Der Vorraum mit den Schreibern

  • Vielleicht kannst du lesen und vielleicht hast du sogar mal ein paar Sätze über Hydraulik gelesen. Aber ich lasse mich nicht von einem dahergelaufenen Barbaren anlügen, der noch nicht einmal die Sprache dieses Hortes des Wissens sprechen kann. Geh zu den Rhomäern und philosophiere mit denen, aber lass uns hier in Ruhe. Und jetzt geh.“
    Der Schreiber hatte keine Lust, hier mit diesem Kerl rumzustreiten. Daher verließ er auch sein Pult und widmete sich wieder seiner Arbeit. Zurück blieb also nur ein leeres Pult, ein abwartender nubischer Wächter und Asius.

  • Ungläubig blickte Asius dem Schreiber hinterher. Was hier gerade passiert war konnte er nicht fassen. Zum einen entschieden hier einfache Schreiber über das Sein oder nicht Sein, konnte das Sein? Zum anderen wurde ihm, obwohl Misstrauen in diesen Zeiten sicher nachvollziehbar war, nicht einmal eine Chance gewährt, sich zu beweisen. Das hatte mit der Würde und dem Selbstverständnis dieser Einrichtung sicher nichts zu tun. Aber Asius kam weder an einen Vorgesetzten heran, noch an dem Wächter vorbei. Wenn er hier keine Wurzeln schlagen wollte und irgendwie seinen Magen füllen wollte, musste er Wohl oder Übel diesen Ort verlassen......
    Mit ungewisser Zukunft.

  • Zitat

    Original von Perseus
    Und selbst wenn das gesamte Personal des Olymps zusammen mit den tierköpfigen Göttern Ägyptens in den Raum gekommen wären, so wäre die Reaktion der meisten Schreiberlinge sicherlich nicht anders gewesen als sie es bei diesem Römer war. Doch im Grunde genommen war das ja egal, da ich nichts davon wusste, dass mein Gegenüber sich für den Nabel der Welt hielt, selbst wenn natürlich die schlichte Tatsache, dass er ein Römer war, auf so etwas hindeuten konnte.
    Auch von den Vorbehalten gegenüber meiner Sprache ahnte ich nichts, als ich mich hinter meinen Schreibtisch begab und mich dort niederliess, den römischen Jüngling im Blick. Auch wenn es mit der Höflichkeit des jungen Mannes offenbar nicht allzu weit her war, beantwortete ich seine Frage natürlich trotzdem freundlich.
    "Pyrrhoneer, lass mich kurz nachsehen." sagte ich und holte eine Schriftrolle hervor, auf der jene Lehrenden verzeichnet waren, die derzeit zum Gast am Museion waren, da ich mir ziemlich sicher war, dass wir derzeit keinen dauerhaft angestellten Gelehrten jener philosophischen Schule hatte. Ich fuhr mit dem Finger über die Liste und hielt bei einem an.
    "Der überaus geschätzte Ariston von Salamis weilt derzeit am Museion." Ich wusste natürlich nicht, ob mein Gegenüber den Namen des Mannes kannte, denn soweit ich mich erinnerte, war er ein Gelehrter mit einem nicht gerade übermässig grossen Ruf, aber möglich war es ja trotzdem.



