Beiträge von DIVUS VALERIANUS

    „Als erstes vermessen wir die beiden breiten Hauptstraßen, die Via Praetoria und die Via Principalis, deren Kreuzungspunkt heißt Locus Gromae und zwar wegen dem Ding daneben.“


    Er zeigt auf das Visierinstrument der Lagervermesser einige Schritt neben ihnen


    „Die Groma.


    Nun, die Straßen verbinden die vier Tore miteinander.“


    Der Legat dreht sich geschwind und seine Rechte zuckt blitzschnell in verschiedene Richtungen.


    „Die Porta Praetoria, das Haupttor.“


    „Die Porta Decumana, das Hintertor.“


    „Und die beiden Seitentore … „


    Nun steht er wie ein Gekreuzigter vor dem Sklaven.


    „Die Porta Principalis Dextra ….. et Sinistra.


    Ähm, gut, manche Lager haben nur zwei, manchmal sogar nur ein Tor, andere sogar sechs, aber das hier ist Usus.“


    Er kratzt sich den Bart


    „Da wir hier logischerweise keine Torhäuser und Torflügel haben, so schützen wir die Eingänge durch vorgelagerte Wälle und Gräben. Zwischen dem Außenwall und unseren Zelten wird ein recht breiter Streifen frei bleiben, das Intervallum. Es hat zwei Vorteile, feindliche Wurfgeschosse treffen eher nicht und man kann ganze Abteilungen in ihnen antreten lassen um dortige Durchbrüche zu kompensieren oder schnell Männer zu verlegen.“


    Seufzt


    „Wo sich Via Praetoria und Principalis kreuzen wird sich das Forum befinden, der Versammlungsplatz des Lagers, daran grenzt das Praetorium, das Hauptquartier mit meinem Zelt. Hier werden unsere Feldzeichen stehen und die Kriegskasse ist auch hier. Wie Du sehen kannst führen die Männer viele Aufgaben aus, Schanzen tut nur ein teil der Truppe. Es werden die Zelte aufgestellt, dort die Tiere versorgt, das Abendessen vorbereitet und natürlich werden wir durch Vorposten und Bereitschaftstruppen geschirmt, falls sich Laeca zum Essen einlädt. Die Männer mögen es nicht ein Lager zu errichten, wenn sie den ganzen Tag marschiert sind und kein Feind zu sehen ist, aber mein Freund, der Lagerbau hat uns Römer durch die Zeit vor mehr als einer Katastrophe bewart, das kannst Du mir glauben.“

    In Mitten der Arbeiten steht der Legatus und erklärt seinem Gast freundlich die Geschehnisse. Was nicht selbstverständlich ist, denn der Gast ist ein Sklave, aber wahrscheinlich der machtvollste Sklave im Reich, auch wenn man dies nicht merkt. Sklaven sehen mehr und hören vor allem mehr und der Herr dieses Sklaven hört gerne alles, bevor es geschieht. Dubnus hatte den Legaten aus Roma begleitet, hinter den Sinn dieser Eskorte war der Kommandeur noch nicht gekommen. Aber das würde er noch.


    „Die Einteilung im Inneren des Lagers ist so gut wie immer die selbe und entspricht hellenistischen Stadtaufteilungen. Also kreuzen sich alle Straßen im rechten Winkel, wodurch gleichmäßige Viertel entstehen.“


    Sieht den Sklaven an, der ihn interessiert ansieht. Valerian wird das Gefühl nicht los, als würde der Mann das alles bereits wissen.

    Der Straße parallel zum Fluss folgend kommt die Legio XIV Flavia in Kampfbereitschaft trotzdem gut voran. Canusium hat man bereits wieder hinter sich gelassen. Eine Abordnung der Stadt Venusia kam am Vormittag. Vom Feind wusste man nichts. Zumindest nichts brauchbares, alles nur Gerüchte. Kein Feindkontakt, keine Feindsichtung.


    Legatus Valerianus reitet mit einem Tribun auf eine Anhöhe, nahe dem Aufidus.


    „Sieh da Severus, hier teilt sich der Fluss und im Delta werden wir unser Feldlager errichten. Wir können über den Fluss versorgt werden und haben die Städte Ausculum und Venusia als Flankenschutz.“


    „Warum marschieren wir nicht gradewegs auf den Feind? Wer braucht ein Feldlager?“


    blickt den jungen Tribun an und lehnt sich im Sattel zurück



    „Eure Vorfahren haben das verschanzte Lager für einen sicheren Hafen des Heeres gehalten, von wo sie zum Kampf ausrücken, wohin sie sich, vom Sturm der Schlacht verschlagen, zurückziehen konnten. Das Lager ist für den Sieger eine gute Heimstatt, für den Geschlagenen eine Zuflucht. Dieser kriegerische Wohnsitz ist ein zweites Vaterland, der Wall ersetzt die Stadtmauern, und für den Soldaten ist das Zelt sein Haus und Herd … Livius.


