Beiträge von DIVUS VALERIANUS

    Tatsächlich war der Eindruck nicht völlig falsch, dass hier ein Mann saß, den man als Kaiser verkleidet hatte. Die Prozedur, die Valerianus über sich ergehen ließ, bevor er Besucher empfing, war immerhin recht eindrucksvoll, aber ein Kaiser konnte einem Besucher schließlich nicht in Lendenschurz und verknitterter Leinentunika gegenüber treten.


    "Salve, Quaestor. Es freut mich, dich kennenzulernen."


    Valerianus entging nicht die ungewöhnliche Wahl der Toga, aber er ersparte sich eine Bemerkung. Es war nicht so, dass er nicht neugierig war, aber das Gespräch in die Länge ziehen konnte er später immer noch. Außerdem galt es gleich, eine Frage zu beantworten.


    "Gewiss."


    Was sollte er auch anderes sagen, nachdem er von seinen Beamten entsprechend vorbereitet wurde? Der Brief lag sogar auf dem Tisch vor ihm.

    Zitat

    Original von Faustus Octavius Macer
    Deshalb hackte Macer auch nicht weiter nach, sondern hielt sich an die Vorgaben und fasste sich kurz. Sehr wohl, der Praefectus Urbi gab mir einige Pflichten als Aufgabe. Ich wollte mich wie bereits erwähnt nur kurz vorstellen, damit du weißt, wer der Quaestor Principis ist.


    "Das ist gut. Salinator ist ein verlässlicher Mann."


    Die Bemerkung schien Valerianus mehr zu sich selber zu sprechen als zum Quaestor Principis. Aber weiteres schien es in der Tat nicht zu besprechen oder zu nennen zu geben.


    "Dann danke ich dir für diese Vorstellung. Ich erwarte, dass du deine Aufgaben gut erfüllst."

    Zitat

    Original von Faustus Octavius Macer
    Salve Imperator. Ich bin Faustus Octavius Macer, Neffe des Senator Gaius Octavius Victor. Der amtierende Consul Lucius Flavius Furianus schickt mich, damit du dir ein kurzes Bild über den amtierenden Quaestor Principis machen kannst.


    Valerianus musterte den Mann kurz, während diese sich ihm vorstelle. Er machte einen ordentlichen Eindruck auf ihn.


    "Es freut mich, dich kennenzulernen, Quaestor. Es ist gut, seine Leute zu kennen. Früher, als ich gesund war, bin ich viel im Lager umher gelaufen, um die Offiziere bei der Arbeit zu sehen."


    Sein Blick wurde träumerisch und unklar. Die vergangene Zeit schien ihn glücklicher zu machen als die jetzige. Mit einem Zucken kam er in die Gegenwart zurück und massierte sich leicht den Kopf.


    "Du hast deine Aufgaben bereits erhalten, nehme ich an."

    Die guten Nachrichten aus dem Cultus Deorum erfreuten Valerianus, die schlechten Nachrichten zur gesundheitlichen Lage des Flamen Dialis betrübten ihn. Wenn er irgendetwas nachfühlen konnte, dann waren es im Moment sich nicht bessernde Krankheiten.


    "Ich bitte die Götter um die Genesung des Flamen Dialis wie um meine eigene. Wir müssen diese Prüfung bestehen."


    Bezüglich des Atrium Vestae hatte er keine Erinnerungen an einen ihm vorgelegten Bericht, versicherte sich aber mit einem Seitenblick zu einem Beamten, bevor er antwortete.


    "Mir wurde kein Bericht vorgelegt."

    Auch wenn er sich nach Kräften bemühte, konnte Valerianus mit diesen Worten und Warnungen nicht viel mehr anfangen, als mit dem, was ihm der Consul zuvor gesagt hatte. Gleichzeitig fiel es ihm schwer, den Pontifex fest und aufmerksam im Blick zu behalten.


    "Mein lieber Pontifex pro magistro, nichts wünsche ich mir mehr, als wieder in Rom zu sein und alles mit eigenen Augen zu sehen. Das ist der Platz, den mein Vater für mich vorgesehen hatte. Aber es geht nicht. Noch nicht."


    Im Gegensatz zu seinen Worten schien die Stimme zu resignieren. Er machte eine Pause und senkte den Blick, bevor er weiter sprach.


    "Aber Salinator ist keine Gefahr. Er hat viele Gefahren abgewandt, viele Schlachten für mich und mit mir geschlagen. Und außerdem ist dort ja noch Quarto, mein lieber Bruder. Aber ich werde an eure Ermahnung denken und mehr Briefe schreiben."

    Zitat

    Original von Lucius Flavius Furianus
    Nun war es am Kaiser zu antworten.


    Valerianus bemühte sich, den Ausführungen des Flavius Furianus aufmerksam und aufrecht zu folgen, was ihm unter Aufbringung einiger Anstrengung auch weitgehend gelang. Die Rede trug jedoch nicht zu seiner Erbauung bei, so dass er langsam wieder in sich zusammen sank.


    "Du sprichst in schwammigen Worten, denen ich nicht ganz folgen kann. Mir ist nichts von einem Verbot von senatorischen Gesetzen bekannt. Hätte Salinator derartiges angeordnet, hätte er mich informiert. Ich habe keinen Zweifel an seiner Zuverlässigkeit und auch nicht daran, dass er zuverlässige Leute als seine Helfer auswählt. Es betrübt mich, dass ihr ihm weniger vertraut als mir oder meinem Vater."

