Von Freitag bis einschließlich Sonntag werde ich nur selten bis gar nicht zugegen sein können. Das gilt natürlich auch für meine anderen Chars.
Beiträge von Claudia Agrippina
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Nun ja, zweitausendfünfhundert von meinem Sesterzen waren vielleicht wirklich ein bisschen viel, für einen Sklaven, der, naja... „nur“ gut aussah und ansonsten die üblichen Dinge beherrschte, die ein guter Sklave eben so beherrschen sollte. Aber hatte er gerade nicht etwas von Gedichte schreiben gesagt? Ahh, ein Gedichte schreibender Sklave, der dazu noch gut aussah und mich ganz sicher beschützen würde, auf dass mich die Langeweile nicht packte und mit sich hinfort trug in dunkle unbekannte Gefilde…
Ja, richtig ich war gerade wieder beim Träumen, während einer der Gehilfen des Sklavenhändlers mit einem weiteren Sklaven ankam. Der Grieche hatte den armen Kerl regelrecht in Tullinus‘ Arme gedrängt. Ehrlich gesagt hatte ich dem, was der Grieche nun an Anpreisungen los wurde, nicht wirklich zugehört. Jedoch seine letzte Bemerkung, bei der er sich richtig zu amüsieren schien und dabei auch noch eine komische Handbewegung machte, hatte mich dann doch wieder aufmerksam werden lassen. "Wie, was, Schnipp schnapp?", fragte ich leise. Was sollte denn abgeschnitten werden. Der Sklave machte doch eigentlich einen gefelgten Eindruck. Wieso sollte denn sein Haar noch weiter gekürzt werden?[Blockierte Grafik: http://fs2.directupload.net/images/150601/vxtyhtud.jpg] | Cnaeus Maevius Tullinus
Der Maevius allerdings war weitaus weniger überrascht, wegen des Schnipp-Schnapps. „Fünfundzwanzig Aurei? Dann ist die Kastration aber im Preis mit inbegriffen! Außerdem kannst du den da auch gleich mit kastrieren!“ Er zeigte auf Onatas, dessen Schicksal noch immer in der Schwebe hing. Nämlich zwischen mir und dem Soldaten.
„Na gut,“ meinte Polycles. „Dann lass mich mal überschlagen: Den Paedagogus, den Orientalen, die zwei Sklavinnen und zweimal Schnipp-Schnapp… das macht dann siebzig Aureii.“„Moment mal,“ mischte ich mich ein, denn Eleni, die ob ihres Alters schon einiges an Lebenserfahrung besaß, hatte mir auf die Sprünge geholfen und nun wusste auch ich, was der schmierige Grieche mit Schnipp schnapp gemeint hatte. „Meinem Sklaven wird kein Leid angetan! Das ist ausgeschlossen! Er wird weder kastriert noch wird sonst jemand an ihm herum schnippeln! Und den Paedagogus brauchen wir nicht! Also ist allen gedient.“
Niemand hatte dem Maevius heute versichert, dass er es leicht mit mir haben würde. Also musste er sich gar nicht darüber wundern. Dennoch machte er einen ziemlich gestressten Eindruck, als er mir seinen ermahnenden Blick zuwarf. „Der Paedagogus wird gekauft! Und er wird kastriert! Fertig aus! Basta!“ rief er mir in einem ziemlich aggressiven Ton zu.
„Na schön, dann kaufen wir eben den Paedagogus. Aber nur unter der Bedingung, dass dem Orientalen nichts abgeschnitten wird!“ Maevius Tullinus stieß einen hörbaren Seufzer aus. Die Sonne schien inzwischen mit voller Kraft auf uns herab und vertrieb langsam aber sicher die Frische des Morgens. Un nicht nur die... Nein, Maevius Tullinus hatte heute keine Freude! Er wünschte sich weit, weit weg. Nach Hause zu seinen Olivenhainen, zu seiner Frau und seinen Kindern… oder, weil er ja auf die Schnelle nicht einfach in Achaia sein konnte, wenigstens in die schattigen Villa Claudia… um vielleicht ein Bad zu nehmen, sich von den starken Händen Gundalfs massieren zu lassen oder einfach die Seele baumeln zu lassen… Ja, das wünschte sich Maevius Tullinus in diesem Moment.„Ach, von mir aus! Dann sollst du den Orientalen eben haben – unkastriert! Der da aber,“ er zeigte auf Aristoteles, „wird heute noch seine Männlichkeit verlieren. Die zwei Sklavinnen gehen dann auch noch mit. Und zwar alle zusammen für fünfzig Aureii. Das ist mein letztes Wort!“ Mit dieser Mitteilung an den Sklavenhändler war er bereits schon ein ganzes Stück an einen ruhigen und erholsamen Nachmittag herangerückt.
Natürlich hatte dieses, in seinen Augen mickrige, Angebot den Griechen dazu veranlasst, sich noch dem Soldaten zuzuwenden. Wenn er noch ein besseres Gebot für den Orientalen abgab, konnte er doch noch auf ein besseres Geschäft hoffen. -
Verdammte Axt! Es lief gar nicht gut. Und Schuld hatte natürlich wieder der Maevius, dieser alte Narr! Warum hatte er sich auch einmischen müssen? Ich hatte alles schön unter Kontrolle und war bereits mit dem Gehilfen des Griechen einig geworden. Außerdem hatte er den Sklaven wie einen Gaul begutachtet, so wie es auch mein Vater getan hätte.
Als dann noch dieser alternde Möchtegern-Schönling in Uniform aufgetaucht war, um mir meinen Sklaven streitig zu machen, hätte ich einfach nur noch schreien können! Doch natürlich konnte ich mich beherrschen. Die Zeit, als der Grieche zu dem Soldaten hinüber gewatschelt war, nutzte ich daher, um mit meinem Begleiter Tacheles zu reden.
„Was sollte das gerade eben? Musst du dich ständig in meine Angelegenheiten einmischen? Und was soll ich mit einem Paedagogus?“ Ich versuchte bewusst mit gedämpfter Stimme zu sprechen, um nicht noch mehr Aufsehen zu erregen.
„Was das eben sollte? Du wirfst das Geld mit vollen Händen hinaus und lässt dich von diesem Griechen übers Ohr hauen! Und das du noch dringend einen Paedagogus nötig hast, hast du soeben bewiesen!“ Mein Begleiter hingegen musste natürlich wieder mit voller Lautstärke herum posaunen. Oh Maecenas, was habe ich dir nur angetan, dass du mir diesen Mann auf den Hals gehetzt hast?! Noch heute Abend, so schwor ich mir, wollte ich ihm einen Brief schreiben, der sich gewaschen hatte!
