Beiträge von Faustus Domitius Massula

    http://imageshack.us/a/img268/3798/panphilosk.jpg Panphilos ...
    hörte ein Klopfen. Das Klopfen war unverhältnismäßig laut und passte auch gar nicht zu dem schönen Wetter draußen. Panphilos runzelte die Stirn. Dann nahm er Cato, der zu Knurren angefangen hatte, am Halsband fest.


    Er öffnete die Tür einen Spalt, sah einen Legionär in Begleitung einer hinreißenden Frau und sagte: "Mein Herr, ich fürchte, dies hier ist nicht der Ort, an dem üblicherweise Schäferstündchen stattfinden zu pflegen."


    Cato bellte zustimmend.

    Ich hab mal ein Streitgespräch zwischen einem Landeskonservator und einem Kölner Stadtbaurat erlebt. Da warf der Landeskonservator den Kölner Stadtvätern einen rüden Umgang mit ihren Denkmälern und ihrem Stadtbild vor. Der Kölner Stadtbaurat antwortete (sinngemäß): "Eine reiche Stadt wird immer umgebaut. Die armen Städte sind uns als Denkmäler in den Schoß gefallen, weil kein Geld zum Umbauen da war."


    Soviel zum Respekt-haben-müssen bei Ruinen. Zugegeben, Köln ist eine häßliche Stadt, aber wenn man dort jeden Samstag eine romanische Kirche besichtigen will, braucht man ein halbes Jahr dazu. Und natürlich liegt da Dreck vor der Kirche, sind Grafitti an den Wänden, es stehen Mülltonnen rum und *knall* daneben steht ein grottenhäßliches Matratzengeschäft.


    So isses.
    Massula

    Calvus ...
    rannte gleich rüber zur Postannahme, um den Brief auf den Weg zu bringen. "Salve Celeripes. ich hab hier einen ganz laaangen Brief nach Roma. Ich hoffe, dass deine Gäule guten Willens sind und das Ding dorthin bringen, wo sich vielleicht jemand über diesen Brief ärgern wird."




    Procurator Ab Epistulis
    Administratio Imperatoris
    Roma, Palatium Augusti



    M. Vinicius Hungaricus Procuratore ab Epistulis salutem dicit.


    Inzwischen konnte ich nach der langen Anreise meine Amtsgeschäfte in Mogontiacum aufnehmen. Erste Besprechungen mit den Beamten der Provinz haben nun ein Problem zutage gefördert, um dessen dringliche Lösung ich bitte.


    Wie ich feststellen muss, ist die unter Valerianus angestoßene Provinzreform auf halber Strecke steckengeblieben. Dies nicht etwa deswegen, weil die hiesigen Verwaltungen ihren Pflichten nicht nachgekommen wären, sondern deshalb, weil nötigen Rechtsgrundlagen vom Imperium nicht bereitgestellt wurden.


    Zwar stellt die Lex Provincialis (Codex Universalis, Pars Sexta) in Artikel I die Errichtung einer Provinz in Aussicht: 'Die Einrichtung einer Provinz wird durch eine separate Lex Provincialis beschlossen, die gemäß den Bestimmungen des Codex Universalis verabschiedet wird'. Eine solche separate Lex Provincialis, die für die Provinzreform essentiell gewesen wäre, ist jedoch (zumindest im Fall der Germania Superior) bislang nicht verabschiedet worden.


    Auch ohne überzogene juristische Kasuistik muss man hierzu konstatieren, dass alles Verwaltungshandeln in der Germania Superior jeglicher Rechtsgrundlage entbehrt. Ich verfüge zwar über das imperium, die hiesigen Verwaltungsmaßnahmen durch Edicta des Legati Augusti zu stützen, dies kann aber nur eine Notlösung sein, die nicht dem Geist des römischen Rechts entspricht.


    Das Fehlen einer separaten Lex Provincialis Germaniae Superioris hat auch dazu geführt, dass Vorschriften über die Neuverteilung der Zuständigkeiten der ehemaligen Regionalverwaltung für die Beamten der Provinz damals nicht greifbar waren. Diese haben sich zwar alle Mühe gegeben, eine Verhandlungslösung mit den Civitates zu finden, wegen der mangelhaften Rechtslage sind aber Teile davon bis heute streitig geblieben. Auch hier ist dringend Abhilfe nötig.


