Beiträge von Claudia Agrippina

    Sim-Off:

    Sorry! :(


    Zitat

    Original von Herius Claudius Menecrates
    ...
    Er trank einen Schluck Wein und ließ sich von dem Gespräch der Augusta mit Tiberius ablenken. Seine Aufmerksamkeit blieb bei der Kaiserin, als sie sich wieder Agrippina zuwandte und zwar wegen ihrer Worte. 'Einen Freund der Familie?', fragte sie nach und es schwang unüberhörbar Neugier in der Frage. Den Rest der Unterhaltung hörte er nur bruchstückhaft, denn die Augusta rückte näher an Menecrates' Nichte heran.


    "Du erzählst von Freunden der Familie?", fragte er nach, als Agrippina geendet hatte.


    Als wenn die ganze Situation nicht schon prekär genug gewesen wäre, war es bei meinem Herumplappern offensichtlich nicht ausgeblieben, dass auch mein Onkel selbst Wind davon bekommen hatte. Als hätte man mich gerade beim Stehlen ertappt, fuhr ich zu ihm um. Jetzt nur nicht auch noch stottern, Agrippina, dachte ich bei mir, sonst machst du dich hier noch ganz unmöglich.
    Glücklicherweise entwich mir sofort jener überraschte Zug in meinem Gesicht und machte einem zarten Lächeln Platz. „Oh ja, Onkel. Ich sprach gerade von Flavius Scato. Einem guten Freund meines Bruders. Als er noch zu Studienzwecken in Athen weilte, war er häufig ein gerngesehener Gast in unserem Haus,“ entgegnete ich souverän.


    Zitat

    Original von VETURIA SERENA„Flavius Scato diesen Namen hörte ich schon, nur leider fehlt mir ein Gesicht dazu.“ Dass der Falvier bei den kommenden Wahlen einen Erdrutschsieg einfahren würde konnte ja jetzt noch keiner ahnen. „Nun aber wenn er ein Freund deiner Familie ist, dann hat deine Wahl bestimmt auch das Wohlwollen deiner Familie.“
    Da die Kaiserin merkte, dass es dem Senator Claudius Menecrates wohl nicht recht war, dass die junge Frau über ihre Freundschaften sprach, war es die Kaiserin, die schnell das Thema wechselte. „Nun du bist ja genau so neu wie ich in der Stadt, sag was hast du dir schon alles angesehen?“


    Dann wandte ich mich wieder der Augusta zu. „Nun, um ehrlich zu sein, werte Augusta, hatte dies mein Bruder wohl bisher noch nicht in Erwägung gezogen. Das Nächstliegende übersieht man eben häufig. Aber bei nächster Gelegenheit, möchte ich ihm von meiner Begegnung schreiben.“ So, damit hoffte ich, war dieses leidige Thema endlich erledigt… wenn denn die Augusta nicht noch weiter an der gleichen Stelle herum bohrte. Was sie dann, den Göttern sei Dank, auch nicht mehr tat.
    Stattdessen erkundigte sie sich danach, was ich denn alles schon von der ewigen Stadt gesehen hatte. Meine Antwort darauf musste zwangsläufig bescheiden ausfallen, denn im Grunde hatte ich noch gar nichts von Rom gesehen. Jedoch hatte mir Scato auf der Hochzeit angeboten, bei Gelegenheit für mich den Stadtführer spielen zu wollen. Et voilà, da waren wir ja wieder beim Thema! Nur schwor ich mir dabei, den Namen Flavius Scato nicht noch einmal zu erwähnen. „Oh leider hatte ich dazu noch keine Gelegenheit. Doch ich brenne darauf, dies bald nachzuholen!“ Wie bitte? Ich brenne darauf?! Was sollte das denn jetzt! Besser schwieg ich jetzt und schob mir daraufhin eine Traube in den Mund.


    Manius Claudius Maecenas
    Villa Rustica Claudiana
    Eleusis • Achaia


    Ad
    Claudia Agrippina
    Villa Claudia
    Roma
    Italia




    Salve, meine liebes Pinchen!


    Ich danke dir vielmals für dein Schreiben. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie erleichtert ich bin, endlich Nachricht von dir erhalten zu haben. Deine Zeilen lassen erahnen, dass du bereits dabei bist, Rom mit deinem sonnigen Temperament zu beglücken. Deine liebenswert bescheidene Art dürfte schon jetzt eine enorme Bereicherung für die Römische Gesellschaft darstellen, daran hege ich nicht den geringsten Zweifel. Verzeih, wenn ich diese Worte mit einem Schmunzeln schreibe, aber den von mir lang ersehnten Brief gleich mit einer Beschwerde über Maevius Tullinus einzuleiten, ist so typisch für dich, dass ich dergleichen fast schon erwartet habe.


    Es ist mir schon klar, dass Tullinus nicht gerade das ist, was du dir unter einem amüsanten Gesellschafter vorstellst, aber sein Unterhaltungswert war auch nicht der Grund, ihn dir an die Seite zu stellen. Cnaeus Maevius Tullinus ist ein hochanständiger Mann, der unserer Familie seit Jahrzehnten in unumstößlicher Loyalität verbunden ist. Es mag ja sein, dass er seine ganz eigene Auffassung von Humor hat und davon, was für eine junge Frau deines Standes gut ist. Ich für mein Teil verlasse mich auf seine Lebenserfahrung, und das solltest du ebenfalls tun. Über die von ihm veranlasste Entmannung der erworbenen Sklaven brauchst du dir keine unnötigen Gedanken zu machen. Das ist durchaus üblich und dient der Veredelung der Ware. Tullinus weiß schon, was er tut. Genau deshalb ist er bei dir. Du darfst bei all deinen Vorbehalten ihm gegenüber eines nicht vergessen: Maevius Tullinus hat Familie und Geschäfte in Achaia zurückgelassen, um seinem Patron einen großen Dienst zu erweisen. Wir haben ihm dafür Respekt zu zollen. Du schreibst, er habe noch keinen Ehemann für dich gefunden? Nun, das will ich ihm auch geraten haben! Was die Eheanbahnung betrifft, hat Tullinus die Aufgabe, das Angebot an Kandidaten zu sondieren, nicht mehr und nicht weniger. Es würde mir nicht im Traum einfallen, die Wahl deines künftigen Gatten einem Maevier zu überlassen, so untadelig er auch sei. Da hat dein besorgter Bruder noch das eine oder andere Wörtchen mitzureden.


