Entschuldigt bitte meine Schreibpause. Ich habe gerade extrem wenig Freizeit. Dazu kommt an diesem Wochenende ein Kurs und diverses andere. Ich denke vor Montag ist mit mir nicht zu rechnen.
Beiträge von Susina Alpina
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Alpina merkte, dass Curio seinen Sohn gerne wieder halten wollte. Sie stand deshalb auf und fragte ihn.
"Hat deine Mutter mit dir das Tollere Infantem - das Aufheben des Kindes vom Boden - als Zeichen dass du das Kind annimmst durchgeführt? Wenn nicht, dann sollten wir das jetzt nachholen."Diese Zeremonie war nicht nur Tradition, sie hatte auch formale Gültigkeit. Sie als Hebamme konnte als Zeugin bürgen, dass Curio seinen Sohn als den seinen anerkannt hat. Also sah sie ihren Schwager herausfordernd an.
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Als sie den kleinen Leif im Arm hielt musste sie an den Moment denken als sie Ursicina das erste Mal in den Armen gehalten hatte. Der römischen Name war sehr traditionell und gefiel Alpina durchaus. Sie konnte sich den Jungen schon vorstellen wie er die Toga praetexta ablegte anlegte und mit Stolz seinen vollen Namen sprach.
Den Dank nahm Alpina gerne von der Freundin an.
"Es war mir ein Bedürfnis dir zurseite zu stehen, Runa. Und ich habe das ja nicht zum ersten Mal gemacht. Meist zieht sich die erste Geburt sehr lange hin und viele Frauen sind irgendwann am Ende ihrer Kräfte. Das was sie dann sagen ist nicht ernst zu nehmen." Alpina zwinkerte Runa zu. "Und ich wäre nicht Hebamme geworden, wenn ich nicht im passenden Augenblick den Befehlston auspacken könnte. Manchmal muss das eben sein."Während sich Runa stärkte, schaukelte Alpina den kleinen Leif ein wenig auf dem Arm und betrachtete die entspannten Gesichtszüge. Wem sah der kleine Helvetier mehr ähnlich? Mutter Natur wollte es, dass man den Vater deutlich genug herauserkennen konnte, so dass Curio nicht auf die Idee kommen konnte, es wäre nicht sein Kind. Was ohnehin nicht zur Debatte stand. Aber die feinen Augenbrauen und das Stupsnäschen... da sah man dann doch die hübsche Germanin.
"Ich freue mich so sehr, dass alles gut gegangen ist und Ursi bald einen Spielkameraden haben wird. Einzig Neman tut mir ein wenig leid. Sie ist schon jetzt mit Ursi gut beschäftigt." Alpina musste lachen. "Wie auch immer, sie wird sich daran gewöhnen müssen. Ich nehme an, dass dies nicht das letzte Kind in der Casa Helvetia sein wird..."In dem Moment hielt die Raeterin inne. Vermutlich aber würde wohl eher Runa für weitern Nachwuchs sorgen, denn Alpina hatte ja keine Ahnung ob Corvinus jemals wiederkehren würde. Ihr Blick ging zu Curio. Sie wünschte sich, dass sie dieselbe Zuversicht wie er hätte, dass Corvinus eines Tages wiederkehren würde.
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Als Alpina mit der Hühnerbruhe das Cubiculum betrat lag der kleine Helvetius bereits zufrieden nuckelnd an der Mutterbrust. Alpina freute sich, dass die Freundin keine Amme für ihr Kind haben wollte sondern ganz selbstverständlich ihm die Brust gab.
Die Hebamme richtete den kleinen Beistelltisch für die frisch gebackenen Eltern her und stellte ihn ganz nah an Runas Bett, so dass sie mit einigen Kissen unter dem Rücken in der Lage sein würde im Bett zu essen. Sie beobachtete noch eine Weile Mutter und Sohn, dann fragte sie neugierig: "Wie soll mein Neffe denn jetzt heißen? Das würde mich doch brennend interessieren."
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Curios Dank nahm Alpina gerne an. Nicht auszudenken was gewesen wäre, wenn Runa wie ihre Mutter an einer Geburtskomplikation gestorben wäre. Sie verscheuchte den Gedanken. Dann kam eine Frage, die sie ein wenig stutzen ließ.
