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Dieser Tag war einfach erschöpfend gewesen. Bis vor wenigen Minuten habe ich noch mit Livia, Metellus und meinem Vater im Triclinium gesessen. Es war schön, einfach eine familiäre Stimmung durch meinen Vater zurückzuerhalten. Ein wunderbares Gefühl.
Eine Sklavin half mir beim auskleiden und ich zog mir ein hauchdünnes Nachtgewand an. Mit einem Lächeln dachte ich daran, dass Publius dieses neue Stück sehr gefallen würde, wenn er erst einmal wieder hier war. Und auf diesen Moment freute ich mich schon sehr. Als ich meine Haare gelöst hatte entließ ich die Sklavin mit dem Wunsch nun ungestört zu sein und legte mich unter das warme Leinen.
Und wie gut, dass mein Vater hier war. Ich liebte ihn noch genauso wie immer und das war auch gut so. Sicher, er hatte inzwischen mal eine etwas trunkenen Tage, doch das änderte nichts an meinen Gefühlen zu ihm. Ich blickte aus dem Fenster in der Nähe hinaus. Es war eine sternenklare Nacht und ich überlegte, ob Publius wohl gerade vielleicht auch in den Himmel sah. Vielleicht sogar zum gleichen Punkt?
Die Gens Tiberia war eine tolle Familie, doch es fehlte noch, bis ich mich hier vollkommen heimisch fühlen würde. Es ist ein merkwürdiges Gefühl, eine Patrizierin zu sein. Man hat sein ganzes Leben lang in Arbeit gelebt und nun war ich von Luxus umgeben. Schon früher hatte ich es besser als manches Plebejermädchen. Ob man das an meinen Umgangsformen bemerkte? Ob deshalb unsere Hochzeit in Frage gekommen ist?
Wie schön, fand ich, dass kein großer Skandal ausgelöst wurde, durch unsere Hochzeit zwischen den beiden verschiedenen Ständen und den beiden Factiones. Und auch, dass mein Vater diesem Bund zugestimmt hatte, war etwas besonderes. Er sprang dabei über seinen eigenen Schatten, denn die Grünen mochte er ja nun nicht sonderlich.
Ich drehte mich auf die Seite. Und langsam mit den Gedanken in meiner Kindheit begann ich einzuschlummern.
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