[Exedra Aedilium] Der Sprechsaal der Aedile

  • "Du hast gut daran getan, dich für die Laufbahn eines Ritters zu entscheiden.", schmunzelte Vala ob des doch arg unbeholfenen Versuchs des Germanicus sich in Politikersprech zu üben. Als der Procurator dann auch noch durch die Blume bekannt gab, ein Auge auf das Amt des Praefectus Annonae geworfen zu haben, kam Vala nicht umhin ungläubig mit dem Kopf zu schütteln: "Germanicus, du stehst hier um mir bekannt zu geben, dass du dein Amt aus Krankheitsgründen nicht ausführen kannst... und dann liebäugelst du mit dem Amt deines Vorgesetzten?"


    Bei dem Gedanken dieser offensichtlich tolldreisten Realitätseinschätzung musste Vala dann doch lachend den Kopf schütteln: "Das ist... mutig, um es in der Sprache der Politiker auszudrücken. Ich kann hier kaum für die Administratio sprechen, welche immerhin die Ämter des Cursus Honorum der Equestres besetzt und über jeden Aspiranten entscheidet... aber eine lange Abwesenheit qualifiziert nicht gerade für einen Aufstieg in der Hierarchie, Germanicus. Und selbst wenn... zwischen dem Procurator Annonae und dessen Praefectus liegen noch zwei weitere Stufen der ritterlichen Laufbahn. Ich denke, ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster wenn ich dir sage, dass deine Chancen in Bälde auf den Praefectus Annonae vorzurücken gen... Null... tendieren."

  • Na wenigstens hast du Humor, Aedil selbst schmunzelte der Germanicer und hob den Finger als Zeichen dafür dass er etwas sagen wollte.


    Also Aedil. Ich drückte mich wohl sehr unklug aus als ich meinte das Amt der Praefectus Annonae wäre das Ziel welches ich mir gesetzt habe. Wohl ist mir klar dass der Weg dahin nicht so einfach ist und es noch eine weite Strecke zu wandern gibt. Und natürlich wird mein jetziges Amt auch wieder jenes sein welches ich vorhabe zu besetzen. Nach meiner Gesundung. Und....immerhin sind die Chancen auf das Amt des PA nicht gleich Null sondern gehen nur in diese Richtung.


    Kann ich dir sonst noch irgendwie zu Diensten sein, Aedil? Oder ist die Unterredung soweit abgeschlossen? Aculeo fühlte sich nicht mehr so wohl wie Anfangs der Unterredung und es wurde mit der Zeit mühsamer.

  • "Du wirst verstehen, wenn ich, von Allgemeinplätzen mal abgesehen, keine Angaben zu deinen Chancen auf ein Amt machen kann, dass zur Gänze der Beurteilung und Besetzung durch die kaiserliche Kanzlei unterworfen ist.", schloss Vala das Thema ab, und auch das letzte gleich im Anschluss zu beenden: "Nein, das wäre es dann von meiner Seite... schick einfach einen deiner Mitarbeiter, den du für kompetent genug hälst, zu mir... und melde dich wieder, sobald dein Gesundheitszustand es zulässt."

  • In Mantua von irgendeinem Legionär ohne Nennung seines Namens aufgegeben erreichte abermals ein absenderloses Schreiben die Basilica Iulia in Rom und wurde von dem Postboten, dem der Inhalt einmal mehr relativ egal war, einfach an einen der Schreiber der Aedile hier gegeben. Der würde die anonyme Wachstafel schon richtig weiterleiten - obwohl der Schreiber dieser Nachricht (noch immer? oder schrieb hier diesmal jemand anders?) nicht den korrekten Namen des amtierenden Aedils zu schreiben vermochte.



    AN DEN AEDIL DUCIUS ODER NACHFOLGER
    EXEDRA AEDILIUM - BASILICA IULIA - FORUM ROMANUM - ROM


    [LIST=I]


    [*]EIN F. DOMITIUS MASSULA BIETET:
    FABELHAFTER EMMER - SONDERANGEBOT | FREYA MERCURIOQUE (GETREIDE)


    [*]EIN T. DECIMUS VARENUS BIETET:
    BESTES GARUM SOCIORUM AUS DEN GEBIETEN UM CARTHAGO NOVA, EINFACH NUR LECKERSCHMECKER. ERLEBE DIE EKSTASE AUF DEINER ZUNGE! (GARUM)


    [/LIST]


    Sim-Off:

