[Porta Praetoria] Haupttor (Vor dem Betreten des Lagers hier melden!)

  • Tribuni Cohortium Romae
    Castra Praetoria


    Consul T. Duccius Vala Tribunis s.d.


    Salvete die Herren,


    am kommenden Tage wird das Testament des verstorbenen Princeps vom Atrium Vestae zur Curia Iulia gebracht, um dort verlesen zu werden.


    Die Virgo Vestalis Maxima hat zur Sicherung des Weges vor Störern und schlimmeren darum gebeten den Weg vom Atrium bis hin zur Curia durch zwei Reihen der beiden städtischen Cohorten zu sichern.


    Die Prozession wird zwei Stunden nach Sonnenaufgang stattfinden.
    Der Wunsch der Virgo Vestalis Maxima nach Sicherheit ist ebenso der unsere, dementsprechend schauen wir in Erwartung auf die Erfüllung desselben.


    Valete bene.



  • 'Du kannst sie nicht verfehlen', hatte man ihm gesagt, als er sich nach dem Weg zur Castra Praetoria erkundigt hatte und so war es - die Anlage glich einer Festung, die, umsäumt von hohen Mauern, drohend vor ihm in den Himmel ragte. Ferox fragte sich, ob diese Mauern dazu dienten, Eindringlinge von außen abzuwehren oder nicht doch eher dazu, die Soldaten drin zu behalten. Nun ja, mit etwas Glück würde er es bald erfahren.


    Hinter ihm stand sein Maultier und ein Sklave der Garmanici, der es am Zügel hielt. Sollte Ferox das Tier nicht mit hinein nehmen können, würde der Sklave es zurück in den Stall der Casa Germanica führen.


    Ferox atmete noch einmal konzentriert ein und aus um sich zu beruhigen. Er war gestern extra zeitig zu Bett gegangen, hatte sich morgens noch einmal ausgiebig gewaschen, sich so penibel rasiert wie noch nie in seinem ganzen Leben und sogar seine Schuhe geputzt, um einen möglichst guten Eindruck zu machen.


    "Salve", grüßte er die Wachen, "Nero Germanicus Ferox. Ich möchte mich zur Rekrutierung melden."

  • [Blockierte Grafik: http://oi62.tinypic.com/29uzqsg.jpg]
    Caius Raecius Fimbria


    Die erste Tagwache! Immer die erste Tagwache! Fimbria renkte sich beim Gähnen fast den Kiefer aus. Früher, daheim in den Bergen, da hatte er immer gerne etwas länger geschlafen und ohne ein ausgedehntes Ientaculum war er damals noch nicht einmal in die Schuhe gestiegen, auch wenn das Mahl meist nur aus gewässerten Spelzen und Milch bestanden hatte. Sehr lange schien das schon her zu sein. Seufzend schielte er zu Marullus hinüber. Dem schien die frühe Stunde nichts auszumachen. Natürlich nicht. Seit Tutor’s Tod gab es offensichtlich nichts mehr, was Marullus auch das geringste ausgemacht hätte. Hunger, Durst, Schmerz, Strapazen, Schlaflosigkeit – nichts vermochte mehr zu dem verwaisten Zwilling durchzudringen. Allmählich wurde er Fimbria unheimlich. Das konnte kein gutes Ende nehmen.


    Schaudernd wandte Fimbria sich ab und spähte stattdessen verschwiemelt über den Vorplatz. Schau an, da kamen sie ja schon. Zwei Männer mit Maultier. Welcher davon wohl Antias’ Bruder sein mochte? Die beiden Männer hatten weniger Ähnlichkeit mit seinem Kameraden als das Maultier. Tja, das Maultier. Deswegen war Antias schon zu nachtschlafender Stunde aus der Baracke gehetzt um mit dem Centurio zu sprechen.