    Gib die notwendigen Befehle weiter!“

    Der Legat und seine Tribune treten zum Tisch auf dem eine Karte liegt.


    „Tribuni, also können wir davon ausgehen, dass Apulia noch feindfrei ist und die feindlichen Truppen irgendwo in Lucanien stehen. Tarentum im Süden und Canusium im Norden werden unsere Flankenbastionen, Barium unser vorläufiges Versorgungslager, die Flotte wird genug heranschaffen können um uns und die Stadt zu versorgen, nötigenfalls aus Illyricum. Die Versorgung sollte also gesichert sein, Truppen an Städte abkommandieren werde ich nicht, dazu haben wir nicht genug und einmal damit angefangen wird bald jeder Truppen haben wollen, die Marineinfanterie soll nur Barium sichern.“


    Allgemeines Nicken.


    „Wir haben jetzt drei Optionen ….


    Erstens an Tarentum vorbei Heraclea zurückerobern und dem Feind somit den Nachschub abschneiden, wir ständen dann hinter ihm doch ist mir die Gefahr dabei zu hoch. Entweder man geht mit zwei Legionen gegen uns vor, oder mit zwei gegen die Legio Prima und sollte man letztere schlagen ist zwischen ihm und Roma niemand mehr und der Kaiser wird Roma nicht verlassen, sollte Roma fallen und der Kaiser fallen, so wäre die Lage für die Kommandeure eine andere als jetzt, kein Nachfolger, ein drohender weiterer Bürgerkrieg, da könnte Laecas Attraktivität steigen, besonders wenn er durch den Senat als Kaiser bestätigt würde, was er dann unweigerlich würde.


    Zweite Option, wir gehen durch die Mitte Richtung Silvium durch die Pampa, was unseren Marsch aber wegen fehlender Straßen blockieren würde. In dieser Richtung würden wir am schnellsten von Laeca und er am schnellsten von uns erfahren, was er so oder so bald wissen wird. Auch hierbei könnte er nach Norden zur Legio Prima vorstoßen ohne das wir eingreifen könnten und wir gewännen gar nichts, es wäre ein Schlag ins Leere.


    Ich plädiere also für Option drei, wir gehen Richtung Canusium. Barium angreifen kann er nicht, auch er hätte keine Straßen und es brächte ihm nichts, die Zeit kämpft gegen ihn und das weiß er, er muss nach Norden Richtung Roma. Und wir müssen näher an die Erste Legion, die in Misenum steht, je näher desto besser.


    Wir müssen wissen wo Laeca steht, von Heraclea ist er nach Norden aufgebrochen, den Actris entlang und mit Sicherheit in Grumenum, wahrscheinlich wird er von da nach Potentia marschieren, doch von dort kann er weiter nördlich marschieren oder zur Küste zurückkehren. Egal was er tut, wir sollten erst einmal nach Canusium gehen.“


    „Wir werden den Abmarsch vorbereiten!“

    Zügig läuft man durch die Straßen der Stadt und der Legat wird immer wieder gegrüßt und verteilt aufmunternde Worte an seine Männer. Nach kurzer Zeit kommt man zu einer Anhöhe auf der eine prachtvolle Villa steht, der wachestehende Soldat tritt sofort zur Seite. Ein Sklave führt den Legaten sofort in einen Raum in dem in sein Tribunus Laticlavius Gnaeus Pomponius Bonus begrüßt.


    „Valerian, willkommen zurück.“


    „Salve Gnaeus, irgendwas neues?“


    „Die Kundschafter sind gerade zurück, wir haben noch nicht angefangen.“


    Gemeinsam tritt man den drei Legionsreitern entgegen, die salutieren.


    „Männer, was habt ihr herausbekommen?“


    Der erste berichtet.


    „Legat, ich bin mit meinen Leuten bis nach Tarentum geritten, dort ist man erfreut von kaiserlichen Truppen zu hören und hat begonnen sich auf eine Belagerung vorzubereiten. Tarentum ist groß, man wird standhalten. Dort weiß man nur, das Heraclea gefallen ist und dies kampflos und der Feind nördlich weiterzog.“


    Blickt den zweiten an.


