[Officium III] Scriba Provincialis

  • Zitat

    Original von Valgiso
    Wir leerten die Becher.


    Witjon war sich bewusst gewesen, dass er Sympathieträger bei seinen Untergebenen war. Doch, dass er wirklich so beliebt war wie es sich in diesem Moment offenbarte, hätte er nicht gedacht. Ein breites Grinsen ließ die anderen wissen, dass ihre Worte ihn durchaus fröhlich stimmten. Dazu fiel er ins Scherzen mit ein. "Posca, ihr seid ja richtig bemitleidenswert. Ich werde euch bei Gelegenheit einen kleinen Vorratskorb zukommen lassen."
    Die Becher wurden gefüllt, während die Schreiber ihren ehemaligen Chef zu loben begannen. Das machte ihn ja jetzt richtig verlegen, dass man so gut von ihm sprach. Auf die Gefahr einer Widerholung hin sei zu sagen: Herrje, er würde die Zeit in der Regia vermissen, ja. Aber sowas von.
    "Und mit euch," erwiderte Witjon daraufhin Valgisos Segenswünsche, als sie die Becher erhoben. Er setzte das Gemäß an die Lippen und zog es leer, gefolgt von einem erfrischten Aufseufzen. "Aaaaah, ja herrlich." Den Becher stellte er ab und lächelte erneut in die Runde. Er konnte quasi gar nicht mehr aufhören zu lächeln. "Nun, meine Herren," sagte er dann mit gespieltem plötzlichen Ernst. "Zeit, wieder an die Arbeit zu gehen, was? Wir sind ja hier nicht beim Thermenklatsch!" Schade nur, dass sein Grinsen die Maske der Ernsthaftigkeit zunichte machte. Aber Hauptsache er konnte zum Ende seiner Zeit hier nochmal ein paar kleine Späße erlauben.


  • Casticus
    _____________


    Nach dem Gespräch des Magister Officiorum mit dem Statthalter hatte er seinen Sklaven Casticus zum Officium der Schreiber geschickt. Er öffnete ohne anzuklopfen die Tür und trat ein.


    "Salve, der Magister Officiorum will dich sprechen."


    erklärte der alte Sklave ohne Umschweife und verharrte noch einen Moment, falls der Scriba Provincialis fragen hatte. Ansonsten würde er sich gleich seinen anderen Aufgaben widmen. Nämlich anstatt des bisher üblichen Weins Essig zu besorgen.

  • Zitat

    Marsus: Wir sind ja hier nicht beim Thermenklatsch!


    Zitat

    Casticus; Salve, der Magister Officiorum will dich sprechen.


    Ich setzte gerade meinen Becher ab, als die Tür aufging und ein Typ mit einem Kinnbärtchen eintrat, der mich zum Magister rief. "Siehst du, Marsus, mit dem Klaafen is hier nix. Superiores ad negotium conclamant*! Vale, Marsus".


    Ich griff meine Wachstafel und wandte mich an das Kinnbärtchen: "Ich bin schon auf dem Weg. Übrigens, wie war doch dein Name?"




    Sim-Off:

    * Der Chef ruft


  • Casticus
    _____________


    "Casticus und nun mach dich am Besten auf den Weg. Der Magister Officiorum schätzt Pünktlichkeit."


    sagte Casticus und es war klar, als Sklave von Fabius Vibulanus mit dessen Untergebenen umzugehen. Zu dessen Zeiten als Praefectus Castrorum der Legio XXII waren es Tribune und Centurionen und hier waren es eben Scribae.

  • Als ich aus dem officium von Fabius Vibulanus zurück kam, hob Calvus den Kopf von seiner Schreibarbeit und sagte: "Jedes Mal, wenn du aus dem Büro des Magisters kommst, weht uns hier ein eisiger Hauch um die Ohren".


