• Die verstohlenen Blicke des Fräuleins waren nicht unbemerkt geblieben. In einiger Entfernung stand ein Mann in roter Militärtunika, Pugio und Gladius an der Seite. Misstrauisch war Scato stehen geblieben, die Capsa am Tragegurt quer über der Brust wies ihn als Capsarius aus. Er hatte sie soeben mit neuen Utensilien vom Markt befüllt. Zwar bot das Valetudinarium alles, was er benötigte, doch da er gern privat an seinen Kameraden und Bekannten herum experimentierte, wollte er dafür kein Armee-Eigentum veruntreuen. Seinen Heimweg, der ihn südlich um die Subura herumführte, hatte er nun in der Nähe des Porticus Liviae am Westhang des Esquilin unterbrochen. Dort schmiegt sich das Anwesen der Gens Tiberia an den Abhang. Die Häuser der großen Familien kannte er als Urbaner natürlich alle. Und nach den blutigen Ereignissen der letzten Zeit hatte er ein besonders wachsames Auge für dubiose Gestalten, die sich in deren Nähe herumdrückten.


    So trat Scato an das Mädchen heran. "Kann ich dir helfen?", fragte er. Die Worte waren freundlich gewählt, doch die Botschaft war eine ganz andere - wir haben dich im Blick. So rechnete er auch nicht damit, dass die junge Frau ihm eine ernstzunehmende Antwort gab, sondern dass sie eine Entschuldigung stammelte und sich verzog, so wie er es beabsichtigte. Dass Lumpengesindel das Haus der Patrizierfamilie am hellichten Tage observierte, gefiel ihm gar nicht.

  • Stella wurde aus ihren Erinnerungen gerissen, die mal und mal weniger schön waren. Mitunter war es eine Erlösung aus diesen Träumen der vergangenen Zeiten gerissen zu werden. Überrascht wich sie einen Schritt zurück, fast einem Sprung gleich. Nervös richtete sie ihren zerzausten Zopf, der zwar nicht ungepflegt wirkte aber sicherlich nicht einer kunstvollen Frisur einer römischen Frau entsprach. Der Zopf wirkte fast germanisch und barbarisch in seiner Flechtkunst. Die einfache Tunika wies ein paar Flecken am Schulterbereich auf. Es handelte sich um Asche und färbte die Schultern grau. Stella hatte sich ein wenig hinter der Villa umhergetrieben, um das alte Versteck zu finden, welches stets ihr Geheimnis gewesen war. Hilfe brauchte sie in der Tat aber nicht von einem Soldaten. Seine Tonwahl machte ihr klar, dass dies kein ehrliches Hilfsangebot war, sondern viel mehr eine Warnung. Vermutlich Stadtkohorten. Insoweit kannte Stella noch die Organisationen in Rom, da ihr Vater großen Wert darauf gelegt hatte, dass sie Aufmachungen und Uniformierung unterscheiden konnte. Stella kratze sich nervös am Hals, da sie eigentlich nicht mit einem Miles gerechnet hatte. Soldaten machten sie immer nervös (eine Ausnahme war ihr Vater gewesen). Die junge Frau brachte nicht sofort ein Wort hervor und blickte den armen Soldaten einfach mit großen Augen an, während ihr ausgetretenen Sandalen nervös über den Boden kratzten.


    "Ich erinnere mich nur," platzte es ihr heraus und Stella gab damit mehr preis, als sie eigentlich wollte. Wenn sie nervös wurde, machte sie dumme Dinge. Noch dazu war sie ungeschickt und tollpatschig. Niemand würde glauben, dass ihr Vater sie tatsächlich in einigen Kampffertigkeiten ausgebildet hatte. Doch Stella konnte sich verteidigen aber hatte im Laufe der Zeit viel vom Training vergessen, welches einst regelmäßig stattgefunden hatte. Ihr Vater wollte seine Tochter beschützt wissen, auch wenn er nicht Zuhause weilte. Nach den Aufständen und vielem, was geschehen war, sah er die Notwendigkeit gekommen, auch sie im Kampf zu schulen, was sicherlich erstaunlich und ungewöhnlich war. Auch ihre Mutter hatte dies unterstützt. Ihr Papa hatte ihr dadurch Courage vermittelt. Eine Tapferkeit und Selbstvertrauen, welches sie durch die schweren Zeiten gebracht hatte. Doch diese Fertigkeiten wurden hier nicht gebraucht. Stella war keine überzeugte Kämpferin, keine Amazone, und mit Sicherheit keine traurige Heldin, die sich an dieser Stelle opfern würde. Stella wollte einfach nur ein Zuhause finden. Einen Ort, wo sie sein konnte, und vielleicht eine Zukunft. Diese traurigen Augen blickten den Soldaten fordernd-mitleidig an.


    "Salve," grüßte sie ungeschickt im Nachsatz und versuchte ihrem Gesicht ein selbstsicheres Lächeln zu entlocken, was aber trotz aller aufgebrachter Willenskraft, schlicht auftauchte und sofort wieder verschwand. "Ich schaue mich nur um," wollte sie sich erklären und merkte in diesem Augenblick, dass dies wohl die falsche Aussagen gegenüber einem Soldaten war. Doch sie wollte sich jetzt nicht vertreiben lassen und ignorierte die freundlich formulierte Warnung mit einem kleinen mutigen Herzen. Immerhin war sie hier aufgewachsen, zumindest für einige Jahre. Es war ihr Stammhaus. Ihr Vater hatte es ja erst erneut erbauen lassen, nachdem es abgerbannt und bei Unruhen zerstört wurde. Alles an diesem Haus war Erinnerung. "Ich bin Stella," stellte sie sich vor und kratze sich dann nervös am Hinterkopf, wobei ihr Zopf wild umherwirbelte. Die Lumpenprinzessin nannte ihren wahren vollständigen Namen aus Vorsicht nicht. Zu viel Respekt hatte sie vor diesem Soldaten.

  • Dives befand sich gerade in seiner stattlichen Sänfte auf dem Rückweg aus der Innenstadt zur Domus Iulia und dachte an seinen kürzlich auf offener Straße ermordeten Cousin Caesoninus, als er sich plötzlich einer Eingebung gleich an einen Brief seines Cousins erinnerte. Darin hatte Caesoninus ihm damals über seine Erlebnisse als Aedituus berichtet: '... So flüchtete sich einmal ein Verfolgter vor der Praetorianergarde in den Tempel. Ich stellte mich schützend vor ihn und bot dem Anführer dieser Rüpel die Stirn, doch dieser ignorierte meine Widerworte und besudelte die Heiligkeit des Tempels durch Entfernung des Geflüchteten daraus. Ich vollzog danach ein Sühneopfer an Venus und rief sie dabei an, Rache an dem Gotteslästerer zu nehmen. Und wie es der Wille der Unsterblichen so will, hörte ich vor Monaten dann tatsächlich von seinem Tod in einem Gespräch mit einem Tempelbesucher. Venus Rache hatte also ihr Ziel gefunden. Der Name des Rädelführers soll Aulus Tiberius Verus gewesen sein...' (Selbstredend memorierte Dives keineswegs diesen exakten Wortlaut des Briefes. Doch die ungefähre Geschichte hatte er sich sehr wohl im Kopf behalten.)


