Macer kratzte sich nachdenklich am Kinn, während der Tiberier ausführte, wie er an seinen Posten gekommen ist. Dann seufzte er ein wenig. "Ich bin kein Freund solcher Bewerbungsschreiben und Vorstellugnsverfahren. Mag sein, dass das modern ist in unserer Zeit, aber so richtig anfreunden kann ich mich damit nicht. Mit den richtigen Leuten unverbindlich sprechen, die holen dann wieder Empfehlungen ein, man spricht wieder einmal drüber und dann wird man für so einen Posten angefragt - so stelle ich mir das vor. Das gereicht allen Beteiligten zur Ehre und niemand verliert sein Ansehen, wenn er in einem förmlichen Bewerbungsprozess eine Niederlage einstecken muss. Aber gut, derzeit läuft es wohl eben anders. Ich werde sehen, was ich daraus für mich mache", kommentierte er die neuen Informationen, bevor er sich der kleinen Bitte zuwandte. "Und gerne kann ich schauen, was ich für dich tun kann. Ich fürchte allerdings, von den mir bekannten Pontifices halten sich zahlreiche derzeit nicht in der Stadt auf, so dass es etwas schwierig sein wird, ihnen einen Brief zukommen zu lassen."
Beiträge von Spurius Purgitius Macer
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"Na, man sollte schon den richtigen Leuten durch die richtigen Leistungen auffallen", antwortete Macer augenzwinkernd. "Natürlich kannst du durch gute Wahlergebnisse und einen entsprechenden Posten auffallen. Aber was lernen die Leute dann über dich? Dass du ein guter Politiker bist, der die Wähler auf seine Seite bringen kann und der ein politisches Amt ausfüllen kann. Sicher keine schlechten Qualitäten, aber eben nicht das, was man als Ritter unbedingt braucht. Viel schlimmer noch: Es wird Leute geben, die dich nach so einer Wahl gedanklich unter den Politiker mit Ambitionen auf den Senat abbuchen und schlicht nie mehr an dich denken werden, wenn sie einen Mann für eine ritterliche Karriere suchen. Dann hast du für deine Pläne mewhr verloren als gewonnen", führte er seine Bedenken aus. Er war zwar selber keine allzu großer Freund eines derartig kategorischen Denkens, aber es half, den Überblick und die klare Linie zu bewahren. Vielleicht bevorzugte er es auch deshalb, weil seine eigene Karriere keineswegs so glatt gelaufen war.
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Selbstsicher und zielstrebig, in seinem üblichen zügigen Fußgängertempo, bahnte sich Macer an diesem Vormittag seinen Weg durch die Stadt zum Mons Esquilinus und dem dort befindlichen Tempel der Iuno Lucina. Es musste ja schließlich nicht gleich jeder schon an seinem Verhalten erkennen, dass er gleich möglicherweise ein paar ziemlich dumme Fragen stellen würde. Andererseits hatte er vor jenen keine allzu große Angst, denn immerhin war er ein Mann, gerade zum ersten Mal Vater geworden und seine Frau war leider nicht mehr unter den Lebenden. Da durfte man wohl mal ein paar Fragen stellen, wie denn nun so ein großes Dankopfer für die Geburt abzulaufen hatte. Albina hätte das sicher gewusst, aber die konnte er ja nun einmal eben nicht mehr fragen. Also blickte er sich suchend auf dem Tempelvorhof um, um einen Aedituus oder sonstigen Opferhelfer zu finden, den er fragen konnte und der ihm auch gleich noch einen Termin verpassen konnte, an dem er dann hier opfern konnte.
