Beiträge von Decima Lucilla

    Und da steht er auf einmal. Lucilla hat schon davon gehört, dass Praetorianer die Angewohnheit haben sollen, wie aus dem nichts aufzutauchen, aber erlebt hat sie es noch nicht.


    "Crassus! Da bist du ja." Erfreut strahlt sie übers ganze Gesicht. "Ich hatte schon die Befüruchtung, du hättest es... vergessen." Sie kneift die Lippen zusammen und schaut ihn an. Dann fällt ihr Ambrosius ein.


    "Oh, das ist übrigens mein Ambrosius. Er passt sozusagen auf, dass ich nicht verloren gehe und er kann auf jeden Fall bezeugen, dass mir nie irgendetwas passiert." Sie grinst und denkt an ihren Bruder, der nicht will, dass ihr etwas passiert, auch wenn das heißt, dass ihr dann ja nie etwas passieren wird. (*blub* ;) )


    Etwas leiser fügt sie hinzu: "Er ist übrigens auch ein ganz begeisterter Beobachter der Natur. Er kann sich stundenlang in die intensive Betrachtung eines Grashalmes oder Steines vertiefen, ohne noch irgendetwas von seiner Umgebung mitzubekommen."


    Sie zwinkert Crassus zu und dreht sich dann zum Stadttor. "Gehen wir?"

    Eilig läuft Lucilla am Morgen bis zum Westtor der Stadt und schaut sich um. Die ganze Nacht über war sie so aufgeregt gewesen, dass sei kaum ein Auge zugetan hat. Irgendwann früh am Morgen war sie dann doch noch eingeschlafen und hätte fast noch verschlafen. Ambrosius hatte sie gerade noch rechtzeitig geweckt.
    Ambrosius sieht ebenfalls ein wenig müde aus, dies liegt aber eher daran, dass ihm Lucilla den Abend frei gegeben und er sich auf dem Fest in der Stadt vergnügt hatte.


    Lucilla dreht sich zu ihrem Sklaven um. "Wie sehe ich aus, Ambrosius? Passt alles? Sitzt meine Frisur? Das Kleid? Und du bist sicher, dass ich keine Augenränder habe? Wo ist er nur? Sind wir zu spät? Wir sind doch nicht zu spät und er ist schon wieder weg? Was, wenn er gar nicht kommen kann? Vielleicht muss er eine Sonderschicht schieben? Oder er hat sich heute nacht überlegt, dass er doch nicht kommen will? Vielleicht ist er schon wieder in Rom? Oder er hat noch ein Mädchen in der Stadt getroffen? Eine, die ihm viel besser gefällt? Siehst du ihn irgendwo?"

    So langsam wird es dann doch zu viel des Guten. Ein mehr schlecht als rechtes Theaterstück, eine mäßige Schlägerei und nun auch noch ein Piratenangriff. Kreativ, das muss man schon sagen, aber nicht besonders amüsant. Vor allem, da sie nicht weiß, ob sie nun applaudieren oder besser das Weite suchen soll, kann sich Lucillla nicht so recht an der Darbietung freuen. Doch solange der Kaiser noch an seinem Platz sitzt, kann es so bedrohlich nicht sein, also bleibt auch Lucilla abwartend sitzten und blickt sich nach einem Traubenverkäufer um, um sich etwas Nervennahrung zu organisieren.

    "Prudentia Valeria? Aber sicher kenne ich sie, sie ist doch die Praefectus Vehiculorum von Germania. Eine sehr nette junge Frau. Ach, Agrippa, das freut mich wirklich für euch."


    Sie kichert und zwinkert Agrippa zu. "Da hat sie ja Glück, dass sie endlich jemand aus dem düsteren Germania errettet, in welches sie ihr Vater entführt hat. Sie wird froh sein, wieder nach Hispania zurückzukehren, und dann auch noch an die Seite eines Mannes wie dir."