    The same procedure as last year, Miss Sophie? - The same procedure as every year, James!
    Um also Missverständnisse zu vermeiden erneut der Hinweis: Diese Tabula kam per PN. ;)

  • "Nochmal anonyme Post, Aedil Duccius...", brachte einer der Zuarbeiter der Aedile eine Tabula zu Vala, als dieser sich schon auf Feierabend eingestellt hatte und sich die Toga zurechtzupfen ließ. Dass Rom voll von Denunzianten war, war ihm im Laufe seiner Amtszeit nicht nur einmal aufgefallen... was ihm einerseits seine Arbeit erleichterte, ihn andererseits auch nachdenklich stimmte.
    "Worum geht es dieses Mal?", fragte Vala, während er mit beiläufigem Interesse beobachtete wie ein Sklave das zustande brachte, was er nie verstehen würde. Warum war es wichtig, wie diese und jene Falte in der Toga geschlagen wurde.
    "Ein gewisser Faustus Domitius Massula bietet Getreide an, für das er keinen lizensierten Betrieb besitzt.", dozierte der Scriba, der uninteressierter kaum wirken könnte und demnach wohl nicht nur eine Amtszeit eines Aedils erlebt hatte.
    "Vergessen.", antwortete Vala prompt ohne mit der Wimper zu zucken, und provozierte damit eine skeptisch hochgezogene Augenbraue des Vorarbeiters. "Ich meine: delegiert das an die zuständigen Aedile in Mogontiacum.", womit es in den Einflussbereich seiner Familie kommen und damit ohnehin entfallen... oder sich zwischenzeitlich anders regeln würde.
    "Das Angebot ist nach unserer Recherche ohnehin nicht mehr auf dem Markt. Warum auch immer, es hat sich erledigt.", sprach der Scriba mit kritischem Blick und fuhr letztendes einfach fort: "Dann wäre da noch die Erwähnung eines Titus Decimus Varenus, der durch seinen in Ostia ansässigen Gewürzhandel Garum aus Carthago Nova vertreibt."
    "Und was soll daran so verwerflich sein?", hakte Vala nach, der einen doppelten Faltenwurf fasziniert beobachtete.
    "Laut unserem Informanten soll das ein Verstoß gegen Paragraph eins Absatz drei Nummer eins der Lex Mercatus sein.", dozierte der Scriba weiter.
    "Hmhmhm...", brummte Vala nachdenklich und strich sich durch den Bart, was ein genervtes Seufzen des Sklaven zur Folge hatte, der eine Falte neu werfen durfte, "Nein, der vertut sich da. Man kann einem Händler kaum vorwerfen, dass die Produktionsstätten seiner Waren woanders liegen als sein letztlicher Handel... sonst wäre er ja überflüssig und der Produzent könnte direkt verkaufen."
    "Das bedeutet?", hielt der Scriba inne.
    "Ignorieren. Weiter."
    "Das war es dann, Aedil."
    "Na, dann war dieser Schrieb nicht sehr ergiebig. Umso besser, dann können wir jetzt Feierabend machen.", sprach Vala, wedelte den Sklaven davon und machte sich auf und davon.

  • Aculeo nickte. Natürlich verstand er.


    Aber er musste sich nun erholen und sobald dies geschehen war würde er wieder den Aedil aufsuchen, seinen Zustand erklären und wieder das Amt des Procurator Annonae aktiv einnehmen.


    Danke dir, Aedil. Einer meiner Mitarbeiter wird sich in den nächsten Tagen bei dir einfinden um offene Fragen zu beantworten und alles mit dir besprechen was weiter ansteht.Sobald es mir besser geht werde ich dich schriftlich informieren. Damit du einen Termin für mich freimachen kannst.
    Sodann, Duccius Vala. Die Götter mögen dich beschützen bis dahin. Vale


    Theoretisch war es das wohl. Aculeo wartete noch darauf dass sich der Aedil ebenfalls verabschiedete um dann zur Casa Germanica zu wandern um sich dort seiner Gesundheit zu widmen.

