Den Wein jedoch ließ ich stehen, es würde heute noch einiges mehr zu tun geben und ich war nicht sicher ob Wein da eine Hilfe sein würde ...


    Seine Frage erschien mir wie üblich überflüssig, doch um der guten Manieren Willen antwortete ich ...


    "Sie war überrascht, würde man meinen. Immerhin wusste auch sie nichts über meinen Verbleib, geschweige denn ob ich je wiederkommen würde! Allerdings war sie auch mehr erfreut mich wiederzusehen, als andere."


    Wobei es nicht viel Freude brauchte um meinen Schwager auszustechen ... ich fürchtete gar der Gute könnte sich fast gar nicht gefreut haben mich erneut zu sehen ...

    Ich konnte seine Reaktion einerseits verstehen, andererseits war es auch eine Sache zwischen meiner Frau und mir, ich konnte mich nicht entsinnen je besonders viel mit ihm auf familiärer Ebene zu tun gehabt zu haben ...


    "Sie weiß es, ich habe erst kürzlich eure Casa besucht. Und ich habe sie aus einem einzigen Grund zurückgelassen, von dem ich dir hier allerdings nicht erzählen kann. Ich bin wie ich bereits sagte nur aus beruflichen Gründen hier!"


    Nicht das ich wirklich ein Interesse daran gehabt hätte es ihm zu erzählen, noch sicher war das er nicht Teil des Problems war oder dann vielleicht werden würde ... zumindest schien seine Reaktion nur wenig mit Wiedersehensfreude zu tun zu haben ...


    "Aber du hast Recht, mein Schwager sollte selbst hier eine andere Form der Begrüßung verdient haben ... entschuldige also meinen Pragmatismus, ich war seit längerem nicht mehr unter Römern ... geschweige denn zivilisierten Menschen ...."

    Meine Welt war auch weiterhin in ihrer Bahn, ich betrachtete schnöde Möbel, extravagante Dekorationen und überlegte ob ich selbst schoneinmal so etwas gekauft hatte, als ich noch in der Casa Pompeius gewohnt hatte, fragte mich ob meine Sklaven angesichts der Renovierung ebenfalls solche Dinge für mich kaufen würden. Ich überlegte was ich wohl noch kaufen sollte in den nächsten Tagen, was mir noch "fehlte" ... den angesichts der letzten Monate hatte ich nun von allem weit mehr als ich je brauchen könnte, zumindest solange bis ich mich wieder an den Lebenswandel eines Römers meiner Klasse gewöhnt hatte. Mein Blick schweifte, während sich die Welt und alles in ihr sich weiterhin um mich drehte und versuchte soviel von meiner Aufmerksamkeit zu erhaschen wie nur irgend möglich .... bis .. Sie auf einmal im Raum stand, es war als hätte jemand den Anker in voller Fahrt von Bord geworfen, ich musste sie anstarren und ich wusste das es nicht richtig war vor allem nachdem was ich ihr angetan hatte aber vermeiden konnte ich es genauso wenig ...


    Sie war noch immer unbeschreiblich schön, sicher hatte ich sie vermisst auf meiner Reise von Ort zu Ort und Dorf zu Dorf, doch wie sehr wurde mir erst jetzt in diesem Moment bewusst.
    Ihre weiche Haut, ihr Haar und jede nuance ihrer Mimik ... sie war wütend so viel stand fest, aber dennoch musste ich feststellen das mir selbst dieses zornige blitzen in ihren Augen gefehlt hatte. Doch zu meinem Glück war scheinbar nicht nur Zorn mit meinem Erscheinen verbunden, eine Träne rann ihre Wange hinab und ich schmunzelte als ich bemerkte wie sie dagegen ankämpfte, Axilla war immer schon mehr Krieger gewesen als ich und ich konnte gut verstehen das sie es mir nicht leicht machen wollte ... ich hatte es auch definitiv nicht anders verdient ...


    "Ich? ... Ich hoffe du kannst mir verzeien, ich hoffe ich kann es irgendwie wieder gut machen und ich hoffe das du mich nicht vor die Tür jagst, denn im Moment fällt es mir schon schwer auch nur für eine Sekunde den Anblick zu missen den ich zuletzt schon viel zu lange missen musste!"