    „Legat, meine Gruppe klärte bis hoch nach Canusium auf, kein Feindkontakt und es weiß auch keiner mehr, auch Canusium steht zum Kaiser und macht sich abwehrbereit, doch fordert die Stadt Schutztruppen an.“
    „Danke und Du?“


    „Legat, meine Männer sind von hier südwestlich geritten, ohne Straßen kamen wir nicht sonderlich weit. Im Nest Grumum wusste man so gut wie nichts, doch die Bauern nördlich davon sagen, dass niemand über die Höhen heranziehen würde.“


    „Sehr gut, danke Männer, wegtreten!“

    Die Seeluft weht kalt und schneidend. Man nähert sich Barium, der Hafen liegt voller riesiger Truppentransporter und auf dem Hafengelände wuseln die Legionäre. Valerian hat lange über das Gespräch mit dem Kaiser gegrübelt. Hatte er ihn doch falsch eingeschätzt? Wusste er doch von allen Ereignissen und plante nur in ihm unverständlichen Wegen? Warum nur blieb er so passiv und was hat er vor?


    Das Anlegen am Kai reißt ihn aus seinen Grübeleien.


    „Männer, gut gemacht, sucht Euch eine Unterkunft und lasst Euch bessere Rationen auftischen!“


    Er tritt von Bord und klopft dem bereitstehenden Optio auf die Schulter.


    „Salve, Kamerad, wie ist es Euch ergangen?“


    „Salve Legat, die Fahrt verlief ereignislos, ebenso die Landung, die Stadt steht zum Kaiser, spätestens jetzt jedenfalls. Die Mauern sind besetzt, der Tribun hat angeordnet Material und Nahrung zu horten sowie Exploratores auszusenden. Diese sind eben zurückgekommen und erstatten Bericht, Eure Tribune sind im Hause eines der Duumviren abgestiegen, ich werde Dich hinführen.“


    „Sehr gut, na dann wollen wir diese Rebellion mal zertreten.“

    Nur schwer fängt sich der Legat wieder.


    "Das werde ich tun, mein Kaiser ...........


    ich danke Euch und werde mein bestes geben.


    Doch müsst ihr Euch einfach die Zeit nehmen dem Heer die Aufmerksamkeit und die Mittel zukommen zu lassen, die es braucht, denn Rom braucht das Heer und vorallem braucht ihr es!"


    Er geht langsam zur Tür und tritt hinaus.

    Valerian zieht seinen Dolch und rammt ihn geräuschvoll in den Tisch.


    "Ich wage sogar noch mehr, ich führe meine Männer nur in den Krieg, wenn ich weiß wofür!


    Julian, wacht auf!


    Seid ihr das? Dekrete und Gesetze, endlose Senatsdiskussionen?
    Ein priesterliches Prunkessen nach dem anderen?


    Erwache ehe es zu spät ist, die Feinde sind auf dem Sprung.
    Ihr seid weich geworden. Die Stämme und ebenso Parthien werden dies wahrnehmen. Man hält uns für schwach. das Ruder muss herumgerissen werden und das schnell.


    Hier muss der Schlussstrich gezogen werden!


    Sollte ich mein Leben verwirkt haben, dann soll es so sein.

    "Nein, das muss gesagt werden!


    In dieser Stadt macht es ja scheinbar sonst keiner. Julian, ihr seid als Soldat auf den Thron gekommen und ein Soldat seid ihr, das weiß ich.


    Roms Legionäre haben dieses Reich mit ihrem Blute erobert, sie haben Roms Geschichte mit ihren Gladien geschrieben.


    Verdammt, was ist geschehen?


    Soldkürzungen, Bevormundung durch zivile Beamte, Unterbesetzung und dann kamen die Folgen,


    Aufstand in Britannia und nichts passierte ....


    Unruhen in Germania und nichts wurde unternommen ....


    Ich musste in Illyricum Germanenhorden zurückdrängen ....


    In Hispania wird rebelliert ....


    Und jetzt versucht Laeca dich zu stürzen."

    "Ich habe Grund tur Klage, Augustus.


    Ihr fragt nicht, wie es der Legio XIV geht.


    Ihr wart mit Sicherheit nicht im Lager der Legio Prima.


    Wann wart ihr das letzte Mal im Lager der Castra Praetoria?


    Verdammt, wann habt ihr das letzte Mal Italia verlassen?"

    "Mein Kaiser.


    Ihr kennt mich ohne Bart und etwas jünger.


    Es gab einen Kaiser, der wurde durch Verrat und Unehre zu Fall gebracht.
    Du tratest an seine Ehre wiederherzustellen. Als sich Dein Heer Italia näherte und die Republikaner in Roma noch hofften zu gewinnen, die Legionen in Germania noch schwankten, da habe ich alle Donaulegionen auf Deine Seite gezogen und somit auch Germania bewogen zu ihrem Kaiser zurückzukehren.


    Ich habe mit Eurem Vater Dacia erobert und für Euch Illyricum mal für mal für Roma gehalten. Und auch hier in Italien bin ich auf Euer Geheiß. ich und meine Legion sind hier gelandet um erneut einen Angriff auf den ulpischen Thron zu vereiteln.


    Ich bin Legatus Legionis der Legio XIV Flavia Gaius Aelius Valerianus und muss mit dir sprechen ..... allein!"

