Beiträge von Claudia Agrippina

    Einige Tage nach meiner Ankunft in Rom, hielt ich es für angebracht, meinem Bruder einen Brief zu schreiben:


    Ad
    Manius Claudius Maecenas
    Villa rustca Claudiana
    Eleusis, Achaea


    Liebster Mani,


    du fragst dich sicher, ob dein liebes Schwesterlein wohlbehalten in Rom angekommen ist. Ich kann dich beruhigen, sie ist es!


    ALLERDINGS muss ich mal ein ernstes Wörtchen mit dir reden! Wie konntest du mir nur diesen schrecklichen Menschen auf den Hals hetzen?! Maevius Tullinus raubt mir noch den letzten Nerv. Ständig nörgelt er an mir herum und einen Ehemann hat er auch noch nicht für mich gefunden!
    Stell dir vor, wir waren kürzlich auf dem Sklavenmarkt! Bei dieser Gelegenheit habe ich mich mit frischem Personal eigedeckt. Der Maevius musste unbedingt einen Paedagogus für mich aussuchen. Als ob ich gänzlich unbelesen wäre! Aber das war ja noch gar nicht das Schlimmste! Maevis Tullinus hat diesen armen Kerl entmannen lassen. Dabei hat man ihm irgendetwas abgeschnitten. Ich weiß aber nicht, was. Auf jeden Fall muss es sehr schmerzhaft gewesen sein.


    Kannst du den Maevius nicht unter einem Vorwand zurück beordern? Schreib ihm einfach, seine Olivenhaine seien in Flammen aufgegangen oder seine Frau sei gestorben. Schreib ihm irgendwas! Nur damit er mich endlich zufrieden lässt! Damit hättest du wieder etwa gut bei mit, lieber Mani!


    Apropos etwas gut haben, wie geht´s denn Sempronia? Sie hat sich über meine Abreise sicher gefreut. Oder? Nun hat sie dich ja ganz für sich allein.
    Also ich weiß ja nicht, du bist doch so ein flotter Kerl und entscheidest dich für das unansehnlichste Mädchen der Stadt! Versprich mir, dass du sie zu Hause lässt, wenn du mich demnächst besuchen kommst! Ja?!


    Übrigens Brüderchen, unser Verwandter, der Senator Menecrates, ist ein ganz netter Mann. Ich durfte ihn gleich am Abend unserer Ankunft kennenlernen. Und stell dir vor, in einigen Tagen werde ich ihn auf eine Hochzeit in die Villa Flavia Felix begleiten. Eine gewisse Flavia Domitilla heiratet einen gewissen Tiberius Lepidus. Ich kenne die beiden zwar nicht, doch möchte ich dieses Ereignis als Gelegenheit nutzen, meine Fühler zur feinen Gesellschaft in Rom auszustrecken. Der Maevius meinte natürlich gleich, ich könne mich bei dieser Gelegenheit schon einmal damit vertraut machen, was mir bald bevor stünde. Aus seinem Mund klang das so, als wäre die Ehe etwas Schreckliches. Naja, wenn er den Bräutigam aussucht, dann vielleicht schon.


    Vielleicht treffe ich ja auf dieser Hochzeit auch deinen Freund Flavius Scato. Wie ich dich kenne, hast du ihm bestimmt gleich einen Brief geschrieben, dass ich nach Rom komme. Stimmt´s? Hoffentlich hast du ihm nicht geschrieben, dass ich ihn angeblich früher immer umschwärmt hätte. Das stimmt nämlich nicht!! Wenn er bei uns war, habt ihr mich nämlich immer geärgert. So, jetzt weißt du´s wieder!


    Ich werde dir bald wieder schreiben, um dich auf dem Laufenden zu halten! Bitte grüße Mutter ganz herzlich von mir! Ach ja und denke an den Brief für den Maevius!


    Mögen die Unsterblichen immer bei dir sein!


    Vale bene,
    Dein Pinchen



    Eine Sklavin brachte ihn schließlich zur Poststelle.

    Eine eintönige Stille herrschte im Triclinium. Was hätte ich mit Maevius Tullinus auch bereden sollen? Ich war froh, wenn er schwieg und mich in Ruhe ließ. Sobald er den Mund aufmachte und das Wort an mich richtete, kritisierte oder korrigierte er mich sowieso immer nur. Dann war es besser, zu schweigen!


    Doch nach einer Weile, hörte ich von Weitem erst Stimmen und kurze Zeit später Schritte, die sich direkt auf das Triclinum zubewegten.
    Ein scheinbar uralter Mann mit grauem Haar trat ein. Doch für sein Alter schien er noch ganz rüstig zu sein. Er benötigte keinerlei Gehhilfen, um sich fortzubewegen.
    Selten hatte ich einen so alten Mann gesehen. Höchstens zu Hause in Achaia vielleicht, die alten Bauern mit ihrem weißen Haar und der wettergegerbten braungebrannten Haut.