    Bevor du nun aber in finsteres Brüten verfällst, habe ich auch noch eine gute Nachricht in Sachen Tullinus. Du wirst ihn nur noch eine Weile ertragen müssen, da ich beabsichtige, ihm die Verwaltung unserer Güter anzutragen. Zwar sind mir in den vergangenen Wochen mehrere angeblich äußerst fähige Männer empfohlen worden, aus Gründen, die ich hier nicht weiter darlegen will, vertraue ich allerdings keinem davon. Also habe ich mich für Tullius entschieden. Er weiß, worauf es ankommt, kann auf eine lange Erfahrung in der Gutsverwaltung zurückblicken und wie ich ihn kenne, wird er nicht zögern, sich dieser verantwortungsvollen Aufgabe zu stellen. Vorausgesetzt, du kannst tatsächlich auf seine Anwesenheit in Rom verzichten. Aber nach dem zu urteilen, was du über unseren Onkel Menecrates schreibst, scheinst du bei ihm in sehr guten Händen zu sein und Scato ist schließlich ist auch noch da. Du hast übrigens richtig vermutet, selbstverständlich habe ich meinem alten Freund von deinem Kommen unterrichtet, und er freut sich schon darauf, dich wieder zu sehen. Keine Sorge, deine Zuneigung für ihn, die du in deinem Brief so vehement bestreitest, war natürlich nicht Gegenstand unserer Korrespondenz. Trotzdem möchte ich dich bitten, ihm gegenüber stets eine gewisse wenn auch freundschaftliche Distanz zu wahren. Gerüchte werden ohnedies entstehen, man braucht sie nicht auch noch zu befeuern.


    Nun zu deinen warmen Worten meine Verlobte betreffend. Meinst du nicht, es wäre langsam an der Zeit, den Giftkelch auszuschütten? Meine aufrichtig geliebte Pina, Sempronia Attica kann mir niemals meine Schwester ersetzen, eben so wenig wie dein künftiger Gatte jemals deinen Bruder wird ersetzen können. Wie du sehr wohl weißt, ist dieses Verlöbnis von unserem Vater in die Wege geleitet worden, und der hatte seine Gründe, Matienus’ älteste Tochter für mich auszuwählen. Mit deinem Liebreiz kann sie es freilich nicht aufnehmen. Wer kann das schon? In unseren Kreisen ist Attraktivität aber nun mal kein ausschlaggebendes Kriterium für eine Vermählung. Verbindungen allein aus niederen Instinkten heraus wollen wir doch auch künftig der Plebs überlassen. Obgleich mir völlig klar ist, dass ihr beiden wohl niemals Freundinnen werdet, appelliere ich an dich als die Schönere und Klügere, etwas mehr über den Dingen zu stehen und Attica wenigstens als eine Art entfernte Verwandte zu betrachten. All zu oft werden sich eure Wege ohnehin nicht kreuzen. Zu meiner Reise kann ich selbstredend nur ohne sie aufbrechen, du darfst meinem Kommen also ganz gelassen entgegen sehen. Es wäre schlechterdings undenkbar, mit Attica zu verreisen, bevor wir verheiratet sind. Um den Rahmen der Schicklichkeit zu wahren, müsste uns zumindest Sempronius Matienus begleiten, und darauf lege ich nun wirklich keinen gesteigerten Wert.


    Bedauerlicherweise kann ich dir momentan nicht mit dem von dir so geschätzten neuesten Tratsch aus der feinen Gesellschaft dienen, da ich seit den Kalenden des Iunius nicht mehr in Athen gewesen bin. Die Folgen eines verheerenden Gewittersturmes werden mich voraussichtlich auch noch die nächsten paar Tage in Eleusis festhalten, aber spätestens zu den Nonae Capratinae werde ich zu Mutter zurückkehren. Es geht ihr ausgesprochen gut, und wenn ich ihr erst deinen lieben Gruß übermittle, wird es ihr noch weit besser gehen. Du fehlst ihr sehr. Manchmal, wenn du ihr zu sehr fehlst, kann ich eine unausgesprochene Anklage in ihren Augen lesen. Trotz aller Einsicht in die Notwendigkeiten macht sie es mir doch insgeheim zum Vorwurf, dich nach Rom geschickt zu haben, obwohl ihr sicher klar ist, dass Vater dasselbe getan hätte. Wie auch immer, spätestens an deiner Hochzeit werdet ihr euch wiedersehen. Bis dahin wirst du leider mit deinem langweiligen Bruder vorlieb nehmen müssen, der sich auf die Reise begeben wird, sobald hier alles geregelt ist.


    In meinem Schreiben an Maevius Tullinus werde ich ihn bitten, so bald er es verantworten kann, nach Achaia zurückzukehren, um die Geschäfte zu übernehmen. Ertrage ihn einstweilen mit Langmut und vertraue dich nach Tullinus’ Abreise dem wohlwollenden Schutz unseres Onkels an. Überbringe bitte der Familie, vor allem Senator Menecrates die allerherzlichsten Grüße von mir und versuche, ihm nicht all zu sehr auf die Nerven zu fallen. Warte lieber, bis ich eintreffe. Ich bin das schließlich gewohnt und kann damit umgehen.


    Viel mehr gibt es für den Moment nicht zu sagen. Gib gut auf dich acht, mein Pinchen. Sei schlau und besonnen und vergiss bei allen Verlockungen und Zerstreuungen der Urbs Aeterna niemals unseren Wahlspruch.



    Mögest du stets unter dem gütigen Segen der Götter wandeln!
    Dein dich schmerzlich vermissender Mani.