    "Lasst uns einen kleinen Schlenker fahren, sodass ich auf dem Heimweg noch einmal kurz einen Blick auf die Villa Tiberia werfen kann.", sprach der Senator zu seinem neben der Sänfte her laufenden Privatsekretär Saras. "Ihr habt den Dominus gehört.", erklärte der daraufhin nur vergleichsweise schlicht den Sänftenträgern, die schließlich weitaus besser als der erst kürzlich in den divitischen Haushalt aufgenommene Saras wussten, wo sich diese Villa Tiberia genau befand. "Einen Termin dort hast du aber nicht, oder, Dominus?", versicherte sich der Iberer nach kurzem Schweigen mit einer kleinen Spur von Unsicherheit in der Stimme. "Keine Sorge, du hast keinen Termin vergessen.", schmunzelte der Iulier. "Und ich möchte auch nicht anklopfen lassen oder intendiere, dort irgendjemanden zu besuchen. Ich würde einfach nur gerne einen Blick auf das Haus werfen." Saras nickte. "Ich verstehe." Im Straßenlärm beinahe untergehend lachte der Iulier in seiner Sänfte einmal müde auf. "Das wage ich zu bezweifeln, Saras. Das wage ich zu bezweifeln..." Doch hier und jetzt war nicht der richtige Zeitpunkt, den Privatsekretär über die Geschichte aufzuklären und ihm davon zu erzählen, wie zu Zeiten des cornelisch-vescularischen Bürgerkriegs Dives einem Tiberius Lepidus half; wie die beiden in der Folge gar politische Verbündete wurden, die sich regelmäßig zu 'konspirativen Gesprächen' in den Thermen trafen; wie Lepidus irgendwann einen Gefallen für einen Verwandten Tiberius Verus erbat - und Dives diesen gerne gewährte; und wie sich jener Tiberius Verus am Ende kaum undankbarer dafür hätte zeigen können...


    Zitat

    Original von Sisenna Iunius Scato & Tiberia Stella


    "Wir sind da, Dominus.", erklärte Saras, kurz nachdem die Sänfte am Rande der Straße - es sollte schließlich niemand blockiert und damit ein Stau verursacht werden - abgesetzt wurde. Während sich die Sänftenträger einen Augenblick des Durchatmens gönnten, sah sich Saras ein wenig um: Die Straße war augenscheinlich gut frequentiert, wie die Straßen von Roma aber auch allgemein sehr viel voller waren als im verglichen damit nahezu beschaulich ruhigen Bovillae. Als er nur wenig entfernt einen Soldaten erspähte, der auf den ersten Blick mit einem jungen Mädchen zu flirten schien, musste Saras herzlich grinsen. Er wusste selbst nicht so genau, warum.
    Dann endlich, es verging tatsächlich erst einige Zeit, wagte der Iulier einen Blick aus seiner Sänfte zu riskieren. Es verging noch ein weiterer Augenblick, dann gab er sich einen Ruck, der Sänfte zu entsteigen. Seine Senatorentoga war mittlerweile doch ein wenig schwitzig vom Tag, doch ließ sich Dives davon nichts anmerken. Man konnte schließlich nie wissen, hinter welcher Fensterluke des Hauses womöglich zwei Augen nur darauf warteten, einen Anlass zum Tratsch zu entdecken. "Oh.", entwich dem Iulier jedoch schon kurz darauf ein Ausdruck des Erstaunens. Denn von dem einstigen Glanz, der ihn selbst bei seinem Besuch der Villa vor vielen Jahren empfing, erkannte der Senator in diesem Moment nicht mehr viel.

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    Klient - Marcus Vinicius Hungaricus

  • Abermals hatte ihr Dominus sie davon geschickt. Immer dann wenn er besondere Gäste empfing. Oder sie sein Badewasser bringen sollte. Doch diesmal hatte ihr der Magus einen Stapel Wachstäfelchen in die Hände gedrückt. Diese Wachstäfelchen sollte sie an die rechtschaffenen Römer und Römerinnen verteilen. So wünschte es ihr Dominus. Während sie die kleinen Wachstäfelchen fest gegen ihre Brust presste, verließ Eireann in diesem Augenblick die Subura und näherte sich dem Viertel der Reichen und Schönen Romas. Unwillkürlich zupfte sie den Schleier tatsächlich tiefer in ihr Gesicht und lauschte zugleich mit gespitzten Ohren. Denn sollte sie Schritte sich nähernder Soldaten hören, würde sich die Dunkelhaarige rasch verbergen. Doch bisher war es ihr äußerst gut gelungen den Soldaten auszuweichen. Und so sollte es auch bleiben.


    Mit hart pochendem Herzchen ließ die Keltin ihren Blick über die hübschen Häuser der Reichen und Mächtigen gleiten. Und spürte für einen kurzen Augenblick eine tiefe Sehnsucht, gepart mit Eifersucht. Hätte sie ihrem Hass damals nicht nachgegeben, dann wäre sie höchstwahrscheinlich Sklavin in einem dieser Häuser geblieben. Jetzt hielt man sie für eine Bettlerin und drückte ihren Kopf in den Staub. Ein abruptes Kopfschütteln sollte diese düsteren Gedanken vertreiben und Eireanns Kopf empor recken. Denn da näherte sie sich bereits den belebteren Gassen.
    Auf den Wachstäfelchen war folgendes zu lesen.


    Anis von Alexandria
    Wahrsager - Astrologe -Magus
    uralte aegyptische Tradition
    Alle Geheimnisse werden offenbart, nichts bleibt meinem Auge verborgen
    Weissagungen, Nekromantia, Liebe, Problemlösung
    hier
    ROMA


    Nur leider war die Keltin außer Stande die Schriftzeichen zu entziffern. Denn des lesens und schreibens war Eireann nicht mächtig. Und doch würde sie ihre Aufgabe sehr ernst nehmen. Schließlich kannte sie die Bestrafungsmethodik ihres Dominus und wollte nicht das sich sein Blick mit diesem enttäuschten Glanz in den Augen auf ihr niederlegte.
    “Habt ihr Träume die euch quälen? Anis von Alexandria wird euch dabei helfen wieder friedlich zu schlafen.“
    Ließ die Dunkelhaarige ihre Stimme erklingen und drückte Tiberia Stella eines der Täfelchen in die Hand. Dabei musterte die Keltin die junge Römerin neugierig.

  • Scato musterte die Frau. Die Aussage, dass sie sich erinnern würde, klang ehrlich. So sprach wohl keine Diebin, die sich an den Überresten alter Größe bereichern wollte. Er nahm eine entspanntere Körperhaltung an.


    "Dieses Haus wirkt verwaist", sagte er nachdenklich, da er nicht den Eindruck hatte, dass hier noch Sklaven irgendetwas bewirtschafteten. Vielleicht war die heruntergekommene Frau einst Sklavin oder Freigelassene der Gens gewesen? "Die Zeiten sind gefährlich, Stella. Deine Absichten mögen gut sein, aber wie wirken sie? Die Urbaner sind so angespannt wie die Lage es gebietet. In die lange Liste der ungeklärten Todesfälle reiht sich auch der eine oder andere Patrizier."


    Womit er auf den plötzlichen Tod des Tiberius Caudex anspielte, ohne zu sehr ins Detail zu gehen. Stella sollte nun verstehen, warum er sie überhaupt angesprochen hatte. In dem Moment kam eine Sänfte des Weges und ein Mann in Senatorentoga stieg aus. War die Villa am Ende doch nicht so verwaist, wie es gewirkt hatte? Scato trat respektvoll ein wenig zur Seite, denn den Weg versperren wollte er dem Senator nicht.


    Die Unsinn brabbelnde Sklavin ignorierte Scato, er war hier zu erst gewesen und würde das Gespräch ungestört fortsetzen. Wenn sie ihn nervte, ließ sich ein Vorwand finden, sie erneut für einige Wochen im Carcer verschwinden zu lassen. Oder vieleicht waren es dann auch einige Monate oder Jahre. Sie kannte ihn und wusste, was er von ihr hielt. Wenn sie dennoch provozierte, war das nicht sein Problem.

