[Porticus Miliarensis] Templum Flaviae

  • Vor den Wahlen, früh am Morgen, machte sich Furianus auf dem Weg zum Templum Flavia. Dieser Tempel wurde schon früh, als seine Familia die Kaiser stellt, erbaut. Es war kein Zufluchtsort, eher ein Ort der Huldigung.


    Mit Ehrfurcht erklomm Furianus die großen Treppen zum Tempelinneren. Sklaven mit Gaben hatte er dabei. Mit vielen Gaben.
    Nun war er auch schon angekommen, sah zum Wappen, sah zu seinen Ahnen auf, welche dort als Kultstatuen verewigt waren.


    Ruhig aber besonnen nahm er das erste Opfer. Es war Weihrauch, den er auf einem Altar vorsichtig verbrannte.
    Danach kam das Brot und anschließend auch Gewürze und verschiedene Obstarten.
    Nun waren seine Ahnen wohl aufmerksam geworden und der Schmaus gefiehl ihnen wohl auch.
    Er wollte kein blutiges Opfer zelebrieren, das hob er sich doch dafür auf, würde er als Quaestor gewählt werden. Dieses Dankesopfer sollte er später vollziehen, gemäß dem Fall ihm würde das Vertrauen des Volkes geschenkt werden.


    Nun ging er zu einem Oculus, legte dort viele Münzen hinein, welche als nächstes Opfer gedacht waren. Anschließend begab er sich zu einem anderen Altar, nahm eine Kanne des besten Falerners heraus, und füllte ihn hinein.


    Nun war es Zeit seine Bitte zu äußern.
    Er setzte sich auf die Knie herab und streckte seine Hände gen Himmel. Nahm den Zipfel seiner Toga und stülpte ihn über das Haupt um volle Konzentration zu gewährleisten.


    "O Ahnen, o große Ahnen. Ich, Lucius Flavius Furianus, ein Nachfahre eures ehrwürdigen Blutes bitte euch um einen Gefallen. Hebt eure schützende Hand über mein Haupt o ihr großen Kaiser, o ihr Väter. Seid mir hold, schenkt mir das Vertrauen des Volkes, schenkt mir das Amt für das ich kandidiere. Euren Weg will ich bestreiten, o Ahnen, eure Ziele werden mein Weg sein. Gebt mir wonach ich strebe, ich bitte euch darum. O große Ahnen erhöret mich, nehmt mein bescheidnes Opfer an. Hilft mir den Cursus Honorum zu bestreiten, führt meine Hand, lasst mich dem Imperium auf solch ehrenvolle Weise dienen, wie ihr es getan habt."


    Noch eine Weile war er in völliger Kontemplation versunken, bis er dann wieder aufstand.
    Nun richtete er seine Toga, hoffte, dass seine Bitte erhört wurde.
    Und machte sich nach einiger Zeit auf dem Weg nach Hause, auf dem Weg in seine Zukunft.

  • An diesen Tagen der Unruhen sinnte sich Furianus danach seine Versprechen gegenüber den Göttern zu wahren und erneuern.
    Als Festung der Hoffnung waren die Tempel bekanntlicherweise auch genutzt worden, doch nicht jetzt. Jetzt führte ihn, nein zwang, sein Gewissen hierher. Hier an den Platz der ruhmreichen Ahnen und Götter seiner Gens.
    Mit Sklaven, bepackt voller Gaben, betrat er das monumentale Gebäude am Palatin, das vermächtniss vergangener Kaiser der flavischen Dynastie.


    Eines Priester bedarf ein Patrizier nicht und so vollzog er das Opfer doch alleine.
    Vor den Ahnen- und Götterbildern standen verschiedene Altäre, sowie auch oculi.
    So begann er erstmal mit dem Aufmerksamkeitsgewinn und legte ein Bündel Weihrauch und Zimt auf die glühende Kohle, danach zugleich auch ein Bündel Blumen.
    Wohliger Ruch stieg auf und so fuhr er fort, nachdem er sich der Aufmerksamkeit gewahr wurde.
    So verbrannten Brot, Obst, Kekse und ein Opferkuchen und es folgte das Gebet, welche es mit dem Zipfel seiner Toga über dem Haupt und einem Flötenspieler im Hintergrund, zelebrierte. Er stürzte sich in völlige Kontemplation.


    "Ahnen, große Götter. Lucius Flavius Furianus, der Sohn eurer, der Diener der Götter ruft euch an, erhält sein Versprechen. Götter und Ahnen, ich danke euch für das überragende Wahlergebnis und fühle mich geehrt, berührt. So opfere ich euch an jenem glücklichen Tag, verspreche euch zu gedenken und zu wahren. Euren Vorstellungen und Wünschen will ich gerecht werden, euch ehren in Ewigkeit. Mein Dank gebührt euch, o Vorfahren, und mein Wille ehrt euch, ihr Götter des Imperirums. Wahrt den Kaiser, o Ahnen, o Götter, wahrt das Reich und mich."


    Mit einer Wendung nach rechts beendete er die Versunkenheit und das Gebet, stand auf und füllte in die verschiedenen oculi Falerner, Sesterzen und geräuchertes Fleisch.
    Zum krönenden Abschluss gedacht schafften zwei stämmige Sklaven eine Büste mit dem Bild Iupitters herbei, welche dann an einem guten Ort des Tempels aufgestellt wurde.


    Und so begab sich Furianus hinaus mit reinem Gewissen und neuer Kraft.

  • ...kam Furianus wie immer zum Tempel seiner Gens, seinen Ahnen, sowie auch den Göttern zu danken. Ein Tross Sklaven war natürlich mit ihm.


    Das Lichtstrahlen des Morgens brachen durch die Säulen, als er den kleinen Säulengang beschritt, welcher auch von Treppenstufen gekennzeichnet wurde. Zufrieden mit der Welt und sich selbst atmete er lächelnd tief ein und blieb kurz stehen, um sich die Hände zu waschen und den Kopf zu befeuchten, so wie es Braucht und Sitte war.
    Nachdem dies vollendet, und die Gänsehaut sich auf seinem Körper durch die Kälte des Wassers verbreitet, betrat er die riesige Halle.
    Es war ruhig und nur ein paar Menschen opferten seinen Ahnen. Freundlich nickte er ihnen zu, denn dies mussten wahre Klienten sein, die selbst seinen Vorfahren, den flavischen Kaisern, huldigten. Furianus fragte sich wie es wohl gewesen wäre, wäre er nur früher auf die Welt gekommen, hätte die glorreichste Zeit seiner Familie erlebt...
    Aber nun galt es kleine Schritte zu machen und den Weg für die Zukunft seiner Kinder zu ebnen, wie es auch sein Vater tat. Nur noch besser. ;)


    Ein Sacerdos kam sogleich herbei, ein Mann hohen Alters, der Furianus bisher immer beim Opfer unterstützte.
    "Ich habe heute ein Lamm, Sacerdos Macrius."
    Der alte lächelte freundlich.
    "Soso, was ist denn geschehen? Normalerweise habe ich bei dir bisher noch keine blutigen Opfer erlebt."
    Furianus grinste nur und wies auf den Sklaven mit dem Lamm.
    "Nun, Sacerdos, dies ist mein Geschenk an die Ahnen und Schützgötter. Dies ist der Dank für mein neues Amt als Aedilis Curulis."
    Der Alte legte sich theatralisch die Hand vor den Mund.
    "Aedil ist du schon geworden, Furianus? Aiaiaiai, die Zeit scheint schnell zu laufen. Oder ich zu langsam."
    Scherzte er und legte Furianus die Hand auf die Schulter.
    "Solange ich jung bin wird es mein bestreben sein die Zeit schneller laufen zu lassen. Im hohen Alter werde ich sicherlich das Gegenteil versuchen."
    Macrinus nickte.
    "Typisch Jugend. Ihr wisst was auf euch zukommt und trotzdem seid ihr sturr. Aber genug, ich halte dich auf, lass uns anfangen junger Flavier."
    In diesem Moment fragte sich Furianus wie alt Macrinus denn sein könnte. Wahrscheinlich opferte er schon mit seinem Vater, doch noch nie hatte Furianus dies fragen können. Zuerst war er in der Legio und dann war der Vater öfters aus. Und nun ganz fort nach Sardinia und schaut nur gelegentlich vorbei. Diese Kontrolle mochte Furianus zwar nicht, da es nicht gerade von Vertrauen zeugte, aber er verstand die Sorge. Er selbst hätte wahrscheinlich nicht anders gehandelt bei seinem Sohne.