Eigentlich hatte ich ihm jetzt Paroli bieten müssen! Von wegen, ich hätte noch einen Paedagogus nötig! Doch ich hielt mich zurück, was ihm anfangs zwar eine gewisse Befriedigung verschaffte, ihn dann aber doch irgendwie irritierte. Doch hätte er nur einen Blick hinter sich geworfen, dann hätte er den Griechen und den Soldaten erkennen können, wie sie sich uns langsam näherten. Eigentlich näherten sie sich nicht uns, sondern meinem Sklaven! Und was tat Onatas? Mit seinen Blicken sehnte er ihn scheinbar auch noch herbei!Ich hingegen bedachte den Soldaten mit einem verdrießlichen Blick, als er begann, Onatas auszufragen. Obgleich ich dadurch noch einiges über die Fähigkeiten meiner zukünftigen Neuerwerbung erfahren konnte. Maevius Tullinus schüttelte nur verächtlich den Kopf, nachdem der Sklave uns über sein Können aufgeklärt hatte. „Und für so was willst du zweitausendfünfthundert Sesterzen zum Fenster hinaus werfen?“
Dieser Einwand war das Stichwort für Polycles. „Hol Aristoteles her!,“ raunte er Pyrrhus zu. „Den Paeda... äh... dingsbums?“, fragte der noch einmal nach, was der Grieche fast lautlos bejahte. Pyrhus lief zu den Verschlägen und kam kurz darauf mit dem Paedagogus wieder zurück.
„Du hast ein gutes Auge für gute Ware!“, meinte der Grieche und schob Aristoteles ein Stück dem Maevius entgegen, so dass er ihn auf die gleiche erniedrigende Weise begutachten konnte, wie zuvor Onatas. "Den hier überlasse ich dir für... sagen wir fünfundzwanzig Aurei. Er hat eine gute Ausbildung genossen, musst du wissen," fuhr der Grieche mit seinem Verkaufsgespräch fort. "Und damit er der jungen Dame nicht gefährlich werden, empfehle ich dir eine unserer Dienstleistungen: schnipp schnapp," fügte er noch feixend hinzu und machte mit Mittel- und Zeigefinger eine eindeutige Handbewegung, die keinen Zweifel darüber ließ, dass der Sklave entmannt werden sollte. -
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Wie immer ließ sich aus Maevius Tullinus‘ Miene nichts herauslesen, was einem hätte weiter bringen können. Er hörte sich an, was der Sklave sagte und dachte sich seinen Teil. Der Kerl auf der anommen. Wie üblich reichte ihm das Wort eines Sklaven nicht, selbst wenn er wie dieses Exemplar hier etwas von Ehre plapperte. Ehre - Sklaven besaßen doch so etwas gar nicht! Dennoch verlor er an dem Jungen noch nicht sein Interesse. Ein Sklave, der vertrauenswürdig und verschwiegen war, der der jungen Claudia in gewisser Weise nahe stand und der ihm, beziehungsweise später ihrem Bruder regelmäßig über ihren Umgang und ihr Benehmen Bericht erstattete – das suchte er. Ein Sklave, der zum Beispiel ein Paedagogus war, der eventuell auch etwas Einfluss auf sie einwirken konnte. Das erwartete er von einem Sklaven.
„Nun gut, kannst du Referenzen vorweisen? Für wen hast du bisher gedient und wo hat man dich zum Paedagogus ausgebildet?“, waren seine nächsten Fragen, die im Prinzip darüber entscheidend waren, ob er den Sklaven nun kaufte oder nicht. Gespannt lauschte er nun den Ausführungen des Sklaven und riskierte schließlich doch noch einmal einen Blick auf seinen Schützling, den er in den letzten Minuten ganz außer Acht gelassen hatte.Zu seinem Erstaunen musste er feststellen, dass Agrippina bereits fleißig beim einkaufen war. Er konnte erkennen, wie die eine Sklavin, die sie sozusagen über Nacht zu ihrer Leibsklavin erkoren hatte, einen Beutel voller Geldmünzen scheinbar aus dem Nichts herbeigezaubert hatte. Dem Maevius war das nicht ganz geheuer. Er traute dem Mädchen eben einfach nichts zu. Daher ließ er den Sklaven einfach stehen. Aus seinem Käfig konnte er sowieso nicht so schnell weg. Dann eilte er zu Agrippina, dem Sklaven und den beiden Gehilfen des Sklavenhändlers.
Gerade nach hatte ich Onatas noch einmal zugezwinkert. Keine Frage, er würde heute mit mir nach Hause gehen! Doch dann trat diese entsetzlich nervende Stimme an mein Ohr und mir verging meine gute Laune.
„Wie ich sehe, bist du bereits fündig geworden,“ meinte der Maevius, als er bei mir angekommen war. Er stellte sich vor meinen Sklaven und begutachtete ihn, wie ein Stück Vieh. Dann führte er auch noch seine Hand an dessen Unterkiefer, um ihm mit Daumen und Zeigefinger zu zwingen, den Mund zu öffnen. „Hmm, gesunde Zähne scheint er zu haben.“ Dann packte er ihn bei beiden Armen, rüttelte leicht an ihm, um seine Standfestigkeit zu prüfen. „Was soll er denn kosten?“, fragte er die Gehilfen und ignorierte mich dabei gekonnt.
„Zweitausendfünfhundert,“ wiederholte Glaucus nun schon zum zweiten Mal. „Zweitausendfünfhundert? Das soll wohl ein Scherz sein! Der Kerl ist allerhöchstens tausend wert und das wäre bereits übertrieben!“Nun schaltete ich mich ein, weil ich es einfach für eine Frechheit hielt, was sich der Maevius hier erlaubte!
„Wir sind uns bereits einig geworden und ich werde die Summe für ihn bezahlen,“ meinte ich zugegebenermaßen etwas schnippisch, was den Maevius natürlich sofort wieder in Rage brachte. „Du wirst gar nichts, mein liebes Kind! Jedenfalls nicht, solange, ich es nicht gesagt habe!“ Dieser blöde Kerl, was bildete er sich denn ein, mich vor allen Leuten so herunterzuputzen, als wäre er mein Vater!
„Erstens, das ist mein Geld, mit dem ich machen kann, was ich will und zweitens, bin ich nicht dein liebes Kind und du nicht mein Vater! Du hast mir gar nichts zu sagen!“ Der Maevius wollte bereits zu seinem nächsten, all entscheidenden Schlag ausholen und ein Machtwort sprechen, doch er kam nicht dazu, da sich im gleichen Moment der Grieche wieder zu uns gesellte.Polycles, der zuvor mit dem Soldaten um den Sekretär verhandelt hatte und der ihn nun auch zu kaufen gedachte, zusammen mit dem Orientalen, war schnell zu der jungen Dame herbeigeeilt, denn scheinbar befand sie sich bereits Entscheidungsfindung. Der Grieche war natürlich bestrebt, das Beste aus seiner Ware herauszuholen. Doch selbstverständlich wollte er seine Kundschaft auch nicht vergraulen. So hatte er dem Soldaten auf freundliche und unverbindliche Art und Weise mitgeteilt, er würde sich drum kümmern. Im Leben hätte er nicht geahnt, dass Onates heute so begehrt sein würde. Innerlich rieb er sich bereits die Hände und sah sich im Geld schwimmen.
