Taberna "Aus der Hand von Schesmu"

  • "Satala ist um das Militärlager entstanden", erklärte Stilo der neugierigen Iunia freimütig. "So ist es immer, wo Soldaten hausen, ist der Anhang nicht fern. Zum Teil sind es ihre Familien, die sie begleiten, zum Teil Händler und Handwerker, die sich um das Castellum ansiedeln, und was es sonst noch so braucht, um eine Legio glücklich zu machen. Kein Militärlager ohne Taberna!


    Satala ist im Vergleich zu Caesarea natürlich ein Kaff, trotzdem lässt es sich dort gut aushalten. Die kleine Stadt wurde theaterförmig am Berghang errichtet. Die Wohn- und Verwaltungsgebäude stehen auf mehreren Terrassen. Sogar ein eigenes Theater gibt es im Ort, dessen Darbietungen dermaßen mies sind, dass die Leute von sonstwo anreisen, nur um sich darüber kaputt zulachen. Sie werben mit den hässlichsten Schauspielern der Welt."

  • "Das ist... besonders. Ich muss sagen, Satala reizt mich nicht sonderlich, ich bin hier erstmal zufrieden, Schwester. Oder willst du schon wieder weg?"

  • Ich konnte mir ein Lachen kaum verkneifen bei der Beschreibung des spektakulär schlechten Theaters und der hässlichsten Schauspieler weit und breit. Verax war wie immer eine Spaßbremse.


    "Ich will ja nicht direkt wieder weg. Wir sind ja gerade erst angekommen. Aber irgendwann muss ich vielleicht dieses Theater sehen."

  • Re: Ein ordentlicher Mensch bringt Pfand- Amphoren zurück


    "Es freut mich auch, deine Bekanntschaft zu machen.", sagte Nannaia Surena, als die Iunia auch schon mit zwei Bechern und einem Krug ihres köstlichen Biers zurück kam. Sie setzte sich so, dass sie die Tür im Blick behielt:

    "Ich durfte zuhause nie mit fremden Männern sprechen, und alle meine Diener und meine Lehrer mussten Eunuchen sein.", sagte sie: "Das lag aber an meiner Familie, die sehr streng ist."

    Sie stockte kurz :

    "Ich bin Partherin.", sagte sie: " Ich habe einige Städte des Regnum Parthorum bereist, und ich war in Laodicea in Persis* verheiratet. Doch nun bin ich eine Witwe, und da wäre ein bisschen Freiheit ganz nett. Elahbel und Hadirat sind der Meinung, dass ich nur in eine Taberna gehen dürfte, wenn ich sie ganz für mich mieten würde.", sie verdrehte ein wenig die Augen:

    "Und du bist aus Rom? Oder Aegypten? Hadirat wusste es nicht genau zu sagen."



    Sim-Off:

    *heute Nehavand

  • Ich schenkte uns großzügig nach, als der Becher leer war. Partherin also...naja machte Sinn in einer Gegend wie dieser, dass man da auf Leute anderer Länder traf.


    "Ich würde dir ja mein Beileid aussprechen, aber ich wäre lieber Witwe als verheiratet bei dem Mannsvolk, das hier so rumläuft. Von daher kann das Dasein als Witwe ja durchaus positiv sein. Aber gleich kastrieren würde ich sie nicht - davon werden sie nur träge und fett wie alte Kater.


    In Persis waren wir noch nicht. Wir sind gebürtig aus Alexandria und sind mit einem Handelsschiff über das Mare Nostrum hierher gekommen. Gefällt es dir hier in Caesarea oder wirst du weiterziehen?


    Und naja was die taberna angeht...nun sitzt du hier und es ist noch nichts Schlimmes passiert. Der Himmel ist uns noch nicht auf den Kopf gefallen."


    Ich lächelte der Frau verschwörerisch zu und hob dann noch einmal den Becher um ihr zuzuprosten.

  • "Das Theater ist wirklich sehenswert." Besonders, wenn man einen sitzen hatte. Gute Laune war auf alle Fälle garantiert, während unbedarfte Gäste, die sich mit kulturellem Sachverstand der Darbietung hatten widmen wollen, regelmäßig in Agonie krümmten.