    Das Prozedere kannten beide in und auswendig und gingen gleich zu den Kultstatuen und Ahnenbildern, wo auch die größten Altäre standen. Die foculi wurden gerade neu ausgetauscht und neue, glühende Kohle herbeigeschafft.
    Behutsam übergab man Furianus den vielen Weihrauch und Zimt, den er sogleich verbrannte. Danach wurden drei Amphoren des guten Falerners in einen großen foculi gegossen und Trauben, Datteln und Äpfel verbrannt.
    Diesem Schauspiel wohnte der alte Sacerdos selbstverständlich bei und beobachtete es akribisch genau. Wie der Adler seine Beute. Sicherlich wollte er Furianus wieder einmal tadeln, doch dazu war es bislang nicht gekommen.
    Furianus zog sich nun den Zipfel seiner Toga auf den Kopf und bedeutete den Flötenspieler anzufangen. Während jener spielte kam das Gebet.


    "Große Götter, große Ahnen. Nun stehe ich wieder vor euch und spreche mein Dankesgebet. Ich bin sicher ihr wart es, welche mein Schicksal in solch glückliche Fügung gelenkt habt. Ihr großen Ahnen wart mir stets die Begleiter, die sich manch ein Mann nur wünschen kann. Ihr seid der Himmel, ihr seid die Sterne, ihr seid das was uns umgibt, ihr seid nicht irdisch, ihr seid göttlich. Lasset mich euch danken, danken für meinen Weg, meine Kraft und das Vertrauen der Menschen. Wir greifen nach den Sternen, wir greifen nach euch. Doch erreichen können wir es nicht, denn ihr seid es, die nach uns greifen, uns behüten, uns schützen und lenken. Dies, o Götter und Ahnen, ist eine kleine Aufmerksamkeit meinerseits, ein Geschenk an euch. Habt Dank."


    Mit der Wendung zur glücklichen Seite, nach rechts, beendete er sein Gebet und ließ den Zipfel wieder sinken.
    Sogleich kam der alte Sacerdos lächelnd auf Furianus zu und legte seine Hand auf dessen Rücken. Beide gingen hinaus, wo das Lamm mit vinum und mola salza eingerieben wurde. Äußerlich schien es makellos, doch um die Innereien wussten nur die Götter.
    Sogleich nahm Furianus das Opfermesser und strich es, wie gewohnt, entlang des Rückens. Das Tier schien dabei ruhig, doch nicht abwesend, es war angespannt.
    Er gereichte das Messer dem Popa, welcher nach einem kurzen Augenblick sogleich fragte.
    "Agene?"
    Und Furianus antwortete ernst und klar.
    "Age!"
    Sogleich fuhr das kalte Messer durch die Haut des Tieres am Hals. Blut spritzte auf den Popa, welcher dies jedoch schon gewohnt war und nicht einen Zentimeter zuckte.
    Eine Auffangschüssel wurde schnell herbeigeholt, um das Blut aufzufangen.
    Und als dies endlich aufhörte zu fließen nahm sich der Popa dem Bauche des Tieres an, welchen er gekonnt aufbohrte, um die vitalia, die Innereien, für den Sacerdos sichtbar zu machen.
    Dieser bückte sich sogleich über dem Tier und untersuchte jene Innereien auf Makel oder sonderbare Verformungen und Verfärbungen.
    Auch Furianus wartete gespannt auf das Ergebnis.

  • Durch die jüngsten Ereignisse aufgeschreckt, wurde Furianus bewusst, dass er schon vor seiner Praetur den Göttern, besonders den flavischen, nicht genug huldigte.
    So begab er sich, im Schlepptau eine Kolonne aus Trägern, zum Tempel seiner Gens. Er wusste nicht, ob man ihn hier schon vergessen hatte, war er doch gealtert, die Priester ebenso. Heute jedoch sollte er selbst opfern, er war es den Göttern schuldig.


    Furianus durchschritt die Cella und kam zu den Marmorbildnissen seiner Ahnen, die noch heute voller Glanz und Gloria schienen, so, als wäre die Zeit vor vierzig Jahren stehen geblieben, damals, als die Flavier über Rom herrschten.
    Durch einen Wink von Furianus trat der erste Sklave vor und übergab dem Flavier einen Beutel. Dieser war gefüllt mit Goldmünzen, die Furianus vorsichtig in die eigens dafür vorgesehene Schale aus dem Beute rieseln ließ, ein paar Worte an die Götter richtete und mit einem weiteren Wink zu verstehen gab, dass es weitergehen konnte.
    Zwei Sklaven mit großen Tonkrügen traten nun an ihn heran und übergaben diese nacheinander Furianus, der die rote Flüssigkeit, es war Wein, in eine ebenfalls dafür vorgesehene Schale goss. Ein paar Worte wurden danach ebenfalls an die Götter gerichtet.
    Ein weiterer Wink, eine weitere Gabe, die Worte folgten sogleich. In dieser Manier wurden so Kekse, Kuchen und anderes Gebäck, Früchte und Obst, Parfüm und edle Hölzer verbrannt, bis man bei der letzten Gabe angelangt war, dem vielen Weihrauch.
    Dieser wurde von Furianus, wie auch die vorigen Gaben, geopfert und wie zuvor stülpte er sich den Zipfel seiner Toga über das Haupt und begann, nachdem sich der wohlige Geruch ausbreitete, zu beten.


    "Ahnen, die ihr über uns wacht,
    Ahnen, die ihr uns flüstert so sacht,
    Ahnen, aus dem irdischen Sein,
    Ahnen, in des göttlichen Schein.


    Ich rufe Euch an, um mir die Gunst zu erbitten, derer ich mir in den letzten Tagen nicht sicher sein konnte. Meine Verlobte nahmen die Götter von mir. Nach dem Lethe sehne ich mich, sind doch die nächsten Tage, Monate und Jahre, mein ganzes Leben, von diesem Ereignis geprägt. Führt sie an der Hand, zeigt ihr die Schönheit des Unsterblichen und dem Elysium.
    Meine Gaben nehmt an, Ahnen, als Zeichen der Reue, als Zeichen der Schuld. Euer Gesicht war mir in den letzten Monaten nicht vor den Augen, mein sträfliches Fernbleiben dieser Räume unentschuldbar. Nehmt meine Opfer und tut euch gütlich daran, sie sollen euch erfreuen.
    Ahnen, die ihr so gnädig zu mir wart, haltet weiterhin aufrecht meinen Weg, wacht über mich am Tage und in der Nacht.
    Beschützt die Meinen und straft die Feinde."


    Erleichtert, dass nichts passiert ist, nicht Schlimmes jedenfalls, zog er sich den Zipfel vom Kopf und stand auf. Nach einigen Minuten des Nachdenkens wandte er sich ab und ging aus dem Tempel in Erleichterung.