  • Rom war verrückt. Das musste sie immer denken, bei diesen Zufällen, die ihr hier widerfuhren. Stella brauchte einen Moment, um zu realisieren, was gerade geschah. "Ehm," machte sie und blickte sich etwas verstört um. Erst diese merkwürdige Sänfte, dann eine Frau, die ihr einfach ein Täfelchen in die Hand drückte und irgendwas von einem Typen aus Alexandria laberte und schlussendlich der Soldat, welcher das offensichtliche bemerkte. Ja, ihr Stammhaus war verwaist. Kurz blickte Stella auf das Täfelchen, dann zur Frau, die sehr unseriös auf sie wirkte, und dann sehr intensiv zum Soldaten, der etwas sehr wichtiges gesagt hatte. Etwas, was ihr helfen konnte, der Sache auf den Grund zu gehen, was ihrer Familie widerfahren war. Sie erlaubte es sich, die merkwürdige Täfelchenverteilerin zu ignorieren, auch wenn das Täfelchen sicherlich ein gutes Gewicht in den Händen abgab, um ein wenig die Nervosität zu vertreiben. Stella begann nervös damit in ihren Händen zu spielen. Die Sänfte ignorierte sie vorerst ebenfalls, da hohe Herren ohnehin nicht mit ihr sprechen würden und sie keinerlei Bezug zu der Sänfte hatte, auch wenn sie aufgeschlossen war. Solange diese Person sie nicht direkt ansprach, würde sie sich nicht trauen. Dem Soldaten galt ihre ganze Aufmerksamkeit, denn er hatte notwendige Informationen."Todesfälle?" Eine rhetorische Frage, denn Stella sprach sofort weiter."Es heißt, dass die gesamte Familie ausgelöscht ist," erklärte sie. "Mir ist sehr wohl bewusst, dass die Zeiten gefährlich sind," sagte die junge Tiberia in einem ernsten Tonfall. Ihr war es sogar ganz deutlich bewusst, da sie genau unter diesen Zeiten gelitten hatte: versteckt auf einem Landgut, ohne Namen, ihr Vater höchstwahrscheinlich tot und ohne Familie in Rom. Es tat weh, dass dieser Mann das beiläufig erwähnte, was sie jeden Tag erdulden musste. Die Trauer traf erneut. Am liebsten hätte sie ihm entgegen geschrien, dass sie selbst eine Tiberia war und endlich wissen wollte, was hier geschehen war. Doch das konnte sie nicht. Stella entschied sich stattdessen, den Soldaten zu prüfen, ob er vertrauenswürdig war. "Was weißt du über diese Familie, die einst hier gelebt hat?" Eine Frage, die Stella viel bedeutete. Es ging nicht nur darum, was ihr Name in Rom zurückgelassen hatte, sondern auch, was die letzten Jahre hier passiert war. Stella musste einfach wissen, was hier vor sich gegangen war. Auch wollte sie einfach wissen, was ihr Name für einen Soldaten ganz persönlich bedeutete. War mit dem Namen Tiberius Leid verknüpft oder doch mehr als das? Stella legte ihren Kopf leicht schief und blickte mit ihren traurig-großen Augen direkt in die Augen des tapferen Soldaten, der munter seinem Dienst nachging und sie eigentlich als Lumpenprinzessin vertreiben wollte. Es aber nicht getan hatte. Stella blinzelte, als unweit die Person tatsächlich der Sänfte entstiegen war. Jetzt erkannte sie die Farben seiner Toga, die etwas schwitzig war und erkannte einen Senator. Gut so, dass auch Senatoren schwitzen konnten. "Der Senator beäugt das selbe Ziel," sagte sie halb im Scherz und lächelte sehr liebevoll zu Scato, der in dieser Sekunde fast wie ein Freund war, auch wenn er sicherlich kein Freund war. Stella nahm das Gespräch mit diesem Soldaten inzwischen als normal wahr und er war der erste an diesem Ort der Trauer, der sie als Person wirklich wahrgenommen hatte, wenn auch unter anderen Vorzeichen. "Scheinbar ist dieses Haus jetzt ein öffentlicher Treffpunkt geworden," sagte sie und versuchte dabei belustigt zu wirken, was ihr aber misslang, da in ihrem Gesicht immer noch die Maske der Trauer und Einsamkeit lag, die sie nie ganz aus dem Gesicht löschen konnte.

  • Zitat

    Original von Sisenna Iunius Scato und Tiberia Stella


    Die Anweisung ihres Dominus klang noch immer in Eireanns Ohren nach. Sie sollte die Wachstäfelchen an die römischen Bürger verteilen. Und dabei achtgeben das sie keinem römischen Soldat auffiel. Am liebsten hätte die Keltin erwiedert das sie es tunlichst vermied die Gegenwart der römischen Soldaten zu suchen. Nicht nach ihrem zweimaligen Carcerbesuch. Die Wachstäfelchen presste die Dunkelhaarige fester gegen ihre Brust und verteilte bereits einige der Täfelchen auf ihrem Weg in das Viertel der Reichen und Schönen.
    “Anis von Alexandria wird euch bei all' euren Problemen helfen können.“
    War Eireanns Stimme zu vernehmen. Als sie im nächsten Moment einer jungen Römerin eine der Wachstäfelchen in die Hand drückte. Wenn die junge Römerin die Wachstafel behielt, konnte die Keltin dies bereits als Erfolg verbuchen. Ob ihr Dominus mit ihr einer Meinung war, würde sich früher oder später noch herausstellen.


    Den römischen Soldat, der sich in unmittelbarer Nähe zu der jungen Frau befand, schien Eireann erst zu bemerken als es bereits zu spät war. Ein rascher Blick in Scatos Gesicht und Eireann lief es eisig den Rücken hinunter. Dabei tat sie hier noch nicht einmal etwas illegales oder beging eine Straftat. Sie verteilte lediglich Wachstäfelchen an die römischen Bürger und Bürgerinnen. Auch Scato bekam eine der Wachstafeln in die Hand gedrückt. Ob er zupackte oder die Wachstafel in den Staub fiel, bemerkte die Dunkelhaarige schon nicht mehr.


    Zitat

    Original von Marcus Iulius Dives


    Denn ihr Augenmerk hatte sich auf die Sänfte gelegt, aus der ein gewichtig aussehender Römer entstieg. So näherte sich die Sklavin eben jenem Römer und hielt ihm eine der Wachstafeln entgegen.
    “Habt ihr Träume die euch quälen? Anis von Alexandria wird euch dabei helfen wieder friedlich zu schlafen.“
    Wiederholte Eireann ihre Worte und hielt Marcus Iulius Dives eine der Wachstafeln entgegen.

  • Lurco und Pullus traten zu ihrem Kollegen. Beide beobachteten das sich bietende Schauspiel. Die geistig angeschlagene Sklavin war wieder unterwegs und machte wie üblich Ärger.


    Lurco ergriff die Wachstafel in Scato Händen und schlug sie auf, überflog das ganze Geschmiere und gab sie zurück.


    Als die Sklavin dann auch noch einen Bürger in Sänfte belästigte war das Maß voll.
    Lurco schnappte sich die Sklavin von hinten, verdrehte ihr den Arm auf den Rücken und führte sie zurück zu Scato.


    "Du bist verhaftet - Unlauteres Werben und Belästigung!


    Jeder der Werbung verteilen möchte, muss sich bei der zuständigen Behörde des Ortes, an dem er Werbung verteilt, erkundigen ob Werben erlaubt, Kosten- und Genehmigungsfrei ist oder ob dafür Gebühren anfallen.


    In den meisten Fällen fallen Gebühren an.


    Ferner ist darauf zu achten, das niemand belästigt und genötigt wird. Der Belästigte kann gegen Dich vorgehen und Du wirst nie wieder eine Genehmigung für das öffentliche Werben durch Verteilen erhalten. Zudem schadet es dem Ansehen Deines Herren.


    Herrchen wird wie üblich über Dein Fehlverhalten informiert. Sobald dieser die Genehmigung für eine Werbeerlaubnis vorgelegt hat, werden wir weiter sehen. Deine Zelle wartet. Vielleicht sollten wir sie Dir gleich freihalten.


    Scato ich bin dann mal wieder unterwegs", erklärte Lurco tonlos und zückte sein Schwert.


    "Abmarsch", befahl Lurco und führte gemeinsam mit Pullus die Sklavin davon.



    Weiter geht es in "Falsch Geworben":
    https://www.imperiumromanum.ne…?postid=924472#post924472

  • "Salve, Lurco ... und vale", grüßte er, auch wenn sein Kamerad keine Zeit hatte, ihn zurück zu grüßen.


    Verwirrt schaute Scato zwischen der Wachstafel und der Sklavin hin und her. Manche lernten nicht dazu. Wenig später hatte sein Kamerad sie abgeführt. Scato zuckte mit den Schultern und überflog die Wachstafel.


    "Anis von Alexandria", murmelte er. "Das ist der Herr dieser Sklavin. Arme Sau, dieser Anis." Die Wachstafel behielt er - man konnte sie wiederverwenden. Er richtete sein Augenmerk wieder auf Stella. "Wo waren wir? Die Todesfälle. Natürlich weiß ich einiges darüber. Aber aus ermittlungstaktischen Gründen bin ich allerdings zur Verschwiegenheit verpflichtet."