"Nun, du solltest einfach auf die Bedürfnisse deiner Frau eingehen und sie fragen wie sie es gerne hätte. Es gibt Frauen, die nach so einer Tortur gerne alleine sind und sich regenerieren, andere brauchen den Partner umso dringender. Ich gehe mal davon aus, dass du meinst du willst die Nacht an ihrer Seite verbringen und nicht "die Nacht mit ihr verbringen"...denn das wird noch einige Zeit dauern."Alpina warf dem Schwager einen warnenden Blick zu, war sich aber ziemlich sicher, dass Curio nicht einer derjenigen Männer war, die ihrer Frau keine Ruhe gönnten und ihr sogleich wieder beiwohnen wollten kaum dass das Kind geboren war. Mit einem versöhnlichen Lächeln schob sie also ein "geh zu ihr und frag sie selbst..." hinterher. "Ich werde dafür sorgen, das sie eine stärkende Suppe bekommt, wenn sie wieder wach ist und Hunger bekommt."
Damit verließ die Raeterin den Raum. -
Während Timarcha Curio seinen Sohn brachte kümmerte sich Alpina um Runa. Die hatte es mit letzter Kraft geschafft auf ihr Bett zu kommen. Alpina setzte sich zu ihr und sprach mit sanfter Stimme.
"Du hast das großartig gemacht, Runa. Dein Sohn ist gesund und stark. Er wird Ursicina ein prächtiger Spielgefährte sein und euch ordentlich auf Trab halten. So leid es mir tut, aber deine Schmerzen sind noch nicht beendet. Die Plazenta muss noch geboren werden. Es tut nur noch kurz weh und ist gleich vorbei."Mit sanften Massagegriffen rieb die Hebamme den Bauch der Wöchnerin und nach einigen Nachwehen konnte sie mit sanftem Zug an der Nabelschnur den Mutterkuchen lösen. Er glitt nach draußen. Sofort unterzog Alpina ihn einer genauen Untersuchung. Er war vollständig und intakt.
"Alles in Ordnung", beruhigte sie Runa. Dann half sie der Freundin eine frische Tunika und Wollbinden anzulegen.
Runa war so erschöpft, dass sie sogleich einschlief.Nur wenig später betrat Curio das Cubiculum. Für ihn musste die wie bewußtlos schlafende Runa erschreckend wirken. War doch erst kürzlich Runas Mutter im Kindbett gestorben. Alpina beeilte sich also den Sachverhalt aufzuklären.
"Sie ist vor Erschöpfung eingeschlafen. Kein Grund zur Sorge, Curio. Leg deinen Sohn neben sie. Das wird ihn beruhigen und Runa wird sich auch freuen wenn sie wach wird."
Dann drückte sie ihrem Schwager einen kurzen Kuss auf die Wange. "Gratuliere zu deinem ersten Sohn, Curio! Er ist ein Prachtkerl."Schnell packte sie die verschmutzten Dinge zusammen und verließ den Raum, damit die beiden allein sein konnten.
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Als das Kind in Alpinas Arme rutschte war die erfahrene Hebamme mehr als erleichtert. Es war der Sohn, den Runa sich gewünscht hatte. Der Kleine war mit einer Mischung aus Blut und Käseschmiere bedeckt. Seine Haut war marmoriert, die Lippen ein wenig bläulich.
"Dein Sohn ist geboren, Runa! Du hast es hervorragend gemacht!"
Alpina hüllte ihn in ein Tuch und wartete auf den ersten Schrei, doch der kleine Fratz verzog nur das Gesicht. Alpina klopfte ihm sanft mit den Fingerspitzen auf den Rücken. Sie flehte.
"Na, na, kleiner Helvetius... komm schon! Bitte..."Es dauerte eine erschreckende kleine Ewigkeit bis der Junge endlich den Mund öffnete und einen erstickten Schrei von sich gab. Erst beim nächsten Atemzug holte er wirklich tief Luft. Nun hörte man schon deutlicher, dass es sich bei dem Kleinen um einen Helvetier handelte. Alpina lächelte.
