Beiträge von Aulus Iunius Tacitus

    Nachdem ich den Cursus Iuris abgeschlossen und alle Vorbereitungen für meine geplante Reise abgeschlossen hatte - zumindest jene Vorbereitungen, die ich in Mogontiacum abschließen konnte, war es an der Zeit, abzureisen. Es war schon spät im Jahr und das Wetter würde sicher nicht besser werden. Es war also an der Zeit. Natürlich hätte ich bis zum Frühjahr abwarten können, aber ich war voller Neugierde auf ferne Länder und das Fernweh hatte mich gepackt.


    Es war noch dunkel und ich war der erste Iunier, der heute auf den Beinen war. Das war geplant, weil ich kein Freund großer Abschiede war. Ich hatte meinen Verwandten eine Notiz hinterlassen, dass ich mich auf eine wichtige Reise in den Osten begeben musste. Dass mit diesem "Osten" nicht der Osten des Imperiums gemeint war, sondern Länder jenseits davon, erwähnte ich absichtlich nicht. So konnte man auch deuten, dass ich ans Museion reisen würde oder an die östlichen Küsten des Mare Nostrum. Scato kannte die Wahrheit, aber der Rest meiner Verwandten, vor allem Matidia, musste es ja nicht erfahren. Sie würde sich da nur Sorgen machen.


    So packte ich meine Sachen auf mein Pferd und verließ die Domus Iunia. Ich führte das Pferd bis zur Via Borbetomaga und folgte dann der Straße, bis es dämmerte. Ab da ritt ich. Mein Weg würde mich zunächst nach Rom führen. Dort würde ich meine Reisevorbereitungen abschließen, denn in Rom gab es alles, was ich auch nur ansatzweise brauchen würde. Von dort aus würde es weitergehen nach Osten.

    Es war wirklich nicht neu für mich, dass ich mich um mich selbst kümmern musste. Vielleicht nicht so, dass ich eine Familie gründen würde - jedenfalls noch nicht. Aber um mich selbst kümmerte ich mich bereits am Museion. Ich legte meinen Arm um ihre Schulter und drückte sie kurz.


    "Ehrlicherweise mache ich mir bei dir keine großen Gedanken. Du schaffst das, davon bin ich überzeugt. Erstens, weil du eine Iunia bist. Und zweitens, weil du du bist."


    Das war ehrlich gemeint.


    "Außerdem glaube ich, dass du die gleiche Neugierde hast, die auch ich habe, und die auch unsere Eltern hatten. Neugierde hilft, Neuem offen gegenüberzustehen. Und deine iunische Willenskraft wird dir helfen, sich an Neues anzupassen. Also, mach dir keine Gedanken. Wir werden unseren Weg machen."

    Das musste ich jetzt erst einmal verarbeiten. Matidia klang auf einmal so viel erwachsener, als ich meine kleine Schwester in Erinnerung hatte. Aber natürlich war sie jetzt auch eine junge Frau. Dennoch...


    "Also... rein juristisch gesehen haben wir beide noch Zeit. Die Lex Iulia et Papia fordert eine Eheschließung für Frauen ab dem zwanzigsten Lebensjahr und für Männer ab dem fünfundzwanzigsten."


    Gesetze gaben mir stets einen gewissen Halt, gerade wenn mich etwas überraschte, wie jetzt gerade meine Schwester.


    "Wobei du natürlich frei darin bist, einen Mann für dich zu suchen und ihn zu heiraten. Du bist sui iuris."


    Was natürlich auch nur eine juristische Feststellung war. Was mich anbetraf...


    "Für mich selbst werde ich die Frist ausnutzen, die mir das Gesetz gibt. Vielleicht sogar noch etwas mehr. Ich will erst eine Position erreichen, die mich zu einer guten Partie macht. Aber noch bin ich zu unbedeutend."

    Aufmerksam hörte ich meiner Schwester zu.


    "Die Barbaren werden sich wohl nicht über einen Besuch von neugierigen Römern freuen, nehme ich an?"


    Dann lachte ich, weil mir bewusst wurde, wie seltsam ich in einer Gegend ohne Zivilisation aussehen musste. Und wie wenige Fähigkeiten ich für ein Leben außerhalb der Zivilisation wahrscheinlich hatte.


    "Dann bleibe ich lieber auf dieser Seite des Rhenus. Ich bin ja nicht verrückt."


    Natürlich gab es auch Leute, die mich zumindest als leicht irre ansahen. Aber das verschwieg ich lieber.