    Ich bitte deshalb den Imperator und den Senat, sich vordringlich dieses Problems anzunehmen.


    Ein Bericht über die allgemeine Lage in der Provinz folgt, sobald ich einen abgeschlossenen Überblick dazu habe.


    Vale bene.



    M. Vinicius Hungaricus


    M. Vinicius Hungaricus
    ~ Legatus Augusti Pro Praetore ~
    Regia, Mogontiacum, Germania Superior



    Sim-Off:

    Wertkarte Regia, bitte.

    http://imageshack.us/a/img710/4316/calvuskl.jpg Calvus ...
    legte dem Legatus ein weiteres Schreiben auf den Tisch. "Salve Legatus Augusti, verzeih, es hat etwas länger gedauert, denn ich musste den Brief mehrmals neu schreiben, weil der Princeps Praetorii immer wieder mit seinen eigenen Formulierungen unzufrieden war".





    Procurator Ab Epistulis
    Administratio Imperatoris
    Roma, Palatium Augusti



    M. Vinicius Hungaricus Procuratore ab Epistulis salutem dicit.


    Inzwischen konnte ich nach der langen Anreise meine Amtsgeschäfte in Mogontiacum aufnehmen. Erste Besprechungen mit den Beamten der Provinz haben nun ein Problem zutage gefördert, um dessen dringliche Lösung ich bitte.


    Wie ich feststellen muss, ist die unter Valerianus angestoßene Provinzreform auf halber Strecke steckengeblieben. Dies nicht etwa deswegen, weil die hiesigen Verwaltungen ihren Pflichten nicht nachgekommen wären, sondern deshalb, weil nötigen Rechtsgrundlagen vom Imperium nicht bereitgestellt wurden.


    Zwar stellt die Lex Provincialis (Codex Universalis, Pars Sexta) in Artikel I die Errichtung einer Provinz in Aussicht: 'Die Einrichtung einer Provinz wird durch eine separate Lex Provincialis beschlossen, die gemäß den Bestimmungen des Codex Universalis verabschiedet wird'. Eine solche separate Lex Provincialis, die für die Provinzreform essentiell gewesen wäre, ist jedoch (zumindest im Fall der Germania Superior) bislang nicht verabschiedet worden.


    Auch ohne überzogene juristische Kasuistik muss man hierzu konstatieren, dass alles Verwaltungshandeln in der Germania Superior jeglicher Rechtsgrundlage entbehrt. Ich verfüge zwar über das imperium, die hiesigen Verwaltungsmaßnahmen durch Edicta des Legati Augusti zu stützen, dies kann aber nur eine Notlösung sein, die nicht dem Geist des römischen Rechts entspricht.


    Das Fehlen einer separaten Lex Provincialis Germaniae Superioris hat auch dazu geführt, dass Vorschriften über die Neuverteilung der Zuständigkeiten der ehemaligen Regionalverwaltung für die Beamten der Provinz damals nicht greifbar waren. Diese haben sich zwar alle Mühe gegeben, eine Verhandlungslösung mit den Civitates zu finden, wegen der mangelhaften Rechtslage sind aber Teile davon bis heute streitig geblieben. Auch hier ist dringend Abhilfe nötig.


    Ich bitte deshalb den Imperator und den Senat, sich vordringlich dieses Problems anzunehmen.


    Ein Bericht über die allgemeine Lage in der Provinz folgt, sobald ich einen abgeschlossenen Überblick dazu habe.


    Vale bene.



    M. Vinicius Hungaricus
    ~ Legatus Augusti Pro Praetore ~
    Regia, Mogontiacum, Germania Superior


    Ein Bote gab das folgende Schreiben aus der Regia Legati Augusti pro Praetore in Mogontiacum ab:



    I. Quintilius Sermo
    Praefectus Alae II Numidiae
    Confluentes, Castellum



    M. Vinicius Hungaricus I. Quintilio Sermone salutem dicit.


    Zu einer ersten gemeinsamen Besprechung mit dir und dem Legatus Legionis II Germanicae lade ich dich am Festtag der Concordia ein. Die Besprechung wird zur dritten Stunde in meinem Officium stattfinden.


    Vale bene.