    Es verstand sich von selbst, sich von der Kline zu erheben, um die freundliche Begrüßung des Senators zu erwidern. Der Maevius, der plötzlich ganz ehrfürchtig dreinschaute, tat es mir gleich.
    „Salve Onkel! Ich danke dir vielmals für den freundlichen Empfang!“ Ein strahlendes Lächeln lag auf meinen Lippen. „Die Anreise verlief eigentlich ganz gut. Allerdings packte mich die Seekrankheit ein wenig auf dem Schiff.“ Ja, und der Maevius natürlich! „Ach , darf ich dir auch meinen Begleiter vorstellen? Dies ist Maevius Tullinus, ein Klient meines Vaters, der es sich nicht hat nehmen lassen, mich nach Rom zu begleiten.“

    Nun richtete natürlich auch mein Begleiter ein paar grüßende Worte an meinen Verwandten. „Senator Claudius Menecrates, es ist mir eine besondere Ehre, dich kennenzulernen!“ Der Maevius stand ganz steif da, voller Ehrfurcht. So hätte er es ruhig weiter tun können, für den Rest seines Aufenthaltes, dachte ich spöttisch bei mir.

    Wir nahmen dann alle Platz und die Sklaven begannen die Vorspeisen hereinzutragen. Natürlich hatte man den Senator inzwischen auch mit einem Getränk versorgt.
    „Ich bedaure, Onkel,“ begann ich auf Menecrates Frage zu antworten. „Doch da ist leider nicht viel, woran ich mich erinnern könnte. Dies war meine erste größere Reise, die ich bisher unternommen habe. Ansonsten trieb es mich höchstens von unserer Stadtvilla in Athen nach Eleusis, zur Villa rustica. Mein Vater allerdings sprach ab und an von dir. Wenn ich mich recht erinnere, war er wohl in jungen Jahren in Rom gewesen.“
    Ob Maecenas ihm auch vom Tod unseres Vaters geschrieben hatte? Na ganz bestimmt hatte er das! Oder? „Du weißt sicher, dass Vater vor gut einem halben Jahr verstorben ist?“ Natürlich war das Lächeln nun verschwunden und hatte einem ernsten, ja wehmütigen Ausdruck Platz gemacht.

    [Blockierte Grafik: http://fs2.directupload.net/images/150529/57qfgm58.gif] | Naevia


    Naevia konnte die Befangenheit der neuen Sklaven nicht ganz nachvollziehen. Wollten sie sich denn nicht endlich des Schmutzes entledigen und ordentliche frische Kleidung tragen? Und was war eigentlich mit jenem einen Sklaven, der so gequält dreinschaute?


    Endlich nun entledigte sich auch der Schönling seiner Kleidung und stieg in den Zuber. Aber die beiden anderen brauchten anscheinend eine Extraanleitung. „Na, was ist jetzt? Habt ihr irgendwelche Probleme in einem Zuber zu baden?“


    Nun, löste auch Nefritiri ihre Tunika. Allerdings hatte sie offensichtlich das Verlangen, Naevia noch etwas mitzuteilen. Da die Ägypterin besser Griechisch als Latein sprach, bereitete ihr das ein wenig Schwierigkeiten. „Wasser nicht gut für Mann? Er brauche frische Wasser. Habe Operation hier!“ Nefritieri deutete auf das Unterleib des Sklaven, der inzwischen auch damit begonnen hatte, die Kleidung abzulegen.


    Navia begann allmählich zu verstehen und schaute erst etwas irritiert, doch dann musterte sie den nun nackten Aristoteles etwas genauer. „Eine Operation? Was für eine Operation? Muss man etwa eine Wunde versorgen?“ Dann wäre es sicher geschickter gewesen, wenn zuerst ein Heilkundiger sich den Sklaven angeschaut hätte. Doch der Einwurf Nefritieris mit dem frischen Wasser war in diesem Falle sicher klüger. So ließ sie sich von einem Sklaven einen weiteren Bottich mit warmem Wasser bringen, der nun nur für Aristoteles bestimmt war.


