Beiträge von Volusus Didius Molliculus

    "Och, ja, ein paar sind es schon," gab ich ganz bescheiden zu. "Die Gaben aus dem Tempel verteile ich an die armen Seelen am Tiber. Um die kümmert sich sonst keiner. Der Kaiser nicht, die fetten Senatoren nicht und die Götzen schon gar nicht! Aber Gott der Herr hat sie nicht vergessen. Einige haben sich taufen lassen weil sie jetzt die Wahrheit sehen können und kommen zum Gottesdienst. Und Ultor..." Ich stockte. Ja, Ultor hatte ich dort auch gefunden. Was hatte ihn nur im Tempel bewegt? Hatte er Angst bekommen?

    "Es sind nicht alle immer stark. Habt ihr ihn auch gefunden? Ultor, unseren Bruder, der mit uns im Tempel war?"

    Ich glaubte dass er tatsächlich interessiert war, seine braunen Augen schienen mir ganz ausgehungert nach Wissen. Der arme Tölpel rackerte sich wahrscheinlich jeden Tag für dieses System ab das ihn nur ausbeutete. Wahrscheinlich trug er jede Menge Opfer von seinem sauer verdienten Geld in die Tempel und bat um etwas Beistand für seinem Dienst für den Kaiser. Und dabei fraßen sich die Pontifices und der Kaiser davon nur einen Wanst an! Ja, dieser arme Mann verdiente die Wahrheit!

    "Wir öffnen den Menschen die Augen! So viele sind verblendet und laufen den falschen Götzen hinterher! Und wenn erst das Ende der Welt naht sind sie alle verdammt! Wir müssen diese armen Seelen retten! Zweifelst du nicht auch an diesen System das die Menschen nur ausbeutet? Wann haben diese Götter je etwas für dich getan? Wir haben ihr Haus verwüstet. Und was ist passiert? Nichts! Nichts ist passiert! Weil es sie nicht gibt! Weil die Pontiffices und der Kaiser sich an den Opfer-Gaben laben! Und weil der Herr der einzigwahre Gott ist."

    Organisierte radikale Bewegung würde ich uns nicht nennen. Eher eine kleine Gruppe radikaler Spinner. ;)

    Dazu sind wir nicht Teil der Historie, sondern ein Teil der IR-Geschichte. Einer ziemlich alten Geschichte übrigens, aber ich will hier nicht spoilern.


    Mir ist es aber egal, für die Außenwelt stelle ich gerne alles so dar wie wir es brauchen. Hauptsache es weckt Interesse! :D

    Ich finde ja schon, dass man auch seine dunkle Seite hier ausleben kann und soll. Sonst ist das Rollenspiel doch langweilig.

    Ich könnte aber vielleicht deutlicher machen, dass das zum Spielspaß beitragen soll?


    >>

    Und wenn man (im Zuge einer Spieler für Spieler Geschichte) zu einer radikalen Gruppierung gehört und die römischen Tempel im Namen Gottes schändet, dann kann man auch im Kerker der Stadteinheiten landen. Das ist mir passiert. Wie es weitergeht, das entscheidend das gemeinsame Spiel im Imperium Romanum! Werde auch du ein Teil dieser Geschichte!

    Viele Götter oder nur einer? Im Imperium Romanum ist beides möglich!


    Ich bin Volusus Didius Molliculus, Priester im Tempel des Merkur, und heimlicher Christ.


    Im Römischen Reich werden viele Götter verehrt und geduldet. Deswegen gibt es auch viele verschiedene Tempel in Rom und viele Möglichkeiten sich in die Kulte einzubringen. Du könntest Tempelvorsteher werden oder Speziallpriester in einem der angesehenen Kollegien, als Verstalin dienen, oder dich in privaten Kultvereinen engagieren.


    Daneben gibt es viele fremdländischen Kulte, die toleriert werden. So wie die Christen, wenn auch mit Einschränkungen. Öffentliche Gottesdienste und das Missionieren sind uns verboten.