Sie gab Timarcha das eingehüllte Kind in den Arm und begann die Nabelschnur abzubinden und zu durchtrennen. Als das geschafft war, nickte sie ihrer Schwiegermutter zu, damit sie Runa das Kind zeigen konnte. Sie selbst würde das Bett soweit vorbereiten, dass sich die erschöpfte Mutter gleich mit ihrem Sohn hinlegen konnte.
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Die Worte des Gebetes konnte Alpina nur teilweise verstehen, doch sie hörte die Inbrunst mit der sie gesprochen wurden, die innere Versenkung und Zwiesprache mit den Überirdischen. Kaum war das Gebet beendet setzten die Presswehen ein. Keinen Moment zu früh, denn viel Kraft hatte Runa nicht mehr.
Ihre zum Schrei werdende Frage beantwortete die Hebamme mit einem Kopfnicken. "Ja, jetzt darfst du mitpressen! Pressen, Runa! Pressen!" feuerte Alpina die Freundin an.
Und tatsächlich! Endlich waren Wehen und die Muskelanspannung stark genug den großen Kopf des Kindes durch den Muttermund zu schieben. Alpina half so gut es ging das empfindliche Gewebe des Beckenbodens vor dem Reißen zu schützen. Die Fontanelle wurde tastbar. Mit der nächsten Presswehe war der Kopf bis zur Nasenspitze zu sehen. Die Schmerzen waren nun unerträglich. Runa schrie sich die Seele aus dem Leib.
Doch Alpina musste noch mehr fordern. "Weiter Runa, PRESSEN!" -
Als der Talisman gebracht wurde ging Alpina damit zu Runa. Sie drückte ihr den besonders geformten Bernstein in die Hand und sagte mit Nachdruck.
"Ich habe schon viele Entbindungen erlebt und sehr oft half dieser Stein schon meiner Mutter und Großmutter dann schließlich auch mir geholfen, wenn es einfach nicht vorwärts gehen wollte. Halt ihn ganz fest und bete zu deinen Göttern damit sie deinem Kind den Weg freigeben."Sie wartete Runas spirituelle Sammlung ab, wusst sie doch, dass die Aeditua über einen ganz besonderen Draht zu den Göttern verfügte. Sicher würde Runa auch unter diesen Extrembedingungen in der Lage sein, die Kommunikation mit den Göttern herzustellen und um Beistand zu bitten. Wer wenn nicht sie konnte das?
Alpina konzentrierte sich wieder auf ihre Arbeit. Sie schob den Hocker näher an die stehende Runa, ölte sich die Hände wieder ein und machte den Dammschutz. Sie wartete ab ob die Gebete endlich zu den erhofften Presswehen führen würden.
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Auch wenn Alpina die Flüche ihrer Freundin nur annähernd verstand, konnte sie nachvollziehen, dass sie die Maßnahmen der Hebamme nicht guthieß. Doch was blieb ihr anderes als sich den Ratschlägen der erfahrenen Geburtshelferin zu beugen.
Die Geburt zog sich hin. Auf den Diptamtrank wurden die Wehen zunächst stärker, nur leider nicht häufiger. Nach einiger Zeit jedoch ließ die Qualität der Wehen wieder nach. Der Muttermund war inzwischen vollständig geöffnet. Runa quälte sich. Alpina bereitete eine weitere Menge Diptam vor und gab ihn der Freundin zu trinken.
Endlich kam die Nachricht, dass Curio eingetroffen wäre. Ob es Runa helfen würde, wenn sie wüsste, dass er in der Nähe war?Wie man es drehte und wendete. Runa würde das Kind ohnehin selbst zur Welt bringen müssen. Mit einem Mal fiel Alpina ein Talisman ein, den sie von ihrer Großmutter erhalten hatte. Die alte Hebamme hatte ihrer Tochter nach der ersten gemeinsam durchstandenen Entbindung einen Bernstein geschenkt, der ein Loch in der Mitte hatte. Den rund geschliffenen Stein hatte die Großmutter auf eine Lederschnur gefädelt. Er lag in dem kleinen Kästchen, in dem sie auch ihre raetischen Flügelfibeln aufbewahrte.
