Beiträge von Iunia Matidia

    Die ersten Worte des Mannes ließen vermuten, dass er nicht aus Germanien stammte, er wirkte deutlich wie ein Römer, wenn auch nicht wie einer, der aus der ewigen Stadt selbst kam. Letztlich war auch klar ersichtlich, was er getan hatte und warum, er hatte, das meinte er wohl, gesehen, wie sie fror und ihr ein Tuch oder so etwas in der Art um die Schultern gelegt. Das war im Grunde löblich, da würde sie ihm recht geben, aber er hatte sie eben nicht zuerst gefragt oder auch nur kurz auf seine Anwesenheit hingewiesen, und die junge Frau war gerne Herrin der Lage.


    Das empörte Funkeln ihrer Augen schwankte zwischen einer gewissen ziellosen Bockigkeit, weil sie nicht bereit war, zuzugeben dass der Mann und Camelia eventuell doch nicht so falsch lagen, einer bemühten Unnahbarkeit und einem Anflug von Unsicherheit, da der Mann mit dem Schal so groß und beeindruckend auf sie wirkte. Wenn er mit dem Feuer spielen wollte, hatte er sich auf jeden Fall die Richtige ausgesucht! Sie konnte sich nur ausmalen, dass es sich vermutlich um einen Soldaten handelte, darauf ließ auch die Narbe im Gesicht wirken, welche seine Erscheinung aber eher noch unterstrich. Ob sie sich unter anderen Umständen zweimal nach ihm umgedreht hätte, wie sie das gerne einmal bei anderen Männern tat, die ihr gefielen? Unwahrscheinlich, aber nun hatte er natürlich ihre Aufmerksamkeit. Und dass er eigentlich nur die Intention gehabt hatte, für ihr Wohlergehen zu sorgen, schrieb sie ihm insgeheim ebenfalls gut. So wollte sie ja im Grunde auch behandelt werden!


    Dass sie sich mit ihrer eigentlich ablehnenden Körperhaltung ihm eventuell sogar noch ein wenig mehr präsentierte als sie wollte, kam ihr nicht in den Sinn. Stattdessen interessierte sie vielmehr, wie der Mann hieß. Ein Decurio also, die Vermutung war also richtig. Und ein Matinier, das war eine nicht minder wichtige Information. Er stammte also aus einer guten Familie, nur schienen seine Sitten durch den Dienst in der Armee ein wenig abgeschliffen. Oder vielleicht war das hier im Norden auch einfach so üblich, egal was er sagte? Die Nähe zu den Barbaren vielleicht? Matidia ließ ihren Blick einmal demonstrativ an ihm hinunter und wieder hinauf gleiten. “Salve, Publius Matinius Sabaco. Iunia Matidia. Aus Roma.” Sie hob eine fein gezupfte Braue. “Eine Warnung wäre dennoch nicht verkehrt gewesen. Ich danke für die Absicht, aber…” Sie rieb sich mit der freien Hand über einen Oberarm und hob das Näschen ein wenig mehr. “...ich bevorzuge feinere Stoffe.” Dennoch hielt sie den Blick auf den beeindruckenden Augen, die sie nicht so ganz los ließen. Da spielten feine Sitten manchmal eine ganz untergeordnete Rolle.

    Mogontiacum und Rom zu vergleichen war natürlich eher schwierig. Natürlich gab es auch hier alte Gebäude, wichtige Bewohner, und die Stadt war für das Reich natürlich auch alles andere als unwichtig. Aber alles war eben eine Nummer kleiner als in Rom, man war nicht ganz so nah am Zentrum der Macht und das fühlte sich für jemanden wie Matidia eben nicht so an, als wäre es der Ort, an dem sie sein wollte. Das Fest hier stand allerdings einem beliebigen Anlass in Rom, abgesehen von der Temperatur, in nichts nach, daher ließ es sich natürlich dennoch aushalten. Sie hatte sich das alles hier schlimmer vorgestellt!

    Von Camelias nächster Aussage wurde sie dann aber kalt erwischt. Wie bitte? Wie meinte sie denn das? Irritiert starrte Matidia die Jüngere an und legte ihre Stirn in Falten. Dass man hier sicher war, setzte sie voraus, auch wenn es nach ihrer Meinung momentan gar nicht genug Wachen geben konnte. Der Überfall auf der Reise hatte ihr gereicht, sie brauchte keine weitere solche Erfahrung. Wie lange dieses Erlebnis ihre Neugier eindämmen würde, war sicher eine interessante Frage, die sie sich aber auch nicht stellte.