    Eben als sich Fimbria auf einen der beiden Männer festgelegt hatte, machte der andere den Mund auf um sich vorzustellen. Falsch geraten. „Ah ja.“ grinste er den Neuankömmling gutmütig an.“Salve Germanicus Ferox. Ich bin Raecius Fimbria. Antias hat mich schon auf dein Kommen vorbereitet. Er sollte eigentlich jeden Moment hier auftauchen.“

  • "Ach... ach ja?" Das war ja mal ein Luxus! Und natürlich viel angenehmer, als allein in einen geschlossenen Ort hinein zu spazieren, wo man sich als Neuankömmling irgendwie fühlte, als hätte man ein fremdes Revier betreten und jeder würde einen irgendwie schief anschauen. Ferox versuchte, sich seine Freude nicht allzu sehr anmerken zu lassen und so Ernst zu schauen, wie er glaubte, dass man es als angehender Soldat tun sollte. Zumindest zogen die Urbaner, die er manchmal in der Stadt sah, prinzipiell einen Flunsch.


    "Gut dann werde ich hier auf meinen Bruder warten."


    Da er nicht wusste, wie lange 'jeden Moment' für jemanden bedeutete, der sich den halben Tag am Tor die Beine in den Bauch stand, setzte Ferox sich ein paar Schritte weiter auf einen Stein, wobei er darauf achtete, seinen Mantel unterzulegen, um sich nicht zu verkühlen.

  • Die ersten Milites krochen bereits verschlafen aus ihren Unterkünften um der Latrine den obligatorischen Morgenbesuch abzustatten. Antias musste sich sputen. Im Eilschritt marschierte er die Principalis hinauf an’s Westtor. Sehr gut! Ferox und Vespa waren schon eingetroffen. „Salve Urbaniciani!“ brüllte er lachend auf die Torwachen und den wartenden Ferox ein, wandte sich zunächst aber an Fimbria: „Danke Fimbria. Wie sieht’ s aus?“ Mit einem kaum merklichen Seitenblick wies er auf Marullus hinüber. Fimbria zuckte resigniert die Achseln. „Wie gehabt.“ Antias nickte besorgt. Zwar teilte er mit Marullus das Contubernium, aber durch seinen Dienst als Miles bekam er kaum noch mit, wie der Zwilling sich durch den Tag kämpfte. In wenigen Tagen würde sich das wieder ändern. Seine Kameraden würden zu Milites aufsteigen und das Contubernium wieder eine geschlossene Einheit bilden. Fragte sich nur, wie lange Marullus noch durchhielt. „Hab ein Auge auf ihn, ja?“ „Sicher.“


    Endlich ging Antias lächelnd auf Ferox zu, umarmten ihn kurz und überbrachte ihm die gute Nachricht. „Alles geritzt, Bruder. Vespa kann mit. Die Modalitäten erklär ich dir später.“ Mit einer knappen Geste entließ er den Haussklaven, schnappte seinen Bruder mit der einen-, Vespas’ Zügel mit der anderen Hand und zog sie sanft aber energisch hinter sich her in Richtung Principia. „Also, Ferox, ich bring unsere Schöne jetzt erstmal zu den Stallknechten und lass sie begutachten und du ..“ mit einem aufmunternden Grinsen verstärke er den Druck auf Ferox’ Schultern. „Du gehst in’s Stabsgebäude da drüben und lässt dich begutachten. Wird schon schief gehn.“ Vor der Principia angekommen drückte er Ferox noch einmal die Schulter und nahm dann eine militärisch neutrale Haltung ein. „Nach der Porta links, die zweite Tür. Viel Glück Bruder.“

  • "Ah, Bruderherz!", rief Ferox, als hätten sie sich jahrelang nicht gesehen. "Wie lange ist es her! Neun Stunden? Zehn?!"


    Er drückte Antias fest. Und als dieser ihm offenbarte, dass er seine Maultierstute mitnehmen durfte, schien der Tag perfekt.


    "Heute kann einfach nichts mehr schiefgehen, bei so einem guten Start! Danke, dass du das alles gedeichselt hast!"


    Guter Dinge ließ er sich von Antias zum Stabsgebäude bringen.

