Mogontiacum

Aus Theoria Romana

Wechseln zu: Navigation, Suche
Daten der Stadt
Name:Mogontiacum
Gründung:um 500 v. Chr.
Rechtsform:Vicus
Provinz:Germania Superior
Heutige Stadt:Mainz (Deutschland)

Mogontiacum, das heutige Mainz, war als wichtige Militärbasis am Rhenus Hauptstadt und Sitz des Statthalter der Provinz Germania Superior.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die ersten dauerhaften Ansiedlungen auf dem Gebiet der heutigen Stadt Mainz stammen aus der Mitte des ersten Jahrtausends v. Chr. und sind keltischen Ursprungs. Im Zuge des Gallischen Krieges erreichten römische Truppen das Gebiet und gaben der Siedlung den Namen Mogontiacum, abgeleitet von der keltischen Gottheit Mogon. Als ursprüngliche Bevölkerung werden die Stämme der Aresaker oder Caeracaten angenommen.

Die Einrichtung des Legionslagers und damit die Gründung des römischen Mogontiacum fand allerdings erst im Winter 13 v. Chr. statt, als Nero Claudius Drusus an der strategisch günstigen Stelle am Rhenus ein Doppellegionslager auf dem Kästrich errichtete. Hier, sowie in weiteren zeitweise belegten Kastellen in Mainz-Weisenau und auf der anderen Rheinseite waren seither ständig bis zu vier Legionen und zahlreiche Hilfstruppeneinheiten stationiert, die den Stützpunkt zu einer der wichtigsten Militärbasen am Rhein machten. Zu diesen Besatzungen gehörten in spätaugusteisch-tiberischer Zeit etwa die Legio XIV Gemina und die Legio XVI Gallica, während unter Caligula im Zusammenhang mit dem Britannienfeldzug mehrere Belegungswechsel stattfanden, bis ab 43 v. Chr. die Legio IV Macedonica und die Legio XXII Primigenia belegt sind. Die starke Truppenkonzentration war auch der Grund, warum der Oberkommandeur des obergermanischen Heeres Mogontiacum zu seinem Hauptquartier bestimmte.

Aufgrund der starken Militärpräsenz entstanden außerdem rasch Zivilsiedlungen - einerseits canabae südlich und südwestlich des Lagers auf dem Kästrich, andererseits weitere Siedlungen rund um den Hafen am Dimesser Ort und in Mainz-Weisenau. Trotz der Entwicklung dieser Siedlungen blieb die Stadt allerdings vom Militär geprägt und erreichte nie den Status eines Municipium oder gar einer Colonia. Dementsprechend blieb sie offiziell Legionsland unter der Aufsicht und Jurisdiktion des dortigen Legatus legionis. Es existieren allerdings Hinweise auf eine Selbstorganisation der dort ansässigen Bürger: So ist ein conventus civium Romanorum belegt, der von einem Curator geleitet wurde und über eine eigene Kasse verfügte, die von einem Quaestor verwaltet wurde. Auch die Canabarii, die Bewohner der canabae legionis verfügten offenbar über eine Organisation, die gemeinsam Denkmäler wie die Mainzer Iuppitergigantensäule stiftete.

Die hier stationierten Truppen beteiligten sich ab 15/16 n. Chr. an den Feldzügen des Germanicus gegen die Chatten. Als dieser am 10.10.19 n. Chr. verstarb, stifteten sie aus eigenem Antrieb einen Ehrenbogen für ihren Feldherrn, an dem auf Senatsbeschluss jährlich Ehrungen stattfanden (siehe unten).