    “Wie meinst du das? Zu Gast bei Germanen?” Das Konzept, dass sich die Völker derart vermischten, war ihr nicht geläufig, und sie hatte eigentlich den Eindruck gehabt, dass sie hier bei Römern war. Was auch sonst?

    Für die Schönheiten der Natur hatte die Römerin hin und wieder tatsächlich Augen, aber für mehr als einen hübschen Anblick war diese dann doch nicht gut. Immerhin sagte es ja viel aus, wenn die Natur drumherum schöner war als die Stadt, und diese schätzte sie weitaus mehr. Ein paar Händler waren da wenigstens ein Lichtblick. “Ich bin gespannt. Wie es aussieht, werden wir wohl wenigstens den Winter hier verbringen.” Sie verkniff sich ein ‘müssen’, dafür war sie der Anderen zu dankbar, dass sie sie derart freundlich begrüßte.

    “Ich habe einen Verwandten in der Domus Iunia angetroffen. Iunius Scato? Er hat mir von dem Fest erzählt. Ich kannte ihn aber vorher nicht.” Zählte das als die Familie, die sie meinte? Man fühlte sich verbunden, aber es war zu einen guten Teil zunächst auch einmal Pflichtgefühl, wie sie fand. Vergleichen mit ihren Eltern oder ihrem Bruder wollte sie es nicht.


    “Oh, das werde ich gerne tun! Sie ist sicher auch hier…?”

    Jedweder Kontakt war ihr recht, aber sie kam nicht weiter, über Camelias Mutter nachzudenken, denn plötzlich geschah etwas hinter ihr. Eine behutsame Bewegung, dann spürte sie, wie etwas ihre Schulter berührte. Für einen Moment war sie irritiert, zuckte gar zusammen, dann merkte sie, dass es sich um etwas Warmes handelte, was ihr bei der Kälte dann doch unerwartet, aber willkommen war. Hatte sich etwa ein Haussklave ihrer angenommen und ihr ein Tuch gebracht? Nun, es war nicht üblich, das unangekündigt zu tun, aber womöglich hatte die junge Duccierin das in die Wege geleitet.

    Der Gedankengang wurde abrupt gestoppt, als Matidia merkte, dass sich da kein feines Tuch aus orientalischer Seide über ihre zarten Schultern und in den Nacken legte, sondern ein kratziges, bestenfalls zweckmäßiges und sehr getragen riechendes Stück Stoff. Sie nahm die freie Hand zur Hilfe und zog es wieder von sich herunter. “Was soll denn das?!” kam es empört und sie drehte sich herum, um zu sehen, wer sich da erdreistete, ihr einen solchen Lumpen umzulegen.


    Halb herumgedreht und sich damit noch ein wenig mehr dem Stoff entziehend, sah sie dann bereits, wer da halb hinter ihr stand. Sie musste ihren Blick, eben noch zu Camelia etwas hinunter gesenkt, nun deutlich heben um das Gesicht des großen und breiten Mannes erkennen zu können. “Ich hatte um kein…” Die Römerin stockte kurz mitten im Satz, als sie die vom Feuer beschienenen eisblauen Augen betrachtete, die ein amüsierter Ausdruck umspielte. Für einen Herzschlag starrte sie dort hinein und ließ den Mund dabei wenig damenhaft offen stehen. Venus’ Werk verirrte sich offenbar manchmal an die ungewöhnlichsten Orte. Der Mann wirkte wie ein Römer, von der Aufmachung und dem bartlosen Gesicht, aber die Augen und die Dreistigkeit deuteten eher auf einen Barbaren hin. Sie fing sich wieder. “...Tuch gebeten!” Ihre feinen Brauen zogen sich wieder zusammen und sie mühte sich um einen empörten Ausdruck im Gesicht. “Oder ist diese Frech… ist das hier etwa so üblich?” Sie trat endgültig seitlich von dem Schal fort und verschränkte die Arme vor der Brust, dabei den Becher balancierend. Erst erzählte Camelia etwas von Germanen, bei denen sie zu Gast wäre, und nun so etwas!