    M. Vinicius Hungaricus


    M. Vinicius Hungaricus
    ~ Legatus Augusti Pro Praetore ~
    Regia, Mogontiacum, Germania Superior


    Ein Bote aus der Regia gab folgendes Schreiben ab:



    M. Arennius Cavarinus
    Legatus Legionis II Germanicae
    Mogontiacum, Castellum



    M. Vinicius Hungaricus M. Arennio Cavarino salutem dicit.


    Zu einer ersten gemeinsamen Besprechung mit dir und dem Praefectus Alae II Numidiae lade ich dich am Festtag der Concordia ein. Die Besprechung wird zur dritten Stunde in meinem Officium stattfinden.


    Vale bene.


    M. Vinicius Hungaricus


    M. Vinicius Hungaricus
    ~ Legatus Augusti Pro Praetore ~
    Regia, Mogontiacum, Germania Superior


    http://imageshack.us/a/img64/7180/euphorbuskl.jpg Euphorbus ...
    betrat das Officium I und legte dem Legatus zwei Schreiben auf den Tisch. "Salve Legatus Augusti, auch von uns Scribae ein herzliches Willkommen. Hier die ersten Schreiben."



    M. Arennius Cavarinus
    Legatus Legionis II Germanicae
    Mogontiacum, Castellum



    M. Vinicius Hungaricus M. Arennio Cavarino salutem dicit.


    Zu einer ersten gemeinsamen Besprechung mit dir und dem Praefectus Alae II Numidiae lade ich dich am Festtag der Concordia ein. Die Besprechung wird zur dritten Stunde in meinem Officium stattfinden.


    Vale bene.

    M. Vinicius Hungaricus
    ~ Legatus Augusti Pro Praetore ~
    Regia, Mogontiacum, Germania Superior




    I. Quintilius Sermo
    Praefectus Alae II Numidiae
    Confluentes, Castellum



    M. Vinicius Hungaricus I. Quintilio Sermone salutem dicit.


    Zu einer ersten gemeinsamen Besprechung mit dir und dem Legatus Legionis II Germanicae lade ich dich am Festtag der Concordia ein. Die Besprechung wird zur dritten Stunde in meinem Officium stattfinden.


    Vale bene.



    M. Vinicius Hungaricus
    ~ Legatus Augusti Pro Praetore ~
    Regia, Mogontiacum, Germania Superior


    "Oh, salve Marsus. Gut, dass du dazugekommen bist. Nein, bei den Kassenbeständen sehe ich, soweit ich's überblicken kann, keine Ungereimtheiten. Der Hund liegt woanders begraben."


    Ich wandte mich an den Legatus. "Wenn du Steuern erheben willst, dann wird es kleinere Schwierigkeiten geben, weil insbesondere Mogontiacum noch nicht so recht verinnerlicht hat, welche Aufgaben mit der Provinzreform auf die Civitas herabgeregnet sind, speziell bei der Bereitstellung der Liegenschaftskarten als Grundlage für eine Steuererhebung. Das ist einer der vorhin von mir erwähnten Kollateralschäden, die durch das Fehlen einer Lex Provincialis Germaniae Superioris entstanden sind."

    Ich notierte mir die die bisherigen Ergebnisse. Die Frage des Legatus nach der Versorgung erinnerte mich an den Zoff, den ich deswegen mit dem Ersatzlegaten gehabt hatte. Ich runzelte die Stirn.


    "Wie hatten etwas Glück, oder, wenn du so willst, auch die Gunst der Götter. Der stellvertretende Legatus Statilius Taurus wollte anfangs eine Sondersteuer erheben. Ich war dagegen. Sondersteuern haben die ungute Eigenschaft, dass Statthalter einfach nicht der Lust widerstehen können, aus ihnen eine dauerhafte Steuer zu machen und sie alsbald zu anderen Zwecken einzusetzen. Pardon, Legatus. Sie haben außerdem die noch schlimmere Eigenschaft, dass nur ein Bruchteil davon ihrem eigentlichen Zweck zugute kommt, weil bei der Eintreibung, Verwaltung und Verteilung zu viel 'verloren' geht. Damit wäre das Vorhaben, die Bevölkerung durch einen Winter zu bringen, stracks in die Binsen gegangen."