„Oh, ihr habt euch also bereits entschieden,“ stellte er gegenüber fest. Worauf ich natürlich sofort mit ja antwortete.
„Hier wurde noch gar nichts entschieden!“, bellte der Maevius plötzlich dazwischen. „Der Sklave ist allerhöchstens achthundert wert!“ Man kann sich wahrscheinlich gut meinen erbosten Blick vorstellen, den ich dem Klienten meines Vaters zuwarf. Zum Tartarus mit ihm! Soll ihn doch die Pest plagen!
Polycles schluckte erst einmal, bevor er wieder Worte fand. „Achthundert? Willst du mich ruinieren? Sollen meine Frau und meine Kinder auf der Straße betteln müssen? Nun gut, wenn du nicht bereit bist, ordentlich für meine gute Ware zu zahlen, dann tut´s eben ein anderer! Der Soldat da drüben bezahlt mir sicher viermal so viel für den Sklaven und nimmt auch noch einen anderen gleich mit!“ Mein Blick viel sofort auf jenen erwähnten Soldaten, der zwar schon ein gewisses Alter erreicht hatte, aber dennoch eine gute Figur machte. Er wollte mir meinen Onatas also streitig machen? „Ich biete dir für den Sklaven und die beiden Sklavinnen hier, sagen wir … vierrzig Aurei?“ Während nun Polycles im Kopf mein Angebot überschlug, mischte sich natürlich sofort wieder Maevius ein. „Das kommt ja gar nicht in Frage! Vierausend, das ist viel zu viel! Höchstens und allerhöchstens dreitausend! Ach ja und den Paedagogus noch, den du da im Verschlag sitzen hast! Dann können wir uns vielleicht auf viertausend einigen.“ Der Grieche grübelte kurz nach. "Du meinst Aristoteles? Und diese drei hier? Also unter fünfzig Aurei läuft da gar nichts!",gab der Grieche kopfschüttelnd zu bedenken.Mein erster Gedanke war, was für ein Paedagogus und vor allem, für wen? Für mich etwa? Dieser dämliche Kerl, konnte einem den ganzen Tag versauen! Während ich mich weiter über meinen unliebsamen Begleiter ärgerte, versuchte Polycles doch noch ein gutes Geschäft zu machen. „Wenn du mich für einen Moment nur entschuldigst.“ Geschwind war er wieder zu dem Soldaten hinüber geeilt, um ihm ein ordentliches Gebot für den Sekretär und den Orientalen zu entlocken.
„So, hier bin ich wieder,“ meinte er grinsend und doch leicht außer Atem. „Was wärst du denn bereit zu zahlen für die beiden? Eins sage ich gleich, der Bursche ist teuer. Also mindesten dreitausend! Und die junge Dame dort drüben, ist bereit, einiges für ihn hinzublättern!“ Sollte der Orientale an den gehen, der am meisten für ihn zu zahlen bereit war.
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Mit seiner Antwort war es dem Sklaven zumindest gelungen, für einen Moment die Aufmerksamkeit des Maevius Tullinus zu gewinnen. Besonders die Erwähnung seiner Ausbildung als Paedagogus, ließ ihn aufhorchen. Heutzutage war es ja so schwer, einen guten Hauslehrer zu finden. Er selbst hätte ein Lied davon singen können, da sein Jüngster, trotz der besten Lehrer Athens immer noch mit der Mathematik auf Kriegsfuß stand. Nun, aber es ging ja hier nicht um seine Belange, sondern in erster Linie um die, seines Schützlings. Der jungen Claudia fehlte es zwar gewiss nicht an Bildung (zumindest das, was man als Mädchen so wissen musste), jedoch ein gewisser Feinschliff konnte niemals schaden!
„Traust du es dir zu, auch eine junge Dame zu unterrichten? Dabei geh es mir weniger um Astronomie, Philosophie oder was auch immer. Der jungen Dame fehlt es noch an etwas…“, der Maevius stockte, um das richtige Wort zu finden. „Etikette.“ Für eine junge Frau, die in die besten Kreise verheiratet werden sollte, war diese Disziplin gewiss doch essentiell.~~~
Pyrrhus verzog nach meinem Eingreifen enttäuscht die Miene. Männer wie er schienen prädestiniert zu sein, um auf einem Landgut die Sklaven in Schach zu halten. Daher konnte ich gewisse Parallelen zu den Aufsehern der Latifundien meines Vaters feststellen. Dennoch war es nicht Pyrrhus, für den in diesem Moment mein Interesse galt. Es war natürlich Onatas, der von sich zu erzählen begann. Gespannt hing ich an seinen Lippen und nickte immer wieder aufmunternd, damit er noch etwas mehr von sich preisgab. Sein Leben war bisher doch sehr turbulent verlaufen. Von einem Platz zum anderen, nie lange am selben Ort. Trotz allem aber konnte er so von sich behaupten, bereits etwas von der Welt gesehen zu haben. Was sie nun nicht vorweisen konnte. Ganz der griechischen Tradition entsprechend, war sie all die Jahre ihrer Kindheit über zu Hause gewesen. Einmal abgesehen von ihrer Reise nach Rom, hätte sie lediglich mit dem Weg zwischen der Stadtvilla in Athen und den Latifundien nahe Eleusis aufwarten können.
„Dann hast du schon viel gesehen und erlebt, nehme ich an.“ Noch eine Weile blieb mein Blick auf ihn haften. Im Grunde gab es nicht mehr viel zu überlegen. Ich hatte das Geld, ich wollte den Sklaven. Wo lag also das Problem?
„Ich nehme ihn!“, rief ich plötzlich zu Glaucus, der bisher einen relativ unbeteiligten Eindruck gemacht hatte. Der Gehilfe des Sklavenhändlers musste sich erst selbst einmal aus seiner Stumpfsinnigkeit aufrütteln. „Was sagtest du, soll er kosten.“
„Äh ja äh, Zweitausendfünfhundert hat der Meister gesagt. Ja genau, zweitausendfünfhundert.“
Gut, das war eine stolze Summe. Aber was sielte das schon für eine Rolle. Wenn ich etwas haben wollte, dann konnte mich auch das nicht davon abhalten. „Naevia!“, rief ich, „du wirst alles Notwendige für den Kauf veranlassen.“ -
„Onatas,“ echote ich. Immer noch befand ich mich in einer Art Hypnose. Der Sklave hatte mich gänzlich betört. Dabei ich hätte nicht sagen können, woran das lag. Ob es nun die Augen waren, oder seine Gesichtszügen, das dunkle Haar oder einfach seine braungebrannte Haut, die davon zeugte, dass er zuvor unter freiem Himmel hatte arbeiten müssen. Vielleicht war es auch einfach alles zusammen, was mich an ihm so faszinierte.