    Es würde sicher nicht mehr lange dauern, bis die Jüngere sich auch für potenzielle Verlobte interessieren würde. Matidia zumindest hatte ab einem gewissen Alter die Männer um sich herum in einem ganz anderen Licht gesehen und durchaus auch für den einen oder anderen schneidigen Soldaten oder eingeölten Gladiatoren - sogar hin und wieder für Haussklaven - geschwärmt. Manche Anblicke gefielen ihr einfach und regten ihre Fantasie an. Ob dies bei einer arrangierten Hochzeit irgendwie half, blieb dahingestellt, ihr siechender, deutlich älterer Beinaheehemann wäre zumindest keiner gewesen, nachdem die junge Römerin sich zweimal umgeschaut hätte. Insofern spielte es vielleicht auch keine Rolle, ob Camelia sich dafür interessierte. Das Los der römischen Frau!

    Rom war da ein viel schöneres Thema. "Rom... Rom ist groß. Viel größer als Mogontiacum. Es gibt dort wunderbare große und alte Gebäude, Villen und Tempel. Viele sind sehr beeindruckend, auch für mich noch. Natürlich leben dort fast alle, die etwas zu sagen haben, und das bekommt man hin und wieder sogar mit. Und natürlich gibt es auch noch das restliche Volk, unten in Subura." Sie zuckte mit den Schultern. Mit denen hatte sie ja selten etwas zu tun, auch wenn das Leben der Leute sie manchmal doch interessierte. "Wärmer ist es auch.", grinste sie. "Und wie es hier? Mit den Germanen so nah?" Das war nun ein Thema, welches sie wirklich interessierte. Es war aufregend, spannend, aber irgendwie auch bedrohlich, wie sie fand.

    "Ah, sehr gut, danke. Ich werde dann für meine Mutter und mich eine Unterkunft in der Villa organisieren. Und ... sobald sich die Dinge ein wenig geklärt haben, vielleicht ja doch noch hier einziehen." Zumindest ihrer Mutter sollte wohl wirklich bis zu ihrer Genesung nicht hier bleiben. Ein einziger Sklave wäre da doch viel zu wenig für eine angemessene Versorgung! Zugegeben, die Vorstellung, sich aber gleichzeitig von ihrer Mutter ein wenig zu emanzipieren, indem sie auf eigene Faust in einem anderen Gebäude, wenn auch in derselben Stadt, wohnte, gefiel ihr auch irgendwie.


    Die Idee mit dem Fest war dabei sogar eine willkommene Gelegenheit! Sie hob ihr hübsches Näschen ein wenig höher, als Scato zwischen den Zeilen andeutete, dass sie sich so etwas nicht zutraute. Sie traute sich sogar zu, es gut zu organisieren! "Selbstverständlich! Wieso sollte ich das nicht können?" Fast wirkte sie ein wenig empört. Sie war doch exakt auf das Leben als römische Matrone hin ausgebildet worden, und wenn die Götter ihr nicht einen kranken und sterbenden zukünftigen Ehemann zugeschoben hätten, dann würde sie doch schon längst solche Feste geben. Zu jedem Götterfest ein anderes, wenn es nach ihr ging! "Natürlich sollte ich zunächst die Stadt ein wenig kennenlernen. Und wissen, auf wen es hier so ankommt." Sie lächelte nun wieder versöhnlicher. Sollte sie wirklich ein Fest organisieren, dann müsste sie hier nächtigen. Alleine schon, um diesem Lotterleben in der Exedra Einhalt zu gebieten!

    Matidia wollte den Sklaven eigentlich wie üblich nicht weiter beachten, allerdings starrte sie ihn dann doch aus zwei Gründen an. Erstens war er derjenige, der hier eigentlich für Ordnung sorgen sollte und damit nicht nachkam, was ihr missfiel, zweitens war das fehlende Ohr ein doch eher ungewöhnlicher Anblick. Die Römerin zog missbilligend die Brauen zusammen, wenn es nach ihr ging, sollte so ein Sklave wenigstens optisch etwas hermachen. Zumindest nicht so ein gruseliger Anblick sein. Aber vermutlich hatte man hier in der Provinz einfach nicht die Möglichkeiten, an gutes Material zu kommen. Aber sagte man nicht, dass diese Germanen alle groß und stark waren? Warum nicht so einer? Sie würde sich darum kümmern müssen!

    Mit dem Wein in der Hand wandte sie sich wieder an Scato. "Wo kann ich hier einen Brief aufgeben, dass er auch wirklich und schnell nach Rom kommt? Ich sollte meinen Bruder informieren." Vielleicht könnte Tacitus, sofern er sich bereits in Rom eingelebt hatte, ja sogar bereits nach einem neuen Ehemann für sie schauen!

