Marcellus setzte sich und begann knapp und militärisch seine Beobachtungen dem Tribun vorzutragen.
“Wie ich im Laufe mehrwöchiger Beobachtungen im Bereiche des Forums feststellen konnte ist die Bettlergilde gut organisiert. Während die Bettler meistens außerhalb der Marktstände lagern und ihre Betteltätigkeit durchführen, sind ihre kleinen Helfer stetig zwischen den Marktständen unterwegs um hier und da durch sehr geschickte Täuschungen Besuchern ihre Börse abzunehmen. Nach Zugriff werden die erbeuteten Dinge sofort an die Bettler weitergereicht und von dort durch einen anderen Personenkreis abtransportiert. An Hand der festgestellten Diebstähle hätte eine kurze Razzia genügt um das Gesindel zu erledigen. Was jedoch für die Bettler mehr als verwunderlich erscheint, ist die durchorgansierte Maschinerie die auf ein hohes Maß an krimineller Aktivität sowie einer durchdachten Organisation beruht. Daher wollte ich vorher mit der Secunda sprechen um eine gemeinsame Aktion abzustimmen.
Jedoch kam nun ein zweiter Faktor dazu, der wesentlich weitreichender erscheint. Durch einen Zufall wurde ein Erpressungsversuch bekannt der gegenüber einer gewissen Susina Alpina durchgeführt wurde. Hierbei trat ein römischer Bürger, ein gewisser Aulus Helvetius Agrippa, in Erscheinung, der die betreffende Person, diese ist Inhaberin eines kleinen Ladens für Heilmittel, zu erpressen versuchte und ihr dabei andeutete das er Mitglied einer größeren Organisation hier in Mogontiacum sei, die den kompletten Markt für wichtige Kräuter und dergleichen unter ihrer Kontrolle hätte. Dabei war dieser Helvetier nicht gerade zimperlich im Umgang mit dem Opfer und wollte der schwangeren Frau Gewalt antun. Diese ist soweit mir bekannt ist mit einem Decurio der Secunda zusammen. Durch Zufall konnten wir, meine Männer und ich sowie der Decurio und dessen Bruder die Situation entschärfen. Die verdächtige Person wurde von mir in der Curia in einem Verhörraum verbracht. Bei der anschließenden Befragung gab sich die Person verwirrt und aggressiv, jedoch entnahm ich seinem Gerede, dass die betreffende Organisation so ziemlich alle Bereiche des kriminellen Lebens in der Stadt unter ihrer Kontrolle hat. Auch teilte er freudig mit ebenfalls guten Kontakt zu den Germanen jenseits des Limes zu besitzen. Was an dieser Aussage stimmt kann ich in meiner Funktion als Aedil leider nicht bewerten, da mir von der Grenze nur das übliche Geschwätz der Leute vorliegt.
Weiterhin liegt mir ein Schreiben aus Rom vor in dem vor einem gewissen Dumnorix gewarnt wird. Diese Person ist Akten bekannt, allerdings nur in seinem Beruf als Bäcker. Die Person der Sergia Fausta Procuratrix Annonae dürfte wohl für sich sprechen und dieser Information eine größere Gewichtung beimessen.
SERGIA FAUSTA
Ad Aedilem Mogontiacensis
Officium Aedilis - Curia Mogontiaci
Mogontiacum - Germania Superior
Sergia Fausta Procuratrix Annonae Aedili Mogontiacensi s.d.
Vor kurzem trug es sich zu, dass ich als Ritterin und Procuratrix Annonae über die Märkte Roms schritt. Dabei erkundigte ich mich hier und dort, wie es um die Versorgung unserer Stadt bestellt ist und warf in diesem Zusammenhang natürlich auch den einen oder anderen Blick auf die vielen Waren der hiesigen Händler. Ich war schockiert, als ich im Rahmen dieses Prozesses auf einen Händler stieß, der offensichtlich mit Schmugglerware handelte! Denn für viele seiner Produkte hatte er nur schlecht gefälschte Urkunden bei sich, die belegen sollten, dass seine Ware angeblich ganz legal in Mogontiacum produziert und angekauft worden sei. Natürlich habe ich diesen zwielichtigen Gallier sofort an einen der Aedilen überstellt. Allerdings ist die Sache damit für mich noch nicht vorbei. Denn heute wurde dieser eine Hehler aus dem Verkehr gezogen; morgen schon nimmt ein anderer seinen Platz ein. Das Problem also bleibt. Deshalb bitte ich sehr darum, dass die für die Marktaufsicht in Mogontiacum zuständigen Beamten bald verstärkte Kontrollen durchführen und besonders bei einem Gallier namens Dumnorix sowie all jenen, die mit diesem Mann zu schaffen haben, etwas genauer hinsehen. Denn: "Lass mich doch verhaften; das wird Dumnorix auch nicht mehr aufhalten!", so drückte sich der angezeigte Gallier kurz vor der Schließung seines Standes aus. Ich bitte darum, in dieser Angelegenheit auf dem Laufenden gehalten zu werden. Den Göttern zum Gruße.
Vale!
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Sergia Fausta
ANTE DIEM V ID MAI DCCCLXV A.U.C.
Casa Iulia | Rom | Italia
Anhand dieser ganzen Faktoren komme ich zu dem Schluss, dass wir es hier mit einer größeren Organisation zu tun haben, die sich still und heimlich ausgebreitet hat und gezielt das Leben, die Wirtschaft und auch jenseits des Limes die Geschicke manipuliert und zu ihrem Vorteil verwendet.“
Der Petronier hoffte, dass er dem Tribun alles verständlich erklärt hatte damit dieser sich ein vernünftiges Bild machen konnte. Erwartungsvoll beobachtete er das Minenspiel des Mannes um eine Antwort aus dem verschlossenen Gesicht zu erhalten.