    "Kein Wunder", antwortete ich ihm, "der da drin ist vielleicht ein lieber Kerl, aber er hat völlig untrainierte Lachmuskeln. Das kommt wahrscheinlich von dem ewigen Posca-Trinken, das Zeug mumifiziert über kurz oder lang die Gesichtszüge. Ihr müsst euch jetzt an neue Verhaltensregeln gewöhnen: wenn ihr mit ihm sprecht, ist er mit Magister Officiorum zu titulieren, alles andere führt bei ihm zu Wutausbrüchen. Und mit dem laschen Herumlümmeln ist es auch vorbei. Es ist Grundhaltung einzunehmen: Blick geradeaus, Bauch rein, Brust raus, Füße zusammen. Wir werden das nächstens mal üben. Berichte sind kurz, präzise und umfassend zu formulieren. Ich weiss, dass das nicht geht, aber es muss. Noch Fragen?"


    "Ja, ich habe eine Frage", kicherte Euphorbus, "hast du vielleicht, ich meine eventuell, beim Magister ein paar Schlückchen Posca getrunken?"


    Ich grinste ihn an: "Bei meinem Schnäuzer, meine Lachmuskeln sind noch in Ordnung, wie du siehst".

  • [Blockierte Grafik: http://img600.imageshack.us/img600/6048/alvitus.png]


    Am Tag nachdem sie endlich in Mogontiacum angekommen waren, hatte sein Herr schon eine Aufgabe für Alvitus gehabt, denn nun galt es ersteinmal die Verhältnisse in Germanien zu regeln. Manche Männer würden befördert, andere entlassen werden. Zu welcher Kategorie dieser hier gehörte, wusste Alvitus schon, denn er war nicht nur ein bloser Sklave, sondern auch ein enger Vertrauter und Berater seines Herrn geworden. Und so trat er auch durchaus selbstbewusst in das Officium des Scriba Provinicialis ein.


    "Salve, mein Name ist Alvitus und ich komme im Auftrag meines Herrn des Legatus Augusti Kaeso Annaeus Modestus. Bist du der Scriba Provincialis Valgiso? Falls ja so habe ich eine Nachricht von meinem Herrn für dich."




  • Zitat

    Bist du der Scriba Provincialis Valgiso? Falls ja so habe ich eine Nachricht von meinem Herrn für dich.


    Wütend zerknüllte ich ein Papyrus, weil die Tinte tückischerweise wie wild um sich gekleckst hatte. Als ich über die miese Qualität der Amtstinte zu nörgeln anfing, meinte Euphorbus, dass es keine 'garantiert nicht klecksende Tinte' gäbe, auch wenn die Händler das immer wieder behaupteten. Er hätte schon alles versucht, aber selbst die feinste treverische Qualitätstinte würde sich unverschämter Weise genauso verhalten wie die billigste friesische Eichengallensoße.


    Ehe Euphorbus seine Forschungsergebnisse weiter ausbreiten konnte, öffnete sich die Tür und ein uns unbekannter Mensch trat ein, der sich Alvitus nannte. Er käme vom neuen Legatus und hätte eine Nachricht für mich.


    Als ich mich ihm zuwandte, sah ich noch, dass einige Tropfen der Tinte sich auch auf meiner Tunika häuslich niedergelassen hatten.


    "Salve, Avitus. Ja, ich bin der Scriba Valgiso. Welche Nachricht bringst du von deinem Herrn?"

  • [Blockierte Grafik: http://img600.imageshack.us/img600/6048/alvitus.png]


    "Mein Herr möchte dich sprechen. Es geht um eine Position als Scriba Provincialis. Wie du dir sicher denken kannst, wird seine Übernahme der Geschäfte einige Entlassungen aber auch Neubesetzungen mit sich bringen. Er lädt dich daher ein mit ihm in der Taberna Silvia Nigra heute Abend zu Essen."


    erklärte Alvitus dem Scriba. Dieser machte auf den ersten Blick doch einen recht germanischen Eindruck, um es diplomatisch zu formulieren, auf den griechisches Sklaven, doch das war im Grunde die Eigenschaft, wegen derer er für die neue Position in Betracht gezogen worden war. Er war einerseits ein durchaus fäher Beamter, so hatte man es zumindest gehört, andererseits war er deutlich sichtbar auch ein Einheimischer.