    Valerian tritt näher an den Mann heran und schaut ihm drohend in die Augen. Dann brüllt er ihn an.


    "Geh uns aus dem Weg, Spielzeugsoldat!


    Nach all den Jahren Zivilisten ärgern hast Du wohl vergessen wie echte Soldaten aussehen!"


    Die beiden Centurionen und der Optio stellen sich hinter ihren Legaten und stieren auf den Tribunus.


    Dessen Hand zuckt und will zum Heft des Schwertes gleiten doch dann wird die Türe geöffnet.

    Ein Tumult an der Türe zum Peristylium. Wieder reden Männer auf einander ein, wieder lässt Valerian einen Mann zurück, der mit allerlei Pässen und Siegeln für Zugang sorgen dürfte. Wild entschlossen stapfen die verbliebenen vier Männer Richtung Auditorium.


    Gaius Aelius Valerianus, Legatus Legionis, der Legio XIV Flavia, zwei Centurionen und ein Optio. Alle im kleinen Dienstanzug. Tunica, Caligae, Cingulum Militare, Pugio und Gladius.


    Man durchschreitet Portale, stößt Türen auf und schiebt Beamte beiseite.


    Letztlich tritt man an eine Türe heran, doch vor der Gruppe baut sich ein Mann auf.

    Sechs Reiter nähern sich der Porta Tiburtina. Eine Stadtwache stellt sich ihnen in den Weg. Valerian hält sein Pferd an und der Mann schnappt:


    "Wohin?"


    Valerian dreht sich zu einem Tribun um und sagt.


    "Ich habe keine Zeit für sowas."


    Und er und vier seiner Begleiter reiten weiter.
    Der Wachmann will protestieren, doch der Tribun kommt neben ihm auf die Füße und redet auf ihn ein. Vindex kann sehr überzeugend sein, wenn er will und schnell will sich der Mann nur noch verstecken.


    Im scharfen Ritt geht es über den Esquilin.


    Am Porticus Liviae vorbei.


    Die Trajansthermen im Blick.


    Durch die Subura auf den Palatin.

    Eine Mansio hinter Tibur. Es ist dunkel geworden und die sechs Männer betreten die verqualmte Schankstube. Man lässt sich an einem Tisch nieder.


    "Lucius, wir werden nur kurz was essen, die Pferde ein letztes Mal wechseln und dann gehts nach Roma. Ich muss unbedingt ....."


    "Zum Kaiser, ja. Und dann? Wie willst Du überhaupt hinkommen und was willst Du ihm sagen?"


    "Ihm sagen was wirklich passiert in seinem Reich."


    "Und wie willst Du das anstellen?"


    streicht sich durch den Bart


    "Nun, das weiß ich auch noch nicht so ganz genau."

    Nach weniger als einer Stunde hatte man den Hafen von Ostia Aterne erreicht, kaum war das Schiff festgemacht tritt der Legat von Bord.


    "Secundus, ich und fünf Männer reiten nach Roma, haltet das Schiff Tag und Nacht bereit zur Abfahrt, wenn ich wiederkomme segeln wir sofort los!"


    Legt dem Angesprochenen die Hand auf die Schulter und tritt dann vor die fünf Männer, die bereits Pferde haben besorgen können.


    "Männer, wir werden reiten wie der Teufel, keine Rast, kein Halt nur sehr kurze Pausen zum essen und zum Pferdewechseln. Auf gehts Jungs!"


    Die Männer steigen in die Sättel und preschen davon.

    http://www.users.globalnet.co.uk/~loxias/trireme/trireme.jpg



    Legatus Legionis Valerianus hatte den Verband verlassen und war mit einer schnellen Triere den Truppentransportern vorausgeeilt, diese würden weiter nach Barium fahren und er steuerte Ostia Aterne an um dann über Carsioli und Tibur nach Roma zu gelangen. Er musste mit dem Kaiser sprechen, noch eine Stunde und man würde im Hafen sein. Sein persöhnlicher Adjutant tritt neben ihn und fragt ich.


    "Legat ..... Valerian ....... ist es klug die Truppe zu verlassen? Wenn sie wirklich in Heraclea gelandet sind, dann sind unsere Truppen in Barium sehr nahe an ihnen dran."


    "Ich muss zum Kaiser, wenn er empfänglich ist für meine Worte dann jetzt."


    "Aber unsere Legion ...."


    "Wird Barium halten können, die Städte stehen zu uns und eine lange Belagerung werden unsere Feinde nie riskieren, sie müssen schnell agieren, die Zeit ist auf unserer Seite. Und unsere legion im Rücken zu haben wird sie auch beschäftigen sollten sie schnell vorrücken. Ich muss einfach nach Roma."


    "Es muss immer passieren was Du willst und musst."


    "Wenn Du meinst."