Beiträge von Titus Duccius Vala

    Als sich noch ein Mann zu ihnen gesellte, nahm der Senator Vala die Möglichkeit sich selbst vorzustellen. Irgendwo war er es doch gewohnt, dass man ihn übersah, ob mehr oder minder absichtlich war ihm egal. Nun allerdings blieb ihm nichts anderes übrig, als dem Tiberier zum Gruße zu zu nicken. Gedanken machte er sich dabei keine, war das Ansammeln junger Männer wohl Standardprozedur im politischen Alltag eines Senators.


    Der Weinhändler, der als erster dran glauben durfte war so plump, dass Vala sich schon fast weigerte zu glauben, dieser habe wirklich etwas zu verbergen. Er selbst sah es quasi als Selbstverständlichkeit an, dass man sich die größte Mühe gab sein Schindluderwerk auch adäquat zu verbergen, wenn man es denn wirklich ernst meinte. Das Gestammel des Händlers ließ Vala innerlich den Kopf schütteln.

    Aulus Amatius Corvus
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    Corvus wähnte die Situation noch vollkommen unter Kontrolle, als sich um ihn herum mehrere Menschen sammelten und die Szenerie unter vollkommener Missachtung der Betroffenen kommentierten. Einige wenige schwirrten die Straße hinauf und hinab, um an den Kreuzungen nach Urbanern oder Vigiles zu suchen. Noch hatte sich kein Repräsentant der Staatsgewalt bemerkbar gemacht, und Corvus zählte innerlich die Sekunden, die er hier besorgt dreingucken musste, unfähig etwas mehr zu tun als hier rumzuhocken und darauf zu warten, dass ihm jemand hier die Frau abnahm.
    Sein Blick glitt sorgenvoll durch die Menschenmenge, jedem hier klarmachend, dass er von dem eben geschehenen trotz seiner sehr effektiven Liquidierung des Täters doch stark mitgenommen war. Als er die Frau, die ihm im Grunde genommen vollkommen egal war, und die seiner Meinung nach das eigentliche Ziel seines kleinen Spektakels hier hätte sein sollen, wieder besorgt musterte, um bloß nicht den Anschein zu erwecken, er wäre ihr gleichgültig gegenüber, bemerkte er, dass auch sie zu bluten schien.
    Sofort schoss neues Adrenalin in seine Adern, und mit der Präzision eines Kenners menschlicher Anatomie wandte er die Frau in festem Griff, um den Ursprung des Blutstroms genauer lokalisieren zu können. Sorge flammte in ihm auf, dass sein Niemand tatsächlich noch einen Streich in Richtung der Frau hatte ausführen können.
    Das wäre nicht gut, ganz und garnicht gut.
    Nicht, dass es Corvus auf das Geld seines Auftraggebers abgesehen hatte. Einen Sklaven zu erledigen und damit der Frau einen gehörigen Schock zu versetzen gehörte zu seinen leichtesten, und damit schlechtbezahltesten Übungen. Allerdings pokerte er darauf, dass in nicht allzu ferner Zukunft neue Aufträge von dieser Quelle reinkommen würden. Skrupellos genug schien der junge Germane ja zu sein.


    Während Corvus versuchte eine Verletzung der Frau auszuschließen drängte sich ein Mann nach vorne und verlangte Antwort von ihm. Der war jedoch viel zu sehr damit beschäftigt sicher zu gehen, dass er nicht über das Ziel hinausgeschossen war, und so wandte sich einer der Gaffer an den Mann: "Ein Mord! Mitten am helligten Tag! Die Frau wurde angegriffen, von diesem Lump da..", er zeigte auf den tot am Boden liegenden Handlanger des Corvus, "..hat ohne Vorwarnung auf den Kerl da eingestochen. Armer Hund.. aber der da, der hat verhindert, dass der Mann auch die Frau anging."


    Just in diesem Moment bekam Corvus es mit einer handfesten Panik zu tun, als er realisierte wo das Blut her stammte. Das durfte nicht sein! Fast hätte er laut geflucht, doch selbst in diesem Moment durfte die Maske nicht verrutschen, und so wandte er sich wieder an die Menge, und brüllte diese aus vollem Halse gekonnt verzweifelt an:
    "EINEN MEDICUS!!! WIR BRAUCHEN HIER UNBEDINGT EINEN MEDICUS!!!"