    Und wenn man zu einer radikalen Gruppierung gehört und die römischen Tempel im Namen Gottes schändet, dann kann man auch im Kerker der Stadteinheiten landen. Das ist mir passiert. Wie es weitergeht, ob ich frei komme, als Sklave in die Minen verbannt werden oder am Ende am Kreuz lande, das entscheidend das gemeinsame Spiel im Imperium Romanum! Werde auch du ein Teil dieser Geschichte!

    Meine Augen wurden groß. Mit mir würde er anfangen? Mit was anfangen? Ich schaute hilfesuchend zu Philotima. Sie lächelte selig. Einer der Schränke stieß mich Richtung Tür und ich stolperte los. Ich konnte überhaupt nicht mehr denken und meine Füße liefen von alleine mit. Was würde er anfangen? WAS? Herr im Himmel hilf!


    In der nächsten Zelle ging es los. Erstmal ziemlich harmlos. Mir fiel ein Stein vom Herzen, aber ein ganz großer. Auch wenn die Zelle nicht gerade der netteste Ort für eine Unterhaltung war.

    "Das Ende ist nah! Wir sind im Auftrag des Herrn unterwegs! Alle ungläubigen Seelen werden verdammt sein und im Fegefeuer enden wenn der Herr über die Welt richtet." Jetzt war ich ganz in meinem Element. Auch diese arme Seele könnte ich vielleicht retten (inklusive meiner eigenen).

    "Nur diejenigen von rechtem Glauben werden an den Toren der himmlischen Gefilde aufgenommen. Aber es bleibt nicht mehr viel Zeit die Menschen zu retten und sie von ihrem Unglauben an die falschen Götzen abzubringen und zum wahren Glauben an Gott zu bekehren. Es bleibt nicht mehr viel Zeit, mein Bruder, auch für dich nicht. Doch auch du wirst in den Armen des Herrn willkommen sein wenn du dich unserer Sache anschließt. Ist das nicht schrecklich den ganzen Tag hier unten? Oder nachts einen Tempel zu bewachen für Götzen, die sich nicht um dich scheren weil es sie gar nicht gibt?"

    Auf einmal ging die Tür auf und ich stolperte perplex zurück. Denn damit hatte ich doch nicht gerechnet, was mir zugegeben meine aufmüpfige Energie raubte.

    "Ähm" brachte ich eloquent hervor. "Also, äh, ja. Didius Molliculus." Na prima, ich tat es schon wieder! Am besten sollte ich ihm gleich noch meine Schuhgröße, Bauchumfang und Lieblingsolivenhändler nennen!

    "Didius Molliculus, Bruder unter Brüdern, getaufter Christ!" setzte ich etwas forscher hinzu. Über den Aedituus sagte ich besser erstmal nichts.

    Mein Magen knurrte vor Hunger. Ich jammerte, vermutlich ziemlich viel. Wenn ich mit mir selber hier eingesperrt wäre hätte ich mir schon längst eine runtergehauen. Aber Philotima war stark. Sie ruhte in sich. Ich glaube, sie betete. Oder schlief sie? Wäre ich nur auch so stark. Ich konnte nicht schlafen wenn ich Hunger hatte. Außerdem hatte ich die zeitliche Orientierung verloren seitdem ich kurz die Augen zu gemacht hatte. Hatte ich nur Sekunden geschlafen oder Stunden? War es Tag oder Nacht? Und wie lange was das schon her? Meinem Magen nach zu urteilen ziemlich lange.


    "Hallo?!" rief ich zum Xten Mal die Tür an. Die blieb zum Xten Mal stumm.

    Ob sie uns verhungern lassen würden? Oder verdursten? Wie lange ist Mose noch mit den Israeliten durch die Wüste gezogen? Hatte es da nicht auch lange Hunger und Durst-Zeiten gegeben? Aber das war doch nur eine Strafe Gottes gewesen. Warum sollte Gott uns bestrafen? Weil wir Sein Werk nicht vollendet hatten? Weil wir nun untätig hier herum saßen?