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So wie einige seiner Klienten gehörte auch Macer zu den Zaungästen der Zeremonie, die sich auf dem Marsfeld abspielte. Es war nicht die erste Parade der Prätorianer, die er hier verfolgte, und doch hatte er diesmal ein ziemlich ungutes Gefühl in der Magengegend. Die Prätorianer waren nicht hier für eine kleine Feier, eine nette Parade oder eine imposante Schau - nein, sie waren hier, um in den Krieg zu ziehen. Aber auch dieser Umstand alleine war es nicht, der bei Macer für Unwohlsein sorgte, denn er hatte schließlich schon selber Männer in die Schlacht geführt. Es war die Mischung aus allem, was hier vor sich ging und in der Luft lag. Angefangen von der latenten Unischerheit, was sich beim Tod des Valerianus wirklich zugetragen hatte, über die niemals öffentlich gestellte Frage, ob Salinator tatsächlich der legitime Nachfolger ist, bis hin zu der Tatsache, dass augenscheinlich die halbe römische Armee auf dem Marsch gegeneinander war. Und nun also die Prätorianer, die ausrückten, um den Kaiser zu schützen und Rom zu verteidigen. Der Bürgerkrieg hatte Rom erreicht! Selbst wenn die Schlachten woanders geschlagen werden sollten, war damit doch das eingetreten, was Macer nicht erleben wollte. Aber wer war er schon, um sich etwas wünschen zu können oder gar zu verhindern. Er hatte ja nicht einmal das Leben seiner eigenen Ehefrau retten können. Also stand er hier, mit einem ziemlich flauen Gefühl in der Magengegend, und guckte den Prätorianern dabei zu, wie sie in den Krieg zogen. Dass die Götter dabei angeblich mit ihnen waren, überraschte ihn nicht. Er war sich ziemlich sicher, dass die Rebellen, wo auch immer sie gerade ihr Lager hatten, jeden Morgen ähnliche Worte von ihren Kommandeuren hören würden. Und es wussten wohl nur die Götter selber, auf welcher Seite sie tatsächlich standen. Murmelnd betete Macer darum, dass sie auf Seiten Roms standen.
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"Ja, ganz offensichtlich kommt man auch ohne nennenswerte Leistungen im religiösen Bereich ziemlich weit nach oben", stimmte Macer seiner Rolle als Gegenbeispiel zu. "Ich kannte und kenne einige Pontifices, habe sicher auch deren Unterstützung gehabt, aber ansonsten nie eine besonders enge Nähe zu den Collegen gepflegt", erläuterte er dann seinen politischen Weg. "Ein Umstand, den ich zugegebenermaßen seit geraumer Zeit zu änder gedenken, aber ähnlich wie dir fehlt mir noch so der rechte Ansatzpunkt, an dem ich beginnen soll." Schließlich konnte man nicht einfach zu einem Collegium gehen und sag 'Lasst mich rein, ich will mitmachen'. "Und aus dem Mangel an Patrizier kannst wohl auch eher du als ich Kapital schlagen", schlug er dann wieder den Bogen zu den Wünschen und Möglichkeiten seines Gastes. "Auch wenn ich mir denken kann, dass unser aktueller Kaiser in seiner Eigenschaft als Pontifex Maximus und seiner bekanntermaßen geringen Liebe für Patrizier wohl versuchen wird, den Einfluss jener rein patrizisch geprägter Collegien zurückzudrängen, oder?", erkundigte er sich dann weiter. Genaugenommen hatte er keine Ahnung, wie ernst Salinator die religiösen Pflichten eines Pontifex Maximus überhaupt nahm. Nennenswerte öffentliche Opfer hatte er von ihm jedenfalls noch nicht gesehen.
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Nach der Bestattung von Tiberia Albina war die Casa Purgitia gründlich rituell gereinigt worden, um die letzten Spuren des Todes zu beseitgen. Der Zypressenzweig über der Haustür war wieder verschwunden und ganz langsam gewann die Freude über den Nachwuchs die Oberhand. Eines der sichtbarsten Zeichen dafür war Macers neuer Pflichttermin am Morgen, der noch gleich nach der Morgentoilette und weit vor der Salutatio lag: Die Statusabfrage zum Wohlbefinden seiner Tochter Albina. Wie hatte sie geschlafen? Wie oft hatte die Amme sie stillen müssen? Zeigte sie Zeichen von Unwohlsein? Macer hatte keinen blassen Schimmer, was normal und was unnormal für ein Neugeborenes wäre und fragte deshalb umso neugieriger und genauer. Dass dies der Amme nicht immer gefiel, hatte Macer sehr schnell bemerkt, aber solange die Versorgung seiner Tochter nicht unter dem Unwillen der Amme lit, war ihm das vorerst egal. Immerhin wurde sie für ihre Dienste nicht schlecht bezahlt und außerdem lag es an ihr, Macer durch die Ausstrahlung von Ruhe und Sicherheit ebenfalls zu beruhigen.