    Damals hatte uns die Chose recht heftig beschäftigt und wir waren froh, als sie endlich durchgerauscht war, so dass ich mich jetzt konzentrieren musste, um einen Zipfel zu finden, mit dem ich anfangen konnte. "Wie gesagt, hatten wir Glück. Das bestand darin, dass der Sommer davor gute Ernten gebracht hatte. In der Gallia gingen die Preise in den Keller, weil man große Überschüsse hatte. Bei uns gingen die Preise hoch, weil die Legionen ziemlich viel, aber nicht alles weggefuttert hatten. Für jeden Händler ist solch ein Gefälle die reinste Freude. Wir nutzten deshalb die gute Vernetzung des Handelskonsortiums Freya Mercurioque, um Handelswege und Akquisition zu organisieren. Obwohl wir scharfe Bußgelder bei Wucherpreisen angedroht hatten, konnte ein ganzer Haufen Händler und Spediteure anfänglich dieser Versuchung nicht widerstehen, sodass gutes Geld in unsre Kassen gespült wurde. Das nutzten wir, um Getreidespenden zu finanzieren. Die Provinz musste lediglich ungefähr 300 Aurei zuschießen. Ich denke, dass dies gerechtfertigt war, zumal diese Provinz eines der Zentren war, von wo aus der Bürgerkrieg ausgegangen ist, der ja Ursache der Versorgungsengpässe war. Unser derzeitiger Kassenbestand beträgt circa 25 Aurei, vorbehaltlich einer genaueren Auszählung. Was künftige Steuererhebungen angeht, sollten wir den Procurator Civitatium hinzuziehen, da diese Frage aktuell auch in seinen Beritt hineinreicht."

    Genau wie der Legionskommandeur hatte sich der Legatus um die Festivitäten herumdrücken wollen, nicht wissend, dass die mogontiakischen Bürger in diesem Punkt absolut gnadenlos sind. Aber auch ich musste zugeben, wenn man solche Festivitäten ein paar Mal mitgemacht hat, verlieren sie an Neuigkeitswert.


    "Für das Schreiben an die Kanzlei werde ich dir einen Entwurf machen. Man darf vermuten, dass deine Unterschrift mehr Durchschlagskraft entwickeln wird als meine. Und auch ein Schreiben an den Legatus Legionis. Selbstverständlich als Einladung formuliert." Ich unterdrückte ein Lächeln.


    "Versorgungsengpässe? Anfangs sah das etwas düster aus, nachdem mehrere Legiones durch die Provinz in den Bürgerkrieg gezogen waren und leergefressene Speicher zurückgelassen hatten. Wir konnten aber Ersatz zusammenkaufen, im Wesentlichen aus der Belgica. Das ging ohne schmerzhafte Teuerung ab, weil ich ein paar Freunde dort habe, mit denen man vernünftig handeln kann."


    Dann noch das Thema der Themen in dieser Provinz: die Germanen. "Es war ruhig. Ruhig, was die die hier anzutreffenden Umstände angeht: es wurden ab und zu römische Kühe geklaut und römische Händler überfallen. Den meisten Bammel hatten wir anfänglich vor den Chatten, deren Hass auf die Römer ja notorisch ist. Deshalb haben wir es so eingerichtet, dass sie sich mit den Hermunduren in die Wolle bekamen, die ja östlich von ihnen wohnen. Ich weiß nicht, ob das auch wirklich so funktioniert hat, aber im Ergebnis blieb es am Limes ruhig. Vor dem Bürgerkrieg habe ich noch den Mattiakern einen Besuch abgestattet, in der Hoffnung, von ihnen genauere Informationen über die Welt jenseits des Limes zu bekommen. Aber die Mattiaker wissen auch nicht, was in den chattischen Schädeln vor sich geht. Eines habe ich dort jedoch erfahren: die Mattiaker sind stolz auf ihr Bündnis mit den Römern und sie halten sich auch penibel daran. Sie meinen aber, dass die Römer dies kaum zu würdigen wissen. Das wäre ein Merkpunkt für dich: Die Mattiaker bräuchten zu gegebener Zeit ein paar Streicheleinheiten."

    Einfach, dachte ich mir. Nimm das Wichtigste, sagt er. Na gut, ich nehm dann halt das Wichtigste nach meinem Gusto. Aber erst mal die Kleinigkeiten.