    Aulus Amatius Corvus
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    Ein sanftes Lächeln hier, eine unaufdringliche Frage dort, hier eingelegtes Obst begutachtet, dort an einem geräuchterten Fisch geschnuppert: Corvus verschwand in der Menge wie ein Kiesel in der Gerölllawine. Allerdings war er erfahren genug, um sein Ziel nicht aus den Augen zu lassen. Keine Schulter wurde angerempelt, kein Schritt ins stolpern gebracht, es gab nichts, was einem aufmerksamen Beobachter verraten hätte, dass hier jemand verfolgt wurde.


    Die Unbekümmertheit der Frau war dabei ein hehler Segen, es gab nichts einfacheres, und seine Sorgen wurden mit jedem Schritt leichter, den sie in die richtige Richtung tat. Man bog ab, eine Seitenstraße die von dem aufmerksamkeitsgeführten Strom vollkommen ignoriert wurde, und doch gab es genug Menschen hier um dem Ziel ein falsches Gefühl der Sicherheit zu gewähren.


    Sein Puls tat einen winzigen Satz nach oben, als sie an der Ecke ankamen an der alles geschehen sollte, und als sich eine Gestalt aus dem Nichts der anonymen Häuserwände löste schien die Zeit gleich drei Schritte langsamer zu vergehen.
    Corvus' 'Subunternehmer' war nicht mehr als eine x-beliebige Gestalt wie sie die stetig brütende Unterschicht der Stadt Rom beinahe jeden Tag neu auf die Straße rotzte. Corvus hatte nicht nach dem Namen des Mannes gefragt, es reichte zu wissen wo er wohnt und welche Menschen von ihm abhängig waren. Eine hässliche Frau und eine kleine Tochter. Das reichte als Druckmittel um den Auftrag auch zuverlässig ausgeführt zu wissen. Der Mann war kurz zuvor entlassen worden, ein Akt wie er so oft im rechtsfreien Raum der Tagelöhner geschah, und den Kerl damit verzweifelt genug machte die Tat glaubwürdig in Betracht zu ziehen.


    Ein Schritt. Zwei. Irgendwann waren es drei, und Corvus hielt inne um die erstaunten Passanten zu mimen, die in der typisch menschlichen Art beinahe rochen, das gleich etwas geschehen würde das zu begaffen wert war. Der vierte Schritt brachte für Corvus dann die Gewissheit, dass sein Ziel genau das richtige tun würde: es warf sich vor die Frau, sobald er bemerkte, dass Gefahr im Verzug war. Ein Handelgerangel entstand, Arme drückten sich auf und nieder, und einen Moment lang fürchtete Corvus, dass sein Mann ernsthaft niedergerungen würde. Doch im beinahe perfekten Moment erschien das Messer in einer im noch perfekteren Moment freien Hand, und einen Moment später lag der Sklave der Domina mit offener Kehle am Boden.