  • <<


    Der Weg durch die Stadt war beschwerlich, jeder Schritt war für Rusticus eine Mühe. Rusticus war schon früher durch die gepflasterten Straßen Roms gelaufen. Schon immer war Rom eine Stadt, deren Ausmaße unbeschreiblich waren. Aber war es nicht die Größe Roms die Rusticus zu schaffen machte. Waren es doch eher die Vielen Leute, die heute durch die Straßen flanierten und Rusticus damit das voran kommen erschwerten.


    Der Kaiser ist tot, hört man an jeder Ecke. Überall unterhalten sich die Leute über die bevorstehende Testaments Verlesung. An jeder Ecke wurde gemunkelt, was in diesem Schriftstück stehen könnte. Angst geht vor allen in den älteren Leuten vor sich. Groß sind nicht nur die Sorgen, die man aus ihren Worten vernimmt, auch ihre Gesichter sind von Sorge gezeichnet.


    Wird es wieder zu einem Bürgerkrieg kommen? Wird das Militär die Macht übernehmen?


    Fragen, die jeden an diesem Tag interessierten, außer Rusticus.


    Dieser war einzig damit beschäftigt, sich durch die Reihen zu gelangen, sein Ziel klar vor Augen. Der Stadtrand, denn da befindet sich Porta Praetoria das Haupttor der Castra Praetoria, dem Standlager der beiden wichtigsten stadtrömischen Einheiten, der Cohortes Praetoriae und der Cohortes Urbanae!


    Cohortes Praetoriae, was würde er darum geben, in diese Reihen aufgenommen zu werden oder wechselt er doch noch einmal in eine etwas andere Laufbahn und geht direkt nach Provincia Germania Superior, um die Interessen Roms zu verteidigen?


    Rusticus war sich noch unsicher. Erst musste er die erste Etappe seines Zieles erreichen. Allmählich kam er dem Stadtlager näher. Die großen Steinernen Mauern waren schon von weiten aus sichtbar. Sicher sind sie mindestens zwei Mann hoch ging Rusticus durch den Kopf, aber abschrecken lies er sich davon nicht. So ging, wenn auch mit langsam etwas mulmigem Bauchgefühl stolzen schrittes voran und blickte sich weiter um.


    "Groß, schwerfällig, beängstigend - eine Wache vor der man ja bald Angst bekommt!", murmelte Rusticus vor sich her, als er nur wenige Meter entfernt die Wache am Toreingang sah.


    Rusticus hielt noch einmal kurz an, atmete tief ein und aus und kontrollierte noch einmal den guten Sitz seiner Tunika, wollte er doch nicht gleich einen schlechten Eindruck hinterlassen.


    Ein Schritt, noch ein Schritte und noch einer... Rusticus kam dem Wächter immer näher, bis er vor ihm stand. Kurz schluckte er noch einmal.


    "Salve", grüßte Rusticus die Wache, "Ich heiße Tiberius Decimus Rusticus. Ich möchte mich bitte zur Rekrutierung melden!"

  • [Blockierte Grafik: http://oi62.tinypic.com/29uzqsg.jpg]
    Caius Raecius Fimbria


    Marullus im Auge zu behalten war nicht schwer. Aber beunruhigend. Nicht etwa, dass er seinen Wachdienst vernachlässigte oder sich gar gegen ließ. Im Gegenteil. Stunde um Stunde verharrte er reglos in vorbildlich militärischer Haltung wie das in Stein gemeißelte Idealbild eines wehrhaften Urbaners. Weder Kälte noch Durst noch menschliche Bedürfnisse schienen ihn auch nur im geringsten anzufechten. Diese Starre war es allerdings nicht, die Fimbria beunruhigte, das kannte er bereits. Was ihm die Haare aufstellte war das seltsame Lächeln auf dem Gesicht seines trauernden Kameraden. Mehr als einmal glaubte Fimbria, fast tonlos gezischelte Sätze zu vernehmen, aber wenn er sich Marullus dann zuwandte, stand nur dieses kalte starrende Lächeln in dessen Gesicht. Dankbar für jede Ablenkung nahm er sich der wenigen Passanten an, die um diese Tageszeit das Lagertor passierten. Ein paar Boten, ein paar Handwerker, schließlich ein Bewerber.