    Der Schönling saß inzwischen schon neben der Germanin im Wasser. Im Vergleich zu seinen drei Leidensgenossen war er noch der Aufgeweckteste und Selbstsicherste. Er war es dann auch, der als erstes wagte, eine Frage zu stellen. Als neuer Sklave war es wohl das Normalste der Welt, wissen zu wollen, wo man gelandet war. „Mein Name ist Naevia. Ich bin die Leibsklavin von Domina Agrippina, die Frau, die euch gekauft hat.“ Es war wohl sicher nebensächlich, dass sie erst einen Tag lang die Leibsklavin der Domina war. Doch über die Claudier hatte sie einiges zu berichten.
    „Bisher hatten die Sklaven dieser Villa ein gutes Leben, wenn sie treu ergeben und fleißig ihren Aufgaben nachgekommen sind. Doch nachdem im letzten Jahr einige geflohen waren ist nichts mehr, wie es war. Dominus Felix war so wütend gewesen, beinahe hätte er uns alle zur Strafe kreuzigen lassen. Glücklicherweise aber konnte eine Sklavin, die geflohen war, wieder eingefangen werden. Sie hat die ganze Härte ihres Dominus zu spüren bekommen und uns hat man dann nicht bestraft. Aber ich kann euch beruhigen. Dominus Felix starb vor einigen Monaten. Und Domina Agrippina ist erst seit kurzer Zeit in Rom. Vielleicht wird es jetzt wieder etwas erträglicher hier. Das wäre sehr wünschenswert.“ Da sprach Naevia sicher allen Sklaven aus der Seele, die in den letzten Monaten einem immensen Druck ausgeliefert gewesen waren.

    Seit Claudia Agrippina nun in Rom weilte, erreichte jede Woche eine umfangreiche Sendung von Briefen und Mitteilungen die Villa Claudia, deren Ursprungsort Eleusis in Achaia war. Bei der Sichtung der Post entdeckte ein Sklave diesen Brief, der eigentlich für Flavius Scato bestimmt gewesen war. Schnell wurde ein Sklave losgeschickt, um den Irrläufer auf schnellstem Wege an den eigentlichen Empfänger zu liefern.



    Ad
    Caius Flavius Scato
    Villa Flavia Felix
    Roma
    Italia




    Salve, mein guter Caius,


    von Herzen danke ich Dir für deine warmen und kurzweiligen Zeilen. Sie haben mich genau zur rechten Zeit erreicht, um meine momentan etwas angespannten Tage mit Frohsinn zu erfüllen. Ich hoffe doch sehr, dass sich der Kaiserwechsel reibungslos vollzogen hat, und Dir nun wieder etwas mehr Ruhe gegönnt ist. In Achaia geht alles seinen altgewohnten Gang. Von jenen großen Vorgängen war hier kaum etwas zu spüren, was seinen Grund sicher auch in der bislang eher unbekannten Person des neuen Augustus haben dürfte. Du musst mir unbedingt Näheres über unseren Imperator berichten. Am besten persönlich, bei einem kühlen Tropfen in den schattigen Gärten eures wundervollen Anwesens in Pyrgi. Allein schon die Vorstellung lässt die Sehnsucht in mir emporsteigen.
    Ja, ich habe die feste Absicht, noch diesen Sommer nach Italia zu reisen. Liebend gerne würde ich mich sofort einschiffen, wären da nicht die zahlreichen Probleme auf den Gütern, die im Moment noch meiner ganzen Aufmerksamkeit bedürfen. So sind beispielsweise einige Ölpressen in einem derart schlechten Zustand, dass ich sie umgehend auswechseln lassen muss, dann sollte das Bewässerungssystem unseres Weinberges am Hymettos schleunigst nachgebessert werden und zu allem Übel gestaltet sich die Suche nach einem wirklich fähigen Verwalter weit schwieriger als erwartet. Es kann leicht Spätsommer werden, bis es mir möglich sein wird, Eleusis guten Gewissens zu verlassen.
    Aber genug der banalen Sorgen eines Bauern. Erinnerst Du Dich noch an diesen aufgeblasenen Lanatus von den neureichen Hostiliern? Es wird Dir gewiss Vergnügen bereiten, zu lesen, dass der Holzkopf unlängst durch eine weinselige Wette zwei seiner besten Sklaven an mich verloren hat. Stell es Dir vor: Ein Wettreiten. Und das ausgerechnet gegen mich. Der dicke Lenatus auf seinem thrakischen Ackergaul gegen Deinen treuen alten Manius und seinen armenischen Heißsporn. Jetzt bin ich also auch noch lächelnder Besitzer eines sündhaft teuren nubischen Geschwisterpaares vom zweiten Nilkatarakt, und weiß nicht einmal, was ich mit den beiden Preziosen anfangen soll. Vielleicht bringe ich sie mit nach Rom, um sie brüderlich mit meiner erblühten Schwester zu teilen. Obgleich ich ahne, dass sie bereits eifrig dabei ist, sich ihr Personal selbst zusammen zu stellen.


