Beiträge von Iunia Serrana

    "Hoffen wir einfach, dass es so bald keinen weiteren Grund für Streitereien geben wird." sagte Serrana, den Kopf an der Schulter ihres Mannes, und genoss diesen kleinen Augenblick der wiedergewonnenen Nähe und Eintracht, bevor sie den Kopf dann doch wieder hob und Sedulus überrascht ansah. "Mein Schüler? Oh, bis jetzt ist alles sehr vielversprechend, der junge Flavius ist wirklich sehr ambitioniert und gibt sich große Mühe. Ich hoffe nur, er nimmt mich auch ernst, schließlich bin ich ja genauso jung wie er."

    Ihr Gegenüber hatte noch nicht ganz das Wort "Feuerdienst" ausgesprochen, da biss sich Serrana bereits mit vor Verlegenheit glühenden Wangen auf die Unterlippe und nickte hastig. Götter, was für eine Vermessenheit....Romana hatte sich derart verständnisvoll und fürsorglich ihr gegenüber gezeigt, dass Serrana für eine Weile nur noch die Freundin in ihr gesehen, deren Amt jedoch fast völlig ausgeblendet hatte. Dabei war die Claudia immerhin Vestalin, die Tochter des Kaisers, und damit eine der meistgeachtetsten Frauen Roms. Vermutlich war ihr ganzer Tag mit Pflichten angefüllt, die für das Wohl aller Bürger dieser Stadt von Bedeutung und damit viel wichtiger waren als die Niederkunft irgendeiner verschreckten Plebejerin.


    "Ja, natürlich. Tut mir leid, dass ich nicht selbst daran gedacht habe. Das letzte, was ich möchte, ist dich von deinen Pflichten abzuhalten." Auf Serranas Gesicht erschien ein leicht schiefes Lächeln. "Schließlich will ich es mir nicht auch noch mit Vesta verderben, ich glaube, die Liste mit verärgerten Göttern ist schon lang genug."

    Hatte sie es vielleicht überhört, oder hatte ihr Schüler wirklich ein kleines, aber doch sehr wichtiges Detail in Bezug auf das Opfertier nicht genannt? Vielleicht war es ihm auch zu selbstverständlich erschienen, und er hatte es deshalb nicht erwähnt. Serrana legte den Kopf leicht schräg und sah den jungen Flavier abwartend an. Vielleicht ergänzte er seine Angaben ja noch, ansonsten konnte sie immer noch nachhaken.

    Unterschiedliche Meinungen oder gar weitere Streiteren in der Zukunft? Nein, darüber wollte Serrana jetzt bei besten Willen nicht nachdenken, auch wenn diese natürlich ein unvermeidlicher Bestandteil jeder normalen Ehe waren. Sie war viel zu froh darüber, dass Sedulus in diesem Moment gesund und munter bei ihr saß und nicht wie Axillas Mann kalt und mit zerschmetterten Gliedmaßen irgendwo aufgebahrt lag und umschlang ihn nun ihrerseits, während sie sich an ihn drückte und seinen Kuss erwiderte. Ja, da war er, warm und lebendig in ihren Armen, und solange das so blieb, würde ihnen beiden und auch ihrem Kind nicht das geringste Unheil geschehen können.


    "Ja, das finde ich auch." sagte sie schließlich, ohne sich von ihrem Mann zu lösen. "Aber trotzdem kann ich für die nächste Zeit darauf verzichten, wenn ich ehrlich bin."

    Serrana sah Aculeo überrascht an, als dieser so unverblümt von den Schwangerschaftsbeschwerden seiner Mutter erzählte, aber wirklich schockiert war sie nicht. Noch vor wenigen Monaten wäre sie das vermutich gewesen, aber jetzt überwog das Mitgefühl mit dem jungen Verwandten ihres Mannes, der sich ganz offensichtlich für seine unüberlegte Bemerkung schämte.


    "Vermutlich werde ich bald genug erfahren, wie es deiner Mutter gegangen ist." sagte sie lächelnd an Aculeo gewandt. "Ein paar Monate hab ich ja noch vor mir, da kann der Kleine noch jede Menge üben, und wenn er so weitermacht wie bisher, wird es streckenweise sicher auch schmerzhaft werden." Sie zwinkerte ihm noch einmal aufmunternd zu und wandte sich dann wieder dem strahlenden Verus zu. Wie glücklich der aussah, er musste wirklich sehr verliebt sein.