    „Salve Civis.“ erwiderte er etwas zerstreut den knappen Gruß des jungen Römers. „Zur Rekrutierung? Da musst du in’s Rekrutierungsbüro.“ Ach wirklich? Darauf wäre der hochgewachsene Bursche sicher im Leben nie gekommen. „Äh .. ja .. die Lagerstraße entlang bis zum Hauptgebäude, da gehst du rein und meldest dich im zweiten Officium auf der linken Seite. Ist angeschrieben.“ Irgendjemand murmelte irgendetwas. Der Bewerber war es nicht. Bekümmert drehte sich Fimbria zu Marullus um. Darüber würde er schleunigst mit Antias sprechen müssen.

  • Ein Bote der Konsuln brachte noch am selben Abend nach der Senatssitzung zur Klärung des Wahlverfahrens ein Schreiben an den mächtigsten Mann der Stadt...


    Praefectus Urbi
    Castra Praetoria


    Salve Praefectus,


    das Verfahren zur Wahl des Princeps ist, wie vorhergesagt, festgelegt. Wir werden heute noch Schreiben an die Legati, Proconsules und Praefecti erstellen um sie über die Situation zu unterrichten und zur Wahrung des Friedens aufzurufen.


    Die Schreiben werden im Laufe der Nacht vervielfältigt und Boten übergeben. Diese werden am frühen Morgen die Stadt verlassen.


    Sobald die Boten die Tore passiert haben, kannst du diese wieder öffnen lassen. Bitte lass dies deine Männer wissen.


    Bis morgen.


    [Blockierte Grafik: http://www.kulueke.net/pics/ir/unterschriften/unterschriftvalaroemwachs.png]
    Casa Accia | Collis Esquilinus | Roma



  • Als Maro endlich das Haupttor der Castra Praetoria erreichte, fanden ihn die wachhabenden Soldaten in keiner guten Stimmung. Die Straßen von Rom waren nicht gut zu Maro gewesen. Nachdem er bei den Octaviern auf verschlossene Türen und Stille gestoßen war, hatte er versucht auf andere Weisen sich eine Existenz zu errichten. Doch Rom, die Stadt der Möglichkeiten, Zentrum des Imperiums hatte sich als herzloses Moloch erwisen, das Maro nicht auf eigene Füße kommen ließ.


    So hatte Maro schließlich den unausweichlichen Schluss gefasst, das zu tun, was er eicgentlich hatte vermeiden wollen. Die Soldaterei. Aus Germanien kannte er das Leben der Soldaten aus der eigenen Ansicht und ihm war es stets unerfüllend, stumpf und gefährlich vorgekommen... ach Fortuna, du miese Schlampe!


    Schließlich muste er irgendetwas essen. Und bei genauerem Nachdenken, war es ihm immer mehr als beste Option erschienen. Es war nicht die schlechteste Gelegenheit sich den Lebensunterhalt zu verdienen. Garantierter Lohn, garantiertes Dach überm Kopf und Essen... dazu noch die Bestechungsgelder (obwohl "der Avianus", wie der Centurio der Urbanae in der Subura genannt wurde, seine Mannen, was Nebeneinkünfte dem Vernehmen nach betraf an der kurzen Leine hielt. Aber dies hier war schließlich Rom)


    Er holte tief Luft und sprach die Wachhabenden an. :"Also schön Freunde, ich will mich bei euch einschreiben. Ist der Zuständige grade da? Wo soll ich unterschreiben?"

  • [Blockierte Grafik: http://oi61.tinypic.com/r22iqt.jpg]
    Sextus Maevius Macro
    TIRO · COHORTES URBANAE