Erst wenn alle seine Fragen zu seiner Zufriedenheit beantwortet worden waren, widmete sich Macer den anderen üblichen Verrichtungen des Morgens, nur um sich nach dem Ende der Salutatio und sowieso vor dem Verlassen der Casa noch einmal nach dem Wohlbefinden seiner kleinen Albina zu erkundigen.
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Schon wieder gab es einen Brief von Macer nach Ostia, den dessen Laufbursche zusammen mit anderen bei der Postannahme ablieferte. Nach dem Tod von Albina hatte Macer schließlich einige Kondolenzbriefe zu beantworten. "Der hier geht nach Ostia", erklärte er beim Vorlegen des Briefs.
Ad Iunia Axilla
In der Insula des Potitus Gabinius Findulus in der Nähe des Forums und der Curia
OstiaSp. Purgitius Macer Iuniae Axillae s.d.
Erneut ist es an mir, dir für einen Brief zu danken. Diesmal umso mehr, als er mich deiner Anteilnahme versichert hat und mir das Ertragen der Ereignisse etwas leichter gemacht hat. Denn auch wenn die Pompa Funebris bereits stattgefunden hat und das Haus von den Zeichen des Todes gereinigt ist, so wird die Trauer wohl noch eine Weile bleiben. Aber auch die Freude ist in meine Casa eingezogen und auch hier danke ich dir für deine Anteilnahme. Eine gesunde kleine Tochter haben mir die Götter geschenkt und ich bin zuversichtlich, dass sie mir meine Tage erhellen wird.
Ich danke dir auch für dein Hilfsangebot und versichere dir, dass ich nicht zögern werde, deine Hilfe zu erbitten, wenn dies nötig ist. Doch derzeit steht hier mit der Betreuung meiner Tochter durch eine gute Amme alles zum Besten und dein Einsatz wird ja nun schließlich auch von deiner eigenen Familie in Ostia benötigt. Doch zögere nicht, mir mitzuteilen, wenn du wieder in Rom bist.
Vale!
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Die Trauertage nach dem Tod von Albina hatten Macer sichtlich mitgenommen und auch wenn nach dem Ende der Pompa Funebris das Haus weitgehend von allen sichtbaren Anzeichen der Trauer gereinigt worden war, waren die weniger sichtbaren doch noch da. Die Gedanken, die Macer hatte, die Gespräche, die ihm fehlten, die Geräusche und Ereignisse, die sich um Albina drehten und nun einfach nicht mehr stattfanden. Alles nicht greifbar, und doch in manchen Momenten noch mit einer sehr ergreifenden Wirkung auf Macer.
Wesentlich greifbarer und daher ein guter Punkt zum Festhalten waren da die Kondolenzbriefe, die auf Macers Schreibtisch im Tablinum lagen. Es waren keine überwältigenden Stapel, aber doch genug, um Macer einige Tage immer wieder zu beschäftigen, bis alle beantwortet waren. Heute war zum Beispiel der von seiner Geschäftspartnerin Iunia Axilla dabei, der ihm vor allem deshalb besonders wichtig war, weil sie sich als junge Mutter wohl im Besonderen mit Albinas Tod befassen konnte. Außerdem bot sie ihm Hilfe wegen seiner eigenen neugeborenen Tochter an, so dass er ihr auf jeden Fall antworten musste. Also griff er nach einer Wachstafel und begann, eine Antwort vorzuschreiben.
