"Ich hoffe jedenfalls, dass es jeder vernünftig denkende Mensch irgendwann merkt."
Natürlich implizierte das, dass nicht jeder Mensch vernünftig dachte.
Matidias Stolz auf unsere Präsenz in Germanien freute mich, denn das würde ihr hier Halt geben. Ebenso freute es mich, dass sie hier viel lernte.
"Man kann nie genug lernen."
Dabei grinste ich verschmitzt.
Zum Fluss musste ich ihr mangels Ortskenntnis folgen, aber das machte mir nichts. Im Gegenteil machte es mich stolz, dass sie sich hier gut auszukennen schien. Das zeigte, dass sie sich nicht im Domus Iunia abschottete, sondern aktiv die Stadt erkundete und dabei hoffentlich auch neue Menschen kennenlernte. Nur wenig war schlimmer als ungewollte Einsamkeit.
Der Weg zum Ufer war kürzer, als ich dachte. Die Stadt war wirklich nicht allzu groß. Ich blickte über den Rhenus, der sich weit vor mir erstreckte. Zu meiner Linken sah ich die lange Brücke, die Mogontiacum mit der anderen Seite verband. Etwas dahinter, auf höherem Ufer, stand ein Castellum, soweit ich das erkennen konnte.
"Die Brücke ist beeindruckend. Ich kann mir vorstellen, dass der Rhenus bei Hochwasser eine Herausforderung für das Bauwerk darstellt. Das ist sehr gute Ingenieurskunst."
Den Stolz auf die römischen Ingenieure konnte man aus meiner Stimme heraushören. Dann zeigte ich auf einen Punkt etwas weiter das Ufer hinauf.
"Das Castellum dort sichert die Brücke, damit wir hier keinen unliebsamen Besuch der Barbaren bekommen, nehme ich an? Hat es einen Namen?"
Und dann schweifte mein Blick südwärts, über Sümpfe hinweg, bis ich bei einer Mündung verweilte.
"Das dort ist der Moenus, oder?"