Beiträge von Titus Helvetius Geminus

    "Aha, also eine gensbezogene Vendetta. An sich ja nichts außergewöhnliches. Aber diesen Disput in den Senat zu tragen, ist gefährlich, gerade jetzt, wenn die Dynastie tatsächlich geschwächt sein sollte. Wenn Kaiserhaus und Senat blockiert und handlungsunfähig wären .... dies wäre eine offene Einladung für jeden Mann mit höheren Ambitionen."


    War dieser Salinator ein solcher Mann, oder war er es nicht. Solche Schwächephasen mussten nicht gleich das Staatsgefüge aushebeln, bei Leibe nicht, aber es begünstigte dies durchaus.
    Selbst Mitglied der Decima? Warum erzählte er das dann alles so offen. Der Verdacht lag dann doch sehr nahe, dass er einen bislang neutralen, da bis dato zu ignorierenden Senator frühzeitig auf Livianus' Seite ziehen wollte, in diesem Streit. Daher sagte Geminus zu den beteiligten Personen an sich nichts. Sich zu früh und ohne Not, und ohne Wissen der Streitpunkte, auf eine Seite zu schlagen wäre unbedacht und vielleicht sogar fatal.


    "Valerians gesundheitliche Schwächung zieht sich schon lange hin. Und wenn sie seine Urteils- und Tatkraft wirklich erheblich geschwächt haben sollte ... dann wundert es mich hauptsächlich, dass der alte Führungsstab der Ulpier, also Julians Männer, dies einfach geschehen ließen. Aber der Tod eines Kaisers wirft immer neue Würfel auf den Tisch. Es wäre nicht das erste Mal, dass sich Überzeugungen im Wind drehen. Wenn es also keine loyale Führungsschicht um Valerien mehr gäbe, die an die Ulpia gebunden ist und in deren Sinne Valerians momentane Schwäche kompensiert ....."


    Geminus schweigt einige Momente.


    " .... dann wäre alles möglich."


    Er fasste sich wieder. Sein eigener Schockzustand über die möglicherweise vorliegenden Machtverhältnisse hatte ihn alle Vorsicht vergessen lassen, er hatte viel zu offen spekuliert. Er beobachtete Verus Gesichtsausdruck. War dies vielleicht ein Sondierungsgespräch größerer Art? Wurden bereits Koalitionspartner für einen Zustand nach den status quo gesucht? Wenn wirklich ein Vakuum der Macht entstanden sein sollte, dann würde alles ins Bild passen. Mehre wichtige Gentes, die sich im Senat befehdeten und einige mächtige Einzelpersonen, die sich weit aus dem Fenster lehnten, um Stärke und Einfluss zu zementieren. Alles schien auf eine solche Übergangsphase hinzudeuten. Und seine Lebensversicherung war stets die Nähe zur Gens Ulpia gewesen .... gäbe es diese aber nicht mehr, so wäre wohl alles verloren. Er musste schnellstens mehr Fakten zur Lage erhalten und vor allem möglichst neutrale Berichte und von verschiedenen Richtungen. Geminus Geist überschlug sich immer mehr, er wäre verloren, würde er sich zu schnell eine Seite aussuchen, aber auch, wenn er damit zu lange warten würde.


    "Dass der Kaiser bereits tot sei? Das ließe sich aber doch schwerlich geheimhalten? Bei all den Bittstellern und Bediensteten um ihn herum. Und wäre er wirklich tot, dann hätte das sicher bereits jemand genutzt."


    Es sei denn dieser jemand fühle sich noch nicht stark genug. Und würde mit der scheinbar kaiserlichen Autorität seine Position so lange ausbauen, bis er diese Verkleidung nicht mehr brauchte. Und wenn es so wäre, dann wäre ein Ort wie Misenum jedenfalls deutlich günstiger als Roma selbst. Der Senator fragte sich, ob er bereits paranoid wurde ...


    "Plötzlich wurde der Kaiser krank? Meines Wissens hat er sie doch schon länger? Merkwürdige Gestalten in der Verwaltung? In wie fern? Urplötzlich ein neuer Praefectus Urbi eingesetzt? Er trat vorher also nicht in Erscheinung?"


    Das würde zu einen entsprechenden jemand passen, der erst eine eigene Machtposition generieren müsste, bevor ...


    "Der Praefectus Praetorio ist verschwunden, womöglich ermordet? Wirklich? Wann, wie, was weiß man darüber?"


    Wäre dem so, dass wäre ein extrem besorgniserregendes Indiz. Die Garde war der einzig stichhaltige militärische Hebel nahe dem Herzens des Römischen Reiches. Und deren Praefecten verschwanden nie grundlos.


    Der Praefectus Urbi? Um ihn schien sich diese düstere Wolke der Spekulation stetig zu verdichten. Er musste mehr über ihn erfahren und ihn dann kennenlernen, so, möglich. Und mit einigen anderen reden, doch wem konnte er dabei vertrauen? Alle Senatoren würden sich sicher ähnliche Gedanken machen wie er, aber keiner war durch seine Vorgeschichte so isoliert wie er.


    "Ja, mir will scheinen, dass man diesen Salinator im Augen behalten sollte."

    Intrigen und der Krieg. Von den aktuell ersteren hatte er keine Ahnung und von dem letzten großen zweiteren ebenso nicht.


    Geminus erwiderte das Grinsen. Er fand es äußerst bemerkenswert hier als Senator erkannt zu werden. Entweder hatte der Mann eine extrem gute Auffassungsgabe und Instinkt, Glück, gute Informanten oder sogar ... war dieses Treffen kein Zufall. Wer wusste das schon.


    "Decimus Verus, ich grüße Dich. Du liegst mit Deiner Einschätzung völlig richtig, ich gehöre dem Senat an und bin Titus Helvetius Geminus."


    Geminus neigte leicht den Kopf.