  • Eine Familie kann sich glücklich schätzen, wenn sie einen eigenen Tempel hat, um darinnen den Ahnen zu huldigen. Doch selbstverständlich war es für eine Familie, die schon Kaiser gestellt hatte, wenn sie das auch nicht mehr tat. Konnte es einen besseren Platz geben für einen jungen Flavier, der sein spirituelles Ich suchte, um es zu finden? Er war schon im flavischen Tempel gewesen, doch nur halbherzig, seine Gedanken waren in Wirklichkeit weit weg gewesen... in irgendwelchen elysischen Gefilden... vornehmlich hatte er über ästhetischen Käse nachgedacht. Jetzt wollte er sich konzentrieren. Junge, Junge, du musst ein Mann werden, schalt er sich selber, als er eintrat. Er war alleine, er wollte absolute Ruhe haben. Eine Kiste trug er vor sich. Sie war gefüllt mit lauterlei kleineren Büchen und Schachteln, in denen er aufbewahrte, was er opfern wollte. Er wollte sein eigener Priester sein, und sonst nichts.
    Er hatte sich die Kiste bis hierher von einem Sklaven schleppen lassen, doch den hatte er nun draußen gelassen. Sorgfältig stellte er, als er das Altar erreicht hatte, die Schachtel am Boden ab. Er winkte ab, als ein Priester ihm zu Hilfe eilen wollte. Er würde es selber schaffen. Zumindest, was nur ein kleines Opfer, das aber von Herzen kam, anging.
    Piso schritt hinüber zum Waschbecken, um gründlich sich zu waschen. Es war klar, dass er heute blütenweiße Gewänder trug. Dies als Zeichen seines Respektes gegenüber den Ahnen.
    Gemessen ging er wieder hinüber zum Altartisch, beugte sich zu seiner Kiste, öffnete sie und holte Weihrauch hervor. Er stellte jenes auf das Altar. Kurz entfernte er sich, um mit einem Glimmstengel wieder zu kommen. Damit entzündete er den Weihrauch, geduldig warten, bis er aufstieg und feierlich das Altar, den Flavier und seine Umgebung umwolkte. Streng roch er, was der Patrizier tapfer ignorierte. Er beugte sich und holte aus seiner Kiste weitere Schmankerl für die Ahnen hervor.
    Zuerst einmal eine Reihe von Kräutern. Er verbrannte sie. In die brennende Glut legte er Beeren variierender Herkunft – Heidelbeeren, Himbeeren, Brombeeren, Stachelbeeren, was man sich auch nur vorstellen konnte.
    Sie verbrannten ebenfalls, in die Luft zerstiebend, gleichsam wie der Weihrauch, der die Verbindung zu den Ahnen herstellte. Piso verbrannte in der Glut auf dem Herd nun einige andere Sachen – Brot, Datteln, Gemüse, Früchte.
    Dann begann er sein Gebet. „Ihr Ahnen! Ich, Aulus Flavius Piso, Sohn des Gnaeus Flavius Aetius, Enkel des Marcus Flavius Romulus, wende mich an euch, ein Abkömmling eures Blutes wendet sich zu euch. Ihr, meine Ahnen, die ihr unsere Familie immer beschützt habt, Ahnen, die ihr eure Hand über uns hält, Unglück und Betrübnis fern von uns haltet, die unsere Lebensläufe, unsere Karrieren, immer beobachtet und überwacht! Ich habe euch immer meinen Respekt und meine Wertschätzung entgegengebracht. Ich habe euch geopfert, immer... na ja, häufig... in Ordnung, dann und wann, ihr ehrenwerte Ahnen! Dafür habe ich eine Bitte. Beschützt meine Familie auch weiterhin so, wie ihr es bisher getan habt. Und fürderhin helft mir auf meinem Lebensweg. Ich brauche Hilfe, um nicht festzustecken, wo ich jetzt bin, Ahnen... helft mir. Haltet eure Hand über mich. Dafür werde ich euch gegenüber weiterhin so fromm sein wie bisher, euch Gaben bringen, die die jetzigen übersteigen, meine lieben Ahnen, das gelobe ich.“Er drehte sich abrupt nach rechts ab. Das Gebet war beendet.
    Zuletzt schüttete er über die Glut aus einem Keramikbehälter Wein, die Glut gleichermaßen ausdämpfend und einen verdammten Saustall am Altartisch hinterlassend. Die Priester würden das schon wegmachen.
    Aus dem Tempel tretend, dachte er: Das war jetzt gar nicht einmal so übel gewesen.

  • Früh am Vormittag, Flaccus hatte sich heute bereits bald nach der Salutatio von seinem Tutor Purgitius Macer verabschiedet, führte ihn sein Weg zur Porticus Miliarensis und dem Tempel seiner Ahnen. Wie verabredet erwarteten ihn dort bereits einige Sklaven mit den Opfergaben, frischen Äpfeln, Wein, feinen Gebäcken, kostbarem Weihrauch aus dem Osten und nicht zuletzt dem Opfertier, einem strahlend weißen, prächtigen und bunt geschmückten Lamm. Es war nicht das erste Mal, dass Flaccus den Tempel seiner Ahnen aufsuchte - er hatte den Göttern hier schon oft seit seiner Ankunft kleine Opfergaben dargebracht - doch es würde das erste blutige Opfer zu Ehren der Vorfahren werden. Und doch war der junge Flavier an diesem kalten Wintertag weit weniger aufgeregt, als bei dem letzten großen Opfer, das er im Tempel des kapitolinischen Iuppiter gefeiert hatte. Zum einen war der Rahmen hier weitaus intimer, wiewohl es Flaccus jedesmal aufs neue erstaunenswert erschien, wie viele Menschen den Tempel seiner Ahnen besuchten, zum Großteil wohl Klienten von Familienmitgliedern, zum anderen war auch das Opfer selbst nicht so groß, das Opfertier lediglich ein Lamm und nicht wie bei dem Opfer für den Diespater selbst, ein ganzer Widder. Es sollte also nichts schief gehen können, an diesem verheißungsvollen Tag, sodass Flaccus auch ruhig und bestimmt die Stufen zum Tempeleingang und der Säulenhalle erklomm, sicheren Schrittes, ein ernster Ausdruck zierte sein Antlitz. Zwischen den mächtigen Säulen angekommen, blickte sich der hagere junge Mann zwischen den mächtigen Säulen um, und vergewisserte sich, dass die mit den Gaben für das Voropfer ausgestatteten Sklaven ihm folgten. In der Tat waren ihm jene, in angemessenem Abstand mit demütig gesenktem Kopf gefolgt, während einer mit dem Lamm am Vorplatz des Tempels verblieben war. Tief sog der schlanke junge Mann die kalte Luft ein, ehe er sich wieder dem Tempeleingang zuwandte und eintrat.


    Unvermittelt umfing ihn die gewaltige, heilige Atmosphäre des Tempels in gewohnter Weise, der Geruch verbrannter Harze, das flackernde Licht unzähliger Öllampen in der Halle der geweihten Stätte. Auf das kleine Becken mit frischem, kaltem Wasser herantretend gewöhnten sich die Augen des jungen Flaviers langsam an das dämmrige Licht des Raumes. Langsam ließ er seine Hände in das Becken sinken, der glatten Oberfläche des klaren Nasses entgegen. Fast schreckhaft ob der tatsächlichen eisigen Kälte des Wassers zuckten die Spitzen der schlanken Finger des Flaviers kurz zurück als sie in Berührung des Wassers kamen, welches nunmehr in zitternden Kreisen kleine Wellen über die vormals ebene Fläche schlug. Einen Augenblick zögerte Flaccus, schien seinen Geist auf die Geschehnisse fokussieren zu müssen, ehe er die Hände bestimmt zu einer flachen Schale formte und gänzlich in das eisige Nass tauchte. Dann benetzte er auch sein Antlitz und reinigte sich gänzlich um das folgende Opfer in würdiger und rechter Weise vollziehen zu können. Die tropfenden Hände trocknete er fast beiläufig in den Falten seiner Toga ehe er eben jene in einer langsamen Bewegung über sein Haupt zog und weiter in das Innere des Heiligtums trat. Gemessenen Schrittes durchquerte Flaccus die cella und erreichte so die marmornen Bildnisse seiner Ahnen, voll Glanz und Gloria, Zeugen einer besseren Zeit. Demütig ob der Zeugnisse der einstigen Macht seiner Familie senkte der junge Flavier das Haupt und verharrte einen Moment in regungsloser Stille. Dann richtete er sich wieder zu voller Größe auf und wandte sich zu den Sklaven um, die ihm hierher gefolgt waren, und ihn nun mit den mitgebrachten Gaben umringten. Zunächst nahm er den Weihrauch entgegen, eine kostbare Sorte aus dem fernen Orient, den östlichen Provinzen, außerordentlich in ihrem Wohlgeruch und ihrer Exquisität. Aus flacher Hand ließ er die Körner auf die glühenden Kohlen der Feuerschalen zu Seiten des Altares rieseln, sein Blick richtete sich hingegen empor zum Antlitz der Statuen, deren bekränzte Häupter nunmehr von duftenden Rauchschwaden verhüllt und auf mystische Weise verklärt wurden. Die Handflächen gen Himmel gerichtet, begann der schlanke junge Mann zu sprechen.