    Matidia wäre kaum so offen gewesen, wenn sie nicht herausgehört hätte, dass Camelia in einer ähnlichen Situation war. Auch wenn sie die Trauer alles andere als sichtbar vor sich her trug, war da dann doch eine gewisse Verbindung, die sie auch ansprechen konnte. So traurig der Anlass auch war! "Danke. Auch mein Beileid.", erwiderte sie nachdenklich lächelnd zu der Jüngeren. Die Mutter der Anderen hatte daher auch das Fest organisiert, und eigentlich sollte die Stimmung nicht direkt durch so ein Thema gedrückt werden, wie sie fand. Das war ein wenig unglücklich, auch wenn es ein Gesprächsthema lieferte.

    Sie verzog den Mund ein wenig, als der Grund ihrer Reise angesprochen wurde. Ein weiteres schwieriges Thema! "Nun, ich bin zu meinem Verlobten gereist." Sie seufzte vernehmlich und ein wenig theatralisch. "Leider verstarb auch er." Das ging ihr weit weniger nahe als der Tod ihres Vaters, aber es war ein unwahrscheinliches Ärgernis. Denn schließlich war sie nun immer noch nicht verheiratet und nicht einmal mehr versprochen. Zudem saß sie in Germania fest. Es lief alles ganz und gar nicht nach ihrem Kopf! "Und daher sind wir - eigentlich - auf dem Rückweg." Sie zuckte mit den Schultern und nahm einen Schluck vom Wein.

    Zumindest deutlich genug war ihre Reaktion offensichtlich gewesen, denn das Mädchen unternahm nicht noch einen Versuch, ihr weitere Kleidung anzudrehen. Das war auch nicht nötig, denn das Angebot war gemacht und bestand sicherlich auch, und sobald Matidia dann doch einmal zu kalt wäre – und sie bereit war, das zuzugeben – konnte sie darauf zurückkommen. Tatsächlich war das nicht unwahrscheinlich, denn früher oder später machte die Kälte sie sicherlich mürbe. Zunächst einmal hielt sie es aber für wichtiger, sich hier eben so zu präsentieren, wie sie es tat, mit nicht viel mehr als einer leichten Tunika bekleidet eben. Hier am Feuer ging es auf jeden Fall ganz gut.

    "Oh, ich verstehe! Dann danke ich für die Einladung.", erwiderte sie mit einem dankbaren Lächeln und meinte das auch ernst. Es gab ja kaum eine bessere Gelegenheit als diese, um die Stadt und die entsprechende Schicht kennenzulernen. Ohne ihre Mutter und deren Expertise in gesellschaftlichen Dingen war sie da, allein in der Fremde, ein wenig aufgeschmissen. Und Scato wirkte nun auch nicht gerade so, als könne er sie hier großartig bekannt machen, auch wenn sie ihren Verwandten eigentlich ganz umgänglich befand.

    "Ich bin erst seit einigen Tagen hier. Wir sind auf dem Rückweg von Germania Inferior nach Rom, wurden aber überfallen und nun muss meine Mutter erst einmal genesen." Das klang so einfach, aber Matidia wurde bei diesen Worten ein wenig nachdenklicher und starrte ins Feuer. Sie hoffte wirklich, dass ihre Mutter bald wieder auf den Beinen war, denn sie wollte nicht allein sein auf dieser Welt. Nicht einmal verheiratet war sie! "Mein Vater ist auch vor kurzem erst gestorben.", sagte sie dann, plötzlich unerwartet offen. Camelias Worte ließen den Rückschluss zu, dass es ihr da ähnlich ergangen war, auch wenn Matidia nicht wusste, wie lange das in ihrem Fall schon her war.

    ...

    Kurz, nachdem sie das wärmende Feuer erreicht hatte und es ihr dort auch wirklich ein wenig wärmer wurde, wenn auch längst nicht wirklich angenehm warm, kam auch schon jemand auf sie zu. Matidia hatte kaum Gelegenheit gehabt, sich umzuschauen und an ihrem Becher zu nippen. Ein wenig weiter unterhielt sich eine Gruppe von zwei Männern und einer Frau, doch es war ein Mädchen, welches wohl bald, in ein paar Jahren zumindest, auch ins heiratsfähige Alter kommen würde. Natürlich kannte die Iunierin sie nicht, woher denn auch? Die Andere wurde dennoch interessiert gemustert.