    Eine metallblaue Fliege zog ihre Kreise an der Zimmerdecke. Ihr penetrantes Surren lenkte den jungen Patrizier ab, er verfolgte, wie das Insekt gegen ein Fenstergitter torkelte, dann erneut ihren stumpfsinnigen, irritierend gleichförmigen Weg auf sich nahm. Heiß war es. Wenn diese Fliege nur einen Tag lebte, so fragte sich der junge Patrizier, währte dann jener kurze Augenblick für sie so lange wie eine Stunde für einen Menschen? So lange wie ein Monat? Länger? Nahmen nicht sogar Menschen, denen eine untereinander ähnlich bemessene Lebensspanne gewährt war, den Verlauf der Zeit ganz unterschiedlich wahr? Wie mochte der Schreiber, der hier vor Dexter so treulich seinen Dienst versah, die Ausdehnung dieses Tages erleben? Ja, verstrich die Zeit nicht sogar für ein und dieselbe Person mal schneller, mal langsamer, je nach Alter, Gemüt, und Neuheit der verlebten Stunden? Veränderung war das Wesen der Zeit, laut Aristoteles. Würde der Lauf der Veränderung aufgehalten – würde dann auch die Zeit enden?
    Oder tropft doch, irgendwo jenseits des fassbaren, eine Art... Idee einer kosmischen Wasseruhr... ?
    Die Fliege summte noch immer, eintönig, schläfrig...
    Ariston von Salamis. Den Namen hatte er noch nie vernommen. Doch da der Schreiber davon auszugehen schien, dass man diesen Mann kennen müßte, beschloß Flavius Dexter, hier keine Blöße des Nichtwissens einzugestehen.
    "Vortrefflich."
    Vortrefflich war es in der Tat, dass diese rare Lehre hier vertreten war! Wie dürstete es Dexter, mehr von jener faszinierenden Philosophie zu erfahren, von der es hieß, dass sie nicht zögerte, alles auf das geistreichste in Frage zu stellen, vor deren Radikalität ihn mancher seiner Lehrer gewarnt hatte (und die ihm darum um so interessanter erschien.)
    "Zudem wünsche ich, mein Wissen auf dem Gebiet der Staatskunde und der Verfassungslehre zu verfeinern." fuhr Dexter zielstrebig fort. "Ist es ausserdem möglich, eine Unterkunft auf dem Gelände des Museions zu beziehen? Etwas einfaches wäre mir durchaus genehm. Ich möchte keine Sonderbehandlung." Und zudem war es um seine Reisekasse nicht mehr allzugut bestellt, seitdem die Wirren des Krieges ihn von der elterlichen Großzügigkeit abgeschnitten hatte. Doch lieber hätte er sich die Zunge abgebissen, als dieses unschickliche Thema anzusprechen.
    "Und was gibt es darüber hinaus noch zu klären?"

  • Ein anderer Schreiberling sah seinem noch recht frischen Kollegen in diesem Moment gerade über die Schulter und nickte soweit ganz anerkennend. Als er dann aber etwas von „Quartier“ hörte, wurde er doch noch einmal hellhöriger und besah sich den jungen Burschen und das bislang Festgehaltene noch einmal genauer.
    “Wieso Sonderbehandlung?“ kam zunächst einmal eine verwirrte Zwischenfrage. Bislang war noch nichts festgehalten worden, was eine Sonderbehandlung rechtfertigen würde. Rhomäischer Name, unaussprechlich beinahe für gebildete Zungen. Und nichts, was auf eine Verwandtschaft mit dem Basileos oder dem Eparchos hindeutete. Sonst hätte der Bursche auch sicher was gesagt.
    “Du kannst dir einen Raum mit einem der Akroatoi hier teilen. Wenn dich einer der Philosophoi oder Philologoi als persönlichen Schüler aufnimmt, weist er dir vielleicht als seinem Gehilfen einen eigenen Raum zu, aber vorher musst du wie alle anderen teilen. Bescheidenheit ist eine Tugend, die einem Wissenssuchenden gut ansteht.Und hast du denn das städtische Bürgerrecht? Stehst du in den Bürgerlisten. Das gilt es zunächst einmal zu klären, bevor wir dich hier als Schüler eintragen!“

  • Der Prahlerei abhold, gab der junge Patrizier dem Angestellten nachsichtig Auskunft:
    "Ich bin ein Flavier von kaiserlichem Geblüt. Aber ich wünsche wirklich nicht, dass ein Aufhebens darum gemacht wird. Ich möchte ein Schüler sein wie jeder andere auch."
    Darum schreckte ihn keineswegs die Aussicht, einen Raum mit einem Zimmergenossen zu teilen, vielmehr dünkte es ihn eine interessante Neuheit.
    "Da hast du ganz recht, guter Mann" stimmte er dem Schreiber freundlich zu, "nur in der Askese vermögen wir unser Streben auf das Wesentliche zu richten."
    Und einen Raum zu teilen, mit irgendeinem Schüler werweißwelch niederer Abstammung, das schien dem Flavier ausgesprochen asketisch. Er sollte es in seinem nächsten Brief nach Hause wohl besser verschweigen. Die Eltern würden es gewiss mißbilligen.
    "Noch nicht. Wo kann ich mich eintragen lassen?"
    Hoffentlich nur eine Formalität. Dexter zog es zu den klaren Quellen des Wissens... nicht in stickige Schreibstuben.