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    Ich hatte direkt im Anschluss an die erste Anhörung des Germanicus Sedulus (beziehungsweise direkt nach meinem anschließenden Gespräch mit dem Prätor Metilius) meinen treuen Klienten Titus Nonius Turbo in die Spur geschickt. Er sollte einem der amtierenden Ädilen meine Vorwürfe gegen den Germanicer stecken.. so mehr oder weniger anonym. Denn natürlich konnte ich, nachdem diese Geschichte mit dem Samier noch nicht ganz geklärt und durch war, ja jetzt nicht selbst bei den Ädilen vorbeikommen. Das sah ja dann so aus, als würde ich mich vollends der Entscheidung dieses Iudex beugen. Und das senkte wiederum meine Chancen, noch etwas gegen diesen Samius auszurichten. (Und das würde ich!)
    Also ließ ich den Nonier ohne eine Erwähnung meines Namens zum den Ädilen gehen. "Hallo. Ich habe Post." Wofür hatte ich schließlich einen so treuen Postangestellten in meinem Klientel? Er übergab ohne weitere Kommentare seine Wachstafel:



    An den zuständigen Ädil


    Hiermit möchte ich darauf aufmerksam machen, dass der Senator Quintus Germanicus Sedulus gegen die Lex Mercatus §4 Absatz 1 verstieß, als er ohne Sägewerk, Farbmischerei und Tongrube jedoch 3 Edelhölzer, 25 Farben und 126 Einheiten Ton öffentlich zum Verkauf feilbot.


    Außerdem möchte ich darauf hinweisen, dass man seine Bäckerei "Pistor Carthago Nova" hinsichtlich der Lex Mercatus §4 Absatz 5 sowie dem richtungsweisenden Urteil im Fall Caecilius Metellus vs. Germanicus Avarus gut im Blick behalten sollte. Denn als Teil einer Erbschaft hat er nach gebräuchlichem Usus zwar etwas Zeit, um einen neuen Besitzer für sie zu finden, .. aber nicht ewig.



    Noch ein freundliches Nicken und ein "Vale., dann war er auch schon wieder abgezogen.



  • Der Scriba des Aedils nahm die Tafel entgegen und las sie aufmerksam durch. Eine Anzeige offensichtlich. Gegen Germanicus Sedulus, den Senator. Sehr ausführlich hinsichtlich der Beweisstücke - nur leider stand weder dabei, wann dieser Verkauf stattgefunden hatte, noch, ob es Zeugen oder ähnliches dafür gab. Als er aber aufblickte und gerade nachfragen wollte, hatte der Nonier ihm schon den Rücken gekehrt.


    "Halt, warte!", rief der Scriba noch hinterher...

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    Denkste. Ganz so schnell kam mein treuer Klient Titus Nonius Turbo dann doch nicht hier weg. "Ja? Was gibts?", drehte er sich also nochmal um und ging zwei Schritte zurück auf den Scriba zu. Der Kerl wollte sich bestimmt den Weg zur nächsten Postsammelstelle des Cursus Publicus sparen. Aber falsch gedacht: So funktionierte die staatliche Postbeförderung nicht! Da gab es Vorschriften, die eingehalten werden wollten, Listen, die es auszufüllen galt, und, und, und....


    Gegen ein kleines Handgeld allerdings.. ließen sich kleinere Ausnahmen aber bestimmt machen. Forschend blickte Turbo dem Scriba in die Augen, bevor die Antwort jenes Ädilgehilfen meinen Klienten wohl etwas enttäuschen würde..



  • Da hatte der Anzeigen wohl noch einmal Glück gehabt!


    "Komm nochmal her! Diese Anzeige ist ein bisschen... naja, es fehlen ein paar Angaben." begann der Scriba direkt, als der Nonier wieder vor ihm stand. "Erstens: Wer reicht diese Anzeige überhaupt ein? Also wie ist dein Name? Zweitens: Wann soll Senator Germanicus diese Waren angeboten haben? Es klingt so, als passiere das nicht momentan...?" Fragend sah der Schreiberling den Anzeiger an...