    Der Brief meines Bruders, der mich vor einigen Tagen erreicht hatte, lag noch offen auf meinem Schreibtisch herum. Wie immer hatte ich ihn mehrmals hintereinander gelesen. Vielleicht geschah dies aus aus der Sehnsucht nach meinem Bruder heraus. Jeder seiner Briefe war wie eine kleine Kostbarkeit für mich. Und dieser hier war etwas ganz besonderes! Denn noch immer ich konnte mein Glück kaum fassen. 'Mani' hatte mir endlich diesen miesepetrigen Maevius Tullinus vom Hals geschafft. Heute Morgen war er abgereist, um sich in Achaia seinem neuen Amt zu widmen, welches Maecenas für ihn vorgesehen hatte.


    Nun galt es, ihm so schnell wie möglich zu danken. Ich wusste gar nicht, wie ich meine Freude in Worte fassen sollte. So glücklich war ich! Endlich frei! Endlich niemand mehr, der mich ausspionierte und mir jede kleine Freude verdarb. Nein, diese Zeiten waren nun vorbei. Nun konnte nur noch alles besser werden, so dachte ich, ungeachtet dessen, dass das Schicksal bereits wieder zugeschlagen hatte – wovon ich aber zu diesem Zeitpunkt noch nichts wissen konnte.
    „Allerliebster Mani….“ begann ich meinen Brief. Der Federkiel kratzte bei jeder Letter, die ich auf dem Papyrus auftrug. „Du kannst dir nicht vorstellen, wie glücklich du mich gemacht hast….“


    Plötzlich öffnete sich die Tür. Es war Eleni die eintrat. In ihrer Hand trug sie eine weitere Papyrusrolle, die mit dem mir wohlbekannten Siegel aus Achaia versehen war. Ein wenig kräuselte ich die Stirn. Sollte mir mein Bruder etwas noch einen weiteren Brief geschrieben haben? Offenbar war seine Sehnsucht nicht minder groß als meine.
    „Noch ein Brief von meinem Bruder?“ fragte ich Eleni und legte den Federkiel beiseite. Meine alte Kinderfrau lächelte und zuckte leicht mit den Schultern. Dann reichte sie ihn mir. Sofort brach ich das Siegel und öffnete den Brief. Mir fiel gleich auf, dass es nicht seine Schrift war. Meine Augen wanderten sofort zum Ende des Briefes. Ich erkannte die Unterschrift unserer Stiefmutter.
    Ein wenig seltsam kam es mir schon vor, von ihr zu hören. Umso gespannter war ich darauf, zu erfahren, was sie mir mitteilen wollte. Also begann ich zu lesen. Schnell begriff ich die Ernsthaftigkeit ihrer Zeilen. Die Freude wich in Sekundenschnelle aus meinen Gesichtszügen. Unmerklich wurde ich blass. Tränen schossen mir in die Augen, als ich begriff, war zart und zerbrechlich doch ein Leben sein konnte und dass seines zerstört worden war. Ein Unfall, so schrieb meine Stiefmutter…
    Der Brief glitt aus meiner Hand und ich stürzte mich auf Eleni, um mich, so wie früher, bei ihr auszuweinen…

    Sim-Off:

    Sorry, hab ich völlig übersehen! :(


    Mir war wesentlich wohler dabei, über die Zukunft zu sprechen, als über die Vergangenheit zu trauern. Mein Gefühl täuschte mich nicht, als ich feststellte, dass es meinem Onkel genauso erging. Er hegte ein ernsthaftes Interesse bei der Erkundung meiner eigenen Vorstellungen und Wünsche, womit er sofort meine Sympathien gewann. So war es nicht verwunderlich, dass ich ihm auch freimütig antwortete.
    „Nun ja, hässlich im Sinne der Ästhetik. Er sollte gepflegt und ansehnlich sein. Aber auch im mentalen Sinne. Es sollte jemand sein, mit dem ich meine Gedanken austauschen kann, der mich ernst nimmt und der Wert auf meine Meinung legt.“ Das waren ganz viele Wünsche auf einmal. Ob es diesen idealen Kandidaten überhaupt gab, oder ob ich einige Abstriche machen musste? Über eine musste ich mir allerdings im Klaren sein, meine Auswahlkriterien waren wohl sicher nicht die, die der Maevius bei seiner Suche anwandte. So konnte ich also nur auf ein Wunder hoffen! Auf eine göttliche Fügung. Vielleicht sollte ich die Laren bei meinem morgendlichen Gebet milde stimmen. Ja, das schien mir im Augenblick als das Sinnvollste. Bei meinem Bruder schien dies offensichtlich gewirkt zu haben. Zumindest war er überglücklich mit seiner Zukünftigen, auch wenn ich seine Meinung nicht teilen konnte.
    Bei meinem Onkel hatte ich durch das Erwähnen des Verlöbnisses auch einen gewissen Wissensdurst verursacht. In anbetracht dessen, dass sie womöglich in einigen Monaten hier durch die Villa stolzieren könne, war dies auch gar nicht ungewöhnlich.
    „Nun Onkel, ich kann nicht behaupten, sie zu meinen Freundinnen zu zählen. Was also könnte ich dir von ihr berichten? Ihre Familie ist in Athen sehr einflussreich und äußerst begütert. Ihr Vater war mit unserem befreundet. Daher resultiert auch der Wille, die beiden Familien stärker miteinander zu verbinden. Über sie selbst gibt es nicht viel zu sagen. Vielleicht mag sie ja gutaussehend sein. Ansonsten aber ist sie herrisch und schrecklich eingebildet. Sie glaubt…“ Leider konnte ich diesen Satz nicht mehr zu Ende bringen, da mein Begleiter, der sich bislang sehr dezent im Hintergrund gehalten hatte, mich mit funkelnden Augen zur Raison bringen versuchte. „Agrippina!“, rief er tadelnd. Worauf ich ihn nur mit einem überraschten Blick streifte und einmal tief durchatmete. Dann wandte ich mich wieder zu meinem Onkel zu. „Du wirst sie ja noch kennenlernen. Dann kannst du dir selbst ein Urteil von ihr bilden.“ Damit ließ ich es besser bewenden, um dem Maevius nicht noch weitere Argumente zu liefern, mich hier vor meinem Onkel unmöglich zu machen.