Eine wichtige Rolle spielten die Mainzer Truppen schließlich im Vierkaiserjahr. Im Januar 69 n. Chr. verweigerten sie den Treueeid auf Galba und provozierten damit die Ausrufung des Vitellius in Colonia Claudia Ara Agrippinensium zum Gegenkaiser. Gemeinsam mit ihm zogen sie auch nach Italia, wo sie die Truppen des inzwischen ausgerufenen Kaisers Otho schlugen, ehe sie bei Cremona von Vespasians Heer besiegt wurden. Unterdessen tobte in Germanien der Bataveraufstand, im Zuge dessen Chatten, Usipeter und Mattiaker Mogontiacum angriffen und zeitweise in ihre Gewalt brachten. Die verbliebenen Truppen dort schlossen sich den Aufständischen an, kehrten nach deren Abzug aber auf die Seite Vespasians zurück. Schließlich wurden die Legionen I Adiutrix und die XIV Gemina, sowie zeitweise die Legio XXI Rapax in hier stationiert. Da allerdings der Statthalter Lucius Antonius Saturninus 88/89 n. Chr. ebenfalls gegen die römische Zentrale revoltiert hatte, reduzierte Domitian die Besatzung auf die Legio XXII Primigenia, die bis ins vierte Jahrhundert in Mogontiacum bleiben sollte.

Unter den Flaviern entstand außerdem die Pfahlrostbrücke über den Rhenus, die eine zentrale Verbindung über den Rhein darstellte. Darüber hinaus wandelte Domitian die germanischen im Jahre 89 n. Chr. in Provinzen um, womit Mogontiacum zum Sitz des Statthalters wurde. Dies änderte aber nichts am rechtlichen Status der Siedlung - erst im Jahr 297 n. Chr. ist eine civitas Mogontiacensium belegt, die auf eine Form von kommunaler Selbstverwaltung der Bewohner schließen lässt, der Titel Municipium taucht schließlich erst 355 auf, als dieser ohnehin nicht mehr fest an einen besonderen Rechtsstatus gekoppelt war. Eine administrative Zentralfunktion behielt die Siedlung dagegen auch nach der Umstrukturierung der Provinzen im 4. Jahrhundert, als sie zur Hauptstadt der Germania prima und zum Sitz des dux Mogontiaciensis und eines Bischofs wurde.

Seit flavischer Zeit genoss die Stadt fast ein Jahrhundert lang Ruhe, was die zivile Entwicklung begünstigte. So wurden die canabae nun zunehmend in Stein ausgebaut und wuchsen zusammen. Darüber hinaus dehnte sich auch die nordöstliche Siedlung vor dem Lager bis zum Rheinufer aus und entwickelte sich zum Siedlungsschwerpunkt der Stadt, der vorher eher am "Dimesser Ort" gelegen hatte. Vermutlich im Bereich des heutigen Flachsmarkts entstand das Forum, während der hochwassegeschützte Bereich um den Schillerplatz und am Dom wohl Kultbezirke beherbergte. Für diese Zeit sind auch mehrere Bezeichnungen für vici belegt: Der vicus Apollinensis, der vicus Vobergensis, der vicus Salutaris, der vicus Navaliorum (wahrscheinlich die Zivilsiedlung am südlichen Hafen), vicus Novus und der vicus Victoriae (wahrscheinlich bei Mainz-Weisenau).

97 n. Chr. diente Hadrian hier als Tribunus laticlavius und besuchte die auch Stadt später als Kaiser mehrmals, ohne sie allerdings als Basis für weitere Feldzüge zu nutzen. Erst im 3. Jahrhundert gewann sie wieder als Militärstützpunkt an Bedeutung, von dem aus Caracalla und Severus Alexander Operationen gegen die rechtsrheinischen Germanenstämme planten. Letzterer wurde schließlich unweit von Mogontiacum, vermutlich im vicus Brittonum von revoltierenden Truppen getötet. Fünfundzwanzig Jahre später schlossen die Mainzer Truppen sich dem Imperium Galliarum an. Der dortige Kommandeur Ulpius Cornelius Laelianus ließ sich sogar 274 selbst zum Kaiser dieses Sonderreiches proklamieren, ehe die Stadt und ihre Besatzung 274 wieder ins Imperium Romanum zurückkehrte.