    Unter anderem, weil überhaupt keine Ermittlungen liefen, über die er etwas hätte berichten können ... was merkwürdig genug war. Das Mädchen schenkte ihm ein freundliches Lächeln, das Scato kaum merklich erwiderte. Er konnte im Dienst nicht einfach rumgrinsen, auch wenn er das privat gern tat.


    "Du hattest einen persönlichen Bezug zu dieser Familie, nicht wahr? Vielleicht kann der Senator dir mehr sagen als ich. Er scheint auch zu diesem Haus zu wollen." Er nickte ein wenig in dessen Richtung.

  • Zitat

    Original von Manius Purgitius Lurco


    Einige der Wachstafeln hatte Eireann bereits verteilen können. Ihr Dominus wäre bestimmt stolz auf sie. Und genau das wollte die Keltin erreichen. Das der Magus stolz auf seine Sklavin war. Auch die Soldaten bekamen jeweils eine der Wachstafeln in die Hände gedrückt. Bevor das Unheil auch schon seinen Lauf nahm. Als Lurco näher trat und sie äußerst grob packte, ließ Eireann vor Schreck die üblichen Wachstäfelchen fallen. Diese lagen nun verstreut im staubigen Sand der Straßen. Zeitgleich wehrte sich die Keltin gegen den harten Griff des Mannes. Dabei rutschte ihr Schleier vom Kopf und man konnte Eireanns vor Wut funkelnde Augen erkennen.
    “Mein Dominus wollte das ich die Wachstäfelchen verteile. Ich habe nichts verbotenes getan.“
    Knurrte die Dunkelhaarige und biss sich auch schon auf ihre Unterlippe. Denn die Ermahnung ihres Dominus hallte durch ihre Gedanken; sie sollte kein Aufsehen erregen. Dies hatte die Keltin auch vorgehabt, nur schienen es die beiden Urbaner auf sie abgesehen zu haben. Als dann auch noch eine Klinge aufblitzte, bröckelte jeglicher Widerstand und die Sklavin mit dem Eisenreif um den Hals ließ ihren Kopf hängen.
    “Das ist ...nicht gerecht.“
    Murmelte die Keltin immer wieder und ging mit erhobenem Kopf neben dem Urbaner her. Tz! Sie würde sich nicht einschüchtern lassen. Und ihre Schwarze Liste wurde um einen Namen erweitert.

  • Zitat

    Original von Eireann


    Selbstredend achtete die Gefolgschaft des Iuliers - insbesondere nach dem Mord am Vigintiviralis Iulius Caesoninus - mit Argusaugen darauf, dass dem Senator niemand so einfach zu nahe kam. Sehr entschieden trat daher der Iberer Saras vor die unbekannte Frau, die sich in seinen Augen doch gefährlich seinem Dominus nährte und dabei alles andere als vertrauenserweckend wirkte. Als sie dann auch noch ihre Hand ausstreckte - es sah aus wie eine Wachstafel, aber womöglich versteckte sie darin auch nur äußerst clever eine Waffe -, schlug Saras ihr den Gegenstand "todesmutig" aus der Hand. "Ganz vorsichtig, okay?!", knurrte er die Fremde dabei mit finsterem Blick an.


    Dives seinerseits war zunächst so in Gedanken an die alten Zeiten versunken, dass er erst mit dem Einschreiten seines iberischen Begleiters auf die auch ihm vollkommenden fremde Frau aufmerksam wurde. Im ersten Schreckmoment ein wenig überfordert - sein letzter Überfall, den er dereinst nur knapp überlebte, lag schon einige Jahre zurück - hörte er sich nur selbst denken: '...ihr..? ...euch..? Kommt sie etwa auch aus dem Osten?' Erst im zweiten Augenblick drang auch der Inhalt ihrer Worte bis zu ihm durch: Anis von Alexandria. Damit war zumindest die Frage nach dem Osten wohl geklärt.


    Zitat

    Original von Manius Purgitius Lurco


    Doch noch bevor er selbst etwas hätte sagen können, griff bereits ein Soldat ein und verhaftete die ihm augenscheinlich bereits bekannte Frau. Wahrscheinlich also handelte es sich tatsächlich um irgendeine Kriminelle - bestenfalls nur um eine gewöhnliche Diebin, schlimmstenfalls jedoch um die Mörderin von Caesoninus und Phoebe, die es nun auch auf Dives abgesehen hatte. Doch von letzterem Szenario wollte der Iulier schon um seiner eigenen geistigen Gesundheit Willen besser erstmal nicht ausgehen. So schnell würde er sich nicht einschüchtern lassen!


    "Was war das?", deutete er im Anschluss an die Verhaftung auf die zu Boden gefallene Wachstafel, die Saras der Frau zuvor aus der Hand geschlagen hatte. Der Iberer hob den Gegenstand auf und besah ihn sich kurz. "Eine einfache Tabula.", stellte er fest und begann zu lesen, da er bereits ahnte, was seinen Dominus als nächstes interessieren würde. "Und was steht darin geschrieben?", wollte der Iulier wissen. "Werbung für einen Anis von Alexandria. Angeblich ein aegyptischer Wahrsager und Astrologe... dessen Leute von den Soldaten der Stadt mit aller Entschiedenheit aus dem Verkehr gezogen werden. Ich vermute also, dass dies kein allzu seriöser Mann ist.", ließ sich Saras zu einer ungefragten Meinungsäußerung hinreißen. "Das würde ich auch sagen.", stimmte ihm der Senator dennoch beiläufig zu, während sein Blick kurz zuvor die weiteren Soldaten ausgemacht hatte. Die offensichtlich Kriminelle wurde von zwei der drei Männer abgeführt. Der übrige Soldat schien indes zu bleiben und unterhielt sich mit einer Frau.


    "Steck die Tafel trotzdem ein. Man weiß nicht, wofür man solche Dinge vielleicht nochmal brauchen kann.", erklärte er dann. Denn zweifellos intendierte Dives keineswegs, diese Gestalt aus Alexandria je aufzusuchen. Doch immerhin konnte er mit dieser Tafel in seinem Besitz nie den Namen dieses Anis vergessen: Wo dieser Name auftauchte, wäre vermutlich stets mit Kriminellen und Ärger zu rechnen.


    Zitat

    Original von Sisenna Iunius Scato & Tiberia Stella


    Während er die letzten Worte an seinen iberischen Sklaven richtete, setzte sich der Senator sodann in Bewegung. Er wollte mit dem gebliebenen Soldaten sprechen und wissen, wessen Aufmerksamkeit und entschlossenem Handeln er es zu verdanken hatte, dass der Schreckmoment nur vergleichsweise kurz dauerte und am Ende doch recht harmlos verlief. Wenigstens ein paar Worte der Dankbarkeit wären gewiss nicht unangebracht, selbst wenn der Iulier sich sicher war, dass die meisten Soldaten es als einfache Erfüllung ihrer Dienstpflicht ansahen und dafür keinen Dank erwarteten.


    "Salvete!", trat Dives also an die besagten Personen heran, während Saras wenige Schritte hinter ihm wie ein Schatten stehenblieb. Nach dem soeben Erlebten war es gewiss nicht verkehrt, dem Senator im wörtlichsten Sinne den Rücken frei zu halten. Wer wüsste schon, welche Gestalt sich andernfalls dort noch nährte. "Ich hoffe, ich störe nicht.", begann er zunächst mit einer freundlichen Entschuldigung. Denn zwar hatte er durch das Stimmgewirr der Straße nicht gehört, was zuvor zwischen dem Soldaten und der Frau gesprochen wurde. Doch das Nicken des Militärs in seine Richtung hatte er gesehen. An eben diesen Mann wandte Dives dann auch seine folgenden Worte. "Ich wollte mich auch nur eben kurz nach deinem Kameraden erkundigen, der mir diese... Person", wer oder was auch immer sie war, "vom Leib gehalten hat. Ich würde gerne wissen, wem ich mein sicheres und unbeschwertes Reisen auf dieser Straße zu verdanken habe.", erklärte er sein Anliegen. "Ich bin Iulius...", ging er davon aus, dass man seinen Senatorenstand auch ohne verbalen Hinweis erkannte, "...und bekanntlich waren die Straßen gerade für Mitglieder meiner Gens vor kurzem leider... zu unsicher.", holte er am Ende die Vorstellung seiner Person nach und begründete damit, weshalb er für ein sicheres und unbeschwertes Reisen gerade dieser Tage so dankbar war.

