Peristyl | der Kaiser zu Besuch

  • Als Frau entschied sich Livineia, zuerst die Augusta zu begrüßen, denn ihr Bruder würde schließlich zuerst die Begrüßung des Augustus vornehmen, das war eigentlich nur naheliegend. An der Seite ihres Bruders trat sie in den Garten ein. Es war für sie recht ungewöhnlich, doch hatte sie sich dafür entschieden, sich eher bodenständig und ohne großen Prunk zu kleiden. Sie hatte sich für den heutigen Tag dafür entschieden, die tugendhafte Schwester ihres großen Bruders darzustellen, denn wenn es heute um etwas ging, dann um seine Karriere – jedenfalls war dies für Livineia so. Sie liebte ihren Bruder und auch wenn sie häufig nicht seine Meinung teilte, so würde sie sich doch immer darum bemühen, ihn in seinem Streben zu unterstützen. Natürlich trug sie auch Armreife und eine hübsche Kette, doch hatte sie sich heute nicht zu prunkvoll behangen, wie sie es sonst manchmal zu tun pflegte. Auch mit Farbe im Gesicht hatte sie sich zurückgehalten, obgleich sie natürlich schon zu sehen war. Es ging heute nicht darum, Aufmerksamkeit zu erringen. Es ging darum, Aufmerksamkeit zu bewahren. Es würde nicht helfen, wenn sie aussah, als wäre sie in einen Farbtopf gefallen.
    Bei dem Kaiserpaar angekommen, neigte sie höflich ihr Haupt.


    „Salve, Augusta – die Ehre ist mehr als nur auf meiner Seite.“ Livineia lächelte die Kaiserin warm an. Bei den Feierlichkeiten des Flavius hatte sie die Augusta ebenfalls gesehen, aber keinen richtigen Anlass gefunden an sie heranzutreten, zumal Livineia selbst an jenem Tag auch ein wenig neben der Spur gestanden hatte. Es war ein schwieriger Tag gewesen.


    „Salve, Augustus. Es ist eine große Ehre, auch dich kennenzulernen. Es freut mich, dass du und deine Frau uns heute beehren. Ich möchte noch einmal persönlich zu eurem Glück gratulieren.“ Nachdem Marcellus den Kaiser begrüßt hatte, grüßte Livineia ihn ebenfalls, um Marcellus im Gegenzug die Kaiserin zu ‚überlassen‘. Die erste Gelegenheit – und die nutzte sie natürlich auch sofort. Ihre Worte richteten sich schlussendlich an das Kaiserpaar.
    Insgesamt, so hatte sie sich für die Cena vorgenommen, würde sie sich aber merklich zurückhalten. Sie wollte nicht als geschwätzig wirken und vor allem auch ihrem Bruder nicht die Show stehlen. Wenn es angebracht war, würde sie sich natürlich einbringen. Wenn sie im Laufe der Cena merkte, dass es angebracht war, durchaus auch mit Charme und Witz. Doch für den Moment lernten sie sich erst kennen und sie wollte nicht gleich vom ersten Moment an als frech gelten. Sie wusste schließlich, was sich gehörte und den Augustus oder seine Gemahlin zu überrumpeln war, zumindest in ihrem Alter, kein angemessenes Verhalten. Sisenna war etwas anderes und kam mit ihrer Art auch augenscheinlich gut an, aber Livineia war einfach schon zu alt um unbedarft gelten zu dürfen.
    Auch im Gegensatz zu Silana grollte sie ihrem Großvater nicht, dass sie sich um die Blumen hatte kümmern sollen. Einen Großteil der Aufgaben hatte sie an die Sklaven delegiert und sich selbst lediglich um die Entscheidungen gekümmert. So hatte sie vor allem auf ein paar Bildnisse, dargestellt in Blumen, Wert gelegt – so schnell es eben gegangen war. Insgesamt war die Dekoration sichtbar, aber nicht zu aufdringlich. Livineia hatte schon Empfänge erlebt, bei denen man auf einmal in Blumen gesessen hatte, das mochte sie persönlich nicht so gerne. Sie hielt sich da lieber zurück.