"Gwyn kannst du mir aus unserem Cubiculum das kleine Kästchen bringen, in dem ich meinen Schmuck aufbewahre? Darin befindet sich ein sehr potenter Talisman, der schon vielen Frauen geholfen hat, ihr Kind auf die Welt zu bringen. Er ist seit Generationen in der Familie."Man sollte schließlich nichts unversucht lassen.
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Die Bitte ihrer Freundin, den Geburtsschmerz zu nehmen, brachte bei der Hebamme ein heftiges Kopfschütteln hervor.
"Ohne den Schmerz wird dieses Kind nicht geboren, Runa. Es tut mir leid. Dein Kind möchte auf die Welt kommen, es drückt mit seinem Kopf deinen Beckenboden auseinander. Das tut weh. So ist es und du wirst es ebenso überstehen wie schon unzählige Frauen vor dir."Ungerührt fuhr Alpina mit ihrer Arbeit fort. Sie ölte sich die Hände ein und begann den Damm zu massieren und mit geschickten Fingern den Muttermund zu weiten. Doch was ihr Sorgen machte, war der immernoch große Abstand zwischen den Wehen.
"Die Wehen sind noch immer zu selten. So kommen wir nicht voran und das Liegen verschlechtert die Lage. Am besten wäre es, du würdest stehen, Runa. Ich werde dir einen Diptamtrank machen. Dieser wird die Wehen häufiger und intensiver machen. Leider wird der Schmerz damit nicht weniger... eher mehr..."Sie sah die Freundin aufrichtig an. Kinderkriegen war kein Zuckerschlecken. Mit einem Blick auf TImarcha gab sie das Kommando. "Wir helfen dir. Aber du musst jetzt in die Senkrechte!"
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Alpina hatte bereits alles für die Vaginalspülung vorbereitet. Die ausgesuchten Heilpflanzen waren entzündungshemmend und schleimhautpflegend. Auf einem Beistelltisch hatte sie eine Schweineblase mit dem Kräutersud vorbereitet. Daneben stand bereits das Öl, das die Hebamme spätestens in der Pressphase benötigen würde und eine Schale mit abgekochtem Wasser. Alle Instrumente lagen bereit auch wenn Alpina davon ausging sie nicht so bald zu benötigen.
Runas Wiederkehr kündigte sich mit hörbaren Schmerzäußerungen an. Immerhin schienen die Wehen stärker und häufiger geworden zu sein. Gwen hatte einige Kissen, alte Tücher und Decken und frische Tücher für das Neugeborene hergerichtet. Als die Germanin von Timarcha hereingeführt wurde empfing Alpina sie mit einem aufmunternden Lächeln.
"Nun? Geht es voran?"Sie hatte auf dem Bett einen Kissenberg errichtet und ihn mit einer alten Decke zugedeckt. Als Runa näher kam erklärte sie den Zweck des Gebildes.
"Ich möchte, dass du das Becken hochlagerst, damit der Einlauf, den ich machen will möglichst lang seine Wirkung entfalten kann."Dann half die Hebamme der Freundin sich passend zu positionieren. Alpina führte die Spülung durch. Nebenbei überprüfte sie den Muttermund. Immerhin etwas mehr als 5-6 Finger breit. Besser aber noch lang nicht genug. Die eine Hand auf dem Unterbauch, die andere am Muttermund wartete sie auf die nächste Wehe.
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Indem sie Runa untergehakt hatte, erreichten die Alpina und die Gebärende das Cubiculum des Ehepaares. Mit einigen schnellen Handgriffen legte die Hebamme ein großes Handtuch auf das Bett und half der Freundin sich so hinzulegen, dass sie eine Untersuchung vornehmen konnte. Fruchtwasser sickerte aus dem nur gering geöffneten Muttermund. Alpina kniff die Lippen zusammen. So wie der Beckenboden aussah würde es noch lange dauern bis Runas Kind geboren werden würde. Der Tastbefund des Bauches hingegen war positiv. Wie schon in den vergangenen Wochen lag der oder die Kleine kopfabwärts und war nun auch schon ein Stück tiefer ins Becken gesunken. Optimale Startbedingungen.