    "Übrigens gibst du eine recht gute Stadtführerin ab. Und ich glaube, du hättest auch die Fähigkeit, anderen Unterricht zu erteilen. Nur so als Denkansatz."

    "Die zweite Sache ist für den Fall, dass ich in den nächsten zehn Jahren nicht zurückkehre und deshalb als tot anzusehen bin. Für diesen Fall habe ich sicherheitshalber eine Totenmaske anfertigen lassen. Kümmere dich in dem Fall darum, dass die Maske ihren Weg ins Lararium der Domus Iunia in Rom findet."


    Man merkte mir an, dass diese Planung wohlüberlegt war und mir dennoch nicht einfach fiel.


    "Und ich weiß, dass abergläubische Menschen das als schlechtes Omen ansehen würden. Das ist es aber nicht. Ich bin mir sicher, dass es im Sinne Minervas ist, vorbereitet zu sein."


    Nun zeigte ich ein sehr selbstbewusstes Lächeln.


    "Mit dieser Sicherheit, dass alles geregelt ist, kann ich meinen Verstand vollständig auf meine Reise und die Herausforderungen darin fokussieren. Das wird zum Erfolg führen. Außerdem sagen die Stoiker, dass unsere Wege vorbestimmt sind und wir nur begrenzten Einfluss haben. Also sind Erfolg oder Misserfolg der Reise bereits festgelegt."

    "Ich hoffe jedenfalls, dass es jeder vernünftig denkende Mensch irgendwann merkt."


    Natürlich implizierte das, dass nicht jeder Mensch vernünftig dachte.


    Matidias Stolz auf unsere Präsenz in Germanien freute mich, denn das würde ihr hier Halt geben. Ebenso freute es mich, dass sie hier viel lernte.


    "Man kann nie genug lernen."


    Dabei grinste ich verschmitzt.


    Zum Fluss musste ich ihr mangels Ortskenntnis folgen, aber das machte mir nichts. Im Gegenteil machte es mich stolz, dass sie sich hier gut auszukennen schien. Das zeigte, dass sie sich nicht im Domus Iunia abschottete, sondern aktiv die Stadt erkundete und dabei hoffentlich auch neue Menschen kennenlernte. Nur wenig war schlimmer als ungewollte Einsamkeit.


    Der Weg zum Ufer war kürzer, als ich dachte. Die Stadt war wirklich nicht allzu groß. Ich blickte über den Rhenus, der sich weit vor mir erstreckte. Zu meiner Linken sah ich die lange Brücke, die Mogontiacum mit der anderen Seite verband. Etwas dahinter, auf höherem Ufer, stand ein Castellum, soweit ich das erkennen konnte.


    "Die Brücke ist beeindruckend. Ich kann mir vorstellen, dass der Rhenus bei Hochwasser eine Herausforderung für das Bauwerk darstellt. Das ist sehr gute Ingenieurskunst."


    Den Stolz auf die römischen Ingenieure konnte man aus meiner Stimme heraushören. Dann zeigte ich auf einen Punkt etwas weiter das Ufer hinauf.


    "Das Castellum dort sichert die Brücke, damit wir hier keinen unliebsamen Besuch der Barbaren bekommen, nehme ich an? Hat es einen Namen?"


    Und dann schweifte mein Blick südwärts, über Sümpfe hinweg, bis ich bei einer Mündung verweilte.


    "Das dort ist der Moenus, oder?"

    "Das freut mich zu hören. Tüchtige Soldaten in den Grenzprovinzen sind überlebenswichtig für das Imperium. Schließlich verteidigen sie nicht nur die Grenzen, sie bauen auch Straßen, Aquädukte, öffentliche Gebäude und vieles mehr. Sie kommen ins Barbaricum und erschaffen Zivilisation. Die Zivilisation ist es, die den Barbaren die Lust auf Aufstände vergehen lässt. Man ist vielleicht nicht immer mit unserer Herrschaft einverstanden, aber auf fließendes Wasser, Thermen, Theater und all die anderen Annehmlichkeiten möchte man nicht verzichten. Der Kompromiss ist klar. Man akzeptiert die römische Herrschaft und hat dafür ein gutes Leben. Und man kann ja auch versuchen, das Bürgerrecht zu erlangen."


    Ja, ich war überzeugt von der Anziehungskraft der römischen Zivilisation.