  • Zitat

    Alvitus: "Er lädt dich daher ein mit ihm in der Taberna Silvia Nigra heute Abend zu Essen".


    Während ich staunend diese Nachricht vernahm, sah ich im Augenwinkel, wie der Kopf von Euphorbus, der sich beim Eintreten des Mannes wieder über seine Schreibarbeit gesenkt hatte, recht rasch in die Höhe fuhr. Ich sah auch, dass Alvitus, während er sprach, mit unbewegter Miene die Tintenflecken auf meiner Tunika begutachtete. Mag er denken, was er will, sagte ich mir, wo geschrieben wird, wird auch gekleckst, verdammt noch mal.


    Ja, beim Hercules Magusanus und allen sonst noch zuständigen Göttern, da kommt ein neuer Legat und lädt so mir nichts dir nichts einen Scriba zum Abendessen ein. Ich entschied mich, die Sache auf mich zukommen zu lassen. Keine Erwartungen, keine Befürchtungen.


    "Alvitus, ich danke dir sehr für das Überbringen dieser Nachricht. Und sag deinem Herrn, dass ich mich sehr auf das Zusammentreffen freue und gerne kommen werde". Ich schaute an mir herunter und lächelte, "... selbstverständlich werde ich dafür sorgen, dass diese Tintenkleckse hier nicht mitkommen".

  • Witjon war per Boten vom Legatus Augusti Pro Praetore hergebeten worden, also war er zügig erschienen. Er hatte bereits vernommen, dass Vinicius abgelöst worden war. Umso gespannter war er also nun, was ihn erwarten würde. Nach kurzem Klopfen betrat er das Officium der Scribae, wo er auch sogleich seine ehemaligen Untergebenen, unter anderem Valgiso, vorfand.
    "Salvete ihr fleißigen Männer!" grüßte er gut gelaunt in die Runde. "Der Legatus Augusti hat mich herbestellt. Wo darf ich mich anstellen?" Er war sich nämlich sicher, dass er nicht der einzige wäre, den es in den ersten Amtstagen/-wochen des neuen Statthalters hierherverschlug.

  • Zitat

    Marsus: " ... Der Legatus Augusti hat mich herbestellt. Wo darf ich mich anstellen?"


    Ich wollte gerade mein Gespräch mit Euphorbus über klecksende und nichtklecksende Tinte wieder in Gang setzen, als Duccius Marsus eintrat.


    "Salve, Marsus. Du brauchst dich nicht an der Warteschlange anstellen. Für dich haben wir immer einen Sitzplatz. Nimm erst mal Platz. Der Legatus hat gerade einen Besucher. Du kennst ja die Prozedur. Ich geh jetzt rüber und sage, dass du da bist".

  • Zitat

    Ich geh jetzt rüber und sage, dass du da bist


    Ich kam zurück in mein officium und sagte zu Marsus: "Diesmal ging es schnell. Du kannst gleich zum Legatus hinüber gehen". Ich grinste, "Die Warteschlange befindet sich im officium des Legatus. Maecenas ist schon dort. Du sollst gleich dazukommen".

  • Ah, viel Zeit blieb heute also nicht zum Plaudern. Witjon nahm den Platz dankend und mit breitem Lächeln entgegen. Es war schön hier so freundlich empfangen zu werden. Umso schöner war es aber, dass Valgiso ihn ziemlich bald hereinbat. "Maecenas auch? Na, das wird ja spannend," stellte Witjon nüchtern fest, als er sich erhob und mit betont ahnungslosem Blick an dem Scriba vorbeimarschierte.