    Stilo beendete seine wohlschmeckende Suppenmahlzeit und trank sein Henqet, das bitter und säuerlich schmeckte - im Sommer sicher angenehm. Auf alle Fälle geschmacklich interessant.


    "Was bekommt ihr für die Köstlichkeit? Wenn dieses Henquet lagerbar ist, würde ich gern eine Amphore mitnehmen."

  • "Das Theater ist wirklich sehenswert." Besonders, wenn man einen sitzen hatte. Gute Laune war auf alle Fälle garantiert, während unbedarfte Gäste, die sich mit kulturellem Sachverstand der Darbietung hatten widmen wollen, regelmäßig in Agonie krümmten.


    Stilo beendete seine wohlschmeckende Suppenmahlzeit und trank sein Henqet, das bitter und säuerlich schmeckte - im Sommer sicher angenehm. Auf alle Fälle geschmacklich interessant.


    "Was bekommt ihr für die Köstlichkeit? Wenn dieses Henquet lagerbar ist, würde ich gern eine Amphore mitnehmen."

    Ich besah mir das Mahl, das Seius Stilo genossen hatte und rechnete kurz den finalen Preis zusammen. "Anderthalb Sesterzen hätten wir gern für alles zusammen. Aber was die Amphore henqet angeht, muss ich dich enttäuschen, noch sind unsere Kapazitäten nicht groß genug für ein solches Unterfangen. Wenn es hier erstmal besser läuft, dann lässt sich das sicher auch bewerkstelligen."


    Sim-Off:

    Die Widrigkeiten der Neugründung einer Gastronomie :D

  • "Ach, Beileid ist auch nicht so nötig. Meine Ehe war ein Bündnis zwischen zwei Familien. Ich war zwölf, als ich vermählt wurde und zwanzig, als ich Witwe wurde.", Nannaia zuckte die Schultern.

    Ganz so lässig wie sie sprach, war sie allerdings nicht. Sie hatte mit ihrem Ehemann in vollkommener geistiger und körperlicher Übereinstimmung gelebt, bis dieser wegen seiner Verbrechen verbannt worden war. Aber das gehörte zu den Geheimnissen, die Nannaia Surena tief in ihrem Inneren verborgen hielt.*

    Neugierig schaute sie die junge Frau an:
    "Aber was ist mit Kindern?", fragte sie: "Dafür braucht man die Kater - und ja, unkastriert.", sie lachte: " Leider ist mein Sceptuch, das heißt Hüter des Szepters, kein Eunuch von der flauschigen Art. Eher streng - mein Aufpasser.", sie wiegte den Kopf hin- und her:

    "Mir sehr ergeben, er würde sterben für mich. Aber man muss nicht immer gleich sterben, oder? Doch sag, wolltest du niemals Kinder haben?"

    Die meisten Frauen wünschten sich doch einen Ehemann und eine Familie. Nicht einmal Nannaia machte hier eine Ausnahme:

    " Meine Ehe blieb leider kinderlos.", fügte sie hinzu.


    Beim Wort "Alexandria" horchte sie auf. Wie viele Menschen aus dem Osten verehrte sie Alexander den Großen zutiefst. Er war schon lange tot, aber aus seinem Einfluss heraus waren all die jungen Reiche im Osten entstanden, und die, die er nicht gegründet hatte, hatte er für immer geprägt. Selbst die Könige Parthiens nannten sich "Arsakiden" und fühlten sich zumindest zeitweilig in seiner Nachfolge. Nannaia Surena sprach meist auch Koiné, das Umgangsgriechisch, welches Alexanders Heer mitgebracht hatte:
    "Alexandria in Aegypten, Alexanders heilige Stadt! Ich beneide dich darum, dort geboren zu sein. Ist es dort so prächtig wie man erzählt, und sind die Menschen dort so klug wie man sagt? Und verzeih mir die Frage, doch weshalb wolltest du von dort nur weg?"

    In ihrer Schwärmerei konnte sie sich das nicht vorstellen.