    "Ich fang mal mit dem Dringlichsten an, was nicht unbedingt das Wichtigste sein muss. Die Ankunft des Legatus Augusti wird gewiss nicht ohne Feierlichkeiten abgehen. Ebensowenig wie die Ankunft der Legio II, mit dessen Kommandeur ich schon darüber gesprochen habe. Der nämlich möchte sein Brimborium mit deinem Festakt zusammenlegen. Festreden und Opfer inklusive. Statte ihm also einen Besuch ab oder zitiere ihn hierher, um das zu klären. Ich mache das Nötige mit der Civitas ab."


    Dann die dickeren Klumpen. "Nach deinem Weggang wurden wir von der Provinzreform erfasst. Du bist damals also aus einer großen Provinz weggegangen und jetzt in eine kleinere zurückgekehrt. Die Mittelinstanz Regio ist weggefallen. Damals hatten wir die Zuständigkeiten zwischen der Provinz und den Civitates neu zu verteilen. Mangels einer gesetzlichen Vorgabe geschah dies nur nach ungefähren Maßstäben, was zur Folge hatte, dass bis heute offenstehende Fragen existieren. Das beschäftigt immer noch den Procurator Civitatium, der dir sicher Näheres berichten kann."


    Ich verschränkte meine Arme und fuhr fort: "Lass mich kurz den eben erwähnten Mangel einer gesetzlichen Vorgabe erläutern. Die Aufteilung der ehemaligen Provinz Germania in vier kleinere Provinzen geht auf ein Edictum des Valerianus zurück. Das Edictum enthält darüber hinaus keine weiteren Erläuterungen. In der Lex Provincialis heißt es dazu im Artikel I: 'Die Einrichtung einer Provinz wird durch eine separate Lex Provincialis beschlossen, die gemäß den Bestimmungen des Codex Universalis verabschiedet wird'. Nichts weiter. Nimmt man das ernst - und man sollte ja die römischen Gesetze ernst nehmen -, dann bist du nicht nur in eine kleinere Provinz zurückgekehrt, sondern auch in eine Provinz, die es gar nicht gibt, weil sie niemals eingerichtet worden ist. Das hat man wohl versäumt, denn eine separate Lex Provincialis Germaniae Superioris lässt sich nirgends auftreiben. Ich habe in einem Schreiben an die kaiserliche Kanzlei schon auf diesen Umstand hingewiesen, bisher jedoch ohne Echo. Ich denke, da wartet noch eine ehrenvolle Aufgabe auf unseren neuen Kaiser."

    Es waren eindeutig die Abdrücke von Schuhen oder Sandalen mit genagelten Sohlen. Und es war nur ein Paar Schuhe, das sich da im Lehm abgebildet hatte, also auch nur ein Mann, der zu diesen Abdrücken gehörte. Solche Schuhe trugen gewöhnlich nur Soldaten. Dennoch war es nicht auszuschließen, dass jemand solche Schuhe geklaut oder auf dem Trödel gekauft hatte. Weiß man ja nie.


    Was, beim Hades, hatte der Bursche hier getrieben? Hatte der Ausgang und meine Hütte dazu benutzt, um sich einen schönen Lenz zu machen? Oder hatte der sich hier versteckt? Das wäre dann wohl ein ernster Fall. Dann würde er mein Erscheinen hier nicht mit überschwänglichem Wohlwollen bedenken. Ich schaute mich um. Vielleicht hockte er irgendwo im Busch und beobachtete mich. Aber Cato hatte sich vor die Hütte gelegt und fing Fliegen. Der Bursche schien also nicht in der Nähe zu sein.


    Da trafen meine Sklaven mit den Eselskarren ein. Jetzt würde für die nächsten Stunden hier lebhafter Lärm und Betrieb sein. Da brauchte man nicht damit zu rechnen, dass der Kerl ahnungslos auf das Gelände latschen würde. Ich beschloss, in Mogontiacum ganz vorsichtig rumzufragen, ob es irgendwo einen abgängigen Mann gäbe. Man würde sehen.