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    Mein treuer Klient Titus Nonius Turbo machte einen kurzen Moment lang große Augen bei all diesen Fragen. "Moment. Du brauchst jetzt.. welchen Namen?", hakte er kurz nach. "Weil ich bin Nonius vom Cursus Publicus. Und dieser Brief.. oder diese Anzeige, wie du sagst.. Wenn da kein Absender steht, dann bin ich nur genauso schlau wie du bei der Frage, wer den geschrieben hat.", gab er ohne mit der Wimper zu zucken vermeintlich offen an. Und mal ehrlich: Es wäre ja auch nicht die erste anonyme Anzeige bei einem Ädil, nicht wahr?
    Turbo kratzte sich kurz am Kopf. "Aber halt. Ja! Du sagst, es geht dort" Er zeigte auf die Wachstafel des Scriba. "um einen Senator Germanicus? Ich war vorhin in der Basilica Ulpia, wo man mir dieses Schreiben auch zur Beförderung zugesteckt hat. Ich wette da hat einer aus dem Publikum den Iudex einfach beim Wort genommen!", erklärte er triumphierend. "Du musst nämlich wissen: Eine Sergia hat den Senator Germanicus Sedulus angezeigt, weil der irgendwelche Waren nicht hätte öffentlich auf dem Markt anbieten dürfen oder so. Der Iudex hat dann gemeint, dass das nicht seine Sache wäre sondern etwas für die Ädilen." Er beugte sich leicht verschwörerisch zu dem Scriba. "Du hättest mal sehen sollen, wie diese Frau abgegangen ist nach diesem Urteil! Sofort zum Prätor ist sie gerannt, um das Urteil anzufechten." Womit es für Außenstehende natürlich eher unwahrscheinlich schien, dass ausgerechnet sie diese Nachricht beauftragt hatte. "Keine Ahnung, was der Prätor dann dazu gesagt hat. Da hatte ich schon diesen komischen Brief zugesteckt bekommen.. und meine Pause war auch vorbei.. und ich bin hierher zu dir gekommen." Er nickte.


    Dann verging ein kurzer Augenblick ohne Äußerung, bevor sich der Nonier an die zweite Frage erinnerte. Da hatte er wohl etwas am Thema vorbei erzählt eben, was? "Wegen dem "Wann" da kann ich dir jetzt so genau das leider auch nicht sagen. Aber ich meine, heute haben wir den ANTE DIEM IV KAL SEP DCCCLXIV A.U.C. (29.8.2014/111 n.Chr.) * und soo langsam sind unsere Gericht ja auch wieder nicht, oder?" Er zuckte mit den Schultern. "Kannst ja einfach von Pi mal Daumen zwei Wochen ausgehen, die zwischen der Anhörung und der Aktualität des Angezeigten liegen. Oder du schaust selbst in der Basilica Ulpia mal vorbei.", wo er sicherlich erfahren könnte, dass besagte Warenangebote in der Tat ziemlich genau zwei Wochen vor Anhörungsbeginn als dereinst aktuelle Verstöße angezeigt wurden. Und unter Umständen fand sich sogar noch jemand, der wusste, dass diese Angebote bis exakt 9 Tage vor Anhörungsbeginn aktiv waren.
    Wieder zuckte der Nonier mit den Schultern. "Kann ich dir sonst noch irgendwie helfen?"


    Sim-Off:

    * Die Verjährungsproblematik überlasse ich mal einfach den Ädilen, nachdem sich allein die Anhörung ja schon recht genau zwei Monate hingezogen hat. :P
    Achso, und hier wäre ein kleiner Einzeiler mit sim-off-Kommentar als Antwort noch ganz schön. Danke! 8)


  • Der Scriba hatte gar nicht gewusst, dass der Cursus Publicus auch Briefe vom Forum Traianum zum Forum Romanum transportierte - aber das war auch nicht seine Sache, sodass er auf der Anzeige ein "anonym" verbuchte. Den Göttern war Dank, dass dieser Nonier aber zufällig in der Verhandlung gesessen hatte, um die es hier ging.


    "Naja, das ist es auch." stellte der Scriba zwischendurch wegen der Zuständigkeit fest, ehe er wieder fleißig notierte. "Wurde bei der Verhandlung kein konkretes Datum des Verstoßes genannt?" fragte er, nachdem er nun schon einen Zeugen der Zeugen vor sich hatte... Immerhin hatte er wenig Lust, die Händler der letzten zwei Wochen über ihre Konkurrenz zu befragen...

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    Mein treuer Klient Titus Nonius Turbo machte ein langes Gesicht und überlegte.. (Hatte der Iudex irgendein Datum genannt?) ..und überlegte.. (Hatte der Hausadvokat seiner Chefin ein Datum der Verstöße genannt?) ..und überlegte.. (Hatte der Verteidiger irgendein Datum genannt?) ..und schüttelte am Ende dieser ganzen Nachdenkerei bedauernd den Kopf. "Tut mir Leid. Entweder ich habs schon wieder vergessen oder keine der drei Parteien hat da irgendein konkretes Datum zu den Verstößen * genannt." Er ließ eine kurze Pause. "Ist das denn so wichtig? ..also, dass es ein ganz konkretes Datum dazu gibt?", interessierte er sich dann einfach mal neugierig.