    Um nun noch einmal auf Agrippinas’ Aufenthalt in Rom zurückzukommen. Ich habe Dich immer als eine Art Bruder betrachtet, und bitte Dich nun, Agrippina deinerseits als eine Art Schwester zu betrachten. Zumindest für den hoffentlich kurzen Zeitraum, bis es mir die Umstände erlauben, mich selbst nach Roma zu begeben. Ich schreibe das vor allem in Eingedenk der uns beiden wohl bekannten Neigung, die meine Schwester wohl noch immer für hegt. Du verstehst.
    Natürlich ist auch mir bewusst, zu welcherlei Spekulationen all dies in der edlen und weniger edlen Gesellschaft führen könnte. Bekanntlich schlägt ohnedies alles, was Menschen unseres Standes tun oder zu tun scheinen zunächst einmal hohe Wellen. Aber spätestens an dem Tag, an dem ich Agrippina einem anständigen und würdigen Ehekandidaten zuführen kann, wird sich das Interesse der gelangweilten Klatschmäuler wieder anderen Dingen zuwenden. Im Übrigen würde es allen aufkeimenden Gerüchten sofort den Wind aus den Segeln nehmen, wenn Du, mein bester Caius, Dich ebenfalls nach einer Dir würdigen Kandidatin umsehen würdest. Dies nur als brüderlicher Denkanstoß am Rande. Ein Verlöbnis, musst Du wissen, hat etwas seltsam Beruhigendes. Es treibt einem im Idealfall die Flausen aus dem Kindskopf, und dies auch noch auf eine ausgesprochen erbauliche Art und Weise.
    Über all das werden wir aber noch ausführlicher reden, wenn mich, so es der Götter Wille ist, günstige Winde an die grünen Gestade Italias getragen haben. Bis dahin kann ich nicht mehr tun, als Dir zu danken. Für die Bereitschaft, Dich ein wenig um meine Schwester zu kümmern, für die Geduld, die Du dafür wirst aufbringen müssen und vor allem für Deine Freundschaft.


    Mögen die Götter es Dir und den Deinen jeden Tag aufs Neue mit Gesundheit und Wohlergehen vergelten!
    Bis dereinst in Pyrgi.


    Dein Freund und Bruder
    Manius Claudius Maecenas


    [Blockierte Grafik: http://fs2.directupload.net/images/150529/57qfgm58.gif] | Naevia


    -->
    Naevia hatte man dazu auserkoren, sich zunächst um das Wohl der neuen Sklaven zu kümmern. Die Syrerin kam sofort ihrer Aufgabe nach und führte die Neulinge tief hinein, in die Eingeweide der Villa Claudia, dorthin wo das „Reich der Sklaven“ begann. Hierher verirrte sich nur selten eine der Herrschaften. Auch optisch gesehen, merkte man schnell, dass dies ein anderer Part der Villa war, der trotz allem unweigerlich mit dem herrschaftlichen Teil gezwungen war, eine Symbiose einzugehen.
    Das Servitriciuum zeichnete sich in erster Linie dadurch aus, dass hier die Einfachheit und Zweckmäßigkeit die vorherrschenden Stilelemente darstellten. So suchte man feine Fresken und aufwendige Mosaike hier vergebens.


    In der Culina hatten die Neulinge gelegenheit, ein paar Happe zu sich zu nehmen, die ihnen Abrota, die Köchin vorgesetzt hatte. Doch viel Zeit zum verweilen blieb den neuen Sklaven nicht. Naevia drängte sie dazu, sich zu beeilen. Ihre Herrin erwartete sie noch später am Abend. Deshalb konnte sie sich keine Trödelei leisten.


    Die nächste Station der Neuankömmlinge war zweifellos das Balneum servorum, oder wie man es hier auch schon fast liebevoll das "Kleine Balneum" zu nennen pflegte. Doch dieser Name konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieses Bad einzig den Sklaven vorbehalten war. Was allerdings auch nicht weiter schlimm war, denn der unansehnliche kalte Raum konnte eigentlich niemanden dazu animierend, länger als nötig dort zu verbringen.


    Auf Naevias Geheiß hatten ein paar Sklaven heißes Wasser in Bottichen herbeigetragen. und einen hölzernen Zuber damit gefüllt. Das musste für die vier ausreichen.
    „Was ist, wollt ihr euch nicht ausziehen und waschen?“ Die beiden Frauen zierten sich anfangs noch etwas, sich vor den beiden Sklaven zu entkleiden. Doch schließlich war es Ferun, die kleine Germanin, die den Anfang machte.

    *räusper* ich greife dem lieben Tiberus Magnus schon mal vor... ;)


    Herzlich willkommen im IR! :)


    Schön, dass du dich für unsere Gens interessierst. :)
    Doch ob du in der Claudia aufgenommen wirst, entscheidet letztlich unser Gens-Verwalter Herius Claudius Menecrates.


    Aber vielleicht kannst du ja schon mal kurz darlegen, was dich bewogen hat, die Gens Claudia zu wählen und welche Zukunftspläne du mit deinen Char hast. Außerdem wäre es wichtig zu wissen, ob du bereits Erfahrungen mit RPGs gesammelt hast und du ungefähr einschätzen kannst, was es heißt, einen Patrizier zu spielen.