    Mit einem Ohr dem Tiberier lauschend, hoffte ich darauf, der Augusta über meine Bekanntschaft nicht weiter Rede und Antwort stehen zu müssen. Doch offensichtlich hatte ich ihre Neugier nur noch mehr geschürt. Sie würde nicht eher locker lassen, bis ich ihr einen Namen nannte. Dabei schien es sie kaum zu interessieren, wie unangenehm mir dies war. Aber ich hatte es mir ja selbst zuzuschreiben!
    „Oh, das war in der Villa Flavia, auf der Hochzeit des Senator Flavius mit Flavia Domitilla. Es handelt sich um einen ihrer Verwandten, Flavius Scato. Er ist eigentlich ein guter Freund meines Bruders, denn die beiden haben in Athen zusammen studiert. Und bisweilen besuchte er uns auch. Damals war ich natürlich noch ein Kind.“ Im Prinzip war ich das ja noch immer. „Du kannst dir sicher vorstellen, wie erfreut ich war, ihn nach all den Jahren wieder zu sehen.“ Und er mich! „Im Übrigen,“ fügte ich noch hinzu, da ich im Gespräch der Augusta mit dem Tiberius aufgeschnappt hatte, dass dieser sich zur Wahl stellen wollte, „habe ich gehört, Flavius Scato will sich auch zur Wahl zum Vigintivir aufstellen lassen.“ Natürlich zweifelte ich keinen Moment daran, dass er dabei auch erfolgreich sein würde.

    „Aha,“ meinte ich etwas überrascht. Ob ich mich gerade eben als Landei geoutet hatte? Und wenn schon! Ich war ja schließlich wohlerzogen. Auch wenn der Maevius erst kürzlich das Gegenteil behauptet hatte. Dennoch klang es verwegen, was der Flavier zu berichten hatte. Nicht dass ich es darauf anlegen wollte, auf eben diese kriminellen Gestalten zu treffen. Doch wenn ich Scatos Worte richtig deutete, dann war ihm genau das bereits widerfahren. Zu gerne hätte ich noch einmal nachgefragt, weil es mich doch brennend interessierte. Doch vielleicht wirkte ich dann eine Spur zu aufdringlich. Besser erschien es mir, dieses Thema auf einen späteren Zeitpunkt zu schieben. Zum Beispiel dann, wenn er mir die Stadt zeigen würde.
    Ach ja genau, den Maevius musste ich davon auch noch in Kenntnis setzen, obgleich es mir liebe gewesen wäre, meinen Onkel damit zu behelligen. Aber ich wusste ja genau, was dann passierte! Maevius Tullinus war in dieser Beziehung ein widerlicher pedantischer Wichtigtuer, der sich sofort bei meinem Bruder beschwerte.
    „Ach im Prinzip kannst auch meinen Onkel benachrichtigen. Aber ich fürchte, Maevius fühlt sich dann übergangen. Aber ich werde meinem Bruder gleich heute noch schreiben und ihm von unserem Treffen berichten, dann dürfte uns nichts mehr im Wege stehen.“

    Zitat

    Original von VETURIA SERENA
    Serena nickte lächelnd. Bis dieses Außer vielleicht… fiel. AH! Da konnte man also noch Nachbohren. Sehr fein. Natürlich fiel die Kaiserin der jungen Frau nicht ins Wort, sondern wartete bis diese geendet hatte. Ihr Blick fiel dabei auch auf den älteren Claudier und den Tiberius, der etwas abseits stand. Nein nein nein, dass hier sollte ein gemütlicher Abend werden, also löste die Kaiserin das steife Begrüßungsprozedere auf.
    „Nun meine Herren, und Damen. Ich denke wir haben uns nun alle miteinander bekannt gemacht und es ist Zeit, dass wir es uns etwas bequemer machen.“ Sie deutete auf die Clinen und gab den Sklaven auch das Zeichen, das man die Vorspeisen bringen könnte.
    Der Claudia flüsterte sie noch zu. Zu dem außer vielleicht erfahre ich hoffentlich noch mehr.“
    ...[/simoff]


    Zweifellos musste ich mit meinem gedankenlosen Geplapper die Aufmerksamkeit der Kaiserin auf mich gezogen haben. Hätte sie mir sonst einen so vielsagenden Blick zugeworfen? Glücklicherweise aber war sie so taktvoll und hakte nicht noch einmal nach, sondern lud nun auch den Rest der Gesellschaft zu den Klinen ein. Ich hoffte, dass dadurch nun meine unüberlegten Worte wieder im Sumpf des Vergessens versinken würden. Doch dem war nicht so. Die Augusta wandte sich wieder mir zu. Ihre geflüsterten Worte riefen ein leichtes Erröten meiner Wangen hervor. Nun saß ich in der Falle und konnte mich höchstens noch winden, was mir allerdings auch nichts helfen würde.
    „Ach, ich traf kürzlich einen alten Freund der Familie wieder,“ erklärte ich leise der Augusta und versuchte natürlich dieses Treffen als unwichtig und irrelevant abzutun. „Nun ja, und es stellte sich heraus, dass… also dass er auch noch unverheiratet ist.“ Ich warf ihr ein vielsagendes Lächeln zu, da ich glaubte, in ihr eine junge und ebenso aufgeschlossene Frau vor mir zu haben, die daran nichts Ungehöriges fand. „Aber,“ so fügte ich dann noch schnell hinzu. „darüber habe nicht ich zu befinden, sondern mein Bruder.“
    Erfreulicherweise hatten sich nun auch die Herren zu den Klinen aufgemacht, was mich in meinem Glauben bestärkte, die Augusta nun nicht weiter mit solchen delikaten Angelegenheiten belästigen zu müssen. Nur gut, dass noch keine Namen gefallen waren!