    Valerianus rechnete mit dem Schlimmsten, als der unangemeldete Bote sein Zimmer betrat, verfolgt von einer nicht gerade leise und dezent redenden und gestikulierenden Gruppe von Hofbeamten und weiteren Gardisten. Er öffnete das Schreiben mit besorgtem Blick und begann zu lesen. Sein Blick wurde leerer, als er die Mitte des Schreibens erreicht hatte. Er ließ die Rolle sinken.


    "Die Götter haben sich verschworen. Erst nehmen sie meinen Vater. Nun nehmen sie diesen. Bald nehmen sie sicher mich. Geht opfern!"


    Für eine Weile nahm er niemanden um sicher herum wahr und nahm den Brief nicht wieder auf, um ihn zu Ende zu lesen.

    "So wie die Worte eines Mannes nicht immer die ehrliche Wahrheit über seine Taten berichten, berichtet das Äußere eines Mannes auch nicht immer die Wahrheit über seine Kraft."


    Hätte Valerianus seine Tage wieder durchgängig liegend verbracht, wie damals zeitweise im Illyricum, hätte er jeden Glauben an eine Genesung schon aufgegeben. So hielt ihn wenigstens dieser zusammen mit der Seeluft aufrecht.

    Valerianus war nicht schlecht erstaunt gewesen, als man ihn von der Anwesenheit des Consuls und des Consulars in Kenntnis setzte. Tatsächlich wurde dazu dann das geplante Tagesprogramm behutsam abgeändert, um Zeit für eine Audienz zu finden. Nach einer nicht allzu langen Wartezeit wurden die beiden Männer daher in ein Arbeitszimmer geführt, in dem hinter einem Tisch Valerianus auf sie wartete.

    In der letzten zeit war es ruhig gewesen in Misenum. Zu ruhig sicher für den Geschmack mancher, die der Ansicht waren, dass Valerianus ins pulsierende Zentrum der Macht gehörte und das Reich dort sein ewig pochendes Herz haben sollte, wo er sich aufhielt. Andere waren der Ansicht, dass die Ruhe Valerianus nur gut tun könnte und dass sich die wahre Stärke eines Reiches und seiner Führung erst dann zeigt, wenn die oberste Spitze nicht jeden Faden selber zieht. Valerianus gehörte auch zu den Leuten, die jener Ansicht waren. Die Ruhe tat ihm sichtlich gut, auch wenn sie ihn etwas melancholisch machte. Rom war in Gedanken weit weg, es lastete kein Druck mehr auf ihm. So konnte sich sein gebeutelter Körper erholen.


    Und Briefe wurden beantwortet, auch ohne dass er über ihren Inhalt persönlich entscheiden musste.

    Valerianus hatte dieser Zusammenfassung nichts hinzuzufügen. Da der Praefectus Praetorio auch keine neuen Punkte vorbrachte, erachtete er das Gespräch damit auch als beendet.


    "Gut. Dann sind wir soweit fertig? Dann danke ich für deinen Besuch."

    Der Vorschlag lief also offenbar auf dasselbe hinaus, was Valerianus auch von seinem Bruder gehört hatte. Hatte er damals noch wenig begeistert reagiert, da Quarto keinerlei militärische Befähigung vorweisen konnte, klang dieselbe Empfehlung aus dem Mund des Praefectus Praetorio für Valerianus schon überzeugender.


    "Danke für deine Einschätzung. Wenn Salinator keine Einwände hat, kann das so umgesetzt werden."

    Sein Bruder hatte Valerianus nur einen Kandidaten empfohlen, nun bekam er drei vom Praefectus Praetorio zu hören. Immerhin waren es nun nicht in Summe vier, sondern es blieb bei drei.


    "Drei sind zwei zu viel für einen solchen Posten. Wen empfiehlst du?"

    Auch beim wiederholten Nachdenken erschienen Valerianus die geäußerten Ideen für die Aufwertung und Ausweitung des Postdienstes sehr umfangreich. Auch wenn es nur die beiden niedrigsten ritterlichen Stufen waren, waren es doch eben zwei ritterliche Stufen dort, wo vorher keine waren.


    "Gut. Ich werde über deine Vorschläge noch weiter nachdenken."

    "Das kann ich ebenso sagen, Bruder! Ich danke für deinen Besuch. Grüße Rom von mir und alle, die an mich denken."


    Die Gedanken von Valerianus waren schon dabei, was er seinem Sohn sagen wollte. Aber in der Kürze der Zeit hatte er noch keinen griffigen Gedanken fassen können. Vielleicht kam ihm ja in der Nacht einer, wenn er nicht schlafen konnte.

    "Dann verzichtet vorerst darauf. Mir ist immer noch nicht ganz klar, wie ihr mit polizeilichen Massnahmen gegen interne Missstände bei der Postzustellung vorgehen wollt."


    Valerianus schien langsam zu einer Entscheidung in diesem Thema kommen zu wollen.


    "Den finanziellen Aspekt der zusätzlichen Stellen hast du schon mit dem Procurator a rationibus besprechen? Und welchen Platz im ritterlichen Cursus Honorum sollten diese Stellen einnehmen?"

    Eine Weile dachte Valerianus über die Antwort nach, oder zumindest schien es so. Er hatte sich nie in dem Umfang um seinen Sohn kümmern können, wi es vielleicht nötig gewesen wäre, um ihn schon früh auf seine mögliche Rolle vorzubereiten. Als Feldherr konnte er es nicht und jetzt konnte er es ebenso wenig.


    "Dann also ein rascher Aufbruch. Ich informiere ihn morgen."