  • Marcellus bemerkte nicht, dass die Frau des Augustus ihm grollte, er hatte von ihr zunächst nur wenig Notiz genommen, da sie bei seinem Eintreten vor der kleinen Sisenna hockte und nicht wirklich einen herrschaftlichen Eindruck gemacht hatte. Die Kaiserin war noch ziemlich jung, bestimmt 20 Jahre jünger als ihr Gemahl und sie war sichtbar schwanger. Marcellus bemerkte sie auf den zweiten Blick, fand aber nichts dabei zunächst einmal den Imperator begrüßt zu haben, schließlich war er der Herr über Rom und Marcellus hatte bei seinem Eintreten nicht direkt alle Anwesenden grüßen wollen, sondern zunächst seinem Großvater Gelegenheit gegeben ihn vorzustellen.

    "Salve Augusta."
    fügte Marcellus nun, da er vorgestellt worden war, hintenan. Noch immer ohne sich einer Schuld bewusst zu sein. Sein Blick ruhte auf dem Imperator, welcher schon in reifem Alter, allerdings auch noch nicht alt war. Ein Mann, der noch immer in seinen besten Jahren war, zweifellos. Marcellus wusste, dass Severus ebenfalls ein Soldat gewesen war. Ein Politiker und Soldat, so wie ein anständiger Römer es sein sollte. Er hatte die sechzehnte Legion befehligt und er hatte die Provinz Dalmatien verwaltet. Er hatte in Dakien gekämpft... Ein Mann zu dem Marcellus durchaus aufblicken konnte, ebenso wie zu seinem Großvater.


    Wieder musste er an Flavius Scato denken, den Politiker, mit welchen er neulich gesprochen hatte. Wer hatte es in Rom jemals zu etwas gebracht ohne militärische Erfahrung?


    Die Kaiserin äußerte den Wunsch mit Sisenna und Silana das Anwesen zu besichtigen, was Marcellus etwas merkwürdig fand, was er aber selbstredend nicht kommentierte. Sie war immerhin die Frau des Imperators und bei diesem Besuch verabschiedete sie sich direkt nach der Ankunft von ihrem Gastgeber und trollte mit einem kleinen Kind und einer, nun... schwierigen jungen Frau durch das Haus. Aber es war nicht an Marcellus dies zu beurteilen, er hätte sich lediglich etwas mehr dignitas von diesem Besuch erwartet.

    "Ja, Augustus. Ich strebe danach Rom zu dienen. So wie es meine Ahnen schon immer getan haben."
    eine Anspielung auf die wirklich weit zurück reichende Vergangenheit der Claudier, auf welche Marcellus stolz war. Fast vom Anbeginn der Republik an, lebten sie in Rom. Es hatte Höhen und Tiefen gegeben, aber in jüngerer Zeit hatten sie sich von der Schande erholt, welche die letzten claudischen Kaiser über sie gebracht hatten. Nicht wenig hatte sein Großvater Menecrates dazu beigetragen. Marcellus selbst würde seinen Teil noch leisten müssen.

  • Verdammt. Sie hatte verloren. Wirklich verloren. Lachten sie die anderen Blicke aus? Livineia schien spöttisch zu blicken, wenn dies auch nur ihre persönliche Einbildung war. Silana mochte es nicht, zu verlieren. Dabei hatte sie gehofft, dass ihr Verhalten subtiler wäre und der Eklat erst später eintreten würde. Großpapa schien doch deutlich schneller zu sein, als die junge Frau erwartet hatte. Gut, den Kampf hatte man verloren aber nicht den Krieg! Zumindest nicht den Krieg um die persönliche Ehre und die Selbstwürde. Silana blickte sich hektisch um, ob es nicht doch einen brauchbaren Fluchtpunkt gab. Nein, gab es nicht. Sie musste sich stellen. "Ich gehe mit in den Garten," antwortete sie platt und schnell. Sie wollte ihrem Großpapa auch nicht völlig den Abend versauen. Immerhin war es ihr Großvater. Nun manchmal mussten Dinge einfach klargestellt werden. Wirklich klargestellt. Silana war kein Objekt. Mitunter eine römische Frau aber kein Objekt des Fremdwunsches! Immerhin konnte sie den kleine Wirbelwind Sisenna begleiten und die Kaiserin etwas näher kennenleren. Sie schien ganz bodenständig zu sein, was Silana auf den ersten Blick gefiel. Silana nickte der Augusta zu und dann auch ihrem geliebten Großvater Menecrates. "Wir reden später," sagte sie etwas leiser in seine Richtung und drohte damit insgeheim, dass die Frage über ihren Status in der Familie noch nicht geklärt war. Aber nun lächelte sie ehrlich, da die kleine Claudia ihr einfach ein Lächeln aus dem Gesicht zauberte. "Lasst uns gehen," meinte sie nun freundlich und deutete in Richtung Zuweg zum Hortus. Dennoch war Silana kurz durch die verbliebenen Tränen der Sisenna verstört. Was verbarg dieses Kind für eine Traurigkeit? Nachdenklich legte sie ihre Stirn in kleine Falten, die kaum zu sehen waren; während ihre Augenbrauen leicht herabfielen.