    "Für politische Analysen und Munkeleien bin ich stets zu haben!"


    Lachte der Senator. ... heute mehr denn je und überhaupt einmal selber davon zu erfahren und informiert zu werden. Verwaltung der Regio Italia, ein Glücksfall von Informant.


    "Man munkelt der Senat sei tief gespalten? In welcher Frage? Der Kaiser sei aus Rom geflüchtet? Na, ob diese Vokabel stimmt. Vor was denn?"


    ... oder vor wem denn.


    "In Gefahr? Verstehe ich euch richtig? Dem Kaiser würde in Rom Gefahr für Leib und Leben drohen? Was ist mit seiner Anhängerschaft, mit der Garde? Und vor allem, woher droht diese Gefahr?"


    Das klang ja noch empfindlich schlimmer als im schlimmsten Fall befürchtet. Wenn es tatsächlich soweit war, dass der Kaiser in Rom nicht sicher war und daher floh, also lieber das Zentrum der Macht räumte, als dass ein Kampf Aussicht auf Erfolg hätte .... dann wäre der Kampf um die Macht bereits verloren. Der Kaiser zur Marionette degradiert ... wenn das dem schwarzen Mann überhaut reichen würde.
    Der Senator rief sich zur Ratio. Der Kaiser hatte Rom verlassen, Fakt. Er hatte gesundheitliche Probleme, Fakt. Er publizierte seine Pläne nicht sonderlich offen, Fakt. Also hatte Verus vielleicht nur die Fakten falsch bewertet, Panikmache. Es kam in jüngster Geschichte ja auch nicht oft vor, dass der Kaiser Rom verlassen und faktisch alleinlassen musste. Das löste zwangsläufig Gemunkel, Gerede, Spekulationen und Furcht aus. So sollte man zunächst herangehen.


    "In wie fern ist seine Krankheit denn dubios? Das sehe ich auch so, leider ist die andauernde Krankheit unseres Augustus ein besorgniserregender Zustand."


    "Der Praefectus Urbi hat alle Fäden in der Hand? Woran erkennt man das? Ich habe ihn einmal kurz im Senat erlebt, dort schien er mir etwas ... impulsiv. Was weiß man denn über ihn? Ich habe ihn von früher nicht in Erinnerung."

    Nach der Lektüre der neuesten Nachrichten, war Geminus wieder ins kühle Nass eingetaucht. Er fand die Wirkung stets äußerst belebend. Bald darauf wurde er gegrüßt und jemand schwamm auf ihn zu. Obwohl der Mann durch das Wasser anders aussah, meinte Geminus ihn zu kennen.


    "Salve auch Dir!"


    "Völlig richtig, mancherlei Dinge kann man kombinieren und bei manch anderen, sollte man dies besser unterlassen."
    ... entgegnete er dem Mann lächelnd.


    "Nein überhaupt nicht, Deine Gesellschaft ist mir hochwillkommen."


    Im Senat hatte er nur schweigen müssen, aus verlorener Reputation und Unkenntnis der Sachverhalte in gleichem Maße.


    Wieder lächelt der Senator.
    "Das konnte man sehen, ja, ich war etwas in Grübeleien verstrikt. Eben las ich die Acta Diurna. Ich war in letzter Zeit nicht ganz im Geschehen ..."


    ... und es milde auszudrücken. Agonie bis hin zum faktischen Gesellschaftskoma träfe es besser.


    "Und die aktuellsten Ereignisse gaben mir etwas zu denken. Nach so langer Zeit der Absens aus Politik, Geschellschaft und Geschehnissen, da ist es schwer, aber auch hochinteressant wieder hineinzufinden. Manches hat sich wohl geändert, manches nicht. Und einiges scheinbar sogar fundamental."


    Wie zum Beispiel die Lokalisierung der Adresse Nummer 1 in Rom. Er kannte dies noch als unumwerfbar auf dem Palatin, doch heute, war dies nicht mehr so ganz durchsichtig.

    Gleich am nächsten Tag kehrte Geminus wieder in den Thermen ein. Diesmal hatte er sich mit einer Abschrift der aktuellen Acta ausgestattet ... die auch immer teurer wurden.


    An einem lauschigen Plätzchen, nachdem er die eigentlich Badezeremonien bereits hinter sich hatte und wieder einmal fest vorhatte auch das Gymnasium zu besuchen, begann er zu lesen.


    Gleich der Aufmacher erfasste den Kern der Gedanken. "Verläßt der Kaiser Rom?" Das hatte er getan, ja.


    "Unser geliebter Kaiser will Rom verlassen, um sich den Sommer über auf einem Gut in Misenum zu erholen. "


    Also tatsächlich Misenum. Soweit also klar, die Reise dahin wäre gegebenenfalls einfach machbar.


    "... seine angeschlagene Gesundheit durch diesen Aufenthalt an der Küste verbessern zu können und natürlich wünschen wir ihm die baldige und vollständige Genesung von seinem Leiden."


    Also war es definitiv so, er darbte noch immer dahin. Was hatte er eigentlich nochmal?


    "Während der Abwesenheit des Kaisers wird der amtierende Praefectus Urbi, Potitus Vescularius Salinator, den Kaiser in Rom vertreten."


    Da war er wieder, der undurchsichtige Mann. Hoffentlich würde er bald durchsichtiger werden.


    "Der Bruder des Kaisers, Aelius Quarto, soll hingegen dafür Sorge tragen, daß die wichtigsten Anliegen ohne Zeitverzögerungen den Kaiser in Misenum erreichen."


    Schau an, eine Aufgabenaufteilung. Sehr ungewöhnlich. Hätte Quarto nur die Famlienangelegenheiten zu regeln, dann wäre das noch nachvollziehbar. Aber so. Also ist Quarto das Tor zum Kaiser, ihm sollte man also wohl auch einen Besuch abstatten. Aber ob der Fall der Rehabilitaion eines Senators als wichtiges Anliegen gilt? Könnte man zumindest meinen.