    Ja, bei Wotans Schlapphut, der altneue Legatus konnte das ja nicht wissen, ich hätte ja beim Hereinkommen mindestens meinen Namen sagen können. Ich nahm Platz. "Danke, und verzeih, dass ich mich nicht gleich zu erkennen gegeben habe. Damals war ich ja noch der Scriba Valgiso."


    Als er dann erklärte, dass sein etwas klandestines Eintreffen als Überraschung gedacht war, minderte das keineswegs meine Verwunderung. "Weißt du, in der letzten Zeit schleichen sich alle über den Hinterhof und durch die Küche in unsre Provinz. Die Ala Numidia, ihr neuer Praefectus, die Legio II, ihr neuer Legatus Legionis und jetzt auch noch der Legatus Augusti. Alle wollen uns überraschen und wir kommen aus dem Wundern gar nicht mehr heraus. Ich habe jedoch, in aller Ehrerbietigkeit und ganz heimlich für mich, den Verdacht, dass die kaiserliche Kanzlei zu faul war, rechtzeitig ein Briefchen an uns zu schicken."


    Was in der Zwischenzeit passiert war? Eine simple Frage, auf die es nur eine ziemlich weitschweifige Antwort geben konnte. "Es hat sich eine ganze Menge getan, Legatus. Provinzreform, Bürgerkrieg, Versorgungsengpässe, kleinere Grenzkonflikte mit den Germanen, Verbrechen, Bemühungen der Civitas Mogontiacensis um das Stadtrecht ... Womit möchtest du anfangen?"

    Calvus war urplötzlich in mein Officium hereingerannt und hatte aufgeregt hervorgesprudelt, dass mich der Legatus Augusti sprechen wollte. Wie? Legatus Augusti? Erst war ich völlig durcheinander, dann aber sagte ich mir: Da ham wir wieder das übliche Drama, dass Nachrichten aus Roma entweder gar nicht oder erst dann eintreffen, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist.


    Ich ging also hinüber in das Officium I, äußerst gespannt darauf, wer da wohl als Legatus Augusti hereingeschneit war. Dann sah ich es. Es war Vinicius Hungaricus. Etwas älter, aber noch ganz.


    "Salve, Legatus Augusti, ich bin hocherfreut und verwundert zugleich. Hocherfreut, weil wir jetzt endlich wieder einen Legatus haben und weil es, den Göttern sei Dank, auch noch genau der Richtige ist. Verwundert, weil Nachrichten aus Roma über wichtige Ereignisse immer erst Tage oder Wochen nach dem betreffenden Ereignis hier ankommen. Aber die Freude übersteigt bei weitem meine Verwunderung."

    Als der Whistleblower das Geheimnis herausgelassen hatte, brach lauter Jubel aus. So laut, dass Mella zwar mitbekam, dass hier ein Legatus angekommen war, aber der Name dieses Legaten war ein bißchen von dem Jubel zermatscht worden. Sie hatte, rein phonetisch, so etwas wie 'Vinzidius' in ihre weit aufgessperrten Ohren bekommen. Das reichte ihr aber völlig aus, denn jetzt war kein Halten mehr für sie. Sie rannte los.


    In jede Barbiertaberna, in jede Gasse und für jeden, der ihr begegnete, trompetete sie mit ihrer trainierten Simme: "Der neue Legatus Vinzitius ist angekommen!" Als sie über das Forum kurvte, fiel ihr ein, dass ja ihr Vermieter Massula eigentlich schnellstens davon erfahren sollte. Sie drehte ab zur Regia hinunter und kam erst direkt vor den Wachen zum Stehen. Die aber schienen nun gar kein Interesse an ihrer superfunkelnagelneuen Nachricht über die bevorstehende Ankunft des Legaten Vinzidius zu haben. Noch nicht einmal, als sie den Chef der Garde anherrschte: "Jetzt geh sofort rauf und sag es Massula!"


    Da kamen aber schon die Wagen des Legaten um die Ecke. Mella wurde undankbarerweise zur Seite geschubst und der ganze Wanderzirkus verschwand im Eingangstor der Regia.

    http://img851.imageshack.us/img851/9981/mella1.jpg
    Mella ...
    war gerade auf Einkaufstour im Vicus Navaliorum, speziell um frischen Fisch von den Booten im Hafen zu ergattern, als ein größeres Schiff anlegte. Sogleich wurden die kleinen Boote in einer Ecke des Hafenbeckens zusammengejagt, um Platz für den großen Kahn zu machen. Mellas ausgeprägte Neugierde ließ sie ihren Fisch sofort vergessen und trieb sie dazu, sich einen guten Platz unter den zusammen gelaufenen Gaffern erkämpfen, was sie mit bestens trainierter Ellbogenarbeit auch ohne Umschweife in die erste Reihe brachte.