Unter Julian Apostata und Valentinian I. diente Mainz schließlich erneut als Operationsbasis für die Verteidigungsfeldzüge gegen die immer häufiger einfallenden Germanenstämme. Diesen gelang es mehrfach, Mogontiacum zu plündern und zu besetzen, weshalb um 370 die Befestigung der Stadt erneuert wurde, wovon bis heute die Überreste einer Toranlage zeugen. Zu dieser Zeit umfasste das Stadtgebiet 98,5 ha.

Das Ende des römischen Mogontiacum war schließlich eine Plünderung durch germanische Stämme im Jahr 406, als die Truppen in Italien gegen den Einfall das Radagaisus abgezogen waren. Zwar konnte Konstantin III. die Stadt 407 nochmals kurzfristig sichern, dennoch gelangte Mainz erst im Früh- bzw. Hochmittelalter zu neuer Blüte.

Wirtschaft

Mogontiacum war ein wirtschaftlicher Knotenpunkt. Einerseits bot die massive Militärpräsenz hier eine große Zahl an Konsumenten, andererseits lag die Stadt einerseits am Rhenus als wichtige Transportader, dazu an wichtigen Straßen nach Colonia Claudia Ara Agrippinensium, Augusta Treverorum, Borbetomagus und über Altiaia (Alzey) bis nach Gallia. Schließlich ermöglichte die Rheinbrücke seit flavischer Zeit auch eine direkte Reise ins freie Germanien und in Richtung Raetia.

Die Versorgung der Truppen und der Zivilbevölkerung erfolgte nicht nur über Handel, sondern auch lokal durch zahlreiche villae rusticae im Umland der Stadt und eine Vielzahl von Handwerksbetrieben. So gab es offenbar eine größere Ansammlung vom Schustern im Bereich der heutigen Emmeranstraße (damals die Straße vom Lager zum Rhein), Töpfer um das heutige Regierungsviertel, metall-, bein- und lederverarbeitende Betriebe am Nordende der Siedlung sowie Waffenschmieden. Der vicus bei Weisenau spezialisierte sich im 1. Jahrhundert dagegen scheinbar auch auf die Töpferei. Hier lag außerdem eine Lampenfabrik (möglicherweise ein Militärbetrieb).

Topographie

Es lassen sich heute verschiedene Gebäude der Stadt nachweisen, die teilweise noch erhalten sind. Insgesamt war Mogontiacum vermutlich in mehrere vici unterteilt, von denen das größte zwischen dem Legionslager auf dem Kästrich und dem Rhenus nachgewiesen ist. Darüber hinaus finden sich Spuren von Siedlungen südlich in Mainz-Weisenau, wo bis zum ersten Jahrhundert n. Chr. ebenfalls ein kleines Militärlager mit einem keltisch bevölkerten Handwerkervierteln gefunden wurde. Ebenso befand sich auch gegenüber des Siedlungszentrum in Mainz-Kastel ein castrum mattiacorum, um das sich eine kleine Zivilsiedlung bildete.

Ein Aquädukt führte von einer Quelle im heutigen Stadtteil Mainz-Finthen bis zur Südecke des Doppel-Legionslagers auf dem Kästrich. Es verlief zu Beginn unterirdisch, wurde dann zu einer Rinne, um die letzten 3 km als Sandstein-Aquädukt zum Lager zu laufen. Sein Fassungsvermögen wird auf 6000 bis 7000 m³ geschätzt. Man geht weiterhin davon aus, dass diese Wassermengen nicht nur zur Versorgung des Legionslagers dienten, das auch Sammel- und Verteilerbecken aus flavischer Zeit beherbergte, sondern auch teilweise der Stadt zur Verfügung gestellt wurden. Diese hatte durchaus Bedarf: nahe des heutigen Staatstheaters existierte seit 33 n. Chr. eine größere Therme, nach deren Zerstörung im zweiten Drittel des ersten Jahrhunderts ein neues Bad am Flachsmarkt.