    Corvus' Mann schien einen Moment zu brauchen um zu realisieren, dass er gerade den vermeintlich falschen Menschen umgebracht hatte, und einen weiteren Moment um sich wieder in Bewegung zu setzen.
    "Geld.. Schmuck..", stammelte der Mann plump hervor, als er die Frau anging, und das war der Moment, der Corvus selbst aktiv werden ließ. Der Mann schien eine Antwort nicht abwarten zu wollen, und so musste Corvus sich beeilen um zu verhindern, dass die Frau tatsächlich auch abgestochen wurde. Während ihr Sklave röchelnd am Boden starb, machte der drahtige Corvus einen Satz über ihn hinweg und schob mit einem laut gebrüllten "STOP!!!" eine Klinge, wie sie tausendfach in römischen Küchen vorkam, punktgenau zwischen die Rippen des Mannes.
    Als der Mann sich umwandte um seinem Angreifer zumindest einigermaßen entgegentreten zu können weitete sich dessen Blick zu einem überraschten, sah er doch niemand anderes als seinen Auftraggeber vor sich. "Was...", stammelte er noch hervor bevor Corvus ihm den Mund mit festem Druck verschloss, die Klinge wieder hervorzog und sie unter die Rippen stieß, zielstrebig auf die Baucharterie zu. Die Kraft des Mannes ergoss sich zusammen mit seinem eigenen Blut in ihn, und einen Moment später sackte er zusammen. Corvus hielt den Mund solange zu bis die Augen glasig wurden und der Mann in die Unterwelt überging, ein Moment der nicht untrüglicher über den Tod des Mannes informierte. Ein kurzer unauffälliger Griff, versteckt in einer fließenden Bewegung, prüfte den Puls, und erst dann wandte sich Corvus um zur Frau, deren Unversehrtheit er ebenfalls geflissentlich prüfte. Sklave tot. Subunternehmer tot. Frau am Leben. Auftrag erfüllt.
    "Bei den Göttern... Bist du verletzt? Wie geht es dir? Hat er dich erwischt?", Fragen, deren Antwort er schon lange wusste, und deren theatralische Betroffenheit vor allem den anwesenden Zeugen zugewandt war, die er nun mit einem Mal anbrüllte: "EIN ARZT!! SO GEH DOCH JEMAND UND RUFE DIE VIGILES! DIE COHORTE!! IRGENDWEN???"

    "Nun...", begann Vala, dem es vom Senator schwer gemacht wurde die Rolle seiner Familie runter zu reden, "..eh... das Handelskonsortium Freya Mercurioque ist ja auch nur eins von mehreren im römischen Reich. Ich kann nicht leugnen, dass es recht erfolgreich seine Position auf den Märkten im Norden behauptet, aber die Konkurrenz schläft nicht. Ja, Freya ist u.. für die germanischen Stämme die Göttin der Liebe und der Ehe. Nicht zu verwechseln mit Frigg, der Gemahlin des nordischen Hauptgottes Wodan. In den germanischen Provinzen wird ihr genauso wie Iuno und Venus geopfert, viele halten sie für ein und diesselbe Gottheit. War auch dazu führt, dass Legionöre und Veteranen Freya opern, und Angehörige der Stämme Iuno oder Venus. Da Freya auch die Göttin des Handels ist, was sie in die Nähe des Mercur rückt, hat mein Vetter Lando das Konsortium eben nach diesen Göttern benannt."


    Die Frage nach den Sippen, die in Germania eine Rolle spielten ließ Vala einen Moment stocken, musste er doch aus dem Gedächtnis rezitieren welche Gentes vor kurzer oder langer Zeit das Bürgerrecht erhalten hatten, und er überspielte diesen Moment der Stille mit einem Schluck Wasser.


    "Meine Sippe hat das Bürgerrecht vor mehr als zwei Dekaden erhalten. Zu den bedeutensten peregrinstämmigen Sippen gehörigen die Faberii, die soweit ich weiß das Bürgerrecht zur Zeit der Rachefeldzüge des Tiberius erhalten haben. Sie sind vor allem in der Colonia Claudia sesshaft, und bilden dort den Kern der nicht staatsrömischen Elite. Die Tutii gehörten zu den von Caesar geschlagenen Celti und besitzen seit fünf Dekaden das Bürgerrecht. Sie gehören vor allem in der Civitas Augusta Raurica zu den Eliten. Die Herminii sind ebenfalls keltischer Abstammung und haben in Augusta Treverorum viele wichtige Positionen inne. Sie haben etwa vier Dekaden das Bürgerrecht. Alle diesen Sippen haben peregrine Wurzeln, und ohne sie geht kaum etwas in ihren Civitates. Wie du siehst, sind die Duccii weder die Regel, noch die Ausnahme.", lächelte Vala matt, während er in Gedanken versuchte sich daran zu erinnern, ob auch nur ein Mitglieder dieser teilweise sehr großen Sippen über die eigene Civitas aktiv wurde. Er wusste es nicht.

    10 Einheiten Balsam pro Produktionsturnus sollten sind immernoch nen Tacken zu viel. Bei mir stapelt sich das schmierige Zeug immernoch bis unter die Decke, und der Bedarf sorgt für keine Entlastung. Halb so viel wär imho immernoch genug. So lohnt es sich kaum, den Markt an Küchengewürzen zufrieden zu stellen.