    Ihr Ratschlag mit dem Mantel ließ Matidias Blick unwillkürlich ein wenig düsterer werden. Sie bekam nur sehr ungern Ratschläge, und so direkt schon gar nicht. Es war schwierig mit ihr, da sie es gewohnt war, dass man die Dinge für sie in hübschen Verpackungen servierte, damit es leichter fiel, sich darauf einzulassen. "Ein Mantel? Das wäre wohl kaum angebracht.", stellte sie fest. Sie hatte nicht umsonst eine so feine Robe gewählt, sie wollte auch, dass sie darin gesehen wurde. Ob das nun bedeutete, dass sie ein wenig fror, war nebensächlich. Auch, wenn man bereits sehen konnte, dass sie eine leichte Gänsehaut an den Armen hatte und sich ihr Körper unangemessen unter der Tunika abzeichnete.

    "Ein Tuch wäre wohl möglich.", fügte sie dann aber etwas versöhnlicher an. Das wäre wohl ein guter Kompromiss. "Freut mich, Duccia Camelia. Ich bin Iunia Matidia." Sie lächelte. "Du gehörst zur Familie.", stellte sie fest. "Ein schönes Fest.", sagte sie, obwohl sie noch gar nicht viel davon gesehen hatte.

    Es musste auch seine Vorteile haben, wenn man, um seinen kranken und siechenden Verlobten im fernen Germanien zu besuchen, einen halben Hausstand mit sich brachte. Selbst, wenn dieser Verlobte dann letztlich doch verstarb und man auf dem Rückweg gen Süden kurz vor Mogontiacum überfallen wurde und Matidia nun erst einmal hier fest saß die Reise pausieren musste, bis es ihrer Mutter wieder besser ging.

    Im Gepäck der jungen Römerin befanden sich nämlich dank dieser, größeren und langfristig angelegten, Reise nicht nur praktische Dinge, sondern eben auch sehr gute Kleidung und alles, was eine junge Frau brauchte, um ihrem Zukünftigen zu gefallen und allgemein eine gute Figur abzugeben. Natürlich war das nicht unbedingt selbstverständlich und auch nicht sinnvoll, doch Matidia hatte daheim in Rom eine große Szene gemacht, bis ihre Mutter zugestimmt hatte, den zusätzlichen Aufwand zu betreiben, da der verwöhnte Spross der Iunier ansonsten die Reise entweder nicht angetreten hätte oder bis nach Germania Inferior geschmollt und in ihrer bockigen Wut am Ende noch die anstehende Hochzeit gefährdet hätte, und man diese realistische Gefahr wohl nicht eingehen wollte.


    Letztlich zahlte sich der Aufwand also nun doch aus, denn nachdem sie von ihrem Verwandten Scato von dem Fest erfahren hatte, freute sich sich schon auf den Anlass. Sie hatte für den heutigen Abend eine viel zu leichte, dafür eng fallende und aus feinem Stoff geschnittene, Tunika angelegt, sie hatte ihre ornatrix lange mit ihrer komplizierten Frisur beschäftigt und sich sogar passend schminken lassen. Ehrlich gesagt wusste sie nicht sonderlich viel über die gehobene Gesellschaft hier in Mogontiacum, aber da dies hier ihr erster Auftritt sein würde, wollte sie auch, dass man den richtigen Eindruck von ihr hatte.


    Am Anwesen angekommen ließ sie sich von dem sie begleitenden Bewaffneten ihren Mantel abnehmen, und teilte ihm sogleich mit, dass er sich doch bitte in der Nähe des Eingangs aufhalten sollte. Der Mann war schon seit Rom mit ihr gereist und kannte die junge Dame bereits, daher wusste er, dass er sich wohl tatsächlich am Besten im Hintergrund halten sollte, wenn er keinen Ärger wollte. Eigentlich war ihm das sogar ganz recht, so würde der Abend ruhig werden und vielleicht fiel sogar ein wenig Met oder Wein für ihn ab.

    Matidia indes merkte fast sofort, dass die Tunika etwas zu leicht und frisch gewählt war, und es fröstelte ihr, weshalb sie sich einen Becher mit Wein nahm, bevor sie den Weg zu einem der Feuer antrat. Sie kannte niemanden hier, daher bemühte sie sich um einen möglichst gefassten Gesichtsausdruck, der zeigen sollte, dass es sich hier um eine weitgereiste junge Dame aus Rom selbst handelte. Und wer wusste schon, ob sie nicht hier jemanden treffen würde, der die Nachfolge ihres verstorbenen Verlobten antreten würde? Selbst, wenn das unwahrscheinlich war, sollten hier die wichtigsten Persönlichkeiten der Stadt anwesend sein, mit denen sie sich bekannt machen wollte.