    " ... Leider wissen wir nur sehr wenig über unseren amtierenden Praefectus Urbi. Doch wir können wohl annehmen, daß wir diesen für uns geheimnisvollen Mann gut kennenlernen werden, sobald er die Stellvertretung des Kaisers angetreten hat."


    Schau an, auch dem rest des Reiches ist der Mann also weitgehend unbekannt. Wo kommt er her und wie an diese Position?


    "Dieses Consilium bot vor allem durch einige Besetzungsänderungen Grund zur Rede: so schlug vor allem das Fehlen des Praefectus Praetorio zu Buche, Lucius Artorius Avitus, dessen Ernennung vor Monaten schon fast ein Skandal war, glänzt hier wie auch in der Öffentlichkeit vor allem durch Abwesenheit. Stimmen munkeln, der Artorier wäre seiner Aufgabe nicht gewachsen, und verschanzte sich deshalb in der Castra."


    Ein defensiver Praefectus Praetorio? Ein unguter Faktor für eine Abwesenheit des Kaisers. Das war schon immer so. Lucius Artorius Avitus, das sagte ihm wieder nichts. Großes Vertrauen in den Preafetus Urbi, das der Kaiser da hatte ....


    "Mit Spurius Purgitius Macer, Medicus Germanicus Avarus und selbstverständlich Lucius Aelius Quarto waren wenigstens ein paar bewährte Conventus-Teilnehmer dabei. Achja, nicht zu vergessen Potitus Vescularius Salinator, aber den Praefectus Urbi kann man sowieso schon als Schatten des Kaisers dazuzählen."


    Macer, Avarus, Quarto. Zumindent nicht alle Pfeiler des Staates hatten gewechselt. Und der Schatten des Kaisers ..... wie blumig. Wie er wohl dorthin gekommen ist. Wer nutzt dort wen .... und wofür?


    "Eine Erhebung in den Ordo Senatorius gab es auch noch, Herius Claudius Menecrates soll den Namen seines jungen Verwandten Marcus Claudius Verus ins Spiel gebracht haben, was ihm reichlich Spott von anderer Seite einbrachte. Nichtsdestotrotz konnte er die Erhebung des jungen Mannes in den Ordo Senatorius durchboxen, wobei er sich mit einem Griff in die Trickkiste durchgesetzt haben soll: er machte sich den Spruch eines Auguren zu eigen, und konnte damit beim Kaiser punkten, der doch ein Faible für derlei übersinnliches hat.
    Unserereins mag von Auguren denken was man will, der Wille des Kaisers ist ohne Zweifel darüber erhaben."


    Marcus Claudius Verus, da klingte nichts. ... beim Kaiser punkten, der doch ein Faible für derlei übersinnliches hat. Er kannte Valerian als Realist und auf dem Boden von Tatsachen verwurzelt. Eine Hinwendung zu jenseitigen Dingen, könnte auf eine tiefe Irritation in Bezug auf seinen Gesundheitszustand schließen lassen. Wer nur noch bei den Göttern und nicht bei den Ärzten Hilfe sucht, der wurde meist von ersteren aufgegeben.


    "Einen Mann dürfte es freuen: Potitus Vescularius Salinator, Praefectus Urbi, und vom Kaiser ernannter Stellvertreter während seiner Abwesenheit. Der Mann, der bisher fleissig im Hintergrund agierte, wird in dieser Zeit wohl kaum um etwas Öffentlichkeit herumkommen. Was einige Fragen beantworten wird, endlich."


    Geminus war mehr als gespannt auf ein Gespräch mit dem Mann. Wenn es denn eines gab, denn scheinbar war der Mann nicht nur ein Schatten, sondern blieb auch gerne im Schatten.


    "Gaius Caecilius Crassus hat sich verlobt mit Purgitia Philogena, der liebreizenden Nichte des Senators Spurius Purgitius Macer."


    Ex-Praetorianerpräfekt und Ex-Spitzenmilitär verbandelt, interessant.

    Administratio Imperatoris
    Palatium Augusti - Roma, Italia


    zu Händen des Procurator ab epistulis



    Salve Procurator ab epistulis,


    wegen meiner angeschlagenen Gesundheit in den letzten Jahren, war es mir bislang nicht mehr möglich meine Aufgaben als Senator der Curia auszuführen.


    Da meine Gesundheit mittlerweile soweit wiederhergestellt ist, möchte ich meinen Dienst am Staat wieder aufnehmen und dem Imperium und dessen Augustus wieder dienen. Zur Wiedereingliederung und zur Erfüllung etwaiger Vorformalien, möchte ich um eine diesbezügliche Audienz im Palast ersuchen.


    Da ich über die Abwesenheit des Imperator Caesar Augustus informiert wurde, will mir ein vorheriger Besuch beim Praefectus Urbi Potitus Vescularius Salinator als sinnvoll erscheinen.


    Ich bitte darum dies in die Wege zu leiten und mich daraufhin über den Ausgang zu informieren.


    Vale Bene
    Titus Helvetius Geminus

    Geminus kam eben nach Hause und rief einen Sklaven zu sich.


    Während er noch wartete, suchte er Papier und seine Schreibutensilien.


    Ein Schreiben an den Palast, das den Gesprächspartner mehr oder weniger offen lässt, ob nun Salinator oder Kaiser. Oder beide. Und den Knackpunkt vor der Adminstratio nicht allzu offen darlegt.


    Lieber Kaiser, nimm mich, trotz mieser bisheriger Karriereumsetzung wieder auf.


    Er begann zu schreiben ....