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"Vergiss die Wahlen, wenn du eine ritterliche Karriere anstrebst", wischte Macer diesen Vorschlag recht schnell beiseite, ohne dabei allerdings allzu unwirsch zu klingen. "Das wäre ein völlig anderer Weg, den du damit einschlagen würdest", bekräftigte er dann noch einmal seine Abneigung gegen diesen Vorschlag. "Kein schlechterer oder schwierigerer Weg, aber eben ein anderer. Die ritterliche Laufbahn kommt im Prinzip ohne Wahlen aus. Sie basiert auf persönlicher Leistung und persönlichem Vertrauen. Hohe Verwaltungsposten und Offiziersstellen kann man nicht durch Wahlen besetzen." Auch wenn Macer als Senator eben genau dem anderen Weg gefolgt war, schien er doch eine klare und durchaus positive Meinung von den Vorzügen dieses Weges zu haben.
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Langsam aber stetig brannte der Scheiterhaufen herunter, nachdem die letzten Beigaben hineingeworfen worden waren. Parfüm war darunter gewesen und verbreitete einen durchaus angenehmen Geruch, sofern es bei einer Totenverbrennung so etwas geben konnte. Auch die Wärme des Feuers und das gleichmäßige Prasseln der Holzscheite sorgte für ein erstaunlich wohliges Gefühl. Wohlig genug, um Macers kleine Tochter nach dem bisherigen lautstarken Schreien seelig einschlafen zu lassen, wie Macer mit einem Lächeln auf den Lippen bemerkte. Doch bevor er sich zu sehr an diesem Anblick erfreuen konnte, holten ihn die Pflichten der zu Ende gehenden Bestattung wieder in die Realität zurück.
Die Knochen und der Leichenbrand wurden aufgesammelt, nachdem er die heruntergebrannten Reste mit Wein übergossen hatte. Noch einmal mit Parfüm versetzt, wurden sie in eine Urne gefüllt, die Macer ins Innere des Grabmals brachte. Noch einmal gab es für die Anwesenden die Möglichkeit, Grabbeigaben abzulegen. Macer schloss zudem noch ein Opfer für Pluto und Proserpina an, wie er es den beiden Göttern der Unterwelt an Albinas Todestag versprochen hatte, als er keine angemessenen Opfergaben zur Hand gehabt hatte. Diesmal hatte er vorgesorgt, das blutige Opfer einer schwarzen Ziege allerdings durch das unblutige Opfer einer entsprechenden Figur ersetzt, um an Albinas Grab kein zusätzliches Blut zu vergießen.
Mit diesem Opfer war die Abfolge der Riten dann aber abgeschlossen und der Zeremonienmeister begann damit, die Anwesenden mit einem Olivenzweig mit Wasser zu besprenkeln und damit von der rituellen Verunreinigung, die so eine Totenzeremonie mit sich bringt, zu reinigen. Die Klageweiber gestatteten das Verlassen der Begräbnisstätte, womit der offizielle Teil der Zeremonie endgültig beendet war. Macer indes blieb noch lange an dem Grabmal und kehrte erst spät mit den letzten Verwandten und Freunden zurück in die Stadt.
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Macer hatte keineswegs für Verunsicherung sorgen wollen, sondern vielmehr recht ehrlich eine Frage gestellt. "Da fragst du den Falschen", antwortete er daher lächelnd. "Ich habe selber keinerlei Erfahrung mit Priesterämter, was im übrigen alles andere als zum meinem Ruhm beiträgt. Von daher war es tatsächlich eine erstgemeinte Frage, ob es vor allem die Leistungen im religiösen Bereich sind, mit denen man sich für höhere Preisterämter empfiehlt oder auch andere Leistungen. Nicht selten haben höhere Preisterämter ja zum Beispiel auch Einfluss auf die Politik, warum selten also beispielsweise politische Leitungen nicht auch Einfluss auf die Besetzung der Collegien haben?" sponn er seinen eigenen Gedanken weiter.