    "Oh ihr Ahnen, Götter, Stammväter der flavischen Gens, die ihr die Wege der Sterblichen schützend beschirmt, die Taten der Frommen mit Erfolg krönt und die niederträchtig Handelnden ins Verderben stürzt! Ich, Quintus Flavius Flaccus, Sohn des Cnaeus Flavius Flaccus Spross eurer Gens, Abkömmling eures Blutes stehe vor euch um meine Bitten vorzutragen und euren Ruhm durch Opfer zu mehren. Ich habe euch immer treu gedient und so bitte ich: Nehmt meine Gebete an!"


    Wieder wandte der junge Mann sich um und nahm nun die patera mit Wein entgegen. Einige Tropfen ließ er zunächst auf den Boden des Tempels fallen, wo sie den kalten Stein benetzten und zerronnen, dunkle Flecken hinterlassend, Vorboten des schon bald fließenden Blutes. Den Rest des Weines goss er in die am Altar bereitstehenden Schalen, ehe Flaccus die nunmehr leere patera wieder den Sklaven überreichte und stattdessen die Früchte und das Gebäck entgegennahm und auch sie auf dem Altar niederlegte, bevor er erneut seine Stimme erhob.


    "Ihr Ahnen, die ihr über uns wacht, unsere Schritte lenkt und beschützt, hört mich an! Um eure Gunst zu erbitten rufe ich euch an. Haltet auch weiterhin eure Hand schützend über unsere Familie, lasst nicht zu, dass böse und niederträchtige Intrigen den strahlenden Glanz der Gens beschmutzen. Wacht über uns am Tage und in der Nacht, beschützt uns und straft unsere Feinde. Nehmt diese Gaben an, die ich euch darbringe: wohlschmeckenden Wein, frische, köstliche Früchte und zarte Kuchen zur Ehre eures Namens."


    Eine Drehung nach rechts bildete den Abschluss des Gebetes und ein letzter Blick ins Antlitz der Bildnisse unterstrich die flehentliche Bitte des jungen Flaviers ,ehe er sich umwandte und aus der göttlichen Atmosphäre des Tempels hinaus an den kühlen Wind des Winters trat. Noch immer stand der bei dem Lam verbliebene Sklave im Tempelhof und harrte des Fortgangs der Opferhandlungen. Flaccus selbst schickte sich an, durch die Säulen hindurch die Stufen des Tempels hinabzusteigen, um das Opfer zu vollenden. Wiewohl ohnehin keine übermäßig lauten Handlungen im Hof des Tempels im Gang waren, erscholl ein bestimmendes: "Favete linguis.", als Flaccus an den Altar und das davor im kalten Wind zitternde Lamm herantrat. Lediglich die sanften Klänge der tibicines und fidicines erfüllten nun noch die Luft, und erlaubten dem hageren jungen Mann sich gänzlich auf die notwendigen Opferhandlungen zu konzentrieren. Zunächst nahm jener die mola salsa und bestreute damit, ganz wie es Sitte war, das Opfertier und den culter. Auch ein Kännchen mit Wein nahm er zur Hand und goss den blutroten Inhalt über das strahlend weiße Fell des Lammes, dessen Opferschmuck nun von flinken Händen rasch entfernt wurde. Nun ergriffen die schlanken Hände des Flaviers das Opfermesser und er beugte sich über das Haupt des Tieres, um einen Strich, von der Stirn entlang über den Rücken zu ziehen. War dies geschehen, breitete der hagere Flavier seine Arme aus und richtete Hände und Haupt gen Himmel, eine mächtige, ehrfurchtgebietende Erscheinung. "Oh ihr Ahnen der flavischen Gens!", mit starker Stimme sprach er und seine Worte hallten durch den Tempelhof, "Hier steht Quintus Flavius Flaccus, Sohn des Cnaeus Flavius Flaccus Abkömmling eures Blutes, Spross eurer Familie um eure Größe und Macht zu preisen! Ihr mächtige Männer, Götter, Ahnherren unserer Familie, seht dieses Tier an: Ein reines, makelloses Lamm, ein wahrhaft würdiges Opfer! Haltet eure Hand schützend über unsere Familie und unterstützt vor allem mich, der ich euch heute dieses Opfer darbringe, auf meinem politischen Weg, auf dass ich eines Tages eurem Vorbild und dem Namen unserer Gens gerecht werde und hohe Ehren im Dienst für Rom erringe!" !" Eine Wendung nach rechts schloss das Gebet ab und Flaccus ergriff erneut das Messer. Etwas Besonderes sollte an diesem Tag geschehen, denn Flaccus gedachte, ganz den Sitten der Alten folgend, das Opfer eigenhändig zu vollbringen. Er trat also nahe an das zitternde Tier heran, ergriff es am Haupt, legte die kalte Klinge des Messers an den strahlend weißen Hals des Lammes, zögerte einen kurzen Augenblick, ehe er mit einem schnellen Schnitt die blutführende Ader durchtrennte. Stoßweise spritzte das Blut aus der Wunde, über die schlanken Finger des Flaviers, auf den hellen Stoff der Toga, wo es rostige Flecken hinterließ. Eine schnell herbei gereichte Schale fing einen Teil des austretenden Blutes auf und Flaccus hielt den nunmehr nur noch schwach zuckenden und Augenblicke darauf gänzlich erschlafften, leblosen Körper des Lammes noch einige Momente am Haupt, ehe er ihn zu Boden sinken ließ, nur um schon kurz darauf selbst neben dem Tier auf die Knie zu sinken und die Innereien zu begutachten. Über alle Maßen sorgfältig und mit der, dem jungen Flavier in so außergewöhnlichem Maße eigenen akribischen Genauigkeit, prüfte Flaccus jedes einzelne Organ, drehte und wandte es in seinen nunmehr bluttriefenden Händen - die strahlende Toga war schon längst von den rostfarbenen Malen des Opfers übersät – auf dass ihm auch nicht die kleinste Unförmigkeit, der unscheinbarste Defekt entging. Dennoch schienen die Ahnen ihrem eigenen Fleisch und Blut gewogen zu sein, denn die Eingeweide widerstanden in ihrer Makellosigkeit dem prüfenden Blick des Flaviers, sodass dieser, nachdem das letzte Stück, gedreht und gewendet und aus allen möglichen und unmöglichen Blickwinkeln begutachtet worden war, sich zu seiner vollen Größe aufrichtete und mit fester Stimme verkündete: "Litatio." Nun brachte er Stück für Stück die wichtigsten Organe, unter ihnen Leber, Lunge und Herz zum Altar, um sie zu verbrennen und sie somit in göttliche Sphären zu transferieren. Der größte Teil des genießbaren Fleisches würde später in der Küche der Villa zubereitet werden, doch darum sollten sich die Sklaven kümmern. Flaccus selbst hingegen harrte konzentriert aus, bis auch das letzte Stück vollständig von den Flammen verzehrt worden war, ehe er in einer Schüssel mit klarem Wasser, die einer der Sklaven ihm demütig entgegenstreckte, seine blutigen Hände säuberte. Als auch dieses geschehen war, machte der junge Mann sich wieder auf den Heimweg zur Villa. Zwar war er dem verwegenen Ausdruck, den seine blutbefleckte Toga zweifellos bewirkte, durchaus nicht abgeneigt, doch widersprach der Umstand, nicht in Ordnung und strahlender Reinheit gekleidet zu sein, seinem ordnungsliebenden immer nach Perfektion strebenden Gemüt, sodass zweifellos eine frische Toga her musste - falls sich das überhaupt noch auszahlen würde, denn der Mittag war mittlerweile weit überschritten, komplexe Opferhandlungen forderten einfach ihre Zeit, und die cena würde er in wenigen Stunden auch in einer schlichteren synthesis einnehmen können.