    Aulus Amatius Corvus
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    Corvus war wütend. Um nicht zu sagen: stinkwütend. Was glaubte dieser dreckige Barbar eigentlich wer er war? Und was glaubte dieser dreckige Barbar eigentlich wer ER war?
    Die Nachricht über eine dezente Planänderung hatte ihn tief in seiner Berufsehre getroffen, er fühlte sich ausgenutzt. Degradiert. Herabgesetzt.
    Der Auftrag war irgendwo immernoch der gleiche, aber dann wieder auch nicht. Und dieses wieder auch nicht hatte den Stein des Anstoßes für Aulus gegeben, nichtmehr seinen eigenen Kopf in die Schlinge zu legen. Für gewisse Werke war er sich einfach zu fein. So zum Beispiel für dieses.


    Was war eigentlich los mit den Leuten? Es war ja nun nicht so als hätten die Cohortes Urbanae plötzlich mit Masseneinstellungen darauf reagiert, dass die Straßen immer unsicherer wurden. Nein, ganz im Gegenteil: wenn man es richtig anstellte konnte man schalten und walten wie man wollte. Wenn man es eben richtig anstellte.
    Auftragsflaute konnte man dennoch nennen, wenn es darum ging Gründe dafür zu finden warum Corvus dem Germanen nicht gesagt hatte er solle sich seine Planänderung sonst wohin stecken. Die Römer waren einfach zu nett. Kaum einer hatte mehr den Schneid einen richtigen Mord in Auftrag zu geben, oder auch nur eine plakative Verstümmelung. Friede, Freude Eierkuchen, selbst alte Stammkunden hielten sich mittlerweile zurück und sangen stattdessen den schon seit Jahrhunderten abgedroschenen Gassenhauer der Liebe. Er verstand ehrlich gesagt die Welt nichtmehr. Und genau deshalb sah er sich gezwungen den Auftrag, trotz dieser lächerlichen Planänderung, auszuführen. Vielleicht wurde ja aus dem Kerl noch einmal was, und Corvus bekam irgendwann wieder eine Magistraten vor die Klinge. Einen Konkurrenten, oder irgendwas anderes. Er träumte ja davon irgendwann einen Senator ausgeweidet vor der Curia Iulia zu platzieren, sein Meisterstück mit dem er sich zur Ruhe setzen würde.


    Von diesem Meisterstück war er im Moment allerdings weit entfernt. Er folgte seinem Ziel schon eine geraume Weile durch die Stadt, immer die gleichen Strecken. Zum Kaiserpalast. Dabei musste sie zwangsläufig auch durch die Subura, was für Corvus großes Glück bedeutete. Es machte es für ihn einfacher, den letztendlichen Akt einfach abzugeben... auszulagern... subzuunternehmern quasi.

    "Griechin?", murmelte Vala noch eine Sekunde bevor er das Interesse an der Sklavin verlor. Wahrscheinlich war so etwas wie Identität tatsächlich etwas, das denen vorbehalten war die es sich leisten konnten damit zu leben oder zu sterben. Der Gedanke ließ ihn nicht los.. was machte einen zum Griechen? Und was machte einen zum Germanen?
    Er würde der Frage nachgehen, während er gedankenverloren dem Senator hinterhertrottete...