    "Ihr könnt uns hier verrotten lasssen, aber das Werk des Herrn werdet ihr nicht aufhalten, ihr verblendeten Ungläubigen!" rief ich zur Tür, um Gott zu beweisen, dass wir noch nicht am Ende und immer noch in Seinem Namen unterwegs waren.


    Wie zur Bestätigung meiner unbändigen Kraft knurrte mein Magen extra laut.

    Ich war noch nie zuvor in einem Kerker gewesen. Ein bisschen erinnerte es an den Keller der Casa Didia. Mit dem Unterschied dass wir dort viel warmes Licht hatten von Kerzen und Öllampen, Decken und Kissen auf den Bänken und alles irgendwie heimelig war. Hier war nichts heimelig. Alles war karg und ungemütlich. Es gab nur einfache Holzpritschen. Ohne Kissen. Nur mit einer Decke darauf die so dünn war dass man fast durchschauen konnte. Nach einigen Minuten Sitzen tat mir schon der Hintern weh. Also stand ich auf. Aber nach einigen Minuten taten mir die Füße weh. Ich setzte mich wieder und seufzte.


    "Wie lange wir wohl hierbleiben müssen?"

    Philotima wirkte abwesend. Wenigstens war ich nicht allein.

    "Überhaupt, was haben die mit uns vor?" Ich hatte mir nie Gedanken darüber gemacht was passieren könnte. Ich hatte ja nie damit gerechnet, dass man uns fassen würde.

    "Der Tempel ist ja eine Sache. Aber bei mir ist es auch noch der Götzendienst. Oh Mann, oh Mann... wahrscheinlich werde ich in den Mienen landen." Ich bemerkte den weinerlichen Tonfall in meiner Stimme. Aber das ließ sich nun nicht ändern. In die Mienen! Gott bewahre! Am liebsten hätte ich geheult. Aber natürlich konnte ich das in Philotimas Anwesenheit nicht tun. Also starrte ich nur auf den Boden und versuchte stark zu sein. Stark in meinem Glauben. Gott würde uns schon irgendwie hier rausholen. Oder nicht? Gott hatte auch zugelassen dass sein Sohn gekreuzigt wurde. Aber ich war ja zum Glück nicht Gottes Sohn. Und die anderen Gläubigen in den Geschichten, die kamen immer gut weg. Noah zum Beispiel. Oder David gegen Goliath. Ja, ich war ja so etwas wie David. Ein kleiner Hirtenjunge gegen einen übermächtigen Feind!

    Das lief wirklich nicht wie geplant. Aber was sollte ich tun? Auch Philotima entzündete sich nicht spontan selbst und riss damit die Ungläubigen ins Verderben. Hach, liebste Philotima. Wenn ich nur sie wenigstens schützen könnte. Aber ich war nun einmal kein Held und in diesem Augenblick auch nicht sonderlich gewitzt. Etwas enttäuscht begab ich mich also wortlos in mein Schicksal und tat was die Soldaten mir sagten.

    "Gut, keiner sonst bewegt sich." Zielstrebig nahm er sich den jüngeren Dicken vor. "Du! Name?!"

    Nein, so war das alles nicht geplant! So durfte das alles nicht enden. Warum geschah jetzt kein Wunder das uns rettete?

    "Volusus"
    Warum schickte der Herr keinen Blitz vom Himmel der den Tempel der Götzen zum Einbruch brachte?
    "Didius"
    Warum schickte Gott kein Erdbeben, dass sich der Boden unter uns auftun und verschlingen würde?

    "Molliculus"
    Warum nannte ich meinen Namen wie ein Schaf das zur Schlachtbank geführt wurde? Meine Hand mit dem Knüppel sank herab. Das Holz schien mir auf einmal unendlich schwer. Ich ließ es los und scheppernd krachte es auf dem Boden. Der Ton den das verursachte wurde von den dicken Tempelmauern zurückgeworfen so dass es klang als würde eine kleine Armee ihre Knüppel fallen lassen.