    "Lieblich soll er sein.", verfügte die junge Frau. Es war ja noch früh am Tag und sie mochte die schweren Gesöffe der alten Herren ohnehin nicht sonderlich.

    Sie lauschte seiner Erklärung, die tatsächlich ebenfalls Sinn ergab. Umgeben von einer Menge Soldaten, würde man sie sicherlich nicht ein weiteres Mal ausrauben wollen. Letztlich war es das, was den Ausschlag gab, auch wenn sie sich diesem Haus und ihrer entfernten Verwandtschaft ebenfalls verpflichtet fühlte.

    "Ich denke, dass die Villa im Lager die beste Wahl für uns ist." Es blieb bei diesem Gedanken nicht aus, dass ihr ihre Mutter wieder einfiel. Der letzte Mensch, der ihr geblieben war, den sie nun nicht einmal für einen endlich angetrauten Mann verließ, sondern um den sie sich nun auch noch zu kümmern hatte. Was selbstverständlich war, sogar für jemanden wie sie. Sie wünschte sich wirklich, dass es ihr bald wieder besser ging!


    Für einen Augenblick schürzte sie die Lippen und starrte ins Leere. Vielleicht sah man ihr so wirklich kurz an, dass sie ein paar Dinge beschäftigten, die über ein angemessenes Nachtlager hinaus gingen. Doch der Moment verflog wieder, und eine Träne ließ sie ohnehin nicht zu, auch wenn sie, tatsächlich, neben ihrer Mutter geweint hatte, bis es ihr endlich wieder besser gegangen war.

    "Ein Fest!?", wiederholte sie und hob die Brauen. "Das klingt gut!" Und besser als bei Wein und Fleisch vor einer Feuerschale zu sitzen, so wie das hier anscheinend praktiziert wurde. "Ich werde es mir nicht entgehen lassen."

    Matidia machte einen Schritt zur Seite und sah sich demonstrativ ein wenig um. "Vielleicht können wir das hier alles in Ordnung bringen und auch einmal ein paar Leute einladen?" Ihr Blick fiel wieder auf Scato und sie lächelte. Die Vorstellung gefiel ihr, und was sprach dagegen, das Haus hier wieder mit Leben zu füllen? So hätte man wenigstens ein Ziel vor Augen!

    Bei Scatos Einwand verzog Matidia kurz die Lippen. Er hatte recht, das konnte man nicht abstreiten, aber andererseits wollte sie auch nicht zugeben, dass das hier, trotz aller Unordnung, die bessere Wahl wäre.


    „Ein Militärlager?“ Sie starrte ihn entgeistert an. „Ist das nicht gefährlich? Ich meine, wegen der Barbaren und so?“ Andererseits… spannend klang es dann doch! Vielleicht gab es da mehr zu sehen als zwei faule Herren an einem Feuer, eventuell sogar hübsche Soldaten. Matidia war nicht abgeneigt. „Eine Villa klingt nicht so schlecht….“, wägte sie ab.


    Sie hob die Hände. „Aber ich fände es natürlich auch großartig, wenn diese domus hier auch wieder erblühen könnte.“ Und nicht so heruntergekommen aussähe. War ja irgendwie nicht gerade ansprechend. „Leider werden wir sicher nicht so lange hier bleiben können.“, meinte sie entschuldigend. Wobei es ihr gar nicht so leid tat, in Anbetracht der Situation hier.

    „Oh! Ein Theatrum? Und eine Therme? Die werde ich mir anschauen!“ Nun wirkte die junge Iunierin deutlich begeisterter.

    Sie schaute zu den Krügen. „Sag, Scato. Hast du etwas Wein für mich?“ Die letzten Tage waren doch sehr anstrengend. Sie wünschte sich ein wenig Entspannung, und die Therme klang da sehr verlockend.

