Es hatte mir recht gut getan, dass Valentina so sachte ihre Hand auf die Meine gelegt hatte. Ich seufzte ein wenig verhalten und betrachtete dann weiter das Spektakel, welches auf der Rednerbühne vor sich ging. Ich sollte wirklich vermehrt daran arbeiten, mir in Zukunft in Rom einen Namen zu machen. Nicht nur wegen Valentina und meiner Familie, sondern auch wegen der Kinder, welche ich hoffte in horrenden Mengen irgendwann einmal zu haben. So schön eine Ehe auch sein mochte, sie brachte doch Verpflichtungen mit sich, welche sich nicht in Oden und Lyrik auflösen ließen. Dass es momentan im Haus eine Sorge um Silas gab, war mir in diesem Moment vollkommen fern. Schließlich war dieser Anlass ja auch irgendwie dazu gemacht die alltäglichen Sorgen in den Hintergrund zu drängen und sich dem jetzigen Moment hinzugeben. Wenn es doch nur vollumfänglich funktionieren würde. Doch was man in die Welt hinaus sandte, das kam auch irgendwann zu einem zurück. Also lächelte ich nun und atmete mit geschlossenen Augen tief durch.
Dann lauschte ich den Worten meiner Verlobten, welche meine Sklavin zu beruhigen versuchte, welche wohl in Bezug auf den verschwundenen Sklavin aufgewühlt war. Ausgerechnet Silas! Sollte er zurück kommen, würde ich ihn ins Gebet nehmen, auch wenn ich hoffte, dass er in einem heilen und gesunden Zustand sein würde. Sein Verschwinden konnte ich mir nicht erklären und irgendwie kratzte es schon an der Ehre sich vorstellen zu müssen, dass er mutwillig aus der Casa Decima entflohen war. War ich ihm ein solch schlechter Herr gewesen, dass der Junge meinte woanders sein Glück versuchen zu müssen? Noch einmal seufzte ich tief, während einer der Redner – ich wusste nicht, der wievielte es war – Rom als ein irdisches Elysium darstellte. Unter dieser Vorstellung musste ich grinsen, denn mein Bild dieser Stadt war ein vollkommen anderes.
“Er weiß nicht, dass das eigentliche Elysium in Griechenland liegt!“, wisperte ich meiner Geliebten ganz leise ins Ohr. “Ich kann dir von zum Beispiel Piräus und Athen Geschichten erzählen….“ Kurz darauf traf es mich wie ein Schlag! In all dem Trubel hatte ich doch glatt vergessen meine liebe Mutter auf die Liste der geladenen Hochzeitsgäste zu setzen! Sicherlich würde sie nicht erscheinen, aber eine Einladung hatte sie allemal verdient. Mein Blick schwenkte nun zu Grian hinüber, die genussvoll die ihr dargereichte Erdbeere verspeiste. Die Farbe der Frucht passte gut zu ihren Lippen, wie ich feststellen musste. Ich lächelte der Sklavin zu. “Es scheint zu munden!“, stellte ich anschließend in den Raum, ehe ich mich räusperte. Irgendwie war es nicht gut, mich ständig dabei überraschen zu müssen, wie ich Grian anstarrte. Meine Hand streichelte nun weiter jene von Valentina. “Du wirst sehen! Nächstes Jahr werde ich nicht nur den Rednerpreis für dich gewinnen, sondern auch im Tempel weiter aufgestiegen sein.“ Ein wenig verschwöererisch waren diese Worte über meine Lippen gekommen. “Unsere Kinder werden sehr stolz sein!“ Um die Lemuren in meinem Geiste zu verdrängen, war meine Stimme dabei zu einem dunkeln Gurren herabgesunken, welchem dem eines balzenden Täuberichs nicht ganz unähnlich war. Sonderbar. Am liebsten würde ich nun mit Valentina heim gehen. Wegen der Kinder und dergleichen.