    "Natürlich gibt es immer auch ein paar Uneinsichtige. Aber die Mehrheit fügt sich schon alleine wegen der zivilisatorischen Errungenschaften. Oder wie du es sagst: Man kann es hier aushalten."


    Dabei lächelte ich fröhlich, während ich die Basilica wieder verließ.


    "Wollen wir zum Fluss gehen?"

    "Rom ist besonders. Es gibt keinen zweiten Ort, der so ist."


    Gut, das traf auf fast jeden Ort zu.


    "Was ich meine, ist, dass Rom die zivilisierteste Stadt der Welt ist. Die Hauptstadt der Welt. Die Stadt, die ewig sein wird. Aber deshalb sollten wir nicht vergessen, auch das zu schätzen, was uns die Welt sonst noch bietet. Die Welt ist voller Wunder. Manche sind offensichtlich, andere muss man suchen. Vielleicht hast du die Wunder Mogontiacums noch nicht gefunden?"


    Dabei lächelte ich sie aufmunternd an, während wir in den Eingangsbereich der Basilica betraten. Ich wollte nur einen Blick in das Gebäude erhaschen, so dass ich keine Anstalten machte, weiter hineinzugehen.

    "Das klingt doch interessant. Das habe ich Ägypten auch gesehen. Dort wurde mit Serapis ein Gott verehrt, der sowohl hellenistisch, als auch ägyptisch war. Mit diesem Gott wurden beide Welten vereint und die Ägypter haben sich der Herrschaft der Griechen und dann unserer Herrschaft gefügt. Und letztlich weiß ja auch niemand, wie genau die Götter aussehen. Sie können sich nach Belieben verwandeln. Deshalb kann es durchaus sein, dass sie hier ihre Form anpassen und in einer Form erscheinen, die den Barbaren vertrauter ist, damit Frieden herrscht."


    Ob das stimmte, konnte ich nicht sagen.


    "Ich bin natürlich kein Pontifex, sondern nur ein einfacher Philosoph. Aber es erscheint mir logisch."


    Natürlich waren die Götter nicht immer logisch, aber zumindest bei Minerva konnte ich klare Logik annehmen.

    Zwar nahm ich wahr, dass ihr der barbarische Einfluss nicht unbedingt gefiel, doch war meine Neugierde geweckt.


    "Etwas anders, als in Rom? Das klingt doch interessant. Jedenfalls aus einer rein wissenschaftlichen Sicht."


    Während ich sprach, ging ich neben ihr her in Richtung der Basilica Germanica.

    "Vor allem finden wir dort eine Taberna, die ich schon vor meiner Reise reserviert habe. Es lohnt sich, die richtigen Leute zu kennen. Beispielsweise einen Mandanten, dessen Schwager zufällig für die Verwaltung der Tabernae in dieser Basilika zuständig ist."


    Ja, durch meine Tätigkeit als Advocatus kannte ich recht viele vermögende und einflussreiche Personen.


    "Allerdings kann ich sie noch nicht übernehmen, weil ich schneller hier angekommen bin, als erwartet. Welche Tempel gibt es hier eigentlich?"

    "Abgebrannte Ruinen sind super! Das ist wie in Rom."


    Dabei musste ich laut lachen, obwohl es sicher für die Bewohner der Insulae Roms, die öfter einmal abbrannten oder einfach so einstürzten, überhaupt nicht lustig war.


    "Ist das da die Basilica Germanica?"

    Ich zog eine Augenbraue hoch, als sie mich belehrte, nicht die ganze Welt mit Rom zu vergleichen.


    "Wie es scheint, hast du dich hier auch mit Philosophie beschäftigt. Jedenfalls war das ein sehr weiser Satz. Ich danke dir."


    Das tat ich wirklich. Hätte ich zu diesem Zeitpunkt geahnt, dass ich in nicht allzu ferner Zeit durch einen Zufall eine Reise in die weite Ferne antreten würde, dann hätte ich diesen Satz noch mehr zu schätzen gewusst.


    "Nun, ich bin gespannt, wie das Forum aussieht."


    Wie das Forum Pacis würde es wohl nicht sein, aber das war selbst für Rom speziell. Vielleicht war es gerade deshalb mein Lieblingsort in Rom.

    "Ich werde dich beim Wort nehmen, Matinius."


    Vielleicht würde ich einmal einen Kommentar zum Codex Militaris verfassen.


    "Etwas habe ich allerdings noch für euch beide."