Das Ohr auf dem Bauch verriet gleichmäßige und kräftige Herzschläge. Also zunächst kein Grund zur Sorge. Alpina nickte.
"Dein Kind ist startbereit im Becken. Leider ist der Muttermund noch nicht weit geöffnet. Nur ein bis zwei Finger breit. Du weißt selbst dass das noch nicht ausreicht. Auch sind die Wehen noch zu schwach und unregelmäßig. Ich schlage vor, du trinkst einen Trank aus Eisenkraut um die Wehen anzuregen und gehst noch ein wenig auf und ab. Ich bereite inzwischen einen Einlauf aus Schafgarbe, Spitzwegerich und Kamille vor. Eine reine Vorsichtsmaßnahme wegen des grünen Fruchtwassers. Kein Grund zur Sorge, aber ich möchte kein Risiko eingehen."In diesem Augenblick klopfte es an der Tür. Die Stimme, die nach Silvana rief, war eindeutig Timarcha zuzuordnen. Alpina grinste. "Na fein, sie kommt wie gerufen! Nun kann Timarcha mit dir spazieren gehen und ich kann alles vorbereiten."
Die Hebamme stand auf und ging zur Tür. Die besorgte Miene der Schwiegermutter verriet ihre Aufregung. "Timarcha, wie schön! Du kommst gerade rechtzeitig. Runa kann deine Hilfe brauchen. Ich muss geschwind in die Taberna Medica."
Sie schob die Matrone ins Cubiculum und schloss die Tür hinter sich.
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Nachdem Curio den Jungen in Alpinas Obhut entlassen hatte, nahm die raetische Hebamme ihren neuen Mitbewohner zur Besichtigung des Hauses mit. Sie verließen das Triclinium und Alpina führte Kaeso durch das Atrium in den Hausteil, den sie, Corvinus und Ursicina bewohnten.
"Vielleicht ist es dir von außen bereits aufgefallen. Die Casa Helvetia ist zweigeteilt. Sie bestand aus mehreren Häusern, die zu einem verbunden wurden. Den linken Teil bewohnt mein Schwager Iullus Helvetius Curio mit seiner Gattin Duccia Silvana, die ich als Freundin Runa nennen darf. Sie ist hochschwanger und wird bald niederkommen. Zunächst zeige ich dir den rechten Teil des Hauses, der auch deine Kammer enthält. Mein Lebensgefährte ist der ältere Bruder des Aedituus. Sein Name ist Lucius Helvetius Corvinus. Er ist Decurio in der Legio II und zur Zeit auf einer Mission im Osten des Reiches, irgendwo zwischen Epirus und Antiochia..."Alpina pausierte. Es fiel ihr schwer, es auszusprechen. "... ich hoffe, dass er bald wieder zu mir und unserer gemeinsamen Tochter Ursicia zurückkehrt. Ursi ist 9 Monate alt und wird wenn ich arbeite oder auf einer Entbindung bin von der Kinderfrau Neman betreut."
Tatsächlich war gerade ein fröhliches Quitschen gefolgt von einer mahnenden Stimme aus dem kleinen Atrium zu vernehmen. Als sie den Raum mit dem kleinen Impluvium betraten konnten sie Ursi sehen, die wie der Blitz auf allen vieren vor Neman davonkrabbelte, die ihre Mühe hatte dem Fratz zu folgen. Alpina grinste. Sie sah Kaeso an.
"Darf ich vorstellen? Susina Ursicina, meine Tochter, und die Kinderfrau Neman."Neman hatte Ursi endlich eingeholt und hob sie ächzend hoch. Mit entnervter Miene trat sie zu den beiden. Ursicina beobachtete neugierig den jungen Gast. Alpina stellte der Kinderfrau Kaeso vor.