    Lucilla sitzt auf ihrem Platz und unterdrückt nur mühsam ein Gähnen. Die Aufregung scheint sich gelegt zu haben, es scheint nichs Ernsthaftes zu passieren. Vielleicht sollte sie doch wieder in die Stadt gehen und dem Straßenfest beiwohnen. Jetzt sind sicher die langen Warteschlangen an den Einkaufsständen weg und es würde sich das ein oder andere Schnäppchen machen lassen.


    Aus den Augenwinkeln sieht sie kurz Crassus, der autoritär irgendwelche hochkaiserlichen Angelegenheiten regelt und sie kommt nicht umhin zu bemerken, wie unglaublich gut die Praetorianerrüstung an ihm aussieht. Da sie aber nicht dauerhaft in seine Richtung, denn damit in die des Kaisers, starren kann, schaut sie wieder nach vorne, ob sich etwas auf der Bühne tut.

    Lucilla blickt ihn mit großen Augen an, erst ein wenig verwundert, dann erhellt sich ihr Gesicht in ehrlicher Freude.


    "Das ist ja wunderbar! Ich gratuliere dir, Agrippa. Sie wird eine der glücklichsten Frauen im Imperium werden, da bin ich mir sicher. Wer ist sie? Kenne ich sie?"


    Sie füllt sich nun ihren eigenen Becher mit etwas Wein und Wasser.


    "Darauf muss ich ersteinmal einen Schluck trinken. Auf dich und deine Zukünftige, Agrippa!"

    Als er die Orgien erwähnt kann auch Lucilla ein Grinsen nicht unterdrücken. Jaja, die Männer des Imperiums. Ob ihre Brüder und Cousins wohl auch immer auf diese Orgien gehen? Irgendwie eine seltsame Vorstellung.


    Agrippa macht eine geheimnisvolle Pause und Lucilla lehnt sich neugierig ein Stück nach vorn.


    "Was denn?"

    "Stressig? Aber Agrippa, in Rom da tummelt sich das Leben. Ich kann davon gar nicht genug kriegen. Naja, vielleicht liegt das daran, dass sich in der Casa Decima zur Zeit fast gar niemand mehr tummelt."


    Sie lächelt und mustert Agrippa. Er muss schon wieder einige Tage in Hispania weilen, denn er sieht sehr erholt aus.


    "Es freut mich jedoch, dass dir Hispania gut tut. Die Provinz braucht eine stabile Führung und ich könnte mir niemanden vorstellen, der besser für diese Position geeignet wäre, als einer wie du, dessen Herz an Hispania hängt."

    "Salve Agrippa!" Das Lächeln auf ihrem Gesicht wird noch ein wenig breiter. "Setz dich doch, möchtest du etwas Wein?"


    Sie greift zu den zwei Kannen, die an der Seite stehen und die mit Wein und Wasser gefüllt sind und stellt sie auf den Tisch. Dann holt sie einen frischen Becher aus dem Schrank und stellt ihn vor Agrippa ab, so dass er sich selbst die richtige Mischung einschenken kann.


    "Ja, wir haben uns tatsächlich lange nicht gesehen. Ich war zwischendurch kurzzeitig in Rom und ich hörte, du warst auch immer mal wieder dort. Mir geht es sehr gut. Und selbst?"

    Zurück bleibt eine Lucilla, der die Röte ziemlich schnell ins Gesicht steigt. Sie wendet sich eilig dem Essenstisch zu und nestelt an einer Traube Trauben herum, die sie sich umständlich auf ihren Teller legt. Ihre Lippen umspielt ein glückliches Lächeln und in ihrem Bauch fängt es an zu kribbeln, was ganz sicher nicht nur am vielen Essen liegt.


    Als sie glaubt, dass sich ihre Gesichtsfarbe wieder normalisiert hat, wendet sie sich wieder dem Fest zu. Sie könnte die ganze Welt umarmen, sogar den Augustus. Zufrieden spaziert sie durch die Gäste auf der Suche nach einem interessanten Gesprächspartner.

