Ich war aufgeregt wie ein kleines Kind. Schon seit am Abend alle in der Casa Didia zusammengekommen waren um in dieser Nacht in die Tat umzusetzen, was wir vor wenigen Tagen geplant hatten. Adrenalin rauschte durch meinen Körper und gab mir das Gefühl unbesiegbar zu sein. Heute Nacht würden die Götzen vom Thron gestürzt!
Wir hatten gemeinsam gebetet und gegessen. Danach waren wir den Plan noch mal durchgegangen. Wir würden vom Aventin runter und hinter dem Circus Maximus vorbei durch das Tal zwischen Palatin und Caelius bis zum Kolosseum in zwei kleinen Gruppen gehen. Nur ein paar Fuß voneinander entfernt, immer in Sichtweite. Nur eben weniger auffällig falls uns doch irgendwer begegnete. Hinter dem Tempel der Venus, nahe der Subura würden wir uns wieder zusammen schließen. Sicher war sicher. Nach der Porta Sanqualis dann würden wir uns noch einmal auftrennen für den Weg zum Quirinal rauf bis zum Tempel der Flavier. Dort würden wir uns am Eingang der Säulengangumrandung treffen. An einem normalen Tag wäre ich jetzt schon erschöpft bei dem Gedanken an den weiten Weg. Aber heute Nacht, heute Nacht wurde ich getragen von meinem Glauben!
Danach würde es richtig losgehen. Während wir anderen im Schatten des Säulengangs warteten würde Ultor die Tempeltür öffnen. Er hatte es tatsächlich geschafft einen Schlüssel zu besorgen! Und dann wäre der Rest ein Kinderspiel! Rein, Götzen runter vom Thron, Säcke voll mit Gold (oder was es sonst gibt) füllen, raus! Danach würden wir uns in alle Winde zerstreuen. Die Spenden für die Bedürftigen würden wir natürlich nicht weit mit uns herumtragen. Ich würden sie bei einem Bruder verwahren der ganz in der Nähe auf dem Viminal wohnte. Und dann mit einem Becher Wein in der Hand nach Hause spazieren!
Aber soweit waren wir noch nicht. Noch standen wir in der Casa und verwahrten unsere Ausrüstung unter unseren Mänteln. An einem Seil über meiner Schulter hing ein Holzknüppel. Und an meinem Gürtel hing ein Sack für die Spenden.
"Habt ihr alles?" flüsterte ich obwohl uns hier niemand hören konnte. "Achatius, wenn wir fort sind öffne keinem die Tür ohne das Zeichen!" Er würde die Stellung in der Casa halten. "Ultor, hast du den Schlüssel?"
Ich wandte mich um. "Leise jetzt, es geht los!"
Als ich die Tür der Casa Didia öffnete um nach draußen zu treten wusste ich es ganz genau. Das hier, das hier war eine besondere Nacht. Wir waren besonders! Wir waren im Auftrag des Herrn unterwegs!