    Das war ja ein ganzer Haufen Leute in obervornehmen Klamotten und noch ein größerer Haufen Gepäck auf dem Kahn. Mella spürte mit jeder Faser ihres Körpers, dass sie Zeugin einer mittleren, wenn nicht gigantischen Sensation wurde. Sie trippelte von einem Fuß auf den anderen, weil einerseits ihr Sprachzentrum kategorisch befahl, die Nachricht des Gesehenen sofort in der Stadt zu verbreiten, andererseits wollte sie aber von dem, was da noch kommen würde, nicht das klitzekleinste Detail versäumen. Sie fragte die umstehendan Gaffer, wer da wohl angekommen sei, aber die zuckten nur blöde mit den Schultern. Unter Aufbietung aller Kräfte blieb sie also von Schweißausbrüchen geschüttelt erst mal auf ihrem Platz.

    Kaum hatte ich den Riegel zurückgeschoben und die Tür geöffnet, stürzte sich Cato in das Halbdunkel der Hütte, irgentwas rumpelte und dann sah ich, wie eine Katze mit einem Satz durch das Fenster verschwand. Cato pflegte stets mit Hingabe seine Feindschaft zu Katzen, aber diesmal wurde nichts draus, denn bis er den Umweg durch die Tür geschafft hatte, war das Viech schon über alle Berge.


    Während ich mir noch überlegte, wieso der Fensterladen offenstand, fiel mein Blick auf eine flache Schüssel, die auf dem Tisch stand. In dem Kump hafteten noch Reste einer Suppe, die nicht von unserem letzten Aufenthalt im Herbst stammen konnte. Das Zeug hatte noch keinen Schimmel angesetzt und roch ziemlich frisch. Der zugehörige Holzlöffel lag auf dem Boden, was wohl Cato oder der Mieze geschuldet war. Und die zerlumpten Klamotten in der Ecke, an denen Cato gerade schnüffelte, gehörten offenbar unserem heimlichen Suppenesser. Bei Lokis schütterem Bart, wir hatten einen Untermieter, der seine Miete nicht bezahlt hatte.


    Einen Augenblick lang dachte ich darüber nach, ob ich nicht Cato auf die Spur des Kerls setzen sollte, ließ es dann aber sein, weil ich keine Lust darauf hatte, Jagd auf einen armen Schlucker zu machen. Ich ging wieder ins Freie und schaute mir die Feuerstelle vor der Hütte an. Die Asche war noch ganz weiß und flockig, obwohl es gestern geregnet hatte. Lange war's also nicht her, dass der Kerl hier herumhantiert hatte. Im Lehm um die Feuerstelle herum waren auch Abdrücke von genagelten Schuhen zu sehen.


    Ich begann, mir die Abdrücke näher anzusehen.

    Als wir den Vicus Navaliorum durchquerten, war Cato hochbeschäftigt, schnüffeln, markieren, ansässige Köter beriechen, knurren, steifbeinig um andere Tölen herumgehen und selbstverständlich auch die eine oder andere Balgerei. Als guter Oberhund hatte ich jetzt dafür zu sorgen, dass mein Gaul sein Tempo mit dem Hund synchronisierte, weshalb wir recht langsam vorankamen.


    Schließlich erreichten wir die Brücke über den Rhenus, die wir unterquerten und von da an ging es schneller. Wir nahmen bis kurz vor dem Vicus Salutaris den Leinpfad. Cato hatte unterwegs zwar ein paarmal nach den Enten geschielt, sich aber irgendwelcher Angriffe enthalten. Dann nahm ich die Straße, die am Vicus Salutaris vorbeiführt, um Cato vor weiteren Abenteuern zu bewahren.