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  • Stella wollte ehrlich sein aber schwieg für einen Moment. Es gab hier nichts zu gewinnen, wenn sie ehrlich war und nur zu verlieren. Wie sanfte Harfenklänge war ihr Augenlicht in diesem Moment, als ihr seliger Fluch hereinbrach. Die Farben strahlten, die Töne wurden Wunder, und die Welt schien sich langsamer zu bewegen. Einst hatte sie geglaubt, dass dies eine Gabe der Götter war, inzwischen wusste sie, dass es Pluto war. Das Farbenspiel verband alle Lebenden, wie ein Spiel, und ließ ihre Geschichte in einer Melodie erklingen, die wunderschön war aber immer abrupt endete. Stella sah Musik und Töne. Die junge Frau erahnte, dass etwas nicht stimmte. Sie konnte nicht ausmachen, was er war aber ein Gefühl beschlich sie, dass dieser mit vielen weiteren Ereignissen verbunden war. Einen langen Atemzug später, als die Harfenklänge endeten, entgegnete sie dem Soldaten: "Ich verstehe aber ich glaube dir nicht ganz." Sie grinste frech, wobei ihre Augen den seltsamen Glanz behielten, der seine eigene Magie hatte. Natürlich kannte Stella die Sprechweise von Soldaten, denn ihr Vater war ebenso Soldat gewesen. Und solche Sätze waren stets mit einem Mangel an Informationen verbunden oder zu vielen Informationen, so dass man Gefahr lief, Menschen zu verunsichern oder die Ermittlungen tatsächlich zu gefährden. Doch in diesem Fall ahnte Stella, dass der Soldat etwas verschwieg, weil er das Thema aufgemacht hatte aber abrupt abbrach. Es war nur ein Gefühl. "Mein Vater war auch Soldat," meinte sie und erklärte damit ein Verständnis für die Zwangslage des Soldaten und versuchte ihm zu versichern, dass sie nicht weiter nachbohren würde.


    Schließlich sprach der Soldat eine Frage aus, die sie hart traf. Es war zu spät, jetzt zu flüchten, denn irgendetwas hielt sie an diesem Ort und bei diesem Soldaten. Ein Stich in ihr Herz ließ sie ihr Gesicht verziehen und ihre Augen funkelten in einer anderen Magie. "Ja," antwortete sie und rang mit sich, sich nicht direkt zu offenbaren. Stella wollte laut rufen, Pluto beschwören, und jedem zeigen, dass dieser Ort ihr Zuhause war. All dem Leid an diesem Ort, jetzt verwaist, bald Ruine, hatte sie ihr Herz anvertraut. Es lag eine Ironie darin, dass der Senator genau in diesem Augenblick auf die beiden Sprechenden zuging und sich an den Soldaten wandte. Stella wich einen Schritt zurück, da sie dessen Präsenz als einschüchternd empfand. Der Senator durchtrennte für einen Moment die Verbindung zwischen Stella und dem Soldaten, so dass sie etwas verloren neben beiden stand. Einsamkeit kroch über ihren Nacken, so dass sie plötzlich ein wenig fror. Der Senator interessierte sich nicht für Stella und die junge Frau überlegte, einfach zu verschwinden und diese merkwürdige Situation zu verlassen. Doch etwas hielt sie immer noch an diesem Ort fest. Eine fremde Macht flüsterte im Wind, dass sie bleiben solle. Es waren keine Worte, sondern wieder nur ein Gefühl, ein Gewissen und Gewissheit. Stella gehörte an diesen Ort, vorerst. Mit ihren sensiblen Augen beobachtete sie den Senator und den Soldaten, hielt sich zurück, um bei Zeiten wieder mit dem Soldaten zu sprechen, der ihr es seltsamerweise irgendwie angetan hatte.

  • Dass Misstrauen des Fräuleins fand Scato amüsant. Ein Urbaner war immerhin der Arm des Gesetzes und er fand sich selbst sehr vertrauenserweckend. Als Stella meinte, ihr Vater sei Soldat gewesen, nahm er sich vor, sich zu erkundigen, wo dieser gedient hatte, aber dann war schon der Senator bei ihnen und stellte sich selbst und sein Anliegen vor. So musste Stella sich einen Augenblick gedulden. Scatos Körperhaltung zeigte jedoch an, dass er vorhatte, das Gespräch mit ihr im Anschluss fortzusetzen.


    "Salve, Senator Iulius, ich bin Miles Iunius Scato", erwiderte Scato respektvoll den Gruß des Senators. Der Mann war vielleicht Mitte oder Ende zwanzig, hatte es aber im Leben augenscheinlich schon zu einigem gebracht, wie viele seiner Gens. "Du störst keineswegs."


    Vor allem, da Scato außerdienstlich unterwegs war, aber auch im Dienst hätte er sich Zeit für die Anfrage des Mannes genommen, sofern nicht gerade ein Notfall bestünde. Die Andeutung des Senators, dass die Straßen für Mitglieder seiner Gens zu unsicher waren, ließ Scato ein betroffenes Gesicht aufsetzen, das keineswegs geheuchelt war. Er verstand gut, dass der Mann sich Sorgen machte.


    "Der Kamerad ist Miles Purgitius Lurco, Cohors XII Urbana", informierte er entsprechend.


    Und da es sich um den Senator Iulius handelte, hätte Scato diesen auch über die Ermittlungsfortschritte im Falle des Todes der beiden Iulier informiert - wenn es denn welche gäbe. Aber genau wie im Falle des toten Tiberius waren die Ermittlungen noch nicht einmal begonnen worden. Tatsächlich gab es in allen drei Todesfällen noch nicht einmal einen Befehl zur Ermittlung oder einen Bericht, den man unauffällig hätte in irgendeinem Archiv verschwinden lassen können, wo er bis ans Ende aller Tage verstaubte. Es gab schlichtweg gar nichts. Es schien, als interessierte sich niemand für den Tod dieser ehrenwerten Menschen. Dafür nahm man sich stets ausgiebig Zeit, die Fälle irgendwelcher ungehorsamen Sklaven liebevoll aufzudröseln. Scatos betrübtes Gesicht nahm einen düsteren Ausdruck an bei diesen Gedanken. Dafür war er nicht Urbaner geworden. Aber er war nicht der Mensch, der viel jammerte, stattdessen suchte er nach für ihn realisierbaren Lösungen.


    "Kann ich irgendetwas für dich tun, Senator?", fragte er mit entsprechender Ernsthaftigkeit.