    Es war mit Sicherheit von Vorteil, dass er nichts mehr weiter zum Thema „Sempronia“ sagte. Schließlich kannte ich mich ja und wusste auch, wenn es um sie ging, wie schnell ich mich in Rage reden konnte. Dann hätte man mir ganz schnell wieder meine Impulsivität oder sogar eine gewisse Art der Ungezogenheit vorwerfen können. Nein, da war es wirklich besser, sich auf ein anderes Thema einzulassen. Auch wenn es dabei wieder um den Tod ging und mir wieder einmal klar wurde, wie klein doch die Welt war!
    „Ach tatsächlich! Ja, mein Onkel betrauert seinen Tod und den seines Bruders auch zutiefst. Es muss für einen Vater, oder in diesem Fall für einen Großvater ganz schrecklich sein, wenn die Kinder vor der eigenen Zeit sterben,“ meinte ich betroffen. Über den Tod zu reden war noch nie meine Stärke gewesen, obwohl er auch meinen engeren Familienkreis bereits heimgesucht hatte. Mir fehlten da einfach die Worte. Aber Scato schien so aufmerksam zu sein, um dies zu bemerken. Vielleicht war er auch einfach froh, durch mich (oder mit mir?) wieder in alten Zeiten schwelgen zu können. Sein Angebot kam mir auch sehr gelegen, zumal ich dadurch die Möglichkeit hatte, einmal alle wichtigen Sehenswürdigkeiten, die Rom zu bieten hatte, aus der Nähe anschauen zu können und dabei auch noch getrost auf die Anwesenheit meines Aufpassers zu verzichten.
    „Oh, das ist ganz und gar nicht aufdringlich! Ich würde mich sogar sehr freuen, zumal sich bislang ein geeigneter Stadtführer noch nicht offenbart hat. Mein Onkel ist, so fürchte ich, für eine solche Aufgabe bereits zu alt.“ Außerdem hatte er sicher Wichtigeres zu tun, als für mich den Fremdenführer zu spielen.
    Bei seiner letzten Bemerkung warf ich meinem Sklaven einen flüchtigen Blick zu. Nun ja, Onatas war in dieser Hinsicht leider nicht ausgebildet. Mit höchster Wahrscheinlichkeit jedoch verfügten die Flavier über genügend Personal. Ich hätte höchstens mit Gundalf aufwarten können, jenen furchteinflössenden germanischen Hünen, den wir aus Achaia mitgebracht hatten und der mir mit seinen kühlen grauen Augen und seinem stechenden Blick jedes Mal einen Schauer über den Rücken jagte. „Besteht denn ein Grund zur Sorge?“,fragte ich in meinem jugendlichen Leichtsinn, welcher nur ein weiteres Indiz dafür war, dass ich über das wahre Leben dort draußen auf der Straße absolut nichts wusste.

    Die Kaiserin war entzückt! Und ich erst! Ich wusste gar nicht, wie mir geschah, als ich erst einmal aus dem schützenden Schatten meines Onkels getreten war. Nun ergriff die Augusta meine Hand und zog mich mit ihr, als gehörte ich zum Kreis ihrer Freundinnen. Vielleicht hätte ich mich einmal kneifen sollen, dachte ich, damit ich aus meinem Traum erwachte. Aber offensichtlich war ich das bereits! Auf diese elegante Weise ganz nebenbei auch den Blicken des jungen Caesars entronnen zu sein, fühlte ich mich gleich ein wenig wohler in meiner Haut.


    Zusammen mit Aelia nahmen wir auf einigen andern Klinen Platz, wo wir uns ungestört unterhalten konnten. Mit Sicherheit gab es mehr als nur Mode, worüber wir uns unterhalten konnten, denn schon bald war ein neues Thema gefunden – nämlich mich! Es ehrte mich natürlich außerordentlich, die Aufmerksamkeit der Augusta auf mich gezogen zu haben. Hoffentlich wurde ich jetzt nicht gleich knallrot! „Oh, ich bin noch gar nicht lange in Rom. Seit fast zwei Monaten. Mein Onkel war so freundlich und hat mir erlaubt, ihn zu der Hochzeit des Tiberius zu begleiten,“ meinte ich artig und lächelte etwas verlegen. „Ja, es war der Wunsch mein es Vaters, nach Rom zu kommen, um in die Gesellschaft eingeführt zu werden und letztlich eine passende Partie für mich zu finden. Leider wird er meine Hochzeit nicht mehr miterleben können. Er ist wenige Wochen vor meiner Abreise verstorben,“ fügte ich etwas betrübt hinzu. „Nun ja, bisher gibt es noch keinen konkreten Kandidaten. Außer vielleicht…“ Außer vielleicht –WAS? Was plapperte ich denn da schon wieder? Nach der Begegnung mit Scato war mir immer wieder der Gedanke in den Sinn gekommen, dass er doch auch… eigentlich… vielleicht. Ach nein, das war nur ein Hirngespinst. Scato suchte ganz bestimmt nicht nach einer wie mir, die manchmal zu einfältig war und so sprunghaft dazu, oder noch schlimmer, eine, die immer das sagte, was sie gerade dachte.
    „Oh, ich bin in Achaia geboren und aufgewachsen. Meine Familie besitzt Ländereien in Eleusis und eine Stadtvilla in Athen. Während des Winters lebte ich zumeist dort und die Sommer verbrachte ich immer in Eleusis.“ Mehr hatte ich bis dato noch nicht von der Welt gesehen.

    Nein, nein! Natürlich verschwendete ich zunächst keinen Gedanken mehr daran. Scato und ich – das würde niemals klappen! Alleine schon der Gedanke daran war völlig absurd. Und ich nahm mal an, dass es ihm genauso ging. So war dieses Thema dann auch schnell vom Tisch und mein Bruder und dessen Zukünftige rückten nun in den Fokus.
    Scato gab sich relativ diplomatisch. Aber auch er konnte sich hoffentlich bald selbst ein Bild von ihr machen, so es die Götter denn wollten. „Na ja, ich bezweifle, dass Maecenas das weiß. Er ist ganz vernarrt in sie. Wahrscheinlich hat sie ihn verhext. So etwas soll es ja geben.“ Natürlich glaubte ich weder an Zauberinnen, noch an die Möglichkeit, dass Sempronia eine von ihnen war. Ich mochte sie eben einfach nicht.