Als Onatas dann ungefragt weiter plapperte, erhielt er von dem seitlich stehenden Gehilfen, den der Grieche zuvor Pyrrhus gerufen hatte, mit dessen flacher Hand einen warnenden leichten Schlag auf den Hinterkopf. „Klappe, Stinker! Red´ nur wenn du gefragt wirst, sonst setzt´s ´ne Tracht Prügel!“
„Nein, nein, ist schon gut!“ griff ich schnell ein und schenkte Onatas ein aufmunterndes Lächeln. „Er soll ruhig weiter erzählen. Woher kommst du, Onatas?“ Meine Stimme hatte wohl etwas Gütiges angenommen. Ein Umstand, der im Umgang mit Sklaven nur recht selten vorkam. Man konnte mich ruhig verrückt nennen, doch mir schien es, als hatte ich mich in diesen Sklaven verliebt. Also nicht richtig verliebt, im üblichen Sinne. Er war einfach eine Sache, die ich unbedingt haben wollte, obwohl ich zu dieser Zeit eigentlich nur vage Vorstellungen hatte, was ich eigentlich mit ihm anfangen sollte. Zum Custos schien er ja nicht zu taugen, da er keinerlei Ausbildung darin genossen hatte. Doch wie hatte der Grieche so schön gesagt? Was nicht ist, kann ja noch werden.[Blockierte Grafik: http://fs2.directupload.net/images/150601/vxtyhtud.jpg] | Cnaeus Maevius Tullinus
Derweil hatte Maevius Tullinus Wind davon bekommen, dass sein Schützling offenbar bereits in Verhandlungen verstrickt war. Immer einmal wieder hatte er einen Blick zu der jungen Claudia hinübergeworfen. Zu Anfang hatte sie sich zwei Sklavinnen angeschaut. Da hatte er wenig einzuwenden. Zweifellos würde er die Ware noch einmal prüfen, bevor Agrippina auch nur einen Quadrans dafür ausgab.
Nun aber hatte man ihr diesen Burschen vorgeführt. Er hatte beobachten können, wie sie mit dem Sklaven sprach. Ein Glück für die Claudia, denn dem Maevius war bisher entgangen, was der Sklave bei ihr entfacht hatte. Sonst hätte er keine Minute damit gezögert, die beiden auseinanderzubringen.
So aber ließ er sich noch Zeit. Hin und wieder streifte sein Blick das Angebot, was sich noch in den Verschlägen befand. Dabei fiel ihm ein junger Mann auf, der in seinem Käfig stand und mit wachen Augen seinerseits das Geschehen auf der andren Seite der Gitterstäbe, beobachtete. Maevius Tullinus trat näher heran, so dass er ihn besser mustern konnte. Sein Körperbau war eher durchschnittlich, was dem Maevius Anlass zu glauben gab, der Sklave habe zuvor wohl kaum harte körperliche Arbeit verrichtet. Die markanten Züge des Mannes waren es schließlich, die Maevius Tullinus dazu brachten, das Wort an ihn zu richten. „He, du! Komm her und lass dich anschauen! Kann man dich zu häuslichen Arbeiten gebrauchen?“ Er hatte dem Sklaven gegenüber einen strengen Ton angeschlagen, was für ihn keineswegs ungewöhnlich war. Er war in der glücklichen Lage gewesen, selbst einen ganzen Stall mit Unfreien sein Eigen zu nennen. Daher hatte er Erfahrung darin, wie man mit ihnen umzugehen hatte. -
Ab morgen bis Sonntag werde ich und meine Mitstreiter(innen) nur sporadisch anwesend sein.
Ansonsten euch allen ein schönes langes und super sonniges Wochenende!
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Polycles gähnte einmal herzhaft und kratze sich am Hinterkopf. Dann rückte er seinen Gürtel zurecht und trat hinaus zu seinem Verkaufsstand. Dort blieb er einen Moment stehen und beobachtete die noch spärlichen Passanten, die zu dieser doch recht frühen Stunde bereits unterwegs waren. In weniger als einer Stunde schon, würden sie sich hier drängen, die Massen, um zu sehen, was er den Quiriten heute wieder anbieten konnte. Hoffentlich waren statt der Unmenge an Schaulustigen auch ein paar Gutbetuchte unter ihnen, die zudem auch kaufwillig waren.
Stets hatte der Grieche ein gutes Näschen dafür gehabt, was seine Kunden wollten. Niemand bot viel eine jämmerlich ausschauende, halbverhungerte Gestalt. Seine Sklaven erhielten täglich ihre Portion Getreidebrei, der zwar relativ geschmacksfrei war, aber sie dafür bei Kräften hielt, was dazu führte, dass sie stets einen recht guten Eindruck machten. Auch ließ er es keineswegs durchgehen, wenn sie in Fetzen gekleidet das Verkaufspodest betraten. Besonders seine muskelbepackte Ware ließ er vor jeder Versteigerung mit Öl einreiben. Öl auf nackter Haut, das sah immer gut aus und förderte die Fantasien einiger seiner Kunden. Besonders bei seiner weiblichen Kundschaft hatte er damit gute Erfahrungen gemacht. Feine Damen, die auf der Suche nach einem Custos oder einfach nach einem Liebhaber waren, griffen deutlich öfter zu der eingeölten Ware.
Natürlich hatte er auch schon immer darauf geachtet, auch gutausgebildete Sklaven in seinem Bestand zu führen. Besonders beliebt waren dabei natürlich die Griechen, die man als Lehrer für die Kinder reicher Herrschaften verkaufen konnte. Noch besser war es, wenn diese Griechen bereits auch schon gute Referenzen vorweisen konnten. Im Übrigen, ihn als Griechen störte es nicht die Bohne, seine eigenen Landsleute zu veräußern. Eigentlich hatte er sich darüber auch noch nie Gedanken gemacht. Geschäft war eben Geschäft.
Für die etwas anspruchslosere Kundschaft, die wenig Wert auf Ansehnlichkeit oder Herkunft nahm, hatte er selbstverständlich auch immer das Richtige parat. Zum Beispiel in die Jahre gekommene Weiber, die zwar schon faltig waren aber ihre Profession sehr gut verstanden, konnte er mindestens genauso gut an den Mann beziehungsweise an die Frau bringen.
„Glaucus! Pyrrhus! Kundschaft!“ Der Grieche hatte sich schnell umgewandt und nach seinen Gehilfen gerufen. Die beiden leicht grobschlächtig wirkenden Gesellen kamen sofort herbei geeilt. „So früh schon,“ beschwerte sich Pyrrhus, was von Glaucus lediglich mit einem „Halt´s Maul“ beantwortet wurde.
Währenddessen hatte sich Polycles sich wieder der hübschen Sklavin zugewandt und natürlich sein charmantestes Lächeln aufgesetzt. „Aber gerne doch!“, säuselte er. „Für welcherlei Dienste benötigt deine Herrin denn die Sklaven?“
„Oh, lass mich nachdenken,“ unterbrach ich das sich anbahnende Verkaufsgespräch. „Das wäre zum Beispiel eine gutausgebildete Ornatrix. Oder eine Cubicularia. Meinen beiden Sklavinnen hier kann ich es unmöglich zumuten, auch noch meine Räumlichkeiten zu säubern. Ach ja und vielleicht noch einen Aufpasser. Der hässliche Germane hinter mir,“ ich deutete auf den blonden Koloss, der inzwischen direkt hinter mir stand, „gehört eigentlich meinem Bruder.“ Mit jedem meiner Worte begann der Grieche noch mehr zu strahlen, da er sich einen satten Gewinn erhoffte, bevor das eigentliche Tagesgeschäft erst so richtig los ging!