    Administratio Imperatoris
    Palatium Augusti - Roma, Italia


    zu Händen des Procurator ab epistulis



    Salve Procurator ab epistulis,


    wegen meiner angeschlagenen Gesundheit in den letzten Jahren, war es mir bislang nicht mehr möglich meine Aufgaben als Senator der Curia auszuführen.


    Da meine Gesundheit mittlerweile soweit wiederhergestellt ist, möchte ich meinen Dienst am Staat wieder aufnehmen und dem Imperium und dessen Augustus wieder dienen. Zur Wiedereingliederung und zur Erfüllung etwaiger Vorformalien, möchte ich um eine diesbezügliche Audienz im Palast ersuchen.


    Da ich über die Abwesenheit des Imperator Caesar Augustus informiert wurde, will mir ein vorheriger Besuch beim Praefectus Urbi Potitus Vescularius Salinator als sinnvoll erscheinen.


    Ich bitte darum dies in die Wege zu leiten und mich daraufhin über den Ausgang zu informieren.


    Vale Bene
    Titus Helvetius Geminus


    Zwischenzeitlich war der Sklave erschienen und wartete neben der Tür.


    "Dubnus ... nimm diese Nachricht und bringe sie zum Palatin."

    War Geminus dumm gewesen. Einen Aspekt, der gerade ihm hätte offensichtlich sein müssen, hatte er nicht bedacht. Er hörte noch Julians Worte. Er hatte immer gehofft, dass sich die Gesundheit seines Sohnes endlich wieder bessern würde. Mehrmals wurde ihm vorgeschlagen einen anderen Caesar zu erwählen, doch er blieb stur. Er hatte viel Arbeit und Zeit invenstiert um Valerian auszusuchen. Er erschien ihm perfekt. Zu seinen besseren Zeiten, war er das wohl auch gewesen. Militärisch versiert, Macht gewohnt, ebenso Befehlsgewalt, beim Militär beliebt, trotz hoher Stellung, genau wie Julian, auf dem Boden der Realität verhaftet, ließ sich zu nichts hinreißen, reif, milde, gerecht. Dieses Juwel konnte Julian nicht mehr preisgeben, das war ihm einfach nicht möglich. Und jetzt war er tot. Und Valerian Kaiser, dessen Krankheit aber noch da.


    Und wenn er das Gebärden dieses Mannes dort vorne betrachtete ...


    Geminus sah den Praefectus Urbi eindringlich an. Ihm geht diese Selbstbeherrschung der Ulpier jedenfalls gänzlich ab.


    Potitus Vescularius Salinator. Den Namen musste er berücksichtigen. Er schien das nun entstandene Vakuum gefüllt zu haben. Der Kaiser weilte auf dem Land, zur Erholung, das hatte Geminus erfahren. Vielleicht sollte er diesen Salinator zuerst aufsuchen. Wenn der Kaiser, wie hier besprochen, von Staatsaufgaben entlastet wurde, so wurde Geminus vielleicht gar nicht vorgelassen zu ihm. So oder so, würde er den Praefectus Urbi vorher aufsuchen müssen.
    Doch warum sollte dieser ihm dabei helfen seinen Status wiederzuerlangen? Er war kein Ulpier und ihm selber völlig unbekannt, er hatte keine Verpflichtung und keinen Anlass dazu ihm zu helfen.


    Geminus strich sich übers Kinn und die Barthaare.


    Würde er nichts für ihn tun, dann würde er den Kaiser direkt zu erreichen versuchen. Würde er ihm beim Kaiser melden und eine Audienz einleiten, umso besser. Würde er ihm aber aus eigener Autorität als Vertreter des Kaisers helfen, so wäre Geminus dem Mann verpflichtet. Und wollte er das sein?


    Wieder betrachtete er den Mann. Gut, er hatte Selbstvertrauen und Machtinstinkt. Doch das war per se ja nichts schlechtes. Er würde ihn kennenlernen und ihn dann erneut bewerten.


    Wieder holte er sich sein Säckchen Nüsse hervor ...

    Nachdem ihn sowohl der gestrige Theaterbesuch, als auch der Besuch im Senat eher weiter aufgewühlt, als beruhigt hatten, ging Geminus dieses mal in die Thermen. Und was bot sich ihm da eher an als die uralten Agrippathermen zu nutzen. Denn genauso fühlte er sich.


    Schon nach kurzem Aufenthalt landete er im Stagnum Agrippae, dort ließ es sich am besten nachdenken, denn das wollte er.


    Es wurde höchste Zeit sich seine Lage zu vergegenwärtigen. Seine jahrelange krankheitsbedingte Umnachtung hatte ihn viel gekostet. Er stand faktisch vor dem nichts. Viel mehr verlieren als er konnte man gar nicht mehr.


    Finanziell war vielleicht der einzige Lichtblick auszumachen, nichts tun, kostete auch entsprechend wenig, daher war das zumidnest kein Problemfeld, auch wenn sein Haus recht heruntergekommen war. Aber das ließ sich regeln.


    Familiär war das erste Desaster entstanden. Es gab außer ihm faktisch keine Helevtier mehr, alle ausgestorben oder verschwunden, zerstreut und zerschlagen. Sein werter Sohn war schon wieder verschwunden und seine sontigen Kinder verschieden, wie seine Frau. Der einst starke Strom der Helvetier drohte nun gänzlich zu versiegen. Eine einst strahlende Gens vernichtet. Doch nicht von außen, von innen.


    Bei seiner persönlichen Karriere sah es sogar noch grausiger aus. Er war einst Politiker, Senator, Freund und Berater von Kaisern gewesen. Heute konnte er sich glücklich schätzen vom Metzger an der Ecke erkannt zu werden. Sein Bekanntheitsgrad war nicht mehr nachweisbar, seine Reputation miserabel bis nicht mehr vorhanden, seine Aussichten grottenschlecht. Vielleicht sollte er sich seinen Gladius suchen und dieser Existenz endlich ein Ende bereiten. Er war ein Relikt. Durch eigene Agonie ins totale Abseits geraten. Abgehängt durch Zeit und Entwicklung. Welche sonstigen Möglichkeiten blieben ihm denn überhaupt noch?