    Vala bedankte sich noch artig für den Großmut des Brautpaars bevor er sie dem Rest der Gesellschaft folgten. Alsbald tat sich wieder etwas neues auf: Frauen und Männer trennten sich voneinander und nahmen in kleinen Grüppchen Platz um sich am Essen und gemeinsamen Gesprächen zu ergötzen. Einen Moment der Wehmut kämpfte Vala wacker herunter als er sich an die Hochzeit seines Vetters erinnerte und fügte sich in sein Schicksal. Axilla lächelte er noch einmal kurz zu, doch als er sich bei den Männern niederließ hatte er sie bereits wieder vergessen. Unbekannten nickte er freundlich zu, den Senator Vinicius grüßte er knapp beim Namen und danach hielt er sich selbst erst einmal bedeckt und lauschte den Gesprächen während er kleine Portionen des wohl teuersten Mahls seines Lebens zu sich nahm. Anscheinend drehte es sich gerade um Hochzeiten, ein Thema das Vala nur peripher interessierte wenn es nicht gerade politisch aufsehenserregende Hochzeiten waren. Der Senator Germanicus heiratete anscheinend wohl bald, Vala hatte den Namen der Braut nicht mitbekommen, aber im Falle einer so alten Gens durfte es sich wohl um eine mit Rang und Namen handeln, denn er konnte sich kaum vorstellen, dass ein Mann mit diesem Namen sich zu einer Heirat mit einer Frau ohne Namen herablassen würde.

    Der Senator lächelte, und Vala glaubte ihm kein Wort. Im Gegenteil: hinter der Stirn des Germanen ratterte es nur so vor gedanklicher Anstrengung, auch wenn Vala sich größte Mühe gab das zu verbergen. Der Senator hatte persönliches Interesse an Germanien? Was konnte das nur bedeuten?
    Vor Valas innerem Auge formten sich mehrere Möglichkeiten zusammen:
    - der Senator zielte auf das Amt des Legaten in Germania, und wollte sich vorher schon einheimische Verbündete machen. Wäre garnichtmal so abwegig, und genauso wenig dumm.
    - er hatte von der regen Geschäftstätigkeit der Duccii gehört, und versuchte so einen Draht nach Mogontiacum zu bekommen. Auch garnicht mal so dumm.
    - er hatte wirklich nur rein unverbindliches Interesse an den Stämmen. Erschien Vala irgendwie absolut abwegig.


    "Nun...", lächelte Vala verlegen, "..du machst meine Sippe größer als sie ist. Wir führen ein paar Betriebe, bekleiden niedere Ämter und besitzen ein wenig Land. Das war es dann aber auch. Es gibt Gentes mit peregrinen Wurzeln die es weiter gebracht haben."


    Dankbar nahm er das Wasser an und nahm einen kurzen Schluck um sich Zeit zu verschaffen bevor er in die Offensive ging: "Was kann ich tun, um deinen Wissensdurst zu stillen, Senator?"

    Der Aurelier ging gegen Valas Vorschlag vor, was Vala irgendwo auch zufrieden stellte, immerhin wurde so klar, dass das Abstecken von Revieren hier keine Ein-Mann-Show war. Er unterließ es allerdings dagegen zu argumentieren, immerhin hatte er schon trifftige Gründe vorgelegt, und überließ es so dem Senator darüber zu entscheiden wie sie letztendlich verfahren würden.

    "Stamm ist nicht gleich Stamm..", murmelte Vala seine Bedenken erklärend, "Der eine ist Romfreundlich, der andere feindlich, die meisten kriegerisch, die einen beten Steine an, die anderen Bäume. Was hier aber wichtig sein wird: wie geht ein Stamm mit Unterwerfung um? Verschreibt sie sich dir nach dem Kauf mit Leib und Seele oder stellt sie die Ehre ihrer Ahnen mit deinem Blut wieder her?"


    Valas finsterer Blick ruhte immernoch auf dem blonden Geschöpf. Auch wenn er für die meisten Stämme der Heimat keine Sympathie empfand, so ekelte ihn dieses Häufchen Elend doch gerade wegen der offen zur Schau gestellten Niedergeschlagenheit an. Und doch kannte er den Blick nur allzu gut. Warum störte er sich überhaupt an ihm?

    "Das habe ich doch schon bereits..", zwinkerte Vala dem Quintilier zu, als der seine Einstellung zum Liktorentum hören wollte. Er könnte natürlich einige unangenehme Erinnerungen an Rutenbündeln die von seiner Schädeldecke abgeprallt waren oder Schultern die ihn einfach aus dem Weg gerammt hatten. Aber irgendwo hatte Vala keine Lust sich hier darüber auszulassen, noch weiter am Quintilius und seinem Selbstbild zu kratzen.