    „Was ich sonst noch so vorhabe?“, fragte ich ein wenig verdutzt. Eigentlich hatte ich sonst nichts vor. Außer vielleicht ein Teil der römischen Gesellschaft zu werden. Einen Anfang hatte ja mein Onkel gemacht, indem er mich heute mitgenommen hatte. „Im Augenblick bin ich noch dabei, mich hier einzuleben. Ich bringe ein wenig den Haushalt meines Onkels auf Vordermann. Seitdem seine beiden Enkel verstorben sind, wurde so manches schleifen gelassen. Aber wenn du mich so fragst, nein, eigentlich hat mir noch niemand Rom gezeigt.“ Aber vielleicht würde er das ja nun tun. Ein wenig Abwechslung hatte noch niemandem geschadet und schon gar nicht, wenn man dabei die Gesellschaft eines alten Freundes der Familie genießen durfte.

    Ja, ich hatte es versprochen. Noch auf Vaters Totenbett hatte er mir das Versprechen abgenommen, mich zu fügen, ganz gleich was, beziehungsweise wer da kommen mochte. Hauptsache es war ein Mann von Ehre, der dem Wohl der Familie diente. Dass er jung, nett und ansehnlich sein sollte, davon hatte mein Vater nichts mehr sagen können, denn dazu war er leider nicht mehr gekommen. Da war es doch sehr tröstlich, dass Scato sich wenigstens meiner annahm und nur das Beste für mich hoffte. Nun ja, schließlich war ich ja auch die kleine Schwester seines besten Freundes. Da sagte man eben solche Sachen. Dass es durchaus anders werden konnte und ich mich dann fügen musste, wusste er sicher auch.


    Überrascht war ich dann tatsächlich, dass er noch immer unverheiratet durchs Leben schritt. Offenbar war nicht einmal eine Verlobte in Sicht. Dabei brachte er doch alle Qualitäten mit sich, die frau sich nur wünschen konnte: Jung, dynamisch, erfolgreich, und einen guten Namen noch dazu! „Ach echt nicht? Hah! Dann heirate doch einfach mich!“, rief ich in jugendlichem Übermut und grinste über beide Ohren. Zum Glück hatte ich heute Eleni nicht an meiner Seite, da sie heute Morgen über Magenschmerzen geklagt hatte. Sie wäre erst rot angelaufen und hätte mich dann zurechtgewiesen. Natürlich hatte ich das nicht ernst gemeint. Schließlich war das Scato! Er und ich… Igitt! Das wäre genauso, als heiratete ich meinen eigenen Bruder!
    Zum Glück kamen wir ganz schnell auf ein anderes Thema. Richtig, auf meinen Bruder und seine Verlobte. „Er hat dir nichts über Sempronia geschrieben? Das wundert mich aber. Normalerweise textet er jeden zu damit, wie toll sie doch ist. Aber gut, vielleicht hatte er mit dir ja Mitleid.“ Ich grinste böse, bevor ich ihn dann über Sempronia einweihte. „Also Sempronia ist so ziemlich die schrecklichste Person, die du dir vorstellen kannst! Mag sein, dass sie vielleicht ganz gut aussieht und ihre Familie in Athen auch großen Einfluss besitzt. Dennoch ist sie eingebildet und glaubt jetzt schon, sie sei die Herrin des Hauses. Mich wollte sie auch herumkommandieren. Aber das habe ich mir nicht bieten lassen. Naja, du wirst sie sicher noch kennenlernen, wenn Maecenas nach Rom kommt.“

    Scatos mitfühlende Worte bedeuteten mir richtig viel. Er war einer der wenigen in Rom, die meinen Vater persönlich gekannt hatten. Dabei wurde mir bewusst, dass er auch der einzige war, außer meinem Onkel und Eleni natürlich, den ich in dieser Stadt kannte und zu dem ich, nun ja so etwas wie ein fast familiäres Verhältnis hatte. Zumindest war es früher so gewesen, als er und mein Bruder zusammen studierten.
    „Nun ja, es war ja auch noch der Wunsch meines Vaters, dass ich in Rom verheiratet werden soll. Ich hoffe nur, der Maevius findet für mich keinen alten Tattergreis,“ gab ich zu bedanken. Eigentlich war das meine größte Sorge, denn mein Aufpasser kam auf die seltsamsten Ideen, wenn man ihn unbehelligt ließ.


    Diese Hochzeit würde mir sicherlich in guter Erinnerung bleiben. Nicht nur weil ich die kaiserliche Familie gesehen hatte. Auch weil ich hier Scato wieder getroffen hatte, der sich sehr zu seinem Vorteil verändert hatte. Und wie es schien, war aus ihm auch ein vielversprechender Politiker geworden, der seinen Weg gehen würde. „Aha, das klingt ja sehr vielversprechend,“ meinte ich, auch wenn ich mich in diesen Dingen nicht so wirklich auskannte.
    „Wie steht es eigentlich mit dir? Du bist doch bestimmt schon vergeben, oder? Ist sie auch hier irgendwo, deine Frau oder Verlobte?“ Zugegeben, meine Fragerei wirkte vielleicht etwas aufdringlich. Doch ich knüpfte einfach an die „alten Zeiten“ an, in denen Scato wie ein weiterer großer Bruder für mich gewesen war. „Wusstet du eigentlich, dass Maecenas auch in ein paar Monaten heiraten wird?“ Wenn ich allerdings an seine Braut dachte, drehte sich mir der Magen um.

    Zunächst hatte es den Anschein, als würde diese Unterhaltung in das übliche Geplänkel übergehen. Mal ganz unter uns, ein wenig langweilte ich mich ja schon. Schließlich war ich hier in Rom und nicht irgendwo am Ende der Welt! Aber vielleicht waren ja patrizische Hochzeiten so. Stinklangweilig und nicht enden wollend. Doch dann bemerkte ich eine gewisse Regung bei der Nennung meiner Familie. Natürlich erregte der Name Claudia immer die Aufmerksamkeit, sobald er in einem Gespräch fiel. So auch bei dem Flavius. Als nun aber unser beider Identität gelüftet worden war, gab es kein Halten mehr (zumindest von meiner Seite). Bei dem Freund meines lieben Bruders dauerte es wohl eine Sekunde länger, bis sich auch auf seinem Gesicht ein überraschtes Grinsen manifestierte.