Über den Rhenus führte etwa 30 m nördlich der heutigen Theodor-Heuss-Brücke eine 700 m lange Pfahlrostbrücke, die auf mindestens 18 Pfeilern in einem Abstand von 21 bis 34 m ruhte. Jeder dieser Balkenroste hatte eine Fläche von 12 x 7 m und war an der Strömungsseite mit einem dreieckigen Wellenbrecher versehen. Sie entstand vermutlich um 27 n. Chr.

Zwischen den verschiedenen Siedlungskernen, sowie in Richtung Osten befanden sich verschiedene Gräberfelder. Sie zogen sich nach römischem Vorbild vor allem entlang der Hauptstraßen und bestanden teils aus eindrucksvollen Grabmonumenten. Besonders fallen hierbei 3x3 m große Gräber auf, die jeweils mit einer Einlassung für einen Altar oder Schrein versehen waren. Einige davon gehören Veteranen, die sich nach Ende ihrer Dienstzeit in der Zivilsiedlung ansiedelten. Die aktiven Soldaten des 1. Jahrhunderts wurden dagegen am Westhang des Zahlbachtals auf einem großen Militärfriedhof bestattet, der später vor allem von den canabarii genutzt wurde.

Häfen

Die Stadt hatte über die Rhône, Saône, Mosel und Rhein Anschluss ans Mittelmeer und wurde entsprechend vor allem über diese Flüsse versorgt. Dafür besaß sie gleich mehrere Häfen:

Der wohl älteste und wichtigste Hafen befand sich am sog. "Dimesser Ort", 2,5 km nördlich des Legionslagers. Obwohl dieser Bereich, der durch eine Hafenmole aus Gussbeton und verschiedene Funde belegt ist, wohl nur über eine Brücke erreichbar war und relativ weit vom Lager entfernt lag, besaß er offenbar eine große Bedeutung. Darauf weisen große Lagerhäuser und zahlreiche Funde für Transportamphoren, aber auch die Lage des zivilen Zentrums an dieser Stelle hin. Darüber hinaus waren hier offenbar auch Marineeinheiten stationiert, die vermutlich der hier liegenden Legion unterstanden.

Ein weiterer Frachthafen, der ebenfalls früh genutzt wurde, befand sich in Mainz-Weisenau, wo Landungsstellen für Flachboote (Prähmen) und Amphorenfunde bekannt sind. Die zivile keltische Bevölkerung scheint dagegen eher im späteren Zentrum (heute Altstadt/Dagobertstr.) ihre Anlegestellen gehabt haben. Schließlich lässt sich im heutigen Brand weiter stromaufwärts noch eine Hafenanlage nachweisen, an der offenbar ebenfalls Kriegsschiffe anlegten, die teilweise auch in Schiffshäusern eingelagert wurden. Die starke Militärpräsenz sorgte vermutlich auch dafür, dass am Rhein keine Schiffsgilden entstanden, die den zivilen Warentransport regulierten, sondern der Verkehr direkt von den Flussflotten beaufsichtigt wurde.

An verschiedenen Fundorten lassen sich somit verschiedenste Schiffstypen finden: Liburnen, Lusorien (Ruderkriegsschiffe), Iudicaria (größere Flusschiffe für den Transport von Beamten, ausgestattet mit einem Tonnendach auf Deck als Sonnenschutz), Caudicaria (Transportschiffe) und Kleinboote.

Eine große Bedeutung hatte auch die Flößerei auf dem Rhein, da das städtische Umland wohl bereits im 2. Jahrhundert weitgehend abgeholzt war. Darauf deuten auch Funde großer Holzbalken hin, die von hier vermutlich auch rheinabwärts bis in die Stützpunkte in Germania inferior und Belgica weitertransportiert wurden.

