Beiträge von Gaius Germanicus Varro

    Varro winkte ab und goß Andriscus einen Becher mit Würzwein halbvoll. Er reichte ihm den Becher mit einem zustimmenden Nicken und goß sich selber auch ein. Dann nahm er Platz wärme sich am Feuer die Füsse und am Becher die Hände. Nach einer Weile meinte er,

    Es ist wie immer Andriscus,...die Germanen tauchen hier und dort auf, wir klopfen ihnen auf die Finger. Er nahm einen Schluck und bemerkte wie sich der Würzwein wohlig in seinem Inneren ausbreitete. Bisher sind es nur Bauerntölpel und überambitionierte Jungkrieger...ich beürchte jedoch, daß wir noch mehr zu erwarten haben.

    Er zog eine Grimasse, besonders als er an die Geschichte mit dem unglücklichen Benefizianer dachte.

    Die Ausbildung der Tirones ist soweit abgeschlossen. Es stehen nur noch die Gefechtsübungen zu Pferd an und die Abschlussprüfung. Ich werde zwei von Ihnen mit Callistus nach Roma senden um den neuen Subpraefectus abzuholen. Wärest du interessiert daran sie zu begleiten? Ihm fehlte noch ein Unteroffizier bei der Missio und Andriscus bot sich durchaus an.

    Varro sah teils amüsiert, teil irritiert zu Andriscus hin. Es freute ihn, diesen umtriebigen Mann wieder bei sich zu haben. Wenngleich er noch ein wenig in den Bohnen zu sein schien. Doch Andriscus war ein alter Kamerad und Kampfgefährte, da sah es Varro nicht so eng.

    Salve Andriscus,...gut, daß du wieder da bist!...konntest du deine Angelegenheiten regeln?

    Er bot ihm einen Platz neben seinem Kamin an. Es wurde immer kälter und bald würde er nicht mehr umhinkommen diese kratzenden Beinlinge anzulegen.

    Varro´s Augenbraue wanderte ein wenig nach oben. Die Grundausbildung war fast zu Ende und die beiden machten keine Anstalten einer Nuntio.

    Hat man euch nicht beigebracht beim Offizier eine Nuntio zu machen?

    Er wandte sich halb ab, entschied jedoch anders, weil es im Grunde schon zu weit fortgeschritten war um es noch einmal zu ändern. Ruhig aber mit ernster Miene meinte er,

    Üblicherweise nimmt der Untergebene vor dem Offizier Haltung an und meldet sich zur Stelle, zumindest Tirones sollten dies beherzigen...also? Was fehlt?

    Varro wollte ihnen noch einmal die Möglichkeit der Rehabilitation geben.

    Kopfschüttelnd registrierte Varro den Schrei. Mutmaßlich der Kleine, doch ein Blick über die Schulter zeigte ein anderes Bild. Zufrieden stellte er fest, daß keiner der Tirones vom Pferd gefallen war. So ließ er es etwas zügiger angehen, gerade noch im erlaubten Rahmen innerhalb des Castellums. Immer wieder ließ er halten und wieder antraben.

    Nach einer Stunden führte er sie zurück zum Campus, wo die Hilfsausbilder bereits warteten und den Tirones gleich beibrachten wie man nach dem Ende eines Rittes zu halten hatte. In Linie vor dem kommandierenden Offizier.

    Nachdem es auch dem letzten gelungen war sein Pferd zu positionieren sah Varro seine Tirones an.

    Er nickte anerkennend, was schon fast einer Auszeichnung gleichkam.

    Tirones, ich bin fast zufrieden...obwohl der Ausbildungsstand gut war wollte er nicht gleich Euphorie verbreiten.

    Ihr werdet diese Übung die ganze Woche weiter durchführen. Dann folgt die Ausbildung an den Waffen zu Pferde.

    Nach dieser Einführung folgen noch die Geländeübungen und Taktische Formationen.

    Wie immer las er Vorfreude in den Gesichtern und hob die Hand.

    Im Moment sehe ich keinerlei Gründe warum diese Tirones nach Abschluß der Ausbildung nicht in die Ala übernommen werden können,...eine Blick von rechts nach links in erfreute Gesichter. Im Moment!... Tirones...descendite ex equis!

    Er ließ die Männer absitzen. Sie sollten ihre Pferde zu Fuß zum Stall bringen und diese dort unter Anleitung der Tirones absatteln und pflegen. Die Tirones Tisander und Iunianus Fango, zu mir!