    „Exakt!“, entgegnete ich grinsend. „Claudia Agrippina, wie sie leibt und lebt!“ Natürlich hatte Maecenas auch seinem besten Freund einen Brief geschrieben. Weshalb hätte er ihn auch auslassen sollen? Schließlich hatte er dem halben Imperium Briefe geschrieben. „Ja, ich weiß. Maecenas war sehr fleißig. Leider konnte er mich nicht nach Rom mit begleiten, da er noch so viel um die Ohren hat. Du weiß ja sicher, dass… Papa gestorben ist.“ Mein Grinsen war einem Anfall von Trauer gewichen. Den Verlust meines Vaters würde ich auch nicht so schnell verkraften.
    Doch dann nach einigen Minuten der betretenen Stille, hob ich erneut mein Gesicht und begann langsam wieder zu strahlen. „Mir geht es eigentlich sehr gut, mal abgesehen davon, dass Maecenas mir so einen knochentrockenen alten Widerling als Aufpasser auf den Hals gehetzt hat. Maevius Tullinus heißt er und ist einer von diesen übereifrigen Klienten meines Vaters. Ein wahrer Kotzbrocken! Stell dir vor, er hat für mich einen Leher gekauft, der mir noch gutes Benehmen beibringen soll! Mir! Die ich doch ein Musterbeispiel für gute Erziehung bin! Außerdem soll er für mich eine gute Partie in Rom finden. Und ich hoffe, das wird auch bald der Fall sein, denn dann bin ich ihn wieder los." Es war mal wieder mit mir durchgegangen. Endlich merkte ich selbst, dass ich nur plapperte. "Oh bitte entschuldige, ich rede wieder nur von mir! Aber nun zu dir! Du hast dich ja ganz schon verändert!" bemerkte ich dann weiter, als ob ich mich kein bisschen verändert hätte und immer noch so aussähe, wie mit zehn öder zwölf. "Und? Bist du kräftig dabei, Karriere zu machen?“ Natürlich erwartete ich nun ein JA! Etwas anderes hätte ich nicht gelten lassen.

    Ich sah schon, wie schwer es Eleni fiel, sich bei diesen Äußerungen zurückzuhalten. Wäre es nach ihr gegangen, hätte sie Aristoteles ordentlich den Kopf gewaschen. Doch ich hatte ihr geboten, sich zurückzuhalten, woran sie sich auch hielt.
    Doch auch meine Geduld schien bei solch einer Niederträchtigkeit bald an ihre Grenzen zu stoßen. Erst recht als er mir unterschwellig mit dem Maevius drohte. Ausgerechnet der Maevius, der ja im Grunde für seine Misere verantwortlich war!
    „Du meinst also, dir in deiner jetzigen Situation mit Schlägen zu drohen sei barbarisch und eines Römers nicht würdig? Mal ganz davon abgesehen, dass du mir gerade vorwirfst, ich ließe es an Sittsamkeit und Disziplin mangeln. Dann sag mir doch Sklave, wie sollte ich mich deiner Meinung nach einem Sklaven verhalten, der unverschämt ist und mich beleidigt? Meinst du, ich könnte ihm damit drohen, ihn für die nächsten Tage in ein dunkles Loch zu verbannen? Bei Wasser und Brot?“ Interessiert sah ich zu Naevia hinüber, die sich, da sie ja die Villa Claudia schon länger als ihr Zuhause betrachtete, hier bestens auskannte. „Naevia, sag mir, gibt es einen solchen Carcer in der Villa? Ein tiefes feuchtes und dunkles Loch, in das man aufmüpfige Sklaven steckt?“ Naevia musste nicht lange über meine Frage nachsinnen und nickte mit einem gewissen Unbehagen. „Ja, Domina! Den gibt es.“
    „Nun,“ meinte ich und wandte mich meinem Lehrer wieder zu. „Wie würde dir das gefallen?“

    Bei der Erwähnung seiner Tante horchte ich aufmerksam auf. „Deine Tante? Du meinst, die Braut ist deine Tante?“ Mein Blick wie auch mein Interesse löste sich endgültig von jenem zitternden armen Tropf und bedachte nun den Fremden endgültig mit meiner Aufmerksamkeit, da er sich soeben als Angehöriger der Flavii zu erkennen gegeben hatte. Bei genauerem Hinsehen fand ich sogar, er sah dem jungen Scato etwas ähnlich, den ich vor Jahren hatte kennenlernen dürfen.


    Auch meine Annahme bestätigte er. E hatte bereits zu Studienzwecken in Achaia geweilt, wie wohl die meisten jungen Männer unseres Standes. Wer es sich leisten konnte, schickte eben seinen Nachwuchs nach Achaia oder Alexandria, um an den dortigen Schulen für deren Bildung zu sorgen. Mein Bruder und ich hatten in dieser Hinsicht stets einen Vorteil. Letztendlich aber war dies nur ein schwacher Trost, nicht in Rom leben zu können.


    Nun, da dies geklärt war, interessierte es mich schon, mit welchem Vertreter der Flavii ich es denn zu tun hatte. Erfreulicherweise war meinem Gegenüber dies nun auch bewusst geworden, weshalb er mich in aller Förmlichkeit noch einmal begrüßte. „Nein, ich bedaure. Deine Tante ist mir gänzlich unbekannt. Eigentlich bin ich heute nur hier, da ich meinen Onkel, Senator Claudius Menecrates begleite,“ antwortete ich mit einem verschmitzten Lächeln. Doch genau jenes entglitt mir in dem Moment, als er mir seinen Namen verriet. „NEIN!“, rief ich ganz perplex. „Du willst Flavius Scato sein? Ich hatte dich ganz anders in Erinnerung. Etwas schlanker, mehr Locken und… nun ja, weniger strahlend.“ Der letzte Teil war mir einfach so herausgerutscht und verursachte nun, da ich mit bewusst geworden war, was ich gesagt hatte, eine leichte Rötung meiner Wangen. „Da hast mich wohl auch nicht erkannt. Ich bin´s, Pina. Äh... ich meine natürlich Agrippina… Claudia Agrippina, um genau zu sein. Maecenas‘ kleine Schwester.“