    Er schwamm einige Meter weiter, um die Zeit zu überbrücken einen Ansatzpunkt für weitere Planungen zu finden.


    Er war noch eingetragener Senator. Sein theoretischer Stand blieb ihm also noch. Doch was sollte der nutzen? Im Cursus Honorum galt er, bei denen, die sich überhaupt noch an ihn erinnerten, als ein Faulenzer, der sich hochgegaunert hatte. Seine Quaestur war ein Witz gewesen und sein Aedilität sogar weniger als das ...
    Die Ämtzerlaufbahn so wieder aufzunehmen war undenkbar. Sowohl theoretisch, als auch praktisch. Er müsste deutlich kleiner wieder anfangen. Zunächst musste er seine Position als Senator der Curie überhapt wieder rechtfertigen. er stand nicht bei Null, nein, er stand tief in der Kreise. Nur seine Bedeutungslosigkeit und vielelicht noch uralte rest kaiserlicher Dankbarkeit hatten ihn überhaupt vor der Verdammung bewahrt.


    Seine Agenda musste kleiner aussehen. Kleiner ansetzen. Zunächst musste er die Formalien erfüllen, die ihm Senator Macer damals bereits aufgezeigt hatte. Den Cursus Iuris musste er so oder so endlich machen. Er hatte schon oft recht durchgesetzt unter Julian, doch die Formalie fehlte bis heute. Das musste sich ändern. Was sonst noch nötig war ... eigentlich konnte er das selbst nicht entscheiden. Sein Werdegang war so durchlöchert und unüblich, dass es keine normalen und etablierten Wege gab, um dies wieder zu bereinigen. Eigentlich gab es nur einen, dem er diese Frage stellen musste, den Kaiser. Nur er konnte ihm raten, wie das zu bereinigen war. Und ob das überhaupt ging. Er würde ihm schreiben und um eine Audienz bitten, dann hatte er ihm nie sein Mitgefühl für den Toid seines Vaters ausgesprochen. Das musste dringend nachgeholt werden.


    Es gab aber noch zig praktische Probleme, die durch seine Agonie entstanden waren. Er hatte sein Wissen, seinen Einfluss und seine Kontakte gänzlich eingebüßt. Er wusste fast nichts über das was Rom und das Reich bewegte, was aktuell war, die Ereignisse und Fügungen der Letzten Jahre. Wie konnte man Politik machen, wenn man neben den Geschehnissen stand? Er musste selbst bei Erfolg beim Kaiser faktisch neu in die Lehre gehen. Zunächst musste er im und außerhalb des Senates wieder Fuß fassen. An den Debatten wirklich teilnehmen würde noch länger nciht können, er würde zuhören müssen und langsam versuchen, die Zusammenhänge wieder zu erfassen. Paralel dazu musste er wieder versuchen in die Kreise seiner Standesgenossen zurückzukommen. Denn Politik war ein Geflecht, keine Alleinunterhaltung.


    Wieder zuhause würde den Brief an den Kaiser aufsetzen und Reisevorbereitungen treffen, um bei Zusage nach Misenum fahren zu können. Dann würde er sich eine Abschrift der aktuellen Acta Diurna besorgen.


    Rückwärtskraulend betrachtete er die anderen Badegäste.

    Zu seiner senatorischen Stipvisite hatte er sich einen guten Tag ausgesucht, es ging heiß her. Geminus hatte sich in den hinteren Reihen verborgen und eher die Akteure, als den Inhalt bewertet. Das erste Mal hatte er aufegehorcht, als er hörte ... "durch solch ein Patronat eine Förderung - so wie die Klienten des Divus Iulianus einst". Das traf den Nagel auf den Kopf, er wusste noch genau, wie man ihm vorgeworfen hatte, dass nur Julian ihn in hohe Staatsämter gehievt hatte und er faktisch fast keine Voraussetzung dafür erfüllte. Darum hatte er in diesem Gremium seit dieser Zeit nichts mehr von sich gegeben. Er war fast verwundert gewesen, sich auf der Liste der stimmberechtigten Senatoren aufgelistet zu finden.


    Geldverschwendung und Günstlingswirtschaft. Wer die Macht hatte .... selbst wenn alle Vorwüfe zutreffend waren, eigentlich warf man dem Mann dann nur vor, sich eben wie ein echter Römer verhalten zu haben. Aber für eín echtes Urteil wusste er viel zu wneig über Akteure, Geschehnisse und Hintergründe. Über den Punkt der Privatarmee wäre er allerdings als Berater des Kaisers früher besorgt gewesen und dem zumindest diskret nachgegangen.


    Aber vielleicht war es nur wieder ein Fall von ... man werfe mit so viel Dreck wie möglich, etwas wird schon an ihm hängen bleiben. Der Helvetier griff in seine Tüte Nüsse und betrachtete den Hinterkopf seines Vordermanns.

    Nachdem Geminus seinen Streifzug durch Rom beendet hatte, war hier ins Marcellustheater gekommen. Auf die Idee war auf der Tiberinsel gekommen. Dort ging er oft hin, irgendwie beruhigte ihn dieser Ort.


    Dieser Ort nun ließ ihn aber eher grübeln, als dass er ihn ablenkte. Das Stück war gut und ebenso die Akteure, aber wirklich folgen, konnte er dann doch nicht. Er hatte einen ausgezeichneten Platz, irgendetwas musste ihm sein Stand ja noch einbringen, wenn schon sonst aller Glanz dieser Position verloren war. Alle sonstigen Honoratioren um ihn herum kannte er nicht und sie ihn ganz offensichtlich auch nicht. Ein homo novus nach dem anderen, schrecklich. Aber eigentlich gefiel es ihm so, sogar besser. So konnte er seinen Gedanken und Grübeleien nachhängen, ohne gestört zu werden. Solange keiner versuchte ihn als irren Alten hinauszuwerfen. Eine standesgemäße Aufmachung trug er schon seit einiger Zeit nicht mehr. Er wollte keine Gloria verbreiten, hinter der schlichtweg nichts stand.


