Matidia hatte die Szene zunächst nur aus dem Augenwinkel verfolgt, mit jener distanzierten Aufmerksamkeit, die sie sich schon lange angewöhnt hatte. Es war nie gut, zu offen zu zeigen, wenn einen etwas interessierte. Doch als die fremde Frau plötzlich neben ihr Platz nahm, ohne Einladung, spannte sich ihr Körper doch ein wenig an und sie schaute die Andere überrascht an. Die Worte der Unbekannten waren erst verwirrend, dann folgten ein paar weitere, leise, aber eindeutig.
Für einen Atemzug lang überlegte sie, ob man ihr einen Streich
spielte. Dann jedoch sah sie den Blick, der durchaus verzweifelt
aussah. Ihre Hand berührte flüchtig den Unterarm der fremden Frau.
Sie hatte verstanden.
Matidia richtete sich minimal auf, legte den Kopf schief und ließ ein leises, melodisches Lachen hören, das mühelos den Raum durchdrang. „Du kennst mich doch“, erwiderte sie in gespieltem Tadel und ein wenig zu laut, als sie nach dem Becher griff. „Wenn ich mir die Haare mache, verliere ich manchmal jedes Zeitgefühl.“ Sie wandte demonstrativ ihren Kopf nun halb dem Raum zu, gerade so, dass jeder, der herüberschaute, ihre Frisur und die gezupften Augenbrauen bewundern durfte, dazu das selbstbewusste Lächeln einer jungen Römerin aus gutem Hause, die es gewohnt war, gesehen zu werden.
Dann wandte sie sich wieder der Blonden zu. „Der Ausflug? Ach, wirklich reizend. Auch wenn ich bezweifle, dass ein weiterer Spaziergang durch den Schlamm Germanias meinem Schuhwerk zuträglich wäre.“ Sie schüttelte den Kopf, als wäre dies das größte Ärgernis seit einiger Zeit, und strich dabei beiläufig eine Falte aus ihrem Mantel.
Erst dann ließ sie ihren Blick wieder offen über die Legionäre gleiten, blieb einen Herzschlag zu lang am Offizier hängen, als hätte sie ihn erst jetzt wirklich wahrgenommen. Dann senkte sie die Stimme, und schüttelte den Kopf. „Ich fürchte, du musst mir verzeihen wenn ich zu laut bin. Der Wein hier ist stärker, als man denkt.“