    Als der Römer weiter nachhakte, zögerte Vala einen Moment damit, weiter ins Detail zu gehen. Die Sache war immerhin noch nicht spruchreif, allerdings konnte er bei Sermo aber auch die Werbetrommel rühren, so dass sich dieser bei seinem Patron dafür einsetzte: "Mein Vetter Tiberius Duccius Lando, ehemals Magister der Regionalverwaltung in Germania Superior und mittlerweile Praefectus Vehiculorum, hat zusammen mit dem Comes der Regio, Tiberius Caecilius Metellus, eine umfassende Reform der Provinzorganisation und der Civitalverwaltung ausgearbeitet. Ich treibe die Sache in Rom voran, schüttelte Hände, erzähle Senatoren und anderen wichtigen Figuren von dem Projekt und versuche sie zu überzeugen, all das."

    "Aber man kann sie zulassen.", erwiderte Vala, der stets großen Wert darauf legte, dass seine Gedanken dort blieben, wo sie entsprangen: in seinem Kopf. Eine Schuld hatte man nicht einfach automatisch, man hatte sie, weil man sie jemandem zugestand. Wenn man nicht in der Schuld von jemandem stehen wollte gab es adäquate Mittel um eben dies zu verhindern.


    "Das möchte ich.", meinte Vala noch, bevor sie das Gespräch souverän auf sein Ende zulenkte, was ihn einem Sklaven ein Zeichen geben ließ, die ihren herbeizubitten. Er lächelte, als sie ihm eine Floskel zuwarf, die er sich doch mit blanker Ehrlichkeit zu beantworten erlaubte: "Werte Decima, so sehr ich deinen Besuch auch schätze, hätte ich ihn nicht angenommen wenn ich etwas wirklich wichtiges zu erledigen gehabt hätte. So war die Gunst der Stunde auf deiner Seite.. und auf meiner."

    Wie ein zweiter Schatten folgte Vala dem Senator, was ob seiner Größe garnicht mal so einfach war. Unauffällig sah auf jeden Fall anders aus. Überall wo es geschäftliches oder eben politisches abzusprechen und fest zu halten gab nahm Vala sich die größe Mühe im Gerangel mit den anderen Scribae möglichst oft mitgehen zu könne. So auch am heutigen Tage.


    Ein neuer Sklave galt angeschafft zu werden, auch wenn Vala nicht die geringste Ahnung hatte warum. Das Familienleben der Aurelii blendete er aus seiner Tätigkeit für den Senator vollkommen aus, weil er schon früh erkannt hatte, dass er Gefahr lief den Belanglosigkeiten des römischen Laissez-Faire mit Verachtung zu begegnen. Deshalb besann er sich dabei auf eine der Grundregeln für erfolgreiches Arbeiten in den niedrigeren Rängen: nichts sehen, nichts hören, nichts sagen.


    Während der beinahe komplette aurelische Haushalt sich also um die Bühne eines anscheinend recht bekannten Sklavenhändlers scharrte, tauschte Vala mit einem anderen Scriba im Gefolge des Senators die täglichen Neuigkeiten des politischen Roms aus. Als er jedoch bemerkte WESHALB der Bühne des Tranquillus soviel Aufmerksam zuteil wurde versteinerte sich seine Miene, und bald darauf konnte man das Knirschen seiner Zähne hören.
    Er hatte davon gehört was die Römer für ein Faible für die blonden Schönheiten des Nordens hatten, aber hier jetzt bei einer solchen Auktion dabei zu sein war schon etwas neues für ihn. Auch wenn ihm die Sklaverei nicht fremd war, immerhin hatte er vor garnicht allzu langer Zeit selbst gefangene Feinde gegen Essbares oder ein Fell eingetauscht, hatte es schon etwas seltsames.


    "Senator, mit Verlaub.", raunte Vala kaum vernehmlich dem Senator zu, der soeben das erste Gebot abgegeben hatte, "Frag den Händler, von welchem Stamm diese Frau abstammt. Das ist nicht unwichtig."
    Auch wenn sie eine Sklavin der zweiten Generation war, wer wusste schon, mit was für einem Hintergrund ihre Mutter sie großgezogen hatte?