    Als das Wort ertönte lies ich mir die dem Stande gebürenden 5 Sekunden Zeit, immerhin sollte es nicht so anmuten als hätte ich es so nötig das ich sofort hereinstürzte, öffnete die Tür und grüßte den Iunius mit freundlichem Lächeln ... wobei ich selbstredend hoffte das er sich nicht an mich errinnerte ...


    "Salve Procurator Iunius, ich bin Gaius Pompeius Imperiosus, ehemaliger Procurator a Memoria und Libellis. Ich bin hier da ich vor kurzem nach Rom zurückgekehrt bin und der Kanzlei nun erneut meine Dienste anbieten möchte!"

    Scheinbar war es schwer meine Frau davon zu überzeugen das ich tatsächlich zurückgekehrt war, oder aber sie war gerade auf der Suche nach einem besonders massiven Gegenstand der sich trotzdem noch mit zwei Händnen tragen und schwingen ließ ...


    Meine Gedanken suchten sich währenddessen neuen Stoff und ich begann zu rechnen, wie lange war ich fort gewesen wie lange hatte ich meine Söhne nicht mehr gesehen? Wieviel erwachsener waren sie geworden ohne das ich ihnen eine Hilfe gewesen war?
    Ich hatte keine Sorge das Axilla mit der Erziehung der beiden überfodert gewesen sein könnte vielmehr hatte ich Angst das ich auch jetzt noch nutzlos sein könnte ...

    Der Sklave hatte mich just allein gelassen um seine Herrin, meine Frau, zu unterrichten. Ich ließ meinen Blick schweifen und versuchte mich zu errinnern wann ich zuletzt hier gewesen war. Eigentlich war mir das egal, doch ich musste mich von dem einen Gedanken ablenken, der mir immer wieder durch den Kopf ging ... "Wenn du jetzt gehst, wird sie nie erfahren das du hier warst!" ... ein grundsolider Plan den mein Selbsterhaltungstrieb da parat hatte, doch aufgrund eben jener "soliden" Pläne war ich ja erst in dieses Problem hineingeschlidert. Also hatte ich vorerst beschlossen solcherlei Entscheidungen jemandem zu überlassen der bisher eher selten Gelegenheit gehabt hatte seiner Meinung Nachdruck zu verleihen, meinem Gewissen ...

    Ich nickte, ins Atrium also ... hoffentlich war es ihr gut ergangen hoffentlich war es den Jungs gut ergangen ... Ich ertappte mich bei dem Gedanken, oder vielmehr der Fantasie, Axillas Reaktion könnte rein Positiv ausfallen und schmunzelte kurz. Zu anderen Zeiten hätte man sowas wohl als Galgenhumor bezeichnet, doch ich vermutete vielmehr langsam einsetzenden Wahnsinn als den Grund für diese unkontrollierte Entgleisung meiner Gesichtsmuskulatur ...

    Zielstrebig durchquerte ich die langen Flure der Kanzlei bis ich schließlich vor meinem einstigen Officium zum stehen kam, lustig das ich nun einen meiner Nachfolger, wenn man so wollte, um eine Stelle anflehen musste ... wenn gleich ich natürlich nicht vor hatte zu flehen, immerhin war ich weit entfernt von existenziellen Bedürfnissen, ich wollte nur wieder in die Kanzlei um wieder Teil des staatlichen Machthaushaltes zu werden ...


    Also klopfte ich kurz und wartete auf eine Aufforderung einzutreten ...

    Kurz sammelte ich mich, immerhin war ich zwar hier um mich demütig zu geben aber bestimmt nicht vor einem Sklaven, der sich nichteinmal an mein Gesicht errinnern konnte ...


    "Mein Name ist Gaius Pompeius Imperiosus und ich bin hier um meine Frau Iunia Axilla zu sprechen .. sofern sie mich denn empfängt!?"

    Fast schon wäre ich aus alter Gewohnheit direkt an den Wächtern vorbeigeschritten, wenngleich diese das sicher nicht zugelassen hätten ...


    "Salve Milites! Ich bin Gaius Pompeius Imperiosus. Ehemaliger Procurator, ich möchte gern einen der amtierenden Procuratoren sprechen!"


    Ich vertraute stark darauf das man sich noch an mich errinnerte, andernfalls hatte ich wohl kaum eine Chance einfach so eingelassen zu werden ...