    Moment Mal! Ja, ich war immer noch eine Armee! Ich war im Auftrag des Herrn unterwegs. Und auch das hier war sicher nur eine Prüfung!
    "Wir sind im Namen des allmächtigen Gottes hier und auch du kannst unser Werk nicht aufhalten." Meine Stimme klang noch ein wenig lahm.
    "Sieh nur wie willenlos deine Götzen sind, die tatenlos der Zerstörung ihres Hauses zusehen. Und warum? Weil sie nicht existieren, weil nur der Eine unsere Schritte lenkt! Erkennt die Wahrheit, Brüder, und lasst eure Schwerter sinken. Erkennt die Wahrheit und schließt euch unserer Sache an!"

    Mir stand der Schweiß auf der Stirn vor lauter Anstrengung. Die kreischende Frau ignorierte ich weiterhin. Sie würde nicht das Werk des Herrn aufhalten! Schlag um Schlag führte ich aus bis der Götze endlich von seinen Sockel gestoßen war und am Boden zerbrach. "Der Herr ist mit uns!" rief ich fanatisch und war beseelt.


    Leider wähnte dieser grandiose Augenblick nicht lange. Ich verstand kaum was da geschah. Soldaten krachten regelrecht mit der Tür ins Tempelhaus. Warum hatte uns Sulamith nicht gewarnt? Hatten sie sie etwa umgebracht? Diese elenden Götzendiener!
    Ich glotzte die Soldaten stupide und mit offenem Mund an. Meinen Knüppel hielt ich weiterhin in der Hand. Nicht weil ich damit drohen wollte, sondern einfach weil ich vollkommen vergessen hatte dass ich ihn noch hielt. Ultor drückte einer Sklavin ein Messer an die Kehle und was er jetzt sagte drang nur wie durch eine dicke Wolke zu mir durch. "Was ihr mit dem Rest macht, ist mir gleich"


    Meinte er mit dem Rest etwa uns? Uns, also eigentlich nur noch Philotima und mich. Wo war Myron? Hatten sie auch Myron schon umgebracht? Und warum war es Ultor gleich was mit uns geschah? Er war doch einer von uns, wir hatten ihn aufgenommen in seiner Not, er war doch einer unseres Glaubens und unserer Sache!


    Verstört schaute ich zwischen Ultor und Philotima hin und her. Was geschah hier? Hatte der Herr und Erlöser uns etwa verlassen? Wir waren doch im Auftrag des Herrn unterwegs!

    Bei Gott, so war das nicht geplant! Überhaupt nicht! Mir rauschte das Blut in den Ohren. Vermutlich war das eine Prüfung des Herrn. Der Herr prüft den Gerechten und den Gottlosen; wer Unrecht liebt, den haßt seine Seele!


    Ja, so musste es sein! Eine Prüfung Gottes! Na und, dann war eben eine Frau hier. Die würde uns nicht aufhalten und wenn sie noch so laut schrie!

    "Du kannst uns nicht aufhalten!" schrie ich gegen sie an und hob meinen Knüppel. Ich war beseelt von unserem Auftrag im Namen des Herrn, der uns schützen würde.

    "Im Namen des allmächtigen Gottes! Nieder mit den falschen Götzen!"

    Schwer krachte mein Knüppel herunter und traf wahllos Opfergaben und Devotionalien. Kleine Statuen, Schüsseln und Votivgaben zersplitterten und fielen klirrend zu Boden. Ich war der zornige Arm Gottes, der seine Feinde zerschmetterte!
    "Ihr sollt euch keine Götzen machen!" schrie ich weiter und stürmte mit erhobenem Knüppel auf die Frau zu, stieß sie zur Seite und schlug auf die Statue des Flavius Vespasianus ein. Ein Schlag, noch ein Schlag und sie geriet ins Wanken.