    Matidias Augen wurden groß. Natürlich war ihr bewusst, dass es versehrte Sklaven gab, manchmal geriet man eben nicht unbedingt sanft in die Unfreiheit, aber warum, bei Venus, machte man so jemanden zu einem Haussklaven? War diesem entfernten Teil ihrer Familie wirklich ganz egal, wie man hauste, inmitten von Krügen und umgeben von einem einohrigen, überforderten Sklaven? Sie starrte Scato einen Moment abschätzend an. Er war hilfsbereit, keine Frage, und er stellte ihr ja auch gerade dieses Haus hier als Unterkunft zur Verfügung. Das war nett, aber ... "Nein, Danke." Sie überlegte kurz und kam zum Schluss, dass diese Antwort nicht gerade eindeutig war. "Also. Ich habe selbstverständlich Sklaven bei mir. Aber sie werden diesen S... Dieses Haus wohl kaum bis zu unserer Abreise wieder in Ordnung bringen können." Tatsache gab es da eine Ornatrix, die ihr behilflich war, aber nach diesem Anblick hier wäre es ihr lieber, in einer Taberna zu übernachten, wo sie die Tür auch sicher verriegeln konnte.

    "Ich denke, ich wähle das Zimmer in der Stadt." Das sagte sie ohne Groll, es war einfach naheliegend. Dann aber deutete sie auf die Feuerstelle und das drumherum. "Wer haust denn hier? Und was gibt es denn noch zu sehen in der Stadt?" Die eben noch sichtbare Enttäuschung über die domus war verflogen und einer Neugier gewichen. Die noch junge Frau wollte tatsächlich wissen, wie sie sich die Zeit hier vertreiben konnte, offensichtlich war die Verletzung der Mutter entweder nicht so schlimm, oder sie kümmerte sich nicht weiter darum.

    Nach dem, wie sie fand, eher ungewöhnlichen, Einlass in das Haus, betrat man einen Vorraum.

    Ein rascher Blick zeigte, dass das eigentlich sehr gut gebaute Gebäude leider ein wenig vernachlässigt war. Nicht das, was sie hier erwartet hätte! Vögel gab es, das war schön, aber das half wenig, wenn deren Dreck und sonstige Arbeiten nicht erledigt wurden. Nein, das war nichts, was sie gewohnt war!


    Der Mann führte sie in die Exedra, von wo aus sie einen noch besseren Blick auf den verwilderten Garten hatte. Doch das war nicht einmal das Hauptproblem. Direkt vor ihr stand Haufen an Haufen von Geschirr, ganz so, als hätte man hier keine Küche und nur diesen Raum zum Aufenthalt. Dabei war das Haus sicher groß genug!


    Matidia passte das hier ganz und gar nicht. Sie zog ihre fein gezupften Brauen zusammen und starrte den Mann, Inunius Scato, fast schon böse an. Sie machte keinerlei Anstalten, sich zu setzen, stattdessen beugte sie sich vor und begutachtete mit herausgestrecktem Hintern die Decke, bevor sie sich wieder erhob. „Ich stehe lieber. Ich bin unverletzt, meine Mutter ist bei einem Medicus.“ Dessen Name sie nicht genau kannte, aber sicher gut versorgt, wie sie meinte.

    Sie ließ ihre Hand durch den Raum schweifen. „Ich wusste nicht, dass die Barbaren schon hier hausen.“, sagte sie lapidar.

    Verwilderte Gärten und andere Kleinigkeiten (oder größere Kleinigkeiten), die an dem Haus zu tun und überfällig waren, wurden von der jungen Frau auf den ersten Blick nicht wirklich wahrgenommen. Nach der anstrengenden Reise und den Dingen, die in den letzten Tagen und Wochen geschehen waren, war sie zunächst einmal froh, einen Ort gefunden zu haben, an dem sie standesgemäß unterkommen könnte. Vielleicht könnte sie von hier aus auch einen Brief an ihren Bruder in Rom aufsetzen um ihn vom Schicksal ihrer Mutter berichten zu können. Zwangsläufig würde sich die Heimreise nun ein wenig verzögern.


    "Salve.", grüßte auch sie, als ein Mann die Tür öffnete. "Mein Name ist Iunia Matidia. Meine Mutter Tillia Ursicana und ich wurden auf der Reise überfallen und werden ab sofort für eine Weile in der Stadt sein." Sie hob die Brauen ein wenig, da sie ein wenig Mitleid erhoffte, sowie eifrige Hilfsbereitschaft. "Sie ist schwer verletzt.", fügte sie bedeutungsschwer an, während ersichtlich war, dass die junge Frau unverletzt war.