    Macro war nicht sonderlich erbaut von der Diensteinteilung. Torwache. Elend eintönig. Nur Boten, Lieferanten und ähnlich langweiliger Zivilkram. Wie öde. „Lieber zwanzig Runden um den Exerzierplatz als das hier.“, maulte er zu seinem Kameraden Pola hinüber. „Das ist doch reiner Strafdienst, oder nicht?“
    Pola erwiderte nichts. Natürlich nicht. Der war ja auch völlig anderer Meinung, wie Macro sehr wohl wusste. In Ordnung war der Bursche schon, nur hatte er keinen Funken Ehrgeiz im Leib. Torwache. Die reinste Zeitverschwendung. An den Waffen hätten sie sich stattdessen üben können, sich an den Pfählen schinden, ihre Körper stählen, aber nein, sie bewachten ein Tor. Genau genommen gab es hier gar nichts zu bewachen. Vor wem auch? Welcher Zivilist war schon so blöd, unbefugt in die Castra Praetoria einzudringen? Welche Hummel schlich sich schon in ein Wespennest? Nein, hier war wirklich nicht viel Ehre zu erringen, und dabei hatten Pola und er sogar noch Glück gehabt. Die Kameraden an der Porta Decumana beispielsweise starrten ihre ganze Wache über nur unterfordert auf die Müllgrube und ein paar vorgelagerte Scheuern. Welch grausige Vorstellung.


    Während er noch mit dem ungerechten Schicksal haderte, fiel Marco’s Blick plötzlich auf einen zielstrebig heran marschierenden Zivilisten mit seltsam maskenhafter Miene. Beim Mars, der Kerl führte doch sicher Übles im Schilde! Angespannt warf Macro sich in die Brust, lauschte auf alle eventuellen Angriffe gefasst dem Anliegen des Cives und musste enttäuscht feststellen, dass er hier keinen Angreifer vor sich hatte, sondern im Gegenteil einen potentiellen neuen Kameraden. Unterschreiben wollte er? Macro runzelte die Stirn. Der hatte es ja ziemlich eilig.


    „Salve Civis. Ja, das Officium Conducendi ist besetzt, falls du das meinst. Wie jeden Tag von der hora secunda bis zur hora decima. Wenn du den Cohortes beitreten willst: Die Via Praetoria entlang bis zum zentralen Verwaltungsgebäude. Da gehst du rein, hältst dich links und meldest dich im zweiten Officium. Die sagen dir da schon, wie’s weitergeht.“

  • Maro nickte:


    "Officium Conducendi an der Via Praetoria, alles klar vielen Dank."


    Er grüßte den, der ihm den Weg gewiesen hatte; der andere machte ohnehin den Eindruck sich in jenen Zustand der inneren Ruhe verabschiedet zu haben, den nur gelangweilte Wachsoldaten erreichen konnten. Also machte Maro sich auf den Weg zu dem beschriebenen Officium.

  • [Blockierte Grafik: http://s14.directupload.net/images/141021/e4ctfnz5.jpg] | Sarah


    --->
    Ihre Schritte wurden immer schneller. Sie ging nicht mehr, sie rannte fast. Nur weg von hier aus dieser engen Gasse! Bald erreichte sie eine der belebteren Straßen, auf der sie nicht auffiel. ‚Optio Iunius Avianus, Cohors XII Centuria III‘, sagte sie sich im Stillen immer wieder vor. Den Namen hatte sie sich gut gemerkt. Er war ihre letzte Hoffnung auf Rettung. Bei ihrer ersten Begegnung war sie sich schon ganz sicher gewesen, dass man ihm vertrauen konnte. Er würde sie und alle anderen ihrer friedliebenden Geschwister vor dem großen Unheil bewahren, welches über sie hereinbrach, wenn Narseh und seine Anhänger erst einmal damit begonnen hatten Unfrieden zu stiften. Doch soweit musste es gar nicht erst kommen, denn sie würde ihnen zuvor kommen. Sie würde die Namen der Unruhestifter schon preisgeben, noch bevor sie auch irgendeinen Streich unternehmen konnten.
    Der Tiber war bereits überschritten. Trans Tiberim, ihre Heimat wo sie geboren worden war und wo sie ihr ganzes Leben verbracht hatte, lag nun hinter ihr. Vor ihr lag nun noch ein langer Weg quer durch die Stadt. Sie ließ sich an den Märkten nicht dazu verleiten, ihr Schritttempo zu verlangsamen, gaffte nicht den imposanten Sänften reicher Damen nach und ließ sich auch nicht von den schillernden Tempeln fremder Götzen verführen.
    Schließlich war sie an ihrem Ziel angelangt. Sarah fand sich vor dem großen Tor der Castra wieder. Ein seltsames Gefühl in der Magengegend begleitete sie schon, als sie näher trat und klopfte.