  • Ich wollte gerade hinter Marsus her, da fiel mir ein, dass es besser wäre, wenn ich etwas zum Schreiben mitnähme. Ich griff mir noch drei tabulae und einen Griffel.


    Als ich durch die Tür ging, wäre ich beinahe über die Katze pro Praetore gestolpert, die offenbar auf der Suche nach einem Schlafplatz zwischen den älteren Akten war. "Auch du dienst dem Imperium, Felix", murmelte ich und folgte Marsus zum officium des Legaten.

  • Nach der langen Reise hatte Sermo sich nicht lange mit Rasten aufgehalten. Die Casa Quintilia hatte ihm nur für eine kurze Nachtruhe genügt, denn am nächsten Morgen hatte er bei Sonnenaufgang pünktlich das Haus verlassen und die Regia aufgesucht, die ja nicht schwer zu finden war in einer so kleinen Stadt wie Mogontiacum. Ein Blick auf das Übersichtsbrett führte ihn schnell zum Officium der Scribae, das er nach kurzem Klopfen dann auch betrat. "Salvete," begrüßte er die Schreiber. Seine Toga mit dem angustus clavus kennzeichnete ihn eindeutig als Inhaber des Ordo Equester. Dass er ein Fremder war, würde denen ja vermutlich ohnehin auffallen. "Ich bin Iullus Quintilius Sermo. Der Legatus Augusti erwartet mich."

  • Zitat

    Ich bin Iullus Quintilius Sermo. Der Legatus Augusti erwartet mich.


    Nachdem Euphorbus behauptet hatte, dass es in Wahrheit keine nicht-klecksende gab, hatte Calvus keine Mühe gescheut, eine Tinte aufzutreiben, von der der Händler behauptete, dass sie garantiert nicht kleckste. Gerade wollten wir mit der Wundertinte den Elchtest machen, da klopfte es und es kam ein hohes Tier herein, das sich als Iulius Quintilius Sermo vorstellte.


    "Salve Quintilius Sermo". Ich hatte keine Notiz über einen heutigen Termin des Legatus. "Willkommen in der Regia. Nimm doch bitte erst einmal Platz. Man hat mich leider nicht über dein Kommen informiert. Ich werde gleich den Legatus fragen, ob er Zeit für dich hat. Einen Augenblick bitte".


    Ich ging hinüber zum Officium Primum.

  • Zitat

    Ich werde gleich den Legatus fragen, ob er Zeit für dich hat.


    Ich kam zurück und sagte zu dem wartenden Quintilius Sermo: "Der Legatus Augusti bedauert, dass er jetzt keine Zeit erübrigen kann. Er bittet dich daher, heute abend zu ihm zu einem Abendessen zu kommen".

  • Zitat

    Valgiso
    Zum Abendessen.


    Einige Augenblicke wartete Sermo im Stillen. Er hatte kein Interesse daran ein Gespräch mit den anderen Schreibern zu führen, was denen wohl auch gelegen kam. Immerhin konnten sie so ungestört ihre Arbeit erledigen. Gelangweilt saß er also auf dem ihm angebotetenen Stuhl und sah sich um. Schlicht und praktisch war das Officium eingerichtet, perfekt also für eine zielstrebige Arbeit. Endlich kam der Scriba zurück und unterbrach seine Rauminspektion. "Ah, vielen Dank," erwiderte er, während er sich erhob. "Valete," verabschiedete er sich gleich darauf kurz und knapp von der Schreiberschar, denn er sah keinen Sinn darin weitere Worte mit den Männern zu wechseln. Warum auch? Waren ja nur Schreiber. Und nicht einmal seine eigenen. So verließ Sermo die Regia mit zielstrebigen Schritten gen Basilica, die er für diesen Fall als Alternativtagesziel ausgesucht hatte. Er wollte sich diese Stadt genauer ansehen und wo fing man da besser an als im Stadtzentrum in der Markthalle, wo Klatsch und Tratsch an den Händlerständen gebündelt wurden?

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