    Ich ging zum Regal und holte aus einem Sack zwei Bronzetafeln heraus. Es waren Diplomae. Ich nahm die erste Tafel und las den Text vor.


    "Dem Nero Aemilius Secundus, gewesener Vigintivir Roms, Tribunus Laticlavius der Legio XXII Primigenia und Patrizier Roms, wird hiermit die erfolgreiche Teilnahme am Cursus Iuris bestätigt, den der Advocatus Aulus Iunius Tacitus im Jahre DCCCLXXIV A.U.C. gehalten hat. Er beherrscht die Grundlagen von Gesetzgebung und Wirksamkeit von Gesetzen, die Grundlagen der Auslegungslehre und die Grundlagen der Prozessführung und wurde den strengen Anforderungen des Lehrers gerecht."


    Dann überreichte ich die Diploma an Secundus.


    "Ich gratuliere."


    Dann nahm ich die zweite Diploma und verlas den Text.


    "Dem Publius Matinius Sabaco, Decurio der Ala I Aquilia Singularum, wird hiermit die erfolgreiche Teilnahme am Cursus Iuris bestätigt, den der Advocatus Aulus Iunius Tacitus im Jahre DCCCLXXIV A.U.C. gehalten hat. Er beherrscht die Grundlagen von Gesetzgebung und Wirksamkeit von Gesetzen, die Grundlagen der Auslegungslehre und die Grundlagen der Prozessführung und wurde den strengen Anforderungen des Lehrers gerecht."


    Dann überreichte ich diese Diploma an Sabaco.


    "Ich gratuliere."

    Von der Via Borbetomaga kommend waren Matidia und ich inzwischen in der Stadt Mogontiacum angekommen. Die Canabae lagen noch außerhalb der Mauern, aber wenigstens sah es nach Stadt aus. Jedenfalls grob, kein Vergleich zu Rom.


    "Auf dem Weg zur Domus Iunia bin ich hier vorbeigekommen. Hier nennt man es eine Stadt, in Rom wäre es nicht einmal ein Bezirk."


    Das war noch nicht einmal abwertend gemeint, sondern eine reine Darstellung der Fakten. Ich war eben ein Großstadtmensch.


    "Wollen wir zum Forum gehen? Das kann ja nicht allzu weit sein."


    Mit etwas Glück hatten sogar schon Geschäfte geöffnet, obwohl es noch recht früh war. Wir waren ja zeitig aufgebrochen.

    Über diese Worte freute ich mich sehr.


    "Ich danke dir, Aemilius Secundus. Falls du einmal eine zweite juristische Meinung benötigst, kannst du dich gerne an mich wenden."


    Ich wandte mich an Sabaco.


    "Das gilt natürlich auch für dich, Matinius Sabaco."


    Dann wandte ich mich an beide.


    "Für die guten Diskussionen möchte ich euch beiden danken. Ich habe auch von euch gelernt."

    Dann war die Gerichtsverhandlung soweit abgeschlossen.


    "Nun, meine Herrschaften, dann haben wir es geschafft. Ihr habt die Grundlagen des Rechtswesens und der Auslegungslehre gelernt und eine Gerichtsverhandlung simuliert. Die Praxis könnt ihr nur in echten Prozessen lernen. Ich will hier noch ein paar Ratschläge geben. Achtet immer genau darauf, die anwendbaren Gesetze zu zitieren. Wenn ihr Kläger seid, fordert ihr die gesetzliche Höchststrafe, aber ihr geht nicht über das Gesetz hinaus. Auch dann nicht, wenn euch die Strafe ungerecht niedrig vorkommt. Wenn ihr Verteidiger seid, fordert ihr Freispruch. Wenn offensichtlich ist, dass euer Mandant schuldig ist, fordert ihr die gesetzliche Mindeststrafe und appelliert an die Milde des Gerichts. Wenn ihr die Gelegenheit habt, einen erfahrenen Advocatus vor Gericht als Assistent zu begleiten, solltet ihr sie nutzen. Ein Tirocinium Fori bei einem Praetor bietet sich auch an."


    Nach diesen Tipps gab es nur noch eins zu tun.


    "Gibt es noch Fragen zur Juristerei? Noch sitzen wir hier und können diskutieren."

    Ich ignorierte den ärgerlichen Blick, den Scato Terpander hinterhergeworfen hatte. Das war sein Sklave, nicht meiner. Mir war durchaus bewusst, dass ich meine Sklavin nicht im Griff hatte, aber das war durch die Entsendung nach Sizilien gelöst worden. Ich fragte mich, ob sie noch lebte.