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Da Macer von den Karrieremöglichkeiten im religiösen Bereich eher unterdurchschnittlich viel Ahnung hatte, konnte er darauf jetzt nichts allzu Fundiertes erwidern, hörte aber umso interessierter zu. "Nunja, Vorbehalte gegen deinen Namen muss man in diesen Tagen wohl überall erwarten", stimmte er dann der Erfahrung zu. "Aber wer mit Tatkraft das Richtige und Gute tut, wird seinem Namen sicher wieder Ehre machen können", hatte er dann einen passenden Allgemeinplatz zur Hand. "Du kannst doch sicher auch parallel noch andere Möglichkeiten finden, positiv auf dich und deinen Namen aufmerksam zu machen, oder nicht? Nicht immer müssen es ja vorangegangene Leistungen im religiösen Bereich gewesen sein, die einen für höhere Priesterämter empfehlen, oder?"
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Sim-Off: Ups, sorry, da ist mir dein Posting durchgegangen.
Macer blickte weiter nachdenklich drein, denn so wirklich etwas brauchbares kam in der Tat nicht heraus. Mit dem Abrichten von Hunden und einem Händchen für Bewässerung konnte man wohl kaum den Ritterstand erwerben. "Vereinstätigkeit ist schon einmal nicht schlecht", griff er daher den noch am ehesten brauchbaren Punkt auf. "Nicht unbedingt wegen der alltäglichen Leistungen, die du dabei erbringst, aber indem du dir dabei Bekannte erwirbst, die dich später empfehlen können. Und wenn du bisher nichts vorweisen kannst, was dich empfiehlt, dann musst du dir eben etwas schaffen", kam er dann zu dem, was man Jahrhunderte später wohl als kreatives Brainstorming bezeichnen würde. "Gibt es irgendeine kleine Großtat, die du zum Beispiel für den Kreuzungsverein oder die Factio vollbringen kannst? Irgendwas, auf das man dann später zurückblickt und anerkennend sagt: 'Ah ja, Helvetius Varus, ist das nicht der, der diesunddas möglich gemacht hat?'." -
Zitat
Original von Phaeneas
Na ja, die Fortsetzung lautet: "Die haben doch so primitiv gelebt und konnten ihre Villen bestimmt nicht heizen."
Unwissen ist dazu da, es durch Wissen zu ersetzen.Ich hab' bei unseren Vereinsveranstaltungen schon noch heftigere Dinger gehört: "Hatten die Römer denn schon Eisen?" gab's schon einmal und sogar "Hatten die Römer denn schon Feuer?".
ZitatOriginal von Phaeneas
Vorschläge für Info-Box-Zeilen?
Genau. -
In welcher Form stellst du dir das denn vor? Ist ja schließlich nichts, was man verbrauchen kann.
Wir hatten da schon einige Ideen, aber im Moment ist nichts in der konkreten Planung.
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Dann solltest du über deinen WiSim-Account einen beantragen, damit wir ihn dann freischalten können.
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Angeführt von getragener Blasmusik und begleitet vom Jammern der Klageweiber sowie dem Schreien der kleinen Purgitia Albina, erreichte der Leichenzug für Tiberia Albina nach dem Weg durch die Stadt die vorgesehene Verbrennungsstätte. Der Scheiterhaufen war aufgerichtet und mit dunklen Blättern bedeckt worden. Schweigend beobachtete Macer, wie das Totenbett dort abgelegt wurde, dann trat er vor, um zumindest eine kleine, eher persönliche Totenrede zu halten, wenn er schon auf eine große auf dem Forum aus politischen Gründen verzichtet hatte. "Tiberia Albina, eine viel zu kurze Zeit war uns vergönnt, in der ich die Ehre hatte, dich als Frau an meiner Seite zu haben, als Herrin meines Hauses, als Ratgeberin in schwierigen Fragen. Du hast mir die Tage erhellt mit deinem Lächeln und mir jede Rückkehr in die Casa zu einem freudigen Ereignis gemacht. Ein jeder hier ist Zeuge deiner freundlichen Art, die die Zeit in deiner Anwesenheit auf's angenehmste vergehen ließ. Viele hier sind Zeugen deiner umsichtigen Art, mit der du den Haushalt führtest und jede Angelegenheit umsichtig regeltest, die ich dir bedenkenlos anvertrauen konnte. Es ist ein nicht zu ersetzender Verlust, dass du den Weg in die Unterwelt angetreten hast. Ein Verlust für mich, für unsere Verwandten und Freunde, für die Menge deiner Sklavinnen und Sklaven und Freigelassenen, ja, für alle die dich kannten und auch für jene, die dich nun leider nicht kennenlernen werden. Vale bene, Albina! Sit tibi terra levis!"