    "Guten Tag die Herren.", meldete sich Vala, der von einer anderen Ecke des Marktes auf die beiden Aurelii zugekommen war. Das Wetter faszinierte ihn nicht im geringsten, es irritierte ihn schlichtweg einfach nur. Nun war es in seiner Heimat nicht so kalt wie im legendären Thule, aber die aktuellen Zustände in Rom kamen dem germanischen Sommer doch sehr nahe. Das ließ seiner Meinung nach das Gejammer mancher Stadtrömer über den fürchterlichen Winter absurd erscheinen.


    Mit einigen Wachstafeln, zwei Griffeln und einem Talgstab zum Siegeln in seiner Umhängetasche war Vala einigermaßen adäquat ausgestattet. Wenn er noch mehr brauchen würde, konnte er es sich immernoch direkt auf dem Markt organisieren.


    "Ich wäre dann soweit."

    Verwirrt. Schuld.


    Vala roch Blut. Weit hinten in seinem Geiste formten sich bereits verschwitzte Bettlaken und das in genüsslicher Agonie verzerrte Gesicht seiner Frau. Er betrachtete das Bild einen Moment lang bevor er es mit der Hand beiseite wischte und sich ganz wieder auf die Realität konzentrierte.


    "Schuldig?", wiederholte Vala für sich, "Schuld ist etwas sehr gefährliches, Decima, und ich würde sie nicht zu offenherzig vergeben." Sein spitzbübisch-wölfisches Lächeln schlich sich schneller in seine Lippen als er es ahnen konnte, und einen Moment später stand er schon wieder einige Schritte von der Bank entfernt. Er sah die sonst so makellose Verteidigung der Decima bröckeln, und es würde Geduld und Zeit und noch mehr Geduld brauchen sie zum Einsturz zu bringen, damit Vala bekam was er wollte. Er durfte jetzt keinen Fehler machen.


    "Ich kann diese Schuld daher nicht akzeptieren.", brachte er schließlich hervor und sah sie mit einem Blick an, als hätte er gerade verhindert, dass sie etwas sehr dummes tat, "Belassen wir es doch einfach dabei."

    Lucius Accius Damio
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    "DAS WIRST DU SICHERLICH NICHT TUN!!!", brüllte Damio seinem Gegenüber ins Gesicht, jenseits jeder Selbstbeherrschung. Sein Gesicht war puterrot angelaufen und Vala wischte sich mit einem Ärmel Speichelspuren aus dem Gesicht bevor er den sonst so besonnenen Römer weiter regungslos anstarrte. Er hockte auf einer hölzernen Bank und hörte sich den Wutausbruch seines Lehrers nun schon geschlagene zehn Minuten an, in denen er nichts weiter getan hatte als dazusitzen und den Mann anzustarren.


    "DAS HIER IST KEIN VERDAMMTER BUSCH IN GERMANIA, WO DU JEDEN ZU HEL SCHICKEN KANNST WIE ES DIR PASST, DU GOTTVERDAMMTER BARBAR!!!", krächzte Damio noch einmal aus seiner mittlerweile wundgescheuerten Kehle und fuchtelte noch einmal wild mit dem linken Zeigefinger vor der Nase des jungen Germanen herum. Seine Frau hatte nach einer Minute das Haus verlassen, mit dieser Gemütsregung ihres Mannes absolut unvertraut, und hatte die Kinder mit sich auf einen Bummel über den nahen Mercatus genommen, nur um dieser Tirade zu entgehen, die gerade im Hortus wütete.
    Vala hatte selbstverständlich mit nichts anderem gerechnet, war Damio doch ein so fest in seine Ideologien verstrickter Politiker, dass man enttäuscht sein musste es in dieser Situation mit was anderem als geballter Ablehnung konfrontiert zu werden. So hatte er sich in sich selbst verschanzt und wartete gelassen auf ein Abflauen des Sturms.