Tempel und Heiligtümer

Auch wenn Mogontiacum über kein Stadtrecht verfügte, war es in seiner Region, aber auch über die Provinzgrenzen hinweg ein kultisches Zentrum. Besonders die Drusus-Feierlichkeiten im Zusammenhang mit dem Kaiserkult zogen Vertreter aus ganz Gallien in die Stadt am Rhein. Daneben sind aber zahlreiche weitere Heiligtümer belegt, von denen bisher neun auch archäologisch verortet werden konnten. Die Tempel des Iuppiter, der Iuno und der Minerva können allerdings nirgends nachgewiesen werden, auch wenn man sie im Bereich des heutigen Dombezirks vermutet. Ebenso gibt es keine sicheren Nachweise für ein Heiligtum des Apollo, das wohl in der Nähe der Rheinbrücke lag und durch die Stiftung eines Legionslegaten belegt ist. Ähnlich ungenau lassen sich ein Bellona-Heiligtum in Castellum und ein Sacellum des Mercurius zwischen Altstadt und Mainz-Hechtsheim verorten. Völlig unbekannt ist schließlich die Lage von Kultplätzen des genius loci, des bonus eventus und der Fortuna Conservatrix.

Nachweisbar ist allerdings ein Mitraeum am heutigen Ballplatz, dessen frühe Einrichtung (70-80 n. Chr.) ein Beweis für die rasche Verbreitung orientalischer Kulte auch in den Nordprovinzen ist. Dass es darüber hinaus mit einer Länge von ca. 30 m eines der größten derartigen Bauten überhaupt ist, unterstreicht seine Bedeutung. Ähnlich aufsehenerregend galt der Fund des Tempels der Isis und der Magna Mater unterhalb der heutigen Römerpassage. Auch hier konnte ein Bau in vespasianischer Zeit belegt werden, was auch für diesen Kult erstaunlich früh erscheint. Er maß etwa 16 x 16 m und war kein klassischer römischer Tempel mit Innenhof, sondern ein Sakralbezirk mit einem verschachtelten Fachwerkbau. Dessen Zentrum bildete ein Brunnen, der vermutlich zum Schöpfen "heiligen Nilwassers" verwendet wurde, das bei den Kulthandlungen eine Rolle gespielt haben könnte. In unmittelbarer Nähe befanden sich außerdem eine Feuerstelle zur Darbringung von Brandopfern, Depotgruben für Opfergaben und zwei weitere Fachwerkgebäude mit Herd und Brunnen, die vermutlich zu der Anlage gehörten. Die Bedeutung dieses Heiligtums unterstreichen Votivtafeln eines Procurator Augusti. Darüber hinaus sind magische Puppen und Fluchtafeln im Kontext der Anlage erhalten.

Etwas außerhalb der Stadt befanden sich weitere Tempelanlagen von wahrscheinlich überregionaler Bedeutung. In Mainz-Finthen an der Straße nach Bingium lag etwa eine Anlage zu Ehren des Mercurius und der Rosmerta. Erhalten sind hier zwei Brunnen und zwei Gruben, ebenso zahlreiche Weihesteine, vor allem von Veteranen, Votivgaben wie kleine Statuen, Heroldsstäbe, Ringe und Gefäße. Das Herz dieser Anlage bildete vermutlich ein gallorömischer Umgangstempel. Ebenfalls vor der Toren lag aber auch der Tempel des Mars Loucetius und der Nemetona, einer keltischen Kriegsgöttin. Dieser war wahrscheinlich das Stammesheiligtum der im Mainzer Raum ansässigen Aresaker, die das Heiligtum wohl auch betreuten. Hier ist aus flavischer Zeit auch die Stiftung eines römischen Senatorenehepaars bezeugt.