    Ich hatte gerade die Cena beendet, als ein Sklave mir von der Ankunft der Sklaven berichtete. Maevius Tullinus, der dem Essen natürlich auch beigewohnt hatte, trank noch einen Schluck Wein und erhob sich dann ebenfalls von seiner Kline. Der Senator indes zog es vor, noch ein wenig zu Tisch liegen zu bleiben und den letzten Schluck Wein zu genießen.


    Gemeinsam begaben wir uns schließlich zum Atrium. Dort hatten sich die beiden Gehilfen des Sklavenhändlers postiert. In ihrer Mitte standen die neuen Sklaven zu einem Klüngel zusammengedrängt. Die beiden Frauen machten einen eingeschüchterten Eindruck, dem Paedagogus sah man an, dass heute nicht sein bester Tag gewesen war. Wahrscheinlich wurde er noch von Schmerzen geplagt, physischen und auch psychischen. Denn der Verlust der Männlichkeit musste doch erst einmal verkraftet werden. Der einzige unter ihnen, der um diese Zeit noch einen recht frischen Eindruck machte, war der Syrer. Seine wachen Augen erkundeten scheinbar staunend seine Umgebung.


    „Salve!“, begann der Maevius und trat näher, um sich die Ware noch einmal anzusehen, bevor Polycles' Schergen auch noch den Rest des Kaufpreises zu sehen bekamen. Besonders dem Paedagogus widmete er seine besondere Aufmerksamkeit. Nachdem er ihn eingehend angestarrt hatte, griff er ihm ohne Vorwarnung in den Schritt. Als seine Finger nichts mehr ertasten konnten, wo bis vor wenigen Stunden noch etwas gewesen war, nickte er nur zufrieden.


    Diese Fleischbeschau fand ich einfach abstoßend und wandte mich angewidert ab. Wie gut, dass sich Eleni gerade mit dem Beutel näherte, in dem die restlichen Münzen verwahrt wurden. Auf mein Zeichen hin übergab sie das Geld den beiden Gehilfen.
    Endlich befreite man nun die Sklaven von ihren Fesseln. Glaucus nestelte noch die Kaufverträge aus einem Beutel, den er sich umgehängt hatte. Damit war seine Arbeit getan. Er und Pyrrhus verabschiedeten sich und gingnen.


    [Blockierte Grafik: http://fs2.directupload.net/images/150618/lu8ci3ey.jpg] | Callipus


    Inzwischen hatte sich auch Calippus eingefunden. Der glatzköpfige Sklave war erst kürzlich zum Villicus ernannt worden und war daher bestrebt, das in ihn gesetzte Vertrauen nicht zu enttäuschen. In seiner unterwürfig schmeichlerischen Art trat er an mich heran und begann mit gedämpfter Stimme zu sprechen: „Domina, du solltest deine neuen Sklaven zeichnen lassen. Wie du weißt sind ja erst kürzlich einige Sklaven…“ Der Vorschlag des Villicus war in der Tat nicht abwegig, denn noch immer waren einige dieser Sklaven flüchtig. Ein in die Haut tätowiertes Zeichen würde ihnen eine eventuelle Flucht bestimmt erschweren.
    „Ja, du hast recht. Doch damit werden wir sie erst morgen behelligen. Zunächst sorgt dafür, dass sie sich waschen können. Und gebt ihnen frische Kleidung und natürlich etwas zu Essen. Morgen früh, zur dritten Stunde möchte ich sie dann sehen.“ Der Villicus deutete eine Verbeugung an und schickte sich an, die Neuen hinauszuführen.
    Der Maevius aber hielt den Paedagogus noch kurz zurück und raunte ihm etwas zu. „Wenn du fertig bist, will ich dich in meinem Cubiculum sehen!“ Dann ließ er ihn gehen.

    [Blockierte Grafik: http://fs1.directupload.net/images/150617/zjnz73wd.jpg] | Taran


    Taran, ein junger gallischer Sklave, der sonst immer für Botengänge zuständig war und sich in Rom wie in seiner Jackentasche auskannte, hatte heute nun die ehrenvolle Aufgabe, die neuen Sklaven samt ihrer beiden Bewacher ins Atrium zu führen.
    Glaucus und Pyrrhus staunten nicht schlecht, als sie die herrschaftlichen Gänge hin zum Atrium schritten, vorbei an den wunderschönen Fresken, die die Wände schmückten und an den Büsten der claudischen Ahnen.
    Im Atrium angekommen, ermahnte der Junge die beiden, ja nichts anzufassen und verschwand dann.