    Ich war ein bisschen außer Atem als wir endlich den Tempel erreichten. Zum Glück gab es eine kleine Verschnaufpause für mich denn Ultor musste erstmal die Tür öffnen. Ich musterte derweil heimlich Philotima. Wie sie da so energisch im Dunkel stand, das war schon die Wucht. Leider dauerte das nicht lange, Ultor war verdammt schnell und wir folgten ihm zum Tempel. Jetzt überschwemmte auch mich wieder die Energie!


    "Nieder mit den falschen Götzen!" zischte ich in die Nacht und huschte mit den anderen durch die Tempeltür. Das Kerzenlicht, das das Innere erleuchtete blendete mich nur kurz. Erst dachte ich da steht eine Statue vor der Statue. Aber dann bewegte sie sich. Da stand eine Frau vor den Altar!

    "Porca miseria!" So war das nicht geplant gewesen, was mich ehrlich gesagt völlig aus dem Konzept brachte.

    Ich war aufgeregt wie ein kleines Kind. Schon seit am Abend alle in der Casa Didia zusammengekommen waren um in dieser Nacht in die Tat umzusetzen, was wir vor wenigen Tagen geplant hatten. Adrenalin rauschte durch meinen Körper und gab mir das Gefühl unbesiegbar zu sein. Heute Nacht würden die Götzen vom Thron gestürzt!


    Wir hatten gemeinsam gebetet und gegessen. Danach waren wir den Plan noch mal durchgegangen. Wir würden vom Aventin runter und hinter dem Circus Maximus vorbei durch das Tal zwischen Palatin und Caelius bis zum Kolosseum in zwei kleinen Gruppen gehen. Nur ein paar Fuß voneinander entfernt, immer in Sichtweite. Nur eben weniger auffällig falls uns doch irgendwer begegnete. Hinter dem Tempel der Venus, nahe der Subura würden wir uns wieder zusammen schließen. Sicher war sicher. Nach der Porta Sanqualis dann würden wir uns noch einmal auftrennen für den Weg zum Quirinal rauf bis zum Tempel der Flavier. Dort würden wir uns am Eingang der Säulengangumrandung treffen. An einem normalen Tag wäre ich jetzt schon erschöpft bei dem Gedanken an den weiten Weg. Aber heute Nacht, heute Nacht wurde ich getragen von meinem Glauben!


    Danach würde es richtig losgehen. Während wir anderen im Schatten des Säulengangs warteten würde Ultor die Tempeltür öffnen. Er hatte es tatsächlich geschafft einen Schlüssel zu besorgen! Und dann wäre der Rest ein Kinderspiel! Rein, Götzen runter vom Thron, Säcke voll mit Gold (oder was es sonst gibt) füllen, raus! Danach würden wir uns in alle Winde zerstreuen. Die Spenden für die Bedürftigen würden wir natürlich nicht weit mit uns herumtragen. Ich würden sie bei einem Bruder verwahren der ganz in der Nähe auf dem Viminal wohnte. Und dann mit einem Becher Wein in der Hand nach Hause spazieren!


    Aber soweit waren wir noch nicht. Noch standen wir in der Casa und verwahrten unsere Ausrüstung unter unseren Mänteln. An einem Seil über meiner Schulter hing ein Holzknüppel. Und an meinem Gürtel hing ein Sack für die Spenden.

    "Habt ihr alles?" flüsterte ich obwohl uns hier niemand hören konnte. "Achatius, wenn wir fort sind öffne keinem die Tür ohne das Zeichen!" Er würde die Stellung in der Casa halten. "Ultor, hast du den Schlüssel?"


    Ich wandte mich um. "Leise jetzt, es geht los!"

    Als ich die Tür der Casa Didia öffnete um nach draußen zu treten wusste ich es ganz genau. Das hier, das hier war eine besondere Nacht. Wir waren besonders! Wir waren im Auftrag des Herrn unterwegs!