"Neman, das hier ist Kaeso. Er wird mir in der Taberna Medica zur Hand gehen, Botendienste erledigen und nach einer gewissen Einarbeitungszeit mich auch vertreten, wenn ich auf Hausbesuchen bin. So ist ein Ersatz für Runa gefunden, die ohnehin genug anderes zu tun hat und du bist auch entlastet. Kaeso wird neben der Taberna Medica in dem kleinen Cubiculum schlafen."Die Kinderfrau musterte den Jungen mit zusammengekniffenen Augen. "Er ist ein wenig jung, findest du nicht Alpina. Bist du sicher, dass er der Richtige für diese verantwortungsvolle Aufgabe ist?"
Alpina atmete tief durch. Sie hatte keine Lust mit Neman über ihre Entscheidung zu diskutieren. "Ja, ich bin mir sicher", sagte sie knapp. "Komm Kaeso, hier herüber..."
Sie ging voran in Richtung auf das gemeinsame Cubiculum von ihr und Corvinus. -
Auf Licinus Angebot bei einem Metzger einkaufen zu lassen nickte sie und bedankte sich.
"Das ist ein großzügiges Angebot. Nicht weit von hier auf dem Weg zum Castellum liegt eine Metzgerei. Da könntest du vielleicht ein Huhn bekommen. Unsere Sklavin Gwen kann es zubereiten und auch du wirst in den Genuß der Brühe kommen. Immerhin ist es für dich auch schon die dritte Nacht in Folge, die du teilweise durchwachst."Alpina wusste ja nicht, dass der Praefectus Castrorum selbst durch einen schweren Unfall geschwächt war. Hätte sie es gewusst, hätte sie ihm niemals eine Nachtwache aufgezwungen. Sie lächelte auf seinen Dank hin, machte aber eine abwehrende Geste.
"Esquilina ist stark. Sie kämpft tapfer. Mit deiner und meiner Unterstützung wird sie es schon schaffen. Die Götter mögen ihre schützenden Hände über sie halten."Schließlich bat Licinus über Nacht bleiben zu können. Alpina nickte.
"Selbsverständlich kannst du hier bleiben. Ich werde Liam und Roderiq bitten, dir eine Cline zu holen. Dann kannst du im Vorraum zu diesem Cubiculum oder im kleinen Atrium schlafen. Ganz wie du willst. Ich werde jedenfalls nicht zulassen, dass du gegen die Wand gelehnt schläfst. Gastfreundschaft sieht in der Casa Helvetia anders aus."Um ihre Aussage zu unterstreichen stütze sie die Hände in die Hüften und versuchte einen strengen Gesichtsausdruck zu miemen.
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Alpina sah zu wie der Leichnahm des Germanen auf seinen wieder aufgerichteten Wagen gehoben wurde. Frau und Kinder übernahmen das Gefährt. Schweigend reichte die Witwe der Raeterin die Hand. Dann nahm sie die Zügel und trieb das Zugtier an sich in Bewegung zu setzen.
Wie sie dem davonrollenden Wagen nachsah spürte sie die Nähe eines anderen Menschen, der sich offenbar hinter sie gestellt hatte. Alpina drehte sich um und erkannte Babilus. Es war an der Zeit dem hilfsbereiten jungen Soldaten für seine tatkräftige Unterstützung zu danken.
"Danke, Iulius Babilus. Du hast alles versucht, dem armen Mann zu helfen. Es lag nicht in deiner und nicht in meiner Hand ihn zu retten. So sehr ich es mir gewünscht hätte."Sie streckte die Hand aus. "Ich hoffe wir sehen uns unter angenehmeren Umständen wieder. Spätestens wenn du deine Ausbildung beendet hast und das Castellum auch außerhalb von EInsätzen verlassen darfst, komm doch mal in der Taberna Medica Alpina in der Casa Helvetia in den Cabanae vorbei. Ich würde mich freuen."
Mit einem warmen Lächeln und einem Kopfnicken verabschiedete sich Alpina und folgte Roderiq, der wie selbstverständlich ihren Korb mit den Heilmitteln trug.
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Curio war auf einem Wahlkampftermin. Natürlich - wo sonst. Aber es war ganz gut wenn er abgelenkt war.