Iuppitersäule

An der Stelle der heutigen Sömeringstr. 6 wurde vermutlich 59 n. Chr. zu Ehren des Kaisers Nero eine 9,14 m hohe Iuppiter-Säule errichtet, um für die Rettung des Kaisers vor der Pisonischen Verschwörung zu danken. Stifter waren vermutlich die wohlhabenden Kaufleute des "Dimesser Ortes". Als Nero später der Damnatio memoriae verfiel, wurde sein Name getilgt.

Auf dem korinthischen Kapitell stand über 3 m hohe vergoldete Bronzefigur des Himmelsgottes mit einem Blitzbündel und einem Adler zu seinen Füßen. Auf der Säulentrommel waren dagegen 28 römische und keltische Gottheiten abgebildet, darunter Neptun, Diana, Victoria, Mars, Roma, Ceres, Vulcanus, Vesta, Bacchus, Luna und Sol, vermutlich aber auch Personifikationen wie Virtus oder Pax. Die Basis war schließlich wie ein Altar gestaltet. Im Sockel befand sich außerdem eine Inschrift:

I(ovi) O(ptimo) M(aximo)
pro [sa]l[ute] [ [Nero
nis] ] Clau[d]i Cae
saris Au[g(usti)] Imp(eratoris)
canaba[rii] Pu[bl]ice
P(ublio) Sulpicio Scribonio
Proculo Leg(ato) Aug(usti) p[r(o) P]r(aetore)
cura et impensa
Q(uinti) Iuli Prisci et
Q(uinti) Iuli Aucti

Darunter wurde auf der Gesimsplatte auch der Name der beiden Künster mit dem Satz "[S]amus et Severus Venicari f(ilii) sculpserunt" festgehalten.

Sie war Vorbild für verschiedene andere Iuppitergigantensäulen in den beiden germanischen Provinzen.

Drusus-Kenotaph und Theater

Nach dem Tod des Drusus während seiner Germanienfeldzüge 9 v. Chr. wurde der Leichnam des Feldherrn in Mogontiacum aufgebahrt, sodass die Truppen Abschied nehmen konnten. Bereits in diesem Jahr beschloss man, ein Ehrenmal für Drusus zu errichten und jährlich eine Gedächtnisfeier für ihn abzuhalten (vermutlich im October). Das Ehrenmal scheint in Form eines 4 m hohen Kenotaphs, also eines Scheingrabes gestaltet worden zu sein und stellt das größte Grabmal nördlich der Alpen dar (seine Überreste sind als Drususstein bekannt). Augustus stiftete für den Bau ein selbstgedichtetes Grabgedicht.

Die dort stattfindenden Feierlichkeiten bestanden aus zwei Teilen:

Zuerst veranstalteten die Legionen eine decursio militum, ein Trauerakt, der als Vorbeimarschieren an einem Scheiterhaufen, Grab oder Altar verstanden werden kann. Darauf folgte eine supplicatio der gallischen Gemeinden (die sich dem Drusus besonders verbunden fühlten). Dafür erschienen vermutlich Vertreter aller 60 gallischen Civitates, in deren Namen ein Priester als Vertreter des Provinziallandtags in Lugdunum den Manes des Drusus opferte, woraufhin es den Bürgern möglich war, ein persönliches Opfer darzubringen.

19 n. Chr. wurden die Feierlichkeiten auf den Drusus' Sohn Germanicus erweitert, der lange Jahre als Kommandeur beim obergermanischen Heer gedient hatte. Ihm errichtete man einen marmorner Ehrenbogen, vermutlich mit Tatenbericht und Statue. Die Feiern für Germanicus wurden auf dessen Todestag, also den 10. Oktober, gelegt. Auch die römischen Bürger Mogontiacums werden nun als an der Feier beteiligt angesehen.

Obwohl das Denkmal in den Wirren des Jahres 69 vermutlich zerstört wurde, kann von einer Wiederbelebung des Brauches 70 n. Chr. ausgegangen werden, möglicherweise nun erweitert und beiden Geehrten geweiht. Es kann also seitdem zweimal jährlich von einer Versammlung der gallischen Civitas-Vertreter ausgegangen werden.