„Verehrte Dame, ich kann nur sagen, heute ist dein Glückstag! Fortuna ist mit dir, denn ich habe genau das, wonach du suchst!“ Sofort wandte er sich seinen beiden Gehilfen zu. „Geht und holt die Germanin und die Ägypterin, ihr wisst schon, Ferun und Nefritiri.“ Bei Letzterer hatte er bereits befürchtet, sie an ein Lupanar abgeben zu müssen, weil bisher niemand ihre wahren Qualitäten zu schätzen gewusst hatte.
Die beiden Gehilfen verschwanden sofort, Polycles hingegen wandte sich wieder mir zu. „Wenn du erlaubst, werde ich dir nun eines meiner Juwelen präsentieren. Glaub mir, du wirst begeistert sein!“ Dann eilte auch der Grieche davon, hin zu den Verschlägen, wo er seine Ware aufbewahrte. Onatas, so dachte er, er wäre doch einen Versuch wert. Er vereinte alle Qualitäten in sich, die einen guten Sklaven ausmachten: Jung, kräftig, gesund und, was der jungen Dame bestimmt besonders gut gefallen würde, gutaussehend!Auf halben Weg jedoch wurde der Grieche von einem weiteren Kunden in einem befehlsmäßigen Ton angesprochen. Das war zweifellos ein Soldat! Ein Sekretär? Nichts leichter, als das! „Salve mein Herr,“ entgegnete er freundlich. „Vielen Dank für dein Interesse! Selbstverständlich haben wir das! Wenn du dich kurz gedulden könntest und mich nur einen Moment entschuldigst. Ich müsste der Dame dort drüben nur noch eines unserer Exemplare präsentieren, dann bin ich sofort bei dir!“ Heute hätte Polycles locker noch einen weiteren Gehilfen brauchen können.
Schnell begab er sich zu jenem Käfig, in dem der Syrer untergebracht war. Der Kerl konnte es offenbar kaum erwarten, heute den Besitzer zu wechseln! Scheinbar wartend stand er bereits am Gitter. Während der Grieche die Tür zu öffnen begann, richtete er einige Worte an den Sklaven. „Du wirst dich jetzt gut benehmen! Hast du gehört, Junge? Die Dame, der ich dich nun anbiete, scheint reich zu sein. Sehr reich! Du weißt sicher, was das für dich bedeuten könnte, nicht wahr!“ Dann hielt er ihm die Tür auf und wartete, bis er hinaustrat. Mit einem beherzten Griff nahm er ihn am Arm und zog ihn mit sich. Vorbei an dem einen Kunden, der Polycles gerade eben erst angesprochen hatte, hin zu mir.
Natürlich hatte ich nicht wissen können, dass mein ungeliebter Begleiter, der Maevius, ebenfalls Zeuge jenes Szenarios geworden war und nun sehr aufmerksam beobachtete, was jetzt weiter geschah. Langsam näherte er sich, um notfalls sofort eingreifen zu können.Glaucus und Pyrrhus hatten zwischenzeitlich die beiden Sklavinnen gebracht, die ich mir daraufhin auch ausgiebig anschaute. Erst die Rückkehr des Griechen lenkte mich von ihnen ab. „So, das ist er!“, rief der Grieche erfreut, als er mir den Sklaven präsentierte. Ich musste zugeben, ich war sehr überrascht und mir fehlten beinahe die Worte. Einen solchen Anblick kannte ich eigentlich nur von den Latifundien meines Vaters: Braungebrannte kräftige Gestalten, die zudem schrecklich nach Schweiß stanken und an deren Haut der Staub der Felder und eben jener Schweiß eine Synthese eingegangen waren, nachdem sie abends müde und erschöpft von ihren Aufsehern zurück in ihre Unterkünfte geführt wurden. Gut, der hier stank keineswegs. Im Gegenteil. Er machte einen sauberen Eindruck auf mich. Ob ich ihn einmal anfassen durfte? Natürlich durfte ich! Vorsichtig streckte ich meine Finger aus, so dass sie unweigerlich auf die Haut seines festen Oberarms treffen mussten. In der Tat, das waren alles Muskeln, wohlgestaltet und schön. Früher schon hatte ich aus der Ferne beobachten können, wie mein Vater frische Sklaven geprüft hatte, indem er sich ihr Gebiss ansah. Dazu hatte er immer einen speziellen Griff angewandt und die Sklaven bei ihren Unterkiefern gepackt. Nein, das würde ich nicht tun. Nicht etwa, weil ich es mich nicht traute. Es erschien mir einfach zu unästhetisch.
„Ein kräftiger Bursche, der sowohl anpacken kann aber auch ein recht helles Köpfchen ist. Gut, ein ausgebildeter Kämpfer ist er nicht, aber was nicht ist, kann ja noch werden, nicht wahr?“ Polycles lachte gekünstelt und holte gleich zum nächsten Coup aus. „Wenn du mich fragst, ist er der perfekte Begleiter für eine Dame wie dich! Und ich kann dir ihm für einen Spitzenpreis überlassen! Sagen wir Zweitausendfünfhundert.“ Erwartungsvoll sah er mich an, als ich noch zögerte und nichts sagte. Allerdings zögerte ich keineswegs, ob des hohen Preises. Nein, ich war einfach nur von diesem Anblick überwältigt! „Zweitausendfünfhundert“, wiederholte ich dann leicht abwesend.
Aufgrund meines Zögerns, schien der Grieche ein wenig unruhig zu werden und sah nun recht häufig zu dem wartenden Kunden hinüber. Schließlich lächelte er dann wieder und meinte: „Wenn du mich kurz entschuldigst, ich bin gleich wieder bei dir. Meine Mitarbeiter stehen dir natürlich voll zur Verfügung.“ Damit verabschiedete sich der Grieche kurzfristig von mit. Ich nickte nur und konnte meine Augen einfach nicht mehr von diesem Sklaven lassen. „Wie heißt du,“ fragt ich den Sklaven.Der Grieche war zurück zu den Verschlägen geeilt und kam nun mit einem Mann mittleren Alters und leicht schütterem Haar zu dem wartenden Kunden zurück. „So, jetzt bin ich bei dir! Deine Geduld hat sich ausgezahlt! Schau dir diesen Griechen an! Er war jahrelang bei einem reichen Kaufmann in Antiochia beschäftigt und hat für ihn den ganzen Schreibkram erledigt. Außerdem hat er ihm die Bücher gemacht. Nachdem sein Herr leider verstarb, konnte ich ihn erwerben, um ihn nun in Rom zu verkaufen.“
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Meinen gestrigen Entschluss, dem Sklavenmarkt einen Besuch abzustatten, setzte ich auch gleich am nächsten Morgen in die Tat um. Leider hatte ich den Maevius nicht davon überzeugen können, in der Villa zurückzubleiben. Natürlich würde er wieder alles in seiner Macht stehende tun, um mir den Tag zu vergraulen. Gleich heute Morgen schon wollte er damit beginnen, als er die abstruse Auffassung vertrat, eine junge Dame aus gutem Hause treibe sich nicht allein auf Sklavenmärkten herum. Seine ständige Besserwisserei trieb mich zuweilen regelrecht in den Wahnsinn. Es war mir wirklich schleierhaft, was Papa an diesem Mann gefunden hatte!