  • [Blockierte Grafik: http://oi58.tinypic.com/2zggn7o.jpg]
    Sextus Peducaeus Hispo


    Hispos trockener Mund begann sich schlagartig mit Speichel zu füllen. „Siehst du das? Da unten steht eine Frau!“, keuchte er weit über die Brustwehr gebeugt, „Eine Frau! Was macht die hier um die Zeit? Siehst du das?“ Fimbria beugte sich seufzend vor. "Ja, ich seh's." Und nicht nur das, im Gegensatz zu Hispo, dessen maximal durchblutete Ohren fast im Dunklen zu leuchten begonnen hatten, hörte er auch das Klopfen. „Na, sie will hier rein, wie’s scheint.“ Mit hoffnungsfrohem Funkeln im Blick fuhr Hispo herum. „Meinst du? Der gute Geist der Nachtwache oder sowas? Götter!“ Fimbria schüttelte grinsend den Kopf. „Vielleicht fragst du einfach mal nach, was sie will.“


    An sich keine schlechte Idee, musste Hispo zugeben, auch wenn er sich gerne noch ein Weilchen der beglückenden Illusion hingegeben hätte, dass da unten eine Art fleischgewordenes Donativum für treue Dienste auf die Wachmannschaft wartete. Enrnüchtert vor sich hin nickend steckte er den knallroten Kopf dann schließlich doch wieder über die Mauer. „Heda schönes Kind! Was gibts denn? Die Tore sind schon geschlossen, wie du siehst!“



  • [Blockierte Grafik: http://s14.directupload.net/images/141021/e4ctfnz5.jpg] | Sarah


    Je länger sie noch vor dem Tor warten musste, umso schneller schlug ihr Herz. Sie begann bereits daran zu zweifeln, hier wirklich das Richtige zu tun. Denn letztendlich würde das hier Konsequenzen haben. Für Narseh und all die anderen Fehlgeleiteten, die sich ihm angeschlossen hatten. Womöglich schlimme Konsequenzen, als sie es sich überhaupt vorstellen konnte. Eigentlich hatte sie Narseh nichts Böses wollen. Er sollte einfach nur aufgehalten und auf den rechten Weg zurückgeführt werden. Mehr nicht. Doch wenn sie an die Horrormärchen dachte, die nach der großen Razzia vor ettlichen Monaten im Umlauf gewesen waren, dann zitterte sie nun vor Angst. Noch war Zeit, umzukehren. Sie hatte es noch selbst in der Hand.


    Plötzlich aber fuhr sie erschrocken zusammen, als von oben ganz unerwartet eine Stimme zu ihr sprach. Überrascht wandte sie ihren Blick nach oben und erkannte einen Wachmann auf der Mauer. Sie zögerte einen Moment, weil sie nicht mehr wusste, was sie sagen sollte. In ihrem Kopf schien plötzlich nur noch Leere zu herrschen.
    „Ähm das sehe ich, dass die Tore geschlossen sind. Deshalb habe ich ja auch geklopft,“ rief sie ihm schließlich aus Verlegenheit hinauf.

  • [Blockierte Grafik: http://oi58.tinypic.com/2zggn7o.jpg]
    Sextus Peducaeus Hispo


    „Sehr witzig.“ knurrte Hispo beleidigt, lehnte sich noch weiter über die Mauerbrüstung, um das Gesicht der schlagfertigen jungen Frau im zuckenden Licht der Mauerfackeln besser sehen zu können und wäre todsicher kopfüber auf den Vorplatz geknallt, hätten ihn nicht fünf kräftige Finger an der Paenula gepackt.
    „Sag mal, spinnst du?“ fauchte Fimbria erschrocken. „Immer das gleiche mit dir! Sobald irgendwo so’ne dünstende Sprotte auftaucht, gehts mit dir durch! So langsam reichts! He, da unten! Das ist hier keine durchgehend geöffnete Herberge! Geh heim und komm morgen wieder! „Nein, warte!“ krähte Hispo hinterher, löste sich sanft aus dem Griff des Kameraden und hastete auf den Treppenabgang zu. „Ich kenn das Gesicht! Die Frau hab ich schon mal gesehen.“ Fimbria dachte sich sein Teil und ließ ihn ziehen.