    "Caesarea ist sehr hübsch.", sagte sie: "Eine Weile werde ich bestimmt hier bleiben. Ich bin ja gekommen, um Römer kennen zu lernen." Sie lächelte und prostete Iunia Proxima erneut zu. Sie konnte eine Menge Henqet vertragen.



    Sim-Off:

    *Hier wird ein Teil dieser Geschichte berichtet


  • Die Frau war auf jeden Fall trinkfest, auch wenn sie eher dünnes henqet zu dieser Stunde ausschenkte. Trotzdem stieg es manchen schnell zu Kopf, wenn man es nicht gewohnt war.


    "Verheiratet mit zwölf Jahren? Da hatte ich ja noch nicht einmal meine menses. Außerdem kann es gefährlich sein so jung schwanger zu werden. Sei froh, dass du keine Kinder so jung bekommen hast. Eine Cousine mütterlicherseits ist jung im Kindbett gestorben, weil das Kind zu groß war."


    Wie immer sprach ich recht unverblümt, ohne viel Zurückhaltung. Nannaia musste demnach etwa drei Jahre älter als ich sein und wozu brauchte sie einen Eunuchen, der ein Szepter bewachte? Meine Augenbraue zuckte definitiv bei der Szeptersache hoch, aber ich sprach es nicht direkt an.


    "Es gibt genug liebestolle Kater und rollige Katzen da draußen, die für süße Kätzchen sorgen. Der Kater, der sich in mein Herz schleicht, müsste schon etwas ganz Besonderes sein. Ich bin viel zu eigensinnig und unabhängig um eine gute Ehefrau oder Mutter zu sein. Heim und Herd würden mich nur an einen Ort ketten und das muss ich nicht haben. Wenn ich irgendwann keine Lust mehr auf Caesarea habe, dann will ich meine Sachen packen und weiterziehen.


    Alexandria ist wie jede große Stadt - prächtig und ein Juwel wenn du reich bist und ein unersättlicher, alles verschlingender Moloch wenn du arm bist. Verax und mich hielt nichts mehr dort, nachdem unsere Eltern gestorben sind und wir wollten einen Neuanfang. Da gibt es kein großes Geheimnis."


    Ich winkte ab und schmunzelte. Wahrscheinlich erschien einem immer alles romantischer aus der Ferne, als wenn man den Dreck und das Elend Tag für Tag erlebt. Vielleicht gab es diese Gelehrten ja irgendwo, aber bei mir hatten sie sich bestimmt nicht vorgestellt.

  • "Es ging ja auch eher um das Bündnis, nicht so sehr um meinen Körper. Den Tod deiner Cousine bedaure ich sehr.", sagte Nannaia Surena. Sie fand das Thema nicht befremdlich, im andarun, dem Frauentrakt der großen Häuser wurde meist sehr offen gesprochen. Seltsam waren hier nur die Umgebung, und die Anwesenheit von fremden Männern. Sie schienen aber nicht auf sie zu achten.

    Der erneute Katzenvergleich von Iunia Proxima brachte sie zu jenem silberhellen Lachen, das wie Perlen von ihren Lippen quoll:

    " Man paart keine Schneeleopardin mit einem Hauskater.", sagte sie dann ernsthaft: " Ein liebestoller Kater würde nicht zu dir passen. Eine unabhängige Frau wie du braucht einen Mann, der ihr ebenbürtig ist. Einen Krieger. "

    Sie lächelte:
    "Schade, dass Alexander der Große schon so lange tot ist. Aber ihr Römer habt auch Eroberung im Blut, nicht wahr?Sonst wäre keiner von euch hier. Ist dein Bruder denn vom gleichen Geist wie du?"


  • Ein Bote eilte mit seinem Pferd herbei, stieg ab und betrat die Taberna "Aus der Hand von Schesmu". Suchend schaute er sich um.

    "Ich suche Titus Iunius Verax", verkündete er, "für jenen Mann habe ich einen Vertrag auszuhändigen".




    Mit heutigem Datum wird


    Titus Iunius Verax


    zum


    Praefectus Vehiculorum


    ernannt.



    Tätigkeitsbeschreibung:


    Der Praefectus Vehiculorum leitet und überwacht das Postwesen in einer Provinz.