    "Das hört sich wirklich beeindruckend an, ich hoffe, ich kann deine Herzensdame so bald wie möglich kennenlernen. Wenn sie noch nicht lange in Rom lebt, dann kann ich ihr ja vielleicht ein paar Sachen zeigen." Serrana trank einen Schluck aus ihrem Wasserbecher und seufzte leise und ziemlich wehmütig auf, als Verus sich nach ihrem Dienst im Tempel erkundigte.


    "Nun, meine Arbeit macht mir nach wie vor sehr viel Freude, zumal ich jetzt sogar meinen ersten Schüler zugewiesen bekommen habe. Aber bis unser Kind nicht geboren ist, bin ich von allen rituellen Handlungen im Tempel ausgeschlossen, und das fehlt mir schon sehr, wenn ich ehrlich bin."

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    Artanes



    Artanes runzelte die Stirn und versuchte, sich an den genauen Ablauf der Ereignisse zu erinnern, nachdem er sein Opfer hatte unterbrechen muessen.
    "Nun, die Frau hat ausgesagt, der Moerder sei bereits verschwunden gewesen, als sie den Toten gefunden hatte. Und einer ihrer Sklaven behauptete, sie sei vergewaltigt worden, aber mehr konnte ich nicht mehr in Erfahrung bringen. Ich hatte sie kaum festgenommen, da kamen die Rinder und ich hatte keine Gelegenheit mehr, die anderen Sklaven weiter zu befragen."

    Als sie das Laecheln auf den Lippen des Flaviers sah, musste Serrana schmunzeln. Waren ihre Fragen zu einfach? Vermutlich, allerdings war dies ja auch ihre erste gemeinsame Stunde, und sie hatte ihn nicht direkt abfragen sondern sich einen ersten Ueberblick ueber seine allgemeinen Kenntnisse verschaffen wollen.


    "Stell dir bitte vor, du wuerdest ein Opfer fuer Apollon, deine favorisierte Gottheit planen und dieses auch selbst durchfuehren. Wie wuerdest du vorgehen und welche Details muesstest du im Vorfeld beachten?"

    Beim naechsten Kind... Nur eine kleine Bemerkung, die aber unendlich viel enthielt: Weiterleben und eine gemeinsame Zeit und Zukunft mit einer eigenen und vielleicht sogar noch anwachsenden Familie. Lauter Dinge, die Axilla zumindest in den naechsten Wochen und Monaten versagt bleiben wuerden, ging es Serrana kurz, begleitet von dem schon bekannten Schuldgefuehl, durch den Kopf, doch dann verdraengte sie diesen Gedanken so gut es ging und spuerte lieber den Bewegungen von Sedulus Hand nach. Und erst jetzt, in diesem Moment, wurde ihr bewusst, dass ihre Traeume von blauen Himmeln und idealisierten Situationen Unsinn waren. Darauf kam es schlichtweg nicht an, entscheidend war nur, dass sie jetzt beisammen waren, dass ihr Kind lebte und in wenigen Monaten auf die Welt kommen wuerde. Nicht spektakulaer und alles andere als ideal und doch so unendlich kostbar. Traurig, dass erst ein anderer Mensch sein Leben freiwillig hatte beenden muessen, um jetzt zum ersten Mal so etwas wie Kampfeswillen in Serrana zu wecken. Sie versuchte, sich das Gesicht des Aelius Archias vor Augen zu rufen, musste jedoch feststellen, dass ihr das nicht mehr moeglich war, die ohnehin nicht allzu vertrauten Zuege tauchten nur noch voellig verschwommen vor ihrem inneren Auge auf. Nach ein paar Sekunden gab sie es auf und konzentrierte sich lieber auf das Gesicht ihres Mannes, in dem sie mittlerweile jedes kleine Faeltchen kannte und liebte und musste schlucken.


    "Ja, das waere schoen." sagte sie leise. "Quintus, ich wuenschte, ich haette dich heute morgen nicht angeschrien, auch wenn ich wuetend war."

    In einem Tempel erobert? Serrana war ohnehin bereits neugierig auf die junge Bekannte des Decimers gewesen, und dieses Detail war noch zusaetzliches Wasser auf ihre Muehlen. In einem Tempel, ausgerechnet...wie ueberaus romantisch und ganz sicher ein Wink der Goetter...


    "Das hoert sich wirklich wunderschoen an, Decimus Verus." sagte sie aufgeregt und beugte sich ein Stueck weiter in Richtung ihres Hausgastes. "Warum laedst du sie nicht mal zum Essen hierher ein? Von der Familie haette sicher niemand etwas dagegen, und ich wuerde sie gern ein wenig naeher kennenlernen." Serrana sah fragend ihren Mann an, um sicherzugehen, dass er nichs dagegen hatte, dann wandte sie sich dessen jungen Verwandten zu.