    Das Marcellustheater ... ob der gute Marcus Claudius Marcellus wohl ein guter Kaiser geworden wäre?

    Geminus hatte die Basilica Aemilia eben verlassen, er verbrachte viel Zeit damit den dortigen Aktivitäten zu lauschen. Kurz darauf hatte er nun dieses Spectaculum hier betrachten können.


    Sentaor alpha und beta hatte jemand neben ihm geraunt. Entschuldigten sich öffentlich beieinander. Einen von beiden kannte er definitiv, kam aber einfach nicht auf den Namen. Warum entschuldigte sich der Mann? Und was noch viel fragwürdiger war, warum hier? Vor all den Leuten? Was interessierte die das denn? Vielleicht sollte er wieder den Senatssitzungen beiwohnen, denen er schon so lange fern blieb. Aber da er so einiges nicht verstand oder nicht mehr verstand, war es nicht wichtig sich darüber weiter Gedanken zu machen.


    In dem Moment bemerkte er, dass er eigentlich nur noch dafür lebte, spitzfindige Kommentare abzugeben und sarkastisch zu sein. Das erinnerte ihn doch an jemanden .... ohja, es war höchste Zeit sich ein Faß zu organisieren ...


    Lächelnd ging Geminus seiner Wege.

    Zitat

    Original von Spurius Purgitius Macer
    Die Werbung vorher gab's hier: An- / Abwesenheiten ;)


    Oh. :D


    Zitat

    Original von Spurius Purgitius Macer
    Es hätte mich ehrlich gesagt auch gewundert, wenn du nicht dort gewesen wärst, aber nach dir Ausschau halten konnte ich natürlich nicht...


    Äh nein, das wäre zum einen etwas zeitaufwändig und zum anderes etwas schwierig geworden. :D Hab leider nicht rechtzeitig geschaltet. ;)


    Zitat

    Original von Spurius Purgitius Macer
    Ein Ortteil von Leverkusen. Spielt aber keine Rolle - jetzt in Waldgirmes waren zum Beispiel auch ein paar unserer Mitglieder aus München und aus den Niederlanden dabei. Entfernungen sind relativ in einem Weltreich. :D


    Leverkusen, okay, danke. Vielleicht mach ich dann echt mal eine der Probeeinladungen als Gast mit. München und Niederlande? Oh, dann ist das echt weit gefasst, um so besser, dann is Hessen ja noch nahe. *gg* Genau, ein Katzensprung auf den Heeresstraßen. :D

    Zitat

    Original von Catubodus
    Natürlich hast du recht, aber erinnerst du dich an den Feuerwehr-LKW der links vor dem Gelände stand? als ich so gegen 12 ankam tönte aus der Richtung Blasmusik! Ich hab keine Ahnung wo das genau herkam, aber das hat bei mir gleich mal einen schlechten Eindruck hinterlassen. Und ja es war echt nett, für eine erste Veranstaltung sogar ziemlich gut. Wenn man aus der Nähe von Augst kommt ist man halt verwöhnt. Nicht zu vergessen, das dort die herumstreunernde Dorfjugend in weitestgehend im Fernpublikum untergeht.
    Ich werd Waldgirmes nicht das letzte mal besucht haben und hoffe auf eine ähnliche Entwicklung wie in Augst


    Na, das aber ulkig, mir ging es EXAKT genauso. :D
    Kam den Weg hoch und höre Blasmusik, ich dachte, ich hab sie nicht mehr alle. :D Das kam aus einem der Feuerwehrautos, die ham sich das angemacht. Wie man sieht, nicht unbedingt förderlich. Ich dachte da auch schon, oha, was wird das jetzt.


    Na gut. Die alten Hasen unter den veranstaltern ham das natürlich besser drauf, das is klar und is man das gewohnt, dann fällt das dann auf, das glaub ich. :)


    Entwicklungspotenzial ist da, mal sehen

    Tja, wer weiß was aus der Stadt geworden wäre, aber dem Aufwand nach, z.B. der Halle, hätte man einiges erwarten können. Irgendwer schrieb mal geplante Hauptstadt des neueroberten Germinabereichs. Wie stichhaltig das ist, soll jeder selber sehen. Vielleicht findet sich ja noch was.


    Volksfest, ja. *g*
    Ich geb Dir insoweit völlig recht. Aber ich sortiers etwas anders ein. Zunächst natürlich, sagst Du ja auch, muss man schauen, dass das die erste Veranstaltung dieser Art war dort. Vom Verein und in der Region. Und fürs allererste Mal war es hochgradig in Ordnung, finde ich. Die Ansätze der Erstnhaftigkeit sind schon beim ersten Mal gut auszumachen. Als allererstes und wichtigstes die Herren aus Opladen. Dann war das Essen und der Bereich zwar wirklich Volksfest, aber sogar denen hamse Tunicen übergeworfen, alle Speisen in Latein übersetzt und auch entsprechende Speisen angeboten, wie Wildschwein udn Lukanerwürste. Das war schon bemerkenswert. Und auch sonst, fand ich die Tendenz zur Historie stark vorhanden.