    Das Armilustrium war einer der höchsten Feiertage der Götzenverehrung. Wie eine Schafherde rotteten sich die Soldaten zusammen und folgten ihren Leithammeln durch die Stadt. Soldaten, Salier, Opfertiere, alle im gleichen Rhythmus. Das Fest war so alt, dass einige Gesänge und Riten gar nicht mehr verständlich waren. Und trotzdem wurden sie gesungen und durchgeführt, denn die Menschen folgten in völliger Verblendung ihren kultischen Führern.


    Ich war natürlich nicht hier um dem beizuwohnen. Da der Marsch aber mit großem Getöse über den Aventin zog konnte ich ihm auch nicht wirklich entkommen. Und irgendwie war es auch ein bisschen wie ein Unfall. Einerseits schrecklich, aber andererseits kann man nicht wegschauen. Ich folgte dem Zug noch bis zum Circus Maximus. Dort verschwand er in dessen Tor wie in einem riesigen Höllenschlund.


    So stellte ich mir das Ende vor. Die verblendeten Ungläubigen tanzten der Schlange hinterher in den Abgrund. Wenn wir sie nur retten könnten! Wenn wir sie nur alle retten könnten! Es waren so viele Menschen, dass mir diese Aufgabe in diesem Augenblick doch irgendwie viel zu groß erschien. Aber ich würde nicht wanken. Gemeinsam mit meinen Brüdern und Schwestern und vor allem mit Philotima an meiner Seite würden wir so viele retten wie möglich. Allerdings nicht heute.

    Ich schaute unauffällig in die Gesichter meiner Mitstreiter, ob einer von denen etwas gehört hatte. Mir war nämlich gerade bei Philotimas Worten ein riesengroßer Stein, ach was, ein ganzer Geröllhaufen vom Herz gefallen. Da den gewaltigen Rumms aber anscheinend nur ich gehört hatte folgte auch mein Blick danach Binah. Vielleicht mochte ich sie doch nicht so sehr. Die Kinder, ja, die mochte ich und bestimmt übertrug sich das nur auf Binah! Irgendwann würde ich selbst einen ganzen Stall voll Kinder zeugen. Mit der passenden Frau. In meinen Träumen war das Philotima. Ich sah uns beide schon in einem kleinen Haus auf dem Land, dann wenn die Sache abgeschlossen war. Die Casa hier in Rom würde selbstverständlich weiter allen Brüdern und Schwestern offen stehen. Auch Binah, der keifenden Vettel.


    Ach, eigentlich war sie doch nur ein altes verbittertes Weib (wobei sie so alt noch gar nicht war). Wer konnte da schon erwarten, dass ihr begrenzter Geist einer Vision von einer völlig anderen Welt folgen konnte. Später würde sie uns allen dankbar sein.
    "Nicht jeder hat ein starkes Herz ohne Angst. Um so wichtiger ist es, dass wir stark sind in unserem Glauben und für unsere Brüder und Schwestern kämpfen. Dass wir uns nicht aufhalten lassen, weder von innerer Furcht, noch von äußeren Drohungen! Noch vier Tage, dann nehmen wir uns den Tempel vor."

    Ich mochte Binah wirklich. Und die Waisen natürlich auch. Allesamt. Aber was Binah nun verlangte war zu viel! Philotima sollte sich stellen. Nein, also wirklich nein! Wer weiß was die mit ihr anstellen würden! Ausgerechnet die Prätorianer, die ja nicht gerade für ihre Zimperlichkeit bekannt sind. Oder dafür Menschen nett zu befragen. Oder überhaupt dafür dass jemand ihre Kaserne wieder lebend verließ!


    "Nein! Philotima darf sich nicht stellen! UItor hat recht, wenn die Prätorianer einmal anfangen dann hören sie nicht auf bis sie den Ietzten von uns in ihren Kellern erledigt haben!" Ich schaute Philotima flehend an. Nein, sie durfte sich nicht stellen!
    "Wir machen weiter! Und dann wechseln wir einfach die Unterkunft. Die Casa ist zwar nett, aber wir können überall wirken. Wenn Binah nicht mehr weiß wo wir sind, dann kann sie uns auch nicht verraten und die Kinder sind sicher!"