    "Mir geht es gut, danke, dass du nachfragst, Aculeo." laechelte sie diesen an und verlagerte automatisch ihr Gewicht auf der Kline, weil es ihr bereits wieder ein wenig unbequem geworden war. "Und bei dem kleinen Germanicus scheint auch alles zu besten zu stehen, er ist schon ausgesprochen lebhaft und erinnert mich staendig an seine Anwesenheit." Und prompt, wie auf Bestellung, spuerte Serrana ein paar energische Tritte und fuhr kurz mit der Hand ueber die entsprechende Stelle.

    Abhaken und vergessen....bei Sedulus hoerte sich alles immer so furchtbar einfach und unkompliziert an, und vermutlich wuerde es ihm an ihrer Stelle sogar gelingen, diese Episode endgueltig ad acta zu legen und sich anderen Dingen zuzuwenden. Serrana seufzte leise, nickte dann aber, ohne auf das Thema noch einmal einzugehen. Vielleicht hatte sie ja Glueck und wuerde sich eines Tages nicht mehr an ihre unbedachte Bemerkung erinnern koennen, aber irgendwie wurde sie das ungute Gefuehl nicht los, dass sie frueher oder spaeter wieder in ihrem Bewusstsein auftauchen wuerde, und das vermutlich ungefragt und im ungeeignetsten Moment...
    Seine naechste Frage fuehrte Serrana vor Augen, dass er ihre Bemerkung wohl irgendwie missverstanden hatte, und sie schuettelte den Kopf, seine Hand weiterhin mit der ihren festhaltend. Nicht zum ersten Mal an diesem Tag fuehlte sie sich furchtbar unreif und albern und musste nach Worten suchen, um sich doch noch verstaendlich zu machen. "Nein, so meinte ich das nicht. Vermutlich bin ich wirklich verwirrt und durcheinander, aber ich glaube und hoffe, dass das unserem Kind bislang nicht geschadet hat. Das hoert sich vermutlich laecherlich an, aber ich hab mir immer vorgestellt, wie es sein wird, wenn es sich zum ersten Mal bewegt. Dass wir dann vielleicht zusammen sein werden, oder ich im Garten in der Sonne sitze und den Voegeln zuhoere. In meinem Kopf war dieser Tag immer wunderschoen und nicht so dunkel und voller Tod wie der heutige." Serrana warf ihrem Mann einen unsicheren Blick zu. Ob er es wohl bereits bereute, sie geheiratet zu haben, so unsinnig und unreif wie sich benahm? Sie selbst verabscheute sich und ihr Benehmen im Augenblick zutiefst, warum also sollte er das nicht auch tun?

    Nachdem sie das breite Laecheln des Decimers erwidert hatte, wandte sich Serrana ihrem Teller zu und hing einen Augenblick lang ihren eigenen Gedanken nach. Decimus Verus war ihr mittlerweile wirklich sehr sympathisch und sie bekam noch nachtraeglich ein etwas schlechtes Gewissen, weil sie ihn bei ihrem ersten Zusammentreffen damals auf den Trajansmaerkten so seltsam gefunden hatte, als sie mit Calvena unterwegs gewesen war. Auch in diesem Fall hatte sich die Weisheit bewahrheitet, dass man einen Menschen erst naeher kennenlernen und dann erst urteilen sollte, dann gehoerten auch kleine Besonderheiten einfach zu ihn und waren nicht mehr merkwuerdig. Als Sedulus sie ploetzlich ansprach, hob sie den Kopf und schuettelte diesen dann sofort. "Oh nein, keine Sorge, ich langweile mich nicht. Schliessliche geht es um die Zukunft deines Verwandten und deines Freundes, das ist doch nun wirklich wichtiger als irgendein Klatsch und Tratsch." Hoffentlich war ihr Mann nicht ernsthaft der Meinung, dass derartige Themen das einzige waren, dass sie bei einer Cena vor Langeweile bewahrte. Ob sich vielleicht spaeter eine Gelegenheit ergeben wuerde, Verus nach seiner jungen Begleitung im Theater zu fragen? Die junge Frau hatte einen sehr sympathischen Eindruck auf Serrana gemacht und war auch etwa im gleichen Alter gewesen, da wuerde sich ein naeheres Kennelernen schon lohnen.