    Zögerlich klopfte ich an die Porta der Casa, ich wollte selbst die erste Ohrfeige kassieren ohne die Hausherrin zu zwingen vorerst an einem Sklaven vorbeischreiten zu müssen. Was ich sagen wollte hatte sich schon gute hundert Mal allein auf dem Weg von der Sänfte bis zur Porta geändert. Ich war nicht unschlüssig bezüglich der Reaktion, nur wieviel von der Wahrheit ich meiner Familie tatsächlich aufbürden sollte und in wiefern sich dieses "Problem" tatsächlich schon gelöst hatte ... womöglich bestand noch immer Gefahr obwohl mir Mahyar versichert hatte, das wir die letzte Quelle .. entsorgt hatten ...


    *KLOPF**KLOPF**KLOPF*

    Langsam strich ich über mein Kinn und versicherte mich zum wohl hundersten Mal der Qualität der soeben absolvierten Rasur, kaum zu glauben wie man solch simple Sachen vermissen konnte wenn man mal gezwungen war auf sie zu verzichten ...


    Der neue Vorsteher der Haussklaven war reichlich nervös, hatte er doch nie offiziell diese Position von mir übertragen bekommen, sondern war einfach nach dem Tot des alten Griechen in diese hineingerutscht. Allerdings standen die Haussklaven ganz unten auf meiner Liste, er würde also noch bleiben wo er war ... sofern er sich nicht allzu dämlich anstellte ...


    "Deine Betriebe wurden über deine Rückkehr informiert und eröffnen schon Morgen wieder ihre Verkaufsräume, außerdem entrichten dir die Verwalter ihre Glückwünsche zur sicheren Heimkehr und erwarten erneut gute Geschäfte!"


    Ich gab ihm mit einer lapidaren Handbewegung zu verstehen das ich verstanden hatte, selbstverständlich waren diese Speichellecker froh über meine Rückkehr, war doch mein Reichtum mit mir zurückgekehrt. Hätten sie das eine ohne das andere haben können hätten sie mich wahrscheinlich höchst selbst vor den Stadttoren abgestochen.


    "Außerdem habe ich all deine Klienten verständigen lassen, mein Herr. Auch sie bekunden ihre außerordentliche Freude über deine Rückkehr!"


    Meine Stirn legte sich in Falten und zum ersten mal seit der Mann das Zimmer betreten hatte blickte ich ihn direkt an, was ihn umgehend leicht zurückweichen ließ ...


    "Wieviele?"


    "Oh .. Alle Herr, sie alle waren sehr froh euch wohl und heiter zurück zu wissen!"


    Mein Blick wurde zornig ...


    "Wieviele haben ihren Patron gewechselt?"


    "Oh .. Äh . nun also eigentlich kaum jemand, eigentlich fällt mir nicheinmal einer ein, Herr ..."


    "Wieviele?"


    Sofort schrak der Junge zusammen und seinem Fiepsen nach wäre er wohl auch am liebsten getürmt, doch er blieb und presste ein kaum hörbares "Acht" hervor, scheinbar rechnete er fest damit gleich geschlagen zu werden ... und dennoch war er nicht davongerannt, vielleicht konnte ich doch etwas mit ihm anfangen.


    Die Situation meiner Klienten hingegen war übel, nicht das ich nach dem Fall Salinators nicht ohnehin damit gerechnet hatte, aber meine Abwesenheit hatte vielen Gelegenheit geboten ...


    "Gut, was noch?"


    Der Junge blickte langsam auf und setzte zögerlich seinen Bericht fort ...


    "Nun deine Frau ist in die Casa ihrer Gens zurückgekehrt, Herr. ... samt der Kinder!"


    Auch diese Nachricht schien seiner Meinung nach Prügel verdient zu haben, aber wenn ich darüber nachdachte war ich froh das sie dort waren, dort waren sie sicher ...


    "In Ordnung, du kannst gehen! Ich werde Morgen einige Besuche in Rom erledigen sorge dafür das meine Klienten informiert werden, sie werden mich begleiten!"


    "Ja, Herr!"

    Es dauerte auch nicht lang bis mir jemand öffnete, wie erwartet war es nicht Axilla, warum hätte sie auch selbst die Tür öffnen sollen, doch nach wenigen Blicken und Schritten in den sichtbar verwaisten Hallen meiner Casa, musste ich feststellen das nicht nur Axilla nicht hier war sondern auch sonst niemand. Was mir zwar außschließlich hoch erfreute Gesichter einbrachte, aber dafür eben keine Axilla ...