    Wie ein Schatten war ich zunächst meinem Onkel gefolgt. Ich hatte viel Mühe dabei, mich nicht ständig mit offenem Mund zu zeigen, da ich einfach nur noch staunte. Ich, das Landei aus Eleusis war zur Cena mit der kaiserlichen Familie geladen! Für dieses Ereignis hatte man das Nymphaeum ausgewählt und hergerichtet.
    Ich konnte es noch immer kaum glauben! Innerhalb kürzester Zeit würde ich nach der Hochzeit in der Villa Flavia ein weiteres Mal der kaiserlichen Familie begegnen. Es wurde langsam Zeit, dass ich mir endlich meines Standes voll und ganz bewusst wurde. Dies hier war nicht mehr Athen – dies war Rom!


    Bei unserem Eintreffen wurden wir von einer Dame begrüßt, die sich uns als Aelia Vespa vorstellte und die uns davon in Kenntnis setzte, dass sich unsere Gastgeber etwas verspäten würden. Ein Sklave bot uns derweil Getränke an. Vorerst hielt ich es für richtig, mich noch zurückzuhalten, bis mich schließlich der Tiberius ansprach, dessen Hochzeitsgast ich unlängst gewesen war. Wie es schien, war seine Gattin heute nicht anwesend, was mich zu der Mutmaßung anstachelte, ob ihr die mehr als langatmigen Hochzeitsfeierlichkeiten aufs Gemüt geschlagen waren.
    „Salve Tiberius! Es freut mich, dich wieder zu sehen! Wie schade, dass wir auf die Gegenwart deiner Gattin verzichten müssen!“, entgegnete ich lächelnd und war tatsächlich etwas traurig über die Abwesenheit der Flavia. Schließlich war ich immer noch dabei, mir einen neuen Bekanntenkreis in Rom aufzubauen.


    Die kaiserliche Familie ließ nicht lange auf sich warten. Ich hielt den Atem an als sie eintraten, ihre Gäste begrüßten. Ich mochte wohl einen schüchternen Eindruck machen, da ich mich noch immer hinter meinem Onkel versteckte. Dennoch schien meine Anwesenheit zumindest von der Kaiserin bemerkt worden zu sein, die sich nach mir erkundigte. Sofort nutzte mein Onkel die Gelegenheit und stellte mich vor. Dies war dann der Moment, in dem auch ich einen Schritt vortrat, um ein paar Worte loszuwerden. „Ave, mein Kaiser! Salve verehrte Augusta! Salve Caesar! Es freut mich sehr, heute hier sein zu dürfen.“ Schon bei der Hochzeit hatte ich für einen kurzen Moment einen Blick auf die Kaiserin werfen können. Sie war noch so jung! Kaum älter als der Caesar, dessen Aufmerksamkeit sie , nun auch erregt hatte.

    Ich melde mich bis zum 23.8. urlaubsbedingt ab. :wink:


    Ein dickes sorry für alle, die noch auf mich warten. Leider waren meine letzten beiden Wochen so prall mit anderen Dingen gefüllt, dass ich es einfach nicht mehr geschafft habe, zu antworten. In zwei Wochen aber starte ich dafür wieder voll durch! :)

    Zitat

    Original von Caius Flavius Scato
    ...
    Er blieb kurz stehen und schaute sich die Frau an der diese Stimme gehörte. Natürlich hatte er keine Ahnung er da vor ihm stand sodass er einfach ins blaue hineinredete..
    "Nun.. In Achaia gibt es diese Werke zuhauf." mischte er sich kurzerhand in die Unterhaltung ein noch bevor ihr Sklave antworten konnte. Er war ja nur ein Sklave, kein Flavier also was sollte es?
    "Aber dennoch sind diese Exemplare recht gut gelungen nicht wahr?"


    Zu meiner Begeisterung schien es Onatas nicht anders als mir zu gehen. Auch er konnte seine Augen kaum von dieser formvollendeten und in Gold gefassten Schönheit abwenden. Bei meinem nächsten Besuch in meiner Heimat musste ich ihn unbedingt mitnehmen, um ihm nicht länger diesen einmaligen Kunstgenuss vorzuenthalten! Er schien so überwältigt zu sein. Noch ehe er etwas auf meine Bemerkung hin sagen konnte, tat es ein anderer. Ein wenig überrumpelt, ließen meine Augen von dem lebenden Kunstwerk ab, ich wandte mich um und fokussierte jenes Toga tragende männliche Wesen, welches sich klammheimlich zu mir gesellst hatte. Wie mir schien, hatte ich es hier mit einem Kenner der Materie zu tun. Zumindest aber hatte er es wohl auch einmal geschafft, meiner Heimat einen kleinen Besuch abzustatten. Allerdings ließ mich dieses seltsame Gefühl nicht los, dass ich den Guten von irgendwoher bereits kannte. Es musste schon einige Zeit zurückliegen. Doch beim besten Willen wollte sich mir der Zusammenhang nicht auftun. Doch diese schwarzen Locken und dieses Gesicht schienen mir nicht fremd zu sein. Allerdings marterte ich mein Hirn nicht weiter. Schließlich gehörte es ja zum guten Ton, sich vorzustellen, was er sicher gleich tun würde, wenn er sich mit mir unterhalten wollte. Zunächst aber ergab ich mich seinem Kunstverständnis und meinte nur: „Ach tatsächlich! Dann darf ich annehmen, dass du bereits dort warst. In der Tat, sie sind recht gut gelungen. Doch sieh nur, dieser hier schwächelt bereits! Ich hoffe, er wird doch nicht an Dehydrierung eingehen?“ Je länger man der lebenden Statue seine Aufmerksamkeit schenkte, umso mehr versuchte der Sklave unter der goldenen Haut, krampfhaft seine Pose zu halten. Dabei zitterte er inzwischen schon sehr bedrohlich.