    Einen weiteren wichtigen Punkt, warum man >noch< den Volksfestcharakter ertragen sollte, denk ich, ist der Lokalbezug. Am Anfang wusste keiner so recht mit der Fundstätte umzugehen. Die wollten ja sogar das Gewerbegebiet trotzdem durchziehen. Die ersten Ausgrabungen fanden mit Hartz-IV-lern statt. Daher denke ich, ist noch immer genauso wichtig die lokalen Anwohner und näher Wohnenden aufmerksdam zu machen, dass sie eine Sensation vor der Haustüre haben, für die man etwas tun sollte. Damit die in Gemeinden und deren Gremien und im Umfeld positive Effekte erzeugen für die Sache. Erstmal die eigene Umgebung gewinnen, und die zieht man eben erstmal zahlenmäßig höher, wenn auch ein wenig Volksfest dabei ist. Ist das erstmal ettabliert, dann kann man das runterfahren. Meine Meinung.

    Hallo zusammen.


    Werbung im Nachhinein ist zwar bizarr, aber geht auch. :D


    Am 09. und 10. Mai, jetzt am WE, waren Römertage in Waldgirmes. Das ist in Hessen, Nähe Wetzlar. Was ich nun im Nachhinein damit will? Zwei Sachen.


    Erstens Werbung in dem Sinne für Waldgirmes als archäologische Stätte machen. Denn sie ist ganz was besonderes. Zunächst für ein Militärlager gehalten entpuppte sie sich als etwas ganz anderes. Eine Römische Stadtgründung. Also besser gesagt eine römsiche Stadt in Gründung und in genau noch dem Zustand! Denn anders als anderswo Köln et cetera ging es in Waldgirmes nicht mehr weiter, dank Arminus (ergo keine Funde datierbar nach 9 n.Chr.). Denn danach wurde der Ort aufgegeben und geräumt. Es biete also einen einmaligen Blickwinkel auf die Art wie römische Städte begannen. Nebenbei stand dort die bislang gefundene größte Halle nördlich der Alpen zu dieser Zeit und eine vergoldete Reiterstatue von Augustus. Spekulation ... möglicherweise hat Varus hier Gericht gehalten oder ähnliches.


    Zweitens war die Römercohorte Opladen zum Event anwesend. Ich hab leider viel zu spät wieder daheim geschaltet und hab mal nachgeguckt. Der gute Macer ist dort ja Legionär, ich meine sogar, ihn im Nachhinein erkannt zu haben, als Bedienpersonal der Balliste. ;)
    Ich wollt nur sagen, ganz ganz große Klasse, hat mir sehr sehr gut gefallen, was Eure Truppe da aufgezogen hat. Kann ich nur jedem empfehlen, der die Chance hat die Jungs zu sehen.
    Hätte ja mal kurz hallo gesagt, aber wie gesagt, leider völlig verpeilt.
    Achja, ihr hättet das Auto da hinten auch ruhig wegbolzen können. :D
    Ich hätte richtig Lust den gegenteiligen Weg zu gehen, den der gute Macer damals ging, vom virtuellen zum realen Römer. Muss mal gucken, wo Opladen ist. ;)


    Zu beiden Punkten gibts Internetseiten, leicht zu finden. ;)


    Viele Grüße,
    Daniel

    Der ritterliche Putzlappen war Transportunternehmer. Und noch dazu ein passionierter, was bedeutete, dass er nicht die Klappe halten konnte, sobald er jemanden traf, dem er sein Wissen aufzwingen konnte. Er kam ursprünglich aus Puteoli, was sein Engagement für das Meer und Schiffe erklärte. Wenn ich in Neapolis weilte, vermied ich es stets in den Ort zu kommen. Wir Römer sind äußerst gerne am Meer, aber sehr ungern auf dem Meer, aus der simplen Befürchtung recht bald danach im Meer zu sein. Die Wasserratte neben mir wohnte wohl mittlerweile in Roma, aber ein Römer war er deshalb noch lange nicht.


    "Sie müssen wissen, dass es das wichtigste ist immer alle relevanten Daten im Kopf zu haben. Planung ist das Alpha und Omega im Transportgewerbe. Von Puteoli nach Rhegium sind es zum Beispiel anderthalb Tage Fahrt. Von Ostia nach Africa gute zwei. Tauromenium bis Puteoli wiederum zweieinhalb, was einen wundern könnte. Von Massilia nach Ostia bereits drei. Von Korinth bis Puteoli braucht bereits gute viereinhalb Tage. Die Passage Messina Alexandria schlagen schon mit gut sechs bis sieben Tagen zu Buche. Und Alexandria Puteoli sogar mit neun!"


    Es wurde zunehmend attraktiver die senatorische Option doch noch auszuspielen. Keine zehn Minuten und unendliches Gerede über Schiffstypen und Ladekapazitäten später, waren wir bei Seemannsgeschichten angekommen ...


    "Ein menschlicher Körper tanzte auf den Wellen, wurde an Land gespült. Ich stand da, wartete traurig und starrte mit feuchten Augen auf das Werk des tückischen Elements. >Irgenwo auf der Erde<, sagte ich zu mir selbst, >wartet vielleicht eine Frau in trügerischer Sicherheit auf die Heimkehr dieses armen kerls, oder vielleicht ein Sohn oder ein Vater, keiner denkt an Sturm oder an ein Wrack. Du kannst gewiss sein, dass der jemanden hinterlässt, den er liebevoll zum Abschied geküsst hat. Das ist nun das Ende menschlicher Projekte, das Ergebnis der hochfliegenden Pläne der Menschheit. Sieh Dir an, wie er jetzt auf den Wellen reitet."


    Der Sentimentalität folgte kurz darauf der Lokalpatriotismus.


    " ... Puteoli ist der wichtigste Seehafen Italias. Sehr wahrscheinlich sogar im ganzen Mare Internum. Gut, neben dem Sklavenumschlagplatz auf Delos. Wir haben einen ganz erheblichen Anteil am handel mit Tuch und Töpferwaren aller Art. Aber ganz besonders am Handel mit Pzzolanerde. Und die bracht man hier in Roma ja in rauen Mengen!"


