Am heutigen Tag der Equirria stellten sich die Teilnehmer der Pompa zur Mittagszeit bim Circus Maximus bereit. Ich war richtig nervös, war dies doch mein erster Auftritt in der Öffentlichkeit als Senator und damit auch der erste Eindruck, den viele Bürger von mir erhalten würden. Wie alle wussten, erhielt man nie eine zweite Chance für einen ersten Eindruck. Umso pingeliger und genauer nahm ich es mit der ganzen Vorbereitung und Aufstellung der Teilnehmer.
Zuvorderst würden Musiker die Aufmerksamkeit des Volker erregen und falls nötig dafür sorgen, dass jegliche anderen Gesellschaften und Züge wussten, hier kommt ein grosser Opferumzug, eine Pompa eben, die hat jetzt Vortritt. So waren die Chancen noch etwas grösser als eh schon, da ja ganz Rom wusste, dass heute die Equirria gefeiert wurden.
Die beiden Tibicines und dazu noch 2 Trommler waren bereit. Ich hatte mich im Vorfeld bereits über ihr Können vergewissert und bei diversen "Freunden" Informationen zur Qualität ihres Spiels eingeholt. Natürlich nicht nur über sie, sondern auch über die anderen 4 Musiker, welche weiter hinten im Umzug noch folgen würden.
Dann sollte ich kommen, als Opferherr würde ich die eigentliche Pompa anführen. Ich prüfte noch einmal, ob ich auch alles bei mir trug, was nötig war. Die feine aus Elfenbein geschnitzte Tafel, auf welcher im Innern Papyri mit den nötigen Texten und Hilfsmitteln festgemacht werden konnten, damit auch ja alles gemäss den nötigen Riten ablief, das weisse Stirnband als Zeichen des opfernden Magistraten, welches mir dann beim Tempel umgebunden werden würde, und den Wedel aus Pferdehaar, mit welchem ich den Altar dann rituell reinigen würde.
Hinter mir kamen Annaea Crispina mit offenem, wallendem Haar und Galeo Seius Ravilla. Beide trugen tönerne Abbilder von Waffen. Crispina dasjenige eines Gladius, Ravilla das eines Scutum, welche als Voropfer gedacht waren.
Als nächstes kam Annaeus Vindex, frisch gebackener Aedituus des Aesculapiustempels, mit dem Stier, welchen ich einige Tage zuvor auf dem Forum Boarium ausgesucht hatte. Es war ein wunderschönes Exemplar. Pechschwarz und mit einem roten Leuchten in den Augen, das dem Mars sicherlich gefallen würde. Zwar hatte es auf dem Markt ein noch wesentlich grösseres Viech gehabt, welches noch viel imposanter gewesen wäre, aber irgendetwas hatte mir daran nicht gefallen. Im Gegensatz zu diesem Stier, den ich dann auch gekauft hatte, war er zu ruhig, fast schon friedlich gewesen. Heute bei der Salutatio hatte ich dann erfahren, dass dieses Riesenviech gestern einfach verstorben war. Seine Innereien seien komplett mit komischen Flecken übersät gewesen. Ich hatte also richtig gewählt, den ersten Test schon Tage zuvor bestanden und mich nicht vom äusseren Schein trügen lassen, als ich das Opfertier für heute gekauft hatte.
Der Stier war von einer breiten roten Decke bedeckt und mit weissen und roten Binden und Bändern am Kopf geschmückt, welche auf beiden Seiten herunterhingen und im leichten Wind flatterten. Seine Hörner waren heute früh noch mit goldener Farbe angemalt worden, damit das Tier auch wirklich eines Opfers würdig war. Er war natürlich schon etwas sediert worden, damit er bei dem Lärm und Trubel nicht gleich verrückt werden würde, und liess sich am Seil durch den Nasenring fast schon einfach führen. Ein Blutbad in den Strassen, durch einen wild gewordenen Stier, hätte zwar womöglich Mars gefallen, doch es wäre nicht wirklich ein gutes Zeichen für die Zukunft der Gens Annaea und des Imperiums gewesen.
Hinter dem Stier kamen dann der Haruspex und weitere Opferdiener, unter welchen sich auch Iulia Stella befand, ebenfalls mit offenem Haar. Sie trugen die weiteren Gaben des Opfers und die dafür nötigen Gegenstände. Stella trug Wasser für die rituelle Waschung, sowie ein weisses Tuch, mit welchem wir nach der Waschung die Hände trocknen konnten. Ein Helfer trug das Opfermesser, den Hammer, mit welchem der Stier betäubt und getötet werden sollte, und die bronzene Schale, in welcher das Blut aufgefangen wurde, ein anderer hatte den Weihrauch dabei und dann noch 2 für den Wein und die Mola Salsa.
Als letzter in der Reihe ging der Victimarius, dessen Aufgabe es war, das Opfertier zu öffnen, die Innereien für den Haruspex zu entfernen und das Tier danach zu zerlegen, damit sein Fleisch an das Volk von Rom verkauft, respektive abgegeben werden konnte.
Zum Schluss der Prozession folgten nochmals 2 Flötenspieler und 2 Trommler, welche den Abschluss der Pompa anzeigten. Dahinter konnte sich dann das Volk einreihen. Viele meiner Klienten waren natürlich bereits da, um dem Umzug von den ersten Schritten an das nötige Gewicht zu geben. Immerhin war dies praktisch ein Staatsopfer und nicht einfach eine familiäre Feier am Hausaltar.
Alle Teilnehmer am Opfer, angefangen mit den Musikern und mir ganz vorne und aufgehört mit dem Victimarius und den 4 weiteren Musikern am Ende, waren in rote Tuniken gekleidet. Die Herren trugen darüber die Toga mit den Clavi ihres Ordo oder persönlichen Ranges, die Damen trugen einen leichten Mantel, damit sie während des Opfers ihren Kopf bedecken konnten. Alle Teilnehmer waren barfuss unterwegs, was kein grösseres Problem darstellte, da es am Morgen noch leicht geregnet hatte und die Strassen sauber waren. Nun jedoch hatte es aufgehört, die Strassen waren nicht rutschig vom Regen und die Temperatur war angenehm. Wir hatten uns entschlossen, ohne verhüllte Häupter den Umzug zu begehen, damit das Volk auch sehen konnte, wer hier das Opfer ausrichtete.
Ein letztes Mal vergewisserte ich mich, dass alle anwesend waren, alles Material vorhanden war und die gesamte Pompa bereit für den Abmarsch war.
Vom Circus Maximus sollte es über das Marsfeld zum Forum Romanum und dann zum Tempel des Mars Ultor gehen.