    An dem neuen Obstacker angekommen, sah ich, dass die Eselskarren noch gar nicht eingetroffen waren, stieg vom Pferd und wollte mich eben auf einen Holzklotz setzen, als Cato anschlug und wie von Wespen gestochen zur Hütte hinüber raste. Vor der Tür kam er zum Stehen und fing an zu kläffen. Ich weiß zwar, dass Hunde manchmal Dinge sehen, riechen oder hören, von denen wir Menschen nichts mitkriegen, aber ich bin trotzdem fest davon überzeugt, dass auch Hunde eine Art Phantasie haben, die ihnen gelegentlich einen Streich spielt.


    Dennoch rannte ich hinterher.

    Eine ganze Obstplantage zu versetzen, ist gar nicht so einfach. Aber ich hatte mich schon vor ein paar Jahren mit dem Quaestor rumgestritten, weil ich den Verdacht hatte, dass ich für meine Obstäcker zuviel Pacht zahlte. Um genau zu sein, ich hatte für 20 iugera Pacht zu zahlen, aber wir hatten nachgemessen: es waren nur 17 iugera. Weil aber dieser Schlumpf von Quaestor keine Übersicht über die Liegenschaften hatte und weil kein Agrimensor aufzutreiben war, beschloss ich, den Streit dadurch zu beenden, dass ich mir kurzerhand woanders geeignete Flächen suchte. Die fanden sich dann eine halbe Meile nördlich des Vicus Salutaris. Es waren 25 iugera (wir haben nachgemessen) und es war Pacht für 25 iugera zu zahlen.


    Der Platz war gut, die Nähe des Rhenus sorgte dafür, dass sich Nachtfröste in Grenzen hielten und so hatten wir gleich damit begonnen, dort neue Obstbäume zu pflanzen. Wir hatten am Waldrand auch eine Holzhütte gebaut, um bei miesem Wetter wenigstens ein Dach über dem Kopf zu haben.


    Es dauert ja ein paar Jahre, bis die neuen Bäume fruchten, weshalb ich die Pacht für die alten Flächen jetzt erst kündigte. Nun wollten wir auch die Imkerei auf die neuen Flächen umsetzen. Nachdem die Bienenkästen ihre Reise zu ihrem neuen Platz auf Eselskarren angetreten hatten, ritt ich hinüber zu dem neuen Pomarium, um nach dem Rechten zu sehen. Ich nahm unseren Hund Cato mit. Der würde schon den Weg dahin dankbar als willkommene Abwechslung betrachten, obwohl klar war, dass er sich fast auf der ganzen Strecke mit den dort ansässigen Kötern herumbalgen musste. Aber Hunde scheinen auch das als Vergnügen aufzufassen. Wobei man sagen muss, dass Cato die fremden Köter meist schon von weitem taxierte und fiesen Zeitgenossen aus dem Weg ging. Ein kluger Hund.

    "Gut, die Sache mit den Händlern bringe ich dann schleunigst auf den Weg, damit hier wieder normale Zustände eintreten," sagte ich mit einem Lächeln.


    Ich überlegte, was für ihn sonst noch wichtig sein könnte und da fiel mir die Chose mit den Straßen ein. "Du weißt ja vielleicht, dass nach dem Durchzug der Legionen die Straßen, na, sagen wir, ein bißchen zertreten sind. Wir haben vor, entsprechende Instandsetzungsarbeiten anzuleiern und die Civitates haben wegen der Kosten auch schon mit dem Jammern angefangen. Ich hoffe sehr, dass die Legio hierzu Mannschaften abkommandieren kann. In dieser Sache wird dich sicher der Legatus Augusti, wer auch immer das sein wird, noch ansprechen. Das Ding eilt nicht, wir können damit eh erst im Frühjahr anfangen. Und noch einen Punkt, damit wir zum Ende kommen, wir haben hier eine Miliz unter dem Kommando von Marcus Petronius Crispus aufgestellt. Ich denke, die wird man nun wieder auflösen können. Es hat ja, den Göttern sei Dank, in der Abwesenheit der Legio keine gravierenden Überfälle der Germanen gegeben, die deutlich über das Niveau von Viehdiebstählen hinausgegangen wären. Die Miliz selbst war aber nicht in Kampfhandlungen verwickelt. Das wäre mal das Wichtigste. Bleibt uns noch, auf den Legatus Augusti zu warten."