    Nachdem Pyrrhus geklopft hatte, geschah erst einmal gar nichts. Die Tür blieb verschlossen. „Nanu, sind wir hier überhaupt richtig?“, fragte er ratlos und sah noch einmal auf seiner Tabula nach. Jedoch konnte er keinen Fehler entdecken. „Ach, du hast bloß nicht richtig geklopft, du Schwachkopf! Komm, pass du auf die Sklaven auf und lass mich machen!“ Glaucus trat entnervt zur Tür und klopfte noch einmal an, diesmal viel intensiver und auch länger. Kurz darauf tat sich endlich etwas. Die Tür öffnete sich einen Spalt weit und ein grimmig dreinschauendes Gesicht riskierte einen Blick nach draußen.


    [Blockierte Grafik: http://i173.photobucket.com/al…20stuff%20x/sharifds4.jpg] | Sharif


    Sharif, der altgediente Ianitor der Villa Claudia mochte es gar nicht, wenn man ihn beim Essen störte. Und genau richtig, man hatte ihn gerade beim Essen gestört, weshalb er nun nicht gut auf dumme Scherze zu sprechen war. Er sah sich die zwei Gestalten an, die noch vier weitere in ihrem Schlepptau hatten. Den Vieren, zwei Männer und zwei Frauen, hatte man die Hände gebunden. Keine Frage, dass mussten die neuen Sklaven sein! Aber was zum Henker machten die hier um diese Uhrzeit? Für solche Fälle gab es doch den Lieferanteneingang, gleich um die Ecke!
    „Ja, was gibt´s?“, fragte er kurz und schluckte erst einmal seinen ganzen Ärger hinunter.
    „Ähm, ja wir sind die ähm,“ begann Pyrrhus, der allerdings sofort von Glaucus recht unsanft zur Seite gedrängt wurde. „Polycles, der Sklavenhändler schickt uns, wir liefern die gekaufte Ware aus und sind auch berechtigt, den noch ausstehenden Betrag von ähm, 50 Aurei entgegenzunehmen.“ Glaucus hatte seinen Spruch schön auswendig gelernt und machte dabei einen sehr professionellen Eindruck.
    „Aha,“ meint Sharif nur, denn es interessierte ihn eigentlich nicht die Bohne, was die zwei hier wollten. „Und warum klopft ihr dann nicht am Lieferanteneingang, wenn ihr schon die ‚gekaufte Ware‘ liefert?“ Tja, das war eine berechtigte Frage, die weder Pyrrhus noch Glaucus so auf die Schnelle beantworten konnten. „Achso,“ entgegnete Pyrrhus etwas schwerfällig.
    Da Sharif immer noch hungrig war, und die beiden Knalltüten die Sache mit dem Lieferanteneingang wohl eh nicht auf die Reihe kriegten, entschloss er sich, ausnahmsweise mal eine Ausnahme zu machen. „Ja, schon gut, kommt rein!“
    Sharif rief nach einem Sklaven, der die „Herrschaften“ bis hin ins Atrium begleiten sollte. Danach würde man dem Villicus Bescheid geben, welcher daraufhin das Ganze an einen anderen Sklaven delegierte und der dann der jungen Claudia und ihrem Begleiter vom Eintreffen der neuen Sklaven berichten würde.

    Es war kurz nach der zwölften Stunde, als sich Glaucus und Pyrrhus, die beiden Gehilfen des griechischen Sklavenhändlers Polycles der Villa Claudia näherten. Sie führten vier gefesselte Sklaven mit sich – zwei Frauen und zwei Männer.
    „Du klopfst,“ rief Glaucus. „Immer ich! Warum kopfpst du nicht?,“ maulte Pyrrhus. „Du siehst doch, dass ich die Sklaven in Schach halten muss! Na los, jetzt kopf endlich, du Idiot!“ Pyrrhus bedachte seinen Kumpel mit einem entrüsteten Blick, begab sich aber dann doch zur Tür und klopfte.

    Ich konnte es ja kaum fassen! Meine Rechnung war aufgegangen. Und mal ganz unter uns, es gab natürlich keine schadhafte Ware, die inzwischen eingegangen war. Das war alles nur reiner Schmu gewesen. Aber mit dem Ädil zu drohen funktionierte eben nicht nur in Athen, sondern auch hier. Siebzig Aurei hatte ich mir die vier Sklaven kosten lassen! Wenn das mein Vater noch erlebt hätte, er hätte mich für verrückt erklärt. Aber nun gut, was tat man nicht alles für gutes Personal!


    „Meine Sklavin wird das Finanzielle mit dir regeln,“ ließ ich den Griechen wissen und besah nun meine Neuerwerbungen noch etwas genauer. Noch waren wir hier auf dem Markt und noch war Zeit dazu, eventuelle Reklamationen loszuwerden.