    Endlich herrscht einmal wieder Hochbetrieb im Officium der Praefectus Vehiculorum. Es wird aber auch Zeit, dass sie ihre Versandliste ordendlich füllen kann, nicht, dass Avarus noch ihre Stelle als überflüssig streichen würde.


    Lucilla blickt auf und lächelt schon einmal vorsorglich. Freundliches Auftreten ist bei einem Kundenorientierten Service wie dem Cursus Publicus das Alpha und Omega.


    "Nur immer herein, bitte!"

    Sie zuckt mit den Schulern. "Ach, wir werden das jetzt ersteinmal einfach privat für uns machen. Wenn es so weit ist, werden wir uns nochmal an das Collegium Pontificium wenden."


    Oder Iunia Attica vorschicken, sie arbeitet schließlich im Palast und ist noch nicht vorbelastet.


    Lucilla blickt zu Crassus auf. Es gefällt ihr, wie er versucht sie aufzumuntern. Die Frau an seiner Seite würde sicher mal ein gutes Leben haben und das ist ein wichtiger Punkt für die Überzeugungsarbeit, die Lucilla wahrscheinlich noch bei ihrem Bruder leisten müsste.


    "Morgen früh am Westtor. Ich kann es kaum erwarten." lächelt sie nun wieder.

    Zitat

    Original von Gaius Caecilius Crassus
    Wo wollen wir uns dann treffen und vor allem, wann? Ich denke das beste wäre, wenn wir uns morgen treffen wüden, allerdings wo, da habe ich keine Idee.


    Er trank seinen Becher aus:


    Ach stimmt ja, du wolltest ja zum Kaiser damals.... wieso unbeliebter machen? Was war passiert? Hat er dir nicht zu gehört?


    "Wie wäre es, wenn wir uns am westlichen Stadttor treffen? Von dort aus könne wir dann vielleicht ans Meer spazieren, es soll hier wunderbare Felsklippen geben."


    Als Crassus nachfragt, was beim Kaiser passiert ist, sinkt Lucillas Stimmung ein wenig.


    "Ach, es ist alles schief gelaufen. Ich weiß auch nicht, was genau der Grund war, aber als Aemilia und ich ihm erklärt hatten, was wir vorhaben, da ist er einfach gegangen. Wir haben es ersteinmal darauf bewenden lassen." Sie seufzt leise.

    Es würde sich sicherlich eine kleine, geschützte und einsame Bucht finden :D[/quote]


    "Das hört sich sehr gut an. Allerdings sollten wir uns dann etwas aus dem Stadtzentrum herausbegeben. Momentan herrscht ja das reinste Gedränge in Carthago Nova. Und dabei solltest du einmal unterm Jahr herkommen, dann ist es ganz schön leer."


    Da müsste sich Lucilla direkt mal umhören, wo es in Carthago Nova noch ein paar einsame, abgelegene Ecken gibt, an die sie Crassus dann unauffällig lotsen könnte.


    "Ich möchte dich auch nicht länger von deiner Pflicht abhalten. Ich habe bei meiner einzigen Audienz beim Kaiser eh schon keinen guten Eindruck hinterlassen, da möchte ich mich nicht noch unbeliebter machen, weil ich seine Wache beschäftige." Sie kichert verlegen.

    Und dabei wird am Ende der gute Avarus selbst Opfer des Siegelwahns, nämlich dann, wenn seine Praefecti und Tabellarii nicht mehr durchblicken, was nun offiziell genehmigt ist und was nicht.


    Für die Curus Publicus - Wertkarten hatten wir uns sowieso darauf geinigt, dass nur 'offizielle' SL-Siegel als Siegel bei uns durchgehen. Alle anderen müssen sich mit ihrer Signatur oder ihrem Familienwappen ausweisen und ich bin ganz sicher, dass wir auch zukünftig nichts anderes anerkennen werden (da bräuchten wir ja wieder Listen mit offiziellen siegeln, damit wir vergleichen können, obs nun passt oder nicht :p: ).