Glücklicherweise verfügte ich über eine ordentliche Summe Geld, über die ich selbst verfügen konnte. Und ich schwor, bei allem was mir heilig war, Maevius Tullinus würde heute nicht das letzte Wort haben!In Begleitung meiner Amme Eleni und der frischgebackenen Leibsklavin Naevia schritt ich zur Tür hinaus. Draußen wartete bereits eine claudische Sänfte auf mich, die ich dann auch sogleich bestieg. Maevius Tullinus hatte meiner Sänfte einen unserer Custodes zur Seite gestellt – einen furchterregenden Germanen, der auf den Namen Gundalf hörte. Er selbst bevorzugte heute den Weg zu Fuß zurückzulegen und ließ sich von Styrax, dem Thraker beschützen.
Die Vorteile, zu früher Stunde den Sklavenmarkt zu besuchen, lagen auf der Hand. Zumindest glaubte ich das. Morgens war die Ware noch frisch und die Auswahl größer. Und, was am allerwichtigsten war, man bekam nicht den unverkäuflichen Rest, der nach einem langen Tag nicht verkauft worden war. Vielleicht waren die Sklaven dann zwar etwas teurer, doch Geld spielte keine Rolle.
In der Villa hatte man mir einen Händler empfohlen, der zumeist über ausgezeichnete Ware aus dem gesamten Imperium verfügte. Polycles irgendwas hieß er, so genau hatte ich mir den Namen nicht gemerkt. Die Trägersklaven aber wussten Bescheid. Daher trugen sie mich fast direkt zum Stand des besagten griechischen Sklavenhändlers.
Als ich meine Sänfte verließ, stolzierte der Maevius bereits herum, um dabei einen Blick auf das Angebot des Händlers zu werfen. Dabei verzog er wie immer keine Miene, was es für Außenstehende besonders schwer machte, ihn richtig einzuschätzen. Um ihm aber zuvorzukommen schickte ich Naevia los:„Sag dem Händler, ich gedenke bei ihm einige Sklaven zu kaufen. Gute Haussklaven, für die unterschiedlichsten Aufgaben, versteht sich.“ Meine frischgebackene Leibsklavin näherte sich dem Griechen und überbrachte ihm meine Botschaft. -
Müde ließ ich mich auf eine Kline nieder, die im Atrium aufgestellt war. Eleni blieb wie immer an meiner Seite. Inzwischen schleppten die Sklaven schnaufend alle Kisten herein, in dem meine Sachen verwahrt waren und stellten sie vorerst hier ab. Nur der Maevius blieb stehen, um mit prüfenden Blicken das Treiben der Unfreien zu beaufsichtigen.
„Domina, die beiden Zimmer für dich und deinen Begleiter werden im Augenblick vorbereitet. Wenn du hier noch einen Augenblick warten möchtest. Darf ich dir etwas bringen?“ Die Sklavin, die uns ins Atrium begleitet hatte, begann mir zu gefallen. Natürlich konnte sie mir etwas bringen! Ich war durstig, hungrig, müde und schmutzig.
„Das könntest du in der Tat!“ ,stellte ich fest. „Ein Wein und einen kleiner Imbiss wäre nicht schlecht. Außerdem kannst du veranlassen, dass man mir später ein Bad bereitet.“[Blockierte Grafik: http://fs2.directupload.net/images/150601/vxtyhtud.jpg] | Cnaeus Maevius Tullinus
„Für die Domina keinen Wein!“, warf der Maevius schulmeisterlich ein. „Bringe ihr stattdessen verdünnten Wein!“ Die Sklavin nickte freundlich. „Darf ich dir auch etwas bringen, Dominus?“ Maevius schüttelte den Kopf. „Nein, im Augenblick nichts. Danke,“ meinte er bescheiden.
Was war das denn jetzt! Ich hatte gar nicht protestieren können! Wieso durfte ich denn keinen Wein trinken? Schließlich war ich doch kein Kind mehr. Demnächst schon wäre ich die Frau von irgendjemand und da verbot er mir den Wein?!
„Was sollte das denn, Maevius?“, fragte ich deshalb sehr erbost. Der Maevius, der sich gerade die Büsten meiner claudischen Vorfahren begutachtete, wandte sich nur langsam zu mir um. „Purer Wein wird dir gleich zu Kopf steigen. Ich nehme an, wir werden Senator Menecrates spätestens zur Cena treffen. Dann solltest du keinen trunkenen Eindruck hinterlassen.“
Einen trunkenen Eindruck? Ich hörte ja nicht recht! „Ich werde keinen trunken Eindruck machen und außerdem…“, begann ich aufzubegehren, wurde von ihm aber mit scharfen Worten unterbrochen. „Es reicht, Agrippina! Dein Vater mag zwar nicht mehr unter den Lebenden weilen, doch deinem Bruder bin ich verpflichtet, da ich ihm mein Wort gab, mich um dich zu kümmern und auf dich zu achten. Und mein Wort gedenke ich auch zu halten! Deshalb wirst du meinem Wort folgen, als wäre es das deines Vaters!“
Puh, das hatte gesessen! Ich war entsetzt. Der Maevius hatte mir gegenüber noch nie einen solchen Ton angeschlagen. Das konnte ja noch richtig lustig werden! Heute mochte er damit durchkommen, doch ich würde mir von ihm nicht die gute Laune vermiesen lassen. Ich sehnte schon den Tag herbei , an dem er wieder zurückreiste.Wenig später erschien die Sklavin wieder mit einem Tablett. Auf einem Tisch stellte sie einen Teller ab, auf dem etwas Brot, einige Oliven, etwas getrocknete Wurst, Käse und ein Ei angerichtet waren. Dann reichte sie mir einen Becher mit verdünnten Wein. Sofort tat ich mich gütlich daran. Nun ja, ich hatte schon besseres Brot gegessen und natürlich schmeckten die Oliven von unserem Landgut auch viel besser. Aber was aß man nicht alles, wenn man hunger hatte!