    [Blockierte Grafik: http://fs1.directupload.net/images/150601/cc3olykt.jpg] | Eleni


    Eleni, die meinen Geldbeutel verwahrte, trat inzwischen näher. „Die Domina wird eine Anzahlung von zwanzig Aurei leisten. Sobald die Sklaven dann wohlbehalten zur Villa Claudia geliefert wurden, erhältst du den Rest.“ Eleni entnahm dem Beute zwanzig goldene Münzen und übergab sie einem der Gehilfen des Sklavenhändlers. „Das wird machbar sein,“ meinte der Grieche. „Sollen wir die Ware brandmarken?“ Eleni schielte fragend zur Seite, während ich mir die Germanin etwas genauer besah. „Nein, nein, das wird nicht nötig sein.“ Nun trat ich an meinen Orientalen heran. Allein wegen ihm hatte ich mich in solche Unkosten gestürzt. Nun warf ich ihm einen leicht süffisanten Blick zu, da ich ja vorhin gesehen hatte, wie er nach dem Decimer geschmachtet hatte. Nun gehörte er mir und wenn ihm das nicht passte, würde er mich mit Sicherheit noch kennenlernen.


    [Blockierte Grafik: http://fs2.directupload.net/images/150601/vxtyhtud.jpg] | Cnaeus Maevius Tullinus


    „Siebzig Aurei, das ist reinster Wucher!“ meinte der Maevius schon wieder. Sein ständiges Nörgeln machte mich langsam aber sicher wahnsinnig. Nun bedachte er den Orientalen schon wieder mit einem abschätzigen Blick. Wahrscheinlich würde er gleich wieder damit anfangen, dass auch er verschnitten werden sollte. Der Paedagous indes, der durch den Abschluss des Kaufes nun endgültig Gewissheit erlangt hatte, recht zeitnah entmannt zu werden, begann nun lautstark zu bitten und betteln, man möge ihn doch verschonen.
    „Schweig Sklave,“ herrschte der Maevius ihn an. „Es wird so gemacht, wie ich es sage! Und den da solltest du auch gleich kastrieren lassen. Sieh dir den Kerl nur an. So etwas schickt sich nicht für eine junge Dame!“
    Während Pyrrhus meine beiden neuen Sklavinnen zurück zu ihrem Verschlag brachte, war Galucus bereits zur Stelle. Er wollte die beiden Sklaven schon wegzuführen, um sie jener kleinen Operation zuzuführen, welche der Grieche zuvor als Schnipp-schnapp tituliert hatte. Doch ich kam ihm zuvor. „Halt! wie ich schob sagte, der Syrer wird nicht… du weißt schon. Und warum der Paedagogus diesem Prozedere unterzogen werden muss, verstehe ich auch nicht.“
    Glaucus seufzte leise, da unser Streit darüber schon wieder zu entbrennen drohte. „Nun gut, der Syrer wird nicht kastriert. Aber dafür wirst du ihn nie allein sehen. Er wird unter ständiger Beobachtung sein und wehe, er lässt sich etwas zu Schulden kommen!“ Jaja, dachte ich und verrollte die Augen. Lass den Alten nur reden! Wenigstens meinem Orientalen geschah kein Unheil. Und für den Paedagogus hieß es nun wohl, Vale, schöne Männlichkeit!


    Nun da alles geklärt war, zerrte Galucus die beiden Sklaven mit sich fort. Später gegen Abend würde man sie alle vier zur Villa bringen. Einen Augenblick den ich von jetzt ab sehnlichst herbei wünschte. Doch bis es so weit war, sah ich mich noch etwas weiter um...

    Nach meiner Ankunft, einem erfrischenden Bad und meinem Einzug in meine neuen Räume ließ ich mich von meiner frisch gekürten Leibsklavin einkleiden. Unter Elenis skeptischen Blick versuchte sich Naevia an meinen Haaren, um aus ihnen eine ansehnliche Frisur zu zaubern. Unglücklicherweise war sie auf diesem Gebiet keine große Hilfe. Daran mussten wor also noch arbeiten... oder gleich für Ersatz sorgen!


    Dennoch konnte Naevia mich dann doch noch rechtzeitig zum Triclinium führen. Maevius Tullinus war bereits anwesend und hatte sich auf einer der Klinen breitgemacht. So nahm ich jene Kline ein, die sich rechterhand des Hausherrn befand.
    Von Claudius Menecrates fehlte allerdings noch jede Spur. Allmählich begann ich daran zu zweifeln, ob er wirklich existierte und nicht nur ein Hirngespinst der Sklaven war. Ich war schon sehr gespannt, ihn endlich kennenzulernen.
    Zunächst aber übte ich mich in Geduld und wartete auch das Eintreffen meines einzigen Verwandten hier in Rom.

    Ebenso richtete man kurz nach dem Eintreffen der Claudia Agrippina ein Gästezimmer für ihren Begleiter - Cnaeus Maevius Tullinus.