    Am Fuß der steilen Holztreppe angekommen eilte Hispo zum schmalen Seitentor hinüber, zog die Riegel zurück und spähte hinaus. Tatsächlich. Nun erinnerte er sich auch wieder, woher er dieses hübsche Gesicht kannte. Die Taverne in Trans Tiberim. Antias’ zerschnittene Hand, die sturen Christianer, das Verhör durch den Centurio, der damals noch Optio gewesen war. Alles schon eine Weile her. „Bei den Furien, Mädchen, du bist ja leichenblass. Was willst du denn hier um die Zeit?“


  • [Blockierte Grafik: http://s14.directupload.net/images/141021/e4ctfnz5.jpg] | Sarah


    Sehr witzig? Sarah war absolut nicht zum Lachen. Ihre Zweifel wuchsen mit jedem Atemzug.
    Der Wachmann, der von der Mauer herunter gerufen hatte, war inzwischen verschwunden. Jetzt wäre also der beste Moment gewesen, um doch noch zu verschwinden. Doch wenn sie jetzt ging, war alles umsonst gewesen. Narseh und seine Anhänger würden Unglück über die Gemeinde bringen und am Ende mussten sie alle dafür büßen. Doch bevor sie noch weiter über das Für und Wider für ein rasches Verschwinden oder Hierbleiben nachsinnen konnte, öffnete sich plötzlich einen Spalt weit das Seitentor und der Soldat von der Mauer erschien.
    Ein seltsames Gefühl überkam sie. Irgendwie kam ihr das Gesicht des Mannes bekannt vor. Jetzt, da er so nah vor ihr stand. Natürlich! Endlich war der Groschen gefallen. Der Mann war zusammen mit dem Optio in der Taberna gewesen. Mit Sicherheit hatte er sie auch erkannt. Ein Rückzieher war jetzt also ausgeschlossen, wenn sie sich selbst nicht verdächtig machen wollte.
    „Ich.. ich äh… ich muss den Optio sprechen. Es ist wichtig,“, brachte sie endlich heraus.

  • [Blockierte Grafik: http://oi58.tinypic.com/2zggn7o.jpg]
    Sextus Peducaeus Hispo


    Ganz unrecht hatte Fimbria nicht, gestand sich Hispo ein, während er versuchte, im dunklen und doch so bleichen Gesicht des ausgesprochen hübschen Mädchens zu lesen. Schon wahr, es fiel ihm zunehmend schwer, in weiblicher Gesellschaft seine Sinne beieinander zu halten. Wenn sich der angekündigte Ausgang noch weiter verzögerte, würde er unweigerlich überschnappen. So viel war sicher „Du musst den Optio sprechen?“ wiederholte er dümmlich und fragte sich gleichzeitig gekränkt, warum Antias nichts von dem erwarteten abendlichen Besuch erzählt hatte, bis ihm endlich die Erkenntnis ins Hirn sickerte, dass sie wohl zu Avianus wollte. Vermutlich wusste sie nichts von dessen Beförderung zum Centurio. Gleichviel, sie stand vor der Castra Praeotoria, hier konnte nicht jeder Civis rein und raus spazieren wie es ihm beliebte, nicht bei Tage und nach Torschluss erst recht nicht.