    Einstieg


    Nachdem der kleine noch verbliebene Reisetross endlich in Mogontiacum angekommen war, hatte man sich natürlich zunächst um die Verletzten gekümmert. Etwa eine halbe Tagesreise vor der Stadt hatten ihnen Wegelagerer aufgelauert und sich einen kurzen Kampf mit den Wachen – welche sie offensichtlich unterschätzt hatten – geliefert. Obwohl die Banditen sich an dem Gepäck hatten vergriffen und auch ein paar Kleinigkeiten erbeuteten, konnte man sie dann doch recht schnell zurückschlagen und es hatte auch nur leichte Verletzungen unter den Verteidigern gegeben.

    Unglücklicherweise hatte ein verirrter Pfeil Matidias Mutter Ursicana getroffen, zwar ‚nur‘ in die Schulter, aber das bedeutete nicht, dass ihr Zustand nicht dennoch kritisch gewesen war, als man die Stadt erreicht hatte.


    Sofort hatte man die Schwerverletzte (und die anderen Begleiter mit Blessuren) zu einem Heilkundigen gebracht, wo sie denn auch behandelt wurden.

    Matidia war ein wenig aufgelöst gewesen, immerhin hatte sie ihre Mutter schon fast vor sich sterben sehen, doch seit man in der Stadt war, hatte es Menschen gegeben, die sich um alles kümmerten, und nun war sie sich sicher, dass alles gut werden würde. Zumindest würde es so schnell nicht mehr schlechter werden.


    Es kam, wie es kommen musste. Nachdem ihre Mutter aus ihren Augen verschwunden war, und man ihr sagte, dass es dauern würde, hatte sie sich nicht nur beruhigt, sondern auch sehr schnell gelangweilt. Ihre Mutter würde leben, aber sie saß hier fest. Das war nicht in Ordnung, daher hatte sie beschlossen, die Stadt ein wenig zu erkunden. Etwas Besseres gab es ja ohnehin nicht zu tun, nicht wahr?


    Kurzerhand hatte sie sich also verabschiedet, den Weg zur domus iunia erfragt, und sich auf den Weg gemacht. Dieser war zum Glück erstens einfach und zweitens nicht sehr weit, aber es war doch eine kleine Odyssee, bis sie aus der eigentlichen Stadt heraus, durch das Tor, an den Feldern vorbei und vor den Türen stand. Nun, das war recht beeindruckend, musste sie zugeben.

    Sie klopfte vernehmlich an die Tür und wusste eigentlich selbst nicht so genau, was sie hier wollte. Nun, man würde ihr hier sicherlich helfen können, und wenn sie hier nur einen Brief an ihren Bruder in Rom aufsetzen würde können.

    Hallo,


    Das klang unhöflicher, als es gemeint war. Ich bitte um Entschuldigung.


    Die Gens Inuia klingt interessant und ich werde das Angebot gerne annehmen. Und ich würde die junge Dame dann auch ganz gerne nach Germanien stecken, da gibt's sicher viele spannende Dinge zu sehen. Womöglich tritt ihr Vater dort einen neuen Posten an und sie trifft deshalb dort ein?

    Salvete,



    ich möchte gerne eine junge Römerin aus eher gutem Hause schreiben, die im allerbesten Alter für eine Hochzeit ist. In meiner Vorstellung war sie bereits verheiratet, ihr deutlich älterer Ehemann wurde aber sehr bald krank, siechte ein bis zwei Jahre dahin und verstarb nun kürzlich. Alternativ hätte sie mit ihrer Familie außerhalb von Rom gelebt und kehrt nun gerade erst wieder zurück in die Stadt, um hier endlich einen passenden Ehemann zu finden.

    Matidia ist eitel, verwöhnt, arrogant und etwas vorlaut, stammt aber eben aus einer guten Familie und ist daher eine gute Partie, was ihr durchaus bewusst ist. Sie ist neugierig und abenteuerlustig, weiß sich aber in Gesellschaft gut zu benehmen und möchte gerne mitreden in der Sache ihres Zukünftigen.



    Name: XXXX Matidia (ja, ich habe mich vertippt bei der Anmeldung. Der Name wird aber ja ohnehin noch angepasst.)


    Gens: ?


    Stand: civis


    Wohnort: Roma


    Familienstatus: freies Gensmitglied



    Ich kenne mich mit dem Römischen Reich oberflächlich aus, bin aber bereit zu lernen. Textrollenspiel betreibe ich seit Jahren und bin dabei nicht die schnellste Posterin, dafür aber zuverlässig.

    Mit Matidia suche ich hiermit eine passende Gens und Anschluss und hoffe, mit ihr ein paar Abenteuer zu erleben, da sie gerne ihr hübsches Näschen in viele Dinge steckt, die sie nichts angehen.