  • Der Schreiberling runzelte ein wenig die Stirn. “Der Basileos war ein Ulpios, und noch haben wir keinen neuen“, meinte er fast schon ein wenig fragend, wischte die ganze Angelegenheit dann aber mit einem Schulterzucken beiseite. So oder so wurde dieser Rhomäer erst einmal bei den üblichen Schülern einquartiert, bis ein Lehrer sich seiner erbarmen würde und – je nach eigener Philosophie – ihn vielleicht in ein anderes Zimmer einquartieren würde.
    Die Worte, die der Mann von sich gab, schienen ja schon recht vielversprechend. Anscheinend war er insgeheim ein Kyniker, wenn er der Einfachheit so viel abgewinnen konnte. Vielleicht auch betrachtete der 'Spross kaiserlichen Geblüts' es auch als großes Abenteuer. Dem Schreiberling war es gleich, solange der Bursche da keine Scherereien verursachte.
    “Da musst du zum Gymnasiarchos, dir einen Termin geben lassen, der trägt dich dann als Freund der Stadt Alexandria in die Liste unserer Ehrenbürger* ein. Der göttliche Basileos hat es seinerzeit so verfügt, und wir halten uns an seine Gebote, auch wenn sein Geist erst dem Phönix gleich wiedergeboren werden muss, wie es scheint.“


    Sim-Off:

    Beim Gymnasiarchos kannst du dir die Proxenie eintragen lassen. Da diese aber auch das Wahlrecht in Alexandria beinhaltet, kannst du dir aussuchen, ob du lieber den CRV (der auch für Italia gültig wäre) oder die Ephebia als Test ablegen möchtest/dir anrechnen lassen möchtest (falls eine andere ID das schon abgelegt hat), bevor du das Wahlrecht in Alexandria auch ausüben kannst. Als Schüler trag ich dich da unabhängig davon dann ein.

  • Es nahm den jungen Flavier nun doch etwas wunder, welch gigantische Lücken das hiesige Personal beim Geschichtswissen zur Schau stellte. Bereits ihre, in seinen Ohren so unsauber tönende, Sprache hatte ihn enttäuscht. Auch die geforderten bürokratischen Umständlichkeiten schienen ihm ausgesprochen... griechisch. Der vielgepriesene Tempel allen Wissens schien ihm aus der Nähe besehen weit weniger Glanz zu verströmen als aus der Ferne. War es zulässig, zu sagen, dass hohe Erwartungen in sich stets bereits den Keim bitterer Enttäuschung trugen? Dexter jedenfalls schien jenes Phänomen eine Konstante in seinem Leben.
    Ob die Qualität der Lehre sich wohl als ihrem Rufe gerecht erweisen wird?
    "Aha."
    Wenig begeistert von der Aussicht, sogleich wieder hinaus in die Straßen der fremden Stadt zu treten und einem ihrer Würdenträger nachstellen zu müssen, verabschiedete sich der Wissensdurstige...

  • Vor kurzer Zeit noch war Quintus sich so sicher gewesen, den Willen der Götter für seine eigene Zukunft zu kennen. Und auch jetzt noch hatte er das Empfinden, dass sie ihn auf ihrem Weg führten; doch wohin dieser ihn denn nun genau führen würde, darüber war der junge Verginier sich nicht mehr ganz im Klaren.


    Eigentlich hatte Quintus sich ja schon ganz zuversichtlich als Akroates am Museion hier in Alexandria gesehen. Doch schon als er beim Gymnasiarchos Kapaneos Thebaios um das Bürgerrecht dieser Stadt nachgesucht hatte, hatte er daran gezweifelt, dass dies tatsächlich der Weg war, den die Götter ihn wiesen. Und seitdem war ja so vieles passiert, was seine Zweifel verstärkt hatte, allen voran die Kunde vom neuen Kaiser Cornelius Palma, die nun auch endlich Aegyptus erreicht hatte, sowie die Aufhebung der Abriegelung. Das alles hatte neue Möglichkeiten geschaffen, auch für jemanden wie Quintus, der sich jetzt wieder ab und zu am Hafen verdingen konnte und der Familie mit der seltsamen östlichen Religion, bei der er nach wie vor wohnte, nicht mehr so auf der Tasche liegen musste. Damit war nun allerdings ein wichtiges Motiv für Quintus weggefallen, Akroates zu werden: Er hatte es im Augenblick finanziell nicht mehr ganz so nötig wie noch vor Monaten.


    So vermehrte ausgerechnet dieses eigentlich so erfreuliche Ereignis noch Quintus' Unsicherheit auf seinem Weg zum Vorraum mit den Schreibern. Dennoch legte der Verginius auch noch die letzten Schritte zurück, um zumindest noch einige sachliche Unklarheiten zu beseitigen, bevor sich eine Entscheidung anbahnen würde.