  • "Eine ruhmreiche Familie, in der Tat." kommentierte der Kaiser Marcellus' Worte. "Dein Großvater erwähnte, dass du dein Tirocinium Fori bereits absolviert hast? Etwa bei einem Militärkommandeur?" Prinzipiell war das ja möglich. Und wenn der junge Mann sich so sehr für militärische Dinge interessierte...

    ir-augustus.png 4fjhbrgq.png

    CENSOR - CURSUS HONORUM

    PONTIFEX MAXIMUS - COLLEGIUM PONTIFICUM

  • Cara stand im Hintergrund und beobachtete das ganze Szenario, sie war froh und zugleich ein wenig enttäuscht. Sie freute sich darüber, dass das Kaiserpaar eingetroffen war und über das Aussehen und Auftreten ihrer Domina. Ersteres hatte sie einiges an Nerven gekostet. Sassia die in gewissen Sachen die Perfektion liebte, war wie bei solchen Gelegenheiten, Besuch von wichtigen Persönlichkeiten, nur schwer zufrieden zu stellen. Da konnte selbst die Schieflage eines Wimperhaares eine leichte bis mittelschwere Krise hervorrufen. Aber den Göttern sei Dank nun war sie hier und dem Kaiserpaar von ihrem Großvater vorgestellt worden.
    Enttäuscht war die Sklavin darüber, nicht darüber, dass die ganzen Vorbereitungen für diese Tag im Hause der Claudier gut gelaufen waren, sondern darüber, das diese an ihr vorbei gelaufen. Da hatte das Familienoberhaupt sie mit einer Aufgabe betraut, welche sie gewissenhaft durchführen wollte, doch man hatte sie nicht gebraucht. Der eingespielte Haushalt brauchte ihre Hilfe nicht. Nun stand sie hier und fühlte sich als Versagerin, da sie keinen Beitrag geleistet hatte, abgesehen von dem Erscheinungsbild ihrer Herrin und deren jüngere Schwester.
    Sie überlegte was oder war noch mal das Hauptziel des Kaiserbesuches? Richtig, der Enkelsohn und sein Tribunat. Sie fand ihn merkwürdig den ältere Enkelsohn von Claudiua Menecrates. Das Gegenteil von seinem jüngeren Cousin Sabinus, der ein paar Jahre jünger, schon jetzt, ernst und gewissenhaft wie er war, an seine Zukunft arbeitete. Dagegen war Marcellus, ein paar Jahre älter als Sabinus, eher der Typ, ich Patrizier und Enkel schnipse mit den Fingern und man trägt mir zu.


    Jetzt galt Caras Aufmerksamkeit der Kaiserin, eine wundervolle warmherzige Frau mit keinem Dünkel wie viele Patrizier auch in diesem Hause sie zur Schau trugen. Rührend wie die Augusta sich um die kleine weinende Sisenna kümmerte und anschließend die beiden Schwestern begrüßte. Ja sie entschärfte ganz diplomatisch Silanas Auftritt und erwähnte lobend den Garten und wollte diesen mit den beiden jüngsten Mädchen besuchen.
    Was dann geschah bestätigte Caras Meinung zu dem jungen Herrn. So sehr Patrizierenkel, dass er glatt die Kaiserin übersah. Vielleicht genoss er noch sein spätes Erscheinen und war der Meinung, dadurch zu brillieren. Er mochte Mann und Patrizier sein, doch eine Kaiserin sollte besonders ein solcher nicht so brüskieren. Sie war der Meinung wenn die Augen der Kaiserin nicht wohlwollend auf ihm ruhten, könnte es ihm schaden. Dies jedoch würde besonders seinen Großvater verletzen, denn dann hätte Marcellus seinen schlechten Ruf weg.
    Cara zog es vor den bedienenden Sklaven in den Garten zu folgen. Vielleicht konnte sie hier hilfreich sein.