    Linus von Patrae
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    "Damio, beruhige dich...", schaltete sich Linus ein, der in einem Korbstuhl neben einer der Säulen saß die den Hortus von der Casa trennten, und sich die meiste Zeit das Schauspiel süffisant lächelnd angeschaut hatte, doch von dem tobenden Römer wirsch unterbrochen wurde


    "DAS WERDE ICH NICHT TUN! TUE BLOSZ NICHT SO SCHEINHEILIG, DU HAST DEN JUNGEN DOCH MIT SICHERHEIT ZU DIESEM WAHNSINN ANGESTIFTET!!", zeigte nun der Zeigefinger anklagend in Richtung des Griechen, der eine verletzt-unschuldige Miene machte.


    "Das war ganz alleine seine Idee. Ich kann einen gewissen Stolz nicht verhehlen, dass Vala von sich aus auf diesen Gedanken gekommen ist. Jetzt krieg dich doch mal wieder ein, der Aelius hat seine... eh... nun... eh... Ehre... angekratzt und unseren Mann in aller Öffentlichkeit beleidigt. Ich finde, er hat sich das Recht auf Genugtuung verdient.", sprach Linos in einem Tonfall, als hätte er gerade das aktuelle Wetter erklärt.


    "ABER NICHT INDEM ER SEINE FRAU UMBRINGT!", geiferte Damio wieder in erhöhter Lautstärke.


    "Umbringen LÄSST, Damio. Das ist ein Unterschied.", ergänzte der Grieche trocken, der die Arme vor der fetten Brust verschränkte und den Römer selbszufrieden anblickte.


    "Ich wusste ja immer, dass du einen Hang zum makabren hast, elender Helene, aber das hier geht eindeutig zu weit. Wir können einen Menschen nicht umbringen nur um einen anderen zu bestrafen, weil er Vala mit einer Schüssel geschlagen hat!", schrie Damio den alten Griechen an, allerdings eine ganze Spur leiser als vorher.


    "Süßspeise.", konstatierte Vala, der zum ersten Mal seit langem die Stimme erhob.


    "BITTE?", schaute Damio ihn irritiert an.


    "Es war die Süßspeise. In der Schüssel. Nicht die Schüssel selbst.", erklärte Vala ungerührt, den Blick entschlossen auf dem Römer ruhen lassend, der ihn nun ansah als hätte der junge Germane tatsächlich den Verstand verloren.


    "Was glaubst du eigentlich wer bei Pluto du verdammt nochmal BIST? DU BIST EIN ELENDER SCRIBA! NICHT CALIGULA!!!", steigerte Damio wieder sein Stimmvolumen, dass der Speichelfaden nur so flog.


    "Oh oh..", mischte Linus sich belustigt ein, "..er hat das böse C-Wort gesagt!"


    "Ich... ich bin von Wahnsinnigen umgeben.", gab der Römer schließlich auf, und ließ sich mit leerem Blick auf die Bank neben Vala nieder, "Eindeutig. Man kippt dir Süßspeise ins Gesicht, und du lässt dafür einen Menschen über die Klinge springen. Wie verdorben... was für ein Monster bist du eigentlich?"


    "Ein sehr kreatives..", klopfte Linus sich selbst auf die Schultern, als hätte er das alleine vollbracht.


    "Ahja?", hakte Damio nach, der roch, dass das noch nicht alles war.


    "Japp.", meinte Linus zufrieden, "Der Fuchs hat kurz darauf die volle Verantwortung für das Geschehene auf sich geladen. Ein Schelm wer dabei böses denkt.."


    Irritiert blickte Damio Vala an, der schweigend neben ihm hockte und ihn betrachtete wie ein Rabe des einladende Stück Aas. Unwillkürlich rückte der Römer ein Stück von dem jungen Mann ab: "Und was soll das bedeuten?"


    "Ein Mann, der schuldig ist hat keinen Grund sich zu rächen, oder?", erläuterte Linus knapp den Gedankengang, den Vala am Tag zuvor schon gehabt hatte, "Wie also sollte man annehmen können, die Tat wäre ein Racheakt wenn es doch garnichts zu rächen gab."


    "Du Monster...", blickte Damio Vala an, kam aber nicht umhin über die Raffinesse ins Lächeln zu geraten, "Du verdammt gerissenes Monster. Aber der Aelius... er wird wissen, dass es ein Racheakt war."


    "Und das...", murmelte Vala mit entschlossenem Blick, "..ist alles, was ich will."