Macer schluckte einmal, um aufkommende Tränen zu unterdrücken und ließ sich dann eine Fackel reichen. Mit abgewandtem Blick entzündete er den Scheiterhaufen und beobachtete dann, wie sich die Flammen durch die Blätter fraßen und langsam das darunter liegende Holz in hellen Brand versetzten. Macer gab die Fackel zurück und ließ sich einen kleinen Korb reichen, in dem sich einige persönliche Gegenstände Albinas befanden, die mit verbrannt werden sollten. Langsam warf er einen nach dem anderen auf den Scheiterhaufen, leise und für die Umstehenden unverständlich vor sich hin murmelnd. Dann trat er zurück, um anderen ebenfalls die Gelegenheit zu geben, Grabbeigaben zu spenden.
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Wurde soeben geändert. Falls du nachgucken gehst, im Zweifelsfall einmal F5 drücken, damit dein Browser auch tatsächlich den neuen Stammbaum lädt.
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Vier Tage hatte Macer für die Trauerzeit festgesetzt, in der Albina im Atrium der Casa Purgitia aufgebahrt worden war. Vier Tage, die er brauchte, um seine eigenen Gedanken zu ordnen, sich auf die neue Situation einzustellen, Abschied zu nehmen und alles vorzubereiten, was vorzubereiten war. Gerade in diesen Zeiten kein leichtes Unterfangen, hatten viele Bürger doch andere Sorgen. Noch dazu stammte Albina aus der Gens Tiberia, die zumindest hochoffiziell aufgrund der Verwicklung in den Tod des Valerianus nicht gut gelitten war. Macer verzichtete daher darauf, den Weg des Leichenzugs von seiner Casa bis zur Grabstätte vor der Stadt über das Forum zu führen, wie er es unter anderen Umständen vielleicht getan hätte. Er tröstete sich damit, dass Albina in ihrer Bescheidenheit eine solche Ehrung vermutlich ohnehin nicht recht gewesen wäre.
Ansonsten fehlte es aber an nichts, was man in der Pompa Funebris der Gattin eines Consulars erwarten durfte: Cornicines vorneweg, Klageweiber in nicht zu kleiner Anzahl, die Freigelassenen der Toten (wobei davon die meisten noch aus ihrer Zeit im Haus der Tiberia stammten) und dann Darsteller der großen Ahnen der Verstorbenen (von denen es in der Gens Tiberia einige gab). Es folgte das Totenbett und dahinter Macer und die Verwandten beider Familien. Auch die kleine Albina, die Tochter der Toten, wurde von ihrer Amme im Zug mitgetragen. Der ganze Lärm und Aufwand schien sie doch gehörig zu erschrecken und zu beunruhigen, so dass man sie nicht einmal dazu anhalten musste, es den Klageweiber gleich zu tun und herzzerreissend zu schreien.
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Recht plötzlich und zumindest für Macer überraschend wollte sein Gast das Gespräch nun offenbar doch beenden und ging abgesehen von der Feststellung einer gewissen Einigkeit nicht weiter auf Macers Ausführungen ein. Jener bedankte sich dafür mit einem Nicken und freundlichen Lächeln und hörte sich dann den Themenwechsel an. "Darauf werde ich beizeiten sicher gerne zurückkommen", nahm Macer das Angebot an, auch wenn er genau wusste, dass sein öffentliches Opferverhalten in letzter Zeit doch arg zu wünschen übrig ließ. Vielleicht nahm er es gerade deshalb an, um auch ein wenig Druck auf sich selbst zu machen, seinen kultischen Pflichten auch in der Öffentlichkeit nachzukommen. "Deine Pflichten dort binden dich also jeden Tag in vollem Umfang?", erkundigte er sich, denn dies schien er aus der Äußerung herauszuhören.