  • Da sich zwischen dem Kaiser und Marcellus ein Gespräch entwickelte, hielt sich Menecrates zurück. Einzig Anweisungen per Wink, die Erfrischungen oder kleine Happen als Einstimmung auf das kommende Mahl betrafen, gab er den Sklaven. Er selbst wusste nicht, was Sassia in Auftrag gegeben und auch nicht, was Cara als Leitende der Sklavenschaft umgesetzt hatte. Er ließ sich überraschen, vertraute aber ganz auf den ausgewählten Geschmack seiner Enkeltochter.


    So blieb Zeit für Silana. Die junge Frau blieb nach seiner Empfehlung zunächst stumm. Als sie ihre Zustimmung gab, mit in den Garten zu gehen, nickte Menecrates zufrieden. Er wertete es positiv, nämlich als Wiedereingliederung in das familiäre Fest.
    Als er Silanas Zunicken gewahrte und ihren Vorschlag hörte, später zu reden, entwickelte sich ein Lächeln auf seinem Gesicht. Ihre leise Stimme ließ ihn annehmen, sie bereue ihren Auftritt. Eine andere Deutung kam für ihn nicht in Frage.


    "Selbstverständlich reden wir", entgegnete er, während das Lächeln blieb. Miteinander reden gehörte als Grundvoraussetzung zu einer guten Familienbeziehung. Er verdeutlichte außerdem damit, dass er weder nachtragend noch ernsthaft erzürnt war. Im Gegenteil: Menecrates gehörte zu den Menschen, die schnell verziehen und außerdem schnell vergaßen. Vermutlich würde er in einer halben Stunde nicht mehr genau wissen, was ihm vorhin missfiel. Der Zusammenhalt der Familie stand über allem. Das versuchte er auch an seine Kinder weiterzugeben. Und er setzte diese Werte durch - zumeist mit Liebe und vollem Einsatz für alle, aber wenn nötig auch mit Strenge.

  • Sisenna hüpfte vor Freude, als Silana sagte, sie käme mit in den Garten. Sisenna fand Erwachsenengespräche nicht spannend und freute sich auf den Graten. Außerdem musste sie so die Kaiserin und eine ihrer Nichten nicht mit anderen teilen.
    Sie löste ihre Hand aus dem Griff der Kaiserin und hopste zu Silana. Ohne zu fragen, nahm sie deren Hand und zog die Nichte zur Kaiserin. Hier angelangt, schlüpfte ihre andere Hand wieder in die der Kaiserin.


    "Meinetwegen können wir gehen", jubelte sie.

  • Marcellus beobachtete noch ein wenig, wie ein Teil seiner Familie mit der Kaiserin in den Garten verschwand. Er bekam mit, wie Silana ein recht unangebrachtes Verhalten an den Tag legte, scherte sich aber nicht darum. Er war nicht der Herr dieser Familie. Wäre er es, würde er dafür sorgen dass seine Verwandten nicht derartig aus der Reihe tanzten. Die Gens Claudia war eine alte, eine uralte, würdevolle Familie, voller Traditionen... Aber es war unnütz sich darüber zu ärgern. Er würde demnächst, sofern die Götter ihm gewogen waren, in einer entfernten Provinz militärische Erfahrungen sammeln. Wenn er zurück kam, konnte er sich darum kümmern den Ruf der Familie zu verbessern.


    "Bei einem militärisch sehr erfahrenen Mann, Augustus." antwortete Marcellus auf die Frage des Imperators.


    "Bei meinem Großvater. Nicht während seiner Zeit in Germanen, sondern danach. Dennoch habe ich in dieser Zeit vieles gelernt." ergänzte er. Er hatte seinen Großvater in der Tat oft nach Einzelheiten gefragt. Trotzdem waren es nur Erzählungen und Marcellus brannte darauf sich selbst zu beweisen. Nicht anderer Männer Geschichten zu hören, sondern selbst das Blut der Feinde Roms zu vergießen.