    Serrana nickte anerkennend. Der junge Flavier besass bereits ein ausgesprochen vielversprechendes Wissen, und nicht zum ersten Mal fuehlte sie Bedauern darueber, dass sie ihn beim praktischen und damit wirklich spannenden Teil seiner Ausbildung nicht wuerde begleiten koennen. Andererseits und weniger eigennuetzig gedacht, war es fuer ihn vermutlich von Vorteil, bei einer so erfahrenen Priesterin wie Pedania Iunor zu lernen und nicht bei einer jungen Anfaengerin, die kaum selbst die Rolle der Discipula abgestreift hatte.


    "Das, was du sagst ist richtig." nickte sie erneut. "Es gibt bei kultischen Handlungen kaum ein wichtigeres Gebot als absolute Wachsamkeit in bezug auf die Einhaltung aller Regeln. Nur, wenn von vornherein Fehler ausgeschlossen werden, koennen wir erwarten, dass die Goetter sich uns und unseren Anliegen wohlwollend zuwenden. Kannst du mir vielleicht ein paar praktische Beispiele geben, wo moegliche Fehlerquellen liegen koennten? Stell dir bitte vor, du moechtest einer bestimmten Gottheit ein Opfer darbringen: worauf musst du achten?"

    Serrana biss sich auf die Lippen und starrte weiterhin das Laken an. Natuerlich hatte Sedulus recht, Axillas Beziehung zu dem Aelier hatte sie in keinster Weise betroffen, und noch viel weniger war es ihre Aufgabe gewesen, im Kaiserlichen Palast als vermeintliche moralische Instanz aufzutreten. Der ganze Besuch dort war eigentlich unnoetig gewesen und, wenn sie ehrlich zu sich war, nur aus reiner Neugier auf den ominoesen Liebhaber und Kindsvater zustande gekommen. Wenn sie sich mit dessen Anblick wenigstens zufrieden gegeben haette....aber nein, sie hatte unbedingt die empoerte Aeditua an den Tag legen und sich damit, aus reiner Selbstgefaelligkeit und Gedankenlosigkeit, fuer den Rest ihrer Tage einen dunklen Punkt in ihr Gewissen meisseln muessen.


    "Nein, natuerlich moechte ich das nicht. Ich weiss ja, dass es falsch war, und hoffe, dass mir so etwas nie wieder passieren wird." sagte sie schliesslich kleinlaut. Es war nicht einfach, zu einem derart unnoetigen Fehler zu stehen, aber Serrana schienen die damit verbundene Scham und Reue eine angemessene Strafe zu sein, daher machte sie auch keinerlei Anstalten sich in irgendeiner Weise zu rechtfertigen. "Ich weiss nicht, ob ich das jemals wirklich werde vergessen koennen, aber vermutlich sollte ich das auch nicht." sagte sie leise, und als Sedulus ihr ploetzlich die Hand auf den Bauch legte und diesen leise streichelte, atmete sie zum ersten Mal seit vielen Minuten wieder richtig durch und legte dann nach einem kurzen Zoegern ihre Hand erst neben und dann auf die seine. "Weisst du, was komisch ist? Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, heute hab zum ersten Mal richtig gespuert, wie es sich bewegt. Ganz leicht nur, wie eine Art Flattern. Waere das nicht seltsam, ausgerechnet an einen derart schrecklichen Tag?"

    Serrana sah Umbricius einen Augenblick lang ratlos an. Der junge Germanicus schien ausgesprochen stolz zu sein, was sie verstand und im Grunde auch gut hiess, aber das bedeutete auch, dass er sich selbst mehr Steine in den Weg legte, als es vermutlich notwendig gewesen waere.


    "Nun, der Grundkurs kostet dich kein Geld, fuer den kannst du dich in jedem Fall anmelden." sagte sie bestimmt. "Und was die anderen weitergehenden Studien betrifft, so wird dir mein Mann sicher das notwendige Geld vorstrecken, wenn er weiss, dass du sie fuer deine berufliche Zukunft brauchst. Dafuer ist eine Familie doch schliesslich da, oder nicht? Und du brauchst dich deshalb doch nicht unwohl zu fuehlen, sicher wird irgendwann einmal der Tag kommen, an dem du Quintus oder einem anderen Mitglied der Familie helfen koennen wirst." Serrana legte kurz den Kopf schief und kaute gedankenverloren auf ihrer Unterlippe herum, bevor ihr wieder eine Idee kam. "Und wenn du dir partout nichts von ihm leihen willst, dann frag ihn doch mal, ob du eine Zeit lang fuer ihn als Scriba arbeiten kannst. Bislang hat Volubilis Vitale diese Arbeit fuer ihn miterledigt, aber der ist eigentlich der Scriba von Avarus und mit diesem zur Zeit in Germanien."