    Natürlich würde er sich wieder des Koiné-Griechischen bedienen, doch war er sich nicht sicher, ob er wieder den hier so beliebten feierlichen Ton treffen würde, denn ihm war irgendwie gar nicht nach diesem Ton zumute: "Chaire! Mein Name ist Quintus Verginius Mamercus. Ich kann mich seit Kurzem so glücklich schätzen, mich Proxenios dieser Stadt nennen zu dürfen. - Kann vielleicht jemand freundlicherweise einen Augenblick Zeit für mich erübrigen für zwei kurze Fragen betreffend den Status eines Akroates hier am ehrwürdigen Museion?"


    Damit war es raus, und Quintus vertraute sich für das Kommende der Fügung der Götter an.

  • In dem großen Raum der Schreiberlinge des Museions blickte auch sogleich der nächststehende unter diesen auf und schaute den Frager erwartungsvoll an.
    “Dann gratuliere ich dir herzlich zum Erwerb dieses ehrwürdigen Rechts und bitte dich, diene Fragen erstmal mir zu stellen. Vielleicht kann ich dir auch schon weiterhelfen, ansonsten kann ich dich je nach Frage zu demjenigen weiterleiten, der es dann kann.“
    Er hatte ja keine Ahnung, was genau zum Schülerdasein nun gefragt werden würde. Allerdings hatte er schon viele Schüler in die Listen ein- und wieder ausgetragen, so dass er einen gewissen Erfahrungsschatz in jedem Fall vorweisen konnte.

  • Quintus war angenehm überrascht, als sich schon kurz nach seiner Frage einer der Schreiber auf ihn zu bewegte. Immerhin hatten Leute mit ihrer Aufgabe in einer Institution wie dem Museion doch bestimmt alle Hände voll zu tun; nicht umsonst füllten doch sicher auch so viele von ihnen diesen Vorraum. Als der Schreiber ihn dann auch noch freundlich ansprach, legte sich die innere Unruhe des Verginiers merklich, und er nahm sich vor, sich so kurz und präzise wie möglich zu fassen, um die Zeit seines Gegenübers nicht länger als nötig in Beschlag zu nehmen: "Chaire, ich danke dir, dass du dich meinen Fragen widmest! Diese lauten: Erstens, gibt es eine Mindestzeit, die man als Akroates am Museion verbringen muss - oder kann ich den Stand eines Akroates auch jederzeit wieder verlassen, ohne dass dies ehrenrührig wäre? Und zweitens: Darf ich den Gebäudekomplex des Museions verlassen und mich vielleicht als Proxenios dieser Stadt sogar um die Belange Alexandrias in der Ekklesia kümmern, solange ich hier als Akroates eingeschrieben bin, oder muss ich mich ununterbrochen auf dem Gelände des Museions aufhalten?"


    So hatte der Verginier sich kurz gefasst und auch um Präzision bemüht, aber er merkte, noch während er seine Fragen formulierte, dass er unbedingt noch eine Erklärung hinterher schieben müsse: "Weißt du - bestimmt kommen dir meine Fragen komisch vor, aber ich bin mir bewusst, dass das Museion auch eine Einrichtung mit religiösen Wurzeln ist, welche auch von den Akroatai Ernsthaftigkeit verlangen, so dass ich mir durchaus vorstellen könnte, dass hier für die Akroatai solche strengen Regeln gelten, wie ich sie in meinen Fragen angedeutet habe. Na, und außerdem bin ich halt auch Römer, und irgendwie habe ich mir immer vorgestellt, dass ein Akroates hier am Museion so ähnlich leben würde wie ein Tiro im Castellum einer römischen Legion - mit Ausgangssperre, Verpflichtung auf eine Mindestdienstzeit und so weiter."


    Quintus registrierte selbst, wie er, als er das sagte, jeglichen feierlichen Tonfall verlor und eher wieder in seinen angestammten Duktus verfiel, obwohl er natürlich weiterhin Koine sprach. Und weil er zu dem feierlichen Ton ja sowieso an diesem Tag keinen richtigen Hang verspürte, beschloss er seine Rede auch wenig erhaben mit: "Vielleicht bist du so gütig und geduldig und wäschst mir in der Hinsicht mal ordentlich den Kopf."