    "Aber ich war noch nie an der Grenze und habe noch nie einen ernsthaften Kampf erlebt. Ich bin kein echter Römer und mache meinen Ahnen Schande, wenn gute Römer unser Land gegen die Wilden verteidigen, während ich hier in Rom sitze und Texte über die Poesie lese. Daher will ich mein Tribunat ableisten. Ich habe damit schon fast zu lange gewartet." immerhin war er nun schon 21 Jahre alt. Seit fünt Jahren war er ein erwachsener Mann...

  • Nur aus den Augenwinkeln bekam der Kaiser mit, dass Menecrates seine Enkelin auf später verwies. Lieber hörte er dem streng wirkenden jungen Mann zu. Das Tirocinium hatte er also ebenfalls bei seinem Großvater absolviert. Nicht ungewöhnlich im Grunde.
    "Nun, die Pax Romana erlaubt es natürlich deutlich weniger als früher, dass jeder Römer sich im Krieg bewähren kann. Ein Segen der Götter, wie ich meine." positionierte er sich schließlich. Er selbst hatte ja noch im Dakerkrieg militärische Ehren erworben. "Trotzdem ist der Militärdienst natürlich eine sehr ehrenvolle, unterstützenswerte Sache."
    Severus strich sich durch den Bart. "Dein Großvater sagte mir, dass du das Tribunat noch vor dem Vigintivirat absolvieren möchtest. Warum?" Eine Abweichung von der Norm war immer zu begründen. Immerhin hatte die Norm auch ihre Gründe!

    ir-augustus.png 4fjhbrgq.png

    CENSOR - CURSUS HONORUM

    PONTIFEX MAXIMUS - COLLEGIUM PONTIFICUM

  • Durch den Spaziergang der Kaiserin in Begleitung zweiter Claudia entschloss sich Menecrates, das ursprünglich im Innern der Villa geplante Essen in seinen ersten Gängen nach draußen zu verlegen. Zwar wusste er nicht, was Sassia im Einzelnen in Auftrag gegeben hatte, aber er rechnete zum Einstieg mit diversen kleinen Häppchen. Mit einer Geste forderte er die Sklaven auf, die Vorspeisen zu bringen. Einem raunte er zu, dass er die kalten zuerst wünschte, einem weiteren trug er auf, dass ein Teil direkt in den Garten gebracht werden müsse.
    Eine Sklavin wies er an, zusammen mit weiteren Sklavinnen für Waschuntensilien zu sorgen und auf die Bedürfnisse der Gäste und Familienmitglieder zu achten.


    Menecrates suchte den Blickkontakt zu Sassia, um abzuklären, ob sie selbst die Regie übernehmen wollte. Getränke würden ebenso noch benötigt werden wie ein extra großer Becher mit Wein für das Trankopfer, das der alte Claudier gedachte vorzunehmen.

  • Der junge Claudier schien nicht sofort eine Antwort bereit zu haben. Severus wartete einen Moment und wandte sich dann an Menecrates. "Deine Enkel scheinen alle recht begierig zu sein, zuerst die Militärläger kennenzulernen, bevor sie sich ins politische Leben stürzen!"
    Damit hatte Marcellus noch einen Moment Bedenkzeit. Er war ja noch jung, da hatte der Kaiser noch etwas Geduld.

    ir-augustus.png 4fjhbrgq.png

    CENSOR - CURSUS HONORUM

    PONTIFEX MAXIMUS - COLLEGIUM PONTIFICUM

  • In der Tat zögerte der junge Römer bei der Frage des Augustus einen Moment. Ja, er wollte das Tribunat vor dem Vigintivirat absolvieren und er wusste auch warum. Aber wie erklärte er dieses "warum" nun am besten? Es würde sicherlich nicht reichen dem Kaiser einfach zu erklären dass er keine Lust auf ein Jahr Staatsdienst hatte, ehe er militärisches Wissen erlangen konnte. Er war schon fast kein junger Mann mehr und es wurde Zeit, dass er etwas bedeutsames in seinem Leben tat. Irgendwelche Verwaltungsaufgaben zu verrichten war nichts besonderes.


    "Imperator, es stimmt dass ich mich zum Militärdienst hingezogen fühle." antwortete er zunächst, nachdem der Kaiser sich aufgrund seines Zögerns an seinen Großvater gerichtet hatte.