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    Artanes


    Auch das Gesicht des Rex Nemorensis blieb ausdruckslos, waehrend sich vor seinen Augen ein weiteres, wenn auch diesmal weitgehend schweigend ablaufendes, Drama abspielte. Zu viel Leid, zuviele Tote und zuviel Elend hatte er an diesem Tag bereits gesehen, als dass ihn das Ende der vermeintlichen Frevlerin und der Schock, unter dem deren Gatte ganz offensichtlich stand, noch wirklich haette beruehren koennen. Fast dankbar fuer die Frage des Tiberiers widmete er diesem wieder seine volle Aufmerksamkeit, auch wenn er dessen Frage nicht wirklich beantworten konnte.


    "Ich bin mir nicht sicher." sagte er wahrheitsgemaess. "Das erste Hufgetrappel haben wir gehoert, unmittelbar nachdem wir die Frau und den Ermordeten gefunden hatten. Sie kam aus oestlicher Richtung, aber woher die Rinder stammten und wohin sie letztlich gelaufen sind, kann ich dir nicht sagen."

    Serrana nickte, langsam zuerst und dann entschiedener. Ja, sich mit den Lehre der Stoa noch genauer zu beschaeftigen war eine gute Idee, und das nicht nur, um ihre staendig ruhelosen und besorgten Gedankengaenge wieder in ruhigere Gewaesser zu lenken. Ohne sich dessen ueberhaupt bewusst zu sein, begann die Iunia wieder Ueberlegungen ueber ihr Leben nach der Niederkunft anzustellen, und das war ein wirklich gutes Gefuehl.


    "Ich glaube, du hast Recht. Ich denke, einer meiner groessten Fehler ist, dass ich viel zu viel nachdenke und dann leicht in Panik gerate. Aber dagegen kann man sicher etwas tun." sagte sie schliesslich ohne die Haende aus denen der Vestaln zu loesen. Die Beruehrung erdete sie irgendwie, in einer Weise wie es ihr sonst nur gelang, wenn sie die Haende auf ihren mittlerweile gerundeten Bauch legte und in sich hineinspuerte. Ganz abgesehen, dass es ihr auf diese Weise viel leichter fiel, ihre Bitte zu formulieren, denn bei einer distanzierten Romana haette sie sich, Vertrauen hin oder her, so etwas nie getraut.


    "Also...eh...mein Kind das wird im Winter geboren werden. Und...ehm...also, ich wollte dich fragen, ob ich dich vielleicht rufen lassen duerfte, wenn es soweit ist. Ich weiss, dass Quintus alles tun wird, damit alles gut geht und so....aber...ich waere wirklich sehr froh, wenn...dann jemand in meiner Naehe ist, dem die Goetter so viel bedeuten wie mir." Serrana warf einen kurzen unsicheren Blick auf Romana und schaute dann wieder ihrer beider Haende an, waehrend sie weiter sprach. "Natuerlich wuerde ich verstehen, wenn du ablehnen wuerdest. Schliesslich hast du eins der ehrenvollsten Aemter dieser Stadt inne und viel wichtigere Dinge zu tun."

    "Ich bin mir nicht sicher, ob eine der beiden heute abend noch hier auftauchen wird." sagte Serrana an Sedulus gewandt. "Nach allem was ich gehoert habe, hat Sabina Grossmutter einen Streich mit toten Kaefern gespielt und muss zur Strafe dafuer jetzt jeden Tag eine Menge Dinge fuer sie erledigen. Vermutlich sind sie damit noch beschaeftigt." Die toten Kaefer ausgerechnet in Germanica Laevinas Bett zu legen, war sehr mutig von Sabina gewesen aber leider hatte sie ihre alte Verwandte unterschaetzt und musste nun dafuer die Zeche zahlen.Serrana nahm einen grossen Schluck aus ihrem Becher und pickte ein wenig auf ihrem Vorspeisenteller herum, bis die letzten Bemerkungen ihres Mannes und des Decimers sie wieder aufhorchen liessen.


    "Oh, das freut mich aber, Decimus Verus." sagte sie an den Hausgast gewandt, an den sie sich mittlerweile schon gut gewoehnt hatte. "Ich hoffe, dass das eine Arbeit nach deinem Geschmack sein wird."