    Rom könnte man vielleicht noch etwas entgegensetzen, doch nicht seinen Einwohnern, vor allem nicht einem ganz Speziellen.


    "Tarraco wird immer meine Heimat sein. Und ich bin ja nicht aus der Welt. Die Casa Decima wird weiterhin der Mittelpunkt meiner Familie sein und ich bin mir sicher, dass Meridius es sich nicht nehmen lassen wird, jedes größere Fest hier zu feiern."


    Lucilla blickt ihn einen Augenblick an und überlegt, was er wohl mit 'amüsant' genau meint. Sie erinnert sich an das Mittagessen in der Taberna.


    "Noch bin ich ja nicht weg. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Besetzung der Posten im Cursus Publicus verändert. Solche Dinge werden nicht innerhalb von ein paar Tagen entschieden."


    Darüber, was sie tun würde, wenn der Posten in Italia ihr nicht zur Verfügung steht, hat sie sich noch keine Gedanken gemacht. Vielleicht würde sie wieder in der Regionalverwaltung anfangen. Oder aber ein Posten als Scriba am kaiserlichen Hof annehmen, Decima können es dort ja weit bringen.

    "Komische Ideen?" fragt Lucilla erstaunt zurück. "Die Casa muss schließlich nach demjenigen benannt sein, der das Sagen hat. Und vor allem nach demjenigen, der dort auch zu finden ist. Und wenn sonst keiner da ist, dann bin das natürlich ich." Sie verschweigt, dass sie auch sonst die heimliche Herrscherin in der Casa ist. Sie will Crassus ja nicht abschrecken, es würde reichen, wenn er diese Dinge herausfindet, wenn es bereits zu spät ist. (:D)


    "Ich bleibe natürlich für die gesamten Feierlichkeiten hier in Carthago Nova. Das muss ich ja fast, ich werde hinterher einen großen Artikel für die Acta schreiben und da muss ich mir schließlich selbst alle ansehen. Außerdem, wenn wir schon einmal so ein Ereignis direkt vor der Haustür haben, dann kann ich mir das kaum entgehen lassen."


    Sie probiert die Trauben von ihrem Teller und ist ein klein wenig entäuscht, dass es wohl doch nur Hispanische sind.


    "Und der Augustus? Wie lange wird er bleiben?"

    Lucilla bemerkt, dass Balbus wohl nicht mehr über den Fall reden möchte. Er sieht etwas mitgenommen aus, vielleicht tut ihm etwas Abwechslung ganz gut.


    "Mir geht es sehr gut, danke. Auch wenn bei uns Zuhause momentan ein wenig Leere herrscht. Meine gesamte Verwandtschaft tummelt sich in Rom. Außer Meridus und Magnus, diese sind natürlich bei der Truppe in Germania. Neulich war ich auch einmal wieder in Rom, ach ich liebe diese Stadt einfach. Bald jede Woche gibt es irgendwo anders Spiele und Feste."


    Verträumt denkt Lucilla an die Militärwettkämpfe und Crassus. Dann blickt sie Balbus fröhlich an. "Es ist noch nichts beschlossen, aber ich werde vielleicht auch bald nach Rom ziehen, wenn es klappt."

    "Organisiertes Verbrechen? Das würde doch gar keinen Sinn machen! Oder doch?"


    Eine sehr spannende Geschichte. Dadurch, dass diese Dinge sie nicht unmittelbar betreffen, hat Lucilla keinen Gedanken dafür, dass diese Morde auch Tote gefordert hatten. Und vielleicht waren es eh nur Sklaven gewesen.


    "Wenn die Toten kein Gesicht mehr haben ohne, dass das für etwas gebraucht wird, dann sollen sie vielleicht nicht erkannt werden. Aber das würde bedeuten, dass man sie andernfalls hier in Hispania kennen würde. Also müssten sie von hier sein, und dann müssen sie doch irgendwo vermisst werden."