    Sim-Off:

    * Wie gesagt: Beobachtet habe ich, dass die Angebote exakt am 20.08. aus der WiSim entfernt wurden. Nur weiß das der Nonius hier natürlich nicht.... :)


  • "Naja, der Aedil kann ja schlecht eine Strafe auf Verdacht erheben. Und wenn er nicht weiß, wann der Verstoß begangen wurde, kann er auch kaum Zeugen oder Beweise dafür finden..." Der Scriba überlegte einen Augenblick. "Aber wenn es einen Prozess gab, dann dürften dort ja Zeugen dabei gewesen sein. Vielleicht müssen wir einfach dort nachsehen."

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    Mein treuer Klient Titus Nonius Turbo nickte einfach mal freundlich, auch wenn er sich nicht ganz sicher war, dass er jedes Detail der Aussage jetzt auch ganz hundertprozentig verstanden hatte. Turbo war schließlich ein Beamter des Cursus Publicus und kein Vollzeitjurist. Ja, noch nicht mal ein Hobbyjurist oder großartiger Prozessgänger war er für gewöhnlich - wenn seine Patronin und Postchefin ihn nicht eben halb dazu nötigte.
    "Eine Anhörung, ja.", korrigierte er (dabei war er sich nämlich schon bedeutend sicherer) anschließend also lieber beiläufig. "Tu das.", nickte er dann erneut (und wand sich damit ganz nonchalant aus dem "wir" seines Gesprächspartners heraus). "Kann ich dir sonst noch irgendwie helfen?" Man hörte, dass er sich ansonsten auch gerne wieder um seine eigene Arbeit kümmern würde. So simpel der Job auch war, trug sich die Post deshalb nämlich noch lange nicht alleine aus....



  • Der Scriba schüttelte den Kopf. "Nein, ich werde das prüfen und an den Aedil weitergeben." Damit legte er die Tabula ab, kritzelte ein paar Notizen auf die Rückseite und kümmerte sich um das nächste Schriftstück.

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    Mein treuer Klient Titus Nonius Turbo nickte zufrieden. Sollte der Scriba das also prüfen und dann an einen der Ädilen weitergeben. Das war mir nur recht. Und deshalb war es auch dem Nonier hier nur recht. Denn ganz egal, ob es jetzt so lief oder anders: Wenn es sich als nützlich erweisen sollte, dass ich den Germanicer nach der gerichtlichen Anhörung gleich an die Ädilen verpfiffen hatte, dann würde ich zugeben, dass es genau so gewesen war. (War ja auch nicht meine Schuld, wenn so ein Postbeamter nur die Hälfte von dem mitbekam, was ich behaupten könnte gesagt zu haben!) Sollte es auf der anderen Seite allerdings besser sein, dass nicht ich den Fall des Germanicers zum Ädil getragen hatte, dann war und blieb der Schritt eben auch weiterhin anonym und ich würde es auf einen der Anwesenden aus dem Publikum schieben. Möglich war ja vieles, auch wenn die Anwesenden das wahrscheinlich allesamt abstreiten würden. Aber nur weil sie es abstritten, waren sie ja noch lange nicht gleich unschuldig - genauso wie ich.
    Und so verließ mein treuer Klient, der langsam echt etwas gut hatte bei mir, mit einem freundlichen "Vale." auf den Lippen die Basilica Iulia.



  • Weil ich in diesem Fall kein Interesse an einer langatmigen Prozessorgie hatte, sondern einfach nur möglichst flott mein Bein zum Stolpern ausstellen wollte, kam ich hier und heute ganz persönlich und direkt in den Sprechsaal der Ädile. Dort ließ ich mich nach allen Regeln der Kunst erst anmelden, bevor man mich nach meinen erst jungen Anhörungsprozess gegen diesen ollen Germanicer sicherlich extra einige Zeit warten lassen würde. Aber die würde ich geduldig ausharren und warten. Denn ich hatte eine wichtige Mission! Irgendwann dann war ich an der Reihe: "Ich grüße dich, Aedilis Curulis." Wie hieß er gleich? Vergessen. Drum beließ ich es einfach nur beim Amtstitel. Und ja, ich war ganz gezielt hier beim patrizischen Aedilis Curulis aufgeschlagen!