    "Ich möchte mich beweisen, will Rom dienen und in der Tradition meiner Ahnen leben. Ich habe von meinem Großvater gelernt, habe studiert und ich weiß dass es nun für mich an der Zeit ist den Gladius zu nehmen." sagte er ziemlich andächtig und ernsthaft. Es war Marcellus ernst damit und um das zu unterstreichen, setzte er noch einmal an.


    "Lass mich zu den Legionen gehen, Pater, ich werde Rom und dir Ehre machen." versprach er noch einmal, noch mehr Ernsthaftigkeit und Inbrunst in die Stimme legend. Doch hatte seine Stimme auch etwas bittendes, was dem Claudier wohl niemand anderem als dem Augustus gegenüber passiert wäre. Vorerst war er mit seiner Erklärung nun fertig und er schwieg, abwartend wie der Kaiser reagieren würde.

  • Menecrates nickte auf die Anmerkung des Kaisers hin.
    "Das ist richtig und ich kann das gut verstehen. Wenn ich an meine Jugend zurückdenke, wollte ich auch mit jeder meiner Fasern zum Militär. Mit Politik hätte man mich jagen können." Er grinste, während er sich am Nacken rieb. "Das ändert sich mit der Zeit. Inzwischen halte ich beide Felder für sehr wichtig, wenn man dem Staat dienen will und ich setze sowohl in dem einen als auch in dem anderen meine ganze Kraft ein. Ich denke, so wird das auch bei meinen Enkeln sein. Beeinflusst habe ich sie nicht - wenn, dann nur ungewollt und unbewusst durch mein Vorleben."


    Da nun Marcellus auf die Nachfrage des Kaisers einging, schwieg Menecrates. Heute gehörte ihm selbst eher der Hintergrund. Er sah, dass die Sklaven seine Anweisungen umsetzten, nahm sich selbst einen der Weinbecher und vergoss den ersten Schwapp als Dank an die Götter.
    "Möge der Tag bestens verlaufen und jeder folgende ebenso."

  • Das Argument, das Marcellus vorbrachte, war nicht besonders überzeugend, wie der Kaiser mit einem leichten Stirnrunzeln feststellte. Abgesehen davon, dass der Claudier ihn gleich als Vater anredete. "Nun, die Mores Maiorum haben natürlich auch ihre Gründe: Ein Mann, der im Vigintivirat bereits erste Erfahrungen in einer öffentlichen Verwaltung gewonnen hat, ist natürlich auch in einer Legion von größerem Nutzen als ein unerfahrener Bursche." erklärte er deshalb nochmals das Gegenargument.


    Menecrates schätzte scheinbar auch den Start in den Cursus Honorum über das Tribunat. Aber er war ja auch in einer anderen Zeit aufgestiegen. "Natürlich brauchen wir auch fähige Offiziere aus edlem Stand. Aber anders als bei einem gemeinen Soldaten ist für sie auch politisches und administratives Geschick erforderlich." Das war ja der Grund, warum Legionslegaten ausschließlich aus den senatorischen Reihen rekrutiert wurden und warum unerfahrene Senatorensöhne direkt in den Stab einer Legion einrückten.
    Er blickte zu Marcellus. "Als Tribun wirst du auch häufiger den Gänsekiel als den Gladius in Händen halten, das muss dir bewusst sein." Gerade senatorische Tribune bekamen oft administrative Aufgaben zugeteilt. "Aber wir werden sehen, wie sich die Tribunate im kommenden Jahr verteilen lassen. Vielleicht finden wir einen Platz, um dich vorzuziehen, Claudius Marcellus." Zuerst mussten natürlich die momentan amtierenden Vigintiviri versorgt werden, womöglich auch zurückgestellte junge Männer. Das hing davon ab, wie glaubhaft jemand seinen unmittelbaren Anspruch vermitteln konnte. Langfristig war ja für jeden ein Tribunat zu bekommen. Es war also mehr eine Frage des Wann als des Ob.

    ir-augustus.png 4fjhbrgq.png

    CENSOR - CURSUS HONORUM

    PONTIFEX MAXIMUS - COLLEGIUM PONTIFICUM

  • Um ehrlich zu sein, hätte sich Menecrates ebenfalls mehr Feuer und passende Argumente gewünscht als Marcellus soeben zeigte. Diese Gedanken behielt er aber für sich.