  • http://www.imperiumromanum.net/wiki/images/1/12/Domitian.jpg

    Während der Parentalia waren die Tempel geschlossen. Dennoch hatte Manius Minor an diesem Tage den zuständigen Aedituus bestochen, damit dieser ihm für eine knappe Zeit die Pforten des Templum Gentis Flaviae eröffnete. Nur wenige Minuten wollte der junge Gracche die Gesellschaft jener divinisierten Parentes genießen, welche seinem Dafürhalten während der Parentalia ebenso zu ehren waren wie die im Mausoleum Flavium.


    Am frühen Morgen huschten zwei Gestalten, eine schlank und wohlproportioniert, eine klein und dicklich, durch das Portal und legten ehrfurchtsvoll ihre Mäntel ab. Manius Minor trug eine weniger voluminöse Toga, sein Diener Patrokolos ein Täschlein mit den präparierten Opfergaben. Fahrig reinigten sie sich kultisch an den Becken neben der Tür und traten dann ehrfurchtsvoll vor die Kultstatuen des Divus Vespasianus und des Divus Titus.
    Beinahe etwas zu hastig zog er seine Toga über den Hinterkopf und breitete die Hände zum Gebet.
    "Divi Flavii, wie dies Euer Recht ist an diesen Tagen, nehmt unsere Gaben, die wir Euch offerieren an diesen Tagen da wir Euch nicht vergessen haben, zum Eurem Wohle, wie Euch dies zusteht, die Ihr mit Eurer Gunst all jene beschenkt, die nach Euch gekommen, Divi Flavii, gütige Vorväter der flavischen Familien, zu Eurem Wohle unsere Gaben"
    Patrokolos reichte ihm Salz und Veilchen, welche er sorgsam vor den beiden Kultbildern verstreute.


    Dann wandte er sich nach links, wo die Statue einer römischen Matrone in einer Nische zu finden war. Sie repräsentierte Diva Iulia Flavia, die Tochter des Divus Titus und, mochte man den Gerüchten Glauben schenken, Geliebte von dessen Bruder Domitianus. Dessen Asche wiederum war in jener Urne beigesetzt worden, die in der Basis der Plastik war verwahrt und die der Grund war, warum der junge Flavius illegalerweise seinen Weg hierher hatte genommen.
    "Manes Domitiani!"
    , begann er deshalb ein neuerliches Gebet.
    "Du bautest diesen Tempel und setztest Deine Nichte hier bei. Du weihtest Deinem großen Vater, Deinem geschätzten Bruder einen Tempel auf dem Forum. Größte Mühe nahmst du auf Dich, um die Divi Parentes mit Dir zu versöhnen."
    Beim Spintisieren über sein Schicksal und die Hilfe, welche die Maiores ihm hatten erwiesen, war seine Appetenz just auf jenen flavischen Imperatoren gestoßen, dessen keiner mehr gedachte und der doch kurioserweise mehr als seine Vorgänger den Ruhm der gesamten Gens Flavia zu mehren gesucht hatte.
    "Doch verfluchte Dich die Götter und Du fielst ewiger Strafe anheim: Deine Inschriften wurden getilgt, Deine Bilder zerschlagen, Dein Andenken besudelt."
    Mit Abscheu gedachte der junge Flavius der hässlichen Gerüchte, welche über seinen glücklosen Stammvater kursierten und nichts anderes waren als eine ungoutierliche Anhäufung sexueller Ausschweifung, tyrannischer Willkür und irrsinniger Narrheiten, die impossibel zur Gänze der Wahrheit konnten entsprechen. Zweifelsohne hatte Flavius Domitianus unter allen ihren flavischen Imperatoren seiner Familia die geringste Ehre bereitet, hatte er unter jenem Wahne laboriert, der der familiaren Tradition gemäß immer wieder die Sprösslinge seiner Gens torquierte, doch hatte just jene Imperfektion ihn für den jungen Gracchen in seiner misslichen Lage attraktiv erscheinen lassen: Denn all jene Unbill und Verachtung, der er anheim gefallen war, war doch ein untrüglicher Hinweis auf die Ungnade der Unsterblichen, die seinen Bruder und Vater unter die ihren erhoben, ihn hingegen verstoßen hatten, was nun ihn dem Jüngling gleich machte:
    "Auch mir droht der ewige Tartaros als Strafe für mein törichtes Handeln und meine schändliche Vergessenheit gegenüber der Pflicht. Wie du habe ich geschworen, ein besserer Flavius zu werden, das Andenken meiner Väter zu ehren und ihm adäquat mich zu verhalten."
    Manius Minor wusste nicht, ob eine Seele, die die Götter verstoßen hatten, imstande war, Opfergaben der Lebenden zu rezipieren. Sicherheitshalber hatte er dennoch auch für die Manes Domitiani eine bescheidene Gabe präpariert und ließ sich von Patrokolos ein Schälchen mit Getreide reichen.
    "Nimm dieses Korn und wie aus ihm eine Pflanze gedeiht, wächst und neue, reiche Frucht bringt, so hilf auch mir mein Leben aufs Neue zum Blühen zu bringen, aufdass es Frucht bringe als Gabe an die Divi Parentes und alle Götter. Wie der Keimling im Frühling auf die Ackerkrume durchbricht, so sende auch mir ein Zeichen der Hoffnung, so die Götter beschieden haben, mir eine neue Chance zu bieten."
    Er griff nach einem Brotfladen, getränkt mit blutrotem Wein.
    "Sende mir ein Zeichen, ob mein Schicksal zu retten ist, aufdass die Hoffnung mich durchdringt, wie der Wein dieses Brot durchdringt, das ich Dir als gerechte Opfergabe gebe!"
    Der Jüngling beugte sich herab, positionierte das Brot auf dem Schüsselchen mit dem Getreide und ließ sodann sich ein Tuch reichen, um seine Finger von dem klebrigen Rebensaft zu befreien. Für den Aedituus mochte es wirken, als habe er Iulia Flavia seine Reverenz erwiesen, doch war dies der einzige Ort, an dem Restanten jenes geächteten Flavius waren zu finden, dem Manius Minor sich dieser Tage insonderheit nahe fühlte.


    Nun blieb ihm nur noch, ein Zeichen der Manen zu erwarten.


    Bildquelle: Theoria Romana

  • Strömten am Dies Natalis Valeriani die meisten Menschen zum Ulpianum, so hatte Manius Minor es heute vorgezogen, nach dem Vollzug des offiziösen Staatsaktes einen alternativen Kaisertempel aufzusuchen. Als Flavius, welcher sich in der Schuld seiner Ahnen sah, war es ihm nämlich ein Anliegen, nicht allein den Staatsgöttern seine Referenz zu erweisen, sondern ebenso aufs Neue sich der Hilfe seiner Familiengötter zu versichern, obschon er noch immer von Zweifel war zerfressen, ob er mit seinem Mühen überhaupt imstande war, ihren Wünschen zu genügen.