  • Das war vielleicht keine alltägliche Frage, aber zumindestens eine, die der Schreiberling beantworten konnte.
    “Das kommt in erster Linie auf deinen Lehrer an. Einige der Philologoi und Philosophoi bestehen darauf, dass ihre Schüler Tag und Nacht in ihrer Nähe sind, um von ihren genialen Einfällen auch in der achten Nachtstunde zu profitieren. Andere lehren da eher locker und propagieren eher die Freiheit des Körpers im Einklang mit der Freiheit des Geistes.
    Wenn dein Lehrer nichts dagegen hat, dass du dich auch in der Ekklesia um das Wohl und Wehe der Stadt bemühst oder sogar zu den nächsten Wahlen auch ein Amt anstrebst, kannst du das tun. Das Museion selbst hat hierzu keine offiziellen Einschränkungen. Der verstorbene Epistathes Nikolaos Kerykes– also, der letzte, richtig vom Basileos bestätigte Epistates, nicht sein leider ebenfalls verstorbener Stellvertreter Sosimos von Korinth– war bis vor seinem Tode selbst der Archeprytanes und ebenso auch als Gymnasiarchos für die Bildung der jungen Generationen tätig. Eine der Schülerinnen hier war später auch Eutheniarche.
    Prinzipiell ist der Dienst am Staat nichts ehrenrüriges, was einem Akroates unangemessen sei. Was deine Freiheiten angeht, in die Stadt zu gehen und dergleichen, musst du einzig mit deinem Lehrer absprechen. Er ist ja auch derjenige, der dir die Eignung für seinen Themenbereich dann zuspricht.“
    *


    Sim-Off:

    *Oder mal so gesagt: Bastel dir deinen Lehrer dann einfach so, dass der dich gehen lässt. Das Museion soll das Spiel bereichern, nicht einschränken.

  • Eigentlich verabscheute Quintus es ja, wenn jemand sich so wenig in der Gewalt hatte, dass er seine Launen an seinen Mitmenschen ausließ. Und obwohl er selbst ja nun keineswegs aus einer Familie stammte, die irgendwelches aristokratisches Gehabe zur Schau trug und ihren Sprösslingen solche Etikette schon von ganz klein auf eintrichterte, bezog er diesen Abscheu auch komplett auf sich selbst: Stets bemühte er sich, ein guter Kamerad zu sein und andere nicht durch eigene Missstimmungen zu beeinträchtigen; schließlich konnten diese anderen ja meistens nichts dafür.


    Seine Unsicherheit in Bezug auf seine eigene Zukunft hier in Alexandria hatte allerdings dazu geführt, dass er hier im Museion doch mit ziemlich hängender Miene erschienen war. Und auch nach der freundlichen Aufnahme durch den Schreiber hatte Quintus sich noch nicht ganz bezwingen können.


    Das änderte sich allerdings schlagartig, als er nun die Antwort seines Gegenübers auf seine Fragen hörte, und Quintus' Miene hellte sich augenblicklich auf, denn diese Antwort war besser als alles, was er erwartet hatte. An seiner Freude wollte er den Schreiber auch gleich teilhaben lassen: "Bei dir bin ich offenbar an jemand besonders Kompetenten geraten. Danke für deine ausführliche Antwort! Es gibt also am Museion für die Akroatai keine derart globalen Regeln wie für Tirones in der Legion, sondern es liegt im Grunde alles am eigenen Lehrer. - Ich nehme an, das gilt dann auch für die Zeitspanne, die man im Stande eines Akroates verbleibt?"


    Das war nämlich der einzige Punkt, in dem Quintus noch auf dem Schlauch stand: ob man sich mit der Einschreibung als Akroates für eine gewisse Mindestzeit an das Museion bzw. einen Lehrer band, so wie sich ein Miles auf 20 bzw. 25 Jahre im Exercitus Romanus verpflichtete.