    Da ich aber wusste das ich für den Augenblick nichts daran ändern konnte, beschloß ich das beste daraus zu machen und mich vorerst wieder einmal in einen Römer verwandeln zu lassen immerhin hatte ich die vergangene Reise nicht aus Fernweh unternommen ...

    Ein letzter Schritt noch und die Porta meines lang vermissten Heims wäre in Reichweite, doch meine Füße rührten sich nicht. Ich errinnerte mich eines bunten Lebens und einer wundervollen Casa mit meiner Frau und meinen Kindern, doch die Realität zeichnete ein ganz anderes Bild. Axilla und ich hatten uns schon seit langem nicht mehr gesehen und meine Söhne würden wohl schon junge Männer sein, obwohl ich wohl kaum mehr dazu beigetragen hatte ausser den Namen meiner Gens und etwas Wohlstand ...


    Ich tat den letzten Schritt doch nun war es meine erhobene Hand, die kaum mehr als eine Hand breit vom Holz entfernt, verharrte. Vielleicht war ihnen mehr geholfen wenn ich nicht zurückkehren würde. Vielleicht hassten sie mich für all die Not die ich ihnen womöglich bereitet hatte ... das war wohl mehr als wahrscheinlich und vor allem anderen auch gerechtfertigt. Doch aus tiefstem Eigennutz und vor allem anderen aus der Hoffnung heraus das sich doch alles zum guten wenden würde klopfte ich, zunächst etwas zaghaft, doch mit merklich zunehmendem Eifer ...


    *KLOPF**KLOPF**KLOPF*

    Das es nun auch meine Klienten zu treffen schien lies mich vorerst kalt, ein verlorener Ordo war tragisch lies sich aber zu späterem Zeitpunkt stets zurückgewinnen, auch wenn das mitunter schwierig werden würde, nun da mein Wort nicht mehr die einzig nötige Vorraussetzung dafür war ...


    Ich beschloss meinem Klienten in dieser Hinsicht unter die Arme zu greifen, es wäre wohl das beste wenn ich vorerst wieder mit dem Sammeln von Verbündeten begann ...

    Ich sprang auf und begrüßte meinen mittlerweile langjährigsten Freund mit einem breiten Grinsen ...


    "Nun manchmal sind es die Sachen die man nicht getan hat die einem weiterhelfen ... beziehungsweise die Dinge die andere nicht tun wenn du nicht in der Nähe bist!"


    Ich bedeutete ihm Platz zu nehmen und bereitete gleichzeitig zwei Becher nicht zu sehr verdünnten Wein vor ...


    "Wie komme ich überhaupt zu der Ehre deines Besuchs Senator Duccius?"

    Der Postenwechsel kam in meinen Augen eher einer Beförderung gleich, immerhin war ich kein Unbekannter und mein Verhältnis zum Vescularius war auch hinreichend bekannt ... Ich hatte im wahrsten Sinne des Wortes Glück gehabt!


    Als der Kaiser zu mir herüber sah nickte ich zustimmend und entschlossen, weiter aufzusteigen würde kein Problem sein nun da ich gleich in mir bekannten Gefilden wieder würde Punkten können. Der Posten lag aber gleichsam auch weiter im Schatten des Palantin als der des a libellis ... weniger öffentliches Interesse würde mir vorerst sicher gut tun ...


    Die Beförderung des Iulius nahm ich ebenfalls wohlwollend zur Kenntnis ... war er nicht ebenfalls eine meiner Rekrutierungen? Sicher hatte ich das irgendwo aufgeschrieben ...

    So .. da war ich also wieder, das Imperium war von innen nach außen gekehrt worden Tausende waren gestorben, ganze Familien von der Bildfläche verschwunden ... schätzte ich zumindest ... und ich war von der rechten Hand des Ursupator's zur linken Hand des Befreiers geworden. Die Notarii trugen gerade noch die Kisten mit meinen Sachen von Officium zu Officium, als ich bereits die angesammelten Tabulae betrachtete ...


    Die Kanzlei hatte den Bürgerkrieg beinahe schadlos überstanden und nun da ich nach wie vor die Zügel in der Hand zu halten schien Stahl sich ein Lächeln auf mein Gesicht, ich hatte viel nachzuholen aber sicher würde ich schon in Kürze wieder Teil der oberen 1000 sein ...