    Stets geleitete ihn diese Frage, wenn er, wie er es nun regelmäßig tat, den Göttern und Laren opferte, wenn er Ehrungen empfing oder auch lediglich das Lob eines Anverwandten. Denn was nützte all die Admiration der Sterblichen, wenn am Ende doch der Zorn der Unsterblichen stand und sein Schicksal, so annehmlich und honoriert es im Diesseits mochte sein, in einem Jenseits der Qualen und insonderheit der Separation von seiner geliebten Mutter lag? Insonderheit der heutige Festtag hatte wieder die Zweifel des Jünglings gesät, erinnerte er sich doch noch trefflich, wie sein Vater scharfe Kritik an dessen Regentschaft hatte geäußert, während er nun als Gott verehrt wurde, als sei seine Herrschaft geradehin göttlicher Natur gewesen. Was also war das Urteil eines Sterblichen wert?


    Und doch erwies sich ein Fortschreiten als alternativlos, denn weder hatten die Unsterblichen ihm seit seiner maternalen Vision weitere Botschaften gesandt, noch hatten diverse Formen der Divination ihn zu überzeugen vermocht, inwiefern er auf dem rechten Weg sich bewegte.
    Also schritt er einfach weiter und klammerte sich an jene Hoffnung, dass ein Festhalten an den Mores Maiorum, welche niemand geringeres als die Maiores selbst ihm hatten übergeben, sie würde saturieren, dass er mit Opfern und Gelübden tatsächlich jenes Wohlwollen generierte, das man ihnen als Wirkung zuzusprechen pflegte.


    Angetan in der herkömmlichen Kleidung, bekleidet mit der Toga candida, deren hinterer Zipfel sein Haupt bedeckte, stand er folglich an diesem Nachmittag vor den Kultbildern des Divus Vespasianus, des Divus Titus und des vielfach geschmähten Domitianus, zu welchem Manius Minor dennoch gewisse Sympathie empfand.

  • Im Tross des Manius Minor befand sich auch die Sklavin des Caius Flavius Scato. Etwas merkwürdig mutete es an, dass der Rotschopf dem Minor zugeteilt wurde und nicht ihrem Dominus. Aber vielleicht war dies eine weitere Bestrafung ihres Dominus und Manius Minor lediglich der Leidtragende ihrer Bestrafung? Wirre Gedanken waren es die Iduna durch den Kopf geisterten, als sie achtsam auf ihre Schrittfolge achtete, um nicht zu weit zurück zu fallen. Was für Strafen fielen ihrem Dominus noch ein, um sie an ihren neuen Stand in der flavischen Sklavenschaft zu erinnern? Von der Leibsklavin des Dominus zur gemeinen Dienerin. Ein äußerst tiefer Fall für den Rotschopf; welchen Iduna tagtäglich zu spüren bekam. Die spöttischen Blicke der anderen Sklaven. Und immer dann, wenn die Cheruskerin eines solchen Blickes gewahr wurde, spürte sie eine irrationale Wut in sich empor steigen. Dann würde sie am liebsten eilends zu ihrem Dominus laufen und eben jenen Sklaven auf dem Silbertablett präsentieren. Diese Gedanken verdrängte sie jedoch äußerst rasch. So auch in diesem Moment, als sie ihren Blick aus dem Augenwinkel von links nach rechts gleiten ließ.
    Nein. Dies war nicht das Ulpianum der Stadt Rom. Dieser Teil des Tempelbezirks war der flavischen Sklavin vollkommen unbekannt. Wie eigentlich fast alles was sich mit der römischen Religionslehre befasste. Zwar hatte Scato seiner Sklavin die Hausgottheiten erklärt und Iduna hatte auch aufgepasst. Doch war es dann etwas vollkommen anderes bei einer solchen Zeremonie selbst anwesend zu sein. Und dann durchbrach Idunas Stimmlein die Stille die sich ausgebreitet hatte. ”Was geschieht hier?” Erkundigte sich der Rotschopf und hob lauschend ihren Kopf an. Vielleicht gab es unter den Anwesenden tatsächlich jemanden, der ihr diese Frage beamtworten könnte. Doch noch bevor Iduna auf eine Besntwortung ihrer Frage antworten konnte, wurde ihr auch schon ein Weinkelch gereicht und ungeduldig in Minors Richtung gedeutet. Langsam atmetet die junge Sklavin ein- und wieder aus. Bevor sie sich langsamen Schrittes in Bewegung setzte und Minor schließlich erreichte, dem sie andächtig den Weinkelch reichte.

  • Wie gewöhnlich, wenn der junge Herr etwas unternahm, führte Patrokolos, sein Leibdiener, das Regiment unter dem Gesinde, sodass auch an diesem Tage er wenige Schritte hinter dem Opferherrn über die Situation wachte. Iduna war ihm selbstredend bekannt und er wusste nicht recht, warum Sciurus ausgerechnet sie für den heutigen Dienst hatte eingeteilt, es jedoch mit Gleichmut akzeptiert, wie er als getreuer Diener stets die Order seiner Vorgesetzten akzeptierte.
    Mitnichten akzeptierte er hingegen vorwitziges Fragen inmitten einer religiösen Zeremonie, weshalb er schroff ein
    "Still jetzt!"
    zischte und dem Mädchen die Patera reichte, sie hurtig mit ein wenig Wein befüllte, sodass Iduna sie ob des flachen Randes würde sorgsam balancieren müssen, und sie voran schickte, um zur rechten Zeit seinem Herrn die rechte Gabe bereitzustellen.


    Unterdessen war Gracchus Minor noch immer gefangen in seinen Meditationen hinsichtlich seiner Ängste, weshalb er von dem Trubel hinter sich kaum Notiz nahm. Konzentriert breitete er die Hände aus und intonierte sein Gebet:
    "O Divi Flavii!"
    Ehe Iduna ihren Auftritt hatte, erreichte ihn nun zuerst ein weiterer Sklave mit der Acerra, aus welcher der junge Flavius nun einige Weihrauchkörner sammelte, um sie in den parat stehenden Foculus zu werfen und somit die Verbindung in die Gefilde der Seligen aufzunehmen.
    "Gleich dem Weihrauch, welcher gen Himmel aufsteigt, so mögen meine Bitten aufsteigen zu euch und an euer Ohr dringen!"
    Manius Minor blickte hinauf in das breite, wissend lächelnde Antlitz des Divus Vespasianus, dessen Züge er mehr erahnte denn erkannte, was indessen kaum vonnöten war, da seit frühester Kindheit sich sein Bildnis in seinen Geist hatte eingeprägt gleich dem eines lebenden Anverwandten. Er mochte leichtlich lächeln, da doch kaum jemand ernstlich zweifelte, dass dieser Heroe, welcher dem Bürgerkrieg ein Ende setzte, Roms Feinde unterworfen und das Imperium in einen Hort des Friedens hatte verwandelt, in den Gefilden der Seligen, wenn nicht auf dem Olymp selbst seine Ewigkeit verbrachte.
    "Seit jeher wacht ihr über unsere Familie und beschert uns die Gnade der Unsterblichen.
    Ihr beschenkt uns mit Weisheit und Segen, um unsere Pflichten für die Res publica zu erfüllen und damit zu unserem und eurem Ruhme beizutragen.
    Ihr gewährtet meinem Vater das Consulat, meinen Großeltern Sitz und Stimme im Senat, Scato das Aedilat und ließet es geschehen, dass die Gens Flavia allseitig höchstes Ansehen genießt."