    Die Kinder! Die armen Kinder! Der Herr sollte diese elenden Prätorianer-Schweine strafen, die nicht einmal vor Kindern halt machten!

    Die Furcht, o ja, die kannte ich auch! Die Schönheit der Welt und die Furcht vor dem Ende. Als hätt ich nicht schon Stunden im Bett wach gelegen und über das alles nachgedacht! Aber dann dachte ich wieder an Philotima, an Philotimas Worte. Ganz ehrlich, ich verstand nicht ganz wie direkt sie das mit der Seligkeit und dem Jenseits meinte. Aber ich war mir sicher, dass wir die Welt umgestalten und zu einem besseren Ort machen mussten. Wenn erst unser Glaube die Welt beherrschte dann wäre sie eine bessere. Ohne habgierige Kriege. Ohne Sklaverei. In friedlichem Miteinander mit allen Menschen. Wir würden die Mächtigen und ihre Götzen stürzen! Und mit allen Brüdern und Schwestern das Paradies errichten!


    Und jetzt wo Philotimas Augen glühten und ihre Stimme über sie hinaus wuchs gab es keine Furcht mehr in mir. Nicht in meinem Herzen. Nicht im letzten Winkel meiner Seele! Nein, ich Volusus Didius Molliculus würde Zeugnis ablegen ohne Furcht und Philotima bis ans Ende der Welt folgen!


    "Jawohl! Lasst uns die Götzen stürzen!" stimmte ich feurig zu. Noch vier Tage bis Neumond!

    "So ist es" stimmte ich Philotima und Myron zu.


    Dann legte ich meine Hand sanft auf Sulamiths Unterarm. "Wir werden keinem Menschen etwas antun, Sulamith. Aber die falschen Götzenbilder müssen zerstört werden! Es stimmt, in den Tempeln ist so viel Raubgut aus früheren Tagen. Aber es ist ja noch schlimmer. Jeden Tag kommen Menschen in die Tempel, die wenig bis nichts haben. Und das wenige, das opfern sie den Göttern in der Hoffnung darauf Hilfe zu erhalten." Ich schüttelte grimmig den Kopf. "Aber sie bekommen gar nichts, Sulamith, nichts! Sie werden beraubt, jeden Tag aufs neue, denn ihre Gaben nähren nur die Pontifices und den Kaiser, die immer fetter und fetter werden! Wir geben also nur denjenigen ihr Habe zurück die darum betrogen wurden."


    In der letzten Zeit hatte ich ziemlich mit meiner Aufgabe im Tempel gehadert. Ich wollte nicht mehr Teil dieses Systems sein. Menschen vorgaukeln, dass ihnen im Tempel ein Gott zuhört und sich ihrer annimmt. Ich wollte nur noch im Haus des einzig wahren Gottes meinen Dienst tun. Dort wo ich mir sicher war, dass Gott die Menschen hörte und sich ihrer annahm. Aber wir brauchten das Geld. Dieses Haus und die Menschen, die darin lebten, mussten schließlich versorgt werden. Ganz zu schweigen von unseren Gaben an andere. Und das finanzierte hauptsächlich mein Einkommen und das was ich aus dem Tempel mitnahm. Nachdem das Dach des Waisenhauses saniert war hatte ich nicht mehr ganz so viel auf einmal mitgehen lassen, aber doch immer genug, dass wir unser Werk tun konnten. Das war mein einziger Trost. Und natürlich, dass Philotima mir immer wieder versicherte wie wichtig mein Anteil für die Gemeinschaft war.


    "Wir müssen den Menschen die Augen öffnen. Wenn wir den Tempel schänden und kein göttlicher Zorn bricht aus, dann werden die Menschen erkennen dass ihre Götzen nur Trugbilder sind! Dann werden sie bereit sein zu erkennen, wie falsch dieses System ist und dass es nur einen Gott gibt!"