***
[Blockierte Grafik: http://fs2.directupload.net/images/150529/57qfgm58.gif] | Naevia
Später dann nahm ich ein Bad und ich wunderte mich bereits, dass auch hier wieder die gleiche Sklavin zur Stelle war, die mich bereits im Atrium bedient hatte. Sie goß gerade einen wohlriechenden Badezusatz ins Wasser und sorgte dafür, dass das Wasser eine angenehme Temperatur hatte. Dann begann sie mich zu entkleiden, damit ich ins Becken steigen konnte. Auch Eleni tat es mir gleich. Ich wollte nicht von fremden Sklaven gewaschen werden. Eleni tat dies schließlich schon sechzehn Jahre lang. Dennoch blieb die andere Sklavin, um bereit zu sein, falls ich noch einen Wunsch hatte.
Ach war das entspannend! Nach der langen Reise war ein Bad das Beste, was man für sich tun konnte. Genussvoll schloss ich die Augen, während Eleni meine Kopfhaut massierte.
„Wer weilt denn außer Senator Menecrates noch in der Villa?“, fragte ich irgendwann ganz unvermittelt.
„Niemand, Domina!“ Die Antwort der Sklavin machte mich nun doch etwas stutzig und ich öffnete schnell wieder die Augen. „Niemand? Wieso das denn?“
„Die Herrschaften weilen derzeit nicht oder nicht mehr in Rom. Außer Domina Romana…,“ entgegnete die Sklavin etwas zögerlich.
„Domina Romana?“ Das war für mich das Stichwort. „Also ist doch noch jemand hier!“, stellte ich leicht ungehalten fest. Was druckste die Sklavin auch so herum! Gab es da etwa noch mehr, was man wissen sollte?
„Nicht direkt,“ meinte die Sklavin. „Domina Romana ist Vestalin. Sie lebt schon seit einigen Jahren sehr zurückgezogen im Atrium Vestae.“ Eine Vestalin! Und eine, die sich auch noch aus dem Leben zurückgezogen hatte! Das mochte zwar für die Familie sehr ehrenvoll sein, mir jedoch nutzte es im Augenblick wenig.
„Wie steht es mit den Sklaven? Und wie lautet eigentlich dein Name?“, fragte ich etwas später. Schließlich sollte man ja wissen, von wem man die Neuigkeiten hatte. „Mir scheint, die Anzahl des Personals ist sehr begrenzt.“ Was ja aufgrund dessen, dass es bislang „nur“ den Senator zu bedienen galt, nicht verwunderlich war.
„Man ruft mich Naevia, Domina,“ ließ mich die Sklavin wissen. „Ja, das stimmt Domina. Einige der Sklaven wurden verkauft oder reisten mit ihren Herrschaften ab. und einige sind noch flüchtig…“, versuchte mir Naevia zu erklären, wobei sie sich mit den letzten Worten etwas schwer tat. Mich machte dies natürlich hellhörig. Es waren also einige Sklaven geflohen!
„Geflohen sagst du? Und man hat nicht nach ihnen gesucht?“ Die Sklavin verneinte meine Frage und begann mir zu erzählen, was sich in den letzten Monaten hier zugetragen hatte. Sie berichtete mir von einigen Todesfällen, die es gegeben hatte und von einer geflohenen Sklavin, der man nach einiger Zeit wieder habhaft geworden war. Interessant, interessant, dachte ich mir. Letztendlich aber kam ich zu dem Entschluss, gleich morgen dem Sklavenmarkt einen Besuch abzustatten. Naevia aber nahm ich fortan unter meine Fittiche. Sie gab eine vorzügliche Leibsklavin ab. -
[Blockierte Grafik: http://fs2.directupload.net/images/150601/vxtyhtud.jpg] | Cnaeus Maevius Tullinus
„Na, geht doch!“ Man musste dem Sklavenpack nur zeigen, wo der Hammer hängt! Auf den Ruf des Ianitors hin, eilten zwei Sklavinnen herbei, die sich in erster Linie um mich kümmern sollten. Natürlich würden sie sich später auch um die Belange des Maevius kümmern.
Der Klient meines Vater hatte sich bislang recht ruhig verhalten. Für gewöhnlich drängte er sich doch sofort in den Vordergrund. „Zwei,“ meinte der Maevius. „Wir benötigen zwei Zimmer.“ Ah, na bitte,da war er ja schon! Maevius hatte mein Vorpreschen nur mit einem missmutigen Blick quittiert. Aber was wusste der schon! Ich war es gewohnt, von allen Seiten hofiert zu werden und ich liebte es, wenn mir das Personal meine Wünsche bereits von den Augen ablas. Das war wohl das Mindeste, was man in einem patrizischen Haushalt erwarten konnte.Eine der beiden Sklavinnen verschwand daraufhin, um alles vorzubereiten.
„Meine Sklavin benötigt eine Kammer, die möglichst nahe bei meinem Cubiculum ist,“ funkte ich schnell noch dazwischen. Ausgeschlossen, dass man meine Eleni in die gewöhnlichen Sklavenunterkünfte verfrachtete.„Gerne, Domina!“, meinte die andere, strahlte mich an, als wäre es für sie das größte Vergnügen, mich zufriedenzustellen und machte daraufhin eine einladende Geste.
Na, da war ich mal gespannt! Der Maevius, wie konnte es auch anders sein, schritt vorneweg und ich ihm hinterher. Eleni hatte sich inzwischen schon angeschickt, mein Handgepäck aus der Sänfte zu holen. Auch die anderen Sklaven, die uns begleiteten und mein Gepäck bereits trugen, seit wir die Stadt betreten hatten, machten sich bereit, die Villa zu betreten.Die Sklavin führte uns zunächst ins Atrium.
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Die Firma dankt! Herzlich willkommen!
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"Aha, ja...", meinte der Sklave leicht irritiert und wandte sich dann etwas ratlos um zu seiner Herrin und dem Maevius, der bereits hinter ihm stand.
Seltsam, keiner da?! Mein Bruder hatte mich doch angekündigt. Wieso war denn dann keiner da? Gut, Senator Menecrates weilte noch im Senat. Das war eine gute Begründung. Aber was war mit dem Rest der Familiel? Und, was noch wichtiger war, was war mit den Sklaven los. Vollkommen unaufmerksam! Das ging ja gar nicht!
"Ja und, lässt du uns jetzt hier stehen, damit wir auf bessere Zeiten warten können?" Meine Stimme klang ziemlich ungehalten. Was bildete sich der Sklave eigentlich ein? Uns hier einfach stehen zu lassen! -
„Salve“, entgegnete der Sklave. „Ich darf die Ankunft meiner Domina Claudia Agrippina und ihres Begleiters Maevius Tullinus ankündigen.“
Inzwischen hatte Maevius seine Sänfte verlassen und wartete darauf, eingelassen zu werden. Auch ich schickte mich an, mit der Hilfe Elenis das Gleiche zu tun. Die Sklavin glättete noch meine Tunika.
Ich konnte es kaum noch abwarten!
Zuerst ein Bad, dann ein ordentliches Mahl und zu guter Letzt ein bequemes sauberes Bett. Mehr verlangte ich nicht. Aber auch nicht weniger. -
Der junge Claudius Maecenas hatte viele Briefe geschrieben, bevor er seine Schwester auf Reisen schickte. Der Wichtigste dieser Briefe aber, kam auf unerklärliche Weise viel zu spät am Ort seiner Bestimmung an.