    Aber zur Sache: "Mein Name ist Sergia Fausta. Ich bin eine Ritterin aus eigenem Recht. Ich amtiere als Postpräfektin von Italia. Und ich habe ein großes Problem. Ich besitze nämlich eine Fischerei und einen Gemüsebauern, beide in Alba Fucens. Und ich verkaufe meine Waren und Produkte natürlich ganz besonders auch hier in Rom. Deshalb fiel mir auch sofort auf, dass ein gewisser.." Ja, wie hieß es denn, mein Opfer? "Titus Duccius Vala - der Germane, der nach einer mittelprächtigen Ädilität und einer schwachen Prätur jetzt zum Lohn für diese zwei faden Amtszeiten auch noch zum Consul gewählt werden will", ließ ich keinen Zweifel daran, was ich von diesem Mann hielt, und vertraute dabei natürlich auch darauf, dass der patrizische Ädil hier eine ganz ähnliche Meinung von diesem Homo novus hatte. "..dass dieser Titus Duccius Vala gegen die Lex Mercatus verstößt!"
    Diese Anzeige machte mir besonders viel Spaß, wenn ich daran dachte, dass es ausgerechnet der Duccier gewesen war, der diesen ollen Germanicer wegen.. einem Verstoß gegen die Lex Mercatus.. zur Seite gestanden hatte. "Am ANTE DIEM VIII ID NOV DCCCLXIV A.U.C. (6.11.2014/111 n.Chr.) begann der Duccius nämlich damit, öffentlich Brot, Fisch, Gemüse und Olivenöl zu spenden. Wie gesagt verkaufe ich selbst Fisch und Gemüse, weshalb ich diese Spenden natürlich genau beobachtet habe. Und jetzt, am 9. Tag seiner Brot-, Fisch-, Gemüse- und Olivenölspende, sehe ich mich wirklich ernsthaft durch ihn angegriffen. Noch immer wirft der Mann kostenfrei mit 330 Broten, 120 Fischen, 789 Vegetabilien sowie 145 Krügen Olivenöl im Wert von zusammen fast 3000 Sesterzen um sich!" In dem Sinne werfen tat er diese Sachen natürlich nicht. Aber der Ädil würde schon wissen, was ich meinte. "Paragraph fünf der Lex Mercatus besagt im dritten Absatz: "Der Staat darf einen Betrieb mit einer Strafabgabe belegen, wenn er Waren zu einem Preis unterhalb der Herstellungskosten anbietet, um damit Mitbewerbern den Zutritt zum Markt zu erschweren." Und: "Die verbilligte oder kostenfreie Abgabe von Waren im Sinne von Schenkungen oder Spenden bleibt unberührt, sofern der niedrige Preis nur eine Woche gilt und die Maßnahme nicht in kurzen Zeitabständen wiederholt wird." Die Woche, werter Ädil, ist rum. Seine Schenkungen und Spenden bleiben also endlich NICHT länger unberührt von diesem Paragraphen. Und ich verlange.. das heißt, ich bitte dich inständig, dass du diesen Mann stoppst, der nicht nur mein Geschäft in dieser Woche ruiniert, sondern auch unsere Res Publica durch seine Kandidatur in den Abgrund zu stürzen droht!" Denn natürlich passte es mir hier sehr gut in den Kram, wenn die fleckige Weste des Ducciers ausgerechnet vor diesen für ihn so wichtigen Wahlen noch ein bisschen fleckiger werden würde....

  • Der Aedil saß wie jeden Markttag in der Basilica, um jeden zu empfangen, der über irgendetwas auf dem Markt zu klagen hatte. Entsprechend wurde auch Sergia Fausta vorgelassen, sodass sie ihre mit Verve vorgetragene Anzeige vorbringen konnte. Der kurulische Aedil reagierte darauf weniger wortreich:
    "Ich danke dir für deine Anzeige. Wir werden das prüfen." Damit hatte der Aedil wohl alles gesagt und der Schreiber machte eine Notiz diesbezüglich.

  • Irgendwie hatte ich mich schon auf eine längere Diskussion mit dem Ädil eingestellt. Aber der war nur wortkarg und kündigte eine Prüfung des Falls an. Kurz wusste ich nicht, was ich darauf sagen sollte, bevor mir aufging, dass der patrizische Ädil sicher schon tun würde, was er.. tun musste.. so als Ädil. Naja. Wie dem auch sei. "Ich danke dir, Ädil.", gab ich den Dank zurück, bevor ich mich mit einem "Vale." auch schon wieder verabschiedete. Mit dem guten Gewissen, dass ich mir wirklich nicht vorwerfen konnte, nicht getan zu haben, was ich konnte, für das Wohl des römischen Staates, ging ich anschließend also wieder meiner Wege....

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