    "Mir werden meine Verwandten auch fehlen. Ich muss sagen, dass du mir von Anfang an das Gefühl gegeben hast, hier zu Hause zu sein. Dafür bin ich sehr dankbar. Ich werde versuchen, zu schreiben, doch fürchte ich, dass Briefe auf einer so langen Strecke, noch dazu außerhalb des Imperiums, wahrscheinlich verloren gehen. Aber wer weiß, vielleicht klappt es ja. Auf jeden Fall werde ich sehen, ob ich nicht ein paar schöne Geschenke mitbringen kann."


    Und dann gab es noch zwei Kleinigkeiten.


    "Es gäbe da noch zwei Dinge, um die ich dich bitten müsste. Erstens, sag bitte weder meiner Schwester, noch meiner Mutter, was ich vorhabe. Du kannst ihnen sagen, dass ich auf eine Forschungsreise gehe und deshalb nur schwer zu erreichen sein werde. Aber bitte sage ihnen nicht, dass ich das Imperium Romanum verlasse. Versprichst du mir das?"


    Matidia würde schon die längere Abwesenheit nicht gut aufnehmen. Aber das Ausmaß der geplanten Reise würde sie sicher völlig verzweifeln lassen. Und meine Mutter war noch zu geschwächt, um solche Nachrichten verarbeiten zu können.

    Als Scato den Blick abwendete, war ich mir nicht sicher, ob er so eine gewisse Trauer um meinen Weggang zu verbergen suchte. Da würde ihm die Antwort auf seine Frage nach der Dauer sicher nicht gefallen.


    "Den Weg bis Alexandria Eschate schätze ich auf grob ein halbes Jahr. Von da aus muss ein Gebirge bezwungen werden und wie lange es danach noch dauert, vermag ich nicht zu sagen. Realistisch würde ich die Reise auf zwei bis drei Jahre schätzen. Vielleicht auch länger, weil ich in unbekanntes Gebiet aufbreche. Dazu kommt noch, dass ich nicht weiß, was es alles im Land der Serer zu entdecken gibt. Andererseits reichen meine Ressourcen auch nur begrenzt. Deshalb denke ich, dass ich nach spätestens fünf Jahren wieder zurück sein werde. Was meine Ausrüstung anbetrifft, so bin ich erst einmal gut ausgestattet. Auf der Reise werde ich alles Notwendige kaufen oder eher erhandeln. Ich habe nicht vor, allzu viel Edelmetall mitzunehmen, sondern eher Waren, die im Osten gutes Geld bringen. Den Rückweg will ich ebenso finanzieren."


    Dass ich bei einer Fehlkalkulation wahrscheinlich pleite sein würde, war mir klar. Aber das musste ich ja nicht erwähnen. Die nächsten Fragen waren einfacher zu beantworten, weil es dort weniger Ungewissheit gab.


    "Cappadocia werde ich wahrscheinlich umschiffen. Ich werde eher über Syria reisen, durch Antiochia am Orontes. Die Stadt wollte ich ohnehin einmal sehen."


    Nach einem Schluck Tee, den ich zum kurzen Nachdenken verwendete, sprach ich weiter.


    "Zeichnen kann ich, aber nicht malen. Für eine wissenschaftliche Arbeit sollten Zeichnungen aber auch genügen. Und ja, das könnte die Arbeit aufwerten. Den Rückweg werde ich auf jeden Fall mit einem Stopp im Museion planen. Dort sollen meine Arbeiten kopiert werden. Vielleicht fertige ich sie auch direkt in doppelter Ausführung an."


    Dabei lächelte ich selbstbewusst. Dass Terpander meine Kleidung richtete, ignorierte ich.


    "Was die Rückreise anbetrifft..."


    Tja, wie sollte ich das jetzt vernünftig ausdrücken?


    "Mir ist bewusst, dass eine solche Reise gefährlich ist. Stürme auf See, Wüsten, die Durchquerung von Flüssen, Steinschläge, Lawinen, ganz zu Schweigen von Räubern und anderem Gesindel, das alles sind ernstzunehmende Gefahren. Ich werde mich natürlich Karawanen anschließen, um sicherer zu Reisen, aber ein Restrisiko bleibt. Falls ich es also nicht schaffe, innerhalb von zehn Jahren zurückzukehren, muss ich dich darum bitten, mich für tot erklären zu lassen."


    So, jetzt war es raus.