    „Verdammt, Hispo! Mach dich nicht unglücklich!“ hallte eine mahnende Stimme vom Wehrgang. „Die streichen dir noch den Urlaub!“ Und wieder hatte Fimbria recht. Wie immer. Dennoch hielten ihn die eindringlichen fast schon verzweifelten Blicke der jungen Frau davon ab, sie einfach wegzuschicken. Stattdessen zog er das Seitentor auf und nickte ihr aufmunternd zu. „Du meinst sicher Iunius Avianus. Gut, komm erstmal rein.“


    Kaum hatte er das Tor wieder verriegelt, erbebte auch schon die Holztreppe unter Fimbrias’ schweren Schritten. „Was bei allen Göttern soll das werden?“ Hispo sah noch einmal auf die angespannten Züge der dunkelhäutigen Besucherin. „Ich glaube, es ist wichtig, Fimbria. Sie will den Centurio sprechen.“ Fimbria schnaufte aus geblähten Nüstern. „So, du glaubst? Na, wenn du das glaubst, von mir aus. Ist schließlich dein Arsch, in den er treten wird.“
    Ganz genau. Es war sein Arsch, ebenso wie es sein Bauch war, der ihm dazu riet, die Frau zum Centurio zu führen.
    „Komm mit, Mädchen, ich bring dich zu Iunius Avianus.“


  • [Blockierte Grafik: http://s14.directupload.net/images/141021/e4ctfnz5.jpg] | Sarah


    „Ja, den Optio!“ bekräftigte sie ihr Vorhaben, auf die wiederholte Frage des Urbaners hin. Ein Moment verging, der unendlich zu sein schien. Im Hintergrund hörte sie eine andere mahnende Stimme, die auf den Urbaner einzureden versuchte. Doch ihn ließ das vorerst kalt. Stattdessen nannte er ihr den Namen, der ihr aus der Anspannung heraus plötzlich entfallen war - Iunius Avianus.
    „Äh ja, genau den,“ entgegnete sie ihm und wurde daraufhin schließlich, allen Unkenrufen zum Trotz, doch noch eingelassen.


    Mulmig war wohl die beste Umschreibung für das Gefühl, das sie gerade empfand, nachdem der Soldat sie hereingebeten hatte und ein zweiter, dessen warnende Stimme sie eben noch im Hintergrund gehört hatte, ihr entgegenkam. Nun war sie gefangen und saß in der Falle, war ihr erster Gedanke. Aber nein, versuchte sie sich gleich darauf selbst einzureden, sie war hier, um ihre Pflicht zu tun. Sie hatte einen Auftrag und den musste sie nun ausführen.
    Doch selbst die beiden Urbaner schienen sich weiter uneins darüber zu sein, ob sie überhaupt hier sein sollte. Vielleicht hatte der zweite Urbaner ja recht und es war tatsächlich ein Unsinn, dass sie hier war. Wäre es nicht besser gewesen, alles noch einmal in Ruhe zu überdenken? Und dann? Dann wäre es vielleicht schon zu spät gewesen!


    Letztendlich war es dann so, dass man sie doch noch zum Optio brachte, der wie es schien, inzwischen zu einem Centurio geworden war. Dankend ging sie mit dem Urbaner mit, ohne dem anderen noch eines Blickes zu würdigen.

  • Es waren inzwischen schon einige Tage vergangen, seit Sibel die Nachricht von Morrigan gelesen hatte und sie sich daraufhin fest vorgenommen hatte, sie zu besuchen.


    Immer wieder war etwas dazwischen gekommen und seit einigen Tagen fühlte sie sich auch nicht besonders gut. Wie es schien, hatte sie sich den Magen verdorben. Allerdings hatte Avianus darüber nicht klagen können. Natürlich hatte sie über ihr Unwohlsein nicht viel Worte verloren und versuchte es, so gut wie möglich wegzustecken.


    Endlich war also der Tag gekommen, an dem es ihr wieder etwas besser ging und sie beschloss, heute ihre Freundin zu besuchen. Wie immer, wenn sie in die Stadt ging, hatte sie sich in eine unscheinbare Palla gehüllt, die sie besonders innerhalb der Castra vor den Blicken der Soldaten schützen sollte. Dieses seltsame Gefühl, welches sie innerhalb der Castra ständig begleitete, wurde sie einfach nicht los.
    Nur noch wenige Schritte trennten sie vom Haupttor. Danach würde es ihr sicher wieder etwas besser gehen und sie würde sich ein Stück mehr freier fühlen.


    Sim-Off:

    Reserviert! 8)

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!