    "Marcellus, der Abend ist noch lang und bietet dir vielfältige Möglichkeiten, deinen Willen zu zeigen und weitere Argumente zu finden", spornte Menecrates seinen Enkel an. Er wollte keinen Druck aufbauen, sondern Mut zusprechen und hoffte, es kam entsprechend an. Gern wäre Menecrates ins Atrium umgezogen, aber ohne die Kaiserin versagte er sich das. Um keine Stille entstehen zu lassen, richtete er nun seinerseits eine Frage an den Kaiser.


    "Mein Imperator." Die Anrede signalisierte, dass es sich um eine offizielle Anfrage handelte und keinen privaten Gedankenaustausch. "Gesetzt den Fall, ich fühle mich nach meiner Amtszeit als Praetor voll ungebremstem Tatendrang und würde die unbändige Lust verspüren, im Anschluss gleich ein Consulat zu absolvieren. Wie stündest du dazu? Ich weiß", Menecrates hob beschwichtigend die Hand, "es entspricht der Gepflogenheit, eine Amtszeit zu pausieren, aber ebenso weiß ich, du könntest diese Gepflogenheit bei Gefallen außer Kraft setzen. Mich interessiert deine Haltung zu diesem Thema."

  • Als Menecrates direkt mit einer neuen Anfrage ankam, strich sich der Kaiser nachdenklich durch den Bart. Er hatte nicht erwartet, gleich mit mehreren Anliegen konfrontiert zu werden!
    "Nun, wie schon beim Thema der Abfolge der Ämterlaufbahn" Er sah nochmals kurz zu Marcellus und nickte. "gibt es gute Gründe für das Prinzip der Annuität." Einem Mann wie dem Claudier musste man sicherlich keine Vorträge über die Prinzipien der römischen Republik halten. "Darüber hinaus ist das Consulat bekanntlich die Krönung des Cursus Honorum, das höchste aller Staatsämter. Es sollte also gut vorbereitet sein, um kein Wahldebakel zu erleben." Auch darüber musste man Menecrates aber eigentlich nicht belehren.


    "Insofern möchte ich einen Dispens nicht ausschließen, jedoch müsste der Fall eingehend geprüft werden. Gerade dieses Jahr haben wir ja wieder Klagen gegen Magistrate, die sich durch eine verlängerte Amtszeit natürlich aufschieben würden." Nicht, dass Severus glaubte, dass Menecrates sich irgendetwas hatte zuschulden kommen lassen. Aber das erklärte wohl, dass er diese Gunst nicht allzu leichtfertig gewähren wollte.
    Zum Abschluss lächelte er. "Um es mit den Juristen zu sagen: Es kommt darauf an."

    ir-augustus.png 4fjhbrgq.png

    CENSOR - CURSUS HONORUM

    PONTIFEX MAXIMUS - COLLEGIUM PONTIFICUM

  • Die kleine Frauengruppen stieß nun also wieder zu den anderen. Die Kaiserin selbst ging natürlich an die Seite ihres Mannes und hakte sich bei ihm unter. Sie wandte ihren Blick dem Hausherren zu. „Senator Claudius ich muss dir ein Kompliment zu deinem Garten machen. Er lädt wirklich zum verweilen ein.“ Dann sah sie zu ihrem Mann. „Ich hoffe wir haben euch nicht allzu lang allein gelassen? Severvus....“ Setzte Serena mit einem liebevollem Lächeln an. „...meine kleine Freundin Sisenna hat eine große Bitte an dich. Ich denke du solltest sie dir wohlwollend anhören.“ Nun nickte die Kaiserin aufmunternd dem kleinen Mädchen zu, damit diese ihre Bitte an den Kaiser herantragen konnte.
    Natürlich wusste sie, dass ihr Mann immer mit allerlei Bitten überhäuft wurde. Aber sie verwettete ihren gesamten Schmuck, dass er diese Bitte sicherlich schon hundertfach gehört, aber noch nie so zuckersüß verpackt bekommen hatte. Die Kaiserin fand die Kleine einfach nur herzig und ging davon aus, dass es dem Kaiser wohl ähnlich gehen würde.