    Ein verschmitztes Grinsen folgte. Auf seiner Einkommensliste machte dieser Posten wohl einen recht erheblichen Plusbetrag aus.


    "... aber wenn man bei uns im Hafen ankommt, dann schwärmen ersteinmal diese verfluchten Zollbeamten aus! Möge sie die Lepra holen. Arrogantes Pack, um eine einigermaßen reibungslose Abfertigung zu gewährleisten kosten die Brüder Unsummen!"


    Mögen die Götter unsere Bürokratie beschirmen.


    "Wenigsten ist Puteoli aber ein römischer Hafen. Tarentum und Neapolis, da wühlen erstmal die lokalen Burschen alles durch und später nochmal die anderen Bastarde. Und wenn sie durch der Götter Wendung an einem dies nefastus ankommen ... dann bleibt ihnen nichts anderes übrig als sich zhu betrinken."


    Ja, doch, in den Stadium war ich auch gerade.


    "... oder sie gehen in unser wunderbares Amphiteater 489 mal 381 Fuß und Arena selbst bringt es auf 245 mal 138 Fuß! Ein Neubau der Flavier."


    Ich hatte Vespasian gemocht. Titus wäre zu gebrauchen gewesen, aber Domitian. Vieleicht etwas hart bewertet, aber doch trotz allem unpassend. Meine nächsten Handlungen waren recht einfach. Ich ging einen Raum zurück, hinterließ eine weitere Münze und war als nächster dran.

    Geminus Weg führte ihn vom Forum Romanum weg, an der Curia Iulia vorbei über das Forum Traiani hinweg zum Mercatus Traiani. Ein ganz besonderes Vergnügen brachte ihn hierher. er hatte Zahnweh, nicht viel, aber genug um sich ärztlichen Beistand zu holen. Oder besser, um dazu zu zwingen dies zu tun. Auf dem Land war die Ärztedichte gering und es waren noch bedeutend größere Scharlatane als in der Hauptstadt. Sein Maiordomus hatte ihm einen gehobenen Mediziner empfohlen. Sein Name war Aretaeus. Der Senator mochte Ärzte nicht besonders. Was hatte Cato der Ältere doch noch über diesen Berufsstand gesagt? Ärzte seien Verschwörer, die sich der Auslöschung des römischen Volkes verschrieben hätten.


    Geminus wich einer alten Matrone aus, die einen ihrer Jungen am Ohrläppchen über den Platz schleifte.


    Aber Cato hatte seinem Sohn auch empfohlen, um dessen Widerstandskraft zu steigern, stets im Urin eines Mannes zu baden, der sich von nichts anderem als Kohl ernähre. Das relativierte dessen erste Ansicht doch wieder deutlich.


    es dauerte nicht lange, bis der Senator die Zimmer des Arztes fand. Stöhnen und Wimmern waren ein wirklich gutes Lokalisationsmittel. Im ersten Zimmer saßen zwei Sklaven, ein junger schmächtiger und ein bulliger Hohlkopf. Nummer eins kassierte und Nummer zwei war für die Retour deren da, die herkamen und hofften mit Mitleid, statt mit klingender Münze zahlen zu dürfen. Ich machte nur mit einem davon direkte Bekanntschaft. Er notierte sich auch mein Leiden. Das Zimmer dahinter war nun angefüllt mit den Besuchern des Medicus. Eine wirklich interessante Truppe. Eine Frau und fünf kleine Kinder, die sich beim Balgen wegen des Wartens sicher dreimal mehr Verletzungen zufügen würden, als sie beim Herkommen eigentlich hatten. Drei uralte Greise starrten mich an, gut, ich war auch nicht mehr der jüngste, aber sie hatte sicher Scipio Africanus persönlich gekannt. Sie waren von der Sorte, die Unmengen Zeit hatten und jeden Tag hier saßen. Wahrscheinlich wollte ihre Familie sie loswerden und nicht daheim haben oder hofften darauf, dass eine der Medizintränke hier dem Elend ein Ende bereiten würden. Sie taten, was alle Kerle dieser Sorte tun, sie reden unentwegt über ihre Krankheiten, solche die sie haben, die andere hatten und von denen sie gehört haben. Und wie schrecklich Ärzte sind, nach ihrer Erfahrung um auch den letzten Patienten völlig zu verängstigen. Allein die Tatsache, dass es diesen gestalten erlaubt wurde hier zu hocken, zeigte schon überdeutlich, dass der werte Arzt sein Zimmer nie verließ, denn sonst hätte er die geschäftsschädigenden Altlasten längst entfernen lassen.


    "... und bei Wundstarrkrampf erst! Der Medicus hat gesagt, dass sind Fälle, wo es in der Tat verzeihlich ist, zu den Göttern zu beten, dass sie dem Menschen das Leben nehmen. Der anwesende Arzt kann den Patienten nicht retten, kann seine Schmerzen nicht lindern, kann noch nicht mal seine Glieder strecken, ohne sie zu brechen oder zu zerschneiden!"


    Einschätzung stimmte. Ich setzte mich neben den einzig weiteren Gast. Seine Tunika war sauer, sah aber trotzdem aus, als sei sie schon mit Augustus bei Actium unterwegs gewesen. gehobener Arzt, einen Ritterring hatte er zumindest. Ich erwähnte niemandem Gegenüber, dass ich Senator war. So käme ich zwar sofort dran, aber zum einen würde mich mein Geldbeutel auf dem Rückweg sicher nicht mehr behindern und zum anderen hatte ich keinen Sklaven dabei, der die entsprechend teuren Cremes, Salben und Tränke, garantiert aus Aegyptus, dann heimtrug.


    Nach zwanzig Minuten hatte ich zwei Erkenntnisse gewonnen. Zum einen, dass meine Angaben beim Eingangsburschen den Arzt sicher niemals erreichen würden. Und, dass es ein Fehler gewesen war sich hier hin zu setzen.