    Hier: Capadocia.


    Caesarea, ANTE DIEM VI NON MAI DCCCLXXI A.U.C. (2.5.2021/118 n.Chr.)


    Unterschrieben:


    Legatus Augusti pro Praetore Galeo Calidius Calvena


    provcap-legatusaugustipropr.png



  • Für mich war das Thema nicht befremdlich. Unter Frauen sollte man doch offen sprechen und die anderen Männer hier stierten sowieso nur in ihren Bierkrug und hatten kein Interesse an unserem Geplauder. "Danke für das Beileid...sie hätte mehr Jahre auf dieser Erde verdient."


    Wie auf ein Kommando hin erschien auch unser eigener Kater und streunte eine Runde durch den Schankraum, obwohl er doch in der Speisekammer Mäuse und Ratten vom Korn fernhalten sollte. Eigenwilliges, struppiges Tier! "Schneeleopardin? Hmmm...und was für ein Tier wärst du, Nannaia? Naja einen Krieger vielleicht nicht...die neigen dazu immer nur auf alles einzuprügeln. Vielleicht einen Gelehrten mit dem man nette Gespräche führen kann wäre toll. Ich kann schon auf mich selbst aufpassen und brauche keinen Beschützer. Unterhaltung dagegen kann man immer brauchen...man kann ja nicht immer nur für kleine Kätzchen sorgen oder mit den Kätzchen spielen."


    Sie warf kurz ihrem Bruder einen Blick zu. "Die Römer erobern alles und jeden, weil sie nie den Hals voll kriegen...das ist halt so. Wer weiß wofür es gut ist. Als Alexander damals hier durchzog waren bestimmt auch nicht alle so begeistert von ihm." erwiderte ich schmunzelnd. Feldherren und Generäle waren doch alle gleich...nur auf den eigenen Ruhm bedacht.


    "Mein Bruder ist definitiv ein beständigerer Typ als ich...er ist intelligent, verlässlich, treu und fürsorglich und sehr empathisch. Aber manchmal auch ein Sack, weil er mich immer neckt." fügte ich noch schelmisch hinzu.

  • Kein Henquet. Ein Jammer. Andererseits war das hier auch eine Taberna und kein Marktstand. So genoss er die letzten Schlucke besonders langsam.


    Sim-Off:

    Bin ich noch anwesend? Ich fühle mich die ganze Zeit so angesprochen, wollte aber nicht in das Gespräch reinplatzen, was unter neuer Überschrift eröffnet wurde.

  • Kein Henquet. Ein Jammer. Andererseits war das hier auch eine Taberna und kein Marktstand. So genoss er die letzten Schlucke besonders langsam.

    ich wünschte, ich hätte Stilo noch henqet mitgeben können. "Leider wird es nach einigen Tagen wie Essig und schmeckt dann nicht mehr. Aber hoffentlich werden wir mit der Zeit die nötige Ausrüstung haben, um das zu ändern. Aber wenn es so weit ist, dann kommen wir einfach mal nach Satala und bringen welches mit. Ich muss mich ja noch von dem Theater dort überzeugen!" sagte ich gut gelaunt.


    Sim-Off:

    Stilo und Nannaia sind nicht zeitgleich da - der Thread ist nur ein wenig unübersichtlich geworden ;)

  • Nachdem er ausgetrunken hatte, zahlte Stilo und erhob sich von seinem Tisch. "War lecker. Wird eine Weile dauern, bis ich wieder nach Caesarea komme, aber ich empfehle euch gern weiter. Valete."


    Damit verließ er die Taberna, um zu Hause nach dem Rechten zu sehen und noch einmal in der Casa Seia zu nächtigen, von hilfreichen Sklaven umsorgt, die ihn auf Vordermann brachten und verhätschelten. Am nächsten Morgen reiste er bei Sonnenaufgang weiter nach Satala, um sein Leben bei der Legio fortzusetzen.


    Sim-Off:

    Alles klar, dann mach ich mich mal dünne, damit hier wieder Ordnung reinkommt. Geld wurde überwiesen, Rest ist Trinkgeld.

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!