In den Rahmen dieser Feierlichkeiten ist vermutlich auch das Theater einzuordnen, das bei der heute gleichnamigen S-Bahn-Station entdeckt wurde. Es handelt sich mit einem Durchmesser von 116,25 m, ca. 10 000 Plätzen und einer Bühne von 41,25 m um das größte derartige Theater nördlich der Alpen, weshalb von einer Einbindung in die Festspiele ausgegangen wird. Bei Sueton findet es um 39 n.Chr. auch literarische Erwähnung.


Aus dem dritten Jahrhundert n. Chr. ist außerdem der Dativius-Victor-Bogen erhalten, der wohl aus Überresten anderer Monumente zusammengebaut wurde und mit 6,5 m Höhe und einer Breite von 4,5 m ebenfalls beachtliche Ausmaße besitzt.

Nicht lokalisierbare Gebäude

Neben den verschiedenen Heiligtümern, die nur über Spolien überliefert sind, muss Mogontiacum als Provinzhauptstadt über weitere Großbauten verfügt haben. Dazu zählt etwa ein Statthalterpalast, dessen Lage umstritten ist. So wird er einerseits innerhalb des Doppellegionslagers vermutet, wo nach Abzug der einen Einheit Platz übrig gewesen sein dürfte. Verschiedene archäologische Befunde weisen dagegen andererseits hin, dass das Gebäude im Bereich Hintere Christofsgasse/Birnbaumgasse oberhalb des Rheinufers gelegen haben könnte (ähnlich wie in Köln).

Das Forum lag dagegen vermutlich am heutigen Schillerplatz, der wegen seiner zentralen, hochwasserfreien Lage dafür besonders geeignet gewesen sein dürfte, zumal hier mehrere wichtige Straßen kreuzten. Belege hierfür gibt es allerdings ebenfalls nicht.

Schließlich weisen mehrere Inschriften mit Bezug auf Gladiatoren auch auf die Existenz eines Amphitheaters hin, das bisher nicht lokalisierbar ist. Evtl. könnte dieses im Zahlbachtal gestanden haben, worauf Berichte aus dem Mittelalter über Ruinen an dieser Stelle hinweisen. Ein weiterer möglicher Standort liegt zwischen Hechtsheimer Berg und Altstadt, wo ein Autor des 18. Jahrhunderts ebenfalls Ruinen gefunden haben will.


Quellen:
Wikipedia: Große Mainzer Jupitersäule.
Wikipedia: Heiligtum der Isis und Mater Magna (Mainz).
Wikipedia: Mogontiacum.

Literatur:
Bellen, Heinz: Politik, Recht, Gesellschaft: Studien zur alten Geschichte, Stuttgart 1997.
Höckmann, Olaf: Mainz als römische Hafenstadt, in: Klein, Michael J. (Hg.): Die Römer und ihr Erbe. Fortschritt durch Innovation und Integration, Mainz 2003, S. 87-106.
Klein, Michael J.: "Von den Göttern verehren sie am meisten Merkur". Heiligtümer, Götterbilder und Inschriften aus Obergermanien und Raetien, in: Klein, Michael J. (Hg.): Die Römer und ihr Erbe. Fortschritt durch Innovation und Integration, Mainz 2003, S. 107-128.
Lebek, Wolfgang D.: Die Mainzer Ehrungen für Germanicus, den älteren Drusus und Domitian (Tab.Siar. Frg.I 26-34; Suet. Claud. 1,3), in: Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphik 78 (1989), S. 45-82.
Schumacher, Leonhard: Mogontiacum. Garnison und Zivilsiedlung im Rahmen der Reichsgeschichte, in: Klein, Michael J. (Hg.): Die Römer und ihr Erbe. Fortschritt durch Innovation und Integration, Mainz 2003, S. 1-28.
Wiegels, Rainer: Mogontiacum, in: DNP.

Persönliche Werkzeuge