Manius Claudius Maecenas
Villa rustica Claudiana
Eleusis ~ AchaiaAd Senator
Herius Claudius Menecrates
Villa Claudia
Roma
ItaliaSalve Senator Menecrates!
Ich schreibe dir, um dich vom Ableben meines Vaters Appius Claudius Callidus zu unterrichten, der nun fast schon vor sechs Monaten von uns gegangen ist. Ich, sein einziger Sohn, habe seine Geschäfte übernommen und führe sie nun in seinem Sinne weiter.
Ein großer Wunsch meines Vaters war es, für meine jüngere Schwester Agrippina eine standesgemäße Verbindung mit einem Vertreter der edelsten Familien Roms anzustreben. Unglücklicherweise war es ihm nicht mehr vergönnt, dies noch mitzuerleben. Daher habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, seinen Wünschen zu entsprechen und einen Gatten für meine Schwester zu finden, der dem Stand und den Traditionen, denen sich unsere Gens verpflichtet fühlt, entspricht.Ich habe mich nun dazu entschlossen, sie nach dafür nach Rom zu senden. Leider ist es mir nicht möglich, sie auf dieser langen Reise zu begleiten, da dies meine Verpflichtungen hier nicht erlauben. Ein Klient meines Vaters hat sich dankbarerweise dazu bereit erklärt, mich in dieser Sache zu vertreten. Der Mann heißt Maevius Tullinus . Er genießt mein vollstes Vertrauen und soll in meinem Auftrag Kontakt zu den in Frage kommenden Familien aufnehmen, sowie in meinem Namen die Verhandlungen führen. Maevius wird mich über seine Fortschritte ständig auf dem Laufenden halten.
In meiner Schwester wirst du eine umgängliche und wohlerzogene junge Frau finden, die bestens auf ihre bevorstehende große Aufgabe vorbereitet wurde. Ich hoffe daher, sie wird dir und den Deinen keine Umstände durch ihre Anwesenheit bereiten.
Mögen die Unsterblichen stets ihre schützenden Hände über dich und die Deinen halten!
Vale bene,
Gez. Manius Claudius Maecenas
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Hallöchen,
mir ist gerade aufgefallen, dass Claudia Agrippinas als "Plebeisch" angelegt wurde.
Iiiii!
Bitte macht aus mir eine "echte" Patrizierin.Danke im voraus!
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Oh, Frischfleisch!
Immer he r damit! -
Hallo Fuxians,
wenn du hier mitmachen willst, dann erstelle im Anmeldeboard ein neues eigenes Thema und starte so die Anmeldeprozedur. -
Hallo Fuxians,
wenn du hier mitmachen willst, dann erstelle im Anmeldeboard ein neues eigenes Thema und starte so die Anmeldeprozedur. -
Mein Bruder hatte noch zig Briefe vor meiner Abreise geschrieben. Jetzt wusste das halbe Imperium, dass Papa gestorben war, dass er in Arbeit ertrank und ich zwecks Verheiratung nach Rom reisen würde. Maecenas war eben schon immer sehr mitteilungsbedürftig gewesen.
Nach den letzten Monaten, die uns viel abverlangt hatten, war die Reise nach Rom für mich endlich wieder ein Lichtpunkt in meinem Leben. Auch wenn Maecenas mir dabei Maevius Tullinus zur Seite gestellt hatte, was meine Freude dann doch etwas schmälerte, konnte ich es dennoch kaum erwarten. Der alter Klient meines Vaters hatte sich sofort angeboten, als klar war, dass Maecenas mich nicht begleiten konnte, damit das „arme Mädchen nicht auf sich selbst gestellt nach Rom reisen musste“. Na ja, ich konnte ja die Bedenken meines Bruders nachvollziehen. Das war meine erste große Reise - und dann gleich nach Rom!
Ach ja, Rom – das Zentrum der Welt! Und ich würde dort leben! Ja, ein Teil davon werden. Wenn das nicht einfach umwerfend war! Da nahm ich Maevius‘ Gesellschaft und seine ständigen Ermahnungen gerne in Kauf.
Mit mir reiste auch noch meine Eleni, jene Frau, der ich mein Leben zu verdanken hatte. Eleni war schon immer Sklavin unseres Hauses gewesen. Doch als Mutter damals nach meiner Geburt starb, wurde sie meine Amme. Zu ihr hatte ich daher schon immer ein ganz spezielles und sehr inniges Verhältnis. Eleni konnte ich all meine Geheimnisse anvertrauen und sie stand mir mit ihrem Rat immer zur Seite.
Außerdem hatte Maecenas uns noch einen ganzen Schwung Sklaven mitgeschickt, die für unsere Sicherheit sorgen sollten und, nachdem ich gesund in Rom angekommen war, wieder zurückkehren sollten.Endlich war der also der Tag gekommen, an dem unsere Reisegesellschaft das Schiff in Piräus besteigen sollte, um damit nach Brundisium zu reisen. Zuvor hatte ich Maecenas und meiner Stiefmutter noch Lebewohl gesagt. Eine letzte Umarmung, ein letzter Kuss, viele Tränen. Dann begann der Reisewagen, der uns zum Hafen bringen sollte, sich in Bewegung zu setzen.
Die frische Seeluft, das Schreien der Möwen und der Geruch des Meeres schickten meine Sinne noch bevor es richtig los ging, auf die Reise. Das war alles so aufregend, auch wenn ich fürchtete, seekrank zu werden.
Glücklicherweise aber verlief die Überfahrt dann ohne nennenswerte Zwischenfälle und auch Neptun war uns gewogen gewesen.
In Brundisium angekommen, wartete bereits ein weiterer Wagen auf uns, der uns auf einer scheinbar endlosen Fahrt auf der Via Appia bis zu den Toren Roms brachte. Nach so vielen Tagen der Reise waren wir alle erschöpft, dennoch konnte ich es kaum abwarten, endlich zur Villa meiner Verwandten zu kommen. Ich freute mich bereits darauf, endlich meine römische Familie in die Arme schließen zu können. Ob es vielleicht auch eine junge Dame in meinem Alter gab? Und der Senator Claudius Menecrates, von dem mir mein Bruder erzählt hatte. Wir hatten ihn nie kennengelernt, kannten ihn aber von Hörensagen.
Auch wenn Maevius heftig zu stöhnen begann, noch eine Nacht wollte ich nicht in einer windigen Herberge verbringen müssen! Schließlich gab er nach. Er organisierte für mich eine Mietsänfte, dann betraten wir die ewige Stadt.
Unsere Reisegesellschaft fand schließlich den Weg zu dem herrschaftlichen Anwesen am Nordwesthang des Mons Esquilinus. Bei meinem Blick aus der Sänfte heraus sah ich, wie sich einer unserer Sklaven sich der Porta näherte und anklopfte.