  • Den Schreiberling amüsierte die Freude seines Gegenübers gleich mit, und fröhlich gluckerte er ein unterdrücktes Lachen gleich mit dem Rhomäer mit. Auch die folgende Frage ließ sein breites Lächeln höchstens zu einem belustigten Grinsen abschwächen.
    “Naja, ein bis zwei Jahre* würde ich in jedem Fall einplanen. Vorher hat man sich in sein Studiengebiet ja meist noch nicht einmal richtig eingefunden. Die meisten jungen Bürger der Stadt studieren in etwa fünf Jahre, wobei der eine schneller und der andere langsamer dabei ist, bis der Lehrer mit seiner Leistung zufrieden ist. Aber es gibt auch Akroatoi, die diesen Stand seit über einem Jahrzehnt anhängen und sich nach wie vor nicht Philosophos oder Philosophos nennen wollen. Oder können. Oder es schlicht mit dem großen Lehrer Sokrates halten und nicht vorgeben, Dinge zu wissen, die sie eigentlich nicht wissen.“ Der Schreiberling zuckte die Schultern.
    “Wenn du also später selbst lehren willst, musst du mehr Zeit einplanen. Wenn du nur willst, dass du sagen kannst, Schüler eines großen Lehrers gewesen zu sein und seine Lehren zu dessen Zufriedenheit verstanden zu haben, reicht wohl auch ein kürzeres Studium.
    Verpflichten musst du dich nur, während deiner Zeit am Museion die Götter in deinem Tun zu ehren, dich nicht wie ein elender Barbaros aufzuführen und nicht straffällig zu werden. Und selbstverständlich insbesondere den Kult des Apollo und der Musen zu achten und dich nicht abfällig über jenen zu äußern. Oder gar solche Reden schwingen wie die Judäer oder Kristianer.“
    Bei deren Erwähnung lächelte der Mann jetzt nicht mehr, sondern schüttelte nur den Kopf, um zu unterstreichen, wie abstrus er deren Ansichten fand.


    Sim-Off:

    *Gemessen am Wahlturnus. Also 1 SimOn-Jahr = 3 RL-Monate. Insgesamt also so 3-6 Monate

  • Quintus hoffte, dass das Lachen, welches der Schreiber nach der erneuten Frage des Verginius hören ließ, nicht etwa ein Aus-Lachen war. Allerdings hätte Quintus auch das seinem Gegenüber gar nicht verübeln mögen, denn schließlich stellte er, Quintus, hier Fragen, die für den Schreiber, welcher tagtäglich damit zu tun hatte, vielleicht einfach nur endlustig klangen. Außerdem gab der Schreiber ja auch weiterhin bereitwillig Antwort, und das sogar so detailliert, dass der Verginier vor seinem geistigen Auge einen Holzkant sah, in den bei jeder neuen Information aus dem Munde des Schreibers eine Kerbe hinzugefügt wurde wie auf einem Zeitstrahl: "ein bis zwei Jahre" - "etwa fünf Jahre" - zehn Jahre.


    Die geistige Visualisierung half Quintus, angesichts dieser vielen Zeitabschnitte den Überblick zu bewahren. Die entscheidende Frage, die er nicht dem Schreiber, sondern sich selbst und den Göttern stellen musste, war aber, in welchem dieser Zeitabschnitte er sich selbst wiederfinden konnte, wo seine ganz persönliche Kerbe auf dem Zeitleisten-Holzkant war. Eigentlich, so schoss es ihm durch den Kopf, hatte er Techniker werden wollen, eigentlich in Italia, doch dort hatte er aus diversen Gründen nicht Fuß fassen können. So war er auf die Idee gekommen, nach Alexandria zu gehen und sich dort in Euklidischer Geometrie und allem, was man sonst noch so als Techniker brauchen konnte, ausbilden zu lassen. Und zwar am Museion; "Museion" - das hatte natürlich Klang und würde sich gut in seinem Lebenslauf machen. - So hatte er damals gedacht. Und heute?


    Heute sprach der Schreiber gerade davon, dass Quintus auch Lehrer werden könne. Er, Quintus, Lehrer am Museion in Alexandria!! Hätten sie das zu Hause mitbekommen, seine Verwandten und Freunde in Corsica, sie hätten sich vor Lachen nicht mehr halten können. Er selbst dachte eigentlich immer noch so ähnlich wie zu der Zeit, als er sich nach Aegyptus aufgemacht hatte: sich am Museion ausbilden lassen, dann irgendwo anheuern als Techniker, vielleicht bei einer Stadt- oder Provinzverwaltung, gerne in Aegyptus, aber auch gerne anderswo.


    Aber war das Szenario denn jetzt überhaupt noch realistisch? Einerseits hatte er sich mittlerweile in Alexandria eingelebt, war irgendwie heimisch geworden. Andererseits sah er nicht, dass diese Stadt ihm irgendeine Perspektive bieten würde, außer eben hier am Museion. - Je länger Quintus sich all diese Aspekte durch seinen Kopf gehen ließ, desto mehr keimte im ihm der folgende Gedanke: Angesichts seiner ansonsten vollkommen ungewissen Lage war es für ihn das Beste, was er jetzt überhaupt tun konnte, wenn er sich hier am Museion als Akroates einschreiben ließ. Bis sich für ihn etwaige konkretere Zukunftsperspektiven ergeben würden - und nach denen würde er ja selbst suchen können, weil er gemäß den Worten des Schreibers ja nicht zwangsläufig auf dem Areal des Museions gefangen sein würde -, bräuchte er seine Zeit nicht wieder so verschwenden, wie er es bisher ja leider nicht nur einmal in seinem Leben gemacht hatte. Er würde vielmehr anständige und wichtige Dinge lernen können. Und eben diese Dinge würden ihm auch dabei helfen, seinen ursprünglichen Traum, Techniker zu werden, nicht vollends aus den Augen zu verlieren.


