Mit einer dicken Mappe frisch gekaufter Papyri unter dem Arm fand sich auch Terpander ein. Er war auf dem Sklavenmarkt ein gern gesehener Gast, zumindest, wenn man die Perspektive des alten Sklaventreibers zum Maßstab nahm. Gelegentlich hatte er es sich zum Zeitvertreib gemacht, ohne Kaufabsicht die Preise in die Höhe zu treiben, was dem alten Titus Tranquilius zusätzliches Einkommen beschert hatte. Heute war das nicht möglich, denn Aulus Iunius Tacitus war auch zugegen. Er nickte in dessen Richtung und klopfte kurz auf die Mappe, sprach ihn jedoch nicht an, da der Herr gerade in einem Gespräch mit dem Sklavenhändler vertieft war.
Nun warf Terpander einen Blick nach oben, um zu sehen, um welche Ware es ging. Aus seiner Heimat war Terpander Nacktheit gewohnt, so dass erst die Reaktion der Vestalin ihn daran erinnerte, dass hier etwas Ungehöriges vor sich ging. Jetzt zeigte sich ein gehässiger Zug um seine Mundwinkel, als er die offensichtliche Hilflosigkeit der Sklavin wahrnahm. Mitleid zählte nicht zu den Eigenschaften, die Terpander besaß, dafür eine gehörige Portion Schadenfreude und ein Gefühl der eigenen Überlegenheit.
Beischlaf gab es an jeder Ecke für wenige Asse, dafür musste man keine teure Sklavin halten, und wenn man Terpander hieß, musste man dafür überhaupt nichts bezahlen. Anscheinend wusste die Sklavin nicht, dass dieses Geschäft in Rom praktisch nichts wert war. Auch er selbst hatte entsprechende Aufgaben erfüllt, aber er war vor allem Griechischlehrer gewesen, worin sein eigentlicher Wert begründet lag. Eine Sklavin, die nichts anderes konnte, würde kaum einen Käufer bei der Oberschicht finden. Solche vegetierten üblicherweise in den Lupanaren, aber genossen nicht das gute Leben in einer römischen Familie. Das würden die Frauen des Hauses auch kaum dulden.
Na, mal schauen, wie sich das hier noch entwickelte. Vielleicht kaufte sie ja irgendjemand aus Mitleid oder nur darum, damit sie sich endlich wieder anzog und die kultivierte Oberschicht nicht länger beleidigt wude.