  • Stella wurde erst jetzt wirklich bewusst, dass die fremde Sklavin verschwunden war. Ja, sie war verhaftet worden. Einfach so. War ihr dies so gleichgültig gewesen? Nein. Doch glaubte Stella daran, dass es einen guten Grund geben würde. Es musste einen Grund geben, ansonten würde sich Stella ihr Schweigen nicht verzeihen können. Ihre Überforderung mit der Verhaftung hatte sie blind gemacht, da sie genau jenes Szenario immer mit Furcht versehen hatte. Stella hatte sich gefürchtet, selbst abgeholt zu werden. Diese Ängste konnten lähmen, Reaktionen verlangsamen und auch blind machen. Stella war blind für das Schicksal der Sklavin gewesen und in dieser Sekunde der Erkenntnis schämte sie sich dafür. Jetzt sprach der Soldat mit dem Senator und Stella war wieder an den Rand gedrängt. Am Rande fühlte sie sich wohl, denn dieses Gefühl wuchs, das Schicksal eines Menschen ignoriert zu haben. Ignoranz war ein Übel, das wusste Stella. Und sie selbst war überaus ignorant gewesen, auch wenn sie Angst gehabt hatte. Angst, die sie behindert und in einen anderen Ort gebracht hatte. Nein, sie wollte nicht mehr fliehen, sich nicht vor dieser Welt verstecken, auch wenn sie selbst daran nichts ändern konnte. Wenigstens konnte Stella die Dinge sehen, betrachten und wahrnehmen. Wenn sie jemanden ignorierte, war es so, als ob dieser niemals existiert hätte und alles wäre vollkommen bedeutungslos. Bedeutungslosigkeit war die große Furcht, die sie in diesem Atemzug peinigte. Egal, was sie jetzt glaubte, fühlte und wahrhaben wollte, es war bedeutungslos für die verhaftete Sklavin, die jetzt Soldaten ausgeliefert war. Ausgeliefert. Ein Gedanke, der Stella grauste, denn in ihren Albträumen waren die Verliese und Kerker ein grausamer Ort. Dorthin war die Sklavin auf dem Weg. Ja, auch ihr Vater hatte grausame Dinge tun müssen, Menschen in diese Abgründe verbannt und vielleicht sogar noch Schlimmeres, so dass Stella nicht weiter daran denken wollte. Stella wollte nicht an ihrem guten Vater zweifeln, der als Trecenarius mit Sicherheit nicht immer gut war. Erst jetzt bemerkte Stella, dass ihre eigene Geschichte, die sich selbst immer erzählt hatte, nicht wahr sein konnte. Was war dann noch wahr? Was war hier wirklich wahr? Stella zweifelte aufrichtig, geboren aus diesem Gefühl, ein Schicksal ignoriert zu haben. So war es wohl in Rom. War ihr Vater genau so gewesen? Hatte er Menschen abgeholt? Was hatte er noch getan? Einst hatte man seinen Namen niemals ausgesprochen, sondern ihn nur Trecenarius genannt. Einige nannten ihn Henker. War er ein Henker? Hatte er Menschen ermordet? Waren Soldaten alle grausam? Erst jetzt, wo sie diese einfache Verhaftung gesehen hatte, wurde ihr klar, was es wirklich hieß, Rom zu dienen. Rom, ein Name, der für Stella nicht die Bedeutung besaß, wie für ihren Vater. Für dieses höhere Ziel hatte ihr geliebter Vater sicherlich vieles geopfert. Stella wurde klar, dass sich hier mehr verbarg, als sie vielleicht wissen wollte. Ihr Vater war nicht nur der gute Vater, sondern auch Soldat und Soldaten handelten. Stella wollte weichen, als ihr Gesicht jede Farbe verlor, jeden Glauben, dass auch sie sicher sein konnte. Niemand war hier sicher. Niemals würde sie ein Zuhause finden, wo sie einfach frei sein konnte. Traurig wog die Erkenntnis über die einstige Warnung ihres Vaters. Er hatte Stella vor Rom gewarnt. Trostlos verweilte Stella neben dem Senator und dem Soldaten. Stella würde noch einen Moment brauchen, um ihre Zweifel zu ordnen und ihre Gedanken zu pflegen, bis sie wieder klar denken konnte.

  • Dives bemerkte durchaus, dass sich von seinem bewusst höflich an beide und entsprechend im Plural formulierten 'Salvete' offenbar nur der Soldat, nicht jedoch die junge Frau, mit welcher er sich zuvor unterhielt, angesprochen fühlte. Wahrscheinlich, so lag für ihn klar auf der Hand, störte er also doch - was der Miles zwar respektvoll verneinte, wofür er sich im Anschluss an diese iulische Störung aber gewiss seinen Teil würde anhören dürfen, so malte sich der Senator aus. Daher widerstand er dann auch dem Drang, bei der Nennung seines Namen direkt nachzufragen: 'Iunius Scato wie in Iunia Axilla?' Sie wäre als Frau vor einer ganzen Weile in den Ritterstand aufgestiegen - genauso wie auch die divitische Ehefrau diese Ehre einst empfangen hatte -, so zumindest hatte der Iulier von Bovillae aus irgendwann einmal am Rande gehört.


    "Purgitius Lurco, Cohors XII Urbana.", wiederholte er anschließend die Worte des Iunius, damit sich sein Privatsekretär Saras eine entsprechende Notiz machen konnte. "Dieselbe Kohorte habe ich einst selbst als Tribun befehligen dürfen.", vergaß er in diesem Zusammenhang seinen Vorsatz, sich sogleich wieder zurückzuziehen und die beiden Gestörten wieder ihrem Vier-Augen-Gespräch zu überlassen. Auf die Idee, sich nach irgendeinem Ermittlungsfortschritt in den beiden Mordfällen Iulius Caesoninus und Iulia Phoebe zu informieren, kam der Senator indes nicht. Einerseits schließlich ging er davon aus, dass eine gute Ermittlungsarbeit gewiss ihre Zeit in Anspruch nehmen und etwas dauern würde, mit irgendwelchen Ergebnisse folglich sicherlich frühestens in einigen Tagen oder Wochen - je nach Lage - zu rechnen wäre. Zudem würde er für eine derartige Auskunft auch ohne jeden Zweifel einen anderen Ort wählen. Ja, er wusste ja noch nicht einmal, ob der vor ihm stehende Iunier überhaupt zu den in diesem Fall ermittelnden Soldaten gehörte oder ob dafür andere seiner Kameraden abgestellt waren.


    "Für mich?" Der Miles winkte wohl nun doch etwas mit dem Zaunpfahl. "Nein, vielen Dank, Miles Iunius. Du hast mir mit deiner Auskunft bereits sehr geholfen. Ganz zu schweigen davon, dass auch _dein_ Dienst an Roma die Straße hier hoffentlich wieder etwas sicherer macht.", bedankte sich Dives also nur und nickte dem Iunier anerkennend zu. Anschließend wandte sich sein Blick zu dessen vorheriger Gesprächspartnerin, um sich insbesondere bei ihr noch einmal für die Störung zu exkulpieren. "Aber brauchst _du_ vielleicht Hilfe? Du wirkst auf einmal etwas blass im Gesicht...", bemerkte er jedoch stattdessen. Und folglich konnte und wollte er jetzt auch nicht so einfach wieder gehen - nicht bevor er nicht sicher sein konnte, dass es der Frau gut ging beziehungsweise der Iunius auch ohne weitere Hilfe alles locker im Griff hatte.

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    Klient - Marcus Vinicius Hungaricus