    Sein offiziöser Tonfall stockte und er senkte ein wenig die Stimme.
    "Ihr rettetet mich aus höchster Gefahr und offeriert mir einen Weg, mein Fortleben im Jenseits zu retten."
    Die Sklaven sollten nicht hören, was ihr Herr seinen divinisierten Ahnen gestand, obschon selbstredend keinem mochte entgangen sein, dass dem jungen Gracchen während seines Vigintivirates Ernsthaftigkeit und Vernunft ein wenig mochte entbehrt haben, dennoch schämte er sich jenes Lebenswandels selbst vor seinen eigenen Unfreien.
    "Wir danken euch, indem wir euch gerechte Gaben darbringen."
    , vollendete er final sein Gebet. Nun war der Auftritt Idunas und ihrer Patera. Ohne darauf zu achten, wer es war, der ihm die Opfergabe reichte, griff er nach demm flachen Gefäß und präsentierte es den Kultstatuen.
    "Auch heute gebe ich euch meine Gabe: Nehmt diesen Wein, den Trank der Freude!
    Gewährt mir dafür eure Hilfe, aufdass ich meiner Familie und meinem Staatswesen als Quaestor dienen mag!"

  • Mit einem neugierigen funkeln in ihren Augen beäugte der Rotschopf alles was sie sehenden Auges erblicken konnte. Und dies war nicht wenig. Somit war es nicht verwunderlich das Iduna ihr vorwitziges Näschen in jedes Eck gesteckt hätte, wenn man es ihr erlauben würde. Nur leider führte der Leibsklave des Minors die Aufsicht über das Gesinde und somit auch über die junge Cheruskerin. Etwas was Iduna innerlich aufseufzen ließ. Nach außen hin ließ sie sich jedoch nichts anmerken oder versuchte es zumindest. Vielleicht könnte sie ihren Dominus davon überzeugen das er ihr die Tempel noch einmal genauer erklärte und vielleicht sogar einen Besuch der Tempelanlagen einplante?
    Bei diesem Gedanken umspielte ein Lächeln der Vorfreude die Lippen der Cheruskerin. Jetzt musste nur noch ihr Dominus ihrem Wunsch zustimmen. Und damit würde sie ihn so bald als möglich konfrontieren. Doch zuerst einmal sollte sie ihre gesamte Aufmerksamkeit auf das Hier- und Jetzt konzentrieren. Mit zur Seite geneigtem Köpfchen beobachtete sie den Minor und erst dann dessen Sklaven. Bevor sie von Patrokolos mit gezischter Stimme zurecht gewiesen wurde. Augenblicklich zuckte da der Rotschopf zusammen und fokussierte mit brennenden Wangen das Mosaik zu ihren Füßen. Hoffentlich drang davon nichts an das Gehör ihres Dominus. Patrokolos und der Dominus würden sie doch nicht verraten, oder etwa doch? Abermals spüre Iduna wie ihr das Herz viel zu laut in den Ohren widerhallte und wie ihre Handinnenflächen schweißfeucht anmuteten.
    Die betenden Worte des Minors nahm Iduna lediglich am Rande wahr; galt ihr Hauptaugenmerk doch noch immer dem Tempelinneren. Bis ihr auch schon eine flache Schale in die Hände gedrückt wurde. Eben jene Schale sollte sie vorsichtig dem Minor darreichen; ohne etwas zu verschütten. Letzteres gelang ihr nicht wirklich und so sprenkelte sie den Boden des Tempels. Bevor ihr die Schale endlich aua den Händen genommen wurde und sie die angehaltene Luft langsam zwischen ihren Zähnen entweichen lassen konnte. Das sie dabei die andächtige Ruhe störte, war Iduna offembar nicht bewusst.

  • Aus der Patera goss der junge Gracche den Wein auf den Boden, wo eine dafür präparierte Öffnung die Gabe ins Erdreich würde entlassen. Sodann reichte er, ohne die Cheruskerin eines weiteren Blickes zu würdigen, die Opferschale an sie zurück und wollte bereits fortfahren, als er ein pfeifendes Geräusch neben sich vernahm, welches prompt ihn aus der kultischen Routine warf.
    Irritiert blickte er zur Seite und warf der geräuschvoll atmenden Sklavin einen scharfen Blick zu, bis sie verstummte. Im Halbdunkel des Tempels erkannte er nicht, dass es sich um jene Sklavin handelte, welcher er vor Jahren sein Herz hatte einen Spalt geöffnet, sondern identifizierte lediglich einen disturbierenden Faktor innerhalb seines Rituals.
    Dennoch erschien es inadäquat, wegen einer derartigen Störung das gesamte Opfer zu unterbrechen, weshalb er sich wieder den Kultstatuen zuwandte, sich einen Augenschlag sammelte und sodann sich von einem anderen Sklaven die Opferkuchen reichen ließ.
    "Nehmt dieses Brot, die Nahrung der Lebenden und Unsterblichen!
    Gewährt mir dafür eure Hilfe, aufdass ich meiner Familie und meinem Staatswesen als Quaestor dienen mag!"

    Aufs Neue präsentierte er seine Gabe und legte diese nun im Foculus nieder, wo das harte Gebäck erstlich unter dem Duft frischen Brotes, sodann versengenden Holzes seine irdische Existenz beendete und verhoffentlich zugleich von den Divi Flavii wurde aufgenommen.

  • Ein leichtes zittern ihrer Finger erfolgte, als dem Rotschopf die Schale aus den Händen genommen wurde. Und ungeachtet der Tatsache, dass einige Wassertropfen zu Boden rieselten und die Fliesen besprenkelten, erkannte Iduna, dass der Minor die Schale leicht schräg hielt, so dass der Wein zu Boden plätscherte und sich alsbald ins Erdreich verabschiedete. Denn eine eigens dafür vorgesehen Öffnung war in den Boden eingelassen. Und dennoch war es die rothaarige Sklavin die für einige wenige Augenblicke die Aufmerksamkeit auf sich lenkte, indem sie die angehaltene Luft zwischen ihren zusammen gepressten Lippen entließ. Und eben jenes Geräusch war eine Spur zu laut, so dass sich der Rotschopf einen strafenden Blick Minors einfing und sich wünschte im nächsten Moment im Erdreich versinken zu dürfen. Genauso wie es dem Wein erlaubt war, direkt mit dem Erdreich zu verschmelzen. Hart schluckte die Cheruskerin und senkte sichtlich betroffen und errötend ihren Kopf. Denn der mahnende Blick des Minors bohrte sich wie eine Klinge in ihr Herz und Iduna presste ihre zu Fäusten geballten Finger gegen ihre Oberschenkel. Wieder einmal hatte sie unbeabsichtigt die Aufmerksamkeit auf ihre Person gezogen; etwas was dem Rotschopf mehr als unangenehm war und sie sich sehnlichst an einen anderen Ort wünschte.

  • Wieder erhob der Jüngling die Arme zum Himmel, um seine Handlung zu vollenden:
    "Ich erbitte von euch euren Segen, aufdass es mir vergönnt sein wird, euren Spuren zu folgen und in den Senat erhoben zu werden. So dies geschehen mag, gelobe ich euch ein Zicklein als Opfergabe!"
    Bereits sein letztes Gelübde war von Erfolg gekrönt gewesen, weshalb der junge Gracche auch diesmalig sich in einem Handel mit den Göttern versuchte. Dann jedoch war das Opfer bereits beendet und er wandte sich nach rechts zu seiner Entourage. Mit zwei Schritten trat er zu ihnen hin und nickte seinem Diener Patrokolos zu.


    Sodann suchte sein Blick Iduna, welche durch ihr hektisches Gebaren seine Aufmerksamkeit hatte erregt:
    "Du solltest, sofern du ein weiteres Mal als Minister eingeteilt wirst, ein wenig stiller deinen Dienst vollziehen."
    , schalt er sie mit ernsten Worten, obschon er keineswegs erzürnt war, sondern lediglich sie zu belehren wünschte.