    Mit diesem Überlegungen im Kopf war es dem Verginius plötzlich, als würde Tinia selbst in diesem Vorraum Blitze schleudern, so klar stand ihm seine unmittelbare Zukunft jetzt vor Augen: "Ich danke dir nochmals für deine Auskünfte und deine Geduld! Apollon und die Musen will ich gerne ehren und mich betragen, wie es einem zivilisierten Menschen zukommt. Deshalb bleibt mir nur noch eine einzige Frage: Kann ich mich gleich hier bei dir als Akroates am Museion einschreiben lassen? - Quintus Verginius Mamercus war der Name."



    Sim-Off:

    Vielen Dank auch sim-off! Jetzt ist alles klar (und vielleicht auch für zukünftige Akroatai von Interesse).

  • Na, da war er wohl sehr hilfreich gewesen, wenn der junge Mann sich gleich als Schüler in die Liste eintragen wollte.
    “Früher hat der Epistates neue Schüler noch persönlich begrüßt, aber... nunja, auch Sosimos ist ja nun von uns gegangen, und die Philosophen streiten sich noch – wörtlich genommen – wen sie als neuen Epistates dem neuen Kaiser dann vorschlagen sollen. Ich fürchte ja, es wird Doros von Pelusium...
    Aber genug der Spekulationen. Ich kann dich in die Liste aufnehmen. Sobald die Liste vom Gymnasion wegen deines Bürgerrechtes dann geprüft ist – ein reiner Formalakt, nichts weltbewegendes – wirst du dann auch eingetragen und es erfolgt ein entsprechender Aushang.“

    In feinen, griechischen Lettern schrieb der Mann also mit akkurater Handschrift den Namen auf eine Wachstafel, auf dass er demnächst mit Tinte zu Papyrus gebracht werden würde in den offiziellen Schülerlisten.

  • Wer da in Zukunft welches Pöstchen am Museion ergattern würde, ging Quintus so ziemlich am A[*zensiert*] vorbei in einem Augenblick, in dem er den deutlichen Eindruck hatte, dass sich der Wille der Götter an ihm erfüllte. So glatt lief hier jetzt alles, dass der Verginius glauben mochte, Menrva selbst habe ihm den Weg geebnet.


    Und obwohl ihm der Schreiber doch eben noch ausdrücklich geboten hatte, sich hier im Museion nicht wie ein Barbaros aufzuführen, ließ Quintus ein Grinsen und durch das Grinsen hindurch seine Zähne sehen, dass diese Miene auch einem Piraten oder Miles im Angesicht fetter Beute gut gestanden hätte: "Ja ... - ja, dann freu ich mich total auf die nächsten Jahre. - Und danke dir noch mal!" Längere Dankesreden zu diesem Zeitpunkt sparte sich der Verginier, denn dazu würde es ja möglicherweise noch Gelegenheiten geben: "Und zu dir - würd' sagen: Man sieht sich."


    Nachdem er noch kurz die Hand zum Abschiedsgruß gehoben hatte, gab es für Quintus kein Halten mehr. Noch so gerade eben einen Laufschritt vermeidend, eilte aus dem Museion hinaus, um alles vorzubereiten für seine baldige Wiederankunft als Akroates.

  • Vor die erhabenen Wohnstätten der Musen, vor die kristallklaren Quellen der Weisheit, hatten die Götter diesen Ort der Auslese, der Wägung und Bewährung (man hätte ihn auch 'das Studentensekretariat' nennen können) gesetzt. Junge Helden in der Blüte ihres Wissensdurstes waren hier zuhauf an den Klippen der Universitätsbürokratie zerschellt, ihre bleichenden Gebeine säumten den Weg des tapferen Flaviers, der nun unerschrocken ein weiteres Mal auf den furchterregenden Hüter der Schwelle (manche nannten ihn auch 'den phlegmatischen Schreiber') traf. Doch Quintus Flavius Dexter zeigte weder Zaudern noch Zagen, weder wich er noch wankte er, denn diesmal kam er nicht unbewaffnet. Errungen hatte der junge Held den Schlüssel, und der Name des Schlüssels war "die Proxenie", und so groß war seine Macht, dass auch der furchterregende Wächter zurückwich, und die Tore der waffenstarrenden Festung weit aufschwangen vor dem dürstenden Flavier, auf dass er eintrete, um sich an den sprudelnden Wassern des Wissens zu laben.