    Seine Befehle,... hallte es durch Varro´s Gedanken. Die Frage warum es hier so war wie es sich darstellte ließ darauf schließen, daß hier eine Operationsbasis war. Von hier aus sollte irgendetwas gestartet werden. Sicherlich sind sie zu früh aufgeflogen. Es gab zu wenig Vorräte oder Waffen fehlten bisher gänzlich. Varro wandte sich Ocella zu. Stellt hier alles zusammen, Pferde, einen Transportwagen für die Frauen und Kinder. Am besten auch einen für den Verwundeten. Für den Toten hebt an der Strasse ein Grab aus, wir werden dort später einen Stein errichten...schafft die Toten Germanen in die Scheune, danach abfackeln.

    Der Feind sollte sehen, daß seine Pläne durchkreuzt wurden.

    Varro betrachtete die emsige Betriebsamkeit an deren Ende ein Ochsenbespannter Transportwagen, ein Pferdebespannter Heuwagen, 6 Reitpferde und zwei Kühe zum Abtransport bereit standen. Den verwundeten Benefizianer hatten die Equites auf den Heuwagen gelegt, Dick eingepackt in Decken und weich gelagert auf Heu und Stroh.

    Varro trat an den Wagen und sah den Verwundeten an. Er lebte noch, was Varro überraschte.

    Halt noch eine Weile durch Miles, wir bringen dich zur Classis, die haben einen neuen Medicus aus Tarentum, man sagt er sei ein Meister seines Fachs. Wenn er dir auch deine Füße nicht wieder geben kann, so kann er jedoch verhindern, daß du stirbst. Das Ausbrennen war eine probate Sache um Blutungen zu stoppen. Doch der Mann hatte viel Blut verloren.

    Aufmunternd klopfte er ihm auf die Schulter und bestieg sein Pferd.

    Gerade erfassten die Flammen das Dach der Scheune. Varro ließ abrücken und verließ als letzter den Hof. Der Zug setzte sich auf der Via nach Mogontiacum in Bewegung. Varros letzter Blick fiel auf den frisch aufgeworfenen Erdhügel am Rand der Strasse. Wieder ein Leben welches unfreiwillig endete.

    Sein Blick ging nach vorn. Er gab seinem Pferd die Fersen und überholte den Zug um sich an seine Spitze zu setzen. Im Hintergrund brannte und qualmte der Hof lichterloh.

    Varro stürmte hinter Wigandt als zweiter in die Scheune. Im Halbdunkel erkannte er 5 Gestalten die in unbestimmten Bewegungen waren. Ob nun auf der Flucht oder in Angriff übergingen war egal, spätestens als er den wimmernden Miles an einem Pfosten in seinem Blut und Erbrochenem sah. Die Gegner waren keine Gegner wie sich kurze Zeit später herausstellte. Wahrscheinlich auch weil ihre Waffen aus Messern und Mistgabeln bestanden.

    Einer beteiligte sich nicht am Kampf und versuchte zu entkommen. Varro hoffte er würde draußen gefasst werden. Um ihm hinterher zu rennen war er zu weit weg. Eine Tür schlug zu und er hörte die typischen Geräusche von Klingen die in Fleisch schlugen. Varro wandte sich dem Mann am Pfosten zu, dessen Füße genauso abgehackt worden waren wie die des Kopflosen an seiner Seite. Kopfschüttelnd betrachtete Varro die immer größer werdende Blutlache. Was sollte er tun?

    Den Mann sterben lassen? Neben ihm stand Wigandt mit einer Fackel. Sie sahen sich an und Varro nickte ihm zu.

    Der Mann sollte leben und Wigandt brannte ihm die Wunden zu während ihn zwei Kameraden festhielten.

    Varro verließ die Scheune um die Toten in Augenschein zu nehmen.

    Vor ihm lagen 5 Männer, dem Aussehen nach lokale Sugambrer oder Mattiaker. Allesamt jung, vielleicht 18 bis 20 Jahre alt. Er fragte sich warum ein so kleines Gehöft so viele Knechte hielt.

    Aris kam um die Ecke, er schleppte mit Sigurd und Wollo einen großen Körper hinter sich her. Sie ließen ihn vor Varro unsanft auf den Boden sinken. Er wollte hintenraus entkommen Decurio, hatte dies bei sich. meinte Aris und reichte ihm ein Hackbeil wie es die Metzger benutzten um Knochen zu durchschlagen. Varro nickte verstehend, sie hatten den Fußfetischisten gefunden. Ein leises Stöhnen kam dem Sterbenden über die Lippen. Varro beugte sich zu ihm herunter und sah den blutigen Schaum aus dem Mund rinnen der langsam den Bart des Mannes rot färbte.

    Warum schlagt ihr Menschen die Füße ab? fragte er ruhig den Sterbenden.

    Dieser rang sich ein halbersticktes Lachen ab. Damit eure verdammten Seelen nicht in die andere Welt gehen können!

    sprotzte er und versuchte dabei Varro anzuspucken was jedoch ein Hustenanfall verhinderte. Varro erhob sich kopfschüttelnd, reichte Aris das Hackbeil und entgegnete, Interessante Theorie! Er wandte sich ab, Ocella zu der gerade aus dem Haus auf ihn zukam, während ein dumpfer Schlag und ein schmerzvolles Husten die Theorie des Mannes auf die Probe stellte.

    Ocella sah ihn seltsam an und Varro hob nur die Schultern. Dieser Mann vertritt die Ansicht er könne sich römische Soldaten greifen und ihnen die Füsse abhacken damit ihre Seelen nicht ins Eysium laufen könnten.

    Ein zweiter Schlag ertönte. Er ist auf dem besten Weg in seine nächste Welt, allerdings nicht auf seinen Füßen...was gibt es im Haus Ocella?

    Die Pause war beendet. Varro führte seine Männer zurück zur Strasse. Diese war inzwischen merklich voller geworden, was das Tempo der Patrouille auf einen leichten Trab reduzierte.

    Nach einer Weile tauchte in der Ferne ein Gehöft auf. Es gehörte früher einem alten Legionär der sich mit seiner Donation und einer Germanin dort seinen Lebensabend einrichten wollte.

    Doch wie so oft im Leben kam es anders. Seine Frau starb im Kindbett und er verkaufte alles um zurück nach Italia zu gehen. Den neuen Bauern hatte er noch nicht kennengelernt. Dem rauchenden Kamin nach schien das gehöft jedoch bewohnt zu sein.

    Varro ließ vor dem Zugang halten und ritt mit Ocelkla und zwei Mann langsam auf die Gebäude zu als ein Mann die Scheune verließ. Varro stutzte. War das ein Kopf auf der Stange?

    Der Gedanke war nicht zuende gedacht als er schon seine Spatha zog, Ocella ansah und nach vorn preschte wo der Mann seine grausige Fracht einfach fallen ließ und in die Scheune zurück rannte.

    Sie zügelten die Pferde und glitten aus den Sätteln während der Rest der Patrouille heranpreschte.

    Varro drehte mit seinem Fuß den dunkel gelockten Kopf herum und sein Gesicht verzog sich vor Gram.

    Südländer...vielleicht ein Kamerad...Ocella...das Haupthaus...ihr beiden, zu mir.

    Ocella sollte sich mit den anderen Männern um das Haupthaus kümmern und sichern. Varro stieß den linken Arm in die Luft und sofort kamen vier weitere Equites mit gezückten Schwertern an seine Seite. Vier weitere liefen um die Scheune herum um einen eventuellen Hinterausgang zu sichern.

    Decurio Germanicus Varro von der Ala Numidia!...kommt sofort mit erhobenen Händen aus der Scheune!

    Donnerte er, während aus dem Haupthaus das Geschrei von Kindern und das Gezeter einer oder mehrerer Frauen ertönte kam aus der Scheune ein gequälter Schrei und kurz darauf noch einer.

    Varro ließ stürmen.

    Varro´s Patrouille führte über die Via Mogo-Confluentes. Nach zwei Stunden Ritt ließ er an einer Ebene Rast machen. Die Männer pflockten ein Carree für die Pferde ab und ließen sie grasen. Aufgrund des abziehenden Nebels brauchten sie kein Wasser aus dem nahen Fluss zu holen.


    Er teilte drei Wachen ein und betrachtete sein Pferd beim grasen während er auf einer trockenen Scheibe harten Brotes kaute. Die Welt war ruhig und schien so friedlich. Nur das gedämpfte Murmeln der sich unterhaltenden Männer und das zerrende Geräusch der grasenden Pferde durchbrach die Stille. Varro´s Kopf ruckte hoch als sich ein weiteres Geräusch einfand. Sein Blick fiel auf den Fluss und er sah eines jener schmalen, langen Schiffe der Classis heran kommen.


    Es freute ihn, daß sie nun auch durch die Classis unterstützt wurden und die Provinzverwaltung hier ein Einsehen hatte. Die Schiffe waren zwar klein, hatten aber eine ordentliche Kampfkraft, denn die Ruderer waren gleichzeitig auch kämpfende Einheiten.


    Auf dem Fluss vollzog das Schiff gerade ein Wendemanöver. Es sah gut und sicher aus. Kurz darauf verschwand es wieder aus seinem Sichtfeld um kurze Zeit später wieder aufzutauchen und in Richtung Confluentes zu verschwinden.


    Das Schnaupen der Pferde rief ihn aus seinen Gedanken zurück. Die Pferde grasten ruhig. Keine Gefahr. Kurze Zeit später waren sie wieder unterwegs auf der Strasse.

    Porta Praetoria - Das Haupttor

    Durch dieses Tor betritt und verlässt jeder das Lager. Ohne An- und Abmeldung kommst niemand an den Wachen vorbei! Sollte es jemand dennoch versuchen, werden die Wachen Gewalt anwenden!


    Via Praetoria - Die erste Hauptstraße

    Diese Straße führt vom Haupttor direkt zum Zentrum des Lagers und endet vor dem Praetorium, dem Haus des Kommandeurs. Gleich daneben befindet sich die Principia, das Hauptquartier.


    Via Principales - Die zweite Hauptstraße

    Diese Straße führt ebenfalls zum Hauptquartier und dem Praetorium, liegt aber 90° zur Via Praetoria und verbindet die beiden anderen Tore des Lagers miteinander.


    Via Sagularis - Die Straße hinter der Mauer

    Diese Straße verläuft direkt hinter der Mauer rund um das ganze Lager. Sie ist breit genug um die Truppen schnell zu jedem angegriffenen Punkt des Lagers führen zu können. Oft finden hier auch Appelle und Waffenübungen statt.


    Praetorium - Das Haus des Praefecten

    In diesem Haus wohnt der Praefectus Alae, der Befehlshaber der ALA.

    Hier finden auch die, streng geheimen, Besprechungen mit den Decuriones statt, aber auch Empfänge für ranghohe Militärs oder Beamte des Imperiums.


    Principa- Das Stabsgebäude

    In diesem Gebäude sind nicht nur alle Verwaltungsbüros eingerichtet, wo die höheren Offiziere und der Kommandant untergebracht sind, sondern auch das SACELLUM (Fahnenheiligtum) und die TRUPPENKASSE.


    Valentudinarium - Das Krankenhaus

    Falls Du einmal eine Verletzung oder eine Krankheit hast, komm am Besten sofort hierher und lass die Sache von einem Arzt untersuchen. Ärzte sind teuer und selten, und diese hervorragende Einrichtung steht im ganzen Imperium nur Soldaten zu Verfügung.


    Thermae - Die Bäder

    Nach Dienstschluss verbringen viele Soldaten ihre freie Zeit in den Bädern. Hier wird einem alles geboten, was man sonst nur in größeren römischen Städten findet: Schwimmbecken, Bäder, Dampfbäder, Massageräume und Entspannungsräume.


    Der Tempel des Mars

    Da ein guter Römer ein gläubiger Römer ist, und es nie ein Fehler sein kann, wenn man den Schutz der Götter auf dem Schlachtfeld dabei hat, ist es kein Fehler hin und wieder auch einmal hier hereinzuschauen.


    Schola - Die theoretische Ausbildung

    Für die Probati ist es Pflicht an der theoretischen Ausbildung teilzunehmen. Aber auch die höheren Ränge sind hier gern gesehen, wenn sie in ihrer Laufbahn noch Höheres anstreben.


    Die Unterkünfte

    Hier sind die Soldaten untergebracht. Immer sechs Mann teilen sich ein Zimmer und bilden ein Contubernium. Genauso gibt es für jeweils 6 Mann einen Ausrüstungsraum.

    An den Kopfenden der Barracken sind die Unterkünfte für die beiden Duplicarii und den Decurio untergebracht.


    Die Ställe

    Hier befinden sich die Stallungen der ALA, welche den Unterkünften angeschlossen sind.


    Übungsplätze

    Übungsplätze gibt es derer mehr im Castellum.

    Zum einen den normalen Übungsplatz, wo die Milites ihre täglichen Übungen absolvieren und das Exerzieren gedrillt wird.

    Dann den Platz, wo das Waffentraining der Probati stattfindet und zu guter letzt noch den Reitplatz, wo die Pferde ausgebildet und der Umgang mit ihnen trainiert wird.


    Forum

    Der zentrale Platz des Lagers. Hier kommen die Männer oft zu Appellen zusammen. Hier werden auch Ankündigungen ausgerufen und treffen sich die Soldaten um sich zu verabreden. Manchmal finden auch Märkte und Feste statt. Es lohnt sich hin und wieder vorbeizuschauen.