  • Tatsächlich hielt Iduna die Luft in ihren Lungen und versuchte zugleich nicht zu ersticken. Während sich ihre Wangen stärker röteten und sie ihre Finger fester gegen ihre Oberschenkel presste. Und dann musste der cheruskische Rotschopf doch nach Luft schnappen. Wobei sie die Aufmerksamkeit auf ihre Person lenkte und sich wünschte im Erdreich versinken zu dürfen. Dieser Wunsch wurde ihr jedoch leider verwehrt. Stattdessen hatte sie Minors Aufmerksamkeit, der sich in ihre Richtung wandte, nachdem er das offizielle Gebet beendet hatte. Seine Entourage wartete etwas abseits; nur Iduna rührte sich niicht. Im Gegenteil, spannte sie sich doch unbewusst an, als der junge Römer direkt auf sie zukam und seine Stimme erhob. ”Es tut mir Leid. Wirklich. Aber ich durfte noch nie dabei sein. Und.. und es ist alles so aufregend für mich.” Sprudelte es über Idunas bebende Lippen. ”Bitte erzählt meinem Dominus nichts davon.” Flüsterte der Rotschopf mit einem bittenden Klang in ihrer Stimme, wobei sie aus dem Augenwinkel in Minors Richtung schielte. ”Mein Dominus wäre nicht begeistert und würde mich bestrafen.” Murmelte Iduna mit wahrlich leisem Stimmlein und gesenktem Köpfchen.

  • Die Sklavin schien geradehin verschreckt zu sein angesichts der Kritik des jungen Herrn, obschon jener keineswegs selbige in irgendeiner Weise harsch hatte intendiert. Schon fragte er sich, ob Aurelia Prisca, die sich ja als überaus gestrenge Herrin hatte präsentiert, bereits ihr Regiment des Schreckens hatte installiert, sodass die armen flavischen Diener unter beständiger Furcht nun lebten, als sie auf ihren Dominus verwies, was lediglich sich auf Scato beziehen konnte. Durchaus vermochte der Jüngling zu imaginieren, dass sein Vetter ebenfalls ein gestrenger Herr war, doch wollte er nicht akzeptieren, dass er von ebenmäßiger Brutalität war.
    "Keine Sorge, ich vermute, ein geräuschvoller Hauch wird die Unsterblichen nicht allzu sehr erzürnen."
    , erwiderte er dennoch mit einem freundlichen Lächeln.
    "Verstehe meine Rüge eher als Belehrung für das nächste Mal."
    Sofern es ein solches gab.

  • Wie das Kanninnchen vor der Schlange verharrte der Rotschopf an Ort und Stelle. Unfähig auch nur einen Muskel in ihrem Körper zu bewegen. Denn die Rüge des Minor wiegte schwer auf ihren Geist und belastete das Sklavenmädchen sichtlich. Aurelia Prisca und dem offiziellen Haiusherr der flavischen Villawar der Rotschopf bisher noch nicht über den Weg gelaufen. Glück für die junge Cheruskerin? Durchaus möglich würden wohl einige behaupten. Als der junge Minor erklärte, dass ein geräuschvoller Hauch die Ahnen garantiert nicht erzürnen würde, wirkte Iduna sichtlich erleichtert. ”Ich muss mich entschuldigen. Bitte verzeiht mir.” Flüsterte der Rotschopf und warf dem Minor einen raschen Blick aus dem Augenwinkel entgegen. ”Ich darf das nächste mal nicht mit? Oh bitte.. nein.” Entfloh es mit einem bebenden Klang den Lippen der flavischen Sklavin und warf Minor einen bittenden Blick aus großen Augen entgegen. ”Ich möchte so viel mit meinen Aufen sehen. Rom mit meinen Augen erkunden.” Ob der Minor ihr diesen Wunsch erfüllen könnte?

  • Obschon er den bittenden Blick der Sklavin im Dunkel des Tempelraumes mitnichten erkannte, entnahm Manius Minor der flehenden Stimme doch die Pein Idunas, die es augenscheinlich sehr danach verlangte, die Villa Flavia Felix bisweilen hinter sich zu lassen. Sogleich lag selbstredend die Vermutung nahe, dass es ihr unter den Augen Aurelias an diesem Ort nicht sonderlich gut erging, was wiederum das Mitleid des Jünglings erweckte, welcher ja konträr zu seinen Familiaren sich doch um einen gedeihlichen Umgang mit dem Hausgesinde bemühte.


    Indessen verwunderte ihn doch ein wenig, dass die Sklavin seinen Worten in irgendeiner Weise entnommen hatte, dass sie ihn nicht mehr begleiten durfte, weshalb er sich zu klarifizieren bemüßigt sah:
    "Nun, es steht mir nicht zu deinem Dominus vorzugreifen, doch sofern du deine häuslichen Obliegenheiten ordentlich erledigst, darf der Vilicus dich mir gerne wieder einmal zuteilen, wenn ich weiterer Helferlein bedarf."

  • War es denn so verwunderlich, dass sich Iduna danach sehnte, die Welt außerhalb der flavischen Villa kennen zu lernen? Für die römischen Herrschaften offensichtlich schon und so senkte Iduna ihr Köpfchen und starrte auf den Boden des Tempelinneren. Wobei sie ihre Fingerchen nach wie vor viel zu fest im Stoff ihrer einfachen Tunika verkrallte und versuchte ihre wild umher galoppierenden Gedanken zu sortieren. Schließlich war ihr allzu deutlich bewusst, dass sich ihr Dominus garantiert nicht die Mühe machen würde, und dem Sklavenmädchen die Tempel näher zu bringen. Wozu auch? Iduna hatte zu funktionieren und nichts weiter. Dies hatte Scato seiner Sklavin bereits mehrfach gepredigt und allmählich schien es tief in den Geist der jungen Iduna gedrungen zu sein. Von den Gedanken des Minors ahnte der Rotschopf nicht das Geringste; dass der Flavier die Aurelia dafür verantwortlich machte. Denn bisher war Iduna keinem der anderen Mitglieder der flavischen Familie begegnet, bis auf ihren Dominus und Manius Minor hier. Aber vielleicht war dies auch das beste was dem Rotschopf bisher passieren konnte. Mit diesen wirren Gedanken in ihrem Köpfchen fixierte Iduna weiterhin den Boden zu ihren Füßen und knabberte unbewusst auf ihrer Unterlippe herum. Und dann war es erneut der Minor der das Wort an sie richtete, so dass Iduna unwillkürlich zusammen zuckte und aus dem Augenwinkel zu dem Flavier empor schielte. “Werdet ihr meinem Dominus von meinem.. meinem Fehltritt heute berichten?“ Dabei blinzelte Iduna zweimal und hoffte inständig, dass Manius Minor darüber Stillschweigen bewahren würde. Denn wenn dieser faux-pas ihrem Dominus bekannt werden würde, würde sich Scato zweimal überlegen, ob er seine Sklavin noch einmal mit einer solchen Aufgabe betrauen würde, nicht wahr?

  • Sim-Off:

    Ist dies nicht ein wenig unrealistisch, dass du nach mehreren Jahren niemals den Hausherrn auch nur begegnet bist? So kolossal erscheint mir die Villa Flavia Felix nun auch wieder nicht und nur weil nicht jede Szenerie ausgesimmt wird, sollte sich doch diese oder jene Begegnung ereignet haben ;)


    "Wie ich bereits sagte, erscheint mir dein Fauxpas mitnichten gravierend, sodass ich keinen Grund zu erkennen vermag, Scato damit zu beschweren."
    , explizierte der junge Flavius mit einem jovialen Lächeln, obschon er ernstlich erwog seinen Vetter bezüglich seines Umgangs mit seinen Unfreien genauer zu beobachten, da Atticas Gebahren doch ein wenig argwohngebietend ihm erschien.

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