  • Stella hätte nun alles für eine göttliche Macht gegeben, die sie vorallem schützen würde. Auch vor Gedanken, die schmerzten. Auch Gedanken konnten einen Menschen brechen. Immer wieder wollte sie frei sein und doch war alles, was sie derzeit für sich hatte, eine ständige Wiederholung. Stella wurde durch alte Waffen gequält, die andere geschmiedet hatten. Waffen, die nicht sichtbar waren, nicht einmal wirklich, sondern allein in ihrem Geiste existierten. Sie war ertappt. Stella fühlte den sanften Windhauch hinter ihrem Nacken, welcher aus einem Abgrund zu strahlen schien, der sich unter ihr aufzutun drohte. Ein Abgrund, der nicht nur Hades ein Versteck gewesen wäre, sondern auch jeder Hoffnung, dass Rom für Stella Erlösung sein konnte. Ohne es zu wissen, richtete der Senator Iulius die arme Stella hin. Wie vom Leben abgetrennt, fühlte sie steigende Kälte, konnte den Worten nicht mehr klar folgen. Schweigen wollte sie, sich auflösen und endlich gehen und doch hielt es sie hier. Alles hielt sie hier. Eine höhere Macht verbot ihr eine Flucht, steuerte sie entgegen ihres Wunsches, in diesen Moment hinein. Stella musste sich entscheiden, endlich entscheiden, dass ihre naive Welt keinen Bestand mehr haben konnte. Ihre Einteilung in Gut und Böse, Schlecht und Gut, war nicht mehr zu halten. Erkenntnis wog schwerer als die Hoffnung, dass sie hier etwas finden würde, was sie sich so sehr wünschte. Sie war nicht aus Stahl, hatte nicht die Härte ihres Vaters, nicht die kühle Ruhe ihres verschwundenen Bruders, sondern war einzig und allein ein gefallener Stern, der strahlend, einem Feuerball gleich, langsam verglimmte. Der Senator hatte sie angesprochen. Sie musste antworten, wollte nicht antworten aber ihr mutiges Herz ließ nicht zu, dass ihre Schwäche sie weiter behinderte. Die Mächte wollten es so. Pluto erlöste sie nicht. Stella trat einen wankenden und blutleeren Schritt heran, während sie ihre Lippen bereits leicht öffnete. Lumpenprinzessinnen weinten nicht. Es gab nur ein voran, und die vergossenen Tränen waren der Schmuck für einen großen Auftritt. "Wir alle brauchen Hilfe," erklärte sie und gab damit einen Gedanken frei, der sicherlich für alle hier in dieser furchtbaren Stadt zutraf. Stella glaubte fest daran, dass alle hilflos durch ihre Welten stolperten, ohne die Zusammenhänge wahrlich zu verstehen. Der Abgrund wandelte sich in ein Gefühl der kalten Gewissheit, dass sie jetzt mutig sein musste. Sie würde nicht vor einem Senator zusammenbrechen. Nicht jetzt. Ihre gewordene Blässe gab ihrer natürlichen Schönheit eine geisterhafte Erscheinung. "Ich habe nur daran gedacht, was in letzter Zeit alles passiert ist, Senator. Es sind viele schreckliche Dinge geschehen und niemand scheint uns zu helfen," sagte sie und blickte den Senator nun mit ihrem fast dämonisch verstellten Augen an, die einerseits wunderschön waren und andererseits aus der Unterwelt selbst zu stammen schienen, da in ihren Augen ein toter Glanz lag. Wenn Pluto eine menschliche Gestalt annehmen würde, würde er diese Augen tragen. Seltsam legte sie ihren Kopf schief, um am Schädel des Senators vorbei, die Villa Tiberia zu betrachten. "Seht dort," formulierte sie eiskalt. "Es ist das Stammhaus einer alten Familie und inzwischen verwaist. Sie sind alle tot und verschwunden. Ausgelöscht. Es gibt hier niemanden mehr und ich frage mich, welche Mächte in Rom wüten und so viele Menschen vernichten." Mit einer ruckartigen Bewegung richtete sie ihren Blick zurück und sprach dann wieder mit trauriger Stimmfarbe: "Es macht mir Angst. Etwas wirkt in dieser Stadt, was gezielt angesehene Familien angreift." Es war nur eine Idee aber Stella wollte daran glauben, dass alles einen tieferen Sinn hatte oder zumindest Kräfte am Werk waren, die ein Ziel verfolgten. Es dürfte nicht sein, dass ihre Familie einfach so verschwunden war. Bei ihrem Vater war sie sich sogar ziemlich sicher, dass er nicht aus freien Stücken verschwunden war und dort dunkle Mächte ihr Werk verrichteten. Stella würde es noch herausfinden.

  • Scato hob erfreut die Augenbrauen, als der Senator meinte, er hätte seine Kohorte einst als Tribun befehligt. Der Iulius hätte sicher die eine oder andere Anekdote aus dieser Zeit zum Besten geben können, nur war der Rahmen dafür gerade denkbar schlecht. Dass er für die Sicherheit auf den Straßen sorgen sollte, ließ Scato einen Blick auf seine Capsa werfen, die er geleert als Einkaufstasche zweckentfremdete und aus der ein grüner, würzig duftender Busch von frischen Kräutern ragte. Er war eher dafür zuständig, wieder zusammen zu flicken, was andere zerstört hatten. Der Senator schaute jedoch schon wieder zu dem Mädchen, das blass geworden war. Und dessen Ansichten waren gar nicht dumm.


    "Zwei Mächte wüten momentan in Rom", erklärte Scato, denn das war kein Geheimnis. "Rivalisierende Verbrecherbanden und Christen." Er überlegte kurz. "Wobei das wohl ein und dasselbe ist."

  • In der Tat war der Iulier von seinen Gedanken zur Villa Tiberia und ihren Bewohnern sowie dem anschließenden Vorfall, der in einer Verhaftung endete, derart eingenommen, dass ihm an anderer Stelle einige Details entgingen... nicht jedoch das blasse Gesicht der jungen Frau. Und sie bestätigte: Sie brauchte tatsächlich Hilfe - auch wenn sie dies hinter der allgemeinen Aussage, alle bräuchten Hilfe, ein wenig zu verstecken wusste.


    "Die Villa Tiberia, ja.", folgte Dives kurz dem Blick der Frau, bevor er sich wieder zurück zu ihr und dem Soldaten umdrehte. "Der Tod des Consulars Tiberius bedeutete den ersten Untergang dieses Hauses, bevor der Aufstieg des Senators Tiberius Lepidus, mit dem mich im Übrigen nicht wenig verband, auch dieses Haus einen neuerlichen Aufstieg erfuhr. Ohne ihn jedoch...", blickte der Senator bedeutungsschwer in die Runde, schüttelte leicht den Kopf und ließ davon ab, den begonnenen Satz zu beenden. "Wir alle brauchen Hilfe. Gegen rivalisierende Verbrecherbanden und Christianer.", nahm er stattdessen die vorherigen Worte des Mädchens auf und knüpfte ihnen die Worte des Iuniers an. "Aber auch gegen manche Sorgen des Alltags, seien sie finanzieller, iuristischer oder sonstiger Art. Und natürlich auch gegen den Kummer und die Trauer, die früher oder später einen Jeden von uns befallen.", führte er aus und ließ eine kleine Zäsur.


    "Das Schöne ist, dass wir diese Hilfe jederzeit finden können, wenn wir nur danach suchen und fragen.", stellte Dives dann entgegengesetzt in den Raum. "Gegen Verbrecherbanden und Christianer helfen uns zum Beispiel die Cohortes Urbanae. Auch wenn selbst sie nicht jedes Verbrechen verhindern können, so verfolgen sie doch jeden Verbrecher bis Recht und Gesetz in diesen Straßen wiederhergestellt ist.", war der Iulier überzeugt. "Gegen finanzielle, iuristische oder sonstige Sorgen des Alltags kann man sich ebenfalls Hilfe suchen - wenn nicht bei einer großen Familie, so doch stets wenigstens bei einem Patron." Um Letzteren konnte sich nämlich wirklich jeder bemühen - Männer, Frauen; arme Peregrini, reiche Equites; einfache Plebeier, edle Patrizier. Jeder von ihnen hatte stets die Möglichkeit, sein Leben in die Hand zu nehmen und sich in die Hände eines guten Patrons zu begeben. Denn selbst wenn dieser einmal nicht direkt helfen konnte, so half es manches Mal auch einfach schon, wenn der Patron auch seinerseits wieder Klient eines Patrons war.


    "Und selbstredend sind wir auch in Kummer und Trauer nie ohne Hilfe.", lächelte der Senator müde, da er ahnte, welcher Verdacht gewiss sofort unausgesprochen im Raume stehen würde. "Und man darf mir glauben, dass auch ich als Senator solche Situationen kenne. Ich habe sie erlebt, als eines meiner Kinder nur wenige Tage nach der Geburt verstarb. Und ich habe es auch in früheren Jahren bereits erlebt, denn ich habe meinen mit nur 37 Jahren im Dienst bei den Cohortes Urbanae verstorbenen Vater nie kennengelernt.", wurde er an dieser Stelle dann gar etwas persönlich. Denn seine Geschichte mit den Tiberiern war am Ende persönlich. Dives atmete tief durch und zeigte mit dem rechten Zeigefinger (allerdings ohne seinen rechten Arm dabei irgendwie großartig anzuheben) in den Himmel. "Do ut des.", strich er ruhig heraus. "Nach diesem Leitmotiv können wir uns stets die Hilfe der Götter erbitten." Ein schmales Lächeln zeichnete sich für einen kurzen Augenblick auf den divitischen Lippen ab. "Und wer dieses Motiv darüber hinaus auch im irdischen Leben nicht ignoriert und vergisst, der findet sich auch hier nie völlig hilflos und allein." Ohne Zweifel, als hilflos konnte ein Trecenarius gewiss nicht bezeichnet werden. Doch wer auf Freundschaft mit Undank reagierte, der hinterließ am Ende wenig verwunderlich eben auch nur genau das: Ein verwaistes, einsames, verlassenes Haus - dröhnende Stille.