  • Kaum dass sie das Peristyl betraten, brachte Serena Sisennas Anliegen zur Sprache. Einerseits fand Sisenna das ganz lieb, weil es zeigte, dass die große Freundin sie unterstützte. Andererseits hatte die Kleine nun keine Zeit mehr, sich zu sammeln und selbst Mut zuzusprechen. Das allerdings hatte den schönen Nebeneffekt, dass kaum Zeit blieb, Aufregungs-Bauchschmerzen zu bekommen. Schlimm war nur, dass Serena sie losließ.
    Sisenna kaute verlegen auf der Unterlippe und presste Silanas Hand haltsuchend. Die freie Hand strich unbewusst mehrmals über den Rock ihres Kleides. Sie wusste nicht, wohin mit dieser Hand und sie spürte, wie die Handfläche feuchter wurde. Das Herz wollte aus dem Hals hüpfen und der Atem ging schneller, während sie darauf wartete, dass der Kaiser sie zum Sprechen aufforderte.

  • Zitat

    Original von TIBERIUS AQUILIUS SEVERUS AUGUSTUS
    Zum Abschluss lächelte er. "Um es mit den Juristen zu sagen: Es kommt darauf an."


    Menecrates fragte nicht nach, worauf es ankäme. Wenn der Kaiser näher darauf eingehen wollte, würde er es tun. Seine Nachfrage sollte auch nicht mit einem Anliegen verwechselt werden. Es war nichts weiter als ein Ausloten der Möglichkeiten.
    "Die Anfrage war rein hypothetischer Natur. Noch kann ich selbst nicht abschätzen, wie sehr mich das neue Amt in Anspruch nehmen wird und was ich gegen Ende der Amtszeit denken werde. Meist jedoch verspüre ich lange vorher, ob der Kraftstrom versiegt oder kräftig sprudelt und aktuell fühle ich mich ausgesprochen rüstig und frisch. In meinem Alter weiß niemand, wie lange die Götter einem noch Zeit lassen, aber solange dies der Fall ist, möchte ich diesen Elan in den Dienst des Reiches stellen. Ich möchte nur rechtzeitig die Weichen stellen und da ein Consulat ein möglicher Weg wäre, hat mich deine Ansicht interessiert."


    Viel weiter kam Menecrates in seinen Ausführungen nicht, denn die Frauen kamen mit Sisenna aus dem Garten zurück.
    "Es freut mich, dass mein Garten so gut angekommen ist. Er läd auch mich des öfteren ein, darin zu verweilen." Menecrates freute sich über das Lob, hielt sich dann aber zurück, als die Kaiserin sprach. Er staunte nicht schlecht, was diese in Aussicht stellte. Dass Sisenna ein Anliegen an den Kaiser richten würde, war nicht mit ihm abgesprochen. Dieser Tag sollte vor allem der Geselligkeit und Marcellus' Fortkommen dienen.
    Menecrates schüttelte den Kopf, obwohl er schmunzeln musste.


    "Es tut mir Leid, mein Kaiser." Niemand würde dem Kaiser verübeln, wenn er die Lust auf Anliegen verlieren und das Gespräch abwiegeln würde. Andererseits blieb abzuwarten, ob am Ende die kleine Claudia erfolgreicher sein würde als Marcellus.

  • "Es müssten auf jeden Fall gute Gründe vorliegen." schloss der Kaiser das Thema ab, als er sah, dass die Frauen wieder aus dem Garten zurückgekehrt waren. Die vorhin etwas vorlaute kleine Claudierin hatte seine Frau scheinbar ins Herz geschlossen. Ein gutes Zeichen für eine Schwangere!


    Zufrieden nahm er auch zur Kenntnis, dass Veturia sich gut amüsierte, etwas irritiert, dass die Kleine schon wieder eine Bitte an ihn hatte. Ganz so schnell hatte sie ihre Vorlautheit wohl doch nicht aufgegeben.
    Aber auch Severus musste sich in Väterlichkeit üben, weshalb er Menecrates beschwichtigend zunickte, das Mädchen freundlich anlächelte und fragte: "Was möchtest du denn?"

    ir-augustus.png 4fjhbrgq.png

    CENSOR - CURSUS HONORUM

    PONTIFEX MAXIMUS - COLLEGIUM PONTIFICUM

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!