"Ich werden Kaeso losschicken, ihm Bescheid zu geben. So schnell wird er nicht Vater werden, also besteht kein Grund zur Eile. Und Neman schicke ich um TImarcha zu holen. Wir beide gehen inzwischen mal in euer Cubiculum, damit ich dich untersuchen kann. Soll ich dich stützen?"Mit sanftem Nachdruck schob sie der Freundin den Arm unter der Achsel durch und half ihr auf. Dann geleitete sie Runa in ihr Cubiculum.
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Alpina griff den Korb, der in ihrem Vorratsraum stand. Auf dem Weg klopfte sie an Kaesos Tür.
"Kaeso? Ich bräuchte dich. Kannst du Iullius Helvetius Curio suchen? Er hat einen Wahlkampftermin am Hafen. Sag ihm, dass seine Frau, Duccia Silvana, in Wehen liegt. Er wird bald Vater werden. Sag ihm aber auch, dass es noch eine Weile dauern wird. Er muss sich nicht beeilen und kann seinen Termin in Ruhe beenden. Wirst du das schaffen?" -
Mit ruhigem Kopfnicken hörte Alpina die Beschreibung der Wehen an. Dann kam die unsichere Frage, ob es zu früh für die Entbindung sei. Die erfahrene Hebamme schüttelte den Kopf.
"Es ist schon gut so. Die Kinder wissen schon wann es Zeit für sie ist diese Welt zu betreten. Für deinen Sohn ist der Zeitpunkt gekommen. Was mich ein wenig nachdenklich stimmt ist die Farbe des Fruchtwassers. Aber wenn der Geruch nicht ungewöhnlich war..."Sie beendete den Satz nicht. Das grüne Fruchtwasser konnte bedeuten, dass es dem Kind nicht gut ging und war auch eine Gefahr für die Mutter im Wochenbett. Alpina würde Vorkehrungen treffen müssen. Sie wollte gleich einen Einlauf mit Spitzwegerich, Schafgarbe und Kamille vorbereiten. Dazu einen wehenfördernden Trank, denn noch waren die Wehen nicht ausreichend.
"Wir müssen die Wehen beobachten. Also sehen wie häufig sie kommen. Außerdem muss ich dich natürlich untersuchen. Am besten gehen wir in euer Cubiculum. Ist Curio zuhause oder sollen wir ihn rufen lassen? Er wird wissen wollen, dass er bald Vater wird. Und was ist mit Timarcha? Willst du sie dabei haben oder soll ich sie nur rufen wenn es in die heiße Phase geht?" -
Runas Stimme und der Schmerzensschrei konnten nur eines bedeuten - die Wehen setzten ein. Wie oft schon hatte sie diesen gepressten Schmerzensschrei gehört und in der Regel konnte sie sehr professionell damit umgehen. In diesem Fall jedoch beschleunigte sich der Puls augenblicklich. Runa bekam ihr erstes Kind - Curios Sohn. Wenn etwas schief gehen würde, verlöre sie nicht nur das Vertrauen der besten Freundin, wenn nicht gar die Freundin selbst, sondern würde auch ihren Schwager ins Unglück stürzen. Es kam darauf an, dass sie alles richtig machte!
"Runa? Ich bin hier. Komm, setz dich erst mal." Alpina schob der Freundin einen Hocker hin. Dunkle Flecken auf der Tunika zeigten den Fruchtwasserverlust an. Die Hebamme nahm die Hand der Freundin, streichelte sie und sprach mit beruhigender Stimme.
"Es ist gut, wenn du schon Wehen hast. Nicht selten geht Fruchtwasser ab bevor die Wehen einsetzen. Also bist du schon auf dem besten Wege zu einer erfolgreichen Geburt."Sie wollte zuversichtlich klingen. Mit sachlicher Professionalität fragte sie die wichtigsten Fakten ab. "Wie fühlt sich der Schmerz an? Wo ist er zu spüren? Ist es die erste Wehe oder waren schon zuvor welche zu spüren? Hatte das Fruchtwasser eine besondere Farbe oder einen außergewöhnlichen Geruch?"
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Ups! Sorry, werter Schwager... ich bin halt in jeder Hinsicht großzügig!
Jetzt ist wieder ein wenig Platz! Damit müssen wir auskommen.