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  • Der Senator sprach gehoben, fast auswählend, wie er sprach. Stella hingegen sprach meistens so, wie sie tatsächlich dachte. Es gab für Stella nicht immer eine bewusste Auswahl, so dass sie auch in diesem Fall einfach das aussprach, was sie dachte. Insbesondere, weil der Senator, einen wunden Punkt traf. Der Niedergang des Hauses Tiberius. Noch war es nicht ganz verloren. Stella stand noch, zumindest irgendwie. "... sprecht ruhig weiter, Senator," meinte sie und wollte mehr vom Untergang hören. Mehr von den Gedanken hören, die der Iulius wohl hatte. Leicht erbost war sie, dass es aus ihrer Perspektive einfach abzutun schien, zwar eloquent vollführend aber er tat es ab und ging in seinen Ausführungen schlicht weiter. Aus Stellas Sicht hatte das Haus Tiberius etwas mehr Beachtung verdient und sollte nicht nur eine beiläufige Einleitung für einen weitere Ausführung über das Patronatswesen sein. "Was ist ohne ihn?" Stella hakte nach und blickte den armen Iulius mit ihren durchdringenden, im Hades geschmiedeten, Augen an. Sie hasste es, wenn Leute einfach wichtige Punkte nicht aussprachen aber bedeutungsschwer präsentierten. Der bedeutungsschwere Ausdruck des Senators hatte Stella geweckt, da es nun die Ehre ihres Hauses zu verteidgen galt, wenn auch sie sich selbst nicht als zugehörig erklären konnte. "Ja, sie sind alle tot. Sagt es ruhig. Allesamt tot und das Haus ist verwaist. Es wird an den Staat fallen, weil kein Erbe gefunden wurde. Ich nehme dir einfach die Antwort vorweg, dass die Gens erledigt ist," plärrte Stella, wobei sich ihre Stimme traurig überschlug, denn ihr wurde bewusst, dass ihr Haus bedeutungslos geworden war. Der Name Tiberius hatte keinen Klang mehr, sondern stand allein für Versagen und Untergang. Allein die Ausführungen über das Patronatswesen demütigten Stella. Eine wachsende Schande ergriff Besitz von ihr, die sie nicht abstreifen konnte. "Wer hat den Tiberii geholfen?" Ihre Augen starrten weiter auf den Senator, den Soldaten vollkommen ausblendend. "In Rom haben sich alle versteckt. Viele Gentes sind ausgelöscht, nicht nur durch Varia, durch die Christen und Verbrecher, sondern auch durch diese Feigheit, dass jeder an sein eigenes Schicksal dachte," schimpfte sie traurig. "Wo ist dieses tolle Rom? Wo ist diese tolle Gemeinschaft der virtutes?" Sie machte eine Geste und zeigte mit einer kreisenden Bewegung einmal um sich herum. "Es sind die einfachen Menschen, die immer wieder den Preis zahlen und trotz dieser schönen Worte, ist auch euer Verwandter umgekommen," ja sie wusste vom Tod des Caesonius, da sie in der Therme davon gehört hatte. Jetzt tat es ihr leid. Dieser Senator hatte bereits selbst Verlust erfahren, und hatte auch das Schlimmste aller Schicksale erdulden müssen, den Verlust des eigenen Kindes. "Es tut mir leid," entschuldige sich die von Gefühlen zerfressene Stella beim Senator und senkte ihr Haupt. Die religiöse Beteuerung half Stella ein wenig, da es einen Gedanken aufwarf, den auch sie teilte. Nicht nur Pluto verlangte dies, sondern es war nur logisch. Alles hatte seine Folgen. Und alles in der Gesellschaft beruhte auf Gegenseitigkeit. Selbst der Tod war eine Gegenseitigkeit, zwischen Leben und Tod. "Ich verstehe vieles nicht, Senator. Ich habe meinen Vater verloren," sagte sie und gab damit ihren eigenen Verlust zu. "Und meine Mutter," fügte sie mit von dem dämonischen Glanz befreiten Augen an. Die Trauer verdrängte die gefühlte Schande und den Kampfgeist, den Senator herausfordern zu wollen. Es waren nur Fragen, die er aushalten musste, denn Stella hatte diese Fragen ihr ganzes Leben in sich verschlossen und der Senator hatte sie aufgeschlossen. Ja, sie war hilflos aber in diesem Augenblick nicht allein. Scheinbar hatte Pluto ein Einsehen und gab ihr diesen Moment der Erkenntnis, um etwas Würde im Gespräch zu finden. "Es tut mir leid," wiederholte sie ihre Entschuldigung und blickte dann auffordernd zum Soldaten, damit dieser ihr half. Sie brauchte jetzt eine Person, die das Gespräch fortführen konnte, da ihr aus Reue über ihren Zorn die Worte fehlten.

  • Der Senator hatte sein Päckchen zu tragen. Sein Kind zu verlieren, stellte Scato sich von allen Schicksalsschlägen als den schlimmsten vor. Wohlstand und gesellschaftlicher Status hin oder her - auch der Iulius hatte den Tod seiner Verwandten nicht verhindern können und litt so wie Stella und alle anderen Betroffenen darunter, was in letzter Zeit in der Urbs Aeterna geschehen war und was vielleicht noch geschehen würde. Zwischen den beiden Möglichkeiten eines zukünftigen Schicksals standen die Truppen, deren Teil Scato war. Scato war still geworden, als erst der Iulius und dann auch das Fräulein ihrer Verzweiflung Luft machten. Denn das war es zumindest in Stellas Fall, wenngleich Zorn in ihrer Stimme flammte - in Wahrheit spürte sie nach seiner Einschätzung abgrundtiefe Verzweiflung. Seine Vermutung, dass sie eine Freigelassene der Tiberii sein musste, die nun ohne ihre geliebten Herren dastand, festigte sich. Scato unterbrach niemanden, der gerade so emotional sprach, doch plötzlich starrte das Mädchen ihn an, erwartungsvoll, als wolle sie seine Meinung dazu hören. Vielleicht wollte sie, dass er ihr in ihrer Anklage widersprach, doch das tat Scato nicht.


    "Ich habe meinen Vater auch früh verloren", erklärte er ruhig. Und mit dem Vater auch die Mutter, wenngleich sie noch unter den Lebenden wandelte - innerlich war sie gestorben und das war für ihre Söhne vielleicht schlimmer gewesen als ihr endgültiger Tod. Ihr Wahnsinn hatte mehr Leid über Scato und Fango gebracht als die Trauer über den Verlust des Vaters es vermocht hatte. Und von dem verschollenen ältesten Bruder Caepio sprach keiner mehr. "Rom ist, was wir alle daraus machen, Stella. Tag für Tag trägt jeder von uns dazu bei, im Guten wie im Schlechten. Rom ist so viel mehr als eine Stadt oder ein Reich." Er legte die Hand auf sein Herz. "Hier ist Rom. Wenn da draußen das Schlechte überwiegt, dann darf das Gute für Rom nicht untätig bleiben. Und der Senator Iulius hat einen guten Hinweis gegeben, was man tun kann, wenn man sich allein und hilflos fühlt. Denn Rom ist auch das."


    Scato lächelte aufmunternd. Er war sicher, dass der Iulius diesen Punkt nicht ohne Grund angesprochen hatte, sei es, weil er selbst indirekt seine Hilfe anbieten wollte oder weil er das aufgebrachte Fräulein daran zu erinnern gedachte, wie sie sich selbst helfen konnte.


    "Soll ich dich im Anschluss an das Gespräch nach Hause geleiten?", fragte er Stella.


    Vielleicht wohnte sie in der Subura und Scato, der außerhalb seiner Dienstzeit unterwegs war, konnte einen kleinen Umweg ruhig auf sich nehmen. Er wusste, dass es nicht einfach war, als junge Frau allein durch manche Viertel zu gehen. Der Senator hingegen hatte mittels seiner Begleiter dafür Sorge getragen, sich unbehelligt durch die Stadt bewegen zu können.

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