  • Dieses Mal war der (phlegmatische) Schreiberling dann auch zufrieden mit dem angehenden Schüler, denn mit vorhandenem Bürgerrecht gab es keinen Grund, den Burschen nicht in die Schülerlisten einzutragen. Somit folgte nur ein kleiner Formalakt, bestehend aus einem hin- und herrennenden Sklaven, um die nötigen Informationen bestätigen zu lassen, und schon wurde der neue Schüler willkommen geheißen und bekam mit einem “Dein Quartier ist dann im dritten Gebäude hinter dem Musentempel neben der kleinen Herme im ersten Stock, zumindest bis auf weiteres.“ ein Zimmer zugewiesen, damit er sich dort häuslich einrichten konnte.

  • "Alles fließt! Alles fließt!"
    Mit einem gerüttelt Maß Irritation blickte der junge Flavius dem bärtigen Greis hinterher, welcher in augenscheinlicher Verzückung aus der Pforte des Museion geeilt kam, als soeben der Jüngling, geleitet von Patrokolos, selbige durchschritt, um endlich sich als Akroates jenes altehrwürdigen Instituts zu immatrikulieren, in welchem er offizialiter seine Edukation zu vollenden gedachte, in Wahrheit indessen bis auf weiteres sein indefinit terminiertes Exulantendasein durch einige nützliche Bildung zu bereichern gedachte.
    "Was mag das bedeuten?"
    , adressierte er einen insekuren Kommentar an seinen Sklaven, welcher indessen ein geneigtes Lächeln seinem Herrn schenkte.
    "Fürchte dich nicht, Domine. Wahn und Weisheit liegen nunmal dicht beieinander!"
    Mitnichten vermochte eine dergestalte Kommentierung den jungen Flavius zu kalmieren, doch schritt er dennoch beherzt voran in Remineszenz an seinen Vetter, welcher diese Hallen ja ebenso hatte durchschritten und jene Lehre phänotypisch schadensfrei hatte gemeistert.


    Hinter dem Tore nun offenbarte sich eine Oase der Ruhe, ein förmliches Oppositum zum Treiben der Agora vor den Toren des Musentempels. Voller Ehrfurcht betrachtete Manius Minor den imposanten Bau, welcher nicht nur ein Heiligtum der Gelehrsamkeit, sondern zugleich eine Heimstatt unzähliger Eleven bildete, unter welche er selbst nunmehr sich zu enrollieren gedachte.

  • Wenngleich das Museion an und für sich ein Hort der Ruhe, Erbauung, Weisheit und Lehren war, galt dies nicht für den Vorraum der Museionsleitung. Hier wurden die Schriften des Museions – und Durchreisender, die unvorsichtigerweise ein noch unbekanntes Werk bei sich führten – wieder und wieder kopiert und übertragen, was eine Vielzahl von Schreiberlingen jeden Tag aufs neue in Lohn und Brot setzte. Zuzüglich zu jenen, die sich einzig und allein der Verwaltung widmeten und den wichtigen fragen wie Verpflegung und Unterbringung der Schüler und das Führen der Listen. Und wie immer, wenn viele Menschen in räumlicher Nähe zueinander arbeiteten, entstand eine völlig eigene Geräuschkulisse, die mit den ehrwürdigen Hallen der Philosophen nur insoweit etwas gemein hatten, dass sie im selben Gebäude lagen.
    Im Vorraum der Schreiber herrschte wie immer eine völlig eigene Ordnung, die ein ungeschultes Auge äußerst schnell mit einem undurchdachten Chaos hätte verwechseln können. Überall kratzten Federn über Pergamente, hier beschwerte sich ein Schreiber über die Konsistenz der Tinte, dort bemängelte ein Schreiber eine fehlerhafte Vorlage und beratschlagte lautstark mit einem Schreiberling auf der anderen Seite des Raumes, ob der offensichtliche Fehler nun bei der Kopie mit zu übernehmen oder doch auszubessern sei.


    Eintretende Personen würden sich erst Gehör verschaffen müssen.

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