    Jenes Zimmer verfügt zwar über die gleichen Annehmlichkeiten, die jedes andere Cubiculum im herrschaftlichen Teil der Villa bietet, die Einrichtung jedoch fällt etwas bescheidener aus.

    Das Cubiculum der Claudia Agrippina



    [Blockierte Grafik: http://fs1.directupload.net/images/150616/2cr4ehfm.gif]



    Kurz nach ihrer Ankunft, wurden ein paar Sklaven damit betraut, der jungen Domina ein Zimmer zu richten.


    Neben einem Bett, welches aus syrischem Zedernholz gefertigt wurde, finden sich hier noch ein passender Schrank aus dem gleichen Material, in dem die feinen edlen Gewänder der jungen Claudia einen Platz finden. Eine Kommode nebst Hocker schließ sich an, sowie eine kleine Sitzgruppe welche durch einen kleinen viereckigen Tisch mit ägyptischen Intarsien komplettiert wird.


    Das Cubiculum verfügt über eine kleine Nebenkammer, in der ihre Amme Eleni unterkommt.

    Das war vielleicht aber auch nervenaufreibend! Nun begann zu allem Übel auch noch der Paedagogus herumzujammern, weil er, wie ich gut nachvollziehen konnte, seine besten Teile nicht einbüßen wollte. Und nicht zuletzt der Soldat, der sich meinen Sklaven nicht entgehen lassen wollte. Er ging nun in die Vollen und entpuppte sich urplötzlich als der Herr Gardetribun Decimus Serapio. Na sowas! Und der Herr Papa war auch noch Stadtpräfekt! Na wenn das kein Grund war! Nun strich er dem Griechen noch etwas Honig ums Maul, erinnerte ihn aber gleichzeitig daran, dass es hilfreich sein konnte, sich das Wohlwollen der Autoritäten dieser Stadt zu erhalten. Pah! Dieser Schleimbeutel! Gut, ich konnte zwar nicht mit einem Titel aufwarten, da sich mein Bruder in dieser Hinsicht bislang zurückgehalten hatte. Aber war ich nicht die Großnichte des ehrenwerten Senators Claudius Menecrates? Und eine (zwar nicht direkte) Nachfahrin von Kaisern, die das Imperium groß gemacht hatten? Diesem dahergelaufenen Wichtigtuer wollte ich nun wirklich nicht auch noch das Sahnehäubchen meines heutigen Sklaveneinkaufs überlassen. Schon schlimm genug, dass ich den Maevius zu ertragen hatte. So trat ich einige Schritte näher an meinen Rivalen und den Sklavenhändler heran, um mich ganz dezent bei dem letzteren in Erinnerung zu bringen.


    „Salve Decimus! Wie mir scheint, teilen wir beide eine Passion.“, meinte ich lächelnd und warf meinen Blick auf den Orientalen. „Ach, wo bleiben meine Manieren? Zwar kenne ich inzwischen deinen Namen, deine Funktion und auch die deines verehrten Vaters, doch ich lasse dich stattdessen gänzlich im Dunkeln tappen… Claudia Agrippina – eine Großnichte des verehrten Senators Claudius Menecrates.“ Dieser dezente Hinweis sollte nun bei hoffentlich Wirkung zeigen, sowohl bei dem Decimus als auch bei dem Griechen. „Da ich gerade gestern erst aus Athen hier angekommen bin, benötige ich nun frische Sklaven. Und weil ich es gewohnt bin, mich nur dem Besten zufrieden zu geben, werde ich dich wohl enttäuschen müssen, Decimus. - Ich biete siebzig Aurei! Für die beiden Sklavinnen, den Paedagogus und den Orientalen. Und ich verspreche dir, Poycles, in Zukunft underen Bestand nur noch bei dir auffüllen zu lassen!“ Zum Glück hatte mich der Maevius nun machen lassen und funkte nicht wieder dazwischen, denn der Grieche war nun fast schon dazu geneigt, mir den Zuschlag zu geben. Um ihn nun gänzlich auf meine Seite zu ziehen, machte ich ihm ein Angebot, dass er keinesfalls ablehnen konnte „Ach und Polycles, ich werde dann meinen Großonkel davon überzeugen, dich nicht beim Ädilen anzuzeigen, weil du ihm schadhafte Ware geliefert hattest, die inzwischen eingegangen ist.“ Oh ja, das und noch ein breites Grinsen! Das half, dieses Gescghäft ganz schnell zum Abschluss zu bringen.
    „Verehrter Decimus, … es tut mir Leid…aber äh ...lassen wir der Dame doch den Vortritt,“ stammelte der Grieche und wandte sich wieder mir zu. „Die Sklaven gehören dir, junge Dame.“ Inzwischen hatte sich auch mein Begleiter zu gesellt und musste noch schnell